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Zu den Kurzbiographien
AUTOR: Alfons Bora and Astrid Epp
TITEL: Die imaginäre Einheit der Diskurse. Zur Funktion von "Verfahrensgerechtigkeit"
ENGL. TITEL: The Imaginary Identity of Discourses. On the Function of 'Procedural Justice'
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 52, 2000, S. 1-35.
KURZREFERAT: Nach den bahnbrechenden Untersuchungen von Thibaut und Walker hat vor allem das Group Value-Modell von Lind und Tyler die Forschung zum Thema Verfahrensgerechtigkeit (procedural justice) geprägt. Der Beitrag unterzieht dieses Modell anhand empirischer Daten aus Verfahren der Bürgerbeteiligung bei technikrechtlichen Entscheidungen einer kritischen Würdigung und schlägt vor, die zu Grunde liegende Idee einer empirisch fundierten Theorie der Verfahrensgerechtigkeit auf einem allgemeineren Niveau soziologisch zu reformulieren. Konkurrierende Erwartungen an die prozedurale Gerechtigkeit konkreter Verfahren können als Widerstreit im Sinne Lyotards beschrieben werden. Vor diesem Hintergrund wird vorgeschlagen, "Verfahrensgerechtigkeit" als Semantik der Selbstbeschreibung von sozialen Systemen zu begreifen. Sie stellt eine Kontingenzformel mit der Funktion dar, in materieller und prozeduraler Hinsicht Paradoxien zu verdecken und die imaginäre Einheit des Verfahrens zu bezeichnen. "Verfahrensgerechtigkeit" wirkt deshalb nur unter hochspezifischen Bedingungen identitätsstiftend.
STICHWORTE: Verfahrensgerechtigkeit, Group-Value-Modell, autopoietische Systeme, Selbstbeschreibung sozialer Systeme
ENGL. KURZREFERAT: The group value model by Lind and Tyler has had a major impact on procedural justice research. After critically examining the model, a case of citizen participation in administrative procedure on genetically modified organisms is examined. The data indicate, that an alternative theoretical explanation would be helpful to understand the observed conflict. The authors propose that the idea of procedural justice be reformulated at a more general level. The theory of autopoietic systems provides the background for an attempt to depict procedural justice as a mode for the self-description of social systems.
KEYWORDS: procedural justice, group value model, autopoietic systems, self-description of social systems
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Alfons Bora, Universität Bielefeld, Institut für Wissen-schafts- und Technikforschung, Postfach 100131, D-33501 Bielefeld, E-Mail: bora@iwt.uni-bielefeld.de
AUTOR: Petra Frerichs
TITEL: Klasse und Geschlecht als Kategorien sozialer Ungleichheit
ENGL. TITEL: Class and Gender as Categories of Social Inequality
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 52, 2000, S. 36-59.
KURZREFERAT: Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Frage nach der jeweiligen Prägekraft von "Klasse und Geschlecht" als zwei zentralen Strukturkategorien moderner Gesellschaften und stellt hierzu Ergebnisse eines empirischen Forschungsprojekts vor. Das Interesse gilt zunächst verschiedenen Ansätzen der neueren Frauen- und Geschlechterforschung, die sich mit solchen komplexen Ungleichheitsrelationen auseinander setzen. Sodann werden mit Bezug auf Bourdieus (Klassen-)Modell des mehrdimensionalen Raums der sozialen Positionen ausgewählte empirische Ergebnisse über die Verschränkung von "Klasse und Geschlecht" vorgestellt - zum einen anhand von Daten des sozio-ökonomischen Panel, zum anderen von biographischen Interviews mit Frauen (aus befragten Paaren) in verschiedenen sozialen Positionen, die in eine Prüfung der forschungsleitenden Hypothesen einmünden. Die "Geschlechtsklassen-hypothese" wird quantitativ über die Positionierung im Raum der Erwerbsarbeit auf Basis von Mittelwertvergleichen und einfaktorieller Varianzanalyse geprüft, die "Klassengeschlechtshypothese" qualitativ mittels Fallrekonstruktionen auf Basis sequenzanalytischer Interpretation der Interviews. Abschließend erfolgt eine theoretische Reflexion der Ergebnisse im Hinblick auf die beiden Verschränkungshypothesen.
