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Sonderheft 40/2000 der KZfSS
Die europäische Integration bleibt nicht auf die politisch-administrativen Handlungsräume und Funktionseliten der Europäischen Union begrenzt. Vielmehr werden zunehmend auch gesellschaftliche Strukturen der Mitgliedstaaten von der Europäisierungsdynamik erfasst. Welchen Beitrag kann die Soziologie zur Erforschung der europäischen Integration leisten? Mit welchen soziologischen Problemstellungen lässt sich die Dynamik der Europäisierung der nationalen Gesellschaften unter dem Gesichtspunkt des umfassenden sozialen und kulturellen Wandels in Europa erhellen? Mit welchen theoretischen und konzeptionellen Herausforderungen sieht sich das herkömmliche Gesellschafts- und Institutionenverständnis der Soziologie in Anbetracht der Entgrenzung und tendenziellen Aufhebung des geschlossenen Nationalstaates konfrontiert?
Zentrale Themenbereiche dieses 40. Sonderhefts der KZfSS sind: Institutionenbildung und Institutionenkonflikte in der EU; Marktbildung, Konvergenz und Sozialintegration; nationaler und europäischer Bürgerstatus; die Entstehung politischer Öffentlichkeiten; Migration in Europa sowie gesellschaftstheoretische Perspektiven der europäischen Integration im sozialen Wandel.
Der Band möchte dazu beitragen, die gegenwärtige Europafrage in ihrem ganzen Facettenreichtum stärker als bisher auch soziologisch zu diskutieren. Die Öffnung neuer Forschungshorizonte, nicht die Bilanzierung einer bereits bestehenden Forschungsrichtung, ist das Hauptanliegen dieses Sammelbandes.
TITEL: Die Europäisierung der nationalen Gesellschaft? Problemstellungen und Perspektiven einer Soziologie der europäischen Integration
ENGL. TITEL: The Europeanization of National Society? Problems and Perspectives of the Sociology of European Integration
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 40, Jg. 52, 2000, S. 11-35
KURZREFERAT: In diesem einleitenden Aufsatz zum Sonderheft „Die Europäisierung der nationaler Gesellschaften“ werden Desiderate, Problemstellungen und Perspektiven der soziologischen Analyse der Europäisierung diskutiert. Im Mittelpunkt des Versuchs, Grundzüge eines konzeptionellen Bezugsrahmens zu skizzieren, stehen zwei prominente Forschungsprogramme der Makrosoziologie: das institutionenanalytische und die „territoriale“ Strukturanalyse politisch-sozialen Wandels. Die entscheidende Frage nach der Zukunft des politischen und sozialen Vergesellschaftungsmodells des Nationalstaates wird damit in einer doppelten Perspektive beleuchtet: Einerseits mit Blick auf die Wechselwirkungen von institutioneller Differenzierung auf supranationaler Ebene (EU) und gesellschaftlichem Wandel; andererseits im Hinblick auf die integrationsinduzierte Restrukturierung sozialer und politischer Räume in Europa. Abschließend werden die Themenschwerpunkte des Bandes vorgestellt.
STICHWORTE: Europäisierung, Europäische Integration, Nationalstaat, Institutionalisierung, soziale Differenzierung, supranationale Organisationen
ENGL. KURZREFERAT: The introductory chapter of this special issue on „The Europeanization of National Societies“ discusses desiterata, analytical problems and perspectives of a sociological approach to European integration. An analytical frame of reference is drafted which focuses mainly on two prominent macro-sociological approaches: sociological institutionalism and „territorial“ approaches to the analysis of political and social change. The decisive question of the future of the nation state as a model of political and social integration is discussed under a double perspective: On the one hand with regard to the interaction between the process of institutional differentiation at the supranational level and more comprehensive developments of social change in Europe; on the other hand the focus is upon the re-structuring of social and political territorries as far as induced by European integration. Finally, the thematical organization of the volume is presented.
KEYWORDS: Europeanization, European integration, nation state, institutionalization, social differentiation, supranational organization
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Hermann Dülmer, Zentralarchiv für empirische Sozialforschung, Universität zu Köln, Bachemer Str. 40, D-50931 Köln E-Mail: duelmer@za.uni-koeln.de
AUTOR: Paul Windolf
TITEL: Wer ist Schiedsrichter in der Europäischen Union? Der Konflikt zwischen Europäischem Gerichtshof und Bundesverfassungsgericht
ENGL. TITEL: Who is the Arbitrator in the European Union? The Conflict Between the German Constitutional Court and the European Court of Justice
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 40, Jg. 52, 2000, S. 39-67
KURZREFERAT: In diesem Artikel wird die Rolle des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) im Prozess der europäischen Integration analysiert. Zwei Hypothesen werden diskutiert: Einerseits wird behauptet, dass der EuGH in seinen Entscheidungen die Interessen der Nationalstaaten zu berücksichtigen hat. Andererseits wird argumentiert, dass der EuGH ein wichtiger Motor der europäischen Integration gewesen sei. Diese kontroversen Standpunkte werden anhand einer Reihe von Urteilen des EuGH und des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) dargestellt. Im Maastricht-Urteil hat das BVerfG die Vorrangstellung der nationalen Verfassung betont. Der EuGH hat auf diese und ähnliche Urteile durch eine flexible Anpassung seiner Rechtsprechung reagiert. Im zweiten Teil wird die Verrechtlichung der Geldpolitik innerhalb der Währungsunion und die Rolle des EuGH in diesem Prozess dargestellt.
STICHWORTE: Europäische Integration, Europäischer Gerichtshof, Bundesverfassungsgericht, Verrechtlichung, Supranationalismus
ENGL. KURZREFERAT: This article analyzes the role of the European Court of Justice (ECJ) in the process of European integration. Two competing hypotheses are presented: Intergovermentalists argue that the ECJ has to take into account the interests of the nation state; supranationalists maintain that the ECJ was a driving force in the process of European integration. The conflict between the German Constitutional Court and the ECJ illustrates these competing hypotheses in a sequence of judgments. While the German Constitutional Court defended the supremacy of the national constitution (Maastricht ruling), the ECJ followed a more flexible policy: It defended the supremacy of the European law, but took into account the (economic) interests of the nation states and occasionally adjusted its ruling to the criticism of the national constitutional courts (Germany, Denmark). In a second part, the article analyzes the juridification of the monetary policy in the EU and the influence the ECJ can exercise on this policy in the future.
KEYWORDS: European integration, European Court of Justice, German Constitutional Court, juridification, supranationalism
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Hermann Dülmer, Zentralarchiv für empirische Sozialforschung, Universität zu Köln, Bachemer Str. 40, D-50931 Köln E-Mail: duelmer@za.uni-koeln.de
AUTOR: Rainer Weinert
TITEL: Voluntarismus, Oligarchisierung und institutionelle Entkoppelung. Institutionenbildung und Institutionenpolitik der Europäischen Zentralbank
ENGL. TITEL: Voluntarism, Oligarchization, and Institutional Dis-embedding. Institutionbuilding and Institutional Politics of the European Centralbank (ECB)
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 40, Jg. 52, 2000, S. 68-92
KURZREFERAT: Mit der europäischen Währungsunion, der Europäischen Zentralbank und der Einführung des Euro wurde in der europäischen Integration ein qualitativer Sprung vollzogen. Ausgehend von neueren Ansätzen der „designing institutions“ (Offe, Goodin), wird die Bildung der EZB anhand der Dimensionen Evolution, Kontingenz und Intention behandelt. Eine Analyse der Organisationsstruktur der EZB zeigt, dass die wahrscheinliche Entwicklung eine hoch zentralisierte „Eurofed“ sein wird. Die Folgen für die EU werden als Voluntarismus, Oligarchisierung und institutionelle Entkopplung gefasst. Entscheidend ist der Aspekt der Freisetzung von Geldpolitik auf europäischer Ebene. Die nationalen Zentralbanken agieren in dem Dreieck von Geldpolitik (Zentralbanken), staatlicher Finanzpolitik (Finanzminister) und Lohnpolitik (Systeme der Arbeitsbeziehungen), auf suprastaatlicher Ebene fehlen jedoch Institutionenbildungen in der Finanz- und Lohnpolitik. Diese institutionelle Entkopplung der EZB und deren Verortung außerhalb des EU-Institutionenesystems führt zu einer Asymmetrie zugunsten von Geldpolitik. Im Ergebnis wird sich eine eigenständige, hoch autotomisierte suprastaatliche Zentralbank des Wirtschaftsblocks Europa etablieren, die ohne historisches Vorbild ist. Damit wird eine Politisierung der Integration Europas in Zukunft wahrscheinlich.
