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Hg.: Claus Wendt und Christopf Wolf
Soziologie der Gesundheit

Sonderheft 46/2006 der KZfSS

Umschlagtext:

Die Untersuchung von "Gesundheit" und "Krankheit" ist ein zentraler Gegenstand der Soziologie, insofern es hier um besonders prägnante Lebenschancen bzw. deren Risiken geht. In den Beiträgen des Bandes werden zum einen klassische Themen der Medizin- bzw. Gesundheitssoziologie aufgegriffen und deren Fortschritte dokumentiert. Zum anderen werden Themenfelder vorgestellt, auf denen sich für die Gesundheitssoziologie in den letzten Jahren neue Perspektiven eröffnet haben. Insgesamt umfasst der Band die "Grundlagen soziologischer Gesundheitsforschung", "Sozialstrukturelle und kulturellle Einflüsse auf Krankheit und Gesundheit", "Soziales Handeln und Gesundheit", "Gesundheitssystem und Gesundheitspolitik" sowie "Gesundheitsversorgung und ihre Bewertung durch die Bevölkerung". Der Schwerpunkt liegt dabei auf soziologischen Theorien, Methoden und empirischen Analysen. Darüberhinaus wird zu einem intensiven Austausch über Disziplingrenzen hinweg angeregt.


Zusammenfassungen und English Summaries des Sonderhefts 46, 2006

AUTOR/AUTHOR: Wolf, Christof; Wendt, Claus

TITEL: Perspektiven der Gesundheitssoziologie

ENGL. TITLE: Perspectives on Health Sociology

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 46, 2006, S. 9-33.

KURZREFERAT: Forschung zum Thema Gesundheit ist nicht allein Sache der Medizin. Aufgrund der psychischen, sozialen und ökonomischen Einflüsse auf und der vielfältigen Effekte von Gesundheit und Krankheit, handelt es sich um eine Herausforderung, der sich eine Vielzahl weiterer Disziplinen zu stellen haben. In diesem Feld hat die Gesundheitssoziologie vor allem die Aufgabe, die gesellschaftlichen Einflüsse auf Gesundheit und Krankheit zu analysieren, und zu untersuchen wie Gesellschaften mit Kranken umgehen und welche Maßnahmen für die Erhaltung oder Wiederherstellung von Gesundheit ergriffen werden. Nach einem kurzen Überblick über die Entwicklung und Institutionalisierung der deutschen Medizin- bzw. Gesundheitssoziologie, werden im Hauptteil dieses einleitenden Beitrags vier aktuell besonders wichtige Perspektiven der Gesundheitssoziologie, nach denen der vorliegende Band gegliedert ist, vorgestellt. Diese sind: „Sozialstrukturelle und kulturelle Einflüsse auf Krankheit und Gesundheit“, „Soziales Handeln und Gesundheit“, „Gesundheitssystem und Gesundheitspolitik“ sowie „Gesundheitsversorgung und ihre Bewertung durch die Bevölkerung“. Für jeden dieser Bereiche werden zentrale theoretische Argumente und empirische Befunde benannt.

STICHWORTE: Gesundheitssoziologie, Medizinsoziologie, Gesundheit, Gesundheitsverhalten, Gesundheitspolitik, Gesundheitsversorgung

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: Research on health is not only a task of medicine. Due to psychological, social, and economic influences on and the manifold effects of health it is a prominent field of research in various disciplines. In this context, the major task of health sociology can be seen in analysing the societal influences on health and illness, and to investigate how a society deals with its sick members as well as the measures taken for maintaining or restoring health. After a brief overview on the development and institutionalisation of Germany’s medical sociology and health sociology respectively, four currently pivotal perspectives on health sociology are introduced. These fields, which are also representing the structure of the volume, are: “Social-structural and cultural influences on illness and health”, “Social action and health”, “Healthcare system and health policy”, and “Health provision and it’s evaluation by the population”. For each of these areas of research central theoretical arguments and empirical findings are presented.

KEYWORDS: health sociology, medical sociology, health, health behavior, health policy, health care

AUTOR/AUTHOR: Gerlinger, Thomas

TITEL: Historische Entwicklung und theoretische Perspektiven der Gesundheitssoziologie

ENGL. TITLE: Sociology of Health: Historical Development and Theoretical Perspectives

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 46, 2006, S. 34-56.

KURZREFERAT: Die Gesundheitssoziologie hat sich im Nachkriegsdeutschland unter dem starken Einfluss der amerikanischen Medizinsoziologie neu etabliert. Für ihre seitherige Entwicklung sind zwei Weichenstellungen von besonderer Bedeutung: zum einen der Ausbau der sozialwissenschaftlichen Forschung in den frühen 1970er-Jahren, insbesondere der Medizinsoziologie und deren Ansiedlung an medizinischen Fachbereichen; zum anderen ein in den späten 1980er-Jahren einsetzender Perspektivenwechsel auf den Gegenstand Gesundheit, der mit den Begriffen Public Health und Salutogenese verbunden ist. Gesundheitssoziologie in Deutschland bearbeitet heute ein breites Themenspektrum und ist hochgradig spezