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Der Mensch als Rohstoff

Aufweichen des Lebensrechts durch Bioethik und Gentechnik


Gen- und Reproduktionstechnologien bieten die Möglichkeit, die Grenzen der Verwertung des Menschen zu erweitern und ihn selbst, seinen Körper und menschliche Körperteile wie Zellen oder Teile seines genetischen Codes direkt zur Rohstoffquelle und zum Produktionsmittel zu machen. Die Ware Mensch soll zum Beispiel als Pharmafabrik genutzt werden, als Lieferantin für hochwertige Embryonen, die als Ersatzteillager für Organe benutzt werden können.

Die Nutzung des menschlichen Körpers als Rohstoff setzt voraus, dass die universellen Menschenrechte und die bisherige Menschendefinition aufgeweicht und beseitigt werden. Menschenrechte sind ein Hemmnis für die schrankenlose Verwertung. In ihnen werden alle Menschen unabhängig von ihrer subjektiven und biologischen Verfasstheit als Wesen definiert, die unveräußerliche Würde und Selbstbestimmung besitzen.

Mithilfe von "bioethischen" Konstruktionen soll die Einzigartigkeit der Menschen als bildungs- und lernfähige soziale Wesen, als TrägerInnen von Rechten, von Gleichheits- und Versorgungsansprüchen, von Emanzipationswünschen und -potenzial eingeebnet werden. Für den gentechnischen Zugriff wäre ein Bild vom Menschen ideal, das ihn auf das Biologische reduziert, angeblich allein durch Gene determiniert und in Gene zerlegbar sei, und in dem seine sozialen Fähigkeiten geleugnet werden. Darum wird überall an der antihumanen Relativierung des jetzigen, noch gültigen Menschenbildes gearbeitet.

Das geschieht auf juristischem Gebiet, zum Beispiel durch die Bioethikkonvention der EU, die so genannte fremdnützige Forschung an "nicht einwilligungsfähigen" PatientInnen erlaubt - eine Umschreibung für medizinische Menschenversuche beispielsweise an Behinderten oder KomapatientInnen. In den Niederlanden wurde die "freiwillige" Euthanasie legalisiert. Die FDP bemüht sich um eine ähnliche Regelung in der BRD.

Bundestag und EU-Parlament haben die Freigabe von "verbrauchender" Embryonenforschung und der Forschung mit menschlichen Stammzellen beschlossen - an der Universität Köln findet sie zum Beispiel am Institut für Genetik statt.

Behinderte und chronisch Kranke werden als defekte RessourcenverbraucherInnen definiert. Die Armutsbevölkerung gilt als überflüssig. Um dieses zu legitimieren, entstand die Pseudowissenschaft der "Bioethik". Ihr prominentester Vertreter ist der australische Euthanasiephilosoph Peter Singer, der behinderte Neugeborene als "menschliches Gemüse" titulierte. In allerlei Ethikkommissionen tummeln sich auch Angestellte der Kölner Universität, wie z.B. Christiane Woopen (Medizinische Fakultät). Die Universität bietet BefürworterInnen einer schrankenlosen und profitorientierten Anwendung von Gentechnik und Menschenmanipulation wie zum Beispiel Wirtschaftsminister Wolfgang Clement immer wieder Gelegenheit zu "Festvorträgen" und Auftritten.

Auch im Alltag der Menschen, in ihrer Wahrnehmung von sich selbst sollen bioethische Leitbilder stärker verankert werden, beispielsweise durch die an der Universität Heidelberg entwickelte Leichenshow Körperwelten, in der tote menschliche Körper zu spektakulären Ausstellungsstücken arrangiert werden.

Das individuelle Recht auf Leben soll immer mehr in direkten Bezug zur Gesundheit und Leistungsfähigkeit der einzelnen Menschen gesetzt werden. Der "Wert" des Lebens eines chronisch Kranken soll als geringer angesehen werden als das eines fitten, konsumfähigen Besserverdienenden. Konsequenterweise führt dies auch zu eugenischen Maßnahmen: Durch vorgeburtliche Diagnostik wird ein Qualitätsurteil über Embryonen möglich - bei unerwünschten Eigenschaften wie zum Beispiel Dispositionen zu Krankheiten wird zur Abtreibung gedrängt.

Ein Grundirrtum der vorherrschenden Richtungen in der Medizin, der Biologie und immer mehr auch der Sozialwissenschaften ist die Annahme, dass menschliche Fähigkeiten und menschliches Bewusstsein nach einem genetisch festgelegten Plan reifen würden. Nach diesen Vorstellungen sei die menschliche Persönlichkeit nur in geringem Maß durch soziale Eigenschaften geprägt. Die Bioethik zeichnet auf dieser Basis ein antihumanes Menschenbild von defektbehafteten, minderwertigen, fremdzubestimmenden Wesen. Sie ist damit auch gegen klassisch humanistische Vorstellungen von Menschenwürde, Selbstbestimmung und (formaler) Gleichheit gerichtet.

Die Anwendung der Gentechnik zieht auch in anderen Bereichen gefährlich soziale und ökologische Folgen nach sich. So sind einmal freigesetzte genmanipulierte Pflanzen oder Mikroorganismen nicht mehr rückholbar. Gentechnik überspringt Artgrenzen (zum Beispiel wurden Skorpiongene in Kartoffeln eingebaut) und kann zu völlig unerwarteten Gefährdungen wie beispielsweise tödlichen Allergien führen. Trotzdem wird an diesen destruktiven Anwendungen festgehalten, weil die Gentechnik für einige wenige Konzerne wie Monsanto oder BAYER einen neuen, lukrativen Markt schaffen soll. Denn durch die Patentierung von pflanzlichen, tierischen und menschlichen Genen ist eine Monopolisierung von Gen-Produkten wie Saatgut oder Medikamenten möglich.

Die Gentechnik erhält durch die Landesregierung in NRW nach wie vor eine großzügige Förderung zu Lasten anderer Wissenschaftszweige: So soll eine Reihe der an der Universität Köln durch den berüchtigten "Qualitätspakt" gestrichenen ca. 150 Stellen an Gentechnik-Fachbereiche umverteilt und dieser Forschungszweig an der Universität Köln ausgebaut werden. Allein in der Stadt Köln werden mehrere Millionen Euro Forschungsgelder für die Subventionierung von Projekten, wie dem Rechtsrheinischen Technologiezentrum in Köln-Kalk (RTZ) ausgegeben.

Die Alternative Liste fordert die Einstellung der Förderung der Gentechnik durch öffentliche und private Mittel. Wir beteiligen uns an den Aktivitäten von ökologischen Initiativen, Umweltverbänden, BäuerInnen, Bioethik-KritikerInnen und kritischen WissenschaftlerInnen und von Behindertenorganisationen gegen den Gentechnik-Boom. Wir kritisieren die inhumane Verwertung des Menschen als "Biomasse" und setzen uns mit Themen auseinander wie der als Sterbehilfe getarnten Euthanasie alter und kranker Menschen, der neuen Behindertenfeindlichkeit und der versuchten Einteilung der Menschen in "lebenswerte" und "unwerte" Wesen.

Ein linker AStA mit AL-Beteiligung würde auch wieder das vom Uni-AStA abgeschaffte Biopolitikreferat einführen.

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Netzseiten der Alternativen Liste, zuletzt aktualisiert am 01.12.2003. Kontakt: AL-Plenum@uni-koeln.de