STICHWORTE: ökonomische Institutionen, Zentralbanksystem, Geldpolitik, Tarifverhandlungen, Einbettung
ENGL. KURZREFERAT: The European Economic and Monetary Union (EMU), the ECB and the introduction of the Euro all represent a qualitative leap forward towards the European integration. On the basis of recent research in the field of "designing institutions" (Offe, Goodin) the establishing of the ECB is analyzed along the dimensions of evolution, contingency, and intention. The organizational structure of the ECB suggests that future lines of development will lead to a highly centralized "Eurofed". The impact for the EU is discussed as voluntarism, oligarchization, and institutional dis-embedding. It is argued that the aspect of unbounded monetary politics on the European level is decisive. The arena within which national central banks operate is a triangle composed of monetary policy (central banks), government economic policy (finance ministries) and wages and salary policy (collective bargaining systems). As there is lack of supra-state institutions in the economic and wages and salary sectors, we are dealing here with a process of disembedded monetary politics. This institutional dis-embedding of the ECB outside the established EU institutional system will lead to an asymmetric structure in favor of monetary politics. The result will be an independent, highly automated supra-state central bank for the European trading bloc that is quite without historical precedent. This asymmetric structure will lead to a politization of the further European integration.
KEYWORDS: economic institutions, national central banking system, monetary policy, collective bargaining, embeddedness
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Hermann Dülmer, Zentralarchiv für empirische Sozialforschung, Universität zu Köln, Bachemer Str. 40, D-50931 Köln E-Mail: duelmer@za.uni-koeln.de
AUTOR: Franz Traxler
TITEL: Das Tarifverhandlungssystem in der Wirtschafts- und Währungsunion: Von nationalen zu supranationalen Institutionen?
ENGL. TITEL: The Bargaining System under European Monetary Union: From National to Supranational Institutions?
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 40, Jg. 52, 2000, S. 93-111
KURZREFERAT: In der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) hat das Tarifsystem die Hauptlast der Anpassung an ökonomische Ungleichgewichte zwischen den Mitgliedsländern zu tragen. Dabei koexistiert die supranationale Geldpolitik mit einer nach wie vor national angeleiteten Tarifpolitik. Vor diesem Hintergrund untersucht dieser Aufsatz drei Fragen. Inwieweit unter-scheiden sich die nationalen Tarifsysteme in ihrer Anpassungsfähigkeit an die Anforderungen der WWU? Der Umstand, dass es signifikante Unterschiede in der nationalen Anpassungsfähigkeit tatsächlich gibt, deutet darauf hin, dass sich die ökonomische Ungleichheit innerhalb der WWU eher noch verstärken wird. Die zweite Frage betrifft das Verhältnis zwischen der nationalen und supranationalen Dimension der Tarifpolitik. Da selbst eine hohe Anpassungsfähigkeit der nationalen Systeme aus supranationaler Sicht zu suboptimalen Ergebnissen führen kann, ergibt sich ein Bedarf an supranationaler Koordinierung der Tarifpolitik. Die Frage der Aussicht auf Realisierung solcher supranationaler Institutionen wird abschließend diskutiert. In der einschlägigen Debatte dominiert die Auffassung, dass allein ein elaboriertes eurokorporatistisches System diese Koordinierungsfunktion übernehmen könnte, das freilich keine Realisierungschancen hat. Dagegen wird hier die These vertreten, dass die im Entstehen begriffenen, „weichen“, netzwerkförmigen Institutionen unter bestimmten Voraussetzungen für eine effektive Koordinierung ausreichen könnten.
STICHWORTE: Geldpolitik, Tarifverhandlungen, Lohnverhandlungen, ökonomische Ungleichheit, supranationale Kooperation, vernetzte Institutionen
ENGL. KURZREFERAT: Under the European Monetary Union (EMU) wage bargaining will have to bear the main burden of compensating for economic imbalances among the member states. At the same time, supranational monetary authority will co-exist with a bargaining system still determined by national institutions. Against this background, this paper addresses three questions. First, it examines whether the distinct national bargaining institutions differ in their responsiveness to EMU requirements. Since such differences are indeed significant, economic inequality is likely to increase in the Euro area. The second question concerns the relationship between the national and supranational dimensions of wage bargaining. Since even high national responsiveness may result in suboptimal outcomes in supranational terms, a need for cross-border coordination emerges. Finally, the paper discusses whether and how this demand for supranational bargaining institutions may be met. Conventional reasoning assumes that a coherent system of Euro-corporatism would be needed that, however, cannot be set up. In contrast to this, the paper argues that softer, network-style institutions have been emerging that may suffice for effective coordination under certain circumstances.
KEYWORDS: monetary policy, collective bargaining, wage bargaining, economic inequality, supranational cooperation, network-style institutions
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Hermann Dülmer, Zentralarchiv für empirische Sozialforschung, Universität zu Köln, Bachemer Str. 40, D-50931 Köln E-Mail: duelmer@za.uni-koeln.de
AUTOR: Thomas König und Thomas Bräuninger
TITEL: Europa am Scheideweg? Erweiterungen und die Handlungsfähigkeit der Union
ENGL. TITEL: The European Union at Crossroads. A Comparative Analysis of Enlargement
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 40, Jg. 52, 2000, S. 112-129
KURZREFERAT: Die anstehende Erweiterung um die Staaten Mittel- und Osteuropas hat große Blockade- und Umverteilungsbefürchtungen unter den fünfzehn Mitgliedstaaten ausgelöst, denen mit einer Institutionenreform entgegnet werden soll. Demgegenüber rief der 1995 erfolgte Beitritt Finnlands, Österreichs und Schwedens keinerlei Befürchtungen und Anstrengungen zu einer Reform hervor. In diesem Beitrag soll den Gründen für die unterschiedliche Erwartungshaltung gegenüber Beitritten nachgegangen werden. Zum Vergleich wird das Kernkonzept auf die Entscheidungsfindung in der europäischen Agrar- und Beschäftigungspolitik angewendet. Die Größe des Kerns ermöglicht Aussagen über die Blockadegefahr, seine Lage lässt Rückschlüsse auf die Umverteilungsgefahr unter einstimmigen und mehrheitlichen Entscheidungsregeln zu. Es zeigt sich, dass die Erweiterung um Finnland, Österreich und Schweden keine nachteiligen Effekte in der europäischen Agrar- und Beschäftigungspolitik - weder für die Mitglied- noch Beitrittsstaaten – mit sich brachte. Dagegen ist mit einschneidenden Veränderungen in beiden Politikbereichen im Zuge der anstehenden Erweiterung zu rechnen, die insbesondere die haushaltspolitische Einnahmeseite der Union betreffen werden.
