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Sonderheft 44/2004 der KZfSS
Der Ausbau sozialwissenschaftlicher Infrastruktur, die Nutzung neuer Informationstechnik und eine Vielzahl von Arbeiten zur Methodenforschung haben die moderne empirische Sozialforschung auf einen hohen Stand gebracht. Sowohl zur Datenerhebung als auch zur Analyse sozialwissenschaftlicher Daten liegen methodische Innovationen vor, die in diesem Band dokumentiert werden. Die Beiträge informieren anhand von Beispielen aus der Forschungspraxis über den Stand der Methodenforschung, stellen neue methodische Verfahren zur Diskussion und geben damit Anregungen für eine Verbesserung der Praxis empirisch-sozialwissenschaftlicher Forschung. Die Themen reichen über wissenschaftstheoretische Fragen der Sozialforschung, die kritische Diskussion von Signifikanztests, Online-Erhebungen, Probleme der Stichprobenziehung, Kontext-, Netzwerk-, Kausalanalysen und die Untersuchung zeitbezogener Daten bis hin zu Metaanalysen und die Anwendung von Simulationsmodellen in der Sozialforschung.
AUTOR/AUTHOR: Andreas Diekmann
TITEL: Aktuelle Probleme der empirischen Sozialforschung
ENGL. TITLE: Current Issues in Empirical Research Methodology
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 44, 2004, S. 8-32.
KURZREFERAT: In diesem einleitenden Beitrag werden Grundfragen der Sozialforschung und Probleme neuer Methoden der Datenerhebung, Datenanalyse und Modellbildung behandelt. Die Diskussion bezieht sich vorrangig auf die in diesem Band versammelten Beiträge. Im Schlussteil werden einige Konsequenzen gezogen, wobei für eine Professionalisierung der empirischen Sozialforschung plädiert wird, die kumulativ orientiert ist, klar definierte Standards setzt, die Qualität von Ergebnissen durch Replikationen sichert und systematische Methodenforschung betreibt.
STICHWORTE: Sozialforschung, Forschungsmethodik, Datenerhebungsverfahren, Datenanalyse, Modellbildung
ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: This article reviews the basic problems of research methodology, as well as the issues involved in new data collection modes, data analytical methods and model development in the social sciences. This overview refers primarily to the contributions in this volume. We conclude by arguing in favour of greater professionalism in social science research. Specifically, the quality of such research should be raised through greater attention to and integration of previous research, clearer standards, more frequent replication of empirical findings and steady improvement in the methods employed.
KEYWORDS: social research, research methodology, data collection, data analysis, model development
AUTOR/AUTHOR: Volker Gadenne
TITEL: Empirische Forschung und normative Wissenschaftstheorie. Was bleibt von der Methodologie des kritischen Rationalismus?
ENGL. TITLE: Empirical Research and Normative Theory of Science. Critical Rationalism under Scrutiny
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 44, 2004, S. 33-50.
KURZREFERAT: Ist der kritische Rationalismus für die Methodologie der empirischen Sozialforschung noch von Bedeutung? Benötigt die empirische Wissenschaft überhaupt eine normative wissenschaftstheoretische Fundierung? Zur Beantwortung dieser Fragen werden Poppers Regeln der Falsifikation sowie seine Ablehnung der Induktion und des Rechtfertigungsdenkens analysiert. Es soll gezeigt werden, dass einige (obwohl nicht alle) Falsifikationsregeln als nützliche heuristische Prinzipien angesehen werden können. Was die Rechtfertigungsproblematik angeht, lässt sich zeigen, dass die empirische Wissenschaft nicht auf ein methodologisches Prinzip verzichten kann, das es erlaubt, Hypothesen vorläufig als wahr zu akzeptieren. Abschließend werden noch einige Funktionen von methodologischen Regeln und normativen Prinzipien für die empirische Wissenschaft aufgezeigt und diskutiert.
STICHWORTE: kritischer Rationalismus, Wissenschaftstheorie, Logik der Forschung, Methodologie der Sozialforschung, Popper, Falsifizierung
ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: Is critical rationalism still relevant for the methodology of social research? Does empirical science at all need a normative philosophical foundation? In order to answer these questions Popper’s rules of falsification and his rejection of induction and justification are analysed. It is argued that some (though not all) rules of falsification seem to be useful heuristic principles. As to justification, it is shown that empirical science cannot dispense with a methodological principle that allows for the tentative acceptance of hypotheses as true. Finally, some functions of methodological rules and normative principles for the empirical sciences are pointed out and discussed.
KEYWORDS: critical rationalism, theory of science, logic of social research, Popper, falsification
AUTOR/AUTHOR: Walter Krämer
TITEL: Statistik: Vom Geburtshelfer zum Bremser der Erkenntnis in den Sozialwissenschaften?
ENGL. TITLE: Statistics - Helping or Hindering Progress in the Social Sciences?
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 44, 2004, S. 51-60.
KURZREFERAT: Die beschreibende und die schließende Statistik tragen unterschiedlich zur Erkenntnis in den Sozialwissenschaften bei. Während in der statistischen Lehre und Forschung die induktiven, mathematisch-statistischen Verfahren dominieren, wird in den Anwendungen vor allem Hilfe bei fundamentalen, vorgelagerten Definitions- und Messproblemen gebraucht. Dieses Ungleichgewicht hat dazu geführt, dass die herkömmliche Methodenwissenschaft von der Statistik die problemorientierten Sozialwissenschaften zuweilen eher bremst statt unterstützt.
STICHWORTE: Meßprobleme, schließende Statistik, statistische Trugschlüsse, deskriptive Statistik
ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: It is argued that descriptive statistics and statistical inference help the social sciences in different degrees. While there is still much need for further improvements in basic issues of definition and measurement, the marginal utility of conventional mathematical statistics might well by now be negative.
KEYWORDS: measurement, statistical fallacies, statistical inference, descriptive statistics
AUTOR/AUTHOR: Hans-Hermann Dubben and Hans-Peter Beck-Bornholdt
TITEL: Die Bedeutung der statistischen Signifikanz
ENGL. TITLE: The Meaning of Statistical Significance
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 44, 2004, S. 61-74.
KURZREFERAT: Zunächst die gute Nachricht: es besteht Hoffnung, dass in naher Zukunft die gewaltige und üblicherweise ungelesene Flut von mehr als 5000 biomedizinischen Publikationen mit so genannten „signifikanten“ Ergebnissen sich zu einem übersichtlichen und lesenswerten Bach gesundschrumpft. Die schlechte Nachricht: die vorherrschende Interpretation von p-Werten ist unkorrekt und begünstigt die Produktion „statistisch signifikanter“, aber falscher Ergebnisse. Stellen Sie sich eine perfekt durchgeführte klinische Studie vor. Die experimentelle Therapie zeigt eine höhere Überlebensrate als die Standardtherapie. Sie wissen, dass dieser Vorteil auch in methodisch perfekten Studien durch zufällige Schwankungen der Behandlungsergebnisse zustande gekommen sein kann. Deshalb stellen Sie einem Statistiker die klinisch relevante Frage: „Wie wahrscheinlich ist es, dass ich mich irre, wenn ich die experimentelle Therapie für besser halte?“ Nach ein paar Berechnungen kommt die Antwort: „Der beobachtete Unterschied ist statistisch signifikant (p=0,03).“ Damit ist ein wichtiges Kriterium für eine Publikation erfüllt, aber: Was bedeutet dieser Satz? Die Antwort des Statistikers bedeutet nicht, was die meisten glauben: „Wenn ich die experimentelle Therapie für besser als die Standardtherapie halte, beträgt die Irrtumswahrscheinlichkeit 3 Prozent.“ Der p-Wert ist nicht die Antwort auf Ihre Frage! Der p-Wert besagt lediglich: „Wenn beide Therapien in Wirklichkeit gleichwertig sind, dann kann die beobachtete (oder eine größere) Differenz mit 3 Prozent Wahrscheinlichkeit zufällig auftreten.“ Der Unterschied dieser beiden Sätze ist keine Haarspalterei, sondern möglicherweise der häufigste und schwerste Irrtum der biomedizinischen Forschung. Der zugrunde liegende Irrtum wird an einem alltäglichen Beispiel und anhand „statistisch signifikanter“ Ergebnisse erläutert. Es wird gezeigt, dass p-Werte allein kein Maß für wissenschaftliche Evidenz sind.
