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"Menschliches Gemüse"

Behinderte Menschen sind in unserer Gesellschaft, auf der Straße, in Heimen und in Krankenhäusern schon lange aggressiven Ausgrenzungen ausgesetzt. In den letzten Jahren breiten sich Tendenzen aus, ihr Lebensrecht als solches in Frage zu stellen.

So ermöglicht die Bioethikkonvention der Europäischen Union die Forschung an nicht einwilligungsfähigen Menschen. Gerichte definieren behinderte Kinder als Schaden, für die ÄrztInnen Schmerzensgeld zahlen müssen, wenn sie eine Schwangere nicht nachdrücklich genug zur Abtreibung gedrängt haben. Das individuelle Recht auf Leben wird in einen direkten Bezug zur Gesundheit und Leistungsfähigkeit der einzelnen Menschen gesetzt.

Wir verstehen diese Beispiele als Machttechnik mit Namen Biopolitik, die beispielsweise die Gesundheit, die Geburten- und Sterberate oder sogar das Erbgut der Menschen beeinflusst, um die ökonomische Verwertbarkeit menschlichen Lebens zu optimieren. Vorgeburtliche Diagnostik und selektive Abtreibung sind dabei bereits weit akzeptierte Mittel, Sterbehilfe und Tötung von Neugeborenen wird zunehmend gefordert.

Das Töten anderer Menschen aufgrund bestimmter körperlicher Merkmale war lange ein Tabu. Um dieses Tabu zu brechen, brauchen die BiopolitikerInnen eine neue Ethik, möglichst von bekannten, mit dem ausreichenden Maß an akademischen Titeln ausgestatteten "Persönlichkeiten" erfunden und propagiert, so von einigen WissenschaftlerInnen und PhilosophInnen wie Norbert Hörster, Peter Sloterdijk und allen voran dem australischen Tötungsphilosophen Peter Singer.

Der "Tierrechtler" Singer plädiert dafür, bestimmten Menschen ihr Lebensrecht abzuerkennen, sofern er sie nicht als "Personen" anerkennt. "Personen" sind für Singer nur bewusste, leidensfähige und nicht zu stark leidende Menschen. Als solche betrachtet Singer zwar einige Tiere, bei weitem aber nicht alle Menschen. Diese werden von ihm schon mal als "menschliches Gemüse" bezeichnet. Merkwürdigerweise stellen viele Menschen nicht die Frage, welche Machtverhältnisse es ermöglichen, dass solche Thesen Singers überhaupt diskutiert werden dürfen. Auch Parallelen zur nationalsozialistischen Euthanasie werden abgestritten.

Gegen die oben beschriebene Neuauflage von Eugenik und Euthanasie gibt es jedoch eine starke Gegenbewegung, die nicht zuletzt Singers Versuche, in der BRD aufzutreten, immer wieder zunichte machten. Als AL setzen wir uns insbesondere zusammen mit der Anti-Euthanasie-Gruppe Köln mit diesen bedrohlichen Tendenzen auseinander. In zahlreichen Diskussionsveranstaltungen haben wir diese Thematik in die (universitäre) Öffentlichkeit getragen und werden dies auch weiterhin tun. In diesem Semester sollen an der Uni Köln wieder Seminare zur Bioethik Peter Singers stattfinden. Wir meinen, dass die Diskutierbarkeit des Lebensrechts aller Menschen auch hier aktiv in Frage gestellt werden muss.

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Netzseiten der Alternativen Liste, zuletzt aktualisiert am 17.03.2003. Kontakt: AL-Plenum@uni-koeln.de