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Hg.: Jutta Allmendinger und Thomas Hinz
Organisationssoziologie

Sonderheft 42/ 2002 der KZfSS

Umschlagtext:

Warum sind Organisationen für die Gesellschaftsstruktur so wichtig, warum werden sie immer wichtiger? Was hat der internationale Forschungsstand zu bieten, und was sind die offenen Fragen der Organisationssoziologie? Die Bedingungen sozialer Ordnung und die Bestimmungsgründe sozialen Wandels sind in modernen Gesellschaften ohne Organisation nicht denkbar. Für die Sozialstrukturanalyse ist die Berücksichtigung dieser intermediären Ebene zwingend.

Im Vordergrund dieses Buches stehen das Spannungsfeld zwischen Vertrauen und Kontrolle in und zwischen Organisationen und die Spannungen und Verwerfungen, die in den vielen relationalen Bezügen zwischen Organisationen und ihren Umwelten vorhanden sind. Fragen nach sozialer Ungleichheit in Organisationen und nach organisatorischem Wandel werden aufgeworfen. Innovative Fragen werden gestellt - und beantwortet, so zu organisatorischen Regelverläufen, zur Ressourcenteilung in Organisationsnischen, zum Stellenwert von Gerechtigkeitsvorstellungen für Organisationserträge. Der Band stellt sich methodischen Herausforderungen: Das Denken in einseitigen Kausalitätsbezügen wird hinterfragt, Organisation wird relational und dynamisch rekonzipiert. Dieser Band will der Organisationsforschung, die sich in Deutschland gerade nachhaltig etabliert, neue Impulse geben.

Vorwort [KZfSS, Sonderheft 42, 2002: 7-8]

Die Arbeiten an diesem Sonderband begannen im vorigen Jahrtausend. Erste konzeptionelle Überlegungen fanden mit den Herausgebern der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Jürgen Friedrichs, Karl Ulrich Mayer und Wolfgang Schluchter, im Jahre 1999 statt, und nicht nur in retrospektiver Verklärung fiel diese Zeit des Projektbeginns leicht und war voller Enthusiasmus. Es stand fest, dass hier kein weiteres Handbuch der Organisationssoziologie erstellt werden sollte, kein Aufriss der historischen Entwicklungslinien, keine Würdigung der Klassiker, keine Darstellung und Klassifizierung unterschiedlicher Organisationsformen, keine Einführung in organisationssoziologische Theorien und auch kein umfassender Aufriss des gegenwärtigen Forschungsstandes. Selektivität war Programm und Konsens. Gemeinsam verständigten wir uns auf eine Beschränkung auf Arbeitsorganisationen, darauf, international und interdisziplinär vorzugehen, Autorinnen und Autoren zu suchen, welche Theorie und Empirie miteinander verbinden und dies vor allem kritisch und zukunftsweisend leisten. In der Gesamtschau des Bandes sollten dann Verbindungslinien deutlich werden zwischen Ansätzen, die sich auf Prozesse in Organisationen beziehen, auf das Verhältnis zwischen Organisationen und ihrer Umwelt und auf den Wandel von Organisationen. Damit verbunden war die Erwartung, dass gerade die Konzentration und der Verzicht auf die Darstellung einzelner Theorie- und Forschungsansätze von allein alle Theorien und Methoden der Organisationsforschung breit einbinden werde und zu überraschenden Verbindungen zwischen ihnen führen könnte. Gewünscht war ein Quer- und nicht linientreues Denken.

Es steht uns nicht an, den Erfolg dieses Vorhabens zu beurteilen. Umsetzbar jedenfalls ist diese ursprüngliche Konzeption schon. Nach der Lektüre der fünfzehn Beiträge wird offensichtlich, dass die in der Organisationssoziologie so betont hervorgehobenen Regelungs- und Kontrollsysteme zwischen Menschen und zwischen Organisationen so lange scheitern müssen, wie wir die Rolle von Vertrauen und Gerechtigkeit nicht ernsthaft mitdenken und miterfassen. Dies gilt für strategische Allianzen zwischen Organisationen ebenso wie für Beziehungen zwischen Vorgesetzten und Ausführenden und für eine effiziente Arbeit in (oft ganz unterschiedlich zusammengesetzten) Gruppen in Organisationen. Auch eine an Personen ansetzende Betrachtung greift zu kurz, die Bedeutung relationaler und kontextueller Einbettung wird in allen Beiträgen, gleich welcher theoretischen Ausrichtung und welchem Forschungsgegenstand sie gelten, betont. Marktbeziehungen sind nicht ohne ihre institutionelle Verankerung zu verstehen, Geschlechterungleichheiten nicht ohne den organisatorischen und gesellschaftlichen Zusammenhang, persönliche Handlungsstrategien nicht ohne Bezug auf die Arbeitsgruppe, auf Führung und Kultur von Organisationen. Theorien stehen nicht unverbunden nebeneinander, Handlungstheorien, Strukturtheorien und Systemtheorie können aufeinander bezogen werden. Auch methodisch wird das Nebeneinander und nicht Gegeneinander unterschiedlicher Forschungsstrategien deutlich, auch das vorsichtige und doch durchgängige Hinterfragen oft zu einfacher Kausalmodelle. Auf diese und weitere gemeinsame Linien der Beiträge und die damit verbundenen Herausforderungen an die Organisationsforschung gehen wir in unserem einführenden Beitrag näher und ausführlich ein.

Vorworte erlauben Persönliches. Für die Herausgeberin waren die Jahre zwischen Projektbeginn und dem Erscheinen des Buches vor allem durch den Verlust zweier wichtiger Personen geprägt, von zwei Kollegen, die zu lieben Freunden geworden waren. Der Tod von Aage B. Sørensen schmerzt nachhaltig. Die in diesem Band jetzt so offensichtlich klaffende Lücke – Ausführungen über Mobilitätsregime in Organisationen – ist nur ein äußerlicher Ausdruck dieses Zustands. Erika Brückner fehlt täglich an allen Ecken und Enden, und auch mit ihr haben wir einen auf eine kritische Methodenreflexion zugeschnittenen Beitrag verloren.