STICHWORTE: Klasse, Geschlecht, Ungleichheit, Erwerbsarbeit, sozialer Raum, Habitus
ENGL. KURZREFERAT: The issue of the formative influence of class versus gender, respectively, as the two main structural categories of modern societies is discussed in this paper. It presents results of an empirical research project. An overview of recent women's and gender studies is given, taking a critical look at inequality relations. Selected empirical results of the crossing effects of class and gender are presented, referring mainly to Bourdieu's (class) model of the multidimensional space of social positions. The materials used in the analysis are quantitative data of the representative West-German Socio-Economic Panel and qualitative biographical interviews with selected women (from interviewed couples) in contrasting social positions. The "gender class" hypothesis is being checked quantitatively by positioning it in connection with employment on the basis of mean average comparisons and a factor variance analysis. The "class gender" hypothesis is checked qualitatively by means of the case reconstructions on the basis of sequential analysis of interview interpretation. Finally, a theoretical reflection on the results is made in view of both crossing hypotheses.
KEYWORDS: class, gender, inequality, employment, social space, habitus
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Petra Frerichs, ISO - Institut zur Erforschung sozialer Chancen. Forschungsschwerpunkt II: Arbeit und Lebenswelt, Kuenstr. 1B, D-50733 Köln, E-Mail: petra.frerichs@iso-koeln.de
AUTOR: Matthias Wingens, Reinhold Sackmann and Michael Grotheer
TITEL: Berufliche Qualifizierung für Arbeitslose. Zur Effektivität AFG-finanzierter Weiterbildung im Transformationsprozeß
ENGL. TITEL: Training Programs for the Unemployed: The Efficiency of Publicly Financed Training Measures in the German Transformation Process
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 52, 2000, S. 60-80.
KURZREFERAT: Die Effizienz der öffentlich finanzierten Weiterbildung ist umstritten. Divergierende Befunde einschlägiger Evaluationsstudien sind nicht zuletzt auf eine unzureichende Datenlage zurück-zuführen. Der vorliegende Aufsatz untersucht die Effektivität der durch das Arbeitsförderungsgesetz (AFG) finanzierten Weiterbildung für Arbeitslose in den neuen Bundesländern. Dazu wird eine Längsschnittanalyse mit Daten der "Berufsverlaufsstudie Ostdeutschland" der Jahre 1990-1997 ausgewertet. Es wird analytisch zwischen einem "Bildungseffekt" und einem "Institutionseffekt" der Weiterbildung unterschieden; diese beiden Effekte werden in multivariaten Ereignisanalysen zur Weiterbildungsevaluation näher untersucht. Die Effekte wirken gegenläufig: Der "Institutionseffekt" bewirkt eine verzögerte Wiedereingliederung der Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt durch die Weiterbildungsmaßnahme, während der "Bildungseffekt" humankapitaltheoretisch erwünschte verbesserte Arbeitsmarktchancen herbeiführt. In Zeiten eines schnellen Strukturwandels des Arbeitsmarktes überlagert der blockierende Institutionseffekt den Bildungseffekt, sodass sich die AFG-finanzierte Weiterbildung im Transformationsprozess nicht als effektives arbeitsmarktpolitisches Instrument zur Reintegration Arbeitsloser in erneute Erwerbstätigkeit erwiesen hat.
