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Herausgeberin: Bettina Heintz
Geschlechtersoziologie

Sonderheft 41/ 2001 der KZfSS

Klappentext:

Die Frage, weshalb askriptive Mechanismen auch in modernen Gesellschaften wirksam sind, gehört zu den Grundthemen der Soziologie. Obschon die Geschlechtersoziologie zu dieser Frage einiges zu sagen hat, vollziehen sich die Diskussionen in der Soziologie häufig unter "Absehung des Geschlechts". Die im vorliegenden Band gesammelten Aufsätze gehen aus unterschiedlichen theoretischen Perspektiven der Frage nach, über welche Mechanismen Geschlechterungleichheit erzeugt oder auch abgebaut wird. Die Ergebnisse dokumentieren, dass die Geschlechterdifferenz heute durch eine Art "instabile Persistenz" gekennzeichnet ist. Obschon die Geschlechtergrenzen durchlässiger geworden sind, gibt es nach wie vor Bereiche, in denen die Geschlechterungleichheit praktisch unverändert fortbesteht. Wie ist zu erklären, dass in einer Gesellschaft, die sich von ihrem Selbstverständnis her an universellen Sachprinzipien orientiert, geschlechtliche Zuschreibungen weiterhin wirksam sind? Die Beiträge machen deutlich, dass die Herstellung von Geschlechterungleichheit an spezifische Konstellationen gebunden ist und interaktive Prozesse, Organisationsstrukturen und internationale Normen hier eine besondere Rolle spielen. Insgesamt möchte der Band dazu beitragen, dass den Ursachen und Verlaufsformen der geschlechtlichen Differenzierung auch außerhalb der Geschlechtersoziologie vermehrt Rechnung getragen wird.


Zusammenfassungen und English Summaries des Sonderhefts 41, 2001

AUTOR: Bettina Heintz

TITEL: Geschlecht als (Un-)Ordnungsprinzip. Entwicklungen und Perspektiven der Geschlechtersoziologie.

ENGL. TITEL: The Social (Dis)Order of Gender. Trends and Prospects of Gender Sociology

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 41, Jg. 53, 2001, S. 9-29

KURZREFERAT: Die Frage, weshalb askriptive Mechanismen auch in modernen Gesellschaften Bestand haben, gehört zu den Grundthemen der Soziologie. Obschon die Geschlechtersoziologie zu dieser Frage einiges zu sagen hat, vollziehen sich die Diskussionen in der Soziologie häufig unter "Absehung des Geschlechts". Ausgehend von der Beobachtung, dass die Geschlechterdifferenz heute durch eine Art "instabile Persistenz" gekennzeichnet ist, geht der Einleitungsaufsatz der Frage nach, über welche Mechanismen die Geschlechterungleichheit erzeugt oder auch abgebaut wird. Der erste Abschnitt befasst sich mit dem Zusammenhang zwischen Modernisierung und geschlechtlicher Zuschreibung. Der zweite Abschnitt konzentriert sich auf drei Ebenen der Sozialorganisation und zeigt auf, welche Bedeutung Interaktionen, Organisationsstrukturen und globale Normierungen für die Herstellung geschlechtlicher Ungleichheit haben. In einem dritten Abschnitt werden einige Forschungsfelder benannt, die in Zukunft verstärkt thematisiert werden sollten.

STICHWORTE: Geschlechterungleichheit, Geschlechtersoziologie, Geschlechterdifferenzierung, soziale Ordnung, soziale Ungleichheit, Modernisierung, Zuschreibung

ENGL. KURZREFERAT: For sociologists it still remains an open question why ascriptive processes persist in modern societies. Starting from the observation that gender inequality today is characterized by a kind of "unstable persistence", the introductory chapter provides a survey of social processes generating or reducing gender differentiation. The first section addresses the relationship between modernization and gender. The second section focuses on three different levels of social organization and shows how interactive processes, organizational structures and global norms and institutions influence gender inequality. The third section outlines three research areas which should attract more attention in the future.

KEYWORDS: gender inequality, gender sociology, gender differentiation, social order, social inequality, modernization, ascription

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Bettina Heintz, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Soziologie, Colonel-Kleinmann-Weg 2, D-55099 Mainz
E-Mail:BHeintz@mail.uni-mainz.de

AUTOR: Christine Weinbach und Rudolf Stichweh

TITEL: Die Geschlechterdifferenz in der funktional differenzierten Gesellschaft

ENGL. TITEL: Gender Differences in Functionally Differentiated Society

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 41, Jg. 53, 2001, S. 30-52

KURZREFERAT: Der Text benutzt die soziologische Systemtheorie als ein analytisches Instrumentarium, das es erlaubt, auf eine instruktive Weise die Frage zu stellen, welche strukturelle Bedeutung der Geschlechterdifferenz für die moderne Gesellschaft zukommt. Zu diesem Zweck werden Funktionssysteme wie Politik und Familie/Intimbeziehungen, die Systembildungsebene Organisation und die Systembildungsebene Interaktion und schließlich die Unterscheidung von Kommunikation und Bewusstsein diskutiert. In allen Fällen zeigen sich reiche historische Motive, die Geschlechterdifferenz in eine prominente Stelle einzurücken; es zeigt sich aber auch eine systemstrukturelle Entbehrlichkeit der Geschlechterdifferenz, eine Art Entropie ihrer informativen Relevanz. Nur für die Ebene Interaktion mag der Befund wegen deren Angewiesenheit auf schnell verfügbare, handhabbare und durch visuelle Wahrnehmung gesteuerte Reduktionen anders lauten. Ein weiterer systematischer Grund liegt möglicherweise darin, dass in bestimmten Systemen (z.B. in Organisationen) ein Bedarf dafür aufkommt, sich ihre Umwelt als personalisiert vorzustellen. Personen mögen dann gedacht werden als Bündel geschlechtlich differenter Rollenverpflichtungen, die jemand typischerweise anhaften, und das kann auf einen Wiedereintritt der Geschlechterdifferenz in die systemische Kommunikation hinwirken.

STICHWORTE: Systemtheorie, Geschlechterdifferenzen, moderne Gesellschaft, Modernisierung, Interaktionssystem, Kommunikation

ENGL. KURZREFERAT: The article makes use of sociological systems theory as an analytical instrument which allows to give some instructive answers to the question for the structural relevance of gender differences in modern society. In looking for these answers the article examines function systems such as politics and family/intimate relations, the organizational and the interactional level of system formation, and the distinction of communication and consciousness as distinguishing social and psychic systems. In all these cases there is a rich historical vocabulary of motives for articulating gender differences, but in terms of basic structures of these systems there is much to be said for these systems being able to dispense with gender differences. Therefore, one might postulate a kind of entropy law for the informative relevance of gender differences in these systems. Only in interaction systems one may point to their need for quickly produced and easily manageable reductions based on visual evidence as a bias towards gender differences. There is one further structural argument the article focusses on: In any system (e.g. in formal organizations) in which there arises a need for conceiving the environment of the system as consisting from persons, it may be plausible to describe persons as bundles of further role obligations which are typically differentiated along gender lines. From this may arise a reentry of gender differences into communication processes of modern social systems.

KEYWORDS: system theory, gender differences, modern society, modernization, interaction systems, communication

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Rudolf Stichweh, Universität Bielefeld, Fakultät für Soziologie, Postfach 100131, D-33501 Bielefeld
E-Mail:rudolf.stichweh@uni-bielefeld.de
Dr. Christine Weinbach, Universität Bielefeld, Fakultät für Geschichtswissenschaft und Philosophie, Postfach 100131, D-33501 Bielefeld
E-Mail:cweinbac@geschichte.uni-bielefeld.de

AUTOR: Gudrun-Axeli Knapp

TITEL: Grundlagenkritik und stille Post. Zur Debatte um einen Bedeutungsverlust der Kategorie "Geschlecht"

ENGL. TITEL: Rumors and Reasons. On Gender-Scepticism (ECB)

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 41, Jg. 53, 2001, S. 53-74

KURZREFERAT: Der Text benutzt die soziologische Systemtheorie als ein analytisches Instrumentarium, das es erlaubt, auf eine instruktive Weise die Frage zu stellen, welche strukturelle Bedeutung der Geschlechterdifferenz für die moderne Gesellschaft zukommt. Zu diesem Zweck werden Funktionssysteme wie Politik und Familie/Intimbeziehungen, die Systembildungsebene Organisation und die Systembildungsebene Interaktion und schließlich die Unterscheidung von Kommunikation und Bewusstsein diskutiert. In allen Fällen zeigen sich reiche historische Motive, die Geschlechterdifferenz in eine prominente Stelle einzurücken; es zeigt sich aber auch eine systemstrukturelle Entbehrlichkeit der Geschlechterdifferenz, eine Art Entropie ihrer informativen Relevanz. Nur für die Ebene Interaktion mag der Befund wegen deren Angewiesenheit auf schnell verfügbare, handhabbare und durch visuelle Wahrnehmung gesteuerte Reduktionen anders lauten. Ein weiterer systematischer Grund liegt möglicherweise darin, dass in bestimmten Systemen (z.B. in Organisationen) ein Bedarf dafür aufkommt, sich ihre Umwelt als personalisiert vorzustellen. Personen mögen dann gedacht werden als Bündel geschlechtlich differenter Rollenverpflichtungen, die jemand typischerweise anhaften, und das kann auf einen Wiedereintritt der Geschlechterdifferenz in die systemische Kommunikation hinwirken.