Für beide Herausgeber gilt, was alle Herausgeber kennzeichnet: Die Profession ist überbeschäftigt, unsere Autorinnen und Autoren hatten, wie wir selbst, eine Vielzahl von Arbeiten parallel zu erledigen. Wir konnten daher mit ihnen nie richtig böse sein über das verspätete Eingehen von Manuskripten oder das oft lange Hinausschieben der Überarbeitung. Eine große Mühe machte dagegen der Kampf mit der eigenen Frustration, welche sich vorwiegend aus den vielen Übersetzungen aus dem Englischen ergab. Manuela Thurner hat alle Texte übersetzt und dies ganz hervorragend erledigt. Und dennoch sind Übersetzungen eben keine Originale, bleibt die Schönheit vielleicht gerade der wissenschaftlichen Sprache nur bedingt erhalten. Ende gut, alles gut – und doch wäre zu überlegen, ob es heutzutage eines solch hohen zeitlichen wie finanziellen Aufwandes wirklich bedarf, wo wir doch alle auch englisch lesen und verstehen können und uns auch europaweit verständigen wollen.

Wir schließen mit Zeilen, die am Anfang hätten stehen müssen, mit Zeilen des Dankes. Diese richten sich zunächst an unsere Autorinnen und Autoren für ihr Vertrauen, für ihre Bereitschaft der Mit- und Zusammenarbeit und für ihre immer konstruktive Kooperation auch bei der Überarbeitung. Gleiches gilt für die Herausgeber der KZfSS und insbesondere für Heine von Alemann, der vor allem in den letzten Wochen vor Abgabe zur Höchstform auflief und viele wertvolle Anregungen einbrachte. Auch jene, und das sei am Rande und mit Herzlichkeit vermerkt, das Wort gender doch aus der englischen Sprache zu verbannen und es hinfort durch das Wort Geschlecht zu ersetzen. Manuela Thurner haben wir bereits erwähnt. Ohne ihre Bereitschaft, vergleichsweise trockene soziologische Texte zeitgleich zu spannenden Drehbüchern und Kriminalromanen zu übersetzen, wäre der vorliegende Band erst im nächsten Jahrzehnt erschienen. Und dann gibt es noch Jochen Groß, der neben diesem Band noch tausende Seiten für gleich zwei Kongressbände der DGS bearbeitet hat, und all dies souverän, zuverlässig, selbstständig – einfach gut. Die Arbeit ist nur ein Teil des Lebens, glücklicherweise. Persönlich begleitet haben uns viele Personen, für deren Rückhalt und Unterstützung wir danken. Einige kamen dabei viel zu kurz, insbesondere Philipp, dessen Mutter noch den Arbeitsort wechselte und plötzlich nicht nur mit Münchner Arbeit, sondern auch mit vielen roten Nürnberger Mappen nach Hause kam. Der Dank an ihn ist groß und besteht aus mehr als in der Adoption von Laurids, einem dankbaren Kater.

München, im Januar 2003
Jutta Allmendinger und Thomas Hinz


Zusammenfassungen und English Summaries des Sonderhefts 42, 2002

AUTOR/AUTHOR: Allmendinger, Jutta; Hinz, Thomas

TITEL: Perspektiven der Organisationssoziologie

ENGL. TITLE: The Sociology of Organizations: Some Major Challenges

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 42, 2002, S. 9-28.

KURZREFERAT: Ausgehend von einer Bestandsaufnahme zur Organisationssoziologie werden Herausforderungen an die Theoriebildung und die Organisationsforschung diskutiert. Zunächst wird das Spannungsverhältnis zwischen Vertrauen und Kontrolle behandelt und am Beispiel der Effektivität von Gruppen, Verläufen organisatorischer Regeln und strategischen Allianzen verdeutlicht. Danach werden Fragen der Einbettung von Organisationen in ihre sozialen Rahmenbedingungen hervorgehoben, so Bezüge zwischen Arbeitsgruppen und Organisationen, zwischen Organisationen und ihren organisationalen Feldern und zwischen Organisationen und gesellschaftlichen Institutionen. Es bleibt eine offene Frage, ob solche Kontexteffekte angesichts einer zunehmenden Entgrenzung in und zwischen Organisationen an Bedeutung verlieren oder gewinnen werden. Anschließend werden zwei Querschnittsthemen aufgegriffen, die sich durch die gesamte Organisations- und Gesellschaftstheorie ziehen: Der Stellenwert von Organisationen für Formen sozialer Ungleichheit sowie der Zusammenhang von organisatorischem und sozialem Wandel. Den Abschluss bildet ein Aufriss methodischer Herausforderungen an die zukünftige Organisationsforschung.

STICHWORTE: Organisationstheorie, Vertrauen, Einbettung von Akteuren, organisatorische Kontexte, soziale Schichtung, sozialer Wandel, organisatorischer Wandel

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: The introduction to this volume provides a short overview of the sociology of organizations and then outlines challenges to organizational theory and research, crosscutting conventional lines of analysis. First, focus is given to the old tension between trust and control, as it is seen from an actor oriented approach and applied to leadership, to the effectiveness of group performance, to the development of rules in organizations over time, to strategic alliances between organizations, and more. Does such an approach hold strong? Second, reference is made to the problem of embeddedness of actors in groups, groups in organizations, organizations in organizational fields, and organizations in society at large. While context matters it seems an open question whether its influence vanishes in times of an ever increasing permeability in and between organizations. Based on these two central issues that are covered by all articles presented in this volume, questions of organizational change and social stratification are discussed and methodological issues are outlined.

KEYWORDS: organizational theory, trust, embeddedness of actors, organizational context, institutional context, social stratification, social change, organizational change

AUTOR/AUTHOR: Schimank, Uwe

TITEL: Organisationen. Akteurkonstellationen - korporative Akteure - Sozialsysteme

ENGL. TITLE: Actor Constellations - Corporate Actors - Systems Theory

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 42, 2002, S. 29-54.

KURZREFERAT: Formale Organisationen werden, ausgehend von einer akteurtheoretischen Perspektive, zunächst als korporative Akteure bestimmt, die aus einer Konstellation individueller Akteure hervorgehen können. Dabei sind zwei Grundtypen zu unterscheiden: "von unten" konstituierte Interessen- und "von oben" konstitutierte Arbeitsorganisationen. Luhmanns systemtheoretische Sicht von Organisationen als autopoietische Entscheidungszusammenhänge läßt sich akteurtheoretisch dann so lesen, daß darin drei gemeinsam die organisatorische Prägung des Handelns der Mitglieder tragende Fiktionen abgebildet sind. Organisationen stellen danach eine akteurlose Sozialität dar, die Situationen durch formale Entscheidungsprämissen sehr weit gehend vorstrukturiert und aus sich heraus immer weiter voranschreitet. Diese systemtheoretisch eingefangene soziale, sachliche und zeitliche Verselbstständigung der Organisation gegenüber ihren Mitgliedern ist eine entscheidende Voraussetzung organisatorischer Handlungsfähigkeit. Getragen wird die Verselbstständigung durch eine Verdinglichung der organisatorischen Formalstrukturen, die in Rationalitätsfiktionen und Verkettungssachzwängen verankert ist.

