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Zusammenfassungen und English Summaries
Heft 2, Jg. 53, 2001

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Zu den Kurzbiographien


AUTOR: Thomas Schwinn

TITEL: Staatliche Ordnung und moderne Sozialintegration

ENGL. TITEL: Political Order and Modern Social Integration

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 53, 2001, S. 211-232.

KURZREFERAT: Aus der neueren Systemtheorie und der Individualisierungsthese ist das Problem sozialer Integration weitgehend verschwunden. Die differenzierte Grundstruktur moderner Gesellschaften bietet dem Einzelnen lediglich noch Komplexität an, die er biographisch verarbeiten muss. Integration reduziert sich auf eine bloß noch individuelle Leistung. Dagegen wird die besondere sozialintegrative Bedeutung der staatlichen Ordnung hervorgehoben. Auf mehreren Ebenen hat sie eine Klammerfunktion über die einzelnen Inklusionen hinweg: kulturell, indem mit der Fusion von Politik und Kultur Fragen der Inklusion in die einzelnen Ordnungen nicht kulturneutral geregelt werden; rechtlich, indem mit dem Staatsbürgerstatus eine Hauptschwelle überschritten werden muss, um vollen Zugang zu den anderen Institutionen zu haben; intermediär, indem sie einen notwendigen Rahmen für die Konfliktinstitutionalisierung zwischen den Interessengruppen bildet; legitimatorisch, indem die Akzeptanz eines gesamten Arrangements von differenzierten Ordnungen über die Legitimation der politischen Ordnung abgerechnet wird; und schließlich hat sie eine integrierende Funktion auf der Ebene des Lebenslaufs, wo sie die Einzelinklusionen untereinander anschlussfähig hält und zur biographischen Kontinuität und Erwartbarkeit beiträgt.

STICHWORTE: Soziale Integration, Differenzierung, Nationalstaat, Staatsbürgerschaft, Legitimation, Lebenslauf

ENGL. KURZREFERAT:Social integration has vanished in Luhmann's systems theory and in the theses on individualization. The differentiated structure of modern society offers only complexity, which the individual has to synthesize in his biography. Integration is reduced to a merely individual achievement. Against this the article emphasizes the importance of the state for social integration. On several levels it clamps the different inclusions: culturally polity and culture are fused and inclusions are based on certain cultural attributes and abilities; legally one has to pass over the threshold of citizenship to gain full access to all institutions; intermediary the political order sets an institutional frame for conflicts between interest groups; legitimatory the acceptance of a whole arrangement of differentiated orders is balanced by the legitimation of the political order; eventually the life-course is ordered by political regulations making possible biographical expectations and continuity.

KEYWORDS: Social integration, differentiation, nation state, citizenship, legitimation, life-course

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Priv.-Doz. Dr. Thomas Schwinn, Institut für Soziologie der Universität Heidelberg, Sandgasse 9, D-69117 Heidelberg E-Mail: thomas.schwinn@urz.uni-heidelberg.de

AUTOR: Volker Bornschier

TITEL: Generalisiertes Vertrauen und die frühe Verbreitung der Internetnutzung im Gesellschaftsvergleich

ENGL. TITEL: Generalized Trust and Early Internet Usage in Cross-national Comparison

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 53, 2001, S. 233-257.

KURZREFERAT:Fördert das generalisierte Vertrauen im Gesellschaftsvergleich ausschließlich das Wirtschaftswachstum - was mittlerweile als empirisch belegt gelten kann -, oder erleichtert diese kulturelle Ressource zudem auch den technischen Wandel, der das zukünftige Wirtschaftswachstum trägt? Um diese Frage zu klären, verwenden wir den in der Literatur be-reits benutzten Indikator für generalisiertes Vertrauen in der Bevölkerung als Prädiktor für die Erklärung der bemerkenswerten Länderunterschiede bei der Internetdiffusion (1997 und 1999). Dabei ziehen wir ein Testsample von 34 Ländern (von denen 21 hoch entwickelt sind) heran. Wir finden statistisch robuste Effekte des generalisierten Vertrauens, die für die reichen Länder zudem bemerkenswert substanziell sind. Sie bleiben auch bestehen, wenn wir den durchschnittlichen materiellen Wohlstand, die frühe Verbreitung tertiärer Bildung sowie die allgemeine Bildungsqualität und die Dichte des wissenschaftlichen Personals in Forschung und Entwicklung als Kontrollvariablen berücksichtigen. Die Ergebnisse können auch die bisherigen Modelle des diskontinuierlichen Technologiewandels verbessern. Mit Blick auf die Geschwindigkeit der Diffusion sind diese gesellschaftlich unterdeterminiert. Unsere Ergebnisse zur gesellschaftlichen Ressource allgemeines Vertrauen können hier Präzisierungen für die frühe Phase der Übernahme neuer Technologien liefern.