STICHWORTE: Geschlecht, Skeptizismus, gender-scepticism, feministische Theorie, Diskurs über Sexualität und Geschlecht

ENGL. KURZREFERAT: The paper takes up the contemporary discussion about a declining relevance of the category of "gender". In exemplary reconstructions of contributions to this debate it analyzes the productive aspects of feminist antifoundationalist critique. It illustrates, too, that propositions about a lessening sociocultural importance of "gender" are often based on a decontextualized and misleading reception of angloamerican versions of "gender scepticism" that render invisible the specific backgrounds of their critique. It also takes up a german sociological contribution to this debate and shows how its exaggerations of social change are based on an inadequate social-theoretical concept of gender-relations (Geschlechterverhältnisse).

KEYWORDS: gender, gender-scepticism, feminist theory, sex/gender-debate

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Gudrun-Axeli Knapp, Universität Hannover, Psychologisches Institut, Im Moore 21, D-30167 Hannover
E-Mail:axeli.knapp@mbox.pih.uni-hannover.de

AUTOR: Marlis Buchmann und Manuel Eisner

TITEL: Geschlechterdifferenzen in der gesellschaftlichen Präsentation des Selbst. Heiratsinserate von 1900 bis 2000

ENGL. TITEL: Gender Differences in the Presentation of Self. Personal Ads 1900-2000

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 41, Jg. 53, 2001, S. 75-107

KURZREFERAT: Betrachtet man Grundmuster von sozialer Identität als eine in Kommunikationsprozessen reproduzierte und historischen Veränderungen unterliegende kulturelle Wirklichkeit, so stellt sich die doppelte Frage, wie sich der langfristige Wandel von geschlechtsbezogenen Identitätskonstrukten empirisch bestimmen lässt und welche gesellschaftlichen Prozesse ihre Konstruktion anleiten. Vor dem Hintergrund dieser Frage untersuchen wir eine Stichprobe von rund 8000 Heirats- und Kontaktinseraten, die zwischen 1900 und 2000 verfasst und in zwei Schweizer Tageszeitungen publiziert wurden. Von den Autorinnen und Autoren auf die antizipierten Beziehungserwartungen des andersgeschlechtlichen Lesers hin geschrieben, gibt diese Textgattung Aufschluss über den historischen Wandel von Geschlechterstereotypen im spezifischen Kontext privater (ehelicher) Beziehungen. Die empirischen Analysen zeigen erstens, dass insgesamt das Ausmaß geschlechtsbezogener Differenzen in der öffentlichen Selbstdarstellung über das Jahrhundert deutlich rückläufig ist, wobei die 20er Jahre und besonders die 70er und 80er Jahre als Schubphasen der Annäherung von Identitätskonstruktionen sichtbar werden. Zweitens lassen die Analysen eine Abfolge von historischen Phasen erkennen, während derer Geschlechterdifferenzen in jeweils qualitativ unterschiedlicher Art und Weise konstruiert wurden. Diese qualitativen Verschiebungen der "typisch" männlichen und weiblichen inneren Qualitäten stehen in einem engen Zusammenhang mit der Abfolge von Grundmodellen der ehelichen Gemeinschaft.

STICHWORTE: Geschlechterdifferenzen, Gechlechterstereotypen, eheliche Beziehungen, Präsentation des Selbst, sozialer Wandel, Zeitreihe, Inhaltsanalyse, Heiratsanzeigen

ENGL. KURZREFERAT: Under the European Monetary Union (EMU) wage bargaining will have to bear the main burden of compensating for economic imbalances among the member states. At the same time, supranational monetary authority will co-exist with a bargaining system still determined by national institutions. Against this background, this paper addresses three questions. First, it examines whether the distinct national bargaining institutions differ in their responsiveness to EMU requirements. Since such differences are indeed significant, economic inequality is likely to increase in the Euro area. The second question concerns the relationship between the national and supranational dimensions of wage bargaining. Since even high national responsiveness may result in suboptimal outcomes in supranational terms, a need for cross-border coordination emerges. Finally, the paper discusses whether and how this demand for supranational bargaining institutions may be met. Conventional reasoning assumes that a coherent system of Euro-corporatism would be needed that, however, cannot be set up. In contrast to this, the paper argues that softer, network-style institutions have been emerging that may suffice for effective coordination under certain circumstances.

KEYWORDS: monetary policy, collective bargaining, wage bargaining, economic inequality, supranational cooperation, network-style institutions

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Marlis Buchmann und Prof. Dr. Manuel Eisner, Professur für Soziologie, ETH-Zentrum, SEW E21, CH-8092 Zürich, Schweiz
E-Mail:buchmann@soz.gess.ethz.ch, eisner@soz.gess.ethz.ch

AUTOR: Gertrud Nunner-Winkler und Marion Nikele

TITEL: Moralische Differenz oder geteilte Werte? Empirische Befunde zur Gleichheits-/Differenz-Debatte

ENGL. TITEL: Moral Difference or Shared Values. Empirical Findings Concerning the Debate on Gender Equality vs. Difference

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 41, Jg. 53, 2001, S. 108-135

KURZREFERAT: Die These, dass Frauen eher eine flexible Fürsorglichkeits-, Männer eine rigide Gerechtigkeitsethik vertreten, wird anhand eines Generationenvergleichs überprüft. Je hundert 20 bis 30-Jährige, 40 bis 50- und 65 bis 75-Jährige westdeutsche Befragte wurden um begründete Stellungnahmen zu 24 moralisch relevanten Konfliktsituationen gebeten. Unnabhängig vom Geschlecht begründen Befragte inhaltliche Fürsorgegebote häufiger mit verbindlichen Pflichten als unter Verweis auf das Wohl konkreter Anderer. Innerhalb jeder Kohorte ähneln die Geschlechter einander stark in ihren inhaltlichen Stellungnahmen, aber es finden sich große und hoch signifikante Differenzen zwischen den Kohorten: Bei den jüngeren Befragten setzt sich ein deutlicher Liberalisierungsschub durch, den insbesondere die mittlere Kohorte vorangetrieben hat. Auch Rigidität vs. Flexibilität erweist sich als Frage nicht der Geschlechts-, sondern der Generationszugehörigkeit: Mit zunehmender Säkularisierung tritt eine flexible Verantwortungsethik an die Stelle einer rigide prinzipiengeleiteten Gesinnungsethik. Insgesamt widerlegen die Ergebnisse die Annahme, dass es spezifisch weibliche Moraldispositionen gibt, wie dies in evolutionsbiologischen und psychoanalytischen Ansätzen behauptet wird.

STICHWORTE: moralische Differenz, geteilte Werte, Geschechtergleichheit, Geschlechterdifferenz, Fürsorge, Kohortenvergleich, Gesinnungsethik, Verantwortungsethik

ENGL. KURZREFERAT: The claim that women's moral understanding is more flexibly care-oriented while men more rigidly stick to principles of justice is tested in a cohort comparison. A representative sample of 300 (100 20-30; 100 40-50; 100 60-75 year-old) West-German subjects were asked to pass and justify judgements on 24 morally relevant conflicts. The following results were found: In justifying care-norms men and women alike more often referred to binding duties than to the needs of concrete others. There are only slight gender differences within each cohort, yet large and highly significant differences between cohorts: Younger subjects hold more liberal attitudes - a change that has largely been effected by the middle cohort. Also, rigidity vs. flexibility proved to be not a question of gender but of generation: With secularisation a rigid ethics of intentions gives way to a more flexible ethics of responsibility. All in all, the results refute the claim of specifically female moral dispositions put forward in sociobiological and psychoanalytical approaches.

