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Zusammenfassungen und English Summaries
Heft 4, Jg. 56, 2004

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Zu den Kurzbiographien


AUTOR/AUTHOR: Szydlik, Marc; Schupp, Jürgen

TITEL: Wer erbt mehr? Erbschaften, Sozialstruktur und Alterssicherung

ENGL. TITLE: Who Inherits More? Inheritances, Social Structure, and Old Age Provision

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 56, 2004, S. 609-629.

KURZREFERAT: Welche Folgen haben Erbschaften für Sozialstruktur, Vermögensbildung und Alterssicherung? Wem kommen Erbschaften in besonderem Maße zugute? Die empirischen Analysen basieren auf Befragungsergebnissen des Sozio-oekonomischen Panels aus dem Jahre 2001. Sie liefern Informationen über Erblasser, Erbart, Erbzeit, Erbchance und Erbhöhe. Dabei werden die theore-tischen Hypothesen generell bestätigt. Erbschaftsforschung ist Generationenforschung. Die meisten Erbschaften stammen von den Eltern und kommen den Erben in der zweiten Lebenshälfte zugute. Al-lerdings sind die Erbchancen und Erbhöhen stark unterschiedlich verteilt. Westdeutsche erben erheb-lich häufiger, und sie erhalten auch höhere Beträge. Für Ostdeutsche werfen die Bedingungen in der Deutschen Demokratischen Republik weiterhin lange Schatten. Ausländer haben besonders geringe Erbchancen. Damit beschränkt sich auch eine Alterssicherung durch Erbschaft in erster Linie auf be-stimmte Personengruppen. Besonders bevorteilt sind Bildungsschichten, die ohnehin bereits über höhere (Renten-) Einkommen verfügen.

STICHWORTE: Sozialstruktur, Erbschaft, Altersvorsorge, soziale Ungleichheit, Wohlstand, Intergenerationenforschung, SOEP

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: How do inheritances affect social structure, wealth formation, and provision for old age? Who benefits the most from inheritances? We analyse these questions based on the 2001 wave of the Socio-Economic Panel, which gives information on the deceased, and on the type, time, chance, and amount of the inheritance. Our findings confirm the theoretical hypotheses in general. Inheritance research is intergenerational research: most inheritances come from parents and benefit the recipients in the second half of their lives. However, the chances of receiving an inheritance and amounts inherited are distributed very unevenly. West Germans inherit significantly more frequently and larger amounts than East Germans due to the continuing effects of conditions in the former GDR. Foreigners have particularly low chances of receiving an inheritance. Thus, provision for old age through inheritance is limited mainly to specific groups of people. The most advantaged groups are the highly educated classes, which already receive higher (retirement) income.

KEYWORDS: social structure, inheritance, old age provision, social inequality, wealth, intergenerational research, SOEP

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: Prof. Dr. Marc Szydlik, Universität Zürich, Soziologisches Institut, Andreasstraße 15, CH-8050 Zürich

E-Mail: szydlik@soziologie.unizh.ch

AUTOR/AUTHOR: Liebeskind, Uta

TITEL: Arbeitsmarktsegregation und Einkommen - Vom Wert „weiblicher“ Arbeit"

ENGL. TITLE: Gendered Labour Market Segregation and Income – A Look at the Value of ‘Female’ Work

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 56, 2004, S. 630-652.