STICHWORTE: AFG-finanzierte Weiterbildung, Arbeitslosigkeit, Ostdeutschland, Institutionseffekt, Bildungseffekt, Transformationsprozess
ENGL. KURZREFERAT: The efficiency of publicly financed training measures is discussed. Findings concerning evaluation have for the most part diverged as a result of data problems. The article examines the efficiency of publicly financed training programs for East Germany which aim at reintegrating unemployed persons. The analysis is based on longitudinal data of the "Berufsverlaufsstudie Ostdeutschland" (occupational trajectories in East Germany) for the period 1990-1997. Analytically, the effect of training measures is split into a "human capital" and an "institutional" effect. Both effects are analyzed in a multivariate event history model. They operate in contrary directions: the institutional effect is marked by delayed reintegration of unemployed into work whereas the human capital effect results in better labour market chances due to additional credentials. In times of rapidly changing labour market structures the institutional effect overrides the human capital effect. In the East German transformation process, publicly financed training measures have not proved to be an efficient political instrument to speed up the reintegration of the unemployed people into gainful employment.
KEYWORDS: publicly financed training measures, unemployment, East Germany, institutional effect, human capital effect, transformation process
KORRESPONDENZANSCHRIFT: PD Dr. Matthias Wingens, Sonderforschungsbereich 186 der Uni-versität Bremen, Statuspassagen und Risikolagen im Lebensverlauf, Postfach 330 440, D-28334 Bremen, E-Mail: mwingens@sfb186.uni-bremen.de
AUTOR: Sylvia Zühlke and Anne Goedicke
TITEL: Mobilität oder Immobilität? Zur Bedeutung interner Arbeitsmärkte in beiden deutschen Staaten vor 1989
ENGL. TITEL: Mobility or Immobility? The Importance of Internal Labor Markets in the two German States before 1989
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 52, 2000, S. 81-95.
KURZREFERAT: Von grundlegender Bedeutung für die Bewertung der Arbeitsmarktentwicklung in Ost-deutschland ist die kontrovers diskutierte Frage, ob das Beschäftigungssystem der DDR im Vergleich zum westdeutschen Beschäftigungssystem stärker durch eine betriebliche oder durch eine berufliche Segmen-tation geprägt war. Zur Beantwortung dieser Frage werden zum einen die Regelungen des Bildungs- und Beschäftigungssystems vergleichend betrachtet. Zum anderen werden die Erwerbsverläufe unterschiedlicher Geburtskohorten analysiert. Die empirischen Analysen ergeben, dass die Bedeutung innerbetrieblicher Mobilität in der DDR im Zeitverlauf zwar deutlich zugenommen hat, diese Entwicklung jedoch nicht vorrangig auf betriebliche Personalstrategien zurückgeführt werden kann. Der wichtigste Grund für die Zu-nahme der innerbetrieblichen Mobilität in der DDR liegt nicht, wie häufig vermutet wird, in der Personalpolitik der Betriebe, sondern in der Einführung der Wehrpflicht und des Babyjahres, die mit der Verpflichtung der Betriebe verbunden waren, Arbeitskräfte für familiäre und gesellschaftliche Aufgaben freizustellen.
STICHWORTE: Ostdeutschland, Arbeitsmarkt, Erwerbsverläufe, Transformationsprozess
ENGL. KURZREFERAT: An ongoing controversy in transformation research concerns the relative importance of firm-internal versus occupational segmentation in the former German Democratic Republic (GDR) employment system compared to the West German system. In a first step, institutions of vocational education and of the employment system focusing on their impact on labor market segmentation are analyzed. Then, the occupational careers of different birth cohorts of East and West Germans are examined. Empirical results show that the importance of internal mobility increased over time in the GDR. But this change cannot primarily be attributed to personnel policies of firms. It was mainly due to social policies, i.e. the introduction of compulsory army service and of maternity leave, since companies were obliged to take the army recruits and mothers back afterwards. Obviously, the way social policies were institutionalized affected the levels of labor market mobility in both countries more than changes of employment strategies.
