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Zusammenfassungen und English Summaries
Heft 1, Jg. 53, 2001

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AUTOR: Hermann Dülmer

TITEL: Bildung und der Einfluss von Argumenten auf das moralische Urteil. Eine empirische Analyse zur moralischen Entwicklungstheorie Kohlbergs

ENGL. TITEL: Education and the Influence of Arguments on Moral Judgment: An Empirical Analysis of Kohlberg’s Theory of Moral Development

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 53, 2001, S. 1-27.

KURZREFERAT: Die Entwicklung des moralischen Urteils verläuft Kohlberg zufolge in einer unumkehrbaren Abfolge von sechs Stufen, wobei die anfangs egozentrische Sichtweise, unter der moralische Probleme wahrgenommen werden, zunehmend durch erweiterte und integriertere Perspektiven ersetzt wird. Vor dem Hintergrund dieser Theorie wird unter Verwendung eines Vignetten-Designs anhand des exemplarisch ausgewählten Konfliktbereichs der ärztlichen Sterbehilfe untersucht, welchen Beitrag Argumente zur moralischen Rechtfertigung einer Entscheidung zu leisten vermögen. Um beurteilen zu können, welche Argumente angemessen und welche weniger angemessen sind, bedarf es kognitiver Kompetenzen. Eine zentrale Aufgabe bei der Förderung solcher Kompetenzen fällt dem formalen Bildungssystem zu. Folglich ist zu erwarten, dass der Einfluss unterschiedlicher Argumente vor allem vom erreichten Bildungsniveau abhängt. Die empirischen Analysen vermögen diese Annahmen alles in allem kaum zu stützen. Methodisch geht die vorliegende Untersuchung über frühere Arbeiten hinaus, indem sie nicht nur das individuelle Urteilsverhalten analysiert, sondern mit Hilfe jüngst entwickelter Mehrebenenverfahren auch das unterschiedliche Antwortverhalten verschiedener Untersuchungsteilnehmer simultan in Rechung stellt.

STICHWORTE: Kohlberg, Bildung, moralisches Urteil, Moralentwicklung, Sterbehilfe

ENGL. KURZREFERAT: According to Kohlberg our moral judgment develops in an irreversible sequence of 6 stages. Starting on a level where moral problems are perceived from an egocentric point of view until an increasingly broader and more integrated perspective replaces the initially more restricted one. By using a vignette design on the background of this theory euthanasia was selected as an example to investigate to what extent arguments can morally justify a decision. In order to judge which arguments are adequate and which are less adequate cognitive competence is required. A central task of the education system is to increase this competence. Therefore it is assumed that the impact of different arguments depends above all on the level of education. All in all, the empirical analyses reported in this article do not confirm these hypotheses. In methodological respect the analyses go beyond earlier research since a recently developed multi level procedure is used. This allows an estimate of the intra-individual answer behavior of respondents and inter-individual differences between respondents simultaneously.

KEYWORDS: Kohlberg, education, moral judgment, moral development, euthanasia

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Hermann Dülmer, Zentralarchiv für empirische Sozialforschung, Universität zu Köln, Bachemer Str. 40, D-50931 Köln E-Mail: duelmer@za.uni-koeln.de

AUTOR: Martin Abraham

TITEL: Die Rolle von Vertrag, Macht und sozialer Einbettung für wirtschaftliche Transaktionen. Das Beispiel des Zahlungsverhaltens

ENGL. TITEL: The Function of Contracts, Power and Social Embeddedness for Economic Transactions: Payment Behavior in Interfirm Relations

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 53, 2001, S. 28-49.

