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Hg.: Dietrich Oberwittler und Susanne Karstedt
Soziologie der Kriminalität

Sonderheft 43/2003 der KZfSS

Umschlagtext:

Verbrechen und Strafe sind Teil des innersten Kerns von Gesellschaften und beleuchten deren soziale Organisation in besonderer Weise. Dieser Band stellt die aktuellen theoretischen Entwicklungen und neuen Themen der Kriminalsoziologie an einem breiten Spektrum von Forschungsarbeiten vor. Dabei wird die internationale Entwicklung des Faches mit Beiträgen von David Garland, John Braithwaite und anderen besonders berücksichtigt. Die Themen umfassen die kulturelle Analyse der gegenwärtigen ‚High-Crime-Societies' ebenso wie die Renaissance eines ‚klassischen' Ansatzes, der Anomietheorie, eine Auseinandersetzung mit der Rational Choice-Theorie wie auch eine historisch-kritische Würdigung von Foucault. Die klassische Thematik der sozialen Ungleichheit, gesellschaftlichen Ausgrenzung und Migration gewinnt mit neuen theoretischen Konzepten überraschende Perspektiven. Die soziale Dynamik von Abweichung und Lebenslauf wird unter dem Blickwinkel des Abbrechens krimineller Karrieren neu aufgerollt. Aktuelle Themen der Globalisierung wie organisierte Kriminalität und Korruption werden aufgegriffen. Das Anliegen dieses Sonderheftes mit seiner starken internationalen Orientierung ist es, neue Perspektiven für die deutschsprachige Kriminalsoziologie aufzuzeigen.


Zusammenfassungen und English Summaries des Sonderhefts 43, 2003

AUTOR/AUTHOR: Karstedt, Susanne; Oberwittler, Dietrich

TITEL: Neue Perspektiven der Kriminalsoziologie

ENGL. TITLE: New Perspectives in the Sociology of Crime

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 43, 2003, S. 7-35.

KURZREFERAT: Der Standort der Kriminalsoziologie im disziplinären Gefüge lässt sich für Deutschland kaum anders als marginal bezeichnen. Während in den 1960er und 1970er Jahren der Paradigmenwechsel in der Kriminologie entscheidend von soziologischen Perspektiven vorangetrieben wurde, haben diese Impulse weder langfristig in die Kriminologie noch in die Soziologie hineingewirkt. Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass in Ländern wie den USA, Großbritannien und Australien sozialwissenschaftliche Theorien der Kriminologie ihr Fundament geben und zu wesentlichen Entwicklungen des Faches in den letzten Jahren beigetragen haben. Das gilt für das traditionelle Feld der Sozialstrukturanalyse, für die Untersuchung von Entscheidungen und Situationen wie auch für die Potenziale der Kriminalsoziologie, zur Gegenwartsdiagnose postmoderner Gesellschaften einen substanziellen Beitrag zu leisten. Hier erschließen sich neue Wege, die Kriminalsoziologie aus ihrer Randposition herauszuführen, und Chancen für das Fach, aus der Perspektive von Verbrechen und Strafe die Grundzüge der moralischen Ordnung moderner Gesellschaft auszuleuchten.

STICHWORTE: Kriminologie, allgemeine Soziologie, Verbrechen, Strafe, Stukturanalyse, Gesellschaftsdiagnose, moralische Ordnung, paradigmatischer Wandel

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: In Germany, the position of the sociology of crime within the disciplinary field cannot be characterised otherwise but as marginal. Whilst during the 1960s and 1970s sociological perspectives initiated and pushed the paradigmatic change in criminology, this however did not result in a longterm change of the marginal position of the discipline neither in sociology nor in criminology. This situation differs significantly from countries like the USA, Great Britain or Australia, where the social sciences have provided the foundation for criminology as well they have contributed to all major developments in the field during the recent decades. This applies to the traditional field of structural analyses, to research on decision making and situations and in particular to the substantial contributions of the sociology of crime to major diagnoses of postmodern societies. New horizons are opening up for the sociology of crime to enhance our understanding of the moral order of postmodern societies from the perspective of crime and punishment.

KEYWORDS: criminology, general sociology, crime, punishment, structural analysis, diagnosis of society, moral order, paradigmatic change

AUTOR/AUTHOR: Garland, David

TITEL: Die Kultur der "High Crime Societies". Voraussetzungen einer neuen Politik von "Law and Order"

ENGL. TITLE: The Culture of High Crime Societies. Some Preconditions of Recent 'Law and Order' Policies

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 43, 2003, S. 36-68.

KURZREFERAT: Im Rahmen des Versuchs, eine umfassende Erklärung für das Auftreten neuer Strategien der Kriminalitätskontrolle in Großbritannien und den USA zu entwickeln (Garland 2001), wird hier eine Theorie der kulturellen Adaption vorgestellt. Dieses Vorhaben versteht sich als eine 'Geschichte der Gegenwart' von Kriminalität und Kontrolle. Der Beitrag untersucht, in welcher Weise Veränderungen der allgemeinen Kriminalpolitik und in der Administration von Kriminalitätskontrolle und Justiz durch zeitlich weiter zurückreichende Prozesse sozialen Wandels auf der Ebene sozialer Strukturen und 'kultureller Empfindsamkeiten' bedingt und geformt wurden. Eine historische Untersuchung dieser Prozesse wird in ihren Umrissen vorgestellt, und zugleich werden die entscheidenden Merkmale der Kultur von 'High Crime Societies' herausgearbeitet.

STICHWORTE: Kriminal- und Justizpolitik, Straf-Wohlfahrts-Komplex, Strategie souveräner Staatlichkeit, adaptive Präventionsstrategien, Erfahrungen von Kriminalität und Viktimisierung, professionelle Mittelschichten

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: In a continuing attempt to explain the emergence of new strategies of crime control in the UK and the USA, a theory of cultural adaptation is developed. The paper argues that the political and policy shifts of recent years have been conditioned by prior changes that have occurred at the levels of social structure and cultural sensibilities. A historical account of these changes is outlined, together with a characterization of the culture of high crime societies.

KEYWORDS: crime policies, penal-welfare policies, sovereign state strategy, adaptive prevention strategy, experience of crime and victimization, professional middle classes

AUTOR/AUTHOR: Hess, Henner; Scheerer, Sebastian

TITEL: Theorie der Kriminalität

ENGL. TITLE: A Theory of Crime

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 43, 2003, S. 69-92.