KEYWORDS: East Germany, labor market, occupational careers, transformation process
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Sylvia Zühlke, Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen, Postfach 10 11 05, D-40002 Düsseldorf, E-Mail: sylvia.zuehlke@lds.nrw.de
AUTOR: Rainer Schnell and Frauke Kreuter
TITEL: Untersuchungen zur Ursache unterschiedlicher Ergebnisse sehr ähnlicher Viktimisierungs-surveys
ENGL. TITEL: An Investigation of the Discrepancy in the Results of Nearly Identical Victimization Surveys
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 52, 2000, S. 96-117.
KURZREFERAT: Zwei 1997 in der Bundesrepublik Deutschland erhobene sehr ähnliche Viktimisierungssurveys (gleiche Grundgesamtheit, gleiches Institut, fast gleiches Design, teilweise identische Interviewerstäbe, identische Operationalisierung etc.) zeigten so deutliche Unterschiede in den geschätzten Opferraten, dass selbst um Klumpeneffekte und Designgewichte korrigierte Konfidenzintervalle signifikante Unterschiede zwischen den Surveys indizieren. Zur Erklärung dieser Unterschiede werden eine Reihe möglicher methodischer Details der beiden Surveys kritisch diskutiert und in ihren Konsequenzen quantitativ abgeschätzt. Als vermutliche Ursache für die unterschiedlichen Survey? Ergebnisse werden die Rahmenbedingungen der Arbeit der Interviewer identifiziert. Das Ergebnis zeigt eindringlich die Wichtigkeit solcher kaum je dokumentierten und noch seltener kontrollierten Details der Feldarbeit bei sozialwissenschaftlichen Erhebungen.
STICHWORTE: Ausschöpfung, Kriminalität, Opferwerdung, Viktimisierung, Nonresponse, Befragung, Interview, Fälschung, Selektionseffekte
ENGL. KURZREFERAT: Two very similar surveys on victimization were conducted in 1997. Although the target population, design, operationalization, field organization and part of the interviewer staff were nearly identical, the resulting estimates of victimization status were remarkably different. Neither correction for design effects nor the use of appropriate weighting eliminated this statistically significant difference. Several methodological details of the surveys are considered as explanations. Quantitative estimates of their possible effects are given. The interviewer working conditions are identified as the most likely source of the discrepancy. This result emphasizes the importance of these seldom documented and even more rarely controlled fieldwork details.
KEYWORDS: survey, crime, victimization, nonresponse rate, interview, interviewer cheating, selection effects
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Rainer Schnell, Universität Konstanz, Fakultät für Verwal-tungsdwissenschat, Universitätsstr. 1, D-78434 Konstanz, E-Mail: Rainer.Schnell@uni-konstanz.de
AUTOR: Reinhard Wittenberg
TITEL: Antisemitische Einstellungen in Deutschland zwischen1994 und 1998
ENGL. TITEL: Anti-Semitic Attitudes in Germany Between 1994 and 1998
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 52, 2000, S. 118-131.
KURZREFERAT: Der Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, ob, und wenn ja, wie sich der seit der deutschen Vereinigung stattgefundene Transformationsprozess auf die kognitive und affektive Struktur sowie das Ausmaß antisemitischer Einstellungen ausgewirkt hat. Bei der Kumulation entsprechender Daten von drei repräsentativen Bevölkerungsumfragen aus den Jahren 1994, 1996 und 1998, die von drei verschiedenen Sozialforschungsinstituten durchgeführt worden waren, ergaben sich einige Schwierigkeiten, die aus der (Un-) Vergleichbarkeit der Stichproben und Datenerhebungsmethoden resultieren. Vor allem die Tatsache, dass nur einige wenige Indikatoren in allen drei Erhebungen verwendet wurden, die zudem unterschiedlich operationalisiert waren, machte die Bildung einer Zeitreihe von Aussagen über die kognitiven und affektiven Aspekte des Antisemitismus in Deutschland unmöglich. Allerdings konnte ein summarischer Antisemitismus-Index konstruiert werden, der das Ausmaß antisemitischer Einstellungen unter den insgesamt 6671 Befragten über den Beobachtungszeitraum hinweg zu analysieren erlaubt. Es gibt Evidenzen, dass das Ausmaß antisemitischer Einstellungen in Ostdeutschland leicht zunimmt, in Westdeutschland dagegen leicht abnimmt. Wie multiple Regressionsanalysen ergeben, haben soziodemographische Merkmale - Geschlecht, Lebensalter, Schulbildung, Einkommen - einen messbaren, jedoch in Ost und West verschiedenen Effekt auf das Ausmaß antisemitischer Einstellungen.
