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Zusammenfassungen und English Summaries
Heft 4, Jg. 55, 2003

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AUTOR/AUTHOR: Greve, Jens

TITEL: Handlungserklärungen und die zwei Rationalitäten? Neuere Ansätze zur Integration von Wert- und Zweckrationalität in ein Handlungsmodell

ENGL. TITLE: Explaining Social Action and Two Types of Rationality? New Approaches toward the Integration of Value Rationality and Instrumental Rationality into a General Theory of Action

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 55, 2003, S. 621-653.

KURZREFERAT: Drei neuere Ansätze zur Integration des wert- und zweckrationalen Handelns in ein handlungstheoretisches Modell werden untersucht. Gemeinsam ist den Vorschlägen von Raymond Boudon, Siegwart Lindenberg und Hartmut Esser, dass sie Rationalität wesentlich als Begründbarkeit verstehen. Im Gegensatz zu Boudon gehen Lindenberg und Esser aber davon aus, dass Rationalität konsequentialistisch aufgefasst und in diesem Rahmen Webers Begriff der Wertrationalität verständlich gemacht werden kann, die ihrem Begriff nach eine Konsequenzenorientierung zunächst ausschließt. Lindenberg und Esser greifen dabei auf eine um framing-Annahmen ergänzte Werterwartungstheorie zurück. Dies ermögliche es, beide Handlungstypen in ein gemeinsames Modell zu integrieren, welches über eine bloße Handlungstypologie hinausgeht, nicht zuletzt deswegen, weil es auch erlaube, die Bedingungen zu spezifizieren, unter denen die Handlungstypen jeweils in den Vordergrund treten. Es wird gezeigt, dass die Ansätze von Lindenberg und Esser dieses Ziel noch nicht erreicht haben. Bei Lindenberg wird der Kontrast zwischen traditionalem und wertrationalem Handeln und der spezifische Begründungsanspruch, mit dem das wertrationale Handeln verbunden ist, nicht adäquat entfaltet. Für Essers Modell ergibt sich, dass es der Bewusstheit und dem Begründungsanspruch des wertrationalen Handelns zwar Rechnung trägt, aber die Frage offen bleibt, ob sein Modell hinreichende Bedingungen für wertrationales Handeln anzugeben vermag. Der Aufsatz schließt mit Überlegungen dazu, ob eine Ableitung beider Handlungstypen aus einem Rationalitätskonzept sinnvoll denkbar ist.

STICHWORTE: Wertrationalität, Zweckrationalität, Handlungstheorie, framing, Boudon, Esser, Lindenberg, Max Weber

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: The question is being scrutinized how to integrate into a general theory of action the two types of rational action distinguished by Max Weber based on value rationality and instrumental rationality. Three proposals recently made by Raymond Boudon, Siegwart Lindenberg and Hartmut Esser are considered. These authors agree in conceiving rationality as based on reasons. But, unlike Boudon, Lindenberg and Esser hold that rationality should be essentially considered as consequential and that it is possible to reconstruct value-rational action in this framework, although Weber's formulation of this type of action clearly excludes a reference to consequences. According to Lindenberg and Esser, this reconstruction of value-rational action can be accomplished by the theory of subjective expected utility supplemented by a concept of framing. In their opinion this kind of model also offers the opportunity to construct a conception superior to a mere typology of action orientations, because it enables us to specify under what conditions which type of action prevails. The article provides evidence that the proposals made by both authors still fall short of offering an adequate model for understanding the difference between both types of action. Lindenberg's proposal does not sufficiently allow for explaining the difference between traditional and value-rational action and the claim for justification associated with value-rational action. Esser's conception meets these two criteria but it remains unsettled whether his model already specifies sufficient conditions for value-rational action. The article concludes in considering the general question whether it is conceivable to derive both types of action from a common notion of rationality.