KEYWORDS: moral difference, shared values, gender equality, gender difference, care-norms, cohort comparison, ethics of intentions, ethics of responsibility

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Gertrud Nunner-Winkler und Dr. Marion Nikele, Max-Planck-Institut für Psychologische Forschung, Postfach 340121, D-80098 München
E-Mail:nunner@mpipf-muenchen.mpg.de, nikele@mpipf-muenchen.mpg.de

AUTOR: Gwen Moore und Deborah White

TITEL: Geschlechterungleichheit und Elite-Netzwerke in vierundzwanzig Industriegesellschaften

ENGL. TITEL: Gender Inequality and National Elite Networks in Twenty-Four Industrialized Societies

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 41, Jg. 53, 2001, S. 136-151

KURZREFERAT: Weltweit sind in den Spitzenpositionen von Politik und Wirtschaft praktisch nur Männer zu finden. Ein wichtiger Grund für die massive Untervertretung der Frauen sind informelle Mechanismen: Männer gewinnen leichter Zugang zu Mentoren und einflussreichen Netzwerken als Frauen. Auf der Basis von Daten der Comparative Leadership Study, die in 24 Industrienationen durchgeführt wurde, soll im folgenden untersucht werden, inwieweit Frauen in Spitzenpositionen aus den informellen Elite-Netzwerken ausgeschlossen sind und was die Gründe dafür sind. Insbesondere interessiert die Frage, ob die Geschlechterunterschiede überall gleich sind oder ob sie je nach Land und Sektor (Politik vs. Wirtschaft) variieren. Die Ergebnisse zeigen, dass die geschlechtsspezifischen Unterschiede geringer sind als vermutet: Frauen in vergleichbarer Position und mit ähnlichen familiären Bedingungen haben kaum weniger informelle Kontakte als Männer. Dies weist darauf hin, dass die größte Hürde für Frauen nach wie vor darin besteht, Spitzenpositionen überhaupt zu erreichen.

STICHWORTE: Geschlechterungleichheit, Elite, Netzwerk, Machtstruktur, Industriegesellschaft, vergleichende Eliten-Studie, internationaler Vergleich

ENGL. KURZREFERAT: Throughout the world men hold the overwhelming majority of top political and business posts. Scholars considering explanations for women's rarity in economic and political elite positions have identified numerous individual and structural factors. Among these factors are informal mechanisms - such as the importance of mentoring or inclusion in powerful informal networks - that might work to maintain male advantage in leadership positions, even when some women have attained them. This paper investigates the putative informal isolation of the small number of women in elite posts. We use data from the Comparative Leadership Study, a survey of over 1200 women and men in equivalent elite positions in politics and business in 24 industrialized nations. Results indicate some male advantage in elite interaction within and across political and economic organizations in these industrialized nations. Still, this research offers some reason for optimism about increasing gender equality in national elites. When women business and political leaders have personal and organizational characteristics equivalent to their men counterparts, their disadvantage in male-centered networks of power is negligible. These rare "women at the top" appear to be less disadvantaged in their performance and networking in elite positions than in achieving such a position in the first place.

KEYWORDS: gender inequality, elite, informal networks, network of power, Comparative Leadership Study, cross-national research

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Professor Gwen Moore, Department of Sociology, Social Science 346, University at Albany, State University of New York, Albany, NY 1222, U.S.A.
E-Mail:g.moore@albany.edu
Dr. Deborah White, Minnesota State University Moorhead, Department of Sociology and Criminal Justice, Lommen Hall, 102, Moorhead, MN 56563, U.S.A.
E-Mail:whitede@mnstate.edu

AUTOR: Heike Trappe und Rachel A. Rosenfeld

TITEL: Geschlechtsspezifische Segregation in der DDR und der BRD. Im Verlauf der Zeit und im Lebensverlauf

ENGL. TITEL: Occupational Gender Segregation in the GDR and FRG. Across Time and Throughout the Life Course

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 41, Jg. 53, 2001, S. 152-181

KURZREFERAT: Wie stark unterschieden sich Niveau und Muster geschlechtsspezifischer Arbeitsmarktsegregation in der DDR und der BRD in den 1980er Jahren voneinander? Wie hat sich die berufliche Segregation in den frühen Erwerbsverläufen von Frauen und Männern, die in den 1970er und 1980er Jahren erwerbstätig wurden, reproduziert? Im Mittelpunkt des Interesses steht die horizontale Dimension der geschlechtsspezifischen Spaltung des Erwerbsbereichs. Zunächst werden diesbezügliche Makroebenenerklärungen mit einer Bestandsaufnahme empirischer Befunde für beide deutsche Staaten konfrontiert. Die Auswertung von tätigkeitsspezifischen Daten der in den 1980er Jahren durchgeführten Volkszählungen kommt zu dem Ergebnis, dass in der DDR das Ausmaß geschlechtsspezifischer Arbeitsmarktsegregation höher als in der BRD war und dass sich die Muster deutlich unterschieden. Unter Nutzung von Daten der ost- und westdeutschen Lebensverlaufsstudie konzentriert sich die weitere Untersuchung auf die Mechanismen der Aufrechterhaltung geschlechtsspezifischer beruflicher Segregation in Erwerbsverläufen. Von besonderem Interesse ist die Stärke des Zusammenhangs zwischen familialer Situation von Frauen und Männern und Geschlechtstypik der Tätigkeit. Ausgehend von den sehr unterschiedlichen institutionellen Rahmenbedingungen zur Verbindung von Familien- und Berufsarbeit und unter Berücksichtigung neoklassischer Überlegungen zur geschlechtsspezifischen beruflichen Segregation wurde für Frauen und Männer in Westdeutschland ein engerer Zusammenhang als in der DDR erwartet. Diese Hypothese ließ sich nicht bestätigen, und es ließen sich keine Anhaltspunkte dafür finden, dass frauendominierte Tätigkeiten berufstätigen Müttern günstigere Vereinbarkeitsmöglichkeiten als andere Tätigkeiten bieten. Abschließend wird ein kurzer Ausblick auf Entwicklungen der geschlechtsspezifischen Arbeitsmarktsegregation in den alten und neuen Bundesländern in den 1990er Jahren gegeben.

STICHWORTE: geschlechtsspefifische berufliche Segregation, Familienstatus, deutsche Lebenslaufsuntersuchung, DDR, BRD

ENGL. KURZREFERAT: How much occupational gender segregation existed in the GDR and FRG in the decade before unification? How was this maintained over the early adult life courses of those people who entered the labor force in the 1970s and 1980s? These questions will be addressed in a two-fold manner with the main focus being on the horizontal dimension of occupational segregation. Firstly, explanations for occupational gender segregation on the macro level will be examined in light of empirical evidence for the two German societies. Occupational information from the East and West German population censuses of the 1980s reveals a higher level of occupational gender segregation, more segregation in predominately women's occupations and somewhat more integration of predominately men's jobs in the East than the West. In the second stage, the mechanisms of occupational gender segregation are examined on the individual level. A point of interest is the potential link between a gender-specific occupation and the status of men and women within the family. A closer association between the gender-type of an occupation and the family status in West Germany as compared to the GDR would be in line with the neo-classical explanation of occupational gender segregation or with the 'accommodation argument'. Using data from the East and West German Life History Studies, young adults' careers were followed as they entered the labor force and formed families. There is virtually no support for the assumption that working mothers are more accommodated for in occupations which are female-dominated. This article concludes with a brief look at the more recent developments in occupational gender segregation in East and West Germany during the 1990s.

KEYWORDS: occupational gender segregation, family status, accomodation, German Life History Studies, GDR, FRG

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Heike Trappe und Professor Rachel A. Rosenfeld, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Lentzeallee 94, D-14195 Berlin
E-Mail:trappe@mpib.berlin.mpg.de

AUTOR: Annette Schnabel

TITEL: Frauenbewegung, Emotionen und die Theorie der rationalen Wahl

ENGL. TITEL: The Women's Movement, Emotions, and Rational Choice

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 41, Jg. 53, 2001, S. 182-207

KURZREFERAT: Bisher gibt es kaum Berührungspunkte zwischen sozialwissenschaftlichen Theorien zur Erklärung sozialer Bewegungen und der Aufarbeitung der neuen Deutschen Frauenbewegung durch die Frauen- und Geschlechterforschung. Der vorliegende Artikel greift das in der Rational-Choice-Theorie diskutierte Trittbrettfahrerproblem auf und zeigt, dass in der Frauenbewegung ganz eigene Mechanismen zu seiner Überwindung existieren. Hierbei wird die besondere Rolle von Emotionen und Emotionalität in den Selbsterfahrungs- und Gesprächsgruppen der Frauenbewegung hervorgehoben. Emotionen ermöglichen das Erlernen neuer Interpretationsmöglichkeiten der Umwelt. Diese neuen Deutungen lassen sich als individueller Vorteil interpretieren. Eine weitere Nutzen-Komponente stellt das Erlernen und Ausleben von Emotionen dar. Emotionalität selbst wiederum ist für einige Gruppen der Frauenbewegung ein wichtiges eigenständiges Ziel. Die Bedeutung von Emotionen und Emotionalität für die Entstehung der Bewegung geht damit weit über die Produktion von ‚Nestwärme' als selektivem Anreiz zur Bewegungsteilnahme hinaus. Die genauere Analyse ihrer Funktion trägt wesentlich zum Verständnis des entscheidenden Prozesses der Bewegungsgenese bei, in dessen Verlauf aus gleichen Interessen gemeinsame Interessen werden.