KURZREFERAT: Die allgemeine Soziologie verfügt über Makro-Mikro-Makro-Modelle, die für die Theorieentwicklung der Kriminologie nicht nur im Hinblick auf die Integration vorhandener Teiltheorien nützlich sind, sondern auch helfen, eine Theorie der Kriminalität als gesellschaftlicher Sinnprovinz zu strukturieren. Eine solche allgemeine Theorie der Kriminalität würde nicht nur Kriminalitätsraten (Makro-Ebene) und kriminelles sowie kriminalisierendes Handeln von Individuen (Mikro-Ebene) erklären, sondern in radikaler Erweiterung herkömmlicher Aufgabenzuweisungen an die Kriminologie alle Phänomene zum Gegenstand der Erklärung machen, die ihren sozialen Sinn von der Kategorie des crimen erhalten. Das erlaubt dann die Suche nach Bedingungskomplexen, Eigendynamiken, Wechselwirkungen usw. zwischen den unterschiedlichsten Elementen innerhalb dieser Sinnprovinz wie auch zwischen der Sinnprovinz der Kriminalität und ihrer Umwelt. Zugleich stimuliert eine Theorie auf dieser Grundlage die Generierung neuer Fragestellungen und Einzeltheorien.

STICHWORTE: Kriminalität, Theorie, Makro-Mikro-Ebenen, methodologischer Individualismus, Karriere, soziale Kontrolle

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: Like art and religion, crime can be seen as being constitutive for a whole province of meaning in societies. Like general theories about art and/or religion, a general theory of crime should encompass not only the behaviour of actors and the power of institutions within the respective Sinnprovinz (Alfred Schütz), but all phenomena deriving their social meaning from its central notion. Making use of contemporary general explanatory (macro-micro-macro) models, the authors propose a structure for such a truly general theory of crime which should integrate the multitude of particular criminological theories and include in its explanation the making of penal legislation, the actions of criminals and control agents, the emergence and functioning of criminal markets, the production of statistics, the symbolic meanings of crime and crime control, the structure and uses of crime and control discourses as well as the internal and external connections and dynamic feedback processes of all those phenomena.

KEYWORDS: crime theory, macro-micro-macro-link, methodological individualism, career, social control

AUTOR/AUTHOR: Messner, Steven F.

TITEL: An Institutional-Anomie Theory of Crime: Continuities and Elaborations in the Study of Social Structure and Anomie

ENGL. TITLE: An Institutional-Anomie Theory of Crime: Continuities and Elaborations in the Study of Social Structure and Anomie

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 43, 2003, S. 93-109.

KURZREFERAT: Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die institutionelle Anomietheorie der Kriminalität (institutional-anomie theory of crime) und setzt sie in Beziehung zu der traditionellen Anomietheorie in der berühmten Fassung von Merton, die er ihr in "Sozialstruktur und Anomie" gab. Der Autor beginnt mit einer Analyse von Mertons Argumenten und setzt sich insbesondere mit seinem Modell von systemischen Brüchen und kultureller Disintegration und Fehlanpassung auseinander. In einem zweiten Schritt werden die grundlegenden Thesen der institutionellen Anomietheorie vorgestellt und mit der traditionellen Anomietheorie kontrastiert. Erste Ergebnisse der quantitativen Forschung zur institutionellen Anomietheorie werden vorgestellt. Der Beitrag schließt mit einer Auflistung der wichtigsten Herausforderungen, denen sich dieser neue Ansatz einer soziologischen Theorie der Kriminalität in Zukunft zu stellen hat.

STICHWORTE: Anomie, Institutionen, Kriminalität, Sozialstruktur, Kultur

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: This paper reviews the institutional-anomie theory of crime. The paper begins with a discussion of the theoretical background of the theory, locating it within the broader anomie tradition in sociology and criminology. The initial formulation of the theory is then discussed along with theoretical elaborations. Empirical research informed by the perspective is briefly summarized. The paper concludes with a consideration of the more important challenges for future development of the theory.

KEYWORDS: anomie, institutions, crime, social structure, culture

AUTOR/AUTHOR: Morgenroth, Olaf; Boehnke, Klaus

TITEL: Die Erosion zeitlicher Ordnungen. Ein neuer Aspekt von Anomie als Quelle politischer Delinquenz?

ENGL. TITLE: The Decline of Temporal Orders. A New Aspect of Anomie as a Source of Political Delinquency?

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 43, 2003, S. 110-134.

KURZREFERAT: Angesichts der gegenwärtigen Erosion zeitlicher Ordnungen stellt sich die Frage, ob das Erleben temporaler Desintegration dazu beiträgt, prekäre Situationen Jugendlicher zu verschärfen, und ob die Akzeptanz fremdenfeindlicher Einstellungen unter Jugendlichen hierdurch zusätzlich begünstigt wird. Dazu wurde ein Datensatz von 443 Berliner Schuljugendlichen mit einem Durchschnittsalter von 14,9 Jahren mittels linearer Strukturgleichungsmodelle analysiert, wobei die sozialen Ressourcen der Jugendlichen und ihre soziale Lage besondere Berücksichtigung fanden. Das Erleben temporaler Desintegration war unter den Jugendlichen stärker verbreitet als das Gefühl der Normlosigkeit. Die Ergebnisse der geprüften Strukturgleichungsmodelle zeigten, dass a) temporale Desintegration nur zum Teil als individuelles Erleben von Anomie im herkömmlichen Sinne, also als Anomia verstanden werden kann. Sie zeigten weiterhin, dass b) temporale Desintegration sich unabhängig von Anomia auf die sozialen Beziehungen der Jugendlichen auswirkte, wobei die Stärke und Richtung dieses Einflusses vor allem von der generationalen Zugehörigkeit des Kommunikationspartners abhing. Sie zeigten weiterhin, dass c) intensive soziale Beziehungen Jugendlicher sich generell hemmend auf die Genese fremdenfeindlicher Einstellungen auswirken, wobei die Stärke dieser hemmenden Wirkung aber vom Kommunikationsinhalt abhing. Die Befunde werden als jugendspezifisch bewertet, da Jugendliche auf Grund der ihnen gestellten Aufgabe, eine eigene Identität zu entwickeln, durch das Erleben temporaler Desintegration möglicherweise stärker belastet werden als Angehörige anderer Altersgruppen.

STICHWORTE: Anomie, Zeitbewusstsein, sozialer Wandel, Ethnozentrismus, soziales Kapital, Jugendliche

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: The world is not only becoming faster and faster, but temporal orders in general are loosing their social functions, and increasingly the use of time develops into a task fully at the discretion of the individual. The authors reflect on the fact that adolescents, in particular, may find it difficult to cope with this situation, and that xenophobic attitudes could emerge as an unwanted result. Using structural equation modelling techniques, a dataset of 443 adolescents from Berlin (mean age: 14.9 years) was analysed, taking into account social resources and social position. The experience of temporal disintegration proved to be more common among adolescents than general feelings of normlessness. In detail, analyses showed that (a) temporal disintegration can only in part be interpreted as an individual experience of anomie; (b) temporal disintegration has its own impact on adolescents' social relations and communication, whereas the strength and direction of that influence depends mainly on the generational affiliation of the communication partner; and (c) intensive social relations inhibit the emergence of xenophobic attitudes, especially when communication is not limited to private affairs. The authors evaluate these results as being characteristic for adolescents in their process of identity formation, which largely depends on the perception of temporal coherence.

