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AL-Info Nr. 62 Juni/Juli 2001 |
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"Expertenrat" & Qualitätspakt PH, AfH und Phil. Fak. aktiv. Wo bleibt der AStA?
Der Qualitätspakt bedeutet für die Hochschulen in Nordrhein-Westfalen zunächst einmal finanzielle Einbußen. Nur ein Teil des Geldes, das durch Stellenstreichungen "freigesetzt" wird, soll wieder an die Hochschulen zurückfließen. Die Kölner Universität verteilt die Kürzungen zudem so, dass das Ungleichgewicht zwischen "ärmeren" und "reicheren" Fakultäten immer größer wird. Die PH (Erziehungswissenschaftliche Fakultät), die AfH (Heilpädagogische Fakultät) und die Philosophische Fakultät müssen hierbei die größten Einbußen hinnehmen. Die Streichung beziehungsweise Zusammenlegung so genannter Kleiner Fächer ist die Folge. Weiterhin sollen die LehrerInnen- und SonderschullehrerInnenausbildung in Köln, Dortmund, Bonn, Düsseldorf etc. abgeschafft beziehungsweise an wenigen Standorten konzentriert werden. Die Alternative Liste berichtete hierüber ausführlicher im AL-Info Nr. 61 beziehungsweise in einem Flugblatt über den ExpertInnenratbericht. Neben den StudentInnen sind auch DozentInnen von den Kürzungsvorschlägen betroffen. Noch in den letzten Semesterferien begrenzten sie die Seminare an PH und AfH auf 35 TeilnehmerInnen. Zudem nahmen sie keine PrüfungskandidatInnen mehr an. StudentInnen wurde die Teilnahme an Seminaren verweigert. Das nahmen die StudentInnen der PH und AfH nicht einfach hin und beriefen im April 2001 eine Vollversammlung ein. Bereits während der Vollversammlung bildeten sich Arbeitsgruppen, u. a. eine Arbeitsgemeinschaft, die sich mit dem am 3. Mai 2001 stattfindenden dies academicus befasste. An diesem Tag pflegt sich die Universität jährlich selbst zu feiern. Auch die Anwesenheit von Tassilo Küpper, dem Rektor der Universität, und von Hartmut Günther, dem Dekan der PH, bei einer Vollversammlung am Tag vor dem dies academicus konnte die StudentInnen nicht beschwichtigen. Rektor und Dekan befürchteten offensichtlich, dass studentische Protestaktionen am dies academicus in den Augen der WirtschaftsvertreterInnen, die jährlich zur Universitätsfeier eingeladen werden, ein schlechtes Licht auf die Universität Köln werfen könnten. Im Verlauf der Hauptveranstaltung des dies academicus wurde schließlich von cirka 300 StudentInnen der PH/AfH der studentische Protest kundgetan. Zudem wurden Stellungnahmen verlesen, die sich u.a. mit der katastrophalen Lage an beiden Fakultäten befassten. Im Anschluss sahen sich einige der anwesenden VeranstalterInnen und WirtschaftsvertreterInnen gezwungen, über eine Stunde lang mit den StudentInnen zu diskutieren. Vom AStA der Universität Köln war während der gesamten Zeit nichts zu sehen. Es folgten weitere Vollversammlungen, in deren Verlauf die inzwischen sehr aktiven Arbeitsgemeinschaften ihre Arbeit vorstellten. Am 22. Mai wurden die Lehrveranstaltungen auf der Domplatte abgehalten, um auf die Missstände an den Fakultäten aufmerksam zu machen. Zwischen 10 Uhr und 14 Uhr fanden nahezu alle Seminare und Vorlesungen der PH/AfH auf dem Roncalliplatz statt. An den Vorlesungen nahmen cirka 800 bis 1000 StudentInnen teil. Zusätzlich wurden Unterschriften gegen die Maßnahmen der Landesregierung gesammelt und Schaulustige informiert. Die Veranstaltung fand in den Medien großen Nachhall. So sah beispielsweise die Süddeutsche Zeitung in der Aktion bereits ein "Startsignal für bundesweite Proteste." Am 30. Mai fand an der Philosophischen Fakultät die erste Vollversammlung statt, auf der Aktionen gegen die Umsetzung der Pläne der Landesregierung angeregt wurden. Zudem wird eine stärkere Kooperation von StudentInnen an PH, AfH und an der Philosophischen Fakultät angestrebt. Die Aktionen haben den Druck auf das Rektorat und die Dekanate erheblich erhöht. Sie sind gezwungen, sich mit der Problematik auseinanderzusetzen, die u.a. aus dem Qualitätspakt, dem ExpertInnenratbericht und der katastrophalen Lage an einigen Fakultäten der Universität Köln resultiert. Die studentischen Proteste laufen weiter und werden sich aller Voraussicht nach noch verschärfen. Die Studiensituation an der Universität Köln in den Kleinen Fächern an der Philosophischen Fakultät oder im Lehramt an PH und AfH ist nicht länger tragbar. Entsprechendes gilt für das Studium der Pädagogik auf Magister oder Diplom. Perspektive könnte ein Warnstreik bzw. ein Aktionstag sein, an dem die Pforten der PH und AfH geschlossen bleiben. Zu fragen ist jedoch, warum der AStA der Universität sich bisher kaum zur Problematik geäußert hat, auch nicht nach direkter Aufforderung seitens studentischer VertreterInnen von PH und AfH. Stattdessen erfahren StudentInnen beider Fakultäten durch den AStA-Bildungspolitikreferenten Leif Kniggendorf (LUST) Hetze und Kritik gegenüber den Protesten am dies academicus. Während einer Sitzung des StudentInnenparlamentes prangerte er "[das Verhalten] der protestierenden Studierenden der AfH und PH im Rahmen des Dies Academicus [an]. Außerdem greift er die Kompetenz der beiden ASten [PH/AfH-AStA; Anm. d. Verf.] wiederholt an", so das Protokoll der StudentInnenparlamentssitzung vom 8. Mai 2001. Besorgt kann sich der/die StudentIn nun Gedanken machen, welche Zukunft sie/ihn mit derartigen "studentischen VertreterInnen" an der Universität Köln erwartet. Liisa Jaekel mmmmmmmmm mmmmmmm mmmmmm mmm mmm mmm mmm mmm mmmm mmm mm mmm mmm mmmm mm mm mmmm mm mm |