KURZREFERAT: Mit dem vorliegenden Beitrag wird das Zahlungsverhalten von Geschäftspartnern in wirtschaftlichen Transaktionen untersucht. Letztere werden hierbei begriffen als allgemeine Tauschverhältnisse, in denen sich die Akteure einem Vertrauensproblem im Hinblick auf die Einhaltung der im Vertrag spezifizierten Zahlungsbedingungen gegenübersehen. Hierfür werden drei grundsätzliche Lösungsmöglichkeiten diskutiert: erstens institutionelle Mechanismen, die auf Verträgen und deren externer Durchsetzung basieren, zweitens Marktmechanismen sowie drittens Mechanismen der sozialen Einbettung. Die Betrachtung des dritten Faktors beruht auf der Überzeugung, dass auch wirtschaftliche Transaktionen in soziale Beziehungen eingebettet sind, die zur Regulierung und Durchführung ökonomisch orientierter Tauschakte genutzt werden können. Die aus diesen theoretischen Überlegungen abgeleiteten Hypothesen im Hinblick auf das Auftreten eines Zahlungsverzuges werden anhand einer Stichprobe von Aufträgen überprüft, die an Handwerksunternehmen im Raum Leipzig vergeben wurden. Es zeigt sich, dass Wettbewerbsmechanismen auf Grund ungleicher Machtverteilung zwischen den Tauschpartnern nicht in der Lage sind, das Vertrauensproblem zu überwinden. Auch die existierenden institutionellen Regulierungen können vertragswidriges Zahlungsverhalten nur sehr bedingt einschränken, stattdessen führt insbesondere die soziale Einbettung der Tauschbeziehung zu einem kooperativen Zahlungsverhalten des Auftraggebers.

STICHWORTE: zwischenbetriebliche Beziehungen, soziale Einbettung, Transaktionskosten, Vertragsverhalten, Kooperation, soziale Netzwerke

ENGL. KURZREFERAT: This paper focuses on the conditions that enhance punctual payments of clients in economic transactions. Within such exchange relations the actors face a problem of trust: the contractor delivers goods or services ex ante and has to trust the client that he will pay punctually. Three possible solutions are discussed: institutional mechanisms like enforceable contracts, market mechanisms, and mechanisms based on the social embeddedness of the transaction. It can be shown, that the trust problem concerning proper payment behavior cannot be solved by the market or bilateral contracts. Due to this fact, the embeddedness of economic transactions in social networks and long-term relationships becomes an important mechanism to reduce problems of trust between client and contractor. Based on a general theoretical framework, hypotheses are tested using regional restricted data of handicraft enterprises. It can be shown, that due to unbalanced power relations and insufficient institutional regulations the actors are not able to solve the problem of trust. Although the social embeddedness fosters cooperative behavior, opportunism by the client cannot be avoided completely.

KEYWORDS: interfirm relations, social embeddedness, transaction costs, contractual behavior, cooperative behavior, social networks

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Martin Abraham, Universität Leipzig, Institut für Soziologie, Burgstr. 21, D-04109 Leipzig E-Mail: abraham@sozio.uni-leipzig.de

AUTOR: Dirk Konietzka

TITEL: Hat sich das duale System in den neuen Ländern erfolgreich etabliert? Ausbildung, Arbeitslosigkeit und Berufseinstieg in Ost- und Westdeutschland in der Mitte der 1990er Jahre

ENGL. TITEL: Has the Dual System of Vocational Training been Successfully Established in East Germany?

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 53, 2001, S. 50-75.

KURZREFERAT: In diesem Beitrag wird der Berufszugang von Absolventen einer betrieblichen Berufsausbildung in Ost- und Westdeutschland im Zeitraum von 1993 bis 1995 untersucht. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen das Ausmaß von Arbeitslosigkeit nach der Ausbildung und deren Konsequenzen für den anschließenden Berufseinstieg. Es soll die Frage beantwortet werden, wie groß Ost-West-Differenzen an der ‚zweiten Schwelle‘ sind, ob diese zur Mitte der 1990er Jahre hin abgenommen haben und ob Diskrepanzen zwischen Ost und West mit verschiedenartigen strukturellen Rahmenbedingungen und individuellen Unterschieden der Ausbildungsabsolventen erklärbar sind. Die Datenbasis der empirischen Untersuchung bildet die IAB-Beschäftigtenstichprobe 1975-1995. Anhand des Vergleichs der Strukturen des Berufseinstiegs soll abschließend beurteilt werden, ob sich das duale System im Verlauf der ersten Hälfte der 1990er Jahre in Ostdeutschland erfolgreich etabliert hat oder ob anhaltende Verwerfungen an der zweiten Schwelle auf ein (vorläufiges) Scheitern des ‚Übergangsregimes‘ in den Beruf hinauslaufen.