KEYWORDS: anomie, time perception, social change, ethnocentrism, social capital, adolescents

AUTOR/AUTHOR: Oberwittler, Dietrich

TITEL: Stadtstruktur, Freundeskreise und Delinquenz: Eine Mehrebenenanalyse zu sozialökologischen Kontexteffekten auf schwere Jugenddelinquenz

ENGL. TITLE: Urban Structure, Friendship Circles and Delinquency: A Multilevel Analysis of Ecological Contextual Effects on Serious Juvenile Delinquency

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 43, 2003, S. 135-170.

KURZREFERAT: Die Annahme, dass abweichendes Verhalten von Jugendlichen auch durch sozialräumliche Bedingungen beeinflusst werden könnte, hat in der Kriminalsoziologie eine lange Tradition. In jüngster Zeit haben eine Reihe von Studien vor allem in den USA mit Hilfe der Mehrebenenanalyse untersucht, ob die räumliche Konzentration sozialer Benachteiligungen in Wohnquartieren einen Verstärkungseffekt auf Jugenddelinquenz hat. Der Beitrag greift diese Forschungsrichtung auf und berichtet über die Ergebnisse einer 1999 und 2000 durchgeführten schriftlichen Schulbefragung von ca. 5000 Jugendlichen in 61 Stadtvierteln und Gemeinden in zwei westdeutschen Großstädten und einer angrenzenden ländlichen Region. Eine externe Validierung der selbstberichteten Polizeikontakte auf der Aggregatebene der Stadtviertel deutet darauf hin, dass die Befragten realistische Angaben über ihre Delinquenz gemacht haben. Die zentrale Hypothese, dass die räumliche Konzentration sozialer Benachteiligungen einen Verstärkungseffekt auf schwere Jugenddelinquenz ausübt, wird bestätigt. Weitere Analysen zeigen, dass die Existenz von Stadtvierteleffekten entscheidend von der räumlichen Orientierung der Freundeskreise abhängig ist, die auch als Ausdruck der aktiven Auseinandersetzung der Jugendlichen mit ihrem Wohnquartier verstanden werden kann. Zukünftige Untersuchungen sollten auch konkurrierende sozialökologische Einflüsse - insbesondere von Schulen - berücksichtigen.

STICHWORTE: Jugenddelinquenz, Sozialstruktur, Sozialökologie, Kontexteffekte, Mehrebenenanalyse, Stadtviertel

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: The assumption that deviant behaviour of adolescents is influenced also by ecological contexts has a long tradition in criminological theory. In recent years, a number of studies mainly conducted in the U.S. have looked at possible concentration effects of social disadvantage on juvenile delinquency employing multilevel analysis. Taking up this approach, this paper reports results of a school survey of about 5000 adolescents in 61 neighbourhoods in two West German cities and an adjacent rural area conducted in 1999 and 2000. An external validation of self-reported police contacts on the aggregate level of neighbourhoods suggests that respondents gave realistic accounts of their delinquent behaviour. The central hypothesis that the spatial concentration of social disadvantage has an intensifying effect on serious offending is supported by the results. Further analysis reveals that neighbourhood contextual effects are very much dependent on the spatial orientation of friendship networks which reflects an active process of adolescent adjustment towards and choice of neighbourhood conditions. Future analyses should include also competing ecological contexts, especially schools.

KEYWORDS: juvenile delinquency, social structure, human ecology, contextual effect, multilevel analysis, neighbourhood

AUTOR/AUTHOR: Maruna, Shadd; Farrall, Stephen

TITEL: Desistance from Crime: A Theoretical Reformulation

ENGL. TITLE: Desistance from Crime: A Theoretical Reformulation

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 43, 2003, S. 171-194.

KURZREFERAT: Das Problem, wie kriminelle Karrieren beendet werden, ist vielfach untersucht worden (wenn auch zumeist eher deskriptiv), hat aber nur geringe Aufmerksamkeit in der kriminologischen Theoriebildung gefunden. Die hier vorgelegte theoretische Neubewertung der Literatur zum Ausstieg aus der Kriminalität (desistence) wird in vier Schritten vorgenommen. Im ersten Abschnitt legen die Autoren eine neue Defintion und damit auch ein neues Konzept vor, was mit dem Ausstieg aus der Kriminalität tatsächlich gemeint sein kann, und wie eine solche Konzeption im Hinblick auf eine theoretische Zielsetzung formuliert werden kann. Der zweite Abschnitt bietet einen kursorischen Überblick über die gegenwärtig in der Theorie zur Beendigung krimineller Karrieren konkurrierenden Paradigmen. Im folgenden dritten Teil wird dann die von Farrall und Bowling (1999) auf der Grundlage von Giddens Theorie der Strukturation entwickelte Kritik dieser Ansätze fortgeführt; hier zeigen die Autoren, dass vor allem dem Zusammenwirken von Struktur und Handlung mehr Aufmerksamkeit in den Erklärungen für den Ausstieg aus kriminellen Karrieren gewidmet werden muss. Im vierten und abschließenden Teil stellen die Autoren ihren eigenen theoretischen Ansatz dieses Prozesses vor, der zwei Konzepte in den Mittelpunkt stellt: Selbstbestimmtheit und Entschlussfähigkeit (self determination), sowie pro-soziale Etikettierung (pro-social labelling).

STICHWORTE: Abbruch krimineller Karrieren, Ausstieg aus Kriminalität, Strukturierung, Agency, Kriminalität

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: The topic of desistance from crime has been the subject of considerable research (much of it largely descriptive) but has not received the same amount of theoretical attention. This theoretical re-evaluation of the desistance literature is broken down into four sections. In the first section, we seek a new definitional understanding of what desistance is and how to conceive of it for theoretical purposes. In the second, we very briefly review the major competing paradigms in current desistance theory. Third, we develop Farrall and Bowling's (1999) structuration-based critique of this literature, arguing that greater attention needs to be paid to the interaction between agency and structure in understanding desistance. Finally, we conclude by offering the beginnings of our own theoretical account of the desistance process centring around the notions of self-determination and prosocial labelling.

KEYWORDS: desistance, structuration, agency, crime, offending

AUTOR/AUTHOR: Hagan, John; McCarthy, Bill

TITEL: The Shame in Their Game. Homelessness, Youth Crime, and Transitions Toward Work

ENGL. TITLE: The Shame in Their Game. Homelessness, Youth Crime, and Transitions Toward Work

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 43, 2003, S. 195-214.

KURZREFERAT: Dieser Beitrag untersucht, inwieweit Erfahrungen von elterlichem Missbrauch und Gewalt und die Spirale der Scham, die durch diesen Missbrauch verursacht wird, als frühe Lebenserfahrungen grundlegende Dispositionen für eine spätere "kriminelle Karriere" bilden, und vor allem verhindern, dass Kontakte und Erfahrungen mit der Arbeitswelt gemacht werden. In diesem Prozess dürfte die Spirale der Scham vor allem durch die folgenden Kontakte mit dem Justizsystem und Sanktionserfahrungen intensiviert werden. Gleichwohl haben weder alle Jugendlichen, die obdachlos auf der Straße leben, solche destruktiven Erfahrungen gemacht, noch reagieren sie notwendig auf ihre Umgebung in dieser Weise; Widerstand und Abwehr im Sinne einer geringen Beeinflussbarkeit durch diese Lebensumstände (resilience) sind die alternativen Reaktionen einer nicht unbeträchtlichen Zahl von Jugendlichen auf ihr Leben "auf der Straße". Die hier vorgestellte Untersuchung bestätigt, dass der familiäre Hintergrund von Kriminalität, Missbrauch und Gewalt tatsächlich mit den Erfahrungen der jugendlichen Obdachlosen mit Polizeikontakten zusammenwirkt, und so zu einer Intensivierung der Delinquenz in Form von Diebstahl führt. Auf der anderen Seite zeigt sich, dass eine Minderheit dieser Jugendlichen den Polizeikontakten entgehen kann, und damit auch dem Prozess der Beschämung und einer Intensivierung der "Schamspirale", Diese Jugendlichen werden eher in Netzwerken von in die Arbeitswelt integrierten Jugendlichen assoziiert sein. Die Autoren ziehen den Schluss, dass es überwiegend diese weniger verletzten und verletzbaren Jugendlichen sind, die den Weg von der Straße in die Arbeitswelt finden können.

STICHWORTE: Jugendliche Obdachlose, Stigma und Scham, Jugendkriminalität, Integration in die Arbeitswelt, Polizei und Justizkontakte, Sanktionen

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: This paper tests the thesis that childhood experiences of parental abuse and violence, and the resulting shame spirals these produce, may be predisposing life experiences that interact with later criminal justice sanctions to intensify involvements in crime and diversion from contacts and experiences that lead to legal work. Yet not all street youth have these destructive experiences or react to their environments in this way, with resilience being in this sense the alternative reaction of a significant number of street youth to their time on the street. Our data on street youth confirm that family backgrounds of crime and abuse interact with the experience of homeless youth being charged by the police and becoming further involved in theft behavior, while alternatively it is the minority of homeless youth who escape police contact and the shaming process it intensifies who are more likely to associate with legally employed peers. We argue that it is most often the latter less scathed street youth who can move along an important avenue of escape that can lead to legal employment and away from the street.

KEYWORDS: adolescent homeless, stigma, shame, juvenile delinquency, integration to labor market, police, sanctions

AUTOR/AUTHOR: Seus, Lydia; Prein, Gerhard

TITEL: Überraschende Beziehungen: Lebenslauf, Kriminalität, Geschlecht

ENGL. TITLE: Surprising Relations: Life Courses, Criminality, and Gender

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 43, 2003, S. 215-239.

KURZREFERAT: Thema dieses Beitrags ist die Analyse der Beziehung zwischen Geschlecht und Kriminalität auf der Grundlage einer Lebenslauftheorie. In einem ersten Teil werden die theoretischen Beziehungen der Begriffe Geschlecht, Deliquenz und Lebenslauf rekapituliert. Überraschenderweise scheint "Geschlecht" immer noch eine weitgehend vernachlässigte Kategorie in der kriminologischen Längsschnittforschung zu sein, obwohl viele Studien zeigen, dass die Strukturkategorie Geschlecht - mehr als alle anderen Faktoren - für Unterschiede in der Deliquenzbelastung verantwortlich ist. Auf der Basis der Ergebnisse eines Längsschnittforschungsprojekts an der Universität Bremen zeigen die Autoren, dass statistische Modelle zwar geschlechtsspezifische Unterschiede aufzeigen können, deren Erklärung aber nur partiell bleibt, da in standardisierten Daten geschlechtsspezifische Formen informeller sozialer Kontrolle untererfasst bleiben. Dagegen machen stärker interpretativ ausgerichtete Untersuchungsansätze deutlich, in welchem Umfang geschlechtsspezifische Lebenslaufmuster und "Normalbiographien", unterschiedliche Typen sozialer Kontrolle sowie ungleiche biographische Optionen und Perspektiven mit der unterschiedlichen Kriminalitätsentwicklung junger Männer und Frauen in Beziehung gebracht werden können.

STICHWORTE: Gender, Lebenslauf, Berufsverlauf, Delinquenz, Stigmatisierung, Kriminalsoziologie

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: The primary issue of this article is the analysis of the relationship between gender and criminality on the basis of life course theory. In a first step the theoretical relation of gender, delinquency, and life course is summarized. Surprisingly, gender still turns out to be a widely neglected analytical category in the domain of longitudinal research in criminology, although many studies show that gender - more than any other factor - seems to be responsible for the greatest difference in delinquent behaviour. On the basis of the findings of a longitudinal research project at the university of Bremen, the authors point out that statistical modelling can capture the gender differences in delinquency and criminalization, but only partially explain them. This is related to the fact that standardized data contain only minimal information about gender specific informal social control. However, an interpretative approach reveals to what extent gender specific normative life course patterns and types of social control as well as unequal biographical options and perspectives can be related to the different development of "criminality" of young women and men.

KEYWORDS: gender, life course, occupational career, delinquency, stigmatization, sociology of crime

AUTOR/AUTHOR: Schmitt-Rodermund, Eva; Silbereisen, Rainer K.

TITEL: "Ich war gezwungen, alles mit der Faust zu regeln" - Delinquenz unter jugendlichen Aussiedlern aus der Perspektive der Entwicklungspsychologie

ENGL. TITLE: "I was Forced to Settle Matters with my Fist" - Delinquency Among Adolescent Ethnic German Immigrants Seen from the Perspective of Developmental Psychology

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 43, 2003, S. 240-263.

KURZREFERAT: Junge Deutsche aus den Ländern des ehemaligen Ostblocks haben zwar oftmals die deutsche Staatsangehörigkeit, sehen sich aber trotzdem mit vielen der üblichen Probleme unter Zuwanderern auch anderer Herkunft konfrontiert. Welche Schwierigkeiten dies sind und wie sich unter einigen der Aussiedler die Folgen im Hinblick auf deren Kriminalitätsbelastung darstellen, ist das Thema der vorliegenden Arbeit. Inwieweit jugendliche Aussiedler tatsächlich delinquenter sind als Einheimische, wie es die Medien und einige Experten nahe legen, wird anhand von Zahlen aus Hell- und Dunkelfeld dargestellt und anschließend vor dem Hintergrund entwicklungspsychologischer Erkenntnisse diskutiert. Ein nächster Abschnitt widmet sich der Frage nach den Ursachen für eine kriminelle Belastung bei Aussiedlern. Dabei sind vor allem Gründe in Betracht zu ziehen, wie sie auch für Delinquenz unter Einheimischen als bedeutsam gefunden wurden, aber auch einige akkulturationsspezifische Ursachen werden genannt und in ein Modell eingefügt, das anhand eigener, querschnittlicher Daten geprüft wird. Das Papier schließt mit den Desiderata zukünftiger Forschung und der Feststellung, inwieweit eine entwicklungspsychologische Perspektive dabei hilfreich ist.

