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AL-Wahlzeitung 2000/2001 |
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Gegen neue Euthanasie Lebensrecht von Behinderten nicht in Frage stellen!
Behinderte Menschen sind in unserer Gesellschaft, auf der Straße, in Heimen und in Krankenhäusern schon lange aggressiven Ausgrenzungen ausgesetzt. In letzter Zeit breiten sich Tendenzen aus, ihr Lebensrecht als solches in Frage zu stellen. So ermöglicht die Bioethikkonvention des Europarates die fremdnützige Forschung an nicht einwilligungsfähigen Menschen, die nicht zum Ziel hat, den jeweiligen PatientInnen zu helfen, sondern ausschließlich neue wissenschaftliche Erkenntnisse liefern soll. Gerichte definieren behinderte Kinder als Schaden, für deren Existenz die ÄrztInnen Schmerzensgeld zahlen müssen, wenn sie eine Schwangere nicht nachdrücklich genug zur Abtreibung gedrängt haben. Das individuelle Recht auf Leben wird in Abhängigkeit von Gesundheit und Produktivkraft der einzelnen Menschen gewährt oder eben auch verweigert. Wir verstehen diese Beispiele als Machttechnik mit Namen Biopolitik, die beispielsweise die Gesundheit, die Geburten- und Sterberate oder sogar das Erbgut der Menschen beeinflusst, um die ökonomische Verwertbarkeit menschlichen Lebens zu optimieren. Vorgeburtliche Gentests und selektive Abtreibung sind dabei bereits weit akzeptierte Mittel, Sterbehilfe und Tötung von Neugeborenen wird zunehmend gefordert. Das Töten anderer Menschen aufgrund bestimmter körperlicher Merkmale war lange ein Tabu. Um dieses Tabu zu brechen, brauchen die BiopolitikerInnen eine neue Ethik, möglichst von bekannten, mit dem ausreichenden Maß an akademischen Titeln ausgestatteten "Persönlichkeiten" erfunden und propagiert, so von einigen WissenschaftlerInnen und PhilosophInnen wie Norbert Hoerster, Peter Sloterdijk und allen voran dem australischen Tötungsphilosophen Peter Singer (siehe ausführlichen Artikel unten). Gegen die Neuauflage von Eugenik und Euthanasie gibt es jedoch eine starke Gegenbewegung, die nicht zuletzt Singers Versuche, in der Bundesrepublik aufzutreten, immer wieder zunichte macht. Die Alternative Liste setzt sich insbesondere in der Anti-Euthanasie-Gruppe mit diesen bedrohlichen Tendenzen auseinander. In zahlreichen Diskussionsveranstaltungen haben wir diese Thematik in die (universitäre) Öffentlichkeit getragen und werden dies auch weiterhin tun. In diesem Semester finden an der Universität Köln wieder Seminare zur Bioethik Singers statt. Kritik an solchen Veranstaltungen wird gern mit Verweis auf die Freiheit des wissenschaftlichen Diskurses abgetan, denn die Diskussionen an der Hochschule seien schließlich rein theoretischer Natur. Hier wird allerdings ausgeblendet, welche Auswirkungen universitäre Diskurse auf die gesellschaftliche Wirklichkeit haben: Was von angehenden WissenschaftlerInnen in ihrer Ausbildung "frei und ohne Tabus" diskutiert wird, was etablierte ProfessorInnen ihre StudentInnen lehren, wird später von fertigen AkademikerInnen erforscht und praktiziert. Wo es die wissenschaftliche Ausbildung zulässt, Lebensrecht als reine Gedankenspielerei bestimmten Menschen abzusprechen, ist es nur ein kleiner Schritt dahin, Menschen auch aktiv und "echt real" umzubringen. Jutta Kahle
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