STICHWORTE:Vertrauen, Internet-Nutzung, international vergleichende Sozialforschung, Wirtschaftswachstum, technologischer Wandel, Innovation

ENGL. KURZREFERAT:Does generalized trust merely foster economic growth as empirically demonstrated in recent research? Or does this cultural resource also facilitate technological change on which future economic growth will rest? We argue that this is likely. In order to empirically clarify this issue we take the recently used indicator for generalized trust and tolerance as a predictor for the remarkable country differences in Internet diffusion (1997 and 1999). In a full sample of 34 and a sub-sample of 21 rich countries we find statistically solid effects which for rich countries are furthermore quite substantial. The effects hold also after controlling for average material wealth, early proliferation of tertiary education, quality of general education and density of scientist and engineers in research and development. Our findings also suggest to enrich the socially under-specified models of discontinuous technological change in order to better account for the differences in early adoption of innovations.

KEYWORDS:trust, internet-usage, cross-national comparison, economic growth, technological change, adoption of innovation

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Volker Bornschier, Universität Zürich, Soziologischee Institut, Rämistr. 69, CH-CH-8001 Zürich, Schweiz E-Mail: vobo@soziologie.unizh.ch

AUTOREN: Wolfgang Lauterbach und Matthias Sacher

TITEL: Erwerbseinstieg und erste Erwerbsjahre. Ein Vergleich von vier westdeutschen Geburtskohorten

ENGL. TITEL: The First Years in the Labor Market. Four Birth Cohorts in Comparision

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 53, 2001, S. 258-282.

KURZREFERAT: Die Debatte um den Strukturwandel des Arbeitsmarktes und den damit einhergehenden Wandel der gesellschaftlichen Organisation der Arbeit ist weder theoretisch noch empirisch entschieden. Der Aufsatz untersucht mit Hilfe von Daten des sozio-ökonomischen Panels für vier Geburtskohorten den Erwerbseinstieg (15. bis 26. Lebensjahr) sowie die ersten Erwerbsjahre (15. bis 36. Lebensjahr). Dabei stehen die Fragen nach einer Zunahme atypischer, d.h. nicht über eine Vollzeitbeschäftigung erfolgende, Erwerbseinstiege sowie nach dem zeitlichen Anteil von Vollzeitbeschäftigung an den ersten 11 bis 21 Jahren des Erwerbsverlaufs im Mittelpunkt. Die Befunde zeigen für die jüngeren Kohorten eine Zunahme atypischer Erwerbseinstiege. Die Dauer der Vollzeitbeschäftigung wird bei den Männern in den ersten Erwerbsjahren in Folge einer längeren Bildungsbeteiligung kürzer, bei den Frauen steigt sie auf Grund des Bedeutungsverlustes der Hausfrauentätigkeit an. Ein von der Vollzeitbeschäftigung abweichender Erwerbseinstieg hat langfristige Folgen für den weiteren Erwerbsverlauf. Er kann im weiteren Erwerbsverlauf kaum noch kompensiert werden. Eine Zunahme atypischer Erwerbseinstiege zeigt sich vornehmlich bei Männern und Frauen mit geringer oder keiner beruflichen Qualifizierung.

STICHWORTE: Erwerbsverlauf, Destandardisierung, Arbeitsmarkt, Beschäftigungsdauer, Normalarbeitsverhältnis, Flexibilisierung, Dequalifizierung

ENGL. KURZREFERAT: The debate about the structural change of the labor market and the organization of dependent work has not been decided, neither theoretically nor empirically. This paper investigates on the basis of data from the GSOEP (German Socio Economic Panel) the entry into the labor market and the first years of gainful employment for four birth cohorts. The central focus of our argumentation lies on the following questions: Is there an increase of atypical entries into the labor market (aged 15 to 26) - i.e. part-time employment, unemployment or non labor market participation - and what proportion of their first years of working life (aged 15 to 36) do people spend in full-time employment. The results show a rise of atypical entries into the labor market for the younger cohorts. The duration of male full-time employment will be shorter because of longer education periods, while this duration rises for women as a result of decreasing relevance of housewife work. An atypical entry into the labor market has long-term consequences for the further working life, so that it hardly can be compensated. A de-standardization of the entry into the working life is most frequent for men and women with lower professional qualification. The results show that society is increasingly polarizing along the lines of qualified and non-qualified persons.