STICHWORTE: akteurtheoretische Perspektive, Systemtheorie, Interessenorganisation, Arbeitsorganisation, Rationalität

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: Starting from an actor-theoretical perspective, formal organizations are treated as corporate actors, which may emerge from constellations of individual actors. Two basic types of organizations are distinguished: interest organizations which are constituted bottom up, and work organizations which are formed top-down. Luhmann's view of organizations as autopoietic social systems in an actor-theoretical perspective can be reconstructed as an important reference to three fictions which only in combination shape its members actions as organizations. Organizations thus constitute an actorless social sphere in which situations are strongly shaped by formalized decision premises, and processes proceed accordingly. This de-coupling of organizations from their members in the social, substantive, and time dimension is emphasized by the theory of social systems, and it is an essential condition for organizations as actors. The de-coupling amounts to a reification of formal organizational structures which manifest in myths of rationality and procedural necessities.

KEYWORDS: actor-theoretical perspective, systems theory, interest organization, work organization, rationality

AUTOR/AUTHOR: Wittek, Rafael; Flache, Andreas

TITEL: Rational Choice und Organisationstheorie

ENGL. TITLE: Rational Choice and Organizational Theory

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 42, 2002, S. 55-87.

KURZREFERAT: Eine erweiterte Version der Rational Choice-Theorie (RCT) ist in der Lage, die Beschränkungen der orthodoxen Theorie zu überwinden und der Organisationsforschung neue Impulse zu geben. Ziel des Beitrages ist es, die wichtigsten Elemente dieses erweiterten Erklärungsansatzes der RCT vorzustellen und neuere empirische Evidenz zu sichten. Der Beitrag stellt zunächst Kernannahmen und Erklärungslogik der RCT vor. Danach werden drei Theorieströmungen und ihre Anwendung auf die Organisationsforschung beschrieben: die institutionenökonomischen Ansätze (Agentur- und Transaktionskostentheorie), die Theorien struktureller Einbettung (Belohnungs- und Reputationsmodelle) und die Theorien normativer Einbettung (Theorien rationaler Nutzenverknüpfung und Theorie relationaler Signale). Im Anschluss daran werden neuere empirische Einsichten anhand dreier zentraler Anwendungsbereiche besprochen: Modelle formaler Organisation, Modelle informeller Organisation und Modelle der Kooperation in und zwischen Organisationen.

STICHWORTE: Rational-Choice-Theorie, Institutionenökonomie, strukturelle Einbettung, normative Einbettung

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: An extended version of rational choice theory is suggested which can overcome the limits of the neoclassical model and yield fruitful new insights for organizational research. In this article the necessary elements for such an extension of rational choice are presented and some of the more recent empirical evidence is reviewed. First the key assumptions and the explanatory logic of rational choice theories are discussed. Then, three theoretical perspectives and their application to organizational research are described: institutional economics, theories of structural embeddedness, and theories of normative embeddedness. These perspectives are next confronted with empirical evidence in three areas of application: models of formal organizations, of informal organizations, and models of cooperation within and between organizations.

KEYWORDS: rational choice theory, institutional economics, structural embeddedness, normative embeddedness

AUTOR/AUTHOR: Jansen, Dorothea

TITEL: Netzwerkansätze in der Organisationsforschung

ENGL. TITLE: Network Approaches in Organizational Analysis

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 42, 2002, S. 88-118.

KURZREFERAT: Der Aufsatz behandelt das Netzwerkkonzept in der Organisationsforschung aus der Perspektive der soziologischen Netzwerkanalyse und stellt insbesondere Bezüge zur Institutionenökonomik und zum soziologischen Institutionalismus her. Die soziologische Netzwerkanalyse ist inzwischen mehr als ein bloßes methodisches Instrument. Mit dem Konzept des Sozialkapitals liegt vielmehr eine soziale Theorie der Netzwerke vor. Netzwerke und ihre Strukturen bedingen Wettbewerb und Kooperation, sie prägen die Diffusion und das Entstehen von Innovationen und die Legitimität von Organisationen. Korporative Akteure, Akteursgruppen, Politikfelder oder Branchen ziehen Vorteile und Erträge aus spezifischen Netzwerkstrukturen. Der Ertrag der Netzwerkansätze für die Organisationsforschung liegt in einer besseren Erfassung von systemischen Effekten und emergenten Eigenschaften von Akteuren, Gruppen, Branchen oder ganzen Netzwerken. Dies wird durch die Diskussion zweier Fragen veranschaulicht: 1. Welche Netzwerkstruktur verspricht unter welchen Rahmenbedingungen einen Ertrag für individuelle oder korporative Akteure aus intraorganisationalen und interorganisationalen Beziehungen? 2. Welche Mechanismen treiben die Evolution von Netzwerken an und welche Rolle spielen dabei Organisationsakteure?

STICHWORTE: Netzwerkanalyse, Institutionenökonomik, Wettbewerb, Kooperation, Innovation, Diffusion

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: The concept of networks in organizational theory is analyzed using sociological network analysis. Special attention is paid to institutional economics and sociological institutionalism. Network analysis has become more than a method or research tool as the concept of social capital has turned into a powerful theory of social networks with a wide range of applicability. Networks and their structures can be related to processes of competition and cooperation, to the diffusion of innovations and to questions regarding the legitimacy of organizations. Networks may yield various benefits to corporate actors, groups, policy fields, or industries. The value added by this approach to organizational research is a better grasp on systemic level effects, on emergent properties of actors, groups of actors and whole networks. This is shown by answering two questions: First, which network structures will yield individual profits in intraorganizational and interorganizational relations? Second, what are the mechanisms that drive the evolution of networks and what roles do organizational actors play in this development?