ENGL. KURZREFERAT: The paper deals with the problem whether the transformation process in Germany since 1990, the year of unification of East and West Germany, has influenced the cognitive and affective structure as well as the amount of anti-Semitic attitudes. Data on these aspects come from three representative social surveys, conducted in 1994, 1996 and 1998 by three different research institutes. An attempt to cumulate the three data files leads to some severe problems, referring to the (in-) comparability of sampling procedures and data collection methods. Depending on the nearly complete absence of equally measured indicators, and of differing operationalizations of the remaining, it was not possible to construct a time series that would contain data on cognitive and affective aspects of anti-Semitism in the period studied. Nevertheless, the overall sample, which included information on 6671 respondents, was used to construct a summated scale of the amount of anti-Semitic attitudes in Germany. The data analysis yields evidence that the amount of anti-Semitic attitudes seems to increase slightly in East and to decrease slightly in West Germany. Results of a multiple regression analysis show that sociodemographic variables - gender, age, formal education, income - effect the amount of anti-Semitic attitudes in both parts of Germany, but differently.
KEYWORDS: anti-Semitic attitudes, Germany, transformation process, survey analysis
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Reinhard Wittenberg, Universität Erlangen-Nürnberg, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Lehrstuhl für Soziologie, Findelgasse 7/9, D- 90402 Nürnberg, E-Mail: wittenberg@wiso.uni-erlangen.de
AUTOR: Ulrich Mueller
TITEL: Umgang mit Jugenddelinquenz. Zur methodischen Qualität ihrer sozialwissenschaftlichen Erforschung
ENGL. TITEL: Juvenile Delinquency Research. In Search of Methodological Standards
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 52, 2000, S. 132-141.
KURZREFERAT: Für den 24. Deutschen Jugendgerichtstag 1998, veranstaltet von der Deutschen Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen e.V., erstellte das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen e.V. (KFN) eine Studie 'Ausgrenzung, Gewalt und Kriminalität im Leben junger Menschen - Kinder und Jugendliche als Opfer und Täter', die einen umfangreichen Literaturüberblick mit reichhaltigen eigenen Auswertungen verbindet. In ihrer Zusammenfassung nimmt sie geradezu den Charakter eines autoritativen Gutachtens für den Jugendgerichtstag an. Die Studie bezieht klare rechtspolitische Stellung: Jugenddelinquenz nimmt nach Häufigkeit und Deliktschwere ab, entgegengesetzte Beobachtungen beruhen auf statistischen Verzerreffekten. Die Politik der Entkriminalisierung von Jugenddelinquenz soll entsprechend unbeirrt fortgesetzt werden. Die Lektüre zeigt einen großen Reichtum an statistischem Material, und einen ebenso großen Reichtum an schweren, zum Teil unverzeihlichen methodischen Auswertungsfehlern. Zu mehreren Gelegenheiten werden möglicherweise unerwünschte Befunde explizit nicht mitgeteilt. Die Zusammenfassung der Studie für den eiligen Leser weicht erheblich vom Haupttext ab, was das Vertrauen in die wissenschaftliche Solidität der Untersuchung weiter untergräbt.STICHWORTE: Jugendelinquenz, Gewalt, Kriminalität, Auswertungsfehler
ENGL. KURZREFERAT: For the German Juvenile Delinquency Court Association (Deutsche Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen e.V.), which comprises researchers and practitioners in the field alike, the Lower Saxony Crime Research Institute (Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen e.V.), one of the most important institutions in Germany, in 1998 has compiled a detailed study "Exclusion, Violence and Delinquency in the Life of young people - children and adolescents as victims and perpetrators", comprising an extensive review of the literature with extensive own research results. The study takes a politically clear position: juvenile delinquency declines in quantity and intensity. Contradictory findings are based on statistical bias. Consequently, the policy of decriminalization - putting educational before correctional measures - has to be vigorously continued. The study displays a wealth of statistical material - and a wealth of serious, sometimes unforgivable methodological mistakes. At several occasions the authors explicitly dump unwanted findings. The considerable discrepancies between the main text body and the executive summary for the hurried reader further undermines confidence in the professionalism of the authors.