KEYWORDS: Full-time-employment, part-time-employment, employment patterns, destandardization, labor market, labor market entry, flexibilization, unemployment

KORRESPONDENZANSCHRIFTEN: PD Dr. Wolfgang Lauterbach, Universität Konstanz, Geisteswissenschaftliche Sektion, Fachbereich Soziologie, D-78457 Konstanz. E-Mail: Wolfgang.Lauterbach@uni-konstanz.de
Matthias Sacher, Universität Konstanz, Rechts-, wirtschafts- und vewaltungswissenschaftliche Sektion, Fachbereich Verwaltungswissenschaft, D-78457 Konstanz. E-Mail: Matthias.Sacher@uni-konstanz.de

AUTOREN: Michael Beck und Karl-Dieter Opp

TITEL: Der faktorielle Survey und die Messung von Normen

ENGL. TITEL: The Factorial Survey and the Measurement of Norms

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 53, 2001, S. 283-306.

KURZREFERAT: Der faktorielle Survey ist eine Methode, mit der Situationen, die komplexe Konstellationen von Merkmalen darstellen, von Befragten im Rahmen eines Interviews bewertet werden. So könnte ermittelt werden, inwieweit die Dimensionen "Rauchverbot" und "Anzahl der Personen, die rauchen" für die Geltung einer Nichtraucher-Norm von Bedeutung sind. Hierzu werden die Merkmale (d.h. Ausprägungen) der Dimensionen zu Situationsbeschreibungen kombiniert. Jede der möglichen und sinnvollen Situationsbeschreibungen wird dann von Befragten beurteilt. So könnte eine Situation, in der "Rauchen verboten" angezeigt wird und in der trotzdem mehr als die Hälfte der anwesenden Personen raucht, danach beurteilt werden, inwieweit eine Person in dieser Situation rauchen darf. Der Aufsatz hat zum einen das Ziel, die Methode des faktoriellen Surveys vorzustellen, die in Deutschland bisher kaum angewendet wurde und die für die Lösung einer Reihe zentraler sozialwissenschaftlicher Fragen angewendet werden könnte. Das zweite Ziel dieses Aufsatzes ist zu zeigen, inwieweit der faktorielle Survey für die Messung von Normen geeignet ist. Wir behandeln im Einzelnen die Schritte bei der Durchführung eines faktoriellen Surveys und diskutieren dabei die jeweiligen Probleme. Schließlich werden zwei neue Computerprogramme vorgestellt, die die Durchführung faktorieller Surveys erheblich erleichtern.

STICHWORTE: Faktorielles Survey, Vignettenanalyse, Normen, Messung von Normen, Messung von Einstellungen, Methodologie

ENGL. KURZREFERAT: In a factorial survey respondents are asked to judge descriptions of situations which are complex sets of attributes. For example, it could be ascertained to what extent the dimensions "ban on smoking" and "number of people who smoke" are relevant for the validity of a non-smoking norm. For this purpose, attributes (i.e. values) of dimensions are combined so that descriptions of situations ensue. Each of the possible and meaningful situational descriptions is judged by respondents. In the smoking example, respondents could be asked to what extent a person is more or less allowed to smoke in a restaurant (this is the judgment) if smoking is prohibited and if nonetheless more than half of those present smoke. The first objective of this paper is to provide an outline of the factorial survey that has been hardly used in Germany but could be applied to contribute to the solution of many central problems of the social sciences. The second objective is to show to what extent the factorial survey is capable of measuring norms. The paper describes and discusses the steps of administering a factorial survey. It further presents two computer programs that make it easier to carry out factorial surveys.

KEYWORDS: factorial survey, descriptions of situations, measuring norms, methodology

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Karl-Dieter Opp, Universität Leipzig, Institut für Soziolo­gie, Burgstr. 21, D-04109 Leipzig. E-Mail: Opp@sozio.uni-leipzig.de.

AUTOR: Karl-Heinz Reuband

TITEL: Möglichkeiten und Probleme des Einsatzes postalischer BefragungenA

ENGL. TITEL: Possibilities and Problems in the Use of Mail Surveys

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 53, 2001, S. 307-333.