STICHWORTE: Berufsausbildung, duales System, Arbeitsmarkt, Arbeitslosigkeit, Westdeutschland, Ostdeutschland, Transformation

ENGL. KURZREFERAT: In this paper, the transition from firm-based vocational training into the labor market is compared for East and West Germany in the first half of the 1990s. Special attention is given to the extent of unemployment after finishing training and its impact on the following entry into the first job. The paper aims at answering the following questions: How big are East-West-differences at the entry to the labour market? Did these differences decrease towards the middle of the 1990s? Are discrepancies between East and West related to diverging structural labour market conditions and individual differences of the leavers of the training system? By comparing the patterns of entering the labour market in both parts of the country, the paper aims at answering the question whether the dual system of vocational training has been established successfully in East Germany during the first half of the 1990s or whether an ongoing disorder at the ‚second threshold‘ points towards a (temporary) failure of the ‚transition regime‘ to the labour market. The empirical analyses are based on data from the ‚IAB-Beschäftigtenstichprobe 1975-1995‘.

KEYWORDS: vocational training, dual system, labor market, unemployment, West Germany, East Germany, transformation

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Dirk Konietzka, Universität Rostock, Institut für Soziologie, D-18051 Rostock E-Mail: dirk.konietzka@wisofak.uni-rostock.de

AUTOR: Almut Riedel

TITEL: Doppelter Sozialstatus, späte Adoleszenz und Protest. Algerische Vertragsarbeiter in der DDR

ENGL. TITEL: Status Inconsistency, Late Adolescence and Protest - Algerian Workers in the GDR

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 53, 2001, S. 76-95.

KURZREFERAT: Am Beispiel algerischer Vertragsarbeiter wird die Lebenssituation ausländischer Arbeiter in der DDR untersucht. Die häufig gestellte Frage, ob Migranten ausgebildet wurden oder unattraktive Tätigkeiten ausführten, wird mit einem „sowohl als auch“ beantwortet. Die geringe Zahl von Ausländern führte in der DDR nicht nur zu Ausländerfeindlichkeit, sondern auch zu besonderer Neugierde. Für die Migranten bedeutete sie schwache soziale Kontrolle durch Landsleute. Die Ergebnisse lassen sich mit drei Konzepten fassen. Die untersuchten Vertragsarbeiter verfügten über einen doppelten Sozialstatus: Ihre Position am Arbeitsplatz war niedrig, doch in der Freizeit verfügten sie angesichts des Zugangs zu Westattributen über ein hohes Prestige. Zumeist durchlebten die Migranten eine späte Adoleszenz: Alkoholkonsum und Paarbeziehungen waren dabei von besonderer Bedeutung. Die Algerier praktizierten Protest: Dabei nutzten sie traditionale Solidarität, Instrumente der Arbeiterbewegung und ihre Westattribute. Die Studie kontrastiert mit drei gängigen Annahmen der Migrationssoziologie. 1. Die untersuchten Migranten migrierten nicht für ihre Familien, sondern profitierten von der Freiheit von familiären Verpflichtungen. 2. Sie sahen sich selbst nicht als Opfer von Rassismus, sondern als Täter, die in legitimer Weise physische Gewalt anwendeten. 3. Sie integrierten sich nicht primär am Arbeitsplatz, sondern lebten vor allem für private Beziehungen in der Freizeit.

STICHWORTE: Migration, Wanderarbeiter, sozialer Status, Statusinkonsistenz, Gewalt, Algerien, DDR, Qualifikation, Ehre, Heiratswahl

ENGL. KURZREFERAT: By examining the specific example of Algerian migrant workers it is possible to gain insight into the living conditions of foreign workers in the GDR. Although the Algerians received professional educational training, they were relegated to unattractive jobs. Making up only a small percentage of the entire population, they aroused considerable curiosity among Germans and were subject to reduced social control by their own compatriots. Three concepts are crucial for understanding the specific situation. First, there was a status inconsistency of Algerian migrants. While their professional status was low, their western attributes brought them high prestige in their leisure time. Secondly, most of them lived a late adolescence in which alcohol and erotic relations were of particular importance. Thirdly, protests against living conditions were achieved through traditional solidarity, means of the labour movement and the creative use of western attributes. This article calls into question three general assumptions of the sociology of migrations. The Algerians did not migrate for their families but profited from the absence of family responsibilities. They did not consider themselves objects of racism, but made instead use of legitimate, physical violence. It was their private leisure time relations rather than their occupational contacts which facilitated their integration.