STICHWORTE: Akkulturation jugendlicher Aussiedler, Kriminalitätsbelastung, Delinquenz, Diskriminierung, Depressivität, Integration

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: Even though most ethnic German adolescents who emigrated to Germany from the countries of the former Eastern Bloc receive German citizenship upon arrival, they usually face problems similar to immigrants of non-German ancestry. The aim of the present report is to shed light on the nature of these difficulties and problems, especially in terms of delinquency. Whether young ethnic German immigrants are indeed showing more external behavioral problems, as indicated by reports of the media as well as by some experts, is being discussed using current statistics and criminal records against the backdrop of findings and models from developmental psychology. The next paragraph aims at answering the question of the reasons for delinquency among ethnic German, adolescent immigrants. On the one hand, models which explain delinquent behavior for non-immigrant youth are also analyzed and confirmed for immigrant adolescents. On the other, some acculturation-specific strains and stresses are discussed. A model which includes both perspectives is then analyzed using a cross-sectional data set of about 500 adolescent ethnic German immigrants. The paper concludes with some requirements for future research and discusses how a developmental psychological perspective can be helpful in conducting such work.

KEYWORDS: adolescence, migration, ethnic German immigrants, delinquency, integration, discrimination, depression, behavior problems

AUTOR/AUTHOR: Enzmann, Dirk, Brettfeld, Katrin; Wetzels, Peter

TITEL: Männlichkeitsnormen und die Kultur der Ehre. Empirische Prüfung eines theoretischen Modells zur Erklärung erhöhter Delinquenzraten jugendlicher Migranten

ENGL. TITLE: Norms of Masculinity and Culture of Honor. Empirical Investigation of a Theoretical Model to Explain Elevated Rates of Delinquency Among Juvenile Migrants

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 43, 2003, S. 264-287.

KURZREFERAT: Hellfelddaten und aktuelle Dunkelfeldstudien zeigen für die Bundesrepublik eine deutlich höhere Delinquenzbelastung bestimmter Gruppen jugendlicher Migranten, bei denen zugleich eine sozioökonomische Benachteiligung zu beobachten ist. Dabei ist die höhere Gewaltdelinquenz männlicher Jugendlicher besonders auffällig. Da die höhere Delinquenzbelastung durch sozioökonomische Benachteiligung allein nicht hinreichend erklärt werden kann, wurde anknüpfend an Nisbett und Cohens theoretischen Ansatz der "culture of honor" eine Skala "gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen" (GLMN) als Indikator einer Kultur der Ehre entwickelt. Gestützt auf Befragungsdaten von 11.000 jugendlichen Schülern und in Ergänzung früherer Arbeiten zeigen Regressionsanalysen, dass GLMN einen substanziellen Beitrag zur Erklärung von Gewalt- und auch Eigentumsdelinquenz männlicher und weiblicher jugendlicher Migranten leisten können. Die Befunde legen die Interpretation nahe, dass es sich bei der als gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen operationaliserten Kultur der Ehre weniger um einen ethnisch spezifischen kulturellen Faktor handelt, sondern dass derartige Orientierungen allgemeiner im Kontext von sozialer Benachteiligung und Marginalisierung entstehen.

STICHWORTE: Jugendliche, Delinquenzbelastung, Gewaltdelikte, Eigentumsdelikte, soziale Lage, Migrantenstatus, Kultur der Ehre, Männlichkeitsnormen, negative Binomialregression

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: In Germany, official statistics of crimes known to the Police as well as recent self-report studies show that juveniles of certain migrant groups exhibit significantly higher rates of criminal offending. At the same time, these groups live under the most unfavorable socioeconomic conditions. The high rate of violent delinquency of male juveniles is conspicuous. Because the high violent delinquency could not be explained sufficiently by factors of socio-economic disadvantage, a scale was developed to measure "violence legitimizing norms of masculinity" (VLNM) in accordance to Nisbett and Cohen's theoretical concept of the "culture of honor". Based on surveys of 11.000 juvenile students and supplementing earlier analyses, regression analyses show that VLNM can explain a substantial proportion of violent and property crimes committed by male and female juvenile immigrants. The results indicate that VLMN are not likely to represent an ethnic specific cultural factor but are indicative of orientations and attitudes that develop under conditions of social disadvantage and marginal living conditions.

KEYWORDS: juveniles, rate of delinquency, violent crimes, property crimes, social living conditions, social status of migrants, culture of honor, norms of masculinity, negative binomial regression

AUTOR/AUTHOR: Seipel, Christian; Eifler, Stephanie

TITEL: Gelegenheiten, Rational-Choice und Selbstkontrolle. Zur Erklärung abweichenden Handelns in High-Cost- und Low-Cost-Situationen

ENGL. TITLE: Opportunities, Rational Choice, and Self Control. Explaining Deviant Behaviour in High-Cost and Low-Cost Situations

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 43, 2003, S. 288-315.

KURZREFERAT: Den Ausgangspunkt der Studie bildet die Annahme, dass das in der "General Theory of Crime" von Gottfredson und Hirschi (1990) spezifizierte Persönlichkeitsmerkmal Selbstkontrolle (Self-Control) in Interaktion mit Gelegenheiten (Opportunities) abweichendes Handeln in Alltagssituationen erklären kann. Diese Annahme wird unter Rückgriff auf die in der Rational-Choice-Theorie der allgemeinen Soziologie diskutierte High-Cost-/Low-Cost-These elaboriert. Es wird die These abgeleitet, dass Selbstkontrolle abweichendes Handeln in Low-Cost-Situationen relativ gut erklären kann, während die Rational-Choice-Theorie dasjenige in High-Cost-Situationen besser erklärt. Im Rahmen einer empirischen Untersuchung, die als schriftliche Befragung von 494 Erwachsenen im Alter von 18 bis 80 Jahren durchgeführt wurde, wurden zwei Teststrategien zur Analyse dieser Forschungsfrage verfolgt. Die Ergebnisse für beide Teststrategien zeigen, dass die These einer Interaktion von Selbstkontrolle und Gelegen-heiten im hier spezifizierten Sinne generell empirische Unterstützung findet.

STICHWORTE: Rational Choice, Gelegenheiten, High-Cost- und Low-Cost-Situationen, Selbstkontrolle, Delinquenz

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: In this paper, deviant behaviour is analysed on the basis of ideas derived from the "General Theory of Crime" (Gottfredson/Hirschi, 1990). It is assumed that self-control in interaction with opportunities allows to explain deviant behaviour. This assumption is elaborated using the concept of high-cost and low-cost situations from rational-choice theory. From this point of view the hypotheses are derived that self-control predicts deviant behaviour in low-cost situations while rational-choice variables predict deviant behaviour in high-cost situations. Two methodological approaches to the research questions are employed in an empirical examination of these hypotheses. A standardized questionnaire was presented to a quota-sample of 494 German adults aged 18 to 80. The results of both strategies show that the assumption of an interaction effect between self-control and opportunities are fundamentally supported.

