![]() |
Universität zu Köln
Presse- und Informationsstelle |
|
|---|
Die "alte" UniversitätDie europäische Universität ist ein Produkt jenes materiellen und kulturellen Aufschwungs, der die abendländische Welt seit dem hohen Mittelalter immer stürmischer verändert hat. Das neue Verständnis von Wissenschaft ließ Schulen, sog. Generalstudien, entstehen, die wissenschaftliche Methodik in eben "schul"gerechter, "schola"stischer Weise vermittelten. Die ersten "Universitäten", das heißt: Korporationen von Lehrenden und Lernenden, entstanden im 12. und 13. Jahrhundert in Italien (Bologna) und Frankreich (Paris). Mitteleuropa hinkte, wie in der Gesamtentwicklung, so auch bei der Entstehung und Gründung von Universitäten hinterher. Erst 1346 stiftete der böhmische König Karl eine Universität in Prag. Nach Wien (1365) und Heidelberg (1386) folgte Köln: Am 21. Mai 1388 billigte Papst Urban VI. das entsprechende Ersuchen der Stadt, ein Generalstudium einrichten zu können. Köln war damals die größte deutsche Stadt, die nordwestdeutsche Wirtschaftsmetropole. Und als im 13. Jahrhundert die neuen Bettelorden (auch sie ein Ergebnis der neuen geistigen Entwicklungen) für die Ausbildung ihres eigenen wissenschaftlichen Nachwuchses neben den Universitäten ordensinterne Generalstudien gründeten, war es nicht von ungefähr, daß sie in Mitteleuropa damit vor allem auch in Köln begannen. Die entscheidende Rolle bei der Gründung des Kölner Generalstudiums der Dominikaner im Jahre 1248 spielte Albertus Magnus, dessen begabtester Schüler, Thomas von Aquin, bei ihm in Köln studierte. Nur kurz weilte 1307/8 der führende Franziskanertheologe und -philosoph Duns Scotus in Köln, wenig später der Hauptvertreter der Dominikanermystik, Meister Eckhart (+1328). Die Wissenschaft hatte in Köln 1388 also bereits eine gute Tradition.Der Metropolcharakter Kölns bot alle Voraussetzungen für eine von Anfang an "große" und - wie sich dann rasch zeigen sollte - auch im europäischen Vergleich recht einflußreiche Universität. Sie begann, was damals noch nicht selbstverständlich war, sogleich mit allen vier klassischen Fakultäten, bot also das Studium der Theologie, der Jurisprudenz, der Medizin und der "Artes" (das von allen zu absolvierende Grundstudium philosophischer Art - daher später der Name "Philosophische Fakultät"). Rekrutierungsschwierigkeiten, wie sie bei anderen Gründungen jener Zeit üblich waren, hatte man in Köln nicht. Die Professoren und Studenten kamen nicht nur aus dem umliegenden Rheinland, sondern vornehmlich auch aus den Niederlanden. Die Beziehungen der Stadt Köln zu diesem Raume waren damals besonders eng und dicht. Indem die Stadt, nicht ein Fürst, wie etwa der Kurfürst und Kölner Erzbischof, die Universität gründete und materiell mittrug, wurde sie als Bürgeruniversität Spiegel jener Glanzzeit des europäischen Bürgertums am Ausgang des Mittelalters. Innerhalb der wissenschaftlichen Diskussionen des Spätmittelalters spielten im Besonderen Kölner Theologen und Philosophen eine größere Rolle in der Kontroverse zwischen Nominalisten und Realisten, bei der es um die Existenzweise von Allgemeinbegriffen ging. Nachdem sich am Ende des 14. Jahrhunderts in ganz Europa der Nominalismus durchgesetzt hatte, der Allgemeinbegriffen allein geistige Existenz zuwies, leiteten vor allem Kölner Professoren eine neue Blüte des Realismus ein, der sie als real existent ansah und sich dabei eben auf die "Kölner" Albertus Magnus und Thomas von Aquin stützte. Als ausgesprochene Massenuniversität machte Köln sich indes vor allem um die allgemeine Tradierung von gelehrtem Wissen und um methodische Schulung verdient. Diese ausgesprochene Stärke der Kölner Scholastik trug mit dazu bei, daß eine weitere neue geistige Entwicklung des 15. Jahrhunderts, nämlich der Humanismus, es hier zunächst nicht leicht hatte, umso mehr er hoffte, gerade über Köln den Durchbruch in Deutschland erreichen zu können. An die Stelle der Denkschulung setzte der