STICHWORTE: Europäische Union, institutionelle Reform, Politik, Erweiterung, räumliche Analyse
ENGL. KURZREFERAT: The forthcoming enlargement of the European Union by Middle and Eastern European countries has raised many fears on gridlock and redistribution among the fifteen member states. Compared to previous accession of Austria, Finland and Sweden in 1995, the enlargement by Middle and Eastern European countries is a major driving force for reforming the Union’s institutional framework. This article investigates reasons for different expectations on enlargement. For the purpose of analysis, we apply the core concept to compare possible changes in European agricultural and employment politics. A bigger core would indicate higher gridlock danger, while a shift of its location would modify the redistribution risk. The analysis shows that previous accession of Austria, Finland and Sweden did not result in negative core changes for both sides – member states and accession countries. By contrast, forthcoming enlargement will significantly change agricultural and employment politics, especially regarding the input dimension of the Union’s budgetary politics.
KEYWORDS: European Union, institutional reform, politics, enlargement, spatial analysis
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Hermann Dülmer, Zentralarchiv für empirische Sozialforschung, Universität zu Köln, Bachemer Str. 40, D-50931 Köln E-Mail: duelmer@za.uni-koeln.de
AUTOR: Sonja Puntscher Riekmann
TITEL: Die Meister und ihr Instrument. Institutionenkonflikte und Legitimitätsprobleme in der Europäischen Union
ENGL. TITEL: The Masters and their Instrument. Institutional Conflicts and Problems of Legitimacy in the European Union
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 40, Jg. 52, 2000, S. 130-152
KURZREFERAT: Bisher war die europäische Integration ein Prozess mit offenem Ausgang. Die Diskussion über ihre Finalität wurde weitgehend vermieden. Man setzte auf eine Evolution der neuen Einheit aus der Zusammenarbeit in einzelnen Politikbereichen und schuf dafür ein Machtdispositiv, das wir aus den Zentralisierungsprojekten des Ancien Régime kennen: die kommissarische Verwaltung. Aus dem Handeln dieses Dispositivs ist über die Jahrzehnte eine neue Rechtsordnung, der Binnenmarkt und schließlich die Wirtschafts- und Währungsunion entstanden. Eine europäische Form von Staatlichkeit zeichnet sich ab. Und so ist es nicht erstaunlich, dass sich heute eine Debatte um die Finalität der Union entfaltet. Doch mit ihr einher geht ein Institutionenkonflikt, der seine Ursache in der ursprünglichen Konstruktion hat, in der die nationalen Exekutiven sich des Instruments der kommissarischen Verwaltung bedienten, das sie nun nach den großen Weichenstellungen der 80er und 90er Jahre wieder dem eigenen exklusiven Machtanspruch unterordnen wollen. Dieser Artikel zeichnet einmal die Geschichte und die Funktionen dieses besonderen Machtdispositivs nach, zeigt seine Grenzen auf und problematisiert schließlich den Machtanspruch der Mitgliedstaaten als eine Wende der Renationalisierung, die nur scheinbar der Demokratisierung der Union dient.
STICHWORTE: Europäische Integration, Integrationstheorie, Staatenbildung, Demokratie
ENGL. KURZREFERAT: Until quite recently European integration was postulated as an open-ended process. In the past the discussion about its finalité was largely avoided. Generally, actors tended to believe that the new unity would evolve from co-operation in single policy areas and for that matter they had created an instrument of power similar to the one utilized in the centralization processes of the Ancien Régime: the so-called “commissarial management”. Over the decades a new legal order, the single market and finally the Economic and Monetary Union were brought about by this instrument, thus engendering a new form of European stateness. Hence, the current emergence of the debates about the Union’s finalité is all but astounding. However, with them conflicts are arising which are rooted in the original institutional design constructed around the commissarial management. It appears to be the goal of national executives to subordinate this instrument to their own exclusive power again after it had successfully served their integration projects in the past decades. This article first aims at describing the history and the functions of this special instrument of power. Secondly, it wants to show its limits and, finally, to criticize the strategies of national executives to reaffirm their power as an attempt to re-nationalize European politics in the name of democracy.
KEYWORDS: European integration, integration theory, state building, democracy
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Hermann Dülmer, Zentralarchiv für empirische Sozialforschung, Universität zu Köln, Bachemer Str. 40, D-50931 Köln E-Mail: duelmer@za.uni-koeln.de
AUTOR: Patrick Ziltener
TITEL: Regionale Integration im Weltsystem. Die Relevanz exogener Faktoren für den europäischen Integrationsprozess
ENGL. TITEL: Regional Integration in the World-System. The Relevance of Exogenous Factors for European Integration
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 40, Jg. 52, 2000, S. 155-177
KURZREFERAT: Während für außereuropäische Integrationsprozesse exogene Faktoren immer zentral berücksichtigt worden sind, wurde der europäische Integrationsprozess fast ausschließlich durch endogene Integrationsmechanismen und innere Kontextfaktoren zu erklären versucht. Anhand zweier wichtiger Etappen des europäischen Integrationsprozesses, seiner Initiierung auf der Grundlage eines „transatlantischen Elitenpaktes“ und seiner Neulancierung in den frühen 80er Jahren, wird gezeigt, dass auch für diesen exogene Faktoren als entscheidende Determinanten wirkten, nämlich der politische Einfluss der Hegemonialmacht USA und die über die europäischen transnationalen Unternehmen vermittelte Weltmarktkonkurrenz. Schlussfolgerung ist, dass die Integrationstheorie und Integrationsforschung einer Ergänzung durch eine weltsystemtheoretische Makroperspektive bedarf.
STICHWORTE: Europäische Integration, Hegemonie, Weltmarktkonkurrenz; Integrationstheorie, Weltsystemtheorie
ENGL. KURZREFERAT: In the analysis of non-European regional integration processes exogenous factors have always been taken into consideration. European integration, in contrast, has almost exclusively been explained by endogenous integration mechanisms and internal context factors. The article argues that for two important periods of European integration exogenous factors have been decisive: The political influence of the post-war hegemonic power, the USA, on its initiation on the basis of a „transatlantic elite pact“, and world market competition among transnational companies on its relaunch in the early 1980s. It concludes that integration theory and research has to be complemented by a macro perspective, i.e. world-systems theory.
KEYWORDS: European integration, hegemony, world market competition; integration theory, world-systems theory
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Hermann Dülmer, Zentralarchiv für empirische Sozialforschung, Universität zu Köln, Bachemer Str. 40, D-50931 Köln E-Mail: duelmer@za.uni-koeln.de
AUTOR: Volker Bornschier
TITEL: Ist die europäische Union wirtschaftlich von Vorteil und eine Quelle beschleunigter Konvergenz? Explorative Vergleiche mit 33 Ländern im Zeitraum von 1980 bis 1998
ENGL. TITEL: Membership in the European Union – an Economic Advantage and a Source of Faster Economic Convergence? Exploratory Comparisons Including 33 Countries from 1980 to 1998
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 40, Jg. 52, 2000, S. 178-204
KURZREFERAT: Lieferte die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und spätere Europäische Union mit ihrer supranationalen Gestaltung von wachstumsrelevanten Politikfeldern den Mitgliedstaaten einen wirtschaftlichen Vorteil, der sich nicht durch die Ausstattung der Mitgliedsländer mit produktiven Faktoren erklären lässt? Und beschleunigte die EU-Mitgliedschaft die wirtschaftliche Konvergenz – das Aufschließen der weniger entwickelten Länder durch höhere Wachstumsraten? Um diese Fragen explorativ zu beantworten, wird die klassische Methode des Ländervergleichs mit 33 souveränen Staaten über den Zeitraum 1980 bis 1998 als Benchmark angewandt. Mit Blick auf die EWG und spätere EU werden jene Politikfelder berücksichtigt, die auf suprastaatlichem Niveau die Parameter für die nationalen Wirtschaften beeinflussen. Diese sind: Marktschaffung (Vertiefung und Erweiterung), Forschungs- und Technologiepolitik sowie die Regional-, Struktur- und Kohäsionspolitik. Wir finden, dass die EU jene Politikfelder effektiv gestaltete, die im Ländervergleich dem Wirtschaftswachstum nachweislich förderlich sind. Der direkte positive Wachstumsbeitrag der (nach Länge gewichteten) EU-Mitgliedschaft, den wir ermitteln, ist allerdings für den Zeitraum 1986-1993 zu relativieren, da die weitgehende Öffnung der Grenzen auch zu wirtschaftlicher Strukturbereinigung sowie Konzentration und damit per saldo zu geringerer Kapitalbildung führte. Weiter ermitteln wir mit unseren Indikatoren, die nach durchschnittlicher Produktivität bereinigt sind, keine Technologielücke der EU gegenüber den USA im Zeitraum 1985-1997. Schließlich finden wir, dass die EU ihren weniger entwickelten Mitgliedern im Untersuchungszeitraum half, schneller aufzuschließen, als dies ansonsten zu erwarten wäre.