KEYWORDS: rational choice, opportunities, self control, high-cost and low-cost situations, delinquency

AUTOR/AUTHOR: Haan, Willem de; Vos, Jaco

TITEL: Widersprüchliche Gefühle. Rationalität und Emotionalität im Entscheidungsverhalten von jugendlichen Straftätern

ENGL. TITLE: Conflicting Feelings. Reasons and Emotions in the Decision Making of Adolescent Offenders

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 43, 2003, S. 316-336.

KURZREFERAT: Der Rational Choice-Ansatz erhebt den Anspruch, alle Formen von Kriminalität zu erklären und sieht Täter als von rationaler Überlegung geleitete Akteure an, die rationale Entscheidungen auf der Grundlage strategischer Wahlen treffen. Der Beitrag zielt auf eine kritische Auseinandersetzung mit dem heuristischen Potential dieses Ansatzes. Vorrangig geht es dabei um die Frage, inwiefern der Rational-Choice-Ansatz geeignet ist, eine spezifische Form von Kriminalität, in diesem Fall Straßenraub, zu erklären. Auf der Grundlage einer empirischen Analyse von Berichten und eigenen Erklärungen von Jugendlichen, die einen Straßenraub begingen, wird gezeigt, dass die Rational-Choice-Theorie wesentliche Aspekte dieser Form von Kriminalität, nämlich Impulsivität, moralische Ambiguität und Expressivität, nicht konzeptionalisiert und daher vernachlässigt. Daraus ziehen die Autoren den Schluss, dass die affektiven Aspekte kriminellen Verhaltens und die normative Bedeutung, die die Täter dem eigenen Verhalten vor, während und nach Begehung der Straftat selbst geben, entscheidende Bedeutung für das Verstehen und Erklären von Kriminalität haben.

STICHWORTE: Rational Choice Ansatz, Entscheidungsverhalten von Tätern, affektive Komponenten, moralische Emotionen, Straßenraub, Gewalt

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: The rational choice perspective claims to explain all forms of crime by conceptualizing offenders as "reasoning offenders", who make rational decisions based on "strategic thinking". This article aims at a critical discussion of the rational choice perspective and its heuristic potential. More specifically, the authors discuss whether rational choice perspectives help to explain street robbery as a specific type of crime. Based on a detailed analysis of offenders' accounts, it is argued that rational choice theory fails to conceptualize adequately some of the essential aspects of this type of criminal behaviour: impulsiveness, moral ambiguity and expressiveness. The authors conclude that the affective aspects of criminal behaviour and the normative meanings that perpetrators attribute to their own behaviour before, during and after the crime, are of decisive importance for the understanding and explanation of criminal behaviour.

KEYWORDS: rational choice, decision making by offenders, affective components, moral emotions, street robbery, violence

AUTOR/AUTHOR: Vazsonyi, Alexander T.

TITEL: The General Theory of Crime in the European Context: Revisiting Hedonic Calculus

ENGL. TITLE: The General Theory of Crime in the European Context: Revisiting Hedonic Calculus

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 43, 2003, S. 337-355.

KURZREFERAT: Die Beziehung zwischen Selbstkontrolle und Devianz gilt mittlerweile in der kriminologischen Forschung als gut bestätigt. Allerdings fehlt es weitgehend an empirischen Studien, die sich der Erforschung anderer Faktoren widmen, die die Devianz begrenzen - zum Beispiel Sanktionen -, obwohl die Autoren der ‚General Theory', Gottfredson und Hirschi, die Bedeutung solcher Faktoren herausgearbeitet haben. Die hier vorgestellte Studie untersucht zwei entscheidende Elemente des hedonistischen Kalküls in delinquenten Handlungen, nämlich niedrige Selbstkontrolle und die Wahrnehmung von Sanktionen, an Jugendlichen in Europa und den USA. Mit einer Stichprobe von insgesamt 8.417 Jugendlichen im Alter von 14 bis 22 Jahren aus Ungarn, den Niederlanden, der Schweiz und den USA wurde der Anspruch der Theorie getestet, mit den beiden Faktoren der Wahrnehmung von Sanktionen und der Selbstkontrolle eine universell gültige Erklärung von Devianz zu liefern. Die Ergebnisse zeigen in Übereinstimmung mit den Vorhersagen der "General Theory of Crime", dass sowohl niedrige Selbstkontrolle wie auch die Wahrnehmung von Sanktionen additive und voneinander unabhängige Effekte auf unterschiedliche Messungen von Devianz haben. Die schließlich entwickelten Modelle erklären im Mittel 38 Prozent der Varianz der gesamten Devianz in allen nationalen Stichproben. In den folgenden Einzelanalysen zeigt sich ferner, dass zwischen den Ländern nur geringe Unterschiede hinsichtlich des Einflusses der Selbstkontrolle wie auch der Wahrnehmung von Sanktionen auf deviantes Verhalten bestehen.

STICHWORTE: geringe Selbstkontrolle, Sanktionen, Devianz, internationaler Vergleich

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: The self-control-deviance relationship has been well established in the criminological literature. However, though Gottfredson and Hirschi elaborated extensively on the importance of other "re-straining" variables, such as sanctions, as part of understanding deviance, few studies have examined this empirically. The current investigation further tested the important elements of the hedonic calculus in deviance, namely both low self-control and perceived sanctions, in samples from Europe and the United States. Data were collected from 8,417 middle and late adolescents in Hungary, the Nether-lands, Switzerland, and the United States to assess the theory's claim about the universal importance of perceived sanctions and self-control in deviance. Consistent with predictions by the General The-ory, findings indicated that both low self-control and perceived sanctions (personal, family/friends, and legal) had independent and additive effects on a variety of deviance measures. Final predictive mod-els explained on average 38 percent of the variance in total deviance across all groups. Follow-up analyses also indicated few differences in the relationships between low self-control and deviance as well as between perceived sanctions and deviance across the four countries.

KEYWORDS: low self-control, sanctions, deviance, cross-national comparison

AUTOR/AUTHOR: Paoli, Letizia

TITEL: "Die unsichtbare Hand des Marktes". Illegaler Drogenhandel in Deutschland, Italien und Russland

ENGL. TITLE: The 'Invisible Hand of the Market': Illegal Drug Trade in Germany, Italy and Russia

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 43, 2003, S. 356-383.