KEYWORDS: network analysis, institutional economics, competition, cooperation, diffusion of innovation

AUTOR/AUTHOR: Schulz, Martin; Beck, Nikolaus

TITEL: Die Entwicklung organisatorischer Regeln im Zeitverlauf

ENGL. TITLE: Life Cycles of Organizational Rules

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 42, 2002, S. 119-150.

KURZREFERAT: Organisatorische Regeln und ihre Veränderungen im Zeitverlauf sind ein neuartiger Untersuchungsgegenstand, dem in letzter Zeit eine wachsende Aufmerksamkeit im Bereich der Forschung zum organisationalen Lernen entgegengebracht wurde. Die Erforschung der Entwicklung organisatorischer Regeln ermöglicht es, wesentliche Mechanismen des organisatorischen und sozialen Wandels aufzudecken. Dieser Aufsatz stellt das Konzept des organisatorischen Regelverlaufes dar und diskutiert die jüngeren Ergebnisse der Forschung zum Wandel von organisatorischen Regeln im Zeitverlauf. Eine wesentliche Erkenntnis dieser Forschungsrichtung liegt darin, dass Regeln überindividuelle und semiautonome Bestandteile der sozialen Ordnung sind, die in ihrer Entwicklung durch ihre eigene Geschichte und auch durch Umweltbedingungen beeinflusst werden.

STICHWORTE: organisatorische Regeln, Lebensverlauf, Regelverlauf, organisationales Lernen, sozialer Wandel

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: Organizational rule histories are a novel area of research that has attracted increasing attention in recent research on rule-based organizational learning. Rule histories are powerful tools with which deep principles of organizational and social change can be uncovered. This article reviews the concept of rule history and discusses recent research in which it was explored how organizational rules evolve over time. One of the key perspectives emerging from this research is: Rules are supra-individual and function as semi-autonomous components of social order which are influenced by their own history and also by environmental impulses.

KEYWORDS: organizational rules, life cycle, rule history, organizational learning, social change

AUTOR/AUTHOR: Liebig, Stefan

TITEL: Gerechtigkeit in Organisationen. Theoretische Überlegungen und empirische Ergebnisse zu einer Theorie korporativer Gerechtigkeit

ENGL. TITLE: Justice in Organizations. Theoretical Considerations and Empirical Results for a Theory of Corporate Justice

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 42, 2002, S. 151-187.

KURZREFERAT: Dieser Beitrag will anhand theoretischer Überlegungen und empirischer Ergebnisse zeigen, dass eine Lösung der für bestimmte Organisationen typischen Steuerungsprobleme davon abhängig ist, inwieweit die Verteilung von Rechten, Positionen oder Gütern den Gerechtigkeitserwartungen der Mitglieder entsprechen. Dazu wird auf der Grundlage eines organisationstheoretischen Modells dargelegt, dass Fragen der Gerechtigkeit unmittelbar mit den Konstitutionsbedingungen korporativer Akteure verknüpft sind und dabei zwischen vier Bedeutungsaspekten korporativer Gerechtigkeit unterschieden werden muss: Tausch-, Verfahrens-, Interaktions- und Verteilungsgerechtigkeit. Die Ergebnisse einer standardisierten Beschäftigtenbefragung in 21 Unternehmen der deutschen Metallindustrie machen deutlich, dass Einstellungen zur Gerechtigkeit in Organisationen tatsächlich entsprechend den vier Bedeutungsaspekten korporativer Gerechtigkeit rekonstruiert werden können. Gleichzeitig finden sich Hinweise darauf, dass das Ausmaß an individuell wahrgenommener Tausch-, Verfahrens-, Interaktions- und Verteilungs(un-)gerechtigkeit insbesondere für solche Einstellungen und Verhaltensweisen wichtig ist, die als Ursachen oder Folgen der Steuerungsprobleme in korporativen Akteure gelten: Individuelle Leistungsmotivation, Bindung an eine Organisation, Austrittsintention, Fehlzeiten und Arbeitsproduktivität.

STICHWORTE: korporative Gerechtigkeit, korporativer Akteur, Fairness, Austauschbeziehungen, Verfahren, Interaktion, Arbeitsproduktivität

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: This contribution deals with the relation between control problems within business organizations and employees' expectations of a just distribution of rights, positions and goods within the firm. Based on a theoretical model of organizations it can be shown that justice expectations are related to four basic features of organizations as corporate actors. Accordingly employees' justice expectations are directed to (1) the fairness of the exchange relation between employer and employee, (2) the fairness of formal procedures within a firm, (3) the fairness of interactions between supervisor and subordinate, and (4) the fairness of the distribution of gains and losses resulting from a pooling of individual resources within corporate actors. Results of a standardized employee survey in 21 firms of the German metal industry illustrate that justice expectations vary according to the four dimensions of corporate justice. Analysis of data demonstrates that the degree of perceived (in-)justice on the four dimensions affect attitudes and behaviours which can be interpreted as causes or results of the basic control problems within corporate actors: an individual's motivation to perform, his organizational commitment, his intention to withdraw, and - on the aggregate level of working units - absenteeism and productivity.

KEYWORDS: corporate justice, corporate actors, fairness, exchange relations, formal procedures, interaction, individual resources, productivity

AUTOR/AUTHOR: Wharton, Amy

TITEL: Geschlechterforschung und Organisationssoziologie

ENGL. TITLE: The Gendering of Organizations and the Organization of Gender

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 42, 2002, S. 188-202.

KURZREFERAT: Individuen werden zunehmend in ihren lebensweltlichen Zusammenhängen gesehen; das atomisierte Individuum ist aus der Geschlechter- und der Organisationsforschung verschwunden. In der Geschlechterforschung werden mittlerweile die sozialen Kontexte, in denen die Prozesse des gendering ablaufen, thematisiert, und in der Organisationssoziologie beachtete man zunehmend soziale Netzwerke, relationale Beziehungen und institutionelle Prozesse. Durch diese Entwicklungen näherte sich die theoretische und empirische Organisationsforschung Fragen des gendering von Organisationen und die Geschlechtersoziologie nahm ihrerseits Organisationen in den Blick. Diese Entwicklungen sind vielversprechend, dennoch ist festzuhalten, dass Theorie und Empirie beider Bereiche noch immer relativ unverbunden nebeneinander stehen. Die Geschlechterforschung außerhalb des engen Bereichs, der sich mit Organisationen beschäftigt, verhielt sich indifferent zu der sich entwickelnden Organisationsforschung über gender. Die Organisationsforschung zeigte sich gegenüber dem Organisationsverständnis der gender studies zurückhaltend. Der Beitrag versucht zu erklären, warum dies der Fall ist, und die Möglichkeiten einer stärkeren Integration beider Forschungsfelder abzuschätzen.

STICHWORTE: Geschlecht, Gender, Gendering, Organisation, sozialer Kontext

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: The atomized individual is disappearing from both gender scholarship and organizational research. Gender scholars have focused greater attention on gender as it is shaped by the social context, and organizational sociologists have placed more emphasis on social networks, social relations, and institutional processes. These developments have helped to create a more 'gender-informed' body of organizational theory and research, and they have moved organizations from the periphery of gender scholarship to a more central place. While these trends are promising, gender scholarship and organizational theory and research remain at odds in certain areas. Gender scholars outside the area of organizations have been somewhat indifferent to the burgeoning organizational research on gender, while organizational researchers have not strongly embraced gender scholars' approach to organizations. In this article it is explored why this is the case and the prospects for greater dialogue between gender and organizations scholars are assessed.

KEYWORDS: gender, gendering of organizations, social context, organization of gender

AUTOR/AUTHOR: Rosenstiel, Lutz von

TITEL: Führung in Organisationen

ENGL. TITLE: Leadershipin Organizations

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 42, 2002, S. 203-244.

KURZREFERAT: Führung in Organisationen wird als bewusste und zielbezogene Verhaltensbeeinflussung der Organisationsmitglieder definiert. Sie erfolgt auf zweierlei Weise: Einerseits durch Strukturen, sogenannte Führungssubstitute, wie Technikgestaltung, Organigramme, Stellenbeschreibung oder die Kultur der Organisation, andererseits durch das - insbesondere kommunikative - Handeln der Führungskräfte. Die Funktion der Führung besteht letztlich darin, die Vorgaben der Eigner - Unternehmer, Aktionäre, Staat etc. - durchzusetzen. An dem Grad der Zielerreichung lässt sich der Führungserfolg bestimmen, der sich bei personaler Führung als abhängig von Persönlichkeitsmerkmalen der Führungspersonen, von den Führungsverhaltensweisen ("Führungsstil") und den unterschiedlichen Facetten der Führungssituation erweist. Diese Einflussgrößen stehen in Interaktion miteinander. Sozialwissenschaftliche Theorien der Führung - die exemplarisch dargestellt werden - sind meist Theorien des Führungserfolgs, d.h. sie suchen diesen zu erklären. Dabei betonen einige in besonderem Maße die Bedeutung der "Führungspersönlichkeit", andere jene des Führungsverhaltens und dritte die der Situation. Praxisorientierte Interventionskonzepte, die besprochen werden, setzen entsprechend an einer anforderungsgerechten Personalauswahl, an einer situationsentsprechenden Modifikation des Führungsverhaltens sowie - seltener - an der Gestaltung der Führungssituation an.

STICHWORTE: Führung, Organisation, kommunikatives Handeln, Führungserfolg, situative Faktoren

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: Organizational leadership is defined as intentional and goal-directed influence on the behavior of the members of an organization. Leadership may become effective through structures - the so-called substitutes of leadership, such as technical design, the design of organizational structures, job descriptions and the culture of an organization - or through mostly communicative behavior of managers. Ultimately, leadership serves to reach the owners' goals, i.e., the aims of entrepreneurs, share holders, or governments. Leadership effectiveness is measured in terms of goal attainment, itself determined interactively by the effects of managers' personalities, managers' behaviors ('leadership style') and by facets of the situation into which leadership is embedded. Social-science theories of leadership mostly seek to explain leadership success. Some theories focus explicitly on the leader's personality, some on leadership behavior, and yet others on situational factors. Correspondingly, practice-oriented intervention concepts focus either on personnel selection, leadership behavior, or on situational factors.

KEYWORDS: leadership, organization, communicative behavior, leadership effectiveness, situational factors

AUTOR/AUTHOR: Hackman, J. Richard

TITEL: Ein alternativer Blick auf Gruppen in Organisationen

ENGL. TITLE: An Alternative View of Groups in Organizations

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 42, 2002, S. 245-259.

KURZREFERAT: In diesem Beitrag wird untersucht, inwieweit und in welchem Ausmaß Arbeitsgruppen durch die Rahmenbedingungen, welche ihnen durch ihre Arbeitsorganisationen vorgegeben werden, geprägt und beeinflusst werden. In welcher Weise gestalten organisatorische Strukturen und Kontexte die Leistung und die Effizienz von Arbeitsgruppen, in welcher Weise beeinflussen sie deren Möglichkeit, sich auf Veränderungen einzulassen? Zunächst wird gezeigt, dass die Anzahl und die Art von Arbeitsgruppen in einer Organisation stark davon abhängt, und zwar insbesondere davon, in welcher Weise der Entwicklung und Förderung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Organisation Bedeutung beigemessen wird. Zweitens wird der weit verbreiteten Ansicht widersprochen, die Leistung von Arbeitsgruppen hinge weitgehend von der Interaktion zwischen den Gruppenmitgliedern ab. Statt dessen wird hier argumentiert, dass strukturelle und kontextuelle Faktoren die Gruppenleistung maßgeblich bestimmen. Drittens wird nachgewiesen, dass jene Faktoren, die den größten Einfluss auf das Verhalten und die Leistung von Gruppen haben, in der Tiefenstruktur von Organisationen verankert sind und somit nur in Zeiten von Instabilität und Wandel dieser Organisationen geändert werden können. Abschließend werden die Implikationen dieser Erkenntnisse für die Organisationsforschung, für die Theoriebildung und für die Organisationsberatung dargestellt.

STICHWORTE: Gruppenleistung, zielorientierte Gruppen, organisatorische Strukturen, organisatorische Kontexte, Leistungseffizienz, menschliche Ressourcen, systemische Instabilität

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: In this contribution it is explored how the organizational context of purposive groups shapes their ecology, their performance effectiveness, and the circumstances under which groups are open to change. First, it is shown that the number and kinds of groups observed in organizations depend heavily on organization-wide values regarding the development and deployment of human resources. Next, group performance is shown to be more powerfully shaped by structural and contextual factors than by the patterns of group interaction that commonly are viewed as the main determinants of performance. Finally, it is shown that the factors that are most consequential for group behavior and performance are deeply rooted in the context and generally can be altered only during periods of systemic instability. Implications are drawn for research, theory, and practice regarding groups that operate in organizational contexts.