STICHWORTE: internationaler Vergleich, ökonomisches Wachstum, liberalisierte Märkte, technologische Lücke, ökonomische Konvergenz
ENGL. KURZREFERAT: Does the European Union with its supranationally regulated policy fields provide an economic advantage for its members, an additional source of growth that cannot be explained by the national provision of productive factors? And does the Union in comparative perspective accelerate economic convergence among its members, i.e. the catching-up of less developed countries through higher growth? In order to give first answers to these questions we employ the classical method of cross-national comparisons as benchmarks. This is done in a sample of 33 sovereign states (mostly OECD) covering the period from 1980 to 1998. With regard to the Union we consider those supranationally regulated policy areas which are likely to affect the parameters of national economic growth: policies of market creation (intensification and enlargement), science and technology policies as well as regional, structural and cohesion policies. We find that the EU effectively politicized those policy areas which prove to beneficially affect economic growth in cross-country comparison. The direct positive growth contribution of membership (weighted by length) in the EU that we reveal is, however, reduced during the 1986-1993 period: the far reaching economic liberalization of the Internal Market Programme seems to have invited restructuring and mergers since per saldo we observe comparatively less capital formation in the member states. Furthermore, we find no evidence for a technology gap of EU members vis-a-vis the United States. This holds for the 1985-1997 period and for three technology indicators controlled for average productivity. Finally, we find that the EU actually helped their less developed members to close the development gap faster than would have been expected taking non-member countries as benchmark.
KEYWORDS: cross-national comparisons, economic growth, liberalization markets, technology gap, economic convergence
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Hermann Dülmer, Zentralarchiv für empirische Sozialforschung, Universität zu Köln, Bachemer Str. 40, D-50931 Köln E-Mail: duelmer@za.uni-koeln.de
AUTOR: Richard Münch
TITEL: Strukturwandel der Sozialintegration durch Europäisierung
ENGL. TITEL: The Process of Europeanization: Structural Change of Social Integration
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 40, Jg. 52, 2000, S. 205-225
KURZREFERAT: Welcher Strukturwandel der Sozialintegration vollzieht sich im Prozess der Europäisierung? Unter Europäisierung wird ein Solidaritätswandel verstanden, der nationale Solidaritäten zurückdrängt und transnationale Solidaritäten in den Vordergrund schiebt. Dieser Prozess wird von den Modernisierungseliten vorangetrieben, die transnationale Netzwerke bilden. Die positive Seite dieser Entwicklung besteht in einer weitreichenderen Integration, die negative Seite ist die Auflösung des nationalen Wohlstandsverbundes. Die neue Struktur solidarischer Beziehungen bedeutet einen neuen Schub der Herausbildung organischer Solidarität und der Schwächung von mechanischer Solidarität. Dabei können sich anomische Erscheinungen, soziale Konflikte und nationalistische Gegenbewegungen ausbreiten. Der Verlust an nationalstaatlicher Repräsentativdemokratie kann weder durch deren Übertragung auf die europäische Ebene noch durch die stärkere Rückbindung europäischer Entscheidungsprozesse an die nationalen Parlamente wettgemacht werden. Dieser Prozess der Europäisierung ist ein Teil des umfassenderen, weiterführenden Prozesses der Globalisierung. Eine den alten eu-ropäischen Wohlfahrtsstaaten entsprechende starke Sozialintegration Europas wäre ein Hindernis auf dem Weg zu einer umfassenderen weltgesellschaftlichen Sozialintegration.
STICHWORTE: Strukturwandel, soziale Integration, transnationale Solidarität, organische Solidarität, Globalisierung, Weltgesellschaft
ENGL. KURZREFERAT: What kind of structural change in social integration occurs in the process of Europeanization? Europeanization is understood as a change in solidarity, which pushes national solidarities to the background and makes transnational solidarities come to the fore. This process is advanced by modernization élites forming transnational networks. The positive side of this development is a further reaching integration, its negative side is the dissolution of the national welfare association. The new structure of solidarity relationships signifies a new boost to the formation of organic solidarity and the weakening of mechanic solidarity. In this process, anomic phenomena, social conflicts and nationalist counter-movements may spread. The loss of the nation-state’s representative democracy can be neither compensated for by the latter’s transmission to the European level nor by a stronger tie between European decision-making processes and national parliaments. The process of Europeanization forms part of the all-encompassing, future-oriented process of globalization. A strong social integration of Europe in accordance with the principles of the European welfare states would mean an obstacle to a more comprehensive social integration of the world society.
KEYWORDS: structural change, social integration, transnational solidarity, organic solidarity, globalization, world society
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Hermann Dülmer, Zentralarchiv für empirische Sozialforschung, Universität zu Köln, Bachemer Str. 40, D-50931 Köln E-Mail: duelmer@za.uni-koeln.de
AUTOR: Thomas Faist
TITEL: Soziale Bürgerschaft in der Europäischen Union: Verschachtelte Mitgliedschaft
ENGL. TITEL: The Development of Citizenship in the European Union: Nested Citizenship
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 40, Jg. 52, 2000, S. 229-250
KURZREFERAT: Die soziale Dimension der Bürgerschaft bietet einen strategisch günstigen Ausgangspunkt zur Analyse von Mitgliedschaft in der Europäischen Union (EU), weil sie gemeinhin als eines der Felder gilt, in denen die Mitgliedstaaten fast ungebrochen Priorität vor suprastaatlichen Regelungen genießen. Der erste Teil dieses Beitrags analysiert die verschiedenen Funktionen sozialer Bürgerschaft innerhalb des Mehrebenensystems in der EU. Zweitens geht es um die Mehrebenenpolitik, die den Rahmen für soziale Bürgerschaft in der EU bildet. Drittens rücken zwei bekannte Paradigmen der Analyse von Mitgliedschaft in politischen Gemeinschaften in den Mittelpunkt, residuale und postnationale Bürgerschaft. Diese können allerdings die neue Qualität von Bürgerschaft im europäischen Mehrebenensystem nicht adäquat erfassen. Demgegenüber bezieht sich das Konzept verschachtelte Bürgerschaft zum einen auf sich ergänzende und wechselseitig beeinflussende politische Entschei-dungsebenen hinsichtlich Bürgerschaft und zum anderen auf die permanente Weiterentwicklung der Normen, Regeln und Institutionen in der EU. Viertens wird gezeigt, dass mit Hilfe dieses Konzepts die unfruchtbare Dichotomie zwischen den Hoffnungen auf die Entwicklung eines europäischen Wohl-fahrtsstaats nach einzelstaatlichem Vorbild und den Befürchtungen einer weitgehenden Entkoppelung von ökonomischer und sozialstaatlicher Integration überwunden werden kann. Soziale Bürgerschaft in der EU kann als „projet“ (Sartre) aufgefasst werden, das ein ganz Europa einschließendes Verständnis demokratischer Prinzipien und substanzieller sozialer Rechte nicht allein aus vergangenheitsbezoge-nen Vorstellungen kultureller Homogenität gewinnt, sondern sich vorwiegend an der Entwicklung von sozialen und anderen bürgerschaftlichen Rechten in Gegenwart und Zukunft orientiert.
