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AL-Info Nr. 76 November 2003 |
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Demo gegen Frauenabschiebeknast 29. November: Kampf dem sexistischen und rassistischen Normalzustand!
In Neuss befindet sich seit 1993 der bundesweit einzige Frauen-Abschiebeknast. Eingeführt unter einer SPD-Landesregierung, die in Sachen Abschiebung und Abschiebeknäste auch als Vorbild für die anderen Bundesländer diente. Der Knast befindet sich mitten in der Stadt Neuss, wenig auffällig und spektakulär. In dem Knast sind momentan zwischen 60 bis 80 Frauen eingesperrt, darunter immer wieder schwangere und minderjährige. Die Frauen sind in der Regel in willkürlich in Zweier- und Sechserzellen eingesperrt, die medizinische Versorgung ist unzulänglich. Die Frauen haben nur freien Zugang zu Kartentelefonen, die oft die einzige Möglichkeit sind, die Außenwelt zu kontaktieren, da die Besuchszeiten stark eingeschränkt sind. Wobei sich die Frage aufdrängt, wie die Frauen die Telefonkarten finanzieren sollen. Meist ohne Informationen über ihr Verfahren und ihre Rechte ist für die Frauen die Dauer der Haft nicht absehbar. Warum werden diese Frauen kriminalisiert und eingesperrt? Aus eigenem Entschluss und/oder gezwungenermaßen haben die Frauen ihr Zuhause, ihren Sprachraum, ihre FreundInnen und Familien keineswegs leichtfertig verlassen. Sie flohen vor sexualisierter Gewalt, vor politischer Unterdrückung, vor Umweltzerstörung, vor Krieg und vor geschlechtsspezifischer Armut (Frauen leisten weltweit zwei Drittel der gesellschaftlich notwendigen Arbeit, erhalten aber nur zehn Prozent des Welteinkommens und ein Prozent des Weltvermögens). Sie haben Arbeit, ökonomische und politische Sicherheit gesucht. Sie haben die Kraft und den Mut aufgebracht, sich gegen Angriffe auf ihre körperliche Unversehrtheit und ihr Selbstbestimmungsrecht als Frau, wie Zwangsheirat, Genitalverstümmelung, Lesbenverfolgung, Berufsverbote und Kleidervorschriften zu wehren und zu fliehen. Doch aufgrund der immer schärfer werdenden Asyl- und Einwanderungspraxis der BRD bleibt den Frauen oft nur die Wahl zwischen Ehe, Abschiebung oder Illegalität. Als "Illegale" sind sie auf Fluchthelfer angewiesen, mit dem Risiko, von diesen finanziell und auch sexuell ausgenutzt zu werden. Illegalität fördert Ausbeutung, Erpressung, Misshandlung und Erniedrigung in Haushalten, der Gastronomie und in der Prostitution. Permanente Angst und Unsicherheit prägen so den rechtlosen Alltag ohne Papiere. Der Frauenabschiebeknast in Neuss ist ein Symbol rassistischer Einwanderungspolitik, die in Zukunft wohl nur noch für den Kapitalismus verwertbare Menschen die Einreise in die Festung Europa gestatten wird. Der Knast ist auch Symbol einer Einwanderungspolitik, die patriarchale Unterdrückungsverhältnisse als Flucht- und Migrationsgrund ignoriert und Sexismus und Rassismus in der eigenen Gesellschaft reproduziert. Wir rufen jede und jeden dazu auf, gegen die sexistischen und rassistischen Gewaltverhältnisse in Staat und Gesellschaft zu demonstrieren, laut, entschieden und phantasievoll.
UnterstützerInnen dieses Aufrufes: Alternative Liste Uni Köln, Antifa-AG Uni Bielefeld, Antifa Hagen, AStA der Ruhr-Uni Bochum, AStA Düsseldorf, Autonomer Frauenprojektbereich der Uni Paderborn, BAVV EWF Köln, Büren-Gruppe Paderborn, Fachschaft Philosophie an der RWTH Aachen, Flüchtlingsplenum Aachen, food-notbombs Düsseldorf, FrauenRechtsBüro gegen sexuelle Folter e.V. Berlin, Grüne Hochschulgruppe Paderborn, JungdemokratInnen/Junge Linke NRW, JungdemokratInnen/Junge Linke KV Duisburg, KV Bochum, KV Münster, KV Bielefeld, KV Herford, KV Neuss, KV Köln, Kein Mensch ist illegal Köln, Kollektive Lilitza Köln, Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW, Landes-ASten-Treffen NRW, Ludwig Quidde Forum, Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum, Nicaragua Büro Wuppertal, Ökologische Linke Köln, PDS Neuss, PDS Bottrop, SDAJ Neuss, Ulla Jelpke (junge Welt), Verein für politische Flüchtlinge Münster, Wir Frauen e.V. mmmmmmmmm mmmmmmm mmmmmm mmm mmm mmm mmm mmm mmmm mmm mm mmm mmm mmmm mm mm mmmm mm mm |