KEYWORDS: group performance, purposive groups, organizational context, performance effectiveness, human resources, systemic instability

AUTOR/AUTHOR: Podsiadlowski, Astrid

TITEL: Diversität in Organisationen und Arbeitsgruppen

ENGL. TITLE: Organizational Diversity

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 42, 2002, S. 260-283.

KURZREFERAT: Angesichts der wirtschaftlichen Internationalisierung werden Organisationen, die nach Nationalität, Ethnizität, Alter und Geschlecht unterschiedlich zusammengesetzt sind, immer wichtiger. Dieser Beitrag beschäftigt sich mit solchen heterogenen oder diversen Organisationen und Arbeitsgruppen aus theoretischer und empirischer Sicht. Zum theoretischen Verständnis sind die Ansätze sozialer Kategorisierung, Wahrnehmungs- und Vergleichsprozesse zentral. Der empirische Forschungsstand wird unter Berücksichtigung einer eigenen Studie, die in multikulturellen, in der Asien-Pazifik-Region tätigen Arbeitsgruppen eines internationalen Unternehmens durchgeführt wurde, dargestellt. Die Effektivität der Arbeitsgruppen, welche Zufriedenheit, Effizienz, Kreativität und die Einschätzung zur eigenen Zukunft umfasst, wird in Abhängigkeit von der Gruppenzusammensetzung diskutiert. Im Ergebnis zeigt sich, dass die Anzahl der vertretenen Nationalitäten positiv mit der Kreativität und der Zufriedenheit der Gruppen zusammenhängt. Eine (nach Selbsteinschätzung) hohe Diversität geht mit hoher Effizienz der Arbeitsgruppen einher. Abschließend werden Möglichkeiten von Integration und Zusammenarbeit sowie Maßnahmen des ‚Managing Diversity' vorgestellt.

STICHWORTE: Diversität, multiethnische Arbeitsgruppen, Gruppeneffizienz, Kooperation, Kollektivismus, Kreativität, Zufriedenheit

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: As organizations internationalize it has become increasingly important to consider differing backgrounds of employees regarding nationality, ethnic descent, age, and sex. Organizations and groups working in organizations are getting more diverse demographically. In this article the concept of diversity is looked at theoretically and empirically to determine the consequences of such increasing heterogeneity. The article relies on Podsiadlowski's study of multi-cultural work groups active in the Asia-Pacific region. The effectiveness of the work groups was measured with regard to group satisfaction, efficiency, creativity and the group's sense of its future. On the level of the individual, attitudes vis-à-vis co-operation and collectivism towards co-workers were shown to be crucial for the success of a work group. At the group level national diversity positively influences the creativity of the group and the satisfaction of its members. Organizational diversity improves group efficiency. More studies designed longitudinally and cross-regionally are recommended and some strategies to 'manage' diversity are suggested.

KEYWORDS: organizational diversity, multi-cultural work groups, group efficiency, co-operation, collectivism, creativity, satisfaction

AUTOR/AUTHOR: Achatz, Juliane; Fuchs, Stefan; Stebut, Nina von; Wimbauer, Christine

TITEL: Geschlechterungleichheit in Organisationen. Zur Beschäftigung hochqualifizierter Frauen

ENGL. TITLE: Gender Inequality in Organizations: the Employment of Highly Qualified Women in Germany

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 42, 2002, S. 284-318.

KURZREFERAT: Ausgangspunkt des Artikels ist die Beobachtung, dass Organisationen wesentlich an der Produktion und Reproduktion sozialer Ungleichheit beteiligt sind. Der Beitrag beschäftigt sich mit der Herstellung und Fortschreibung sozialer Ungleichheit in Organisationen anhand einer maßgeblichen Ungleichheitsdimension, dem Geschlecht. Nach einem Überblick über struktur- und handlungsorientierte theoretische Konzepte und über empirische Studien, die Organisation, Geschlecht und Ungleichheit thematisieren, werden Ergebnisse aus eigenen empirischen Forschungsarbeiten skizziert. Es wird am Beispiel von Arbeitsmarktdaten und anhand zweier Wissenschaftsorganisationen gezeigt, wie die geschlechtsspezifisch ungleiche Allokation von Männern und Frauen auf statushohe Positionen durch das komplexe Zusammenspiel von mikrosozialen und strukturellen Faktoren im Kontext von Organisationen hergestellt, vermittelt und festgeschrieben wird. Der Beitrag schließt mit einem Plädoyer für eine stärkere Verbindung von Ungleichheits- und Organisationsforschung, die ‚organisierte Ungleichheit' in ihrem Zusammenspiel von individuellen und organisationsstrukturellen Faktoren sowie im Zeitverlauf in den Blick nehmen sollte.

STICHWORTE: Geschlechterungleichheit, Arbeitsmarkt, Beschäftigung, hochqualifizierte Frauen, Forschungsinstitute, organisatorische Kontexte

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: In past research, organizations were identified as important bases of social stratification. In this contribution the focus is on how sex and gender inequalities in organizations (re)produce organizationally. The authors discuss existing theoretical approaches and empirical findings and report results from their analysis of labor market data and of two large German research organizations. Findings reveal how the different allocation of men and women to high-status positions comes about, and how it is mediated and prolonged through an embeddedness of individuals and structures in organizational contexts. This interplay of complex structural and microsocial forces is subject to considerable variation between and within organizations and over time.

KEYWORDS: gender inequality, labor market, employment, highly qualified women, research organization, organizational context

AUTOR/AUTHOR: Rao, Hayagreeva

TITEL: Gründung von Organisationen und die Entstehung neuer organisatorischer Formen

ENGL. TITLE: How Do New Organizations Emerge?

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 42, 2002, S. 319-344.