STICHWORTE: soziale Bürgerschaft, Demokratie, Regieren, Sozialpolitik, supranationale Institutionen
ENGL. KURZREFERAT: The social dimension of membership offers a strategic entry point for analyzing the development of citizenship in the European Union (EU). The first part of this contribution discusses the functions of social citizenship in this emerging supranational and multi-level governance network. Secondly, the analysis deals with two prominent and stylized paradigms that have sought to make sense of the multi-level quality of social citizenship in the EU: residual and postnational concepts of membership and citizenship in liberal democracies. Although each of these approaches captures selected elements of social citizenship, they are unable to deal in a satisfactory way with rights on duties on multiple governance levels. Therefore, the discussion moves to an alternative concept, namely nested citizenship. This means that regional, national and supranational forms of citizenship function in complementary ways, while the associated norms, rules and institutions are under constant revision and further development. Thirdly, the analysis shows that the concept of nested citizenship can help to overcome the fruitless dichotomy of Euro-optimism and Euro-pessimism concerning social policy and social citizenship. Instead, this discussion suggests a conception of European social citizenship as a ‘projet’ (Sartre), evolving towards a common past, present and future understanding of democratic principles and substantial rights.
KEYWORDS: soziale Bürgerschaft, Demokratie, Regieren, Sozialpolitik, supranationale Institutionen
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Hermann Dülmer, Zentralarchiv für empirische Sozialforschung, Universität zu Köln, Bachemer Str. 40, D-50931 Köln E-Mail: duelmer@za.uni-koeln.de
AUTOR: Theresa Wobbe
TITEL: Die Koexistenz nationaler und supranationaler Bürgerschaft. Neue Formen politischer Inkorporation
ENGL. TITEL: The Co-existence of National and Supranational Citizenship: Emerging Concepts of Political Incorporation
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 40, Jg. 52, 2000, S. 11-35
KURZREFERAT: Die Koexistenz der nationalen und europäischen Bürgerschaft enthält Hinweise auf einen Wandel der Formen politischer Inkorporation. Als emergentes Phänomen fordert die Koexistenz verschiedener Bürgerschaftsinstitutionen Diskussionen heraus über die soziologische Makrokategorie der Gesellschaft, insbesondere über das Verhältnis von Nationalstaat, polity und Gesellschaft. In diesem Beitrag wird zunächst das klassisch moderne Konzept der nationalen Bürgerschaft als Assoziation von Recht, Identität und Territorium rekapituliert. Dann wird gezeigt, wodurch die neuen Komponenten der Unionsbürgerschaft sich vom nationalstaatlichen Mitgliedschaftsmodell unterscheiden, und in welchem Kontext des Wandels die Unionsbürgerschaft steht. Im dritten Schritt soll ein weltgesellschaftlicher Erklärungsrahmen vorgeschlagen werden, der die Veränderung politischer Inkorporation in einer institutionalistischen Perspektive konzeptualisiert. Die These des Beitrags ist, dass die nationale und die supranationale Bürgerschaft Formen politischer Mitgliedschaft und Integrationsangebote enthalten, die transnationale Bedingungen reflektieren.
STICHWORTE: Bürgerschaft, Inklusion, Exklusion, politische Inkorporierung, Weltgesellschaft
ENGL. KURZREFERAT: The co-existence of national and European citizenship contains perspectives with regard to changing forms of political incorporation. As an emerging phenomenon, the co-existence of different citizenship institutions challenges debates about the sociological macro category of society, with special respect to the relation between nation-state, polity, and society. First, the classical modern approach of national citizenship as the association of law, identity, and territory is recapitulated. Secondly, it is shown in which respect the new components of the EU-citizenship are different from the national membership model, and in which broader context the formation of Union-citizenship has to be located. Thirdly, a framework is offered which conceptualizes the change of political incorporation within an institutionalist perspective of world society. In this contribution it is argued that both national and supra-national citizenship contain models of political incorporation reflecting trans-national conditions.
KEYWORDS: citizenship, inclusion, exclusion, political incorporation, world society
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Hermann Dülmer, Zentralarchiv für empirische Sozialforschung, Universität zu Köln, Bachemer Str. 40, D-50931 Köln E-Mail: duelmer@za.uni-koeln.de
AUTOR: Jürgen Gerhards
TITEL: Europäisierung von Ökonomie und Politik und die Trägheit der Entstehung einer europäischen Öffentlichkeit
ENGL. TITEL: “Europeanization” of the Economy, and the Political System – with the Public Sphere Lagging Behind
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 40, Jg. 52, 2000, S. 277-305
KURZREFERAT: Der Aufsatz analysiert die Entwicklung von Ökonomie, Politik und Öffentlichkeit der Bundesrepublik für den Zeitraum 1950 bis 1995 unter dem Gesichtspunkt der Globalisierung bzw. Transnationalisierung dieser drei Bereiche. Die empirischen Analysen der Systeme Ökonomie und Politik zeigen, dass es einen moderaten Prozess der Transnationalisierung der Volkswirtschaft gibt, der sich aber nicht als Globalisierungs-, sondern in erster Linie als ein Europäisierungsprozess erweist, der zugleich durch einen parallel laufenden Prozess der Europäisierung der Politik begleitet wird. Anders verläuft hingegen die Entwicklung der massenmedialen Öffentlichkeit. Diese bleibt weitgehend nationalstaatlich verhaftet; über andere Staaten und über Europa wird in der medialen Öffentlichkeit der Bundesrepublik im Zeitverlauf nicht zunehmend mehr berichtet, europäische Institutionen spielen als mediale Sprecher kaum eine Rolle. Damit ergibt sich aber eine Inkongruenz zwischen einer Europäisierung der Ökonomie und der politischen Entscheidungen einerseits und einer medialen Darstellung und Vermittlung europäischer Politik andererseits; eine europäisierte Politik ist der Kontrolle durch eine weiterhin nationalstaatlich verankerte Öffentlichkeit davongelaufen. Die Ursachen für das empirisch diagnostizierte Öffentlichkeitsdefizit werden zum Schluss des Beitrags diskutiert.
STICHWORTE: Globalisierung, Europa, Öffentlichkeit, Publizität, Massenmedien, ökonomische Integration
ENGL. KURZREFERAT: The article analyzes the process of transnationalization of the economy, the political system and the public sphere of the German society for the time period 1955 to 1995. The empirical results show that there is a slight development in direction of a Europeanization of the economy, which is accompanied by a parallel development of the political system. Only the public sphere is lagging behind: More and more binding decisions are no longer made by the nation-state but by the European Union, whereas the mass media are still rooted in the border of the nation-state, the media agenda is still dominated by national issues and not by European issues. What follows is a lack of publicity; citizens are insufficiently informed about the policy process and the decisions made by the EU. After having described these developments empirically, some reasons for a missing European public sphere are discussed.