KURZREFERAT: Das Ziel dieses Artikels besteht darin, die weit verbreitete These zu widerlegen, dass die illegalen Drogenmärkte - wie auch andere Märkte für illegale Produkte - von einigen wenigen großen Organisationen beherrscht werden. Hier wird stattdessen nachgewiesen, dass diese These zumindest in den drei Ländern jeder empirischen Grundlage entbehrt, in denen die Autorin während der letzten zehn Jahre umfangreiche Forschung vor Ort betrieben hat: Deutschland, Italien und Russland. Tatsächlich regiert die Drogengeschäfte in diesen Ländern sozusagen die "unsichtbare Hand des Marktes" - und eben nicht große Organisationen. Im Schlussabschnitt wird erklärt, warum es im Gegensatz zu den legalen Märkten in den illegalen Drogenmärkten nicht zur Ausbildung von großen, den Markt dominierenden Firmen kommt: Alle Akteure eines illegalen Marktes sind ausgesprochen starken Zwängen unterworfen, die sich auf die Illegalität der verkauften Produkte zurückführen. Diese Restriktionen verhindern praktisch, dass sich hierarchisch organisierte Firmen ausbilden, welche die ökonomischen Transaktionen im illegalen Markt steuern.

STICHWORTE: Drogen, Drogenhandel, Drogenmärkte, organisierte Kriminalität, Mafia, Italien, Deutschland, Russland

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: The article aims at proving wrong the common thesis that illegal drug markets - as well as other markets for prohibited commodities - are dominated by a few large-scale organisations. This thesis has no empirical backing in at least the three countries in which the author has carried out extensive field research over the past ten years: Germany, Italy, and Russia. In each of the three studied contexts the 'invisible hand of the market', and not large-scale organisations, governs the drugs deals. Why the large-scale firms currently dominating legitimate markets have not emerged on illegal drug markets is explained in the last section of the paper. All illegal markets actors are subject to powerful constraints which derive from the illegal status of the products they sell. As a result of these constraints, it is rather unlikely that large, hierarchically organised firms emerge to mediate economic transactions in the illegal marketplace.

KEYWORDS: drugs, drug trafficking, drug markets, organised crime, mafia, Italy, Germany, Russia

AUTOR/AUTHOR: Karstedt, Susanne

TITEL: Macht, Ungleichheit und Korruption: Strukturelle und kulturelle Determinanten im internationalen Vergleich

ENGL. TITLE: Power, Inequality, and Corruption: A Cross-national Analysis of Structural and Cultural Factors

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 43, 2003, S. 384-412.

KURZREFERAT: Seit den 1990er Jahren ist Korruption in der Bundesrepublik zunehmend zum Gegenstand der Aufmerksamkeit der Medien geworden und hat Anlass zu öffentlicher Beunruhigung und Initiativen seitens des Gesetzgebers geboten. Diese nationale Entwicklung war eingebettet in eine globale und internationale Bewegung der Skandalisierung von Korruption, an der internationale Organisationen ebenso beteiligt waren wie sie Länder in Europa, Südamerika und Asien erfasste. Damit rückten sowohl die Ursachen wie die Folgen von Korruption in den Mittelpunkt des internationalen Interesses und der vergleichenden Korruptionsforschung aus sozialwissenschaftlicher Perspektive. Der Beitrag gibt einen Überblick über die Faktoren, die derzeit aus einer "neo-liberalen", "demokratietheoretischen", "sozialstrukturellen" und "kulturellen" Perspektive diese Forschung dominieren, und kristallisiert einen Ansatz heraus, in dem egalitäre mit hierarchisch-elitären Kontexten anhand struktureller und kultureller Dimensionen kontrastiert werden. An einer Auswahl von 37 Ländern wird dieses Modell überprüft, wobei Korruption mit Hilfe des Corrruption Perception Index gemessen wird. Es zeigt sich, dass vor allem das kulturelle Muster, das den hierarchisch elitären Kontext bestimmt, korrupte Transaktionen begünstigt.

STICHWORTE:

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: Since the 1990s, corruption has increasingly attracted the attention of the media, became a topic of public concern, and caused political intervention and the enactment of new legislation in Germany. These national developments were embedded in a global and international movement of scandalizing corruption, which involved all major international organizations, and affected countries in Europe, South America, Asia and Africa. International attention focused on the causes and consequences of corruption, and comparative social research took up the task. This contribution starts with a review of those factors that presently dominate research from a 'neo-liberal', 'democracy', 'structural' and 'cultural' perspective. Building on these perspectives, a model is developed that juxtaposes egalitarian and hierarchical-elitist social and cultural contexts. This model is tested for a sample of 30 countries by using the Corruption Perceptions Index as an indicator of the level of corrupt exchanges. The analyses confirm in particular the impact of the cultural patterns of hierarchical-elitist societies, which favour high levels of corruption in these countries.

KEYWORDS:

AUTOR/AUTHOR: Braithwaite, John

TITEL: Transkontinentale Migration von Strafgefangenen: Das Beispiel Australien. Ein Beitrag zur Soziologie der Strafe

ENGL. TITLE: Tanscontinental Migration of Convicts: The Australian Example. A Contribution to the Sociology of Punishment

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 43, 2003, S. 413-440.

KURZREFERAT: Eine wenig beachtete Ursache der amerikanischen Revolution war die Nutzung von Virginia und Maryland durch England, um sich seiner gefährlichen Klassen zu entledigen. Die amerikanischen Kolonialisten begannen, Sklaven den Strafgefangenen als Plantagenarbeiter vorzuziehen. Damit wurde Australien zur zweitgrößten Strafkolonie des 19. Jahrhunderts (nach Sibirien). Es steht fest, dass ein erstaunlich hohes Maß an Verfahrensgerechtigkeit und Reintegration von Sträflingen die Kriminalitätsraten in der australischen Gesellschaft im Verlauf des 19. Jahrhunderts in bemerkenswerter Weise reduziert hat. Im Gegensatz dazu ist die amerikanische Sklavengesellschaft durch Verfahrensungerechtigkeit, Exklusion und Stigmatisierung gekennzeichnet, was hohe Kriminalitätsraten zur Folge hatte. Wenn man Heimer und Staffens (1995) Theorie folgt, entwickeln sich Strategien der Reintegration und Verfahrensgerechtigkeit immer dann, wenn die Mächtigen von den potenziell Non-Konformen abhängig sind. Akuter Arbeitskräftemangel war die Grundlage für ein reintegratives Zuweisungssystem für australische Strafgefangene: sie arbeiteten in einer freien Gemeinschaft, die ihnen ihrerseits einen Platz in und ein Interesse an dem neuen Land gab und damit an konformem Verhalten. So "schlimm" sie auch waren, wurden diese Immigranten doch so dringend in der neuen Gesellschaft gebraucht, dass ihnen die Türen zur Macht geöffnet wurden und sie durch Landbesitz Zugriff auf Vermögenswerte erhielten. Diese Immigranten haben sich nicht zu einem sozialen Problem entwickelt, sondern eröffneten neue Wege der wirtschaftlichen Entwicklung.