KEYWORDS: juvenile delinquency, criminal violence, methodological mistakes
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Dr. Ulrich Mueller, Institut für Medizinische Soziologie und Sozialmedizin, Klinikum der Universität Marburg, Bunsenstraße 2, D-35033 Marburg, E-Mail: mueller2@mailer.uni-marburg.de
AUTOR: Dirk Enzmann and Peter Wetzels
TITEL: Gewaltkriminalität junger Deutscher und Ausländer. Brisante Befunde, die irritieren: Eine Erwiderung auf Ulrich Mueller
ENGL. TITEL: Violent Crimes Committed by Native and Foreign Juveniles in Germany. Empirical Results that Confuse: A Rejoinder to Ulrich Mueller
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 52, 2000, S. 142-156.
KURZREFERAT: Ulrich Mueller kritisiert in diesem Heft die von Christian Pfeiffer, Ingo Delzer und uns vorgestellte Studie zur Jugendgewaltkriminalität (Pfeiffer et al. 1998). Den Vorwurf wissenschaftlicher Unredlichkeit weisen wir entschieden zurück. Unsere Erwiderung konzentriert sich vorwiegend auf die Frage der methodischen Absicherung zentraler inhaltlicher Befunde. Zunächst treten wir der Unterstellung interessegeleiteter Einseitigkeit entgegen. Im zweiten Abschnitt behandeln wir die Behauptung, die notwendige signifikanzstatistische Prüfung sei nicht erfolgt. Im dritten Abschnitt gehen wir auf das Phänomen des ethnisch selektiven Anzeigeverhaltens ein. Im vierten Abschnitt diskutieren wir ausführlich die empirischen Evidenzen zur Problematik der so genannten "Ausländerkriminalität". Zum Abschluss thematisieren wir die Notwendigkeit des Wissenschaftstransfers in die Praxis und das Erfordernis verständlicher Darstellung bei Texten, die für eine breite Öffentlichkeit bestimmt sind.
STICHWORTE: Jugendkriminalität, Ausländerkriminalität, Methoden
ENGL. KURZREFERAT: Ulrich Mueller criticizes a report on juvenile criminal violence in Germany, published by Christian Pfeiffer, Ingo Delzer, and the authors (Pfeiffer et al. 1998). We emphatically reject the accusation of unsound scientific methodology and dishonesty. The reply focuses on the issue of methodological rigor and the validity of the substantial results. First, we counter the insinuation of deliberate one-sidedness and argue that our presentation of results is not intended to serve personal preferences for a certain criminal policy, as Mueller assumes. Second, we refute the assumption that appropriate tests of significance have not been applied. Third, we treat the phenomenon of ethnic selective reporting to the police. In the fourth section we discuss and present in detail empirical evidence concerning the issue of higher rates of violent offenders among foreign juveniles. Finally, the necessity of giving scientific results away to the practice and the requirements of a comprehensible form of presentation for the general public is discussed.
KEYWORDS: juvenile delinquency, delinquency of foreigners, methodology
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Peter Wetzels, Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen e.V., Lützerodestr. 9, D-30161 Hannover, E-Mail: peter@kfn.uni-hannover.de
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