KEYWORDS: globalization, Europe, public sphere, publicity, mass media, economic integration
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Hermann Dülmer, Zentralarchiv für empirische Sozialforschung, Universität zu Köln, Bachemer Str. 40, D-50931 Köln E-Mail: duelmer@za.uni-koeln.de
AUTOR: Klaus Eder und Cathleen Kantner
TITEL: Transnationale Resonanzstrukturen in Europa. Eine Kritik der Rede vom Öffentlichkeitsdefizit
ENGL. TITEL: Transnational Structures of Resonance. A Critique of the Debate on a “Deficient European Public Sphere”
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 40, Jg. 52, 2000, S. 306-331
KURZREFERAT: In den Debatten um das Öffentlichkeitsdefizit der Europäischen Union hat sich die These durchgesetzt, die Europäer redeten in bezug auf europäische Themen chronisch „aneinander vorbei“. Wir argumentieren, dass diese These durch die herkömmlichen Fallstudien nicht belegt wird. Im Anschluss an einen diskurstheoretisch-pragmatistischen Öffentlichkeitsbegriff schlagen wir vor, politische Kommunikation als Kommunikation gleicher Themen unter gleichen Relevanzgesichtspunkten zu operationalisieren. Anhand dreier Fallstudien illustrieren wir, dass in Europas Medien solche politische Kommunikation zu europäischen Themen in der Tat stattfindet. Den Grund dafür sehen wir darin, daß die fortschreitende ökonomische und rechtliche Integration Europas einen Handlungsraum und damit Bedarf für zunehmende politische Kommunikation geschaffen hat. Von dieser Ebene politischer Kommunikation ist die institutionelle Ebene zu unterscheiden, auf der die Funktionsfähigkeit von Öffentlichkeit als watch-dog der Politik zur Debatte steht. Diese Funktion kann erst erfüllt werden, wenn die öffentliche Deliberation nicht mehr vor der Entscheidung halt macht. Das Öffentlichkeitsdefizit - so unsere Schlussfolgerung - besteht nicht auf der Ebene der politischen Kommunikation, sondern auf der Ebene der Anbindung öffentlicher Kommunikation an die institutionellen Entscheidungsprozesse der Europäischen Union.
STICHWORTE: Europäische Integration, politische Kommunikation, Öffentlichkeit, politisches Handeln, Deliberation
ENGL. KURZREFERAT: In the debates on the “deficit” attributed to the European public sphere a consensus has emerged which argues that Europeans would “talk at cross purposes” with respect to European issues. Against this mainstream we hold that existing case studies do not prove that claim. Following a discourse-theoretical and pragmatist notion we operationalize the public sphere as political communication about the same issues under similar aspects of relevance. In three case studies we try to illustrate the claim that such political communication on European issues is in fact taking place in the European media. We see the reason for this in the ongoing economic and political integration of Europe which has created a common space of interaction and therefore the need for political communication. From this level of analysis the institutional level has to be distinguished which addresses the question of the public sphere as a watchdog of policy making and politics. This function can be fulfilled only when public deliberation is coupled with political decision-making. The deficit of the European public sphere does not consist in a lack of political communication, but in the lack of institutionalized links between public communication and institutional procedures of decision-making in the European Union.
KEYWORDS: European integration, political communication, public sphere, policy making, deliberation
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Hermann Dülmer, Zentralarchiv für empirische Sozialforschung, Universität zu Köln, Bachemer Str. 40, D-50931 Köln E-Mail: duelmer@za.uni-koeln.de
AUTOR: Hans Trenz
TITEL: Korruption und politischer Skandal in der EU. Auf dem Weg zu einer europäischen politischen Öffentlichkeit?
ENGL. TITEL: Corruption and Political Scandal in the EU: Towards the Establishment of a European Political Public Space?
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 40, Jg. 52, 2000, S. 332-359
KURZREFERAT: Mit dem Befund eines Defizits an massenmedialer Öffentlichkeit in Europa bleibt das Problem der Politikvermittlung in der EU weiterhin unbewältigt. Die funktionalen, sich entlang der Schnittstellen des EU-Mehrebenensystems ausdifferenzierenden Kommunikationszusammenhänge vermögen bestenfalls zwischen den Routineoperationen des Verwaltungsapparates und seinen spezifischen Fachpublika zu vermitteln. Eine integrative Abbildung des ausdifferenzierten Mehrebenensystems bzw. der Anschluss an generalisierbare Massenkommunikation kann durch solche sektoralen Teilöffentlichkeiten jedoch nicht geleistet werden. Diese Defizitthese wird anhand einer Fallstudie zum Korruptionsskandal der Europäischen Kommission im Jahre 1999 kritisch überprüft. Der für eine Skandalisierung europäischer Politik zu beanspruchende erhöhte Kommunikationsbedarf kann von den europäischen Akteuren über Mechanismen der symbolischen Mobilisierung zumindest kurzfristig befriedigt werden, um damit eine Rückkoppelung sektoraler Fachöffentlichkeiten an die Allgemeinheit an spezifischen kritischen Punkten des politischen Prozesses zu gewährleisten. An die Stelle der massenmedialen europäischen Gesamtöffentlichkeit treten dabei andere generalisierte (in diesem Sinne symbolische) Vermittlungsstrategien, die eine Moralisierung und Dramatisierung europäischer Politik in den nationalen Medienöffentlichkeiten vorantreiben.
STICHWORTE: öffentliche Kommunikation, Regierungssystem, Messenmedien, Korruptionsskandal, symbolische Mediation
ENGL. KURZREFERAT: The problem of political mediation between the EU institutions and its citizens has until now been primarily viewed in the context of processes of public communication, which become increasingly sectoralized along the lines of a developing multi-level governance system. In doing so, further questions concerning possible forms of integrating different sectoral publics under the logics of general mass media communication in and about Europe have remained undiscussed, or been disregarded as impossible to achieve. The deficit thesis, which claims the inexistence of a European public space, is critically tested on the basis of a case study on the European Commission's corruption scandal in 1999. It is argued that in Europe, instead of an encompassing mass medial public space, other forms of political (in this case, symbolic) mediation take the fore. By occupying the national space through the mass media, these new forms of symbolic mediation achieve the popularization and reconflictualization of issues within a European public to come. In this way, at critical political intersections within political processes, a connection between the sectoral expert publics and the general public can be attained.
KEYWORDS: public communication, governance system, mass media, corruption scandal, symbolic mediation
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Hermann Dülmer, Zentralarchiv für empirische Sozialforschung, Universität zu Köln, Bachemer Str. 40, D-50931 Köln E-Mail: duelmer@za.uni-koeln.de
AUTOR: Felicitas Hillmann
TITEL: Von internationalen Wanderungen zu transnationalen Migrationsnetzwerken? Der neue europäische Wanderungsraum
ENGL. TITEL: From International Migration to Transnational Networks? The New European Migration Space
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 40, Jg. 52, 2000, S. 363-385
KURZREFERAT: Seit den frühen 90er Jahren sind alle EU-Mitgliedstaaten de facto zu Einwanderungsländern geworden. Neben die nordwesteuropäischen traditionellen Zuwanderungsländer wie Großbritannien, Frankreich und die Niederlande, deren Bevölkerungszusammensetzung jeweils auf Grund ihrer ehemaligen Position als Kolonialmacht von einem großen Anteil ethnischer Minderheiten geprägt ist, und die Länder mit einer besonderen Arbeitnehmerrekrutierung bis 1973 (z.B. Deutschland und Österreich) sind die südeuropäischen, vormaligen Auswanderungsländer, getreten. „Migration“ als Ereignis und als Thema einigt Europa auf der supranationalen Ebene und zeitigt auf der lokalen Ebene zunehmend Fragmentierung. Der Beitrag umreißt die Konstruktion eines gemeinsamen europäischen Migrationsraumes und fragt nach dem Stellenwert des neuen Typus der transnationalen Migration.
