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Freie Kameradschaften

Bei den "Freien Kameradschaften" handelt es sich um die Weiterführung verbotener Organisationen der Neonazis aus der Mitte der neunziger Jahre. Anfang der Neunziger wurden u.a. die "Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei" (FAP), die "Nationale Liste" (NL) und die "Nationalistische Front" (NF) verboten.

Dies führte in der Neonazi-Szene zu der Überlegung, das Konzept eines "Führerlosen Widerstands" zu entwickeln, dessen Strukturen für Außenstehende nicht erkennbar sein sollten. Als Bezeichnung für diese Strukturen gelten die "Freien Kameradschaften", die "Freundeskreise" und "Freie Nationale Strukturen". Dennoch bildeten sich Kader und Hierarchien innerhalb der Neonazi-Szene heraus, die auf das Personal und die Strukturen der "Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front" (GdNF) und der "Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei/Aufbauorganisation" (NSDAP/AO) zurückgehen. Bei der NSDAP/AO handelt es sich um eine illegale Dachorganisation, die 1974/75 gegründet worden war. Das primäre Ziel der NSDAP/AO war die Wiederzulassung der NSDAP und die Gründung eines Vierten Reichs. Bei der GdNF handelte es sich um eine Organisationsstruktur, die aus einem Mitte der achtziger Jahre entwickelten Konzept hervorgegangen war, nach dem die Gefolgschaft der Neonazis stärker eingebunden und neue Leute rekrutiert werden sollten. Dies erklärt nicht zuletzt die eindeutigen Bezüge der "Freien Kameradschaften" auf die SA, den Nationalsozialismus und den Kampf um die Straße.

Zu einer der herausragenden Personen in den Kameradschaften ist Christian Worch zu zählen, der einer der Anmelder der Demonstration am 9. Dezember in Köln ist (s. S. 1). Seinen ersten öffentlichen Auftritt hatte Christian Worch auf der Gründungsveranstaltung der "Aktionsfront Nationaler Sozialisten" (ANS) in Hamburg am 26. November 1977. In der Folgezeit zeichnete sich Worch immer wieder durch die Teilnahme an Überfällen auf linke Gruppen im Großraum Hamburg aus. Worch wurde 1980 zu mehreren Gefängnisstrafen verurteilt, die schließlich zu einer zusammengefaßt wurden. Seit 1984 befindet er sich wieder auf freiem Fuß.

Zu Beginn der neunziger Jahre trat Worch immer stärker als der eigentliche Organisator des "Aufbauplan Ost" hervor. Dahinter stand das Konzept, westdeutsche Nazi-Kader auf dem Gebiet der ehemaligen DDR einzusetzen, um dort eine neonazistische Infrastruktur aufzubauen. Dies sollte unter Ausnutzung des gesellschaftlichen Umbruchs und des Zusammenbruchs alter Strukturen geschehen. Die ersten Erfolge stellten sich schnell ein: Am 20. Oktober 1990 marschierten ca. 500 Nazis in Dresden auf. Einer von ihnen war Christian Worch.

Auf Worch geht auch die Initiative zur Gründung der "Anti-Antifa" zurück, die am 16. Januar 1993 auf einem Treffen einer Reihe von Nazis in Süddeutschland beschlossen wurde. Bei der "Anti-Antifa" handelt es sich um das Sammeln von Fotos und Informationen über AntifaschistInnen und deren Organisationen. Dies läuft besonders über das Kommunikationsnetz der Nationalen Infotelefone. Zentrale Kontaktadressen für die "Anti-Antifa" sind u.a. das "Nationale Infotelefon Mainz", die "Nationale Liste" in Hamburg, der "Studentenbund Schlesien" in Göttingen, die "Nationale Offensive" in Witten, die FAP in Bonn und Duisburg und weitere Postfachadressen in Berlin, Köln und Frankfurt.

Im Sommer 1993 erschien dann der Einblick, in dem die gesammelten Bilder und Informationen über AntifaschistInnen veröffentlicht wurden. Bezogen werden kann der Einblick über eine Kontaktadresse in Dänemark. In Westberlin erschien noch vor dem Einblick ein von Worch initiiertes Blatt eines "Freundeskreises revolutionärer Volkssozialisten", das ebenfalls antifaschistische Adressen veröffentlichte. Als Mitte der neunziger Jahre die "Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei" (FAP) und die "Nationale Liste" verboten wurden, gelang es Worch, die Strukturen dieser Organisationen in die "Freien Kameradschaften" zu übertragen.

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Netzseiten der Alternativen Liste, zuletzt aktualisiert am 18.03.2003. Kontakt: AL-Plenum@uni-koeln.de