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Start / Presse / Kölner Universitätszeitung 3 - 4 2007
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Thema

Im Schatten der Akazie

Faszinierende Ausstellung zeigt unbekannte Wüsten-Funde


Akazie vor einem Sandhügel

Von Annabelle Springer

25 Prozent der Erdoberfläche sind Wüsten und über 500 Millionen Menschen leben in diesen Regionen. Nach dem jüngsten UNWüstenbericht wird das Leben für die Menschen durch die globale Erderwärmung immer schwieriger. Im Anschluss an das von den Vereinten Nationen ausgerufene internationale Wüstenjahr 2006 widmet das Rautenstrauch-Joest-Museum in einer Sonderausstellung diesem Thema die Ausstellung "Im Schatten der Akazie - Forschung in den Wüsten Afrikas". Zwölf Jahre lang haben rund 140 Wissenschaftler der Universitäten Köln und Bonn in teils schwer zugänglichen Gebieten im Nordosten (ägypten, Libyen, Sudan und Tschad) und Südwesten (Angola, Namibia, Südafrika) Afrikas geforscht. In einem Sonderforschungsbereich der Deutschen Forschungsgemeinschaft arbeiteten so unterschiedliche Wissenschaften wie Afrikanistik, ägyptologie, Botanik, Ethnologie, Geographie, Geschichte und Ur- und Frühgeschichte gemeinsam an der Erforschung von Kultur- und Landschaftswandel in den Trockenregionen Afrikas. Ihre erstaunlichen Ergebnisse werden durch die Ausstellung erlebbar gemacht.

Die Wüste ist in Bewegung

und war dies auch schon vor Tausenden von Jahren. Archäologische Funde im südlichen ägypten belegen, dass die heutige Vollwüste einst eine Savannenlandschaft gewesen sein muss, in der gejagt, Vieh geweidet und Wildgetreide geerntet werden konnte. In einem 25 Meter tiefen Salzsee im entlegenen Nordost-Tschad konnte ein Bohrkern entnommen werden, der den Klima- und Umweltwandel während der letzten fünf Jahrtausende lückenlos erfasst und Aussagen darüber zulässt, ob es etwa im Sommer 1664 v. Chr. einen Staubsturm oder eine Heuschreckenplage in der Region gab. Selbst an einem winzigen Sandkorn können Aussagen über klimatische Veränderungen gemacht werden, denn die Transportprozesse (Wind, Wasser) haben ihre Spuren hinterlassen.

Überleben in der Trockenheit

Mit der Umweltveränderung ändert sich auch die Lebensgrundlage der Bewohner. Die Ausstellung zeigt das Leben von Menschen, die in den trockenen Zonen Afrikas teils sesshaft teils nomadisch leben und sich immer wieder den Umweltgegebenheiten anpassen: So schnallen die Himba bei Dürre im wahrsten Sinne des Wortes ihren Gürtel enger, pulverisieren die Zaghawa ihre Nahrungsmittel, um sie zu strecken, teilten die Hai//om ihre Jagdbeute nach festen Regeln, um so die Versorgung aller sicher zu stellen und helfen sich die Damara gegenseitig mit Knorrtüten und Zucker aus, um Engpässe zu überbrücken.

Ungeklärte Geheimnisse

Auf verschiedenen Wegen wurde und wird die Wüste durchquert: mit einer altägyptischen Expedition auf der Suche nach wertvollen Rohstoffen, mit dem Esel als Lasttier oder mit einer Kamelkara-wane zu neuen Oasen. Spektakuläre Einzelfunde des Sonderforschungsbereichs, wie etwa 5000 Jahre alte mysteriöse Tonringe, das Libysche Wüstenglas, welches sich in der Verwendung als Schmuckstein in der Grabkammer des Tutanchamuns wiederfindet oder Tausende von gerösteten Heuschrecken-Resten, stellen die Wissenschaftler vor die spannende Aufgabe, die Geheimnisse der Wüste zu lüften.

Gemalte Geschichte

Wie verschieden Sichtweisen auf eine Landschaft sein können, zeigen besonders eindrucksvoll die Felsbilder des Ennedi Berglands im Tschad. Die Landschaft ist hier als eine sich stets wandelnde Leinwand zu verstehen, auf der man malte - vor allem Haustiere. Darüber hinaus können die Besucher verschiedenen Liedern der Herero lauschen, die alle den Waterberg und seine besondere Rolle in der kolonialen Geschichte Namibias thematisieren, sich über altägyptische Grabanlagen als rituelle Erinnerungsräume informieren und erfahren, wie der Leberwurstbaum zu seinem Namen kam.

Konflikte und Kriege

Insbesondere die politische Vergangenheit und Gegenwart spielen in den Untersuchungsgebieten eine wichtige Rolle und unabhängig ob Siedler, Händler, Missionare, Kolonialherren oder Eliten von heute unabhängigen Staaten, sie alle haben ihren Einfluss geltend gemacht. Die heute noch anhaltenden Auseinandersetzungen sind von einem deutlichen Ungleichgewicht geprägt und erinnern an David gegen Goliath: Der Bauer, der sich mit dem Hirsestab gegen den mit einer Kalaschnikow bewaffneten Kamelreiter wehrt oder das Hirtenvolk der Himba, welches gegen ein staatlich gefördertes Staudammprojekt ankämpft.

Anabelle Springer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Sonderforschungsbereich 389.
Die Ausstellung im Kölner Rautenstrauch- Joest-Museum läuft vom 22.4.-18.11.2007.

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