STICHWORTE: Strafrecht, Kriminalpolitik, Resozialisierung, restorative Justiz, Foucault

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: A neglected cause of the American Revolution was England's use of Virginia and Maryland especially as dumping grounds for its dangerous classes. The American colonists came to prefer slave to convict plantation labour. Australia then became the second largest penal colony of the nineteenth century (after Siberia). It is concluded that surprisingly high levels of procedural justice and reintegration in Australian convict society reduced crime rates to a remarkable rate in the nineteenth century. In contrast, American slave society was characterized by procedural injustice, exclusion and stigmatization, which delivered high crime rates. Following Heimer and Staffen's (1995) theory, reintegration and procedural fairness are found to arise in conditions where the powerful are dependent on the deviant. Acute labour shortage was the basis of a reintegrative assignment system for Australian convicts to work in the free community that gave them a stake in the new land and in conformity. "Bad" as they were, these immigrants were so needed in the new society that they were allowed to enter its corridors of power, given access to its wealth through land ownership. These immigrants became not a social problem but an economic opportunity.

KEYWORDS: penal law, crime policy, punishments, offender reintegration, restorative justice, Foucault

AUTOR/AUTHOR: Hope, Tim; Trickett, Alan

TITEL: Angst essen Seele auf... But it Keeps Away the Burglars! Private Security, Neighbourhood Watch and the Social Reaction to Crime

ENGL. TITLE: ANGST ESSEN SEELE AUF… BUT IT KEEPS AWAY THE BURGLARS! Private Security, Neighbourhood Watch and the Social Reaction to Crime

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 43, 2003, S. 441-468.

KURZREFERAT: Dieser Beitrag untersucht auf der Mikro-Ebene die Folgen, die die Präventionsstrategie der britischen Regierung, die Bürgerinnen und Bürger für Kriminalitätsprävention selbst verantwortlich zu machen ("responsibilisation"), für deren private Sicherheit hat. Die Studie arbeitet heraus, unter welchen Bedingungen nachbarschaftliche Wachdienste (Neighbourhood Watch) verfügbar sind und sich individuelle Haushalte an ihnen beteiligen. Grundlage sind Daten aus dem British Crime Survey und Zensusdaten aus der britischen Volkszählung. Dabei zeigt sich, dass die Schichtzugehörigkeit einen starken Einfluss sowohl auf die Verfügbarkeit solcher Gruppen wie auch für die Beteiligung an ihnen hat. Darüber hinaus ist die Mitgliedschaft in solchen Gruppen durch die miteinander inkompatiblen Prozesse von Furcht vor Kriminalitätsrisiken einerseits und sozialen Bindungen innerhalb der Nachbarschaft andererseits bedingt. Werden die charakteristischen Bedingungen, Opfer eines Eigentumsdeliktes zu werden, mit den Merkmalen verglichen, die die Verfügbarkeit von nachbarschaftlichen Wachdiensten fördern, dann wird deutlich, dass vor allem diejenigen Haushalte profitieren und eher gegen das Kriminalitätsrisiko geschützt sind, die zu dem besser gestellten Segment der Gesellschaft gehören. Die Autoren schlagen eine Erklärung vor, die davon ausgeht, dass Mitglieder der mittleren Einkommensschichten mehr als andere gesellschaftliche Gruppen in der Lage sind, Sicherheit als ein "club good" oder exklusives Gut für ihre eigene Gruppe zu produzieren. Nachbarschaftliche Wachdienste werden als beispielhaft für solche "club goods" angesehen.

STICHWORTE: kommunale Kriminalitätsprävention, Risiko-Gesellschaft, Nachbarschafts-Wachdienste (Neighbourhood Watch), differentielles Viktimisierungsrisiko, Kriminalitätsfurcht, "club good"

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: This paper explores the micro-level consequences for citizens' private security of the crime governance strategy of 'responsibilisation'. Specifically, it analyses data from the British Crime Survey and the UK Census to identify the correlates of the availability of Neighbourhood Watch (NW) schemes and of individual household participation in them. In general, it finds a strong social class bias affecting both availability and membership. In addition, membership is found to depend upon the mutually-incompatible processes of anxiety about crime risk and community reciprocity. Further, a comparison of the correlates of property crime victimisation and NW availability reveals a bias towards the protection of households at risk only amongst the more affluent sectors of society. An explanation is proposed based upon the idea that middle-income members of society are more able than other social groups to create security 'club goods' for themselves, of which NW is seen as a prime example.

KEYWORDS: community crime prevention, risk society, neighbourhood watch, differential risk of victimization, fear of crime, club goods

AUTOR/AUTHOR: Boers, Klaus; Theile, Hans; Karliczek, Kari-Maria

TITEL: Wirtschaft und Strafrecht - Wer reguliert wen?

ENGL. TITLE: Economy and Criminal Law: Who Regulates Whom?

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 43, 2003, S. 469-493.

KURZREFERAT: Nach traditionellem Verständnis geht das Strafrecht von einer kausalen Beeinflussbarkeit gesellschaftlicher Teilsysteme wie der Wirtschaft aus. Aus systemtheoretischer Sicht ist die Beeinflussung von Wirtschaft durch das Strafrecht aufgrund der Autopoiesis des Wirtschaftssystems zwar nicht ausgeschlossen, jedoch allenfalls indirekt als Regulierung möglich. Im Rahmen struktureller Kopplungen können Unternehmen strafrechtliche Verhaltensanforderungen deshalb allenfalls beobachten und in ihr eigenes systemisches Operieren einbauen - ein Durchgriff auf das Unternehmen bleibt dem Strafrecht versagt. Im Anschluss an eine begriffliche Klärung von Wirtschaftskriminalität und eine systemtheoretische Analyse der Regulierungsmöglichkeiten durch das materielle und prozessuale Strafrecht stellt der Beitrag Probleme der Regulierung anhand einer im Rahmen eines derzeit laufenden Forschungsprojektes erfolgenden empirischen Fallstudie dar.

STICHWORTE: Regulierung, Systemtheorie, Unternehmenskriminalität, Wirtschaftskriminalität, strukturelle Kopplung, materielles Strafrecht, Strafverfahrensrecht

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: According to traditional legal thinking, criminal law can have a direct impact on the economy and economic behaviour. However, systems theory would suggest to reject such a simple understanding, the reason being the autopoietic functioning of social systems, i.e. in this paper law and the economic system. Corporations and economic actors can only observe the demands of criminal law, and then implement these demands into their own operations. Criminal law cannot directly intervene in the operations of a corporation. After defining the term 'economic crime', this article analyses the capacities of substantive and procedural criminal law to regulate the economy from the perspective of systems theory. Finally, an empirical case study from a current research project is used to illustrate these arguments.

KEYWORDS: regulation, systems theory, corporate crime, economic crime, structural coupling, substantive criminal law, procedural criminal law

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Datei aktualisiert am 04.06.2004 in der Redaktion der KZfSS