KURZREFERAT: Über welche Mechanismen wird der Zusammenhang von horizontaler Arbeitsmarktsegregation und geschlechtsspezifischer Einkommensungleichheit vermittelt? Ein mögliches Erklärungsmuster ist die kulturelle Entwertung typisch „weiblicher“ Arbeitsinhalte, die sich in schlechteren Einkommenschancen für Beschäftigte in von diesen Arbeitsinhalten geprägten Berufen äußert. Dieser Ansatz wird mit der Theorie zur spezifischen Humankapitalakkumulation und Überlegungen zur Kompensation mit der Arbeit verbundener Unannehmlichkeiten kontrastiert. Auf Basis der IAB-Beschäftigtenstichprobe des Instituts für Arbeitsmarktforschung 1975-1995 und der BIBB/IAB-Erhebung 1991/1992 werden für den Zeitraum von 1992 bis 1995 in Ost- und Westdeutschland getrennt die Einflüsse weiblich konnotierter Arbeitsinhalte und weiterer beruflicher Merkmale auf individuelle Einkommenschancen modelliert. Im Ergebnis multivariater Mehrebenenanalysen, die die Einbettung von Erwerbstätigen in einzelnen Berufen bzw. Wirtschaftszweigen berücksichtigen, stellt sich heraus, dass einige der als „weiblich“ eingeführten Arbeitsinhalte – Schreibarbeiten, Reinigungsarbeiten und Verkaufstätigkeiten – mit geringeren Einkommenschancen verbunden sind und damit kulturell entwertet werden, während die aus ökonomischen Theorien abgeleiteten beruflichen Merkmale offenbar keinen Einfluss auf individuelle Einkommenschancen haben. Am ostdeutschen Arbeitsmarkt der Nachwendezeit lässt sich Entwertung weniger prononciert zeigen als in Westdeutschland. In beiden Landesteilen bleibt jedoch auch bei Berücksichtigung der beruflichen Merkmale ein starker individueller Geschlechtseffekt unvermindert erhalten.

STICHWORTE: Arbeitsmarktsegregation, Geschlechterbenachteiligung beim Einkommen, Humankapital, Arbeitsbedingungen, Einkommensungleichheit, kulturelle Abwertung, Mehrebenenanalyse, Frauenarbeit

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: What mechanisms link horizontal labour market segregation and the gender gap in wages? One explanation is based on the cultural devaluation of typically ‘female’ skills and work contents which are held responsible for lower earnings in these occupations. In the present study the idea of devaluation of ‘female’ work is contrasted with other possible explanations such as occupational differences in specialized human capital requirements or unpleasant work conditions. Based on a large sample of employed persons in Germany (IAB-Beschaeftigtenstichprobe 1975-1995) and on a survey on work conditions (BIBB/IAB-Erhebung 1991/92), the influence of ‘female’ work contents and other occupational variables on individual earnings is modeled for East and West Germany separately. The results of multilevel analyses accounting for the embeddedness of individuals in occupations and industries show that some ‘female’ work contents – typing, cleaning and selling – decrease income, and thus are culturally devalued. In contrast, occupational differences in specialized human capital requirements and work conditions do seemingly not affect individual wages. In East Germany the results in regard of devaluation are less pronounced. In both parts of the country there is an unabatedly strong effect of individual sex on earnings which cannot be explained by the introduced occupational characteristics.

KEYWORDS: labour market segregation, gender gap in earnings, human capital, work condition, income inequality, cultural devaluation, multilevel-analysis, female work

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: Dipl.-Soz. Uta Liebeskind, Universität Siegen, Fachbereich 1 / So-zialwissenschaften, Adolf-Reichwein-Str. 2, D-57068 Siegen

E-Mail: liebeskind@soziologie.uni-siegen.de

AUTOR/AUTHOR: Groh-Samberg, olaf

TITEL: Armut und Klassenstruktur. Zur Kritik der Entgrenzungsthese aus einer multidimensionalen Perspektive

ENGL. TITLE: Poverty and Class Structure. Evidence from a Multidimensional Approach

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 56, 2004, S. 653-682.

KURZREFERAT: Der Aufsatz geht auf Basis des Sozioökonomischen Panels dem Zusammenhang von Armut und klassenspezifischen Ungleichheiten nach und schlägt damit eine Brücke zwischen der Armutsforschung und der Sozialstrukturanalyse. Vor dem Hintergrund theoretischer Überlegungen zum Verhältnis von Armut, Zeit und sozialer Ungleichheit wird ein multidimensionaler Armutsindikator entwickelt, der die Dimensionen des Einkommens, der Lebenslagen und der zeitlichen Dauer gleich-zeitig erfasst. Die Ergebnisse deuten weder auf eine Verzeitlichung von Armut noch auf eine Spaltung zwischen Inklusion und Exklusion, sondern auf den gestuften Charakter von relativ stabilen Zonen der Armut, der Prekarität und des Wohlstands. Entgegen den Thesen einer sozialen Heterogenität und Entgrenzung der „Neuen Armut“ zeigen die empirischen Analysen zugleich einen strengen Zusam-menhang von Armut bzw. Prekarität und sozialer Klassenlage. Dieser Zusammenhang bestätigt sich auch unter Kontrolle vielfältiger sozialer Kontextfaktoren. Im Zentrum der Neuen Armut steht die sozia-le Benachteiligung der Arbeiterklassen.

STICHWORTE: Armut, Klassenstruktur, soziale Spannungslinie, Arbeiterfamilie, Prekarität, Wohlstand, soziale Ungleichheit, SOEP

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: The article tries to combine dynamic and multidimensional poverty-research with class analysis, using data from the German Socio-Economical Panel. A multidimensional indicator for measuring poverty both long-term and cross-sectional is developed, based on theoretical assumptions concerning the relations between poverty, time and social inequality. The empirical results of this approach give no evidence neither of temporalization of poverty nor of a new social cleavage between exclusion and inclusion. Instead they depict almost time-stable stratas or zones of high poverty, precarity and wealth, which are closely related to social class. Estimating binary logistic regressions, the effect of social class on poverty-risks remains highly significant controlling for several socio-demographic variables and even labour-market issues such as unemployment. In the core of new poverty, it is pointed out, we can still find working class families.

KEYWORDS: poverty, class structure, social cleavage, working class family, precarity, wealth, social inequality, SOEP

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: Olaf Groh-Samberg, M.A., Westfälische Wilhelms-Universtität, Institut für Soziologie, Scharnhorststr. 121, D-48151 Münster

E-Mail: groh@uni-muenster.de

AUTOR/AUTHOR: Quandt, Markus; Ohr, Dieter

TITEL: Worum geht es, wenn es um nichts geht? Zum Stellenwert von Niedrigkostensituationen in der Rational Choice-Modellierung normkonformen Handelns

ENGL. TITLE: How to Decide about Nothing? Low Cost Situations in the Rational Choice Modelling of Norm-Oriented Behaviour

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 56, 2004, S. 683-707.

KURZREFERAT: Das Handeln in so genannten Niedrigkostensituationen scheint mit Theorien rationalen Verhaltens schwer erklärbar. Manche sehen darin einen entscheidenden Schwachpunkt des Paradigmas rationaler Wahl. Wir zeigen dagegen, dass die Logik der Niedrigkostensituationen gerade mit Theorien rationalen Verhaltens überhaupt erst verstanden werden kann. Dabei sind Informations- und Entscheidungskosten auf der Seite des Akteurs sowie die Erkennbarkeit und Klarheit der Anreize auf der Seite der Situationsmerkmale die ausschlaggebenden Größen. Die Rolle dieser Variablen wird speziell bei der Erstellung von Kollektivgütern diskutiert, da die Kollektivgutproblematik in enger Verbindung mit dem Niedrigkostenkonzept steht. In Anlehnung an ein eingeführtes Modell routinebasierten Entscheidens wird schließlich gezeigt, wie die Schwelle zur Niedrigkostensituation analytisch bestimmt werden kann.

STICHWORTE: Niedrigkostensituation, Entscheidung, Kollektivgut, soziale Norm, rationales Verhalten, rational choice Theorie

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: Rational choice theories appear to have difficulties when it comes to explain behaviour in so called ‘low cost, low benefit’ situations. As a consequence, low cost situations are sometimes regarded as a serious problem of the rational choice paradigm as a whole. We demonstrate that, quite to the contrary, theories of rational action are perfectly well suited to understand the logic of low cost situations. The costs of information and decision making on the part of the actor and the clarity of incentive or cost structures on the part of the situation prove to be the central variables. Since there is a close link between low cost situations and certain collective good problems, the role of these variables is discussed with regard to the production of collective goods. In adapting an established model of routine based decision making, we show how the threshold of a low cost situation can be determined analytically.

KEYWORDS: low cost situation, decision making, collective good, social norm, rational behaviour, rational choice theory

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: Dipl.-Volkswirt Markus Quandt, Zentralarchiv für Empirische Sozialforschung der Universität zu Köln, Postfach 41 09 60, D-50869 Köln

E-Mail: markus.quandt@uni-koeln.de;

Dr. Dieter Ohr, Zentralarchiv für Empirische Sozialforschung der Universität zu Köln, Postfach 41 09 60, 50869 Köln

E-Mail: dieter.ohr@uni-koeln.de

AUTOR/AUTHOR: Köllisch, Tilman; Oberwittler, Dietrich

TITEL: Wie ehrlich berichten männliche Jugendliche über ihr delinquentes Verhalten? Ergebnisse einer externen Validierung

ENGL. TITLE: How Honestly do Male Adolescents Report their Delinquent Behaviour? Results of an External Validation of Self-reported Delinquency

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 56, 2004, S. 708-735.

KURZREFERAT: Umfragebasierte Studien über Verbreitung und Ursachen abweichenden Verhaltens hängen maßgeblich von der Ehrlichkeit der Befragten ab. Die Validität von Selbstberichten abweichenden Verhaltens wird jedoch nur selten untersucht. Wir berichten über die externe Validierung selbstberichteter Delinquenz männlicher Jugendlicher auf der Basis zweier unterschiedlicher Stichproben – einer mündlichen Befragung im Haushalt (N=309) und einer schriftlichen Befragung im Klassenzimmer (N=337) –, die 1999 und 2000 in Freiburg durchgeführt wurden und für einen Abgleich der selbstberichteten Polizeikontakte mit den tatsächlichen polizeilichen Registrierungen auf Individual- und Aggregatebene genutzt werden. Der individuelle Datenabgleich der mündlich Befragten ergibt neben einer Mehrheit ehrlicher Polizeiauffälliger eine erhebliche Zahl sowohl ‚falsch negativer’ als auch ‚falsch positiver’ Nennungen, die vor allem auf Befragte mit niedrigem Bildungs- und Sozialstatus sowie mit Migrationshintergrund zurückgehen. Da diese Gruppen zusätzlich eine hohe Nonresponse aufweisen, ist mit der Unterschätzung von Zusammenhängen sozialstruktureller Faktoren mit Jugenddelinquenz zu rechnen. Die Schulbefragung erbringt demgegenüber höhere und realistischere Prävalenzraten, jedoch deuten Vergleiche der beiden Befragungsmodi auf differentielle Effekte sozialer Erwünschtheit bei Schulbefragungen hin, die die Validität der Antworten von Jugendlichen mit hohem Bildungsstatus in Frage stellen. Ergebnisse von Befragungsstudien zur selbstberichteten Delinquenz sollten daher grundsätzlich vorsichtig interpretiert werden, und weitere Methodenstudien zum Antwortverhalten bei Gruppenbefragungen erscheinen uns geboten.

STICHWORTE: Validierung, Umfrageforschung, abweichendes Verhalten, Jugendliche, Adoleszenz, Delinquenz, soziale Erwünschtheit, selbstberichtetes Verhalten, Klassenrauminterview

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: Survey-based studies on the prevalence and causes of deviant behaviour very much depend on the honesty of respondents. However, the validity of self-reports is rarely investigated. We report on a external validation of self-reported delinquency of male juveniles based on two survey samples – face-to-face interviews in households (N=309), and paper and pencil interviews in school (N=337) – which have been done in 1999 and 2000 in Freiburg and are used for record checks of self-reported police contacts both on the individual and aggregate level. Individual-level record checks reveal that a majority of respondents has honestly reported contacts with the police, while there are a considerable number of both ‘false negative’ and ‘false positive’ answers which come predominately from respondents with low educational and social status and of migration background. As these groups show high non-response rates as well, the correlation between delinquency and socio-economic status is likely to be underestimated. The school survey, on the other hand, yields higher and more realistic prevalence rates. However, comparisons between the two survey modes hint at differential effects of social desirability which question the validity of self-reports by respondents with high educational status. Survey results on self-reported delinquency should generally be interpreted with great caution, and more research on the mode effects of class room interviews are deemed necessary.

KEYWORDS: validation, survey research, deviant behaviour, youth, adolescence, delinquency, socio-economic status, social desirability, self-reports, class room interview

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: Tilman Köllisch, M.A., Justus-Liebig-Universität Gießen, FB 01 – Rechtswissenschaften, Professur für Kriminologie, Licher Str. 64, D-35394 Gießen

E-Mail: tilman.koellisch@recht.uni-giessen.de;

Dr. Dietrich Oberwittler, University of Cambridge, Institute für Criminology, 7 West Road, GB- Cambridge CB3 9DT

E-Mail: do247@cam.ac.uk

AUTOR/AUTHOR: Bühlmann, Marc; Freitag, Markus

TITEL: Der Fragebogen Karls des Großen. Ein Dokument aus der Vorgeschichte der Umfrageforschung

ENGL. TITLE: Charlemagne´s Questionnaire: A Document from the Very Beginnings of Survey Research

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 56, 2004, S. 736-745.

KURZREFERAT: Der Aufsatz stellt ein Dokument Karls des Großen aus dem Jahr 811 vor, das als Vorläufer der strukturierten Befragung und damit als Dokument der Vorgeschichte der empirischen Sozialforschung angesehen werden kann. Mit einer Liste, die in ihrem Charakter einem Gesprächsleitfaden zu einem Intensiv-Interview ähnelt, wollte der Kaiser auf die auf dem Reichstag versammelten geistlichen und weltlichen Würdenträger des Reiches belehrend einwirken, doch es ist auch erkennbar, dass zumindest ein Teil der Fragen aus Interesse an Informationen über die Stimmung der Bevölkerung im Reich gestellt wurde. Diese Fragen wurden wahrscheinlich an die Fürsten und Kleriker in den Provinzen weitergereicht. Ein weiteres Dokument aus dem Jahr 811 deutet darauf hin, dass auch tatsächliche Antworten auf ähnliche Fragelisten am Kaiserhof eingegangen sind. Beide Texte dokumentieren ein Verfahren der Informationsbeschaffung, das man als einen der ersten Versuche einer Meinungsumfrage bezeichnen könnte.

STICHWORTE: Interview, Geschichte der empirischen Sozialforschung, Sozialgeschichte, Karl der Große, Fragebogen, Meinungsforschung

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: A document compiled by Charlemagne in the year 811 can be viewed as a precursor to the structured survey and thus as a part of the very beginnings of empirical social research. Charlemagne intended to use the list, which resembles a discussion guide employed in an intensive interview, to exert moral pressure on the secular and clerical leaders of his realm, who were gathered for a parliamentary assembly. At the same time, however, it is also evident that at least some of the questions were designed to gather information on the mood of the population throughout the empire. These questions were probably passed on to the sovereigns and clerics in the provinces. Another document from the year 811 would seem to indicate that answers to similar lists of questions did in fact arrive at the emperor´s court. Both documents attest to a means of gathering information that could be viewed as the first attempt to conduct at an opinion survey.

KEYWORDS: interview, history of empirical social research, social history, Charlemagne, questionnaire, opinion survey

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: Dr. Thomas Petersen, Institut für Demoskopie Allensbach, D-78472 Allensbach am Bodensee

E-Mail: tpetersen@ifd-allensbach.de

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Datei aktualisiert am 25.11.2004 in der Redaktion der KZfSS