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AL-Wahlzeitung 2002/2003 |
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Mensch als Rohstoff Die neuen Gen- und Reproduktionstechnologien bieten mittlerweile die Möglichkeit, die Grenzen der Verwertung des Menschen zu erweitern, ihn also direkt zur Rohstoffquelle und zum Produktionsmittel zu machen. Die Ware Mensch soll zukünftig als Pharmafabrik genutzt werden, als Lieferantin für hochwertige Embryonen, die als Ersatzteillager für Organe dienen, als Bausteine industrieller Menschenzüchtung. Die Nutzung des menschlichen Körpers als Rohstoff setzt voraus, dass gegenwärtige Wertesysteme, das Selbstverständnis und die juristische Verfasstheit der Definition des Menschen, beseitigt werden. Denn der ideale Zustand des Menschen für den gentechnischen Zugriff wäre ein auf das Biologische reduzierter, durch Gene determinierter und in Gene zerlegbarer, ein um seine sozialen Fähigkeiten beraubter Mensch - eine künstlich geschaffene Ressource. Ein Grundirrtum der meisten naturwissenschaftlich orientierten Wissenschaften wie Medizin, Biologie und zunehmend auch der Sozialwissenschaften ist, anzunehmen, dass menschliche Fähigkeiten und menschliches Bewusstsein, falls dieses überhaupt noch als Faktor wahrgenommen wird, nach einem genetisch festgelegten Plan reifen würden. Nach dieser Vorstellung ist die menschliche Persönlichkeit nur in einem geringen Maß sozialen Einwirkungen ausgesetzt. Die Bioethik zeichnet von dieser Annahme ausgehend ein antihumanes Menschenbild von defektbehafteten, minderwertigen, fremdzubestimmenden Wesen. Sie richtet sich damit auch gegen klassisch-bürgerliche und humanistische Vorstellungen von Menschenwürde, Selbstbestimmung und Gleichheit. In der Volksrepublik China wird bereits das praktiziert, was BioethikerInnen hier auch gerne tun würden: Dort gibt es beispielsweise ein "rassehygienisches" Eugenikgesetz, das Menschen mit Erb- und Geschlechtskrankheiten die Eheschließung und Fortpflanzung verbietet. Zu diesen Krankheiten zählen etwa Hepatitis oder auch Schizophrenie sowie akute Infektionskrankheiten. Natürlich wird dieses Gesetz von offizieller Seite als "Gesundheitsvorsorge" bezeichnet. China ist im Übrigen auch weltweiter Lieferant für "Menschenmaterial" aller Art: Organe von Hingerichteten werden an Transplantationskliniken verkauft. Die Gentechnik erhält durch die nordrhein-westfälische Landesregierung nach wie vor eine großzügige Förderung zu Lasten anderer Wissenschaftszweige: So soll eine Reihe der durch den berüchtigten "Qualitätspakt" gestrichenen Stellen an Gentechnik-Fachbereichen neu eingerichtet werden. Die Gentechnik-Forschung an der Universität Köln soll ausgebaut werden. Mehrere Millionen Euro an Forschungsgeldern werden zurzeit für die Subventionierung von Projekten wie dem rechtsrheinischen Technologiezentrum in Köln-Kalk (RTZ) verschwendet. Die Alternative Liste fordert die Einstellung der Förderung von Gentechnik durch öffentliche Mittel und die Einrichtung eines Ökologiereferats im AStA, das sich auch kritisch mit dem Gentechnik-Boom und der inhumanen Verwertung des Menschen als Biomasse auseinandersetzt. Nora Wolf mmmmmmmmm mmmmmmm mmmmmm mmm mmm mmm mmm mmm mmmm mmm mm mmm mmm mmmm mm mm mmmm mm mm |