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Welcome! Sommersemester 2004 |
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Schwarz-Rot-Gold überall Popkultur und Popmusik gelten meist als progressiv, teilweise gar als subversiv. Während man sich über Volkstümeleien beim "Musikantenstadl" gerne lustig macht, zieht der "selbstbewusste Umgang mit dem Heimatland" jedoch längst in die hippe Welt des Pop ein. Die von vielen Menschen als links angesehene Band Mia etwa tat sich schnell als Verfechterin für ein neues Deutschlandbild hervor, das es mit Attributen wie Toleranz oder Liebe neu und positiv zu besetzen gelte. Als Teil des Kunstprojekts Angefangen, das sie gemeinsam mit ihrer Plattenfirma r.o.t. (respect or tolerate) maßgeblich betreiben, berufen sich Mia immer wieder auf die vermeintlich pazifistische Position der rot-grünen Bundesregierung im letzten Irakkrieg. Dass Schröder und Fischer nur kurz zuvor maßgeblichen Anteil am Überfall auf Jugoslawien hatten, wird geflissentlich ignoriert. Labelchef Nhoah formulierte in einem Interview, das Schönste an diesem Krieg sei, "dass man endlich wieder ungehemmt für Deutschland sein darf". Der Rapper Mellow Mark greift bei seiner nationalen Identitätssuche tief in die Kiste antiamerikanischer Rassismen: In seinem Kassenschlager Weltweit beklagt er, "US-amerikanischer Fast Food", "US-amerikanisches Gedankengut", "US-amerikanisches Erbgen" usw. würden die Welt überfluten. In einem Interview empört er sich, "die deutsche national-historische Schuld" habe ihn "fast kritiklos aufsaugen lassen, was uns die amerikanische Kultur an Häppchen vorwarf". Unter dem Etikett "Deutsch-Rap" hat sich inzwischen ein Grüppchen an PatriotInnen versammelt, aus dem immer wieder regierungstreue Statements wie der Aufruf zur Unterstützung von Schröder und Fischer "im Kampf gegen die Amerikaner" (D-Flame) zu hören sind. Wo eine reflektierte Anti-Kriegsposition angebracht wäre, werden pseudo-pazifistische Positionen der Regierung abgenickt. Popmusik im Sinne einer subversiven Kultur funktioniert zumindest hier nicht mehr. Dass ein Ja zu Deutschland auch gern ein Ja zum Antisemitismus bedeutet, bewies der Technostar Dr. Motte bereits 1995: "Dies ist mein Aufruf an alle Juden der Welt: Sie sollten mal eine neue Platte auflegen. Und nicht immer nur rumheulen", schrie er auf der Love Parade. Ob in der Musik, in der Mode, im Film und natürlich auch in der Politik: Der Sumpf deutsch-nationaler Selbstbewusstseinsfindung hat sich gerade im letzten Jahr unangenehm ausgedehnt. Ein Ende scheint momentan nicht in Sicht. Wer auch ohne Vaterland prima auskommen kann, ist bei der AL in der richtigen Gesellschaft. mmmmmmmmm mmmmmmm mmmmmm mmm mmm mmm mmm mmm mmmm mmm mm mmm mmm mmmm mm mm mmmm mm mm |