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AL-Info Nr. 64 Oktober 2001 |
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RCDS: Setzen, sechs Autonome Referate angegriffen
Bekanntlich hatte sich einer der mutmaßlichen Terroristen des 11. September an der TU Hamburg-Harburg im Umfeld des dortigen Allgemeinen StudentInnen-Ausschusses (AStA) engagiert, nämlich in einer Islam-AG. Dies nahm der Ring christlich-demokratischer Studenten (RCDS) zum Anlass, sein politisches Süppchen auf den Flammen des WTC zu kochen - und offenbarte dabei Unkenntnis so fundamentalen Ausmaßes, wie man sie selbst den CDU-StudentInnen kaum zugetraut hätte. Die Pressemitteilung, denn um eine solche geht es hier, beginnt mit: "Verbindungen arabischer Fanatiker mit dem Umfeld deutscher Allgemeiner Studentenausschüsse (ASten) sind nach Informationen des RCDS keine Seltenheit. Denn als Folgeerscheinung der 68er haben ASten ab den 70er Jahren umfangreiche Kontakte zu palästinensischen und anderen arabischen Extremisten unterhalten." Der RCDS sollte seine Informationen das nächste Mal besser überprüfen. Denn besagte Kontakte gab und gibt es in der Tat - bevorzugte Kooperationspartner vieler ASten sind allerdings demokratische und/oder sozialistische Gruppen, die sowohl in Opposition zu den meist autoritären Regimes in den islamischen Staaten stehen als auch von den dortigen islamistischen Gruppen als ihre Todfeinde angesehen werden. Für den RCDS ist hingegen, wie es scheint, ein Araber gleich dem anderen. Weiter im Text: "Von besonderer Bedeutung sind hierbei gerade so genannte 'Autonome Referate' der ASten. Deren Auftrag im Rahmen der studentischen Selbstverwaltung wird oftmals für ausländerextremistische Umtriebe missbraucht." - Wieder einmal: Setzen, sechs! Werter RCDS: Diese Autonomen Referate heißen deshalb autonom, weil sie eben in ihrer politischen Ausrichtung vom jeweiligen AStA unabhängig sind! Wenn euch das nicht passt, dann müsst ihr darüber eine politische Debatte führen. Aber allen Autonomen Referaten mal eben terroristische Umtriebe zu unterstellen, ist erstens falsch und zweitens zeugt es von einer rassistischen Grundeinstellung, die jedeN NichtdeutscheN als verdächtig ansieht. Hören wir wieder den RCDS: "Erzeugt und stabilisiert wird das gemeinsame Feindbild deutscher Linksextremisten und ausländischer Fanatiker über einen irrationalen Antiamerikanismus. Der aggressive Antisemitismus, die Holocaustleugnungen und der latente Sexismus extremistischer Islamisten wird dabei dem gemeinsamen Feind USA komplett untergeordnet." - Wo der RCDS seine Linksextremisten hernimmt, wäre wirklich einmal interessant zu wissen. Vermutlich hält er einige in Formalinlösung konserviert in seinem Hauptquartier - in irgendwelchen ASten wird er sie kaum gefunden haben. Also, RCDS, langsam und zum Mitschreiben: Mit AntisemitInnen und Holocaust-LeugnerInnen hatte die Linke nicht nur schon immer massive Probleme, sondern bekämpfte sie politisch und dass wir mit latentem Sexismus nicht gut können, hättest Du doch schon daran merken müssen, dass wir mit dir nicht koalieren. Der hanebüchene Unsinn kulminiert darin, dass der RCDS zu "wehrhafter Sensibilität gegenüber diesen" - zusammenfantasierten - "Aktivitäten" aufruft. Soll heißen: Da der RCDS lediglich an einer Handvoll von Hochschulen auf demokratischem Weg via Wahlurne in die ASten gelangt, träumt er offensichtlich davon, seine politischen Gegner lieber durch den Staatsschutz ausschalten zu lassen. Last but not least hat diese ganze Posse auch einen lokalen Bezug. In besagter Pressemitteilung wird der RCDS-Bundesvorsitzende zitiert, und bei diesem handelt es sich um den Ex-Kölner Lars Kasischke. Dieser war hier an der Uni schon durch nationalistische Aktivitäten aufgefallen - und obwohl Kasischke seit vielen Monaten in Berlin lebt, firmiert er laut AstA formell immer noch als stellvertretender Vorsitzender des hiesigen amtierenden Rechts-AStA. Peinlich, das. mmmmmmmmm mmmmmmm mmmmmm mmm mmm mmm mmm mmm mmmm mmm mm mmm mmm mmmm mm mm mmmm mm mm |