KEYWORDS: value rationality, instrumental rationality, theory of action, framing, Esser, Boudon, Lindenberg, Max Weber

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: Dr. Jens Greve, Institut für Soziologie, Universität Mainz, Colonel-Kleinmann-Weg 2, D-55099 Mainz

E-Mail: jens.greve@uni-mainz.de

AUTOR/AUTHOR: Fuchs, Marek

TITEL: Rechtsextremismus von Jugendlichen. Zur Erklärungskraft verschiedener theoretischer Konzepte

ENGL. TITLE: Right Wing Attitudes Among Adolescents. Testing the Explanatory Power of Theoretical Concepts

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 55, 2003, S. 654-678.

KURZREFERAT: Der Rechtsextremismus unter Jugendlichen ist in der öffentlichen Wahrnehmung gegenüber anderen Topoi aus dem Themenbereich "innere Sicherheit" in den Hintergrund getreten. Gleichwohl stellt sich nach wie vor die Frage nach Ausmaß und Ursachen des Rechtsextremismus in Deutschland. Es wird zunächst knapp das Ausmaß rechtsextremer Einstellungen unter Jugendlichen beschrieben. Anschließend wird eine pfadanalytische Überprüfung verschiedener theoretischer Erklärungsansätze anhand einer repräsentativen Befragung von ca. 4.300 Jugendlichen vorgenommen. Neben der Anomietheorie und dem Desintegrations-Verunsicherungs-Theorem werden die sozio-ökonomische Lage und die wahrgenommene Deprivation sowie die Transgressionsbereitschaft, der Autoritarismus und die Kontakthypothese berücksichtigt. Unter den Erklärungsansätzen erweist sich der Autoritarismus als am erklärungskräftigsten; auch für das Desintegrations-Verunsicherungs-Theorem kann eine durchgängige (wenngleich niedrigere) Wirkung nachgewiesen werden. Aus den Ergebnissen werden abschließend Überlegungen zur Weiterentwicklung der theoretischen Erklärung des Rechtsextremismus abgeleitet. Rechtsextreme Einstellungen werden dabei als Folge sozialer Wandlungs- und Desintegrationsprozesse verstanden, auf die Jugendliche mit einem Rückgriff auf archaische Persönlichkeits- und Sozialformen reagieren, was in einer Übersteigerung der eigenen Person und einer damit einhergehenden Abwertung Anderer zum Ausdruck kommt.

STICHWORTE: Rechtsextremismus, Jugendliche, sozio-ökonomischer Status, relative Deprivation, Anomietheorie, Transgression, Autoritarismus, soziale Desintegration

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: Compared to other topics, right wing extremism has been experiencing a decrease in attention from the general public. However, the extent of right wing extremism and its causes are still to be explored. Based on a self-administered survey of 4,300 juveniles in Bavaria, the extent of right wing attitudes among juveniles is determined. In addition, several explanatory concepts are assessed using path analysis. Next to anomie theory and social disintegration theory, the following concepts are tested: socio-economic status and relative deprivation, theory of transgression, theory of the authoritarian personality, and contact thesis. Among the concepts tested, the theory of the authoritarian personality reveals the most profound impact on right wing attitudes; the concept of social disintegration, too, yields considerable, though less pronounced, regressions weights. Based on these findings, consequences for the future development of explanatory concepts are discussed. In our perspective, right wing attitudes are considered to be a result of social change and social disintegration to which some juveniles react with archaic patterns of the self and of social relations: People considered different in terms of ethnicity or other socially relevant characteristics are downgraded while at the same time the own person is emphasized.

KEYWORDS: right wing extremism, adolescents, youth, socio-economic status, relative deprivation, anomy theory, transgression, authoritarianism, social disintegration

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: PD Dr. Marek Fuchs, Universität Kassel, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, D-34109 Kassel

E-Mail: marek.fuchs@uni-kassel.de

AUTOR/AUTHOR: Mansel, Jürgen; Albrecht, Günter

TITEL: Migration und das kriminalpolitische Handeln staatlicher Strafverfolgungsorgane. Ausländer als polizeilich Tatverdächtige und gerichtlich Abgeurteilte

ENGL. TITLE: Activities and Policies of the Police and the Courts in Relation to Migrant Populations. Foreigners as Police Suspects and Convicted Criminals

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 55, 2003, S. 679-715.