KURZREFERAT: Die Entstehung neuer Organisationen wird aus zwei Perspektiven thematisiert: Zunächst geht es darum, welche Teilprozesse bei der Entstehung neuer Organisationen unterschieden werden können: Gründungsabsicht, Ressourcenmobilisierung, die Einstellung von Mitarbeitern, Aufnahme der Geschäftstätigkeit und die rechtliche Gründung. Diese Teilprozesse bauen teilweise aufeinander auf, teilweise laufen sie auch parallel ab. Nur ein Bruchteil der Personen mit Gründungsabsicht verwirklicht die Pläne erfolgreich, weil in dieser Phase der Organisationsgründung der Selektionsdruck besonders groß ist. Im zweiten Teil des Beitrags wird gezeigt, wie eng die Entstehung neuer organisatorischer Formen mit sozialen Bewegungen - und damit einem kulturellen und institutionellen Umfeld - verbunden ist. In diesem Umfeld kann die Entstehung neuer Organisationsformen als politischer Prozess beschrieben werden: Neue Normen, Werte und Ideologien werden über soziale Bewegungen in die Gesellschaft hineingetragen. Die Aktivisten sozialer Bewegungen spielen eine Schlüsselrolle bei der Formulierung neuer Praktiken, bei der Mobilisierung von Ressourcen und dem Erwerb von Legitimität für neue organisatorische Formen.

STICHWORTE: Entstehung von Organisationen, Ressourcenmobilisierung, soziale Organisation, Organisationsgründung, Rechtsform, soziale Bewegungen, Normen, Werte

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: In this contribution the emergence of new organizations is discussed: It starts with distinguishing different processes as new organizations emerge: signaling the intention to organize, resource mobilization, social organization, operational start-up, and receiving a legal identity. These processes are partly interdependent. Only few people wanting to found a new organization do so successfully because selection at this point is very high. Then it is shown how closely emerging new organizational forms are linked to social movements and also to a given cultural and institutional environment. Here, the emergence of new organizational forms can be understood as a political process: new norms, values and ideologies are getting infused into society at large. Institutional activists play a key role establishing new practices, mobilizing new resources and gaining legitimacy for new organizational forms.

KEYWORDS: emergence of new organizations, resource mobilization, social organization, operational start-up, legal identity, new organizational forms, social movements, norms, values

AUTOR/AUTHOR: Todeva, Emanuela; Knoke, David

TITEL: Strategische Allianzen und das Sozialkapital von Unternehmen

ENGL. TITLE: Strategic Alliances and Corporate Social Capital

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 42, 2002, S. 345-380.

KURZREFERAT: Strategische Allianzen haben sich als formalisierte interorganisatorische Beziehungen immer stärker entwickelt und verbreitet, insbesondere auf internationaler Ebene. Zweck dieses kollektiven Arrangements ist es, organisatorische Ziele nicht durch Konkurrenz, sondern durch Kooperation zu erreichen. Gleichzeitig werfen strategische Allianzen auf verschiedenen Analyseebenen Probleme auf. Dementsprechend zahlreich sind in den letzten Jahren die Versuche in Theorie und Forschung, verschiedene Aspekte bei Bildung und Auswirkungen von Allianzen zu erklären. Nach der Vorstellung einer Typologie von Governance-Strukturen untersuchen wir verschiedene Formen der Allianzbildung und -umsetzung, ihre Leistungsfähigkeit und die gesellschaftlichen Konsequenzen solcher Kooperationsformen. Wir betonen, dass Netzwerke strategischer Allianzen Sozialkapital von Unternehmen darstellen, welches den individuellen und den kollektiven Zielen der beteiligten Partner dient. Zum Abschluss stellen wir Vermutungen darüber an, in welche Richtungen Theorie und Forschung zu strategischen Allianzen in Zukunft gehen werden.

STICHWORTE: strategische Allianzen, kooperatives Verhalten, Governance-Strukturen, Sozialkapital von Unternehmen, internationaler Handel, Unternehmensleistung

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: Strategic alliances are developed and propagated as formalized interorganizational relationships, particularly among firms in international business systems. These cooperative arrangements achieve organizational objectives via collaboration rather than through competition, but alliances also generate problems at several levels. Theory and research have likewise proliferated to explain various dimensions of alliance behavior. After presenting a typology of diverse governance forms, a review of recent analyses of alliance formation, implementation management, performance outcomes and societal consequences of collaborative activities is presented. Throughout the emphasis is on how alliance networks serve as corporate social capital to further both the individual and collective objectives of partners. The article concludes with some reflections about future directions for theory construction and empirical work.

KEYWORDS: strategic alliance, alliance behavior, governance forms, corporate social capital, international business, performance

AUTOR/AUTHOR: Carroll, Glenn; Dobrev, Stanislav; Swaminathan, Anand

TITEL: Theorie der Ressourcenteilung in der Organisationsökologie

ENGL. TITLE: Resource Partitioning among Organizations in a Market

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 42, 2002, S. 381-413.

KURZREFERAT: Folgt man der Logik vieler Organisationstheorien, dann sollte die Vorherrschaft von großen Unternehmen in einem Wirtschaftszweig das Aufkommen und die Existenz kleiner spezialisierter Firmen behindern. Aber in einer Vielzahl von Branchen geht der Trend in modernen Wirtschaftssystemen hin zu einer zunehmenden Konzentration bei gleichzeitiger Vermehrung von spezialisierten Firmen. In der Organisationsökologie betrachtet die Theorie der Ressourcenteilung diese zwei Trends als voneinander abhängig. Diese Theorie besagt, dass unter bestimmten Umwelt- und Organisationsbedingungen die Dominanz großer Unternehmen die Überlebenschancen von Spezialistenorganisationen erhöht. Der vorliegende Beitrag stellt die Theorie der Ressourcenteilung und einschlägige empirische Ergebnisse dar. Wir diskutieren die theoretischen Mechanismen, die Ressourcenteilung in einem Markt erzeugen: die Positionen der Organisationen im Ressourcenraum, die Berücksichtigung spezifischer Kundeninteressen, kulturelle Vorbehalte gegen Massenproduktion und demonstrativer Statuskonsum. Darüber hinaus gehen wir auch auf einige empirische Probleme ein, die bei der Untersuchung dieser Mechanismen eine Rolle spielen. Zum Abschluss verweisen wir noch auf einige wichtige, aber bisher wenig erforschte Probleme der Theorie der Ressourcenteilung.