STICHWORTE: Migration, Arbeitsmarkt, Europa, transnationale Netzwerke, Stadt, Geschlecht
ENGL. KURZREFERAT: This article examines the emerging topography of the European migratory space in the 1990s. It identifies three different subsystems within the present European migration system (North-West-European; Central European and Southern European) on the basis of available migration data. These subsystems shape and determine future supranational European integration. It is further argued that the construction of the European migratory space is predominantly based on the idea of control and limited to the realization of the Schengen agreement, while integration is discussed on the discursive level in various fora and is not yet part of policy-making. A common and coordinated supranational migration policy is not yet in sight. Nevertheless, "migration" seems to bring Europe together because all EU countries have to deal with the topic and various organizations and academic working groups feature the theme. New types of migration and new forms of transnational migration can be observed in most countries. Here the new migrations exacerbate fragmentation on the local level, especially on the urban labor markets. The changing ethnic division of labor in the European cities and the ethnic economy, increasingly organized on a transnational level, are an integral part of the new migration topography. The two dynamic processes are interconnected: On the supranational level, the discourse and the construction of the European migration space has a unifying influx on the making of "Europe," while on the local level fragmentation and polarization take place. For further sociological research a stronger focus on more qualitative and transnational patterns of migration is suggested.
KEYWORDS: migration, labour market, Europe, transnational network, cities, gender
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Hermann Dülmer, Zentralarchiv für empirische Sozialforschung, Universität zu Köln, Bachemer Str. 40, D-50931 Köln E-Mail: duelmer@za.uni-koeln.de
AUTOR: Verónica Tomei
TITEL: Grenzabbau und Neukonstruktion im europäischen Migrationsraum
ENGL. TITEL: Dismantling of Borders and Reconstruction in the European Migration Space
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 40, Jg. 52, 2000, S. 386-399
KURZREFERAT: Die europäische Migrationspolitik eignet sich besonders gut für die Analyse der Veränderungen, die der europäische Integrationsprozess für den nationalstaatlich geprägten Ordnungsrahmen bewirkt. Internationale Migration ist per definitionem ein transnationaler sozialer Prozess, sodass der staatliche migrationspolitische Steuerungsanspruch zwangsläufig den Aufbau transnationaler Steuerungskompetenz erfordert. Gleichzeitig beruht der Umgang mit Zuwanderern auf Inklusions- und Exklusionsmechanismen, die traditionell nationalstaatlich geprägt sind. Zwischen den Staaten der Europäischen Union ist in den vergangenen Jahren zunehmend die Entstehung eines gemeinsamen Migrationsraumes zu beobachten. Dies geschieht nicht durch supranationale Vorgaben einer Brüsseler Behörde, sondern vornehmlich durch die Ausdehnung nationalstaatlicher Handlungsspielräume, die Zunahme an transnationalen Verwaltungskontakten, die Herausbildung einer migrationsbezogenen Bürokratie europäischen Zuschnitts und durch die permanente Interaktion zwischen nationaler und europäischer Ebene. Dies verändert den Bezugsrahmen nationaler Akteure.
STICHWORTE: Wanderungspolitik, Schengen Abkommen, Abkommen von Mastricht, Abkommen von Amsterdam, Bürokratie, Europäische Zusammenarbeit, Kommunikationsraum, transnationale Beziehungen
ENGL. KURZREFERAT: European migration policy is especially well suited to analyze changes to national settings induced by the European integration process. International migration is by its very definition a transnational social phenomenon, so that national-states who want to control migration movements are forced to create transnational control capacity, while dealing with immigrants is shaped by national mechanisms of inclusion and exclusion. In the last years a common migration space is emerging between the members of the European Union. This is not due to orders coming from a Brussels bureaucracy, but to the enlargement of national scopes of action, to increasing contacts between national administrations, to the emergence of a migration-related bureaucracy of European dimension and to the permanent interaction between the national and the European level. This changes the terms of reference of national actors.
KEYWORDS: migration policy, Schengen Treaty, Maastricht Treaty, Amsterdam Treaty, bureaucracy, European cooperation, communication space, transnational relations
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Hermann Dülmer, Zentralarchiv für empirische Sozialforschung, Universität zu Köln, Bachemer Str. 40, D-50931 Köln E-Mail: duelmer@za.uni-koeln.de
AUTOR: Arndt Sorge
TITEL: Gesellschaftliche Effekte bei der Globalisierung von Handlungshorizonten in Europa
ENGL. TITEL: Societal Effects within Globalization of Action Horizons in Europe
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 40, Jg. 52, 2000, S. 11-35
KURZREFERAT: Der Gesellschaftsbegriff wird unter der Einwirkung von ‚Globalisierung‘ diskutiert. Die Grundlegung des Gesellschaftsbegriffs erfolgt nach G.H. Mead, gibt also den Handelnden angemessenen Raum und vermeidet Determinismus. Die ‚Gesellschaft‘ wird als gesellschaftlicher Raum mit Stufung in verschiedenen Formen vorgestellt. Inkongruente Stufung wird als Merkmal der gesellschaftlichen Entwicklung eingeführt, das bislang als Triebkraft der Modernisierung verkannt wurde. Stufung ist auch bedeutsam für aktuelle Diskussionen. Hierbei kann die wirtschaftswissenschaftliche und organisationstheoretische Literatur mit der Gesellschaftstheorie so verbunden werden, dass ‚Provinzialisierung‘ der Identität, Institutionen und Kultur einer Gesellschaft durchgängig mit der Ausweitung von Handlungshorizonten bei Globalisierung einhergehen. Vergleichsergebnisse zeigen, wie die Dialektik von Globalisierung und Provinzialisierung funktioniert, und wie sozial-institutionelle Muster mit Unternehmensstrategien bei der Anfachung der Dialektik interagieren. Hierin spielen ‚gesellschaftliche Effekte‘ eine wichtige Rolle. Dies gilt nicht obwohl, sondern gerade weil der gesellschaftliche Raum klarer gestuft wird.
STICHWORTE: Globalisierung, gesellschaftliche Effekte, vergleichende Organisation, vergleichendes management, gesellschaftliche Entwicklung
ENGL. KURZREFERAT: The notion of ‘society’ is debated under the impact of ‘globalization’. A theoretical grounding of society is provided following G.H. Mead, which bears sufficient regard to actors and avoids determinism. Society is conceptualized as ‘societal space’, open to layering in different forms. Incongruent layering is then put forward as a feature of societal evolution which has hitherto been neglected as an engine of modernization. This form of layering is also suggested to be important for current debates. Following this concept, the business and organizational literature can be linked with social theory in a way which shows how ‘provincialization’ of identity, institutions and culture is pervasively linked with the extension of horizons of action under globalization. Comparative findings are adduced to show how the dialectics of globalization and provincialization work, and how socio-institutional patterns interact with the evolution of enterprise strategies in order to fuel this dialectic. In such an evolution, society has an important part to play. It is precisely the layering of societal space which makes societal effects a necessary concept.