KEYWORDS: migration, migrant workers, social status, status inconsistency, violence, Algeria, GDR, qualification, honour, mating behavior

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Almut Riedel, Arndtstr. 1, D-10965 Berlin E-Mail: ariedel@zedat.fu-berlin.de

AUTOR: Thomas Klein und Rainer Unger

TITEL: Einkommen, Gesundheit und Mortalität in Deutschland, Großbritannien und den USA

ENGL. TITEL: Income, Health, and Mortality in West-Germany, Great Britain, and the USA.

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 53, 2001, S. 96-110.

KURZREFERAT: Der Beitrag untersucht die Einkommensabhängigkeit des Sterblichkeitsrisikos in Abhängigkeit vom Gesundheitszustand und den institutionellen Merkmalen des Gesundheitssystems in den USA, Großbritannien und der Bundesrepublik Deutschland. In Bezug auf den Gesundheitszustand wird die Hypothese untersucht, dass bei Gesundheit und bei Krankheit unterschiedliche (und unterschiedlich starke) Mechanismen des Einkommenseffekts die Oberhand haben. In Bezug auf den Ländervergleich liegt die Hypothese zugrunde, dass durch die institutionellen Regelungen die Abhängigkeit der gesundheitlichen Versorgung von privaten Aufwendungen festgelegt wird und sich daher die Länder hinsichtlich der Stärke des Einkommenseffektes unterscheiden. Die Analyse basiert auf dem Sozio-ökonomischen Panel (SOEP), dem British Household Panel Survey (BHPS) und dem Panel Study of Income Dynamics (PSID). Im Ergebnis zeigt sich, dass bei schlechtem Gesundheitszustand der Einkommenseffekt am geringsten ausfällt, wenn die Bevölkerung umfassend in ein staatlich-öffentlich organisiertes Krankenversicherungs- oder Versorgungssystem mit einer für den einzelnen (weitgehend) unentgeltlichen Inanspruchnahme der Leistungen einbezogen ist (Großbritannien, Deutschland). Der Einkommenseffekt bleibt jedoch bestehen, wenn die medizinische Versorgung stark von privaten Ausgaben abhängt (USA).

STICHWORTE: Mortalität, Gesundheit, Einkommensungleichheit, Gesundheitssystem, vergleichende Sozialforschung

ENGL. KURZREFERAT: The paper examines the effect of income on mortality with respect to different health statuses and institutional characteristics of the health care system in the USA, Great Britain and West Germany. It is hypothesized that the nature of the theoretical contribution of income in explaining mortality risks changes on whether good or poor health is considered. Taking into account that the health care systems of the countries in question vary by their degree of household out-of-pocket expenditure, we expect an association between income and mortality that differs by country. The analysis is based on the German Socio-economic Panel (GSOEP), the British Household Panel Study (BHPS), and the Panel Study of Income Dynamics (PSID). The effect of income on mortality is found to be weakest when medical services are sought in the presence of poor health within the framework of a national health insurance that renders free primary health care (Great Britain, Germany). The effect is strongest when the provision of primary health care depends strongly on private expenditures (USA).

KEYWORDS: mortality, health, income inequality, health care system, comparative research

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Thomas Klein, Ruprecht-Karls-Universität, Institut für Soziologie, Sandgasse 9, D-69117 Heidelberg E-Mail: thomas.klein@urz.uni-heidelberg.de

AUTOR: Stephan Ganter

TITEL: Zu subtil? Eine empirische Überprüfung neuerer Indikatoren zur Analyse interethnischer Beziehungen

ENGL. TITEL: Too Subtle? An Empirical Test of New Indicators for the Analysis of Inter-ethnic Relations

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 53, 2001, S. 111-135.

KURZREFERAT: In der aktuellen Forschung über interethnische Beziehungen in Deutschland wird mit zunehmender Resonanz ein Wandel der Einstellungsmuster und latenten Diskriminierungstendenzen von Deutschen gegenüber ethnischen Minderheiten konstatiert. Demnach haben sich neben den traditionellen, offen artikulierten Vorurteilen allmählich „moderne“, relativ subtile Varianten der Einstellungen und Distanzierungen herausgebildet, die mit den bislang üblichen Indikatoren nicht erfasst werden können. Die im Rahmen einer Eurobarometer-Erhebung konzipierte Subtle Prejudice Scale soll zusammen mit der Blatant Prejudice Scale diese Lücke schließen. In diesem Beitrag wird untersucht, inwieweit dieser Vorschlag eine brauchbare Ergänzung oder Alternative zu den bisher verwendeten Erhebungsinstrumenten darstellt. Auf der Basis einer 1999 durchgeführten Studie wird neben einer Überprüfung der Reliabilität und Validität erstmals auch die Beziehung zwischen den neuen Skalen und den bislang am häufigsten verwendeten ALLBUS-Indikatoren getestet. Die Ergebnisse der Analyse zeigen, dass vor allem die Subtle Prejudice Scale nicht den gängigen Qualitätskriterien entspricht. Insgesamt erweist sich das gesamte Messinstrument in der derzeitigen Form nicht als eine sinnvolle Alternative zu den etablierten Indikatoren.