STICHWORTE: Statistische Signifikanz, Signifikanztest, Hypothesentest, p-Wert, Irrtumswahrscheinlichkeit, prädiktiver Wert, bayesianische Statistik, Bayes
ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: First the good news: there is reasonable hope, that in the near future the devastating and usually unread flood of more than 5,000 biomedical publications per day with alleged "significant" results will shrink to an easy to survey streamlet. The bad news: the prevailing interpretation of p-values is incorrect, making it easy to obtain "statistically significant" but false findings. Correcting this false interpretation is the key step towards the good news. Imagine the results of your clinical study (that is methodologically perfect) show higher survival rate in the experimental arm as compared to standard treatment. The observed difference might be a chance result due to random variations in treatment outcome. Therefore you consult your statistician raising the clinically relevant question: "How likely is it that I am wrong, when I consider the experimental therapy to be superior to the standard therapy?" After some calculations he replies: "The difference of your results is statistically significant (p=0.03)." With this, the most important criterion for publication is fulfilled, but: What does that sentence mean? The statistician's reply does not mean what most clinicians believe: "When I regard the experimental therapy as superior, the probability of being wrong is only 3 percent." The p-value is not the answer to your question! In fact it barely means: "If both therapy arms are actually equivalent, the probability to measure a difference as observed or bigger simply by chance is 3 percent." The difference between this two sentences is not hair-splitting but perhaps the most frequent and most severe error in modern biomedical research. The basic problem is elucidated with everyday examples and "statistically significant" results. It will be shown that p-values alone are a meaningless measure of evidence.
KEYWORDS: statistical significance, significance test, hypothesis test, p-value, error probability, predictive value, Bayesian statistics, Bayes
AUTOR/AUTHOR: Jürgen Rost
TITEL: Zählen oder Messen?
ENGL. TITLE: Counting or Scaling?
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 44, 2004, S. 75-92.
KURZREFERAT: In den empirischen Sozialwissenschaften werden Indikatoren ausgezählt und Itemantworten aufaddiert und die Anzahlen und Summen als Skalenwerte bestimmter Variablen bezeichnet. Das Rasch-Modell ist das einzige Modell für Fragebogendaten, bei dessen Geltung die ungewichtete Summe der Itemantworten die gesamte statistische Information in den Daten über den Ausprägungsgrad einer metrischen latenten Variable ausschöpft und die Items unterschiedliche Schwierigkeit besitzen können. Der Beitrag stellt den Ablauf einer Testanalyse nach dem derzeitigen Stand der Messtheorie von Rasch dar, dies jedoch unter der Voraussetzung, dass es keine präzise a priori-Hypothese über die psychometrische Struktur der analysierten Testitems gibt. Dabei kommen die folgenden Modelle bzw. Modelltypen zur Anwendung: Rasch-Modell, partial credit model, rating scale model, latent class analysis, Klassenmodelle für ordinale Daten, mixed Rasch-Modell und Hyb-rid-Modelle. Zur Illustration der Methoden einer Skalenanalyse, die quantifizierende wie klassifizieren-de Modelle einbezieht, wurden die neun Items zur Verhaltensbeurteilung aus dem ALLBUS 2002 ausgewählt. Diese Skalenanalyse hat zu vier Gruppen von Personen geführt, innerhalb derer das Auszählen von Summenscores eine sinnvolle Messoperation darstellt. Jede dieser Gruppen zeichnet sich durch ein spezifisches Antwortprofil aus, das gleichsam den Referenzrahmen für die Interpretati-on des Summenscores darstellt.
STICHWORTE: Datenanalyse, Skalierung, Skalenanalyse, Rasch-Modell, Analyse latenter Klassen, Hybrid-Modell
ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: In the empirical social sciences, indicators usually are counted, item responses are added, and the numbers obtained are taken as scale values of variables. The Rasch-model is the only model for questionnaire data, in which the non weighted sums of item responses represent the complete statistical information in the data with respect to the measures of the persons. In the present paper, the process of analysing test or questionnaire data according the Rasch-model and its generalisations is described. This is done under the condition that no precise a-priori-hypothesis of the psychometric structure of the test is given. In the course of this analysis a number of models is used, i.e. the Rasch-model, partial credit model, rating scale model, latent class analysis, latent class models for ordinal data, the mixed Rasch-model and hybrid-models. In order to illustrate the methods of scaling analysis, including quantitative and classifying models, nine items on behaviour evaluation have been chosen from the ALLBUS 2002. This scaling analysis has figured out four groups, in which counting the item responses is a meaningful operation of scaling. Each of these groups has its own specific profile of mean item responses, serving as a frame of references for the interpretation of the sum scores.
KEYWORDS: data analysis, scaling, scaling analysis, Rasch-model, latent class analysis, hybrid-model
AUTOR/AUTHOR: Heike Wirth and Walter Müller
TITEL: Mikrodaten der amtlichen Statistik - Ihr Potenzial in der empirischen Sozialforschung
ENGL. TITLE: Microdata from Official Sources. Its Research Potential for Empirical Social Research
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 44, 2004, S. 93-127.
KURZREFERAT: Mikrodaten der amtlichen Statistik stellen eine wesentliche Datenquelle für die empirische Sozial- und Wirtschaftsforschung dar. Ihr Analysepotenzial wird in Deutschland bislang nur wenig ausgeschöpft, weil Kenntnisse darüber in der Scientific Community nur sehr selektiv vorhanden sind und weil eine wissenschaftsadäquate Nutzung dieser Daten bis vor kurzem kaum möglich war. Mit Unterstützung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung werden gegenwärtig erhebliche Anstrengungen unternommen, um die amtlichen Datenbestände für die Forschung zu erschließen und den Zugang zu den Daten zu erleichtern. Der Beitrag gibt einen Überblick über Mikrodaten verschiedener amtlicher Einrichtungen in Deutschland, die für die empirische Wirtschafts- und Sozialforschung besonders bedeutsam sind. Er diskutiert ihre Stärken und Restriktionen und illustriert mit ausgewählten Beispielen aus der Forschungsliteratur das Analysepotenzial einzelner Datenbe-stände. Der Beitrag schließt mit einem Ausblick auf zukünftige Perspektiven der Nutzung von amtli-chen Mikrodaten.
STICHWORTE: amtliche Mikrodaten, amtliche Statistik, Datenbasis, Datenzugang, öffentlicher Datensatz, Sekundäranalyse, historische Datenanalyse
ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: Official microdata are next to science based databases an essential source for empirical social research. However, the research potential of official microdata is far from being fully exploited in Germany. This is partly due to previous restrictions in the access to such data, but partly also to lacking knowledge about its usefulness in many parts of the scientific community. Recently, with support of the Federal Ministry of Education and Research great efforts have been made to improve the access to official microdata. The present paper addresses the current potential of official microdata for empirical social research in Germany. It starts with a brief overview on the development of the legal conditions with respect to data access and then describes in general terms the strengths and weaknesses of various official microdata bases available in Germany. Their research potential is analysed by reviewing examples of recent major studies based on such data. Finally, the paper explores the future use of it in empirical social research.
KEYWORDS: official microdata, official statistics, database, data access, public use file, secondary analysis, research potential, historical data analysis
AUTOR/AUTHOR: Siegfried Gabler
TITEL: Gewichtungsprobleme in der Datenanalyse
ENGL. TITLE: Weighting Problems in Data Analysis
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 44, 2004, S. 128-147.
KURZREFERAT: In vielen Auswertungen empirischer Datensätze aus Umfragen wird das zugrundeliegende komplexe Stichprobenverfahren vernachlässigt und so getan, als wäre uneingeschränkt zufällig ausgewählt worden. Dies kann zu falschen Schlüssen führen. Neben den Punktschätzern werden insbesondere Varianzschätzungen und damit verbunden Konfidenzintervalle falsch berechnet. Die Verwendung von Gewichten erfordert allerdings Information über den Auswahlprozess und Annahmen über den Ausfallprozess. Die darauf beruhenden Design- und Anpassungsgewichte müssen für den Nutzer sinnvoll sein. Extremgewichte etwa sind zu vermeiden. Bei der Berücksichtigung des Auswahlverfahrens in multivariaten Modellen oder Tests erhält man statistisch gesehen richtige Aussagen, die auch in Bezug auf Abweichungen des Modells robust sind. Die inzwischen immer mehr gegebenen Möglichkeiten, in Analysen mit statistischen Softwareprogrammen das Design einzubinden, geben der Gewichtung eine vielversprechende Zukunft.
STICHWORTE: Designgewichte, Zellgewichte, Kalibrierung, Modell gestützte Analyse
ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: In the analysis of empirical data it is often assumed that the underlying sampling procedure is simple random sampling. But this is true only very seldom. Usually complex sample designs are used. The danger of drawing wrong conclusions is given not only for point estimators but also in computing variance estimators and confidence intervals. Weights should be assigned to respondent records to incorporate the sample design and adjustments for non-response and non-coverage. Extreme weights should be avoided. In the last years model-assisted approaches are developed in data analysis where the model specifies the parameter of interest, but all inference is based on the sample design. Fortunately, more and more statistical packages allow the user to take weights into consideration and include a model-assisted approach as part of the design-based approach.
KEYWORDS: design weights, cell weighting, calibration, model-assisted approach
AUTOR/AUTHOR: Sabine Häder and Axel Glemser
TITEL: Stichprobenziehung für Telefonumfragen in Deutschland
ENGL. TITLE: Designs for Telephone Survey Sampling in Germany
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 44, 2004, S. 148-171.
KURZREFERAT: Über 40 Prozent aller Interviews in der Marktforschung werden in Deutschland gegenwärtig telefonisch durchgeführt. Voraussetzung für eine hohe Qualität der Telefonumfragen ist die adäquate Generierung der Stichproben. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach einem geeigneten Auswahlrahmen für Telefonstichproben. Das Telefonbuch kann für die Stichprobenziehung nicht verwendet werden, weil es nicht vollständig ist. Zu viele Haushalte sind nicht eingetragen und unterscheiden sich in wesentlichen Merkmalen von den in das Telefonbuch eingetragenen. Im Folgenden werden Vor- und Nachteile alternativer Auswahlrahmen diskutiert und Designs für die Stichprobenbildung vorgestellt. In den letzten Jahren haben sich in Deutschland das Gabler-Häder-Design im akademischen Bereich und das ADM-Design in der kommerziellen Markt- und Sozialforschung als „state of the art“ etabliert. Die fortschreitende Entwicklung im Mobilfunksektor stellt beide Stichprobensysteme vor neue Probleme, für die Lösungen gefunden werden müssen.
STICHWORTE: Stichprobenziehung, Stichprobenplanung, Telefoninterview, Antwortrate, Gabler-Häder-Stichprobenplan, ADM-Stichprobenplan
ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: Currently, in Germany more than 40 percent of all interviews in market research are conducted by telephone. A prerequisite for a high quality of the telephone surveys is an appropriate generation of sample. Therefore, there is a need for an adequate sampling frame. The telephone book cannot be used due to under representation, too many households are not listed. Also unlisted households have different socio-demographic characteristics to listed households. The advantages and disadvantages of alternative sample frames will be discussed, as well as designs for telephone survey sampling. The Gabler-Häder-design for the academic world and the ADM-design for the professional market researcher are established as "state of the art" in Germany in the last couple of years. The ongoing development of mobile phones is a new challenge for both sampling systems.
KEYWORDS: sampling, sampling design, telephone interviewing, response rate, Gabler-Haeder-design, ADM-master sample
AUTOR/AUTHOR: Ulrich Pötter
TITEL: Probabilistische Selektionsmodelle
ENGL. TITLE: Probabilistic Selection Models
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 44, 2004, S. 172-202.
KURZREFERAT: Fehlende oder unvollständige Angaben in Umfragedaten sind unvermeidlich. Befragte geben manchmal keine Auskunft oder verweigern das Interview. Der Anteil der vollständigen Antworten ist selten größer als 40 Prozent. Was weiß man über die anderen 60 Prozent? Kann man problemlos die Angaben der 40 Prozent so behandeln als hätte man Angaben von allen ausgewählten Befragten? Probabilistische Selektionsmodelle sind ein Hilfsmittel, über Zusammenhänge zwischen erhaltenen und nicht erhaltenen Angaben nachzudenken. Ihre Anwendungsmöglichkeiten beschränken sich nicht auf die Analyse fehlender Angaben in Umfragen. Sie werden auch für die Untersuchung gruppierter, zensierter oder sonstiger unvollständiger Daten sowie für die Modellierung von Prozessen mit Selbstselektionen und die Evaluation von Maßnahmen benutzt. Nach einem kurzen Überblick über verschiedene Anwendungen wird zunächst diskutiert, welche Annahmen Selektionsmodellen zugrunde liegen. Es zeigt sich, dass die Verwendung probabilistischer Modelle auf Voraussetzungen verweist, die über empirisch zugängliche Annahmen über soziale Sachverhalte weit hinausgehen. Der Anteil modellimmanenter Spekulation kann allerdings verringert werden, wenn auch partielle Angaben der Befragten mit einbezogen werden. Die Grundlagen von Selektionsmodellen werden daher nicht nur für fehlende, sondern auch für gruppierte und vergröberte Angaben formuliert. Abschließend werden verschiedene Möglichkeiten der Sensitivitätsanalyse für probabilistische Selektionsmodelle dargestellt und die Beschränkungen enger Formulierungen demonstriert. Fehlende und gruppierte Einkommensangaben im ALLBUS 1996 dienen zur Illustration.
STICHWORTE: Stichprobentheorie, Antwortrate, unvollständige Daten, probabilistisches Selektionsmodell, Sensitivitätsanalyse
ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: Missing or incomplete data are a pertinent to any social survey. Interviewees do not answer some questions or refuse to participate at all. Nowadays, response rates in surveys rarely reach 40 percent. Can the answers of 40 percent of the selected individuals be treated as if one had answers from all of them? Probabilistic selection models can be used to speculate on the connexion between the attained information and the possible answers of the non-responders. These models can be extended to cover incomplete data such as grouped or censored data as well as processes of self-selection and the evaluation of social programmes. A brief review of some of these applications is given. Next, it is shown that the assumptions used in probabilistic selection models necessarily refer to concepts transcendenting empirically accessible social facts. However, the amount and impact of these assumptions can be reduced if possibly available additional incomplete information is fully used. Therefore, probabilistic selection models are formulated in a form that allows for grouped, censored and general coarsened data. Finally, several proposals for the sensitivity analysis of probabilistic selection models are presented and it is argued that approaches restricted to too small neighbourhoods of a given model can be quite misleading. Throughout, responses on income questions obtained in the German ALLBUS 1996 are used as an illustration.
KEYWORDS: sampling theory, response rate, incomplete data, probabilistic selection model, sensitivity analysis
AUTOR/AUTHOR: Norbert Schwarz and Bärbel Knäuper
TITEL: Kognitionspsychologie und Umfrageforschung: Altersabhängige Kontexteffekte
ENGL. TITLE: Cognition and Survey Methodology: Age-sensitive Context Effects
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 44, 2004, S. 203-216.
KURZREFERAT: Die Kooperation von Kognitionspsychologen und Umfrageforschern hat zu einem guten Verständnis der kognitiven und kommunikativen Prozesse geführt, die Kontexteffekten in Umfragen zugrunde liegen. Auf dieser Basis können Vorhersagen über differentielle Kontexteffekte abgeleitet werden, wie wir am Beispiel altersabhängiger Kontexteffekte zeigen. Generell nehmen Fragereihenfolgeeffekte mit dem Alter ab, aber Antwortreihenfolgeeffekte mit dem Alter zu. Beide Effekte sind auf altersabhängige Minderungen der Gedächtnisleistung zurückzuführen. Ebenso nehmen Kontexteffekte bei Verhaltensberichten mit dem Alter zu, es sei denn das Verhalten ist von hoher persönlicher Relevanz. Die Größe der beobachteten Einflüsse kann ausreichen, die ordinale Platzierung von Altersgruppen umzukehren. Jeder beobachtete Altersunterschied in Einstellungs- und Verhaltensberichten kann a) reale Unterschiede, b) differentielle methodische Einflüsse oder c) eine unbekannte Mischung beider widerspiegeln.
STICHWORTE: Umfragemethodologie, Alterseffekte, Kontexteffekte, Kognition, Einstellungsmessung, Verhaltensberichte
ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: The collaboration of cognitive psychologists and survey methodologists resulted in an increased understanding of the cognitive and communicative processes underlying context effects in self-reports. This understanding set the stage for a theoretical analysis of differential context effects, as we illustrate for age-sensitive context effects. Specifically, we find that question order effects decrease with age, whereas response order effects increase with age. Both observations can be traced to age-related changes in working memory function. Similarly, context effects on behavioral frequency reports increase with age, unless the behavior is of high personal relevance. The size of the observed effects is often sufficient to reverse the ordinal placement of age groups. Any observed age difference in reported attitudes and behavior may reflect (a) a difference in the phenomenon under study, (b) a difference in the response process, or (c) an unknown mix of both.
KEYWORDS: survey methodology, age effects, context effects, cognition, attitude measurement, behavioral frequency reports
AUTOR/AUTHOR: Mick P. Couper and Elisabeth Coutts
TITEL: Online-Befragung. Probleme und Chancen verschiedener Arten von Online-Erhebungen
ENGL. TITLE: Online Surveys: An Updated Review of Issues and Approaches
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 44, 2004, S. 217-243.
KURZREFERAT: In den letzten fünf Jahren hat die Anzahl der durchgeführten Online-Befragungen weiter zugenommen. Gleichzeitig ist die Zahl der Veröffentlichungen zu methodischen Problemen und Verfahren der Web-Befragungen gestiegen. Aufbauend auf der Arbeit von Couper (2000) werden hier zunächst die Hauptfehlerquellen von Befragungen im Allgemeinen und deren spezifische Ausprägung bei Online-Surveys im Besonderen dargestellt. Hierzu gehören Probleme wie Unterschiede in der Internet-Nutzung zwischen sozialen Gruppen, des Nonresponse und Fehler aufgrund der Gestaltung der Erhebungsinstrumente. Anschließend werden die Arten von Online-Befragungen typisiert, wobei zunächst zwischen nicht-zufallsgesteuerten und zufallsgesteuerten Methoden unterschieden wird. Abschließend werden Möglichkeiten und Grenzen webbasierter Surveys vor dem Hintergrund neuer Forschungsergebnisse diskutiert.
STICHWORTE: Online-Befragung, Internet-Umfrage, Fehlerquellen bei Umfragen, Abdeckung, Antwortquote, Nonresponse
ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: In 2000, Couper reviewed research and practices on web surveys. Since then, the popularity of online surveys has grown, along with the body of research on sources of error in web surveys and development of a set of best practices. This article builds on Couper’s (2000) review article in providing an overview of the main sources of survey error and their impact on online studies. These include variations in internet use among different population subgroups, issues involved in sampling the internet population, nonresponse and measurement error. A typology is then presented of the kinds of web surveys in common use, distinguishing between non-probability and probability surveys. The possibilities and limitations of each of those approaches are discussed in light of recent findings.
KEYWORDS: online survey, web survey, survey error, coverage, response rate, nonresponse
AUTOR/AUTHOR: Christoph Wolf
TITEL: Egozentrierte Netzwerke. Erhebungsverfahren und Datenqualität
ENGL. TITLE: Egocentric Networks. Data Collection and Data Quality
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 44, 2004, S. 244-273.
KURZREFERAT: Gegenstand dieses Beitrags sind Verfahren zur Erhebung egozentrierter Netzwerke in standardisierten Massenumfragen. Nach einer kurzen Skizzierung der verschiedenen Traditionen sozialwissenschaftlicher Netzwerkforschung folgt eine ausführliche Beschreibung der verschiedenen Methoden, die zur Erhebung egozentrierter Netzwerke entwickelt wurden. Den Schwerpunkt dieser Darstellung bilden Verfahren, die mit Namensgeneratoren arbeiten, also Instrumente, mit denen nach den Namen bestimmter Personen gefragt wird. Im zweiten Teil der Arbeit wird die Validität und Reliabilität egozentrierter Netzwerkdaten diskutiert. Es werden Ergebnisse zur Qualität von Netzwerkgeneratoren, zur Qualität von Proxi-Angaben der Befragten über ihre Netzwerkpersonen sowie zur Qualität von Beziehungsmerkmalen berichtet. Außerdem wird die Auswirkung der Erhebungsmethode und des Interviewerverhaltens auf die Güte egozentrierter Netzwerkdaten untersucht. Der Artikel endet mit Empfehlungen zur Erhebung egozentrierter Netzwerke.
STICHWORTE: egozentriertes Netzwerk, Umfrageforschung, Datenqualität, Datenerhebung, Interview, Namensgeneratorfrage, Zuverlässigkeit, Gültigkeit
ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: This article focuses on the techniques for the collection of egocentric network data in standardized mass surveys. After a short presentation of the different traditions of network research a detailed description of the different data collection methods for egocentric networks is given. The emphasize of the discussion lies on techniques that employ name generators, i.e. questions asking for names of contact persons. The second part of the paper is concerned with the quality of egocentric network data. Results related to the validity and reliability of name generator questions, the quality of proxi-measures for characteristics of network persons and relationships are discussed. Similarly, information regarding the quality effects of the mode of data collection and of interviewer behavior are investigated. The article closes with recommendations for surveying egocentric networks.
KEYWORDS: egocentric network, survey research, data quality, data collection, interview, name generator question, validity, reliability
AUTOR/AUTHOR: Frans N. Stokmann and Manuela Vieth
TITEL: Was verbindet uns wann mit wem? Inhalt und Struktur in der Analyse sozialer Netzwerke
ENGL. TITLE: What Binds Us When With Whom? Content and Structure in Social Network Analysis
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 44, 2004, S. 274-302.
KURZREFERAT: Die Analyse sozialer Netzwerke erfreut sich wachsender Beliebtheit. Häufig wird dabei das Konzept des sozialen Kapitals verwendet. Damit wird auf die Möglichkeiten hingewiesen, die soziale Netzwerke Gruppen und Individuen zur Verwirklichung ihrer Ziele bieten. In diesem Artikel wird dargelegt, dass sich die meisten Netzwerkstudien zu sehr auf die Netzwerkstruktur konzentrieren. Diese Studien vernachlässigen, dass ihre Ergebnisse kontextspezifisch sind. Denn die Befunde hängen davon ab, welche Ziele die Akteure gerade anstreben und welche Arten von Beziehungen untersucht werden. Dies führt zu einer Zersplitterung der Netzwerkansätze, ohne dass die Bedingungen angegeben werden, unter denen sie angewandt werden können. In diesem Artikel wird eine Heuristik vorgeschlagen, die es ermöglicht, verschiedene Netzwerkansätze miteinander zu verbinden. Dazu wird der Schwerpunkt der Analyse auf diejenigen Ziele von Akteuren gelegt, die nicht durch eine Person allein verwirklicht werden können und somit zu gemeinschaftlicher Produktion und Nutzung von Gütern führen. Dabei werden ausdrücklich materielle Ziele sowie hedonistische Ziele („sich wohlfühlen“) und normative Ziele („sich angemessen verhalten“) mit einbezogen. Mit Hilfe dieser Heuristik kann für die Analyse sozialer Netzwerke die Kombination von Prozessen und dazugehörigen Beziehungen ausgewählt werden, die in einer gegebenen Situation eine Rolle spielen. Sie führt zu Theorien und Hypothesen darüber, was von welchem Netzwerk unter welchen strukturellen Voraussetzungen warum produziert wird. Die analytische Stärke der Heuristik wird in zwei völlig unterschiedlichen Kontexten vorgeführt, nämlich zum einen bei Netzwerken für Strategieentscheidungen in der Politik und in Organisationen zum anderen bei Freundschaftsnetzwerken.
STICHWORTE: Soziales Kapital, Netzwerk-Austauschtheorie, Normen, Politiknetzwerke, Netzwerke in Organisationen, Freundschaftsnetzwerke, kollektive Entscheidungsfindung, gemeinschaftliche Produktion
ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: In the increasingly popular field of social network analysis, the concept of social capital is often used to indicate the opportunities social networks give to groups and individuals for the realization of their goals. In this article it is argued that most network studies concentrate too much on network structure and neglect that their findings are context specific, depending on which goals are at stake and which types of relationships are studied. The effect is a fragmentation of network approaches without a specification under which conditions they are appropriate. In this article a heuristic is proposed that enables an integration of network approaches. This is done by giving analytic primacy to actors' goals that cannot be realized in isolation and thus lead to joint production and sharing. The heuristic explicitly incorporate material gain goals, hedonic goals ("feeling good") and normative goals ("behaving appropriately"). The heuristic guides the selection of the combination of processes and corresponding social network relationships that matter in a given setting. It leads to theories and hypotheses on what is produced by which network under which structural conditions and why. The analytic power of the heuristic is illustrated in two completely different contexts, namely policy networks and friendship networks.
KEYWORDS: social capital, network exchange theory, norms, policy networks, networks in organizations, friendship networks, collective decision making, joint production
AUTOR/AUTHOR: Uwe Engel and Julia Simonson
TITEL: Sozialer Kontext in der Mehrebenenanalyse
ENGL. TITLE: Social Context in Multi-Level-Analysis
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 44, 2004, S. 303-329.
KURZREFERAT: Der Beitrag behandelt Fragestellungen und Grundlagen der Kontextanalyse und zeigt, wie das Instrumentarium der statistischen Mehrebenenanalyse für Kontextanalysen eingesetzt werden kann. Zunächst werden Ziele und Einsatzgebiete der Mehrebenenanalyse beschrieben, es folgt die Darstellung einiger Grundlagen der hierarchischen linearen Regression, darauf aufbauend wird die strukturelle Analyse und Identifizierung von Kompositionseffekten behandelt. Modelle für Querschnitts- und Paneldaten werden vorgestellt. Abschließend wird ein Ansatz für die Analyse von kategorialen abhängigen Variablen dargestellt. Zur Illustration der Modelle werden Statusinkonsistenz- und relationale Inkongruenzeffekte auf verschiedene Indikatoren sozialer Integration mit Daten aus vier Wellen des Sozioökonomischen Panels aus den Jahren 1998 bis 2001 geschätzt.
STICHWORTE: Kontextanalyse, Mehrebenenanalyse, Kompositionseffekte, strukturelle Analyse, Paneldaten, Wachstumskurven, Statusinkonsistenz, SOEP
ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: The paper deals with contextual analysis and shows how to employ multilevel modelling techniques for purposes of carrying out such analyses. First, basic ideas for the analysis of hierarchically structured data are introduced along with a review of areas of applied multi-level modelling. Then part II presents some basics of the hierarchical linear regression approach, followed by a third part on structural analysis and compositional effects. Part IV presents models for cross-sectional and panel data. Finally, part V addresses a multilevel approach for the analysis of categorical dependent variables. For illustrative purposes, up to four waves of the German Socioeconomic Panel were used to estimate multilevel models for the effects of individual status inconsistency and household-level status incongruency on a couple of social integration indicators.
KEYWORDS: contextual analysis, multilevel analysis, compositional effects, structural analysis, panel data, growth curves, status inconsistency, GSOEP
AUTOR/AUTHOR: Josef Brüderl and Stefani Scherer
TITEL: Methoden zur Analyse von Sequenzdaten
ENGL. TITLE: Methods for Analyzing Sequence Data
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 44, 2004, S. 330-347.
KURZREFERAT: Dieser Artikel gibt einen Überblick über Methoden zur Analyse von Sequenzdaten. Er behandelt die Darstellung von Lebensverläufen als Sequenzen, Optimal-Matching Analyse und soziologische Anwendungen der Sequenzdatenanalyse. Zwei exemplarische Anwendungen zum Übergang von der Schule in den Beruf und zur Pluralisierung partnerschaftlicher Lebensformen geben einen Einblick in das Analysepotential dieser Verfahren. Zum Schluss geht der Beitrag auf die Diskussion um das Optimal-Matching Verfahren ein.
STICHWORTE: Datenanalyse, Lebensverlauf, Sequenzdaten, Optimal-Matching-Analyse
ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: This article surveys methods for analyzing sequence data. It deals with the representation of life-courses as sequences, with optimal matching analysis, and sociological applications of sequence data methods. Two applications on the transition from school to work and on the diversity of living arrangements give a sense for the power of these methods. The final section discusses the analytical potential of optimal matching analysis.
KEYWORDS: data analysis, life course, sequence data, optimal matching analysis
AUTOR/AUTHOR: Richard Münch and Tina Guenther
TITEL: Verweildauern und Übergangsraten bei mehreren Folgezuständen
ENGL. TITLE: Durations and Rates in Competing Risk Situations
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 44, 2004, S. 348-367.
KURZREFERAT: Der Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, wie bei Episoden, die durch Ereignisse unterschiedlicher Art („konkurrierende Risiken“) enden können, Verweildauern ermittelt und dargestellt werden können. Es wird gezeigt, dass die Verwendung des Kaplan-Meier-Verfahrens bei Episoden dieser Art zu Pseudo-Survivorfunktionen führt, die keine sinnvoll interpretierbaren Darstellungen von Verweildauern liefern. Als Alternative werden Anteilsfunktionen vorgeschlagen, die ebenfalls mit teilweise zensierten Daten berechnet werden können. Zur Illustration dient ein Simulationsmodell für die Dauer von Ehen, die durch eine Scheidung oder den Tod eines Ehepartners enden können.
STICHWORTE: Episoden-Verweildauer, Survival-Analyse, Kaplan-Meier-Verfahren, konkurrierende Risiken
ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: The paper discusses the definition and estimation of durations if episodes can end in several different destination states. It is shown that the Kaplan-Meier procedure leads to pseudo survivor functions which have no meaningful interpretation in terms of durations. As an alternative, the papers proposes to use time-dependent functions which directly capture the proportion of objects moving into the different destination states. To illustrate the argument, the papers uses a simulation model for the duration of marriages which can end in divorce or widowhood.
KEYWORDS: duration of episodes, survival analysis, Kaplan-Meier procedure, competing risk situations
AUTOR/AUTHOR: Henriette Engelhardt
TITEL: Kausalanalysen mit separaten und zusammengefassten Zeitreihen
ENGL. TITLE: Causal Analysis with Single and Pooled Time Series
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 44, 2004, S. 368-395.
KURZREFERAT: Zeitreihen gewinnen als Datenmaterial für empirische Studien im Bereich der Sozialwissenschaften eine immer größere Bedeutung. Häufig werden nicht nur Zeitreihen verschiedener Merkmale zusammengeführt, sondern auch Zeitreihen verschiedener Untersuchungseinheiten. Die Datenstruktur dieser zusammengefassten Zeitreihen ähnelt der Struktur von Paneldaten. Während sich die klassischen Paneldaten durch viele Beobachtungseinheiten und wenige Zeitpunkte auszeichnen, sind zusammengefasste Zeitreihen durch relativ wenige Fälle und viele Zeitpunkte gekennzeichnet. In diesem Übersichtsartikel werden multiple Regressionsmodelle für separate und zusammengefasste Zeitreihen vorgestellt und verschiedene Modellvarianten betrachtet. Anschließend werden spezifische Schätzprobleme diskutiert, die sich primär aus spezifischen Zeitreiheneigenschaften ergeben. Als Illustration zu den theoretischen Ausführungen der Analyse zusammengefasster Zeitreihen dient die Analyse des Effektes von Frauenerwerbstätigkeitsraten auf die Fertilität in 22 OECD-Ländern im Zeitraum 1960-2000.
STICHWORTE: Zeitreihen, zusammengefasste und separate Zeitreihen, Kausalananlyse, Regressionsanalyse, Schätzprobleme, Frauenerwerbstätigkeit, Fertilität
ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: Time series are gaining increasing importance as databases for empirical research in the social sciences. Often it is not only diverse variables of time series data which are cumulated, but also time series of different research units. The structure of the data which have been combined into these pooled time series is very similar to the structure of panel data. While typical panel data are characterised by many research units but only few points in time, pooled time series are characterised by only a few research units and many time points. This review article examines multiple regression analyses for single and pooled time series and various versions of these schemes. Specific estimation problems are discussed which stem primarily from specific attributes of the time series data. We illustrate the analysis of pooled time series using data on the effect of women’s employment on fertility in 22 OECD countries (1960-2000).
KEYWORDS: time series, pooled and single time series, causal analysis, regression analysis, estimation problems, women’s employment, fertility
AUTOR/AUTHOR: Markus Gangl and Thomas DiPrete
TITEL: Kausalanalyse durch Matchingverfahren
ENGL. TITLE: Matching Methods for the Causal Analysis of Observational Data
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 44, 2004, S. 396-420.
KURZREFERAT: Auf Grund ihrer Nähe zum Konzept kontrafaktischer Kausalität haben nichtparametrische Matchingverfahren in der neueren statistischen und ökonometrischen Literatur zur Kausalanalyse an Bedeutung gewonnen. Vor diesem Hintergrund führt der Beitrag das Rubin Causal Model (RCM) in die soziologische Methodendiskussion ein und diskutiert seine empirische Umsetzung im Rahmen des Propensity Score Matchings. Der Beitrag verdeutlicht die Relevanz dieser Verfahren für soziologische Fragestellungen sowie die ihnen im Vergleich zu üblichen Regressionsverfahren zu Grunde liegenden Annahmen. Wir illustrieren die Anwendung von Matchingverfahren anhand einer Analyse des kausalen Effekts von Arbeitslosigkeit auf den weiteren Erwerbsverlauf.
STICHWORTE: Matchingverfahren, Kausalanalyse, nichtparametrische Verfahren, Beobachtungsdaten, Rubin Causal Model, Propensity Score Matching, Regressionsanalyse
ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: Having close linkages with the counterfactual concept of causality, nonparametric matching estimators have recently gained in popularity in the statistical and econometric literature on causal analysis. Introducing key concepts of the Rubin causal model (RCM), the paper discusses the implementation of counterfactual analyses by propensity score matching methods. We emphasize the suitability of the counterfactual framework for sociological questions as well as the assumptions underlying matching methods relative to standard regression analysis. We then illustrate the application of matching estimators in an analysis of the causal effect of unemployment on workers’ subsequent careers.
KEYWORDS: matching methods, causal analysis, nonparametric estimators, observational data, Rubin causal model, propensity score matching, regression analysis
AUTOR/AUTHOR: Ben Jann
TITEL: Diagnostik von Regressionsschätzungen bei kleinen Stichproben
ENGL. TITLE: Regression Diagnostics in Small Samples
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 44, 2004, S. 421-452.
KURZREFERAT: Wie alle anderen statistischen Verfahren konzentriert sich auch die Methode der Regression nur auf die Analyse ausgewählter Aspekte vorliegenden Datenmaterials. Entsprechend sind zu gegebenen Regressionsergebnissen ganz unterschiedliche Datenkonstellationen denkbar, wovon aber für die Interpretation der Ergebnisse nicht alle unproblematisch sind. So besteht besonders bei kleinen Stichproben die Gefahr, dass die Regressionsschätzung entscheidend von einzelnen Extremwerten abhängt, was die Verlässlichkeit der daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen beeinträchtigt. In diesem Beitrag werden deshalb anhand von Beispielen einige einfache grafische und formale Instrumente zur Diagnose einflussreicher Datenpunkte vorgestellt, die im Prozess der Datenanalyse standardmäßig angewendet werden sollten. Weiterhin werden nach Identifikation „atypischer“ Datenpunkte zu verfolgende Analysestrategien diskutiert.
STICHWORTE: Datenanalyse, Regressionsanalyse, Zuverlässigkeit, Extremwerte, kleine Stichproben, robuste Regression
ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: Like all other statistical procedures, regression methods focus on the analysis of only select aspects of the data material at hand. Accordingly, a given set of regression results may result from many different data constellations, not all of which lend themselves to straightforward interpretation. Particularly in small samples, regression estimates may, for example, depend critically on a few extreme data points, a situation in which the reliability of the conclusions derived from the regression analysis is greatly reduced. In this contribution, I will therefore introduce a few simple graphical and formal instruments for the diagnosis of in?uential data. These tools should be applied to data analysis as a matter of course. The steps to be taken after the identi?cation of “atypical” cases are also discussed.
KEYWORDS: data analysis, regression analysis, reliability, extreme data points, small samples, robust regression
AUTOR/AUTHOR: Udo Kuckartz
TITEL: Computerunterstützte Analyse qualitativer Daten
ENGL. TITLE: Computer Aided Analysis of Qualitative Data
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 44, 2004, S. 453-478.
KURZREFERAT: Die Auswertung qualitativer Daten wird zunehmend mit Hilfe von EDV-Programmen (QDA-Software) durchgeführt. Der Beitrag behandelt die grundlegenden Analysetechniken, in deren Mittelpunkt eine kategorienbasierte systematische Erschließung des Textmaterials steht. In den Anfängen leistete QDA-Software primär die Segmentierung und Codierung des Materials mit anschließender Synopse der zu einer Kategorie codierten Segmente, mittlerweile gehört auch die Suche nach komplexen Mustern und die Visualisierung von Zusammenhängen in den Daten zum methodischen Repertoire. Anhand eines Beispiels aus der Forschungspraxis werden der Analyseprozess und seine verschiedenen Phasen skizziert und neuartige Formen der Visualisierung von Codes und ihren Relationen vorgestellt. Abschließend werden die in der Methodendiskussion thematisierten verschiedenen Facetten des Einsatzes von QDA-Methoden dargestellt, insbesondere die Effekte auf die Forschungspraxis und die Qualität qualitativer Forschung. Die neuen Techniken ermöglichen eine methodische Kontrolliertheit und Nachvollziehbarkeit der Analyse, die für die früher eher auf anekdotische Evidenz angewiesenen qualitativen Analyseverfahren einen beträchtlichen Gewinn darstellen kann.
STICHWORTE: Computerunterstützte Datenanalyse, QDA-software, qualitative Forschung, Datenqualität
ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: More and more computer software is used for the analysis of qualitative data (QDA-software). The article presents the basic techniques of QDA-analysis that are centred around systematic categorisation of the textual material. In the beginning QDA software offered primarily code-and-retrieve procedures. Chunks of text were coded and later on a synopsis of segments coded with the same category could be done. Modern QDA-software allows much more, e.g. searching for complex patterns of codes and visualising relationships between codes. Finally the article reviews the discourse on the methodological questions related to these new techniques of computer-assisted analysis, particularly the effect on the research process and the question of quality of qualitative data. It will be argued that the new techniques offer a chance for more accuracy and for a more systematic analysis of qualitative data, which overcomes the anecdotic evidence that has often be criticised in the past.
KEYWORDS: computer aided data analysis, QDA-software, qualitative data, quality of data
AUTOR/AUTHOR: Michael Wagner und Bernd Weiß
TITEL: Meta-Analyse als Methode der Sozialforschung
ENGL. TITLE: Meta-Analysis as a Method of Social Research
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 44, 2004, S. 479-504.
KURZREFERAT: In der empirischen Sozialforschung unterscheidet man gewöhnlich Primär- von Sekundäranalysen. Mittlerweile hat sich ein dritter Typus empirischer Sozialforschung etabliert, der von Glass (1976) Meta-Analyse genannt wurde. Es handelt sich hierbei um eine statistische Analyse empirischer Befunde, die aus voneinander unabhängigen Studien stammen. Meta-Analysen werden mit dem Ziel vorgenommen, publizierte empirische Befunde aus Primär- oder Sekundäranalysen zusammenzufassen und mögliche Unterschiede in den Ergebnissen verschiedener Studien aufzuklären. Der vorliegende Beitrag verfolgt drei Ziele: Erstens soll die Meta-Analyse als ein Forschungsprozess aufgefasst werden, der von der Problemstellung über die Datenerhebung bis hin zur Interpretation der Ergebnisse reicht. Zweitens wird dargestellt und durch Beispiele illustriert, welche verschiedenen Verfahren bei der Synthese von Befunden angewandt werden. Der Beitrag schließt mit einer Diskussion methodologischer Schwierigkeiten und der Frage nach dem Anwendungspotential für die Soziologie.
STICHWORTE: Meta-Analyse, Primärforschung, Sekundäranalyse, Forschungsprozess, Datenerhebung, Datenanalyse
ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: In empirical social research, we usually distinguish between primary and secondary analyses. In the last two decades, a third type of empirical social research, called meta-analysis (Glass 1976), has been developed. Meta-analysis is the statistical analysis of the empirical results of independent studies. The aim of meta-analysis is to summarize the empirical results from primary or secondary analyses and to explain (possible) discrepancies between these results. The article focuses on three goals: first, we demonstrate that meta-analysis covers the whole research process starting with the phrasing of a problem, followed by data collection and statistical analyses, and ending with the interpretation of results. Second, we show various methods used for the synthesis of results, including examples. Finally, we discuss methodological problems and the potential use of meta-analysis in sociology.
KEYWORDS: meta-analysis, primary analysis, secondary analysis, research process, data collection, statistical analysis
AUTOR/AUTHOR: Klaus G. Troitzsch
TITEL: Dynamische Systemmodelle
ENGL. TITLE: Dynamic Models of Systems
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 44, 2004, S. 505-535.
KURZREFERAT: Nach einem kurzen Überblick über die Geschichte der sozialwissenschaftlichen formalen Modellierung und über die verschiedenen Arten von Ansätzen der Computersimulation, die in den letzten 40 Jahren verfolgt worden sind, charakterisiert der Beitrag zwei grundlegend unterschiedliche Typen formaler Modellierung: Einerseits ist Simulation nicht mehr als die numerische Lösung mathematischer Gleichungssysteme, von denen die interessantesten meist keine analytische Lösung haben und über die man ohne numerische Simulation kaum etwas aussagen könnte. Hierher gehört vor allem der System-Dynamics-Ansatz, der vor 30 Jahren durch die Weltmodelle des Club of Rome bekannt geworden ist. Andererseits kann man von Computersimulation im eigentlichen Sinne erst sprechen, wenn die Möglichkeiten moderner, z.B. objektorientierter Softwaresysteme in der Weise ausgeschöpft werden, dass alle möglichen realweltlichen Entitäten auf programmiersprachliche Objekte abgebildet werden, die dann im Simulationsmodell auf ähnliche Weise miteinander in gegenseitige Abhängigkeiten treten, wie dies die jeweils entsprechenden realweltlichen Entitäten auch tun. Hierzu gehören Mehrebenenmodelle, die klassische Mikrosimulation, zellulare Automaten und vor allem die Multiagentenmodelle.
STICHWORTE: Computersimulation, formale Modellierung, System-Dynamics-Ansatz, Mehrebenenmodell, Mikrosimulation, zellulare Automaten, Multiagentenmodell
ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: After a short survey of the history of formal models in the social sciences and of different approaches of computer simulation used during the past four decades, this chapter discusses two fundamentally different types of formal process modelling. On the one hand, simulation is not more than the numerical solution of systems of mathematical equations. The most interesting of these do not have analytical solutions such that without numerical simulation no conclusions could be drawn from the mathematical model. One of the representatives of this type is system dynamics which became famous 30 years ago when the Club of Rome sponsored research into the dynamics of growth in a finite world. On the other hand, one should not talk about computer simulation in a strict sense unless one makes uses of the possibilities of modern, object-oriented software and represents the real-world entitites of one's target system with more or less autonomous software objects which depend on each other in the same manner as do the respective real-world entities. Multilevel simulation, the classical microanalytic simulation, cellular automata and, particularly, multi-agent models belong to this latter class of simulation models.
KEYWORDS: computer simulation, formal process modelling, system dynamics, multilevel simulation, microanalytic simulation, cellular automata, multi-agent models
AUTOR/AUTHOR: Andreas Flache and Michael W. Macy
TITEL: "Bottom-up" Modelle sozialer Dynamiken. Agentenbasierte Computermodellierung und methodologischer Individualismus
ENGL. TITLE: „Bottom-up“ Models of Social Dynamics. Agent-based Computer Models and Methodological Individualism
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 44, 2004, S. 536-559.
KURZREFERAT: Agentenbasierte Computermodellierung ist ein noch junger Ansatz, der theoretisch zu modellieren versucht, wie komplexe soziale Makrodynamiken durch Interaktionen autonomer, aber interdependenter individueller Akteure („Agenten“) „bottom-up“ entstehen. Unser Beitrag beschreibt die zentralen Prinzipien agentenbasierter Computermodellierung und setzt sie dann zum Paradigma des methodologischen Individualismus in Beziehung. Wir argumentieren, dass die agentenbasierte Computermodellierung methodologischen Individualisten ein Werkzeug bietet, das die Striktheit formaler Modellbildung mit einer größeren Freiheit in der Wahl der Verhaltensannahmen verbinden kann als es der alternative Ansatz der formalen Spieltheorie erlaubt. Wir illustrieren diese These an einem Vergleich agentenbasierter Modelle sozialer Ordnung mit spieltheoretischen Analysen. Dabei werden insbesondere Modelle besprochen, die den Einfluss von stabilen Beziehungen, Netzwerkstrukturen und Verhaltensmechanismen auf spontan entstehende soziale Ordnung untersuchen. Wir schließen unseren Beitrag mit einer Diskussion methodologischer Prinzipien für eine fruchtbare Anwendung agentenbasierter Computermodellierung in der Sozialtheorie ab.
STICHWORTE: agentenbasierte Modellierung, Computermodellierung, Computersimulation, Spieltheorie, soziale Ordnung, methodologischer Individualismus
ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: Agent-based computer modeling is a new approach that aims to model theoretically how complex social macrodynamics emerge from the interactions of autonomous, yet interdependent individual actors (“agents”). Our contribution describes the main principles of the agent-based computer modeling and discusses its relationship to methodological individualism. We argue that agent-based computer modeling offers to methodological individualists a tool that allows combining the rigor of formal modeling with more freedom in the choice of behavioral assumptions than formal game theory does. We illustrate this with a comparison of game theoretical and agent-based models of emergent social order. We discuss in particular models that address the effect of relational stability, network structure and behavioral assumptions on spontaneous social order. We conclude our contribution with a discussion of methodological principles that agent-based modelers should adhere to in order to fully exploit the potential of this method for social theory.
KEYWORDS: agent-based modeling, computational modeling, computer simulation, game theory, social order, methodological individualism
AUTOR/AUTHOR: Werner Raub and Vincent Buskens
TITEL: Spieltheoretische Modellierungen und empirische Anwendungen in der Soziologie
ENGL. TITLE: „Bottom-up“ Models of Social Dynamics. Agent-based Computer Models and Methodological Individualism
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 44, 2004, S. 560-598.
KURZREFERAT: Die Spieltheorie ist ein Instrument zur Beschreibung und Analyse von sozialen Situationen, in denen Akteure interdependent, also voneinander wechselseitig abhängig sind. In unserem Beitrag präsentieren wir nach einer Skizze zentraler Konzepte und Annahmen der Spieltheorie einige Beispiele für Anwendungen spieltheoretischer Modellierungen in der Soziologie. Diese Anwendungen betreffen ein zentrales Thema der soziologischen Theorie und spezieller Soziologien wie der Organisations-, Wirtschafts- und Rechtssoziologie, nämlich Effekte sozialer Bedingungen auf Vertrauen und Kooperation und die Organisation des wirtschaftlichen Handelns und des ökonomischen Tauschs. Wir zeigen, wie spieltheoretische Modellierungen zu empirisch prüfbaren Hypothesen führen, und präsentieren Überprüfungen aus unterschiedlich angelegten Studien, nämlich einer Feldstudie, einer Vignettenstudie und einem Experiment. Wir wollen also mit Hilfe von Beispielen zeigen, dass spieltheoretische Modellierungen einen Beitrag leisten können zur Integration von systematischer Theoriebildung in Gestalt des Rational Choice-Ansatzes und empirischer Forschung in der Soziologie.
STICHWORTE: agentenbasierte Modellierung, Computermodellierung, Computersimulation, Spieltheorie, soziale Ordnung, methodologischer Individualismus
ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: Agent-based computer modeling is a new approach that aims to model theoretically how complex social macrodynamics emerge from the interactions of autonomous, yet interdependent individual actors (“agents”). Our contribution describes the main principles of the agent-based computer modeling and discusses its relationship to methodological individualism. We argue that agent-based computer modeling offers to methodological individualists a tool that allows combining the rigor of formal modeling with more freedom in the choice of behavioral assumptions than formal game theory does. We illustrate this with a comparison of game theoretical and agent-based models of emergent social order. We discuss in particular models that address the effect of relational stability, network structure and behavioral assumptions on spontaneous social order. We conclude our contribution with a discussion of methodological principles that agent-based modelers should adhere to in order to fully exploit the potential of this method for social theory.
KEYWORDS: agent-based modeling, computational modeling, computer simulation, game theory, social order, methodological individualism
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