KURZREFERAT: In der Bundesrepublik Deutschland sind die Zuwanderer eine in strafrechtlicher Hinsicht auffällige Gruppe. Um zu untersuchen, zu welchen Anteilen Migranten unterschiedlicher Staatsangehörigkeiten im Vergleich zu Personen der autochthonen Bevölkerung von der Polizei als Tatverdächtige registriert und durch ein Gericht abgeurteilt werden, haben uns die Landeskriminal- bzw. die Statistischen Landesämter aus 13 Bundesländern aus der Polizeilichen Kriminal- und der Strafverfolgungsstatistik für die Tatjahre 1995 und 1999 die Individualdaten zur Verfügung gestellt. Beide Datenquellen wurden unter Konstanthaltung möglichst vieler Variablen in Beziehung gesetzt. Unter Berücksichtigung der Alters- und Geschlechtsverteilung ergibt sich, dass für die einzelnen Migrantenpopulationen die Kriminalisierungswahrscheinlichkeit gegenüber den Deutschen zum Teil um über das Dreifache erhöht ist. Allerdings werden die jungen tatverdächtigen Migranten (im Alter von unter 25 Jahren) im Verlauf des Ermittlungsverfahrens seltener durch ein Gericht abgeurteilt als junge Deutsche. Die Höherbelastung der Migranten ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass ihr Lebensalltag durch das Ausländergesetz geregelt wird, das für die Einheimischen bedeutungslos ist. Auffällig sind die länderspezifischen Differenzen in der Kriminalisierungswahrscheinlichkeit für Migranten. So findet das Ausländergesetz in einigen Bundesländern über drei Mal häufiger Anwendung als in anderen. Geprüft wird, ob diese Unterschiede in einem Zusammenhang stehen mit a) den EU-Außengrenzen, b) der jeweiligen Ausländerdichte und/oder c) den parteipolitischen Stimmungslagen bzw. den die Regierungsmehrheit stellenden Parteien; hinsichtlich des zuletzt genannten Punktes werden deutliche Differenzen ermittelt.

STICHWORTE: abweichendes Verhalten, Kriminalität, Ausländer, Migranten, Verdächtige, Verurteilte

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: Immigrants in Germany form a significant group in terms of crime. An investigation of the rates at which migrants of different nationalities are registered as police suspects and convicted by the courts in comparison to members of the indigenous population was carried out using data supplied by thirteen German federal states. The raw data for the 1995 and 1999 police crime statistics were provided by the State Offices of Criminal Investigation, while the raw data for the 1995 and 1999 court statistics were supplied by the State Statistical Offices. The two data sources were compared while keeping as many variables constant as possible. After taking into consideration age and gender distributions, it is found that for the different migrant populations the probability of involvement with the police and the courts is in some cases more than three times as high as for the German population. However, young migrants (aged under twenty-five) were less likely than young Germans to be convicted by a court in the course of the judicial process. One reason why higher rates were found for migrants is that their everyday life is regulated by the "Ausländergesetz" (Foreign Citizen's Act), which is irrelevant for German citizens. Significant differences in the probability of migrants becoming involved with the police and the courts were found between the German federal states. In certain states the Foreign Citizen's Act is applied three times more frequently than in others. The study examines whether these differences are related to a) the external borders of the European Union; b) the proportion of foreigners in the population; and c) political party preferences and the parties forming the governing majority of the state; clear differences were found with respect to item c).

KEYWORDS: deviant behavior, crime, foreigners, migrant population, immigrants, convicts, police suspects

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: apl. Prof. Dr. Jürgen Mansel, Prof. Dr. Günter Albrecht, Universität Bielefeld, Postfach 10 01 31, D-33501 Bielefeld

E-Mail: Juergen.Mansel@uni-bielefeld.de, Guenter.Albrecht@uni-bielefeld.de

AUTOR/AUTHOR: Haug, Sonja

TITEL: Interethnische Freundschaftsbeziehungen und soziale Integration. Unterschiede in der Ausstattung mit sozialem Kapital bei jungen Deutschen und Immigranten

ENGL. TITLE: Interethnic Friendship Ties as an Indicator of Social Integration. An Empirical Investigation of Young Italian and Turkish Migrants in Germany

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 55, 2003, S. 716-736.

KURZREFERAT: Die soziale Integration von Migranten wird anhand von Freundschaften mit Deutschen vor dem theoretischen Hintergrund des Konzeptes des sozialen Kapitals untersucht. Mit Methoden der Netzwerkanalyse werden Indikatoren für die soziale Integration gebildet, z.B. die ethnische Homogenität der Freundesnetzwerke. Datenbasis ist der Integrationssurvey des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB), eine Befragung von 18 bis 30-Jährigen mit deutscher, italienischer und türkischer Abstammung. Generell haben die italienisch-stämmigen Befragten häufiger als die türkisch-stämmigen Kontakte zu Deutschen und junge Immigrantinnen pflegen seltener als junge Männer gleicher ethnischer Abstammung Kontakte zu Deutschen. Das aufnahmelandspezifische soziale Kapital und damit das Ausmaß der sozialen Integration erhöht sich im Generationenverlauf. Dabei erweisen sich die zumeist von binationalen Eltern abstammenden Deutsch-Italiener und in geringerem Maße die eingebürgerten Deutsch-Türken als besonders gut sozial integriert. Eine Analyse vergleichbarer Subgruppen des Sozio-ökonomischen Panels zeigt ähnliche Resultate. Damit bestätigt sich auch bei der sozialen Integration der Befund, dass ohne angemessene Berücksichtigung von Doppelstaatsangehörigen und eingebürgerten Zuwanderern die Integrationserfolge von ethnischen Gruppen unterschätzt werden.

STICHWORTE: Migranten, soziale Integration, soziale Netzwerke, Freundschaftsbeziehung, interethnische Beziehungen, SOEP

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: Social integration is examined on the basis of friendship ties with Germans, using the concept of social capital. Applying methods of social network analysis, indicators for interethnic friendships (e.g. homogeneity of friendship networks) are constructed. The database of the analysis is provided by the 'Integrationssurvey' of the Federal Institute for Population Research (BiB), a survey with Germans, Italians and Turks aged 18 to 30. Migrants of Italian origin more frequently engage in friendship ties with Germans than do migrants of Turkish origin. Young female immigrants are less frequently engaged in friendship ties with Germans than men of the same ethnic descent. The host-country specific social capital and therefore the social integration increases in the second generation. German-Italians, i.e. respondents descending from Italian-German parents, as well as naturalized German-Turks are particularly well integrated. An analysis of comparable subgroups of the German Socio-Economic Panel (SOEP) show similar results. Thus the findings are confirmed that without appropriate consideration of double citizens and naturalized immigrants the integration success of ethnic groups is underestimated.

KEYWORDS: migrants, social integration, social networks, friendship ties, interethnic relations, SOEP

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: Dr. Sonja Haug, Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung beim Statistischen Bundesamt, Friedrich-Ebert-Allee 4, D-65185 Wiesbaden

E-Mail: sonja.haug@destatis.de

AUTOR/AUTHOR: Erlinghagen, Marcel

TITEL: Die individuellen Erträge ehrenamtlicher Arbeit. Zur sozioökonomischen Theorie unentgeltlicher, haushaltsextern organisierter Produktion

ENGL. TITLE: The Individual Returns of Volunteer Work. A Contribution to a Theory of Unpaid and Non-Domestic Private Production

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 55, 2003, S. 737-757.