STICHWORTE: inter-ethnische Beziehungen, latentes Vorurteil, offenes Vorurteil, Skalierung, Messung, Zuverlässigkeit, Gültigkeit, Deutschland, ALLBUS

ENGL. KURZREFERAT: Recent research on inter-ethnic relations in Germany discusses fundamental changes in patterns of attitudes and latent discrimination on the part of Germans towards ethnic minorities. It is argued that “modern”, rather subtle forms of attitudes and social distances emerged which cannot be measured with conventional indicators. Based on data from a Eurobarometer survey, Pettigrew and Meertens developed two scales – the Subtle Prejudice Scale and the Blatant Prejudice Scale – to close the gap. The aim of this article is to find out whether these scales are useful as supplement or substitution for commonly used measurement instruments in Germany. On the basis of data collected in 1999 the reliability and validity of the scales are tested. Moreover, the relations between the newly arranged indicators and the often used measurement instruments from the German General Social Survey (ALLBUS) are analysed for the first time. The empirical results show that especially the reliability and validity of the Subtle Prejudice Scale is questionable. It is concluded that the new scales in their current form provide no useful alternative to the commonly used measurement instruments.

KEYWORDS: inter-ethnic relations, subtle prejudice, blatant prejudice, scale, measurement, reliability, validity, Germany, ALLBUS

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Stephan Ganter, Universität Mannheim, Fakultät für Sozialwissenschaften, Lehrstuhl für Soziologie und Wissenschaftslehre, D-68131 Mannheim E-Mail: sganter@rumms.uni-mannheim.de

AUTOR: Herbert Obinger

TITEL: Verteilungskoalitionen und demokratische Staatsstrukturen als Determinanten der wirtschaftlichen Entwicklung? Eine Replik auf Volker Kunz

ENGL. TITEL: Do Distributional Coalitions and Democratic Institutions Affect Economic Growth? A Comment on Volker Kunz

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 53, 2001, S. 136-148.

KURZREFERAT: Dieser Kommentar setzt sich kritisch mit den von Volker Kunz in Heft 2 (Jg. 52, 2000) der KZfSS publizierten empirischen Befunden hinsichtlich der politisch-institutionellen Determinanten des Wirtschaftswachstums in OECD-Demokratien auseinander. Da es sich um ein in politisch-institutioneller Hinsicht homogenes Sample, bestehend aus rechtsstaatlich eingefassten Demokratien mit hochentwickelten Property Rights, handelt, ist das zur Prüfung der Forschungsfrage verwendete most similar systems design theoretisch wenig plausibel. Eine Reanalyse der Bestimmungsfaktoren des Wirtschaftswachstums in 21 Ländern liefert keine stichhaltigen Anhaltspunkte, dass die bestehenden Varianzen in den Staatsstrukturen oder der Demokratieform in der ökonomischen Entwicklung Niederschlag finden. Insbesondere kann der von Volker Kunz konstatierte Bremseffekt von Konkordanzdemokratien und Verteilungskoalitionen nicht repliziert werden. Ganz im Einklang mit der neoklassischen Wachstumstheorie ist der wirtschaftliche Aufholprozess ärmerer Länder der wichtigste Bestimmungsfaktor der langfristigen Wirtschaftswachstumsraten.