KURZREFERAT: Untersucht wird, welche Strategien bei postalischen Befragungen in der Allgemeinbevölkerung zu hohen Ausschöpfungsquoten führen und wie sich die Befragten unterscheiden, die durch die sukzessiven Mahnaktionen in die Befragung einbezogen werden. Grundlage sind Umfragen in den Städten Chemnitz, Dresden und Leipzig mit einer Bruttostichprobe von rund 2000 Personen pro Stadt und mit bis zu drei Mahnaktionen. Die Ausschöpfungsquoten liegen mit Werten zwischen 68 und 70 Prozent über denen, die normalerweise in Großstädten mit face-to-face und telefonischen Befragungen erreicht werden. Im Gegensatz zu den Annahmen in der Literatur macht es keinen Unter-schied für die Ausschöpfungsquote, ob man Briefmarken auf dem Versand- und dem Rücksendeumschlag verwendet, ebenso wenig wirkt sich das Vorhandensein einer Original- vs. einer gescannten Unterschrift auf dem Anschreiben aus und ob in der Spätphase der Mahnungen finanzielle Anreize eingesetzt werden. Durch die Erinnerungsaktionen werden vor allem die schlechter Gebildeten und die politisch Desinteressierten in die Untersuchung einbezogen.

STICHWORTE: postalische Befragung, kooperatives Verhalten, Anreiz, Antwortmuster

ENGL. KURZREFERAT: The research focuses on the strategies in mail surveys that lead to high response rates and on the social characteristics of the respondents that are recruited into the survey through reminders. Empirical basis are surveys in the East German cities of Chemnitz, Dresden and Leipzig with an original sample size of ca 2000 persons per city and up to three reminders. The response rate varies between 68 and 70 percent and surpasses the usual response rates in face to face and telephone surveys done in German cities. In contrast to common assumptions in the literature it has no effect on the response rate whether stamps are used on the address and return envelope, neither do original versus scanned signatures make a difference and whether financial incentives are used in the late reminders. Through the reminders especially respondents with low education and of little political interest are recruited into the survey.

KEYWORDS: mail surveys, cooperation in the interview, incentives, response rate

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Karl-Heinz Reuband, Heinrich-Heine-Universität, Sozialwissenschaftliches Institut, Universitätsstr. 1, D-40225 Düsseldorf E-Mail: Reuband@phil-fak.uni-duesseldorf.de

AUTOR: Johann Bacher

TITEL: In welchen Lebensbereichen lernen Jugendliche Ausländerfeindlichkeit? Ergebnisse einer Befragung bei Berufsschülerinnen und Berufsschülern

ENGL. TITEL: In what Environment do Adolescents Learn Hostility Towards Foreigners? Results of a Survey of Apprentices

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 53, 2001, S. 334-349.

KURZREFERAT: Auszubildende werden in der Jugendforschung weitgehend vernachlässigt. Die wenigen Befunde zur Ausländerfeindlichkeit von Lehrlingen sind widersprüchlich. Ausgehend von diesem mangelhaften Erkenntnisstand untersucht der Beitrag auf der Grundlage einer Befragung von 374 Berufsschülern und Berufsschülerinnen in Nürnberg, in welchen Lebensbereichen (Familie, Freunde, Schule, Arbeitsplatz) Auszubildende ausländerfeindliche Einstellungen erlernen. Es ergeben sich deutliche Hinweise auf eine besondere Bedeutung von Familie und Freundeskreis.

STICHWORTE: Differentielle Assoziation, sozialer Kontext, Vorurteile, Ausländerfeindlichkeit, Jugendforschung

ENGL. KURZREFERAT: Youth research largely ignores apprentices. What little evidence there is on hostility towards foreigners among apprentices is contradictory. Starting with this scant knowledge the paper investigates in which life spheres (family, peers, school, work) apprentices learn this hostility. The study surveyed 374 respondents with German parents in Nuremberg. The results show clear evidence that family and peers are particularly important.

KEYWORDS: differential association, social context, prejudice, xenophobia, hostility toward foreigners, youth research

KORRESPONDENZANSCHRIFT:  Prof. Dr. Johann Bacher, Lehrstuhl für Soziologie, Universität Erlangen-Nürnberg, Findelgasse 7-9, D-90402 Nürnberg
E-Mail: Bacher@wiso.uni-erlangen.de

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Datei aktualisiert am 05.03.2004 in der Redaktion der KZfSS