STICHWORTE: Frauenbewegung, soziale Bewegung, Deutschland, Emotion, rational choice Theorie, gemeinsame Interessen

ENGL. KURZREFERAT: So far, there is no point of contact between the theory of social movements and the feminist analysis of the New Women's Movement in Western Germany. Hence the present article will take up the problem of free riding as a well known problem of the explanation of social movements and will sketch how this problem has been overcome in the new women's movement in Germany. Emotions and emotionality which were essential for a number of feminist groups provide incentives which let participation in the women's movement appear to be an individually attractive path of action. My hypothesis is that emotions permit women to learn an alternative interpretation of their everyday world. Learning and acting out new emotions in accord with these interpretations might often be felt as an easement to previously experienced conflicts. Therefore emotions can be understood as an individual incentive to engage oneself in the women's movement. Emotionality itself is a collective goal some of the groups are fighting for. Looking at emotions and emotionality from this perspective may give an partial answer to the question of how similar interests become joint interests and of how these are coordinated to form a movement.

KEYWORDS: women's movement, social movements, Germany, emotions, rational choice theory, joint interests

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Annette Schnabel, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Soziologie, Colonel-Kleinmann-Weg 2, D-55099 Mainz
E-Mail:schnabel@mail.uni-mainz.de

AUTOR: Stefan Hirschauer

TITEL: Das Vergessen des Geschlechts. Zur Praxeologie einer Kategorie sozialer Ordnung

ENGL. TITEL: Forgetting Sex. A Praxeology of a Membership Category

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 41, Jg. 53, 2001, S. 208-235

KURZREFERAT: Der Aufsatz entwickelt eine praxistheoretische Perspektive auf ein Phänomen moderner Gesellschaften, das in der Soziologie bislang entweder eher implizit vorausgesetzt oder aber unter Ideologieverdacht gestellt wird: die Geschlechtsneutralität von Akteuren und Institutionen. Praxeologisch betrachtet, zeigt sie sich als beständige Kehrseite der sozialen Prozesse, in denen die Relevanz der Geschlechterunterscheidung aufgebaut wird. In Interaktionen wie Institutionen findet sich eine dynamische Konkurrenz von Prozessen der Aktualisierung und Neutralisierung von Geschlecht als Kategorie sozialer Ordnung. So kann das Geschlecht nur ein Effekt von Interaktionen werden, wenn sich deren Teilnehmer von ‚Karteileichen' der Geschlechtsregistrierung zu ‚Aktivisten' einer Gemeinschaft mobilisieren lassen und sich über die Nutzung von Interaktionsskripten in Geschlechterverhältnisse setzen. Und das Geschlecht kann nur ein Effekt institutioneller Trägerstrukturen (vom grammatischen Genus bis zu materiellen Artefakten) werden, wenn die lose Kopplung zwischen Strukturen und Praxis situativ geschlossen wird, und Verflechtungen zwischen strukturellen Trägern (etwa Arbeitsmarkt und Familie) differenzverstärkende Effekte haben. Beim Aussetzen dieser identifizierbaren Bedingungen kann die Geschlechterdifferenz in modernen Gesellschaften in-different gehandhabt werden: Sie wird sozial vergessen.

STICHWORTE: Praxeologie, soziale Ordnung, Interaktion, Geschlechtsunterscheidung, Geschlechtsneutralität, Geschlechterverhältnis

ENGL. KURZREFERAT: The article develops a theory of practice approach for a phenomenon which hitherto in sociology is either implicitely presupposed or suspected as ideology: the sex neutrality of actors and institutions. In a praxeological view, sex neutrality appears as the constant reverse of the processes establishing the relevance of the sex distinction. In interactions and institutions as well, there is a dynamic competition between processes which actualize or neutralize sex as category of social order. E.g., sex can only become an effect of an interaction, if it's participants mobilize each other from suspended sex membership to ‚activist' membership, and if they use interactional scripts that involve them into gender relations. And sex can only become an effect of institutional structures (e.g. grammatical gender, material artifacts etc.), if the loose coupling of structures and practices is locally closed, and if interdependencies between sexed structures (e.g. labor market and family) have sex differentiating effects. Without these identifyable conditions, sex in modern societies can be handled in-differently: it is socially forgotten.

KEYWORDS: praxeology, social order, interaction, sex distinction, sex neutrality, gender relations

KORRESPONDENZANSCHRIFT: PD Dr. Stefan Hirschauer, Danziger Str. 17, D-33605 Bielefeld
E-Mail:Stefan.Hirschauer@uni-bielefeld.de

AUTOR: Sarah Fenstermaker und Candace West

TITEL: "Doing Difference" revisited. Probleme, Aussichten und der Dialog in der Geschlechterforschung

ENGL. TITEL: 'Doing Difference' Revisited.Problems, Prospects, and the Dialogue in Feminist Theory

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 41, Jg. 53, 2001, S. 236-249

KURZREFERAT: Wir haben in unserem Aufsatz "Doing Difference" die These vertreten, dass ethnische, klassen- und geschlechtsspezifische Ungleichheiten in Interaktionen permanent hervorgebracht werden. Der Aufsatz hat eine breite Diskussion ausgelöst. In diesem Beitrag wollen wir einige Punkte, die in der Debatte thematisiert wurden, noch einmal aufgreifen. Diskutiert werden Fragen der Macht, die Bedeutung von Geschichte und sozialen Institutionen sowie mögliche Widerstandsformen gegen bestehende Herrschaftssysteme. Nicht zuletzt ist "Doing Difference" auch ein Beispiel dafür, wie sich Geschlechterforschung entwickelt und in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung verändert wird.

STICHWORTE: Klasse, Ethnie, Geschlecht, Macht, feministische Theorie

ENGL. KURZREFERAT: Six years after the publication of "Doing Difference", the authors elaborate on the points of debate surrounding the theoretical framework of the accomplishment of class, race, and gender difference. Questions of power, the role of history and institutions, and opposition to systems of dominance will be addressed. The use of "Doing Difference" as a theoretical formulation will inform a final note on how feminist theory gets developed, communicated, and modified.

KEYWORDS: class, race, gender, power, feminist theory

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Professor Sarah Fenstermaker, Department of Sociology, Ellison Hall, University of California, Santa Barbara, CA 93106-9430, U.S.A.
E-Mail:fenster@sscf.ucsb.edu
Professor Candace West, Department of Sociology, 235 College Eight, University of California, Santa Cruz, CA 95064, U.S.A.
E-Mail:west@cats.ucsc.edu

AUTOR: Cecilia L. Ridgeway

TITEL: Interaktion und die Hartnäckigkeit der Geschlechter-Ungleichheit in der Arbeitswelt

ENGL. TITEL: Interaction and the Persistence of Gender Inequality in Employment

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 41, Jg. 53, 2001, S. 250-275

KURZREFERAT: Die Geschlechterhierarchie hat sich in den westlichen Gesellschaften als erstaunlich stabil erwiesen, obwohl sich ihre ursprüngliche soziale und ökonomische Basis grundlegend gewandelt. Wie lässt sich dieses verblüffende Phänomen erklären? Eine wesentliche Ursache sind alltägliche Interaktionsprozesse, über die die Geschlechterordnung auch in neue institutionelle Konstellationen eingeschrieben wird. Interaktion erfordert, dass sich die Interaktionspartner gegenseitig sozial einordnen. Eine wichtige Ordnungskategorie ist dabei die Geschlechtszugehörigkeit. Die in der Regel automatisch ablaufende geschlechtliche Kategorisierung aktiviert insbesondere im Arbeitsbereich Geschlechterstereotypen, die die beruflichen Interaktionen und Identitäten beeinflussen. Geschlechterstereotypen beinhalten immer auch Vorstellungen über den unterschiedlichen sozialen Status von Männern und Frauen. Da solche Statusannahmen zählebiger sind als die strukturellen Bedingungen, die ihnen ursprünglich zu Grunde lagen, schreiben sie sich auch in neue Organisationsformen ein. Die geschlechtliche Kategorisierung führt zudem zu geschlechtsselektiven Vergleichsmaßstäben mit der Folge, dass Frauen und Männer unterschiedliche Erwartungen und Ansprüche entwickeln. Diese Interaktionsprozesse stabilisieren die Geschlechterhierarchie am Arbeitsplatz, indem sie die geschlechtliche Etikettierung von Berufen begünstigen, Individuen als geschlechtsinteressierte Akteure konstruieren, bei Arbeitgebern zu diskriminierenden Präferenzen führen und die Selbsteinschätzung von Männern und Frauen prägen und damit auch ihre Bereitschaft, sich mit ihrer Situation zufrieden zu geben.

STICHWORTE: Geschlechterhierarchie, Geschlechterungleichheit, Erwerbstätigkeit, Geschlechterstereotypen, Status, Arbeitsplatzinteraktion

ENGL. KURZREFERAT: Gender hierarchy has persisted in Western societies despite profound changes in the economic arrangements on which it seems, at any given time, to be based. What accounts for gender hierarchy's uncanny ability to reassert itself in new forms when its former economic foundations erode? Part of the answer lies in the mediation of gender inequality by taken-for-granted interactional processes that rewrite gender inequality into new institutional arrangements as they develop from changing economic circumstances. The problems of interacting cause actors to automatically sex-categorize others. In workplace relations, this implicitly cues gender stereotypes that modify the performance and evaluation of work related identities. Since the status dimension of gender stereotypes changes more slowly than the material circumstances that support it, the effects of gender status in workplace interactions can reestablish gender inequality in newly developing organizational forms even as older forms are eroding. Sex categorization in interaction also biases the choice of comparison, causing men and women to judge differently the rewards available to them. Operating in workplace relations, these processes preserve inequality by driving the gender-labeling of jobs, constructing people as gender-interested actors, contributing to employers' discriminatory preferences, and mediating men's and women's perceptions of alternatives and their willingness to settle for given job outcomes.

KEYWORDS: gender hierarchy, gender inequality, employment, gender stereotypes, status beliefs, workplace interaction

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Professor Cecilia L. Ridgeway, Stanford University, Department of Sociology, 450 Serra Mall, Building 120, Stanford, CA 94305-2047, U.S.A.
E-Mail:ridgeway@stanford.edu

AUTOR: Jutta Allmendinger und Astrid Podsiadlowski

TITEL: Segregation in Organisationen und Arbeitsgruppen

ENGL. TITEL: Segregation in Organizations and Work Groups

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 41, Jg. 53, 2001, S. 276-307

KURZREFERAT: Ausgehend von Befunden zur Segregation auf dem Arbeitsmarkt wird in dem Beitrag die Segregation in Organisationen und in Arbeitsgruppen untersucht. Es wird gezeigt, dass die Segregation in Organisationen wesentlich höher ist als im gesamten Arbeitsmarkt. Organisationen sind somit als soziale Einheiten zu verstehen, in denen "Geschlecht" aktiviert wird und Geschlechterunterschiede sozial relevant gemacht werden. Die strukturellen organisationalen Konstellationen, welche Segregation und damit auch Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen bedingen, sind Größe, Frauenanteil, Marktposition, Gleichstellungsprogramme und Formalisierung, wobei es hier durchaus Unterschiede in der Wirkung auf Frauen und Männer sowie vertikaler und horizontaler Segregation gibt. Weitergehend werden nun die geschlechtsspezifische Zusammensetzung von Gruppen innerhalb von Organisationen - den Arbeitsgruppen - diskutiert und Theorien zum Zusammenhang zwischen Heterogenität und Gruppenergebnissen dargestellt. Der Beitrag schließt mit einigen möglichen Verbindungslinien zwischen organisationsdemographischen und gruppendemographischen Analyseebenen und Untersuchungsergebnissen.

STICHWORTE: geschlechtliche berufliche Segregation, Arbeitsmarkt, Organisation, Arbeitsgruppe, geschlechtliche Segregation, Differenz, Signalfunktion

ENGL. KURZREFERAT: Departing from well known findings on the extent of occupational sex segregation in the labour market the article addresses segregation in organizations and work groups. It is shown that segregation is higher in organizations when compared to segregation in the labour market at large. Moreover, organizational characteristics can be identified that shape the extent of organizational segregation, these are the size of the firm, the proportion of women, the market position, equalization programs and formalization. Each of these organizational attributes has a specific impact on vertical and horizontal segregation, and in male versus female dominated organizations. The article then moves on to the sex composition of work groups. Theories and empirical results on the consequences of group composition on group outcomes are discussed. In closing, thoughts are presented how sex segregation in organizations and sex composition in work groups may be related.

KEYWORDS: occupational sex segregation, labour market, organization, work group, gender segregation, diversity, tokenism

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Jutta Allmendinger und Dr. Astrid Podsiadlowski, Ludwig-Maximilians-Universität, Institut für Soziologie, Konradstr. 6, D-80801 München
E-Mail:LS.Allmendinger@soziologie.uni-muenchen.de, podsiad@mip.paed.uni-muenchen.de

AUTOR: Donald Tomaskovic-Devey und Sheryl Skaggs

TITEL: Führt Bürokratisierung zu geschlechtsspezifischer Segregation?

ENGL. TITEL: Does Bureaucratization Create Gender Segregated Employment?

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 41, Jg. 53, 2001, S. 308-331

KURZREFERAT: Wir untersuchen in diesem Aufsatz, ob die These von Bielby und Baron (1984) zutrifft, nach der Bürokratisierung zu einer geschlechtsspezifischen Segregation der Beschäftigung führt. Im Anschluss daran werden zwei alternative Hypothesen entwickelt: Erstens, dass Formalisierung - als eine Dimension von Bürokratisierung - die Segregation reduziert, und zweitens, dass die Beschäftigungsgröße, d.h. die Anzahl der Beschäftigten pro Tätigkeitsbereich, eine Sockelwahrscheinlichkeit geschlechtlicher Segregation mit sich bringt. Auf der Basis von Daten aus dem U.S. National Organizations Survey von 1991 entwickeln und schätzen wir eine Serie multinomialer Regressionsmodelle. Mit diesen soll die Auftretenswahrscheinlichkeit segregierter bzw. geschlechtlich ausgeglichener Tätigkeitsfelder in den befragten Organisationen ermittelt und verglichen werden, und zwar für eine Zufallsstichprobe von Berufen und einer Stichprobe von Managementpositionen. Wir können zeigen, dass es zu einer gewissen, allerdings immer noch beschränkten beruflichen Integration kommt, sobald Organisationen eine formalisierte Personalpolitik betreiben und die Beschäftigungsgröße zunimmt. Wie Bielby und Baron vorhersagten, führt die Einrichtung von spezialisierten Abteilungen zu einem höheren Grad an Segregation. Dies geschieht vor allem durch die damit verbundene Schaffung spezialisierter Tätigkeiten. Insgesamt führt Bürokratisierung also nicht zu einer verstärkten beruflichen Integration. Geschlechtlich ausgeglichene Tätigkeitsfelder werden vor allem dann geschaffen, wenn Organisationen eine egalitäre Organisations- und Managementkultur aufweisen und wenn sie einer starken Kontrolle durch ihre Umwelt ausgesetzt sind und über die Umsetzung von Gleichberechtigungsprogrammen Rechenschaft ablegen müssen.

STICHWORTE: Bürokratisierung, Organisation, Formalisierung, Segregation, Erwerbstätigkeit, geschlechtliche Segregation, Chancengleichheit

ENGL. KURZREFERAT: In this paper we examine Bielby and Baron's (1984) argument that bureaucratization leads to gender segregated employment. In addition, we develop two alternative expectations. The first is that formalization of the employment relationship - one aspect of bureaucratization - will actually lead to less gender segregation. The second is that job size - the number of incumbents in a job - leads to a baseline probability of segregation. Using data from the 1991 U.S. National Organizations Survey, we develop and estimate a series of multinomial regression models that contrast the probability of producing gender-typed and gender balanced jobs across establishments for a random sample of jobs and a sample of managerial hierarchies. We find that organizational social divisions of labor move from gender segregated to marginally integrated (but still sex-typed) when they have formalized personnel policy and when job size increases. As predicted by Bielby and Baron (1984), departmentalization leads to more gender segregation and it does so through the creation of ideosyncratic jobs. Bureaucratization measures are not associated with the creation of gender balanced jobs. Organizations create gender balanced jobs when they have egalitarian internal cultures or leadership, when they are exposed to environmental monitoring, and when they must report equal opportunity plans and progress.

KEYWORDS: bureaucratization, organization, formalization, segregation, employment, gender, gender segregation, equal opportunity

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Professor Donald Tomaskovic-Devey, Department of Sociology, North Carolina State University, Raleigh, NC 27695-8107
E-Mail:Don_Tomaskovic-Devey@ncsu.edu
Sheryl Skaggs, Department of Social Sciences, University of Texas at Dallas, P.O. Box 830688, GR31, Richardson, TX 75083-0688
E-Mail:Sheryl5157@aol.com

AUTOR: Theresa Wobbe

TITEL: Institutionalisierung von Gleichberechtigungsnormen im supranationalen Kontext: Die EU-Geschlechterpolitik

ENGL. TITEL: Institutionalizing Gender Equality Norms within a Supranational Context: The Gender Policy of the European Union

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 41, Jg. 53, 2001, S. 332-355

KURZREFERAT: Die Dynamik des Geschlechterverhältnisses kann heute ohne die Einbeziehung supranationaler Faktoren nicht mehr hinreichend erklärt werden. Der Beitrag diskutiert diesen Zusammenhang am Beispiel des europäischen Gemeinschaftsrechts im Bereich der Geschlechterpolitik. Zunächst werden institutionalistische Ansätze vorgestellt, die die Konstruktion und Institutionalisierung von Normen auf verschiedenen Systemebenen und mit Bezug auf die Europäisierung erforschen. Am Beispiel der Genese und des Wandels von Art. 119 des EWG-Vertrages wird dann die supranationale Geschlechterpolitik und das Instrumentarium ihrer Anwendung rekonstruiert. Der Prozess dieser Institutionalisierung wird abschließend als Strukturierung eines organisationalen Feldes formuliert. Die These des Beitrags ist, dass der Grad und die Verbindlichkeit von EU-Gleichberechtigungsnormen eine Komponente der Europäisierung darstellen und Hinweise auf eine regionale Differenzierung des weltpolitischen Systems enthalten.

STICHWORTE: Geschlechterpolitik, Europäische Gemeinschaft, Gleichheitsnorm, supranationale Organisation, Institutionalisierung, Europäisierung, Weltgesellschaft

ENGL. KURZREFERAT: Today, the dynamics of gender relations hardly can be explained without reconsidering supranational factors. In this contribution, the case of the European Community law in the field of gender policy will exemplify this. In the first step, institutionalist approaches will be presented, which examine the construction and institutionalization of norms with reference to different system levels as well as in relation to the EU (I). Against this background the formation and change of the art. 119 of the Rome Treaty (1957) will serve as a case to reconstruct the supranational gender policy and the tools of its application (II). Following the institutional perspective, this process of institutionalization will be conceptualized as the structuration of an organizational field (III). It will be argued that legal obligations of EU-gender equality norms reflect the emergent level of europeanization with respect to the regional differentiation of the world polity.

KEYWORDS: gender policy, European Community, equality norms, supranational organization, institutionalization, europeanization, world society

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Theresa Wobbe, Universität Erfurt, Staatswissenschaftliche Fakultät, Postfach 900 221, D-99105 Erfurt
E-Mail:mtheresa.wobbe@uni-erfurt.de

AUTOR: Francisco O. Ramirez

TITEL: Frauenrechte, Weltgesellschaft und die gesellschaftliche Integration von Frauen

ENGL. TITEL: World Society and the Political Incorporation of Women

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 41, Jg. 53, 2001, S. 356-374

KURZREFERAT: Aus der Perspektive des neo-institutionalistischen Weltgesellschaftsansatzes steht die gesellschaftliche Integration der Frauen in einem engen Zusammenhang mit der Einbettung der Nationalstaaten in eine gemeinsame Weltkultur, die seit dem Zweiten Weltkrieg eine zunehmende Bedeutung bekommen hat. Der Beitrag präsentiert Ergebnisse vergleichender Studien, die einen weltweiten Trend der Durchsetzung von Bürgerrechten für Frauen aufzeigen und belegen, dass diese Entwicklung zunehmend durch globale Faktoren beeinflusst ist. Ausgehend von der Unterscheidung zwischen Frauen in der Öffentlichkeit und Frauen und Öffentlichkeit wird zwischen zwei Integrationsprozessen unterschieden: Im einen Fall handelt es sich um Rechte, auf die Frauen als "abstrakte Individuen" Anspruch haben, im anderen Fall um Rechte, die Frauen als Frauen zugeschrieben werden. Während der erste Typus von Rechten heute selbstverständlich geworden ist, sind spezifische Frauenrechte zwar immer noch umstritten, aber auch sie haben im nationalen und globalen Diskurs ein zunehmendes Gewicht bekommen.

STICHWORTE: Weltgesellschaft, Nationalstaat, Weltkultur, soziele Integration von Frauen, internationaler Vergleich, Staatsbürgerschaft

ENGL. KURZREFERAT: From a world society perspective the political incorporation of women is a dynamic process that reflects the degree to which nation-states are embedded within a common world culture that supports the incorporative state. The influence of transnational forces is especially evident in the post World War II era. In this period education as human capital and education as human right become taken for granted features of a world development script. Women's education is thus promoted to affirm nation-state commitment to progress and justice and to legitimately situate women in the public. Worldwide trends and cross-national research findings are examined and these findings suggest the viability of the world society perspective. The distinction between women in the public and women and the public is made to consider the differences between the political incorporation of women as "abstract individuals" and the political incorporation of women as women. The former is more taken for granted while the latter is more contested, though both sets of citizenship rights are increasingly emphasized in national and world discourse.

KEYWORDS: world society, nation-state, world culture, social integration of women, cross-national research, citizenship

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Professor Fancisco O. Ramirez, Stanford University, School of Education, 485 Lasuen Mall, Stanford, CA 94305-3096, U.S.A.
E-Mail:ramirez@stanford.edu

AUTOR: Nitza Berkovitch

TITEL: Frauenrechte, Nationalstaat und Weltgesellschaft

ENGL. TITEL: Women's Rights, Nation-State and World Polity

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 41, Jg. 53, 2001, S. 375-397

KURZREFERAT: In den meisten Untersuchungen wird die Durchsetzung von Frauenrechten auf intranationale Konstellationen zurückgeführt. Die Aufmerksamkeit gilt den nationalen Unterschieden, während die außerordentliche Ähnlichkeit im Muster und der zeitlichen Abfolge der Etablierung von Frauenrechten in der Regel nicht thematisiert wird. Demgegenüber wird in diesem Beitrag die Auffassung vetreten, dass exogene Faktoren für das staatliche Handeln wichtiger waren als endogene. Am Beispiel der Durchsetzung von ökonomischen Rechten für Frauen wird gezeigt, dass sich ihre Durchsetzung nicht auf wenige hoch entwickelte Länder beschränkte, sondern ein weltweites Phänomen ist. Die Ergebnisse der multivariaten Analyse belegen, dass, sobald man den globalen Kontext berücksichtigt, interne Faktoren an Bedeutung verlieren. Dies bestätigt die neo-institutionalistische These, derzufolge die Einbindung der Nationalstaaten in die Weltgesellschaft im Verlaufe des 20. Jahrhunderts zu einem zunehmend wichtigen Erklärungsfaktor geworden ist.

STICHWORTE: Frauenrechte, ökonomische Rechte für Frauen, Gleichheit, internationaler Vergleich, Nationalstaat, Weltgesellschaft

ENGL. KURZREFERAT: Conventional accounts of granting women rights focus on either economic, social or political characteristics, or any combination of the three. The typical case-study investigates the ways in which women's power or social structure and processes were instrumental in bringing about desired changes in women's position. Similarly, cross-national studies estimate the relative explanatory power of various country-level characteristics. Focussing on endogenous explanations highlights the differences among countries but at the same time masks the overwhelming similarities in pattern and timing of granting women rights. In this paper, I focus on one type of rights - economic rights - to show that the transformation in this type of rights - from protection to equality - was not confined to one group of countries. A vast majority of countries, roughly around the same historical period, modified their national codes to revise old ways of regulation of women's labor and to incorporate women's employment rights into their legislative system. This pattern became part of women's history in many countries around the world. Using institutional perspective, I suggest seeing state's action as externally rather than internally generated. Considering the immense variation in their economic, political, and social structures, their ideologies and the regimes of the countries involved, these processes pose a puzzle that cannot be sorted out unless one considers the global context in which nation-states are embedded. Conceptualizing nation-states as sub units within a larger world-polity system I show that world level events and countries' exposures to these events account for the patterns and rate of adoption these laws.

KEYWORDS: women's rights, women's employment rights, equality, cross-national research, nation-state, world society

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Professor Nitza Berkovitch, Ben-Gurion University of the Negev, Department of Behavioral Sciences, P.O.B 653, Beer-Sheva, 84105, Israel
E-Mail:nberko@bgumail.bgu.ac.il

AUTOR: Bettina Heintz, Dagmar Müller und Heike Roggenthin

TITEL: Gleichberechtigung zwischen globalen Normen und lokalen Kontexten. Deutschland, Schweiz, Marokko und Syrien im Vergleich

ENGL. TITEL: Gender Equality in the Context of World Society. Germany, Switzerland, Morocco and Syria by Comparison

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 41, Jg. 53, 2001, S. 398-430

KURZREFERAT: In den letzten fünf Jahrzehnten ist jenseits der Nationalstaaten eine neue weltgesellschaftliche Ordnungsebene entstanden, die in zunehmendem Maße auf die einzelnen Länder einwirkt. Ein wesentlicher Bestandteil des globalen Normengefüges ist das Prinzip der Gleichberechtigung. Theoretisch schließt der Beitrag an den neo-institutionalistischen Weltgesellschaftsansatz an, er geht jedoch über diesen Ansatz hinaus, indem der "lokalen Kontextualisierung" globaler Normen ein größeres Gewicht zugemessen wird. In einem ersten Abschnitt wird der theoretische Rahmen skizziert, auf den wir uns beziehen. Anschließend beschreiben wir, wie sich der globale Gleichberechtigungsdiskurs seit dem Zweiten Weltkrieg entwickelt hat und diskutieren einige Gründe, weshalb sich Gleichberechtigung dauerhaft als weltpolitisches Thema etablieren konnte. In einem dritten Abschnitt wird am Beispiel des Familienrechts in vier Ländern - Deutschland, Schweiz, Marokko und Syrien - gezeigt, wie globale Normen und nationale Rahmenbedingungen zusammenwirken. Insgesamt fordert der Beitrag dazu auf, soziale Prozesse und Konstellationen vermehrt im "Spiegel der Weltgesellschaft" zu betrachten.

STICHWORTE: Weltgesellschaft, Frauenrechte, Familienrecht, internationaler Vergleich

ENGL. KURZREFERAT: In the past five decades gender equality has been institutionalized as a world-wide standard. To be accepted as legitimate members of the emerging world society nation-states have to acknowledge equal rights at least formally. Although many states have ratified or acceeded to the major international conventions protecting the human rights of women, they differ in their actual compliance with the treaty obligations. Starting from the neo-institutionalistic world society approach the article focusses on the domestic conditions under which global standards are adopted on a national level. The first part of the article gives an overview over the world society approach. In a second part we outline the global discussion about women's rights since World War II and discuss why women's rights could establish as an integral part of the global agenda. The final paragraph illustrates the theoretical considerations by comparing the development of the family law in four different countries. We use Germany, Switzerland, Morocco and Syria as examples to show how global and domestic factors interact.

KEYWORDS: world society, women's rights, family law, cross-national research

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Bettina Heintz und Dagmar Müller, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Soziologie, Colonel-Kleinmann-Weg 2, D-55099 Mainz
E-Mail:BHeintz@mail.uni-mainz.de, damuelle@mail.uni-mainz.de
Dr. Heike Roggenthin, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Geografisches Institut, D-55099 Mainz
E-Mail:h.roggenthin@geo.uni-mainz.de

AUTOR: Günter Burkhart und Cornelia Koppetsch

TITEL: Geschlecht und Liebe. Überlegungen zu einer Soziologie des Paares

ENGL. TITEL: Gender and Love. Some Considerations towards a Sociology of Couples

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 41, Jg. 53, 2001, S. 431-453

KURZREFERAT: In diesem Beitrag geht es um Fragen des Zusammenhangs dreier Bereiche, die in der Forschung meist getrennt voneinander behandelt oder überhaupt vernachlässigt werden: Liebe, Paar und Geschlechterverhältnis. Die leitende These ist: Geschlechterverhältnis und Geschlechtsnormen sind kontextabhängig; das heißt, sie sind in Paarbeziehungen anders strukturiert und reguliert als im Kontext der öffentlichen Geschlechterordnung, weil Geschlecht in beiden Kontexten jeweils anders verknüpft ist - mit Liebe anstelle von Hierarchie und Herrschaft, mit dyadischer Intimität anstelle von Arbeitsteilung und Konkurrenz. Nach einer Begründung der Kritik an der Paar- und Geschlechterforschung (I) werden Grundzüge einer Soziologie des Paares skizziert, mit dem Regulativ Liebe/Sexualität (II), gefolgt von dem Versuch, das gegenseitige Durchdringungsverhältnis von Paar und Geschlecht - von privaten und öffentlichen Geschlechtsnormen - zu erfassen (III). Dabei werden nicht alle möglichen Interferenzen behandelt. Der Schwerpunkt liegt auf der Privatsphäre; die öffentliche Sphäre und ihre Regulative (Segregation, duale Organisation, Konkurrenz usw.) werden nur insoweit einbezogen als dies für die Klärung des Verhältnisses von Liebe/Paar und Geschlechtsnormen notwendig erscheint.

STICHWORTE: Geschlecht, Liebe, Sexualität, Familie, Paarbeziehung, Öffentlichkeit

ENGL. KURZREFERAT: This paper tries to connect three fields of research, separated from each other or neglected: gender, love and couple relationships. The underlying assumption is that gender relationships and gender norms are different depending on social contexts. Gender is connected with different regulative structures in two distinct contexts: In the private sphere gender is connected with love and dyadic intimacy; in the public sphere with separation (dual organization), hierarchy and competition. In the first section of the article, research in the three fields (love, couples, gender) is critically regarded, followed by the analysis of basic regulative forces of couple relationships: love and sexuality. In the third section, inferferences between the two contexts are analyzed. However, not all possible interferences are treated. The article focuses on the private sphere and the transgressions between the dyadic intimacy (love couple) and the public sphere - the couple can be taken as a model for the public gender order.

KEYWORDS: gender, love, sexuality, family, dyadic intimacy, public sphere

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Günter Burkart und Dr. Cornelia Koppetsch, Universität Lüneburg, Institut für Sozialwissenschaften, Scharnhorststraße 1, D-21332 Lüneburg
E-Mail:burkart@uni-lueneburg.de, koppetsch@uni-lueneburg.de

AUTOR: Michael Vester und Daniel Gardemin

TITEL: Milieu, Klasse und Geschlecht. Das Feld der Geschlechterungleichheit und die "protestantische Alltagsethik"

ENGL. TITEL: Milieu, Class, and Gender. The Field of Gender Inequality and the ‚Protestant Ethics' of Everyday Life

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 41, Jg. 53, 2001, S. 454-486

KURZREFERAT: Mit Bourdieu gehen die Autoren davon aus, dass die Geschlechterbeziehungen je nach Klasse oder Milieu im Habitus bzw. in der Alltagsethik verschieden festgelegt werden. Gestützt auf eine Repräsentativbefragung und breite qualitative Forschung, wird das leistungsorientierte Arbeitnehmermilieu untersucht, das vor allem aus modernen Facharbeitern und Fachangestellten besteht und ein Fünftel der westdeutschen Bevölkerung umfasst. In seiner Version der protestantischen Ethik werden die Rechte der Frauen nicht postmodern, durch universalistische Werte der Gleichheit, definiert, sondern durch ein Vertragskonzept der sozialen Gerechtigkeit: Alle Menschen sollten nach den praktischen Werken und Leistungen beurteilt und belohnt werden, ohne Rücksicht auf Alter, Geschlecht und Ethnie. Die Frauen des Milieus sind besonders enttäuscht, weil sie erfolgreich an der Expansion der Bildungsmöglichkeiten und der Beschäftigung teilnahmen, aber nicht mit gleichen Chancen im Beschäftigungssystem belohnt wurden. Diese Situation wird visualisiert in Landkarten des sozialen Raums, in denen die Frauen, trotz mindestens gleichen kulturellen Kapitals, die mittleren und unteren, die Männer die mittleren und oberen Positionen einnehmen. Da die Geschlechterbeziehungen des Milieus vorwiegend einer Kultur der Partnerschaft und der respektierten Autonomie folgen, richtet sich die Unzufriedenheit nicht auf die Männer als solche, sondern auf die Politiker, die die wohlfahrtsstaatlichen Arrangements der Nachkriegszeit, die mit dem Prinzip der Leistungsgerechtigkeit identifiziert werden, nicht einhalten.

STICHWORTE: Geschlechterungleichheit, soziale Klasse, soziales Milieu, Habitus, kulturelles Kapital, leistungsorientiertes Arbeitnehmermilieu, Gleichheitsnorm

ENGL. KURZREFERAT: Following the approach of Bourdieu, the authors discuss gender relations as being defined differently for each class or milieu, according to their practical ethics or habitus. Based on a representative survey and ample qualitative research, they analyse the Meritocratic Employee Milieu, comprised mainly of modern skilled blue and white collar workers and representing one fifth of the West German population. In it's version of the protestant ethic the rights of women are not defined in a postmodern way by universalistic values, but by a special contractual meritocratic conception of social justice: everybody should be judged and rewarded by his or her practical deeds and work, regardless of age, gender and ethnicity. The women of this milieu are specifically disappointed because they successfully participated in the educational and employment expansion but are frustrated in their expectation to be rewarded by equal chances in the employment system. This situation is visualized by maps of social space in which, despite of at least equal cultural capital, women occupy the middle and lower, men the middle and upper zones of social space. As, in the milieu, gender relations are governed by a culture of partnership and respected autonomy, discontent is not focussed on men as such but on the politicians not defending the post-war welfare state arrangements which are identified with the meritocratic principle.

KEYWORDS: gender inequality, social class, social milieu, habitus, cultural capital, meritocratic employee milieu, equality norms

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Michael Vester, Universität Hannover, Institut für Politische Wissenschaft, Schneiderberg 50, D-30167 Hannover
E-Mail:m.vester@mbox.agis.uni-hannover.de
Daniel Gardemin, Universität Hannover, Arbeitsgruppe Interdisziplinäre Sozialstrukturforschung, An der Christuskirche 18, D-30167 Hannover
E-Mail:d.gardemin@mbox.agis.uni-hannover.de

AUTOR: Birgit Pfau-Effinger

TITEL: Wandel wohlfahrtsstaatlicher Geschlechterpolitiken im soziokulturellen Kontext

ENGL. TITEL: Change of Gender Policies of Welfare States in their Socio-cultural Context

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 41, Jg. 53, 2001, S. 487-511

KURZREFERAT: Der Wandel europäischer Wohlfahrtstaaten wird im Wesentlichen unter der Perspektive der Einsparungen in den sozialen Sicherungssystemen diskutiert. Dadurch geraten die Ambivalenzen zu wenig in den Blick, die darin bestehen, dass den Einschnitten im Bereich der sozialen Sicherung durchaus auch Ansätze zu einem Ausbau wohlfahrtsstaatlicher Sicherungen und Leistungen im Bereich der Geschlechterpolitik gegenüberstanden. Im Hinblick auf diese Veränderungen unterscheiden sich westeuropäische Wohlfahrtsstaaten dabei zum Teil erheblich. In dem Beitrag steht die Frage im Zentrum, wie Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Entwicklung der Geschlechterpolitiken europäischer Wohlfahrtsstaaten erklärt werden können. Die Autorin stellt auf der Grundlage des Ansatzes des "Geschlechter-Arrangements" einen eigenen theoretischen Erklärungsrahmen vor, der es erlaubt, den Wandel wohlfahrtsstaatlicher Geschlechterpolitiken im gesellschaftlichen Kontext vergleichend zu analysieren. Vor dem Hintergrund wird die Entwicklung der Geschlechterpolitiken von acht europäischen Wohlfahrtsstaaten in den 1980er und 1990er Jahren untersucht. Es wird gezeigt, dass sich - vor allem auch auf der Grundlage differierender kultureller Bedingungen - zwei Entwicklungspfade unterscheiden lassen, in deren Rahmen sich die Anforderungen an die staatlichen Geschlechterpolitiken in deutlich unterschiedlicher Weise gewandelt haben. Innerhalb jedes der beiden Entwicklungspfade variieren die Geschlechterpolitiken jeweils in Abhängigkeit von dem jeweiligen Wohlfahrtsregime und dessen kulturellen Grundlagen, sowie auf Grund der differierenden Rolle der Frauenbewegung in dem Prozess.

STICHWORTE: Wohlfahrtsstaat, soziale Sicherung, Geschlechterpolitik, Geschlechter-Arrangement, internationaler Vergleich

ENGL. KURZREFERAT: The current debate on changes of European welfare states is mainly centred on the retrenchment policies with respect to the social security systems. It is often ignored that the change was ambivalent. Even if the level of social security may have in part been reduced, the gender policies of European welfare states were often more characterised by an extension of social rights and of social services. European welfare states differ however substantially in the way these changes took place. The central question of this contribution is in which way communalities and differences in the development of gender policies of European welfare states can be explained. The author introduces an own theoretical approach which is based on her ‚gender arrangement' approach. It can be used to analyse change of gender policies of welfare states cross-nationally, and to explain communalities and differences. It is used as explanatory framework for the analyses of change of gender policies of seven European welfare states in the 1980s and 1990s. According to the results, mainly because of cultural differences, two different development paths of gender arrangements can be distinguished, which resulted in differing kinds of challenges to gender policies of the welfare states. The ways in which the welfare states have reacted to the new demands in the framework of each of these development paths differ moreover by the respective welfare regime and the cultural principles on which these are based, as well as by the role of the feminist movement in these processes.

KEYWORDS: welfare state, social security, gender policy, gender arrangement, cross-national research

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Birgit Pfau-Effinger, Institut für Soziologie, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Otto-Schott-Str. 41, D-07740 Jena
E-Mail:Pfau-Effinger@soziologie.uni-jena.de

AUTOR: Helga Krüger

TITEL: Ungleichheit und Lebenslauf. Wege aus den Sackgassen empirischer Traditionen

ENGL. TITEL: Inequality and the Life Course. Ways out of Dead Ends in Empirical Traditions

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 41, Jg. 53, 2001, S. 512-537

KURZREFERAT: Die schichtspezifische Ungleichheitsforschung hat die Ungleichheitsproduktion zwischen den Geschlechtern relativ wenig aufgegriffen. Diese ist, so die hier entwickelte These, nicht nur eine der Normen, sondern ebenso eine jener Institutionen, die Thema der schichtspezifischen Ungleichheitsforschung sind. Um deren Effekte empirisch angemessen zu erfassen, gilt es, sowohl das biographische Betrachtungsfenster der Ungleichheitsforschung zu erweitern als auch kategorial eingeschliffene Denkmuster zu verabschieden. Aufgedeckt wird der geringe lebenslauf-prognostische Wert der Ungleichheits-Kategorien 'Bildungsniveau' und 'Arbeitsmarktniveau', da sich in Bildung und Berufsstruktur bereits jeweils Schicht- und Geschlechterungleichheit miteinander kombinieren und in ihren Effekten vergrößern. Empirisch tragfähiger hingegen erweist sich a) die Erfassung der (niveau- und berufsdifferenten) Ressourcen-Ausstattung und b) der arbeitsmarktlichen Amortisierungschancen. Hinzu tritt die Kategorie des Ressourcenverlustrisikos, die schicht- und geschlechter-ungleichen Chancen der Verknüpfung von Bildung, Arbeitsmarkt, Familie im Lebensverlauf ihren sozialstrukturell angemessenen Platz in der Ungleichheitsforschung einräumt. Alle drei Kategorien zusammen zeigen, wie sich in der Tat lagenspezifische Ungleichheiten alter und neuer Art sozialstrukturell kombinieren mit De- und Re-Institutionalisierungen von Ungleichheit im männlichen und weiblichen Lebenslauf.

STICHWORTE: Klassenungleichheit, Geschlechterungleichheit, Erziehung, berufliche Schichtung, Lebenslauf, Schichtungsforschung

ENGL. KURZREFERAT: Research on the reproduction of class inequality usually takes little notice of research on gender inequality, although both deal with effects of the same social institutions (family, educational system, labor market). The combination of both types of research requires to give up the male bias in stratification research as well as to extend the life span under scrutiny. In German realities, gender and social class in education and occupational stratification are intervoven. The usual categories of ‚educational level' and ‚labor market entrance level' prove to be inadequate: they doubly mask inequality, ignoring both gendered transitions from school to work and gendered career tracks between occupations. Empirical findings suggest a replacement of the foreshortened categories of levels by class-gendered vocational resources and class-gendered depreciation rates in the labor market. In order to capture additional inequality, caused by gendered constraints and opportunities of combining education, occupational career and family, a third category is needed, referring to risks of resource loss. Together, the three categories help decipher more realistically how the reproduction of old and new class-specific inequalities in turn conditions inequalities in male and female life course pattern.

KEYWORDS: class inequality, gender inequality, education, occupational stratification, life course, stratification research

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Helga Krüger, Universität Bremen, SfB 186, Postfach 330 440, D-28334 Bremen
E-Mail:Hkrueger@sfb186.uni-bremen.de

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