STICHWORTE: Wirtschaftswachstum, Verteilungskoalitionen, Staatsstrukturen, Konkordanzdemokratie

ENGL. KURZREFERAT: This comment critically focuses upon Volker Kunz’s (KZfSS 52, 2000: 195-225) empirical findings concerning the political and institutional underpinnings of economic development in the OECD world. It is argued that a most similar systems design is inappropriate to explore the political sources of economic growth. Reanalyzing the determinants of economic growth rates in a cross-section of 21 OECD countries provides little evidence for a political dimension of economic development. More specifically, I cannot replicate his findings that consensus democracy and distributional coalitions hamper economic growth. It is shown that long-term economic growth rates first and foremost are determined by economic catch-up resulting from differentials in initial levels of economic development.

KEYWORDS: economic growth, distributional coalitions, state structures, consensus democracy

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Herbert Obinger, Zentrum für Sozialpolitik, Universität Bremen. Parkallee 39, D-28209 Bremen E-Mail: hobinger@zes.uni-bremen.de

AUTOR: Volker Kunz

TITEL: „Do Institutions Matter?“ Politische Bestimmungsfaktoren des Wirtschaftswachstums in demokratischen Industriegesellschaften. Antwort auf Herbert Obinger

ENGL. TITEL: „Do Institutions Matter?“ Political Determinants of Economic Growth in Modern Democratic Industrial Societies. A Rejoinder to Herbert Obinger

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 53, 2001, S. 149-165.

KURZREFERAT: Herbert Obinger stellt in seiner Replik auf meinen Aufsatz „Kulturelle Variablen, organisatorische Netzwerke und demokratische Staatsstrukturen als Determinanten der wirtschaftlichen Entwicklung im internationalen Vergleich” (Kunz 2000) die Untersuchungsanlage und die empirischen Ergebnisse in Frage. In diesem Beitrag wird gezeigt, dass die Ausführungen Obingers von einer unangemessenen modellanalytischen Orientierung ausgehen und in mehrfacher Hinsicht nicht den üblichen Ansprüchen an eine nachvollziehbare und produktiv kritisierende Arbeit gerecht werden. Darüber hinaus wird argumentiert, dass sich die Frage nach dem Einfluss politisch-kultureller Variablen auf die Wirtschaftsentwicklung insbesondere für die Grundgesamtheit der demokratischen Industriestaaten stellen lässt, dass das sozio-ökonomische Entwicklungsniveau von Obinger nicht adäquat abgebildet wird und der Kern der empirischen Wissenschaften, das Wechselspiel von Theorie und Empirie, nur dann funktionieren kann, wenn sich die empirischen Analysen auf diejenigen Zeiträume und Variablen beschränken, die für die jeweils spezifischen Problemstellungen von Interesse sind, und die Indikatoren auf zuverlässigen und im Hinblick auf die Messung der theoretischen Konzepte gültigen Daten beruhen. Außerdem wird begründet, dass die Replik Obingers auf der unzutreffenden Vorstellung beruht, dass im Rahmen der Analyse einer Grundgesamtheit zur Beurteilung der Bedeutsamkeit von statistischen Effekten in erster Linie ihre Signifikanz zu verwenden sei.

STICHWORTE: ökonomisches Wachstum, kulturelle Werte, Messung demokratischer Institutionen, sozio-ökonomische Entwicklung, theoretische Grundannahmen, Signifikanztest, Relevanz

ENGL. KURZREFERAT: In his discussion of my article „The Effect of Cultural Factors, Networks of Voluntary Associations, and Democratic Institutions on Economic Development – An International Comparison“ (KZfSS 52, 2000: 195-225), Herbert Obinger questions the research design and the empirical results. In this rejoinder I shall show that Obinger´s criticism rests on an inadequate theoretical orientation and in various ways does not meet the requirements of a scientific and productive critique. In addition, it is argued that questions about the influence of political-cultural variables on economic development are of significance, especially for the population of modern democratic industrial societies, their empirical analysis presupposes the restriction to timespans and indicators relevant for the respective research problems. Obinger´s own modified research design includes an inappropriate measurement of socio-economic development. Furthermore, it is argued that his discussion rests on the wrong assumption that statistical significance is the leading factor in the interpretation of relevance of empirical effects in a population.

KEYWORDS: Economic growth, cultural values, measurement of democratic institutions, socio-economic-development, theoretical assumptions, significance, relevance

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. rer. pol. Volker Kunz, Universität Mainz, Institut für Politikwissenschaft, Colonel-Kleinman-Weg 2, D-55099 Mainz E-Mail: kunz.benningen@t-online.de

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Datei aktualisiert am 03.12.2003 in der Redaktion der KZfSS