KEYWORDS: globalization, societal effects, comparative organization, comparative management, societal evolution
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Hermann Dülmer, Zentralarchiv für empirische Sozialforschung, Universität zu Köln, Bachemer Str. 40, D-50931 Köln E-Mail: duelmer@za.uni-koeln.de
AUTOR: Mathias Bös
TITEL: Zur Kongruenz sozialer Grenzen. Das Spannungsfeld von Territorien, Bevölkerungen und Kulturen in Europa
ENGL. TITEL: The Borders of the European Society. The Tensions between Territories, Populations and Cultures in Europe
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 40, Jg. 52, 2000, S. 429-455
KURZREFERAT: Ausgehend von dem Begriff der Grenze, wie er sich im Bild der Linie und der Membran ausdrückt, wird die Multiplexität europäischer Grenzstrukturen von Territorien, Bevölkerungen und Kulturen als zentrales Strukturmoment der europäischen Weltregion analysiert. Von der Europäischen Union bis zum European Songcontest, in ganz Europa kennzeichnen Grenzexpansionen, Grenzpassagen und Grenzstabilisierungen die Veränderungen nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit der Kategorie der Grenze können diese komplexen Prozesse innerhalb Europas einerseits klarer reformuliert werden, und zum anderen kann angedeutet werden, wie gerade diese Perspektive die Vergesellschaftungsprozesse in Europa in den Blick rückt.
STICHWORTE: nationale Grenzen, Bevölkerung, Kultur, Europäische Gesellschaft
ENGL. KURZREFERAT: Starting with the notion of border, epitomized in the picture of the line and the membrane, the multiplexity of European border-structures is analyzed as an essential structural feature of the European subcontinent in respect to territories, populations and cultures. From the European Union to the European Songcontest, the expansion, passage and stabilization of borders always characterizes Europe after World War II. The category of border enables us to reformulate these complex processes within Europe more clearly and it can be shown how especially this approach illuminates our thinking on an emerging European society.
KEYWORDS: national frontiers, border, population, culture, European society
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Hermann Dülmer, Zentralarchiv für empirische Sozialforschung, Universität zu Köln, Bachemer Str. 40, D-50931 Köln E-Mail: duelmer@za.uni-koeln.de
AUTOR: Hans Geser
TITEL: Zuviel Gemeinschaft in der Gesellschaft? Europa in der Zwangsjacke entdifferenzierender kommunitaristischer Integration
ENGL. TITEL: Too much „Gemeinschaft“ in Modern Society? Europe in the Straightjacket of Communitarian Integration
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 40, Jg. 52, 2000, S. 456-480
KURZREFERAT: Die EU ist darauf angelegt, den Europäischen Integrationsprozess als einen Prozess der Vergemeinschaftung zu vollziehen, der auf askriptiver unkündbarer Mitgliedschaft, Wertekonsens, diffusen Interdependenzbeziehungen, Zielunspezifität und irreversibel anwachsenden Normbeständen („acquis communautaire“) beruht. Damit tendiert sie zur Verfestigung relativ archaischer sozialer Strukturen, die sich vom moderneren Nationalstaat z.B. durch einen Mangel an Gewaltenteilung, Formalität und Öffentlichkeit und gegenüber klassischen internationalen Beziehungen durch ein Fehlen strikter rechtlicher Interventionsschranken und spezifischer und reversibler Vertragsbeziehungen absetzen. Deshalb wird die EU – falls sie am kommunitaristischen Modell festhält – auf längere Sicht nicht in der Lage sein, der Komplexität und Dynamik der Europäischen Gesellschaft (die selber Teil einer von ihr historisch konstituierten Weltgesellschaft ist) Rechnung zu tragen – ebenso wenig wie den demokratischen Mitwirkungsrechten der Bürger (und Parlamenten), die mit zunehmendem Abbau nationaler Souveränitätsrechte immer mehr erodieren.
STICHWORTE: Europäische Integration, Gemeinschaft, kommunitaristisches Modell, Gemeinschaftsgeist, Autonomie, Nationalstaat
ENGL. KURZREFERAT: The EU is pursuing a communitarian model of European integration which is based on an ascriptive, irrevocable membership status, value consensus, functionally diffuse inter-relationships, unspecified goals and an irreversibly growing “acquis communautaire”. Consequently, the European Union tends to solidify a rather anachronistic social structure. In contrast to the (more modern) nation states, its political system is characterized by deficits in the separation of powers, in formality of procedures and in public control. In contrast to classical international relations, it is at variance with modernity and because the absence of functionally specific and reversible contractual relationships by its refusal to bind interference to strict legal restrictions. As long as the EU clings to its communitarian model, it will be at variance with the high complexity and dynamics of European society (itself embedded in a world society created by Europe itself). The Union will not be able to be responsive to the participation needs of European citizens (and their legislative bodies), because these basic political rights are eroding to the degree that the autonomy of nation states is reduced.
KEYWORDS: European integration, Gemeinschaft, communitarian model, acquis communautaire, autonomy, nation state
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Hermann Dülmer, Zentralarchiv für empirische Sozialforschung, Universität zu Köln, Bachemer Str. 40, D-50931 Köln E-Mail: duelmer@za.uni-koeln.de
AUTOR: Stefan Immerfall
TITEL: Fragestellungen einer Soziologie der europäischen Integration
ENGL. TITEL: Towards a Sociology of European Integration
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 40, Jg. 52, 2000, S. 481-503
KURZREFERAT: Die Nachfrage nach Wissen über europäische Integrations- und Desintegrationsprozesse wächst. Im Vergleich zu ihren Nachbardisziplinen hat die Soziologie davon unzureichend profitiert. Es scheint, als tue sich die Soziologie schwer, einen eigenständigen Zugang zur Analyse der europäischen Integration zu entwickeln und zu begründen. Das gilt für den soziologischen Integrationsbegriff, für die Vorgehensweise und für die aktuellen Schwerpunkte der Forschung. Die einschlägige Forschung untersucht vor allem Entwicklungen innerhalb der westeuropäischen Gesellschaften und vergleicht diese erst in einem zweiten Schritt miteinander. Damit liefert sie zwar wertvolles Basismaterial zum Verständnis der europäischen Gegenwartsgesellschaften. Andererseits kann diese Abfolge das Verhältnis von Konvergenz und Divergenz der europäischen Gesellschaften im Zusammenspiel mit der neuen Bezugsebene Europa nicht klären.Deshalb wird als Kern der soziologischen Europaforschung vorgeschlagen, Ursachen und Folgen der gesellschaftlichen Integration Europas einschließlich ihrer Wechselwirkung für die politische Union zu analysieren. Ein solches Konzept hätte Vorteile hinsichtlich normativer Kriterien und gestattete, spezifische Hypothesen für Gegenwart und Zukunft der Europäischen Union zu formulieren. Dies wird für die derzeit wichtigsten soziologische Konzeptualisierungen der Europäischen Integration – soziokulturelle, funktionale, institutionelle Ansätze – verdeutlicht.
STICHWORTE: Soziologische Europaforschung, Europäische Union, Integration und Desintegration, Europäische Gesellschaften, vergleichende Methode
ENGL. KURZREFERAT: Europe, and knowledge about Europe, is in high demand. Although sociology is able to offer important insights into the social building structures and the dynamics of European integration, it still takes a lesser part in this endeavor than do its neighbor disciplines such as political science and economics. One reason is that sociology is insecure of its particular approach to the topic of European integration. This is both true for its method of investigation and its main focus of research. Current research usually starts with exploring trends in individual European societies. Cross-national comparison comes in as second step. While this method generates important factual information, it fails to take the wide-ranging reality of Europe with regard to social convergence and divergence into account. The paper therefore suggests beginning with the causes and consequences of Europe’s societal integration and its relationship with political integration. Advantages of such an approach include normative criteria for evaluating political decisions. It allows juxtaposing conflicting projections about the future of Europe, which then may be tested empirically. This is demonstrated with regard to three important sociological theories of European integration, i.e. the socio-cultural, the functional, and the institutional approach.
KEYWORDS: Sociology of European integration, European Union, European societies, integration and disintegration, comparative method
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Hermann Dülmer, Zentralarchiv für empirische Sozialforschung, Universität zu Köln, Bachemer Str. 40, D-50931 Köln E-Mail: duelmer@za.uni-koeln.de
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