STICHWORTE: Organisationsökologie, Konzentration, zunehmende Spezialisierung, Ressourcenteilung

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: By the logic of many theories of organization, the dominance of large firms in an industry should hinder the emergence and operation of small specialist firms. Yet a variety of industries in modern economies display simultaneous trends of increased concentration and specialist proliferation. Within the perspective of organizational ecology, in the theory of resource partitioning these two trends are viewed as interdependent. The theory holds that under certain environmental and organizational conditions, the increased dominance of large firms in an industry will enhance the life chances of specialist organizations. In this article, we examine the theory of resource partitioning and the evidence that has been offered in its support. We discuss the various theoretical mechanisms that are likely to produce resource partitioning: location, customization, anti-mass-production cultural sentiment, and conspicuous status consumption. We also explore empirical issues involved in investigating these mechanisms. Finally, we describe some important but little investigated problems of the theory.

KEYWORDS: organizational ecology, concentration process, specialist proliferation, resource partitioning

AUTOR/AUTHOR: Windolf, Paul

TITEL: Die Zukunft des Rheinischen Kapitalismus

ENGL. TITLE: The Future of 'Rhenish Capitalism'

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 42, 2002, S. 414-442.

KURZREFERAT: Der ‚Rheinische Kapitalismus' ist eine Metapher für ein System ökonomischer Institutionen, die die spezifische Struktur des Kapitalismus in Deutschland (und in einigen anderen europäischen Ländern) geprägt haben. Seit mehr als einem Jahrzehnt wird die Frage diskutiert, ob diese spezifische Form des Kapitalismus angesichts der Globalisierung und eines verschärften Wettbewerbs noch eine Überlebenschance hat. Im ersten Teil des Aufsatzes wird argumentiert, dass die Selektion ökonomischer Institutionen nicht nur durch ökonomische Effizienz bestimmt wird, sondern auch durch kulturelle Selektion. Die Rolle der Banken (Kreditfinanzierung) und die spezifische Form der Markregulierung (Kartelle) sind Beispiele für diese kulturelle Prägung. Im zweiten Teil des Aufsatzes wird an sieben Beispielen gezeigt, in welcher Weise sich der ‚Rheinische Kapitalismus' während des vergangenen Jahrzehnts verändert hat: die abnehmende Dichte der Netzwerke; die zunehmende Regulierung der Finanzmärkte; die Flexibilisierung der Konzernstruktur; die Veränderung der Eigentümerstruktur; ‚free float' und Steuergesetze; der Einfluss der Investmentfonds; ‚securitization of debt'.

STICHWORTE: ökonomische Institutionen, Rheinischer Kapitalismus, Marktregulierung, Finanzmarkt, Unternehmensnetzwerk , ökonomische Effizienz, kulturelle Faktoren, Steuerregulierung

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: 'Rhenish capitalism' denotes a system of economic institutions specific to German capitalism (and to some other closely related European countries). For more than a decade the question has been discussed whether this form of capitalism can survive in a globalized world. First, economic institutions are not only selected because of their economic efficiency, but cultural factors also play a role. The central position of universal banks (credit) and the specific form of market regulation in Germany (cartels) confirm this hypothesis. Second, seven instances of change are analyzed in more detail: the density of corporate networks has decreased; the legal regulation of financial markets has increased; the structure of 'combines' became more flexible; investment funds have acquired a substantial part of the shares of large German corporations; a change in tax regulation makes it easier to sell subsidiaries; and, the credit policy of the banks has changed (securitization of debt).

KEYWORDS: economic institutions, German capitalism, market regulation, financial market, economic efficiency, cultural factors, corporate networks, credit policy, tax regulation

AUTOR/AUTHOR: Nassehi, Armin

TITEL: Die Organisationen der Gesellschaft. Skizze einer Organisationssoziologie in gesellschaftstheoretischer Absicht

ENGL. TITLE: The Organizations of Society. An Outline of an Organizational Theory from a Perspective of Societal Theory

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 42, 2002, S. 473-478.

KURZREFERAT: Es gehört zu den soziologischen Selbstverständlichkeiten, formale Organisationen als Grundkonstituenten der gesellschaftlichen Moderne anzusehen. Die unterschiedlichsten gesellschaftstheoretischen Perspektiven sind sich darin einig, den Beitrag formaler Organisationen für die moderne Gesellschaftsstruktur nicht hoch genug ansetzen zu können – das reicht von Karl Marx über Max Weber, Theodor W. Adorno und Talcott Parsons bis zu Robert Presthus’ „organizational society“, James Colemans „asymmetric society“ und zu den Gesellschaftstheorien von Jürgen Habermas und Niklas Luhmann. Stets wird in formaler Organisation ein wesentlicher, keineswegs aber der einzige Generator von Modernität ausgemacht. So behauptet niemand ernsthaft, Gesellschaftstheorie in Organisationssoziologie aufgehen lassen zu können. Dennoch scheint eine Integration von Organisations- und Gesellschaftstheorie bisher nicht gelungen zu sein. Ziel des Beitrages ist es, vor dem Hintergrund der Theorie funktionaler gesellschaftlicher Differenzierung die Funktion von Organisationen für die Operationsweise der Funktionssysteme herauszuarbeiten. Die Leitfrage lautet: Was ist das gesellschaftliche Bezugsproblem, das durch Organisationsbildung gelöst wird? Die Antwort erfolgt unter den Stichworten „Rekursivität und Reflexivität“, „Reflexivität und Rationalität“ und „Inklusion und Exklusion“.

STICHWORTE: Modernität, Gesellschaftstheorie, formale Organisation, Rekursivität, Reflexivität, Rationalität, Inklusion, Exklusion

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: According to sociological common sense formal organizations are a basic characteristic of modernity. Diverse social theories concur with this diagnosis, be it classical authors like Karl Marx, Max Weber, Theodor W. Adorno, and Talcott Parsons or more recent theoreticians like Robert Presthus ('organizational society'), James Coleman ('asymmetric society') or social theoreticians like Jürgen Habermas and Niklas Luhmann. In all these conceptions formal organizations are described as an essential concept but by no means are they seen as the only generator of modernity. No one seriously wants to replace a theory of society with organizational theory. To integrate theories of society with organizational theory, however, was so far also not successful. In this contribution the role of organizations in the functional systems of modern society is outlined. The lead question is: Which problem is solved by the emergence of organizations? The answer relies, in short, on "recursivity and reflexivity", "reflexivity and rationality" and "inclusion and exclusion".

KEYWORDS: modernity, social theory, formal organization, recursivity, reflexivity, rationality, inclusion, exclusion

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Datei aktualisiert am 08.12.2003 in der Redaktion der KZfSS