Humanismus die sprachlichliterarische Bildung. Die Kölner Scholastiker wurden von den Humanisten in einer berühmt gewordenen Auseinandersetzung als "Dunkelmänner" verunglimpft. Gleichwohl setzte sich dann auch in Köln die neue Bildungseinrichtung als Schulhumanismus durch. Maßgeblich hierfür war seine Entwicklung in den Universitätsbursen. Das waren von Professoren geleitete und auch unterhaltene Kollegien, in denen Studenten und Professoren in besonders engem Kontakt standen. Sie waren in dieser Form eine für Deutschland untypische Eigenheit, welche der Kölner Universität einen mehr westeuropäischen Charakter verlieh, wie er noch heute in den College-Universitäten Oxford und Cambridge präsent ist, während deutsche Ansätze in dieser Richtung im 16. Jahrhundert ansonsten stagnierten. Die Bursen nannten sich schon bald in humanistischer Weise "Gymnasien". Wie sich die Stadt Köln insgesamt als "Tochter" Roms verstand, so blieb auch die Universität im Zeitalter der Reformation romtreu, ja, entwickelte sich zum Bollwerk des gegenreformatorischen Katholizismus im deutschen Nordwesten. Hierzu trug u.a. der große Einfluß der Jesuiten bei, welche über eine der drei die Fakultät der Artes bildenden Großbursen, das "Tricoronatum", nun auch in der Universität als solcher Einfluß gewannen. Diese erlebte Höhen und Tiefen der großen geistigen Entwicklungen mit. So gab es Professoren, die in der Zeit des Hexenwahns im 16. und vor allem im beginnenden 17. Jahrhundert für scharfes Vorgehen gegen Hexen eintraten, aber auch Friedrich von Spee, der das allgemeine Umdenken einleitete, wenngleich er die Universität schon nach kurzer Zeit verlassen mußte. Die Studentenzahlen waren im Zeitalter der Reformation zunächst abgesackt; doch erlebte die Kölner Universität im ausgehenden 16. und im ganzen 17. Jahrhundert wieder steigenden Zuspruch. Herausragende Persönlichkeiten der europäischen Wissenschaftsgeschichte findet man hier allerdings nicht. Viele große Gelehrte der Zeit, etwa Erasmus, Leonardo, Descartes, Pascal, wirkten ohnehin nicht mehr an den Universitäten. Der Aufschwung gerade der deutschen Universitätswissenschaft im Zeitalter der Aufklärung, wie er sich mit dem Namen Immanuel Kants verknüpft, berührte die Kölner Universität im ausgehenden 18. Jahrhundert dann nur noch am Rande. In ihrem letzten gewählten Rektor vor der 1798 vor den Franzosen vorgenommenen Umwandlung in eine Zentralschule französischen Musters, Ferdinand Franz Wallraf, fand sie einen zukunftsorientierten Reformer, der zwar ohne wissenschaftliche Bedeutung blieb, jedoch mit seiner großen Kunstsammlung im Namen des heutigen Wallraf-Richartz-Museums fortlebt. Als eine Art Gegenuniversität war die 1777/1786 vom Kölner Kurfürsten gegründete "Aufklärungs"-Universität Bonn gedacht. In französischer Zeit ging sie ebenfalls unter, wurde aber unter preußischer Herrschaft 1818 (übrigens in Fortsetzung der ebenfalls aufgehobenen Universität Duisburg) als einzige Universität der neuen preußischen Westprovinzen reaktiviert. Gleichwohl blieben die stadtkölnischen Bestrebungen nach Wiederbegründung der städtischen Universität im ganzen 19. Jahrhundert lebendig. Sie verbinden sich vor allem mit dem Namen des Kölner Großkaufmanns Gustav Mevissen, der als Präsident der Kölner Handelskammer in seinem Jahresbericht zu 1855 auf die Notwendigkeit hinwies, Köln "zu einem Zentrum der Wissenschaft zu machen". Wieder war es das Gewicht, das Köln als Stadt der Wirtschaft in die Waagschale legen konnte. 1901 nahm die von der Stadt getragene Kölner Handelshochschule als erste selbständige Handelshochschule Deutschlands ihren Lehrbetrieb auf. Damit war der Weg zur neuen Universität vorgezeichnet. Er wird markiert durch die Eröffnung der ersten Akademie für praktische Medizin innerhalb des Deutschen Reiches im Jahre 1904 und durch die Errichtung einer Hochschule für kommunale und soziale Verwaltung im Jahre 1912. |
| Pressestelle · pressestelle@uni-koeln.de
10.01.2002 |