KURZREFERAT: Unter dem Eindruck der aktuellen politischen und wissenschaftlichen Debatte um die Zukunft des Ehrenamts stellt sich die Frage nach dem individuellen Nutzen ehrenamtlichen Engagements. In einer dynamischen Betrachtung wird deutlich, dass es sich auch bei unentgeltlicher ehrenamtlicher Beschäftigung um Arbeit handelt, die in Erwartung zu erzielender individueller Erträge ausgeübt wird. Durch die Verbindung von soziologischen und mikroökonomischen Aspekten verdeutlicht der Beitrag, wie sich ehrenamtliche Arbeit in das Produktionsarrangement des privaten Haushalts einfügt, wobei ehrenamtlich tätige Individuen Erträge in Form von Transaktionskostenersparnissen sowie Größen- und Verbundvorteilen erzielen können.

STICHWORTE: ehrenamtliche Tätigkeit, Freiwilligenarbeit, socio-ökonomische Theorie, individueller Nutzen, Privathaushalt, haushaltsinterne Produktion

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: In the recent debate on the future of voluntary work and honorary appointments the question of the individual benefits of volunteering is of special interest. In a dynamic perspective it is obvious that an unpayed voluntary activity has to be regarded as work because of the individual's expectation to yield a personal gain. Combining a sociological and a micro-economical perspective, volunteering is shown to be part of the production process within the private household. Volunteers gain returns by reducing transaction costs and by deriving benefits from economies of scale and economies of scope.

KEYWORDS: volunteering, work, socio-economic theory, individual utility, private household production

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: Marcel Erlinghagen, Institut Arbeit und Technik, Wissenschaftszentrum NRW, Munscheidstr. 14, D-45886 Gelsenkirchen

E-Mail: erling@iatge.de

AUTOR/AUTHOR: Weihrich, Margit; Dunkel, Wolfgang

TITEL: Abstimmungsprobleme in Dienstleistungsbeziehungen. Ein handlungstheoretischer Zugang

ENGL. TITLE: Social Dilemmas in Service Work. A Rational Action Approach

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 55, 2003, S. 58-781.

KURZREFERAT: Bei der Produktion personenbezogener Dienstleistungen ist der Dienstleistungsnehmer notwendig als Koproduzent in die Erstellung der Dienstleistung mit einbezogen. Dies stellt Dienstleistungsgeber und Dienstleistungsnehmer vor eine Reihe von Abstimmungsproblemen. In dem vorliegenden Beitrag wird gezeigt, welcher Art diese Probleme sind und wie sie gelöst werden können. Hierzu werden empirische Fallbeispiele herangezogen, die handlungstheoretisch analysiert werden. Es wird herausgearbeitet, dass sich die beteiligten Akteure zum einen in einer Dilemma-Situation befinden, in der sie, ließe man ausschließlich abstrakte Modellannahmen rationalen Handelns gelten, systematisch die optimale Lösung der Kooperation verfehlten. Zum anderen aber bietet die Dienstleistungsbeziehung auf Grund der für ihr Gelingen notwendigen Ko-Produktion auch die Möglichkeit, die ihr innewohnenden Dilemmata zu entschärfen, erhalten doch die beteiligten Interaktionspartner auf diesem Wege wechselseitige Informationen über ihre Kooperationsbereitschaft.

STICHWORTE: Dienstleistungsarbeit, Dilemma, rationales Handeln, Koproduktion, Kooperation, Interaktion, Theorie strategischer Interaktion

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: In interactive service work customers necessarily take part in the service process as co-producers. Consequently, both the customers and the service workers are confronted with problems which can be conceived as social dilemmas. This article shows how these problems arise and how they can be solved. We analyze qualitative data on interactive service work using a rational action approach. The analysis shows that actors find themselves in dilemmatic situations, which would not allow them to achieve the optimal outcome of co-operation, if they would act according to the premises of the theory of rational action. On the other hand it is the interactive nature of co-production itself which not only generates social dilemmas but provides also for the means to resolve them: the mutual monitoring of the actions carried out by service worker and customer supplies them with informations about their willingness to co-operate. This may form the basis to overcome the social dilemmas inherent in service interaction.

KEYWORDS: service work, social dilemma, rational action, co-production, co-operation, interaction

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: Dr. Margit Weihrich, Universität der Bundeswehr München, Fakultät für Pädagogik, Institut für Soziologie und Gesellschaftspolitik, D-85577 Neubiberg

E-Mail: margit.weihrich@unibw-muenchen.de

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS:Dr. Wolfgang Dunkel, Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung e.V., ISF München, Jakob-Klar-Str. 9, D-80796 München

E-Mail: wolfgang.dunkel@isf-muenchen.de

AUTOR/AUTHOR: Müller-Schneider, Thomas

TITEL: Differenzierung des Milieugefüges? Eine zeitvergleichende Klassifikationsanalyse

ENGL. TITLE: Differentiation of Social Milieus? A Time-Related Cluster Analysis

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 55, 2003, S. 782-794.

KURZREFERAT: Folgt man der Sinus-Milieuforschung, fand in den achtziger und neunziger Jahren eine Differenzierung des westdeutschen Milieugefüges statt. Diese Differenzierungsdiagnose findet auch Eingang in die deutsche Sozialstrukturanalyse. Sie hat jedoch kein (nachvollziehbares) methodisches Fundament und es existieren noch nicht einmal Konzepte, wie sich in einem Milieugefüge auftretende Differenzierungsprozesse empirisch erfassen lassen. Im vorliegenden Beitrag wird eine methodische Vorgehensweise vorgeschlagen und die Differenzierungsdiagnose anhand geeigneter Daten überprüft. Das verwendete Instrumentarium besteht aus zeitvergleichenden hierarchischen Klassifikationsanalysen. Die empirische Basis umfasst drei verschiedene Standardrepräsentativumfragen, die bis in die achtziger Jahre zurückreichen (die von Schulze 1985 im Rahmen seines Projektes zur Erlebnisgesellschaft erhobenen Daten, Wohlfahrtssurvey 1993, ALLBUS 1998). Die Trendanalyse führt zu dem Ergebnis, dass eine voranschreitende Pluralisierung der Milieustruktur nicht feststellbar ist. Aus wissenssoziologischer Perspektive ist dies vor allem darauf zurückzuführen, dass Menschen auch in "multioptionalen" Gesellschaften nach möglichst großer Orientierungssicherheit suchen.

STICHWORTE: Ungleichheit, soziale Milieus, Differenzierung, Sozialstruktur, Lebensstil, Clusteranalyse, ALLBUS

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: According to the research findings of the Sinus institute, a differentiation of social milieus has taken place in West Germany during the eighties and nineties of the last century. This diagnosis is widely acknowledged within the German social structure analysis. Yet, there is no evident methodical basis of this diagnosis. There are not even concepts indicating how to measure processes of differentiation of social milieus. An appropriate method for this is suggested and the hypothesis of differentiation is tested empirically. The method suggested is a time-related hierarchical cluster analysis. The data basis consists of three surveys conducted in 1985 ('Erlebnisgesellschaft' by G. Schulze), 1993 ('Wohlfahrtssurvey') and 1998 ('ALLBUS'). The trend analysis shows that there is no evidence supporting the hypothesis of differentiation. This can be explained by the fact that even in "multi-optional" societies people are looking for simple structures of orientation.

KEYWORDS: inequality, social milieu, differentiation, social structure, ALLBUS, cluster analysis

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: Prof. Dr. Thomas Müller-Schneider, Universität Koblenz-Landau, Campus Landau / FB 6, Institut für Sozialwissenschaften - Abteilung 5 Soziologie -, Thomas-Nast-Str. 44, D-76829 Landau

E-Mail: mue-schn@ uni-landau.de

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Datei aktualisiert am 21.01.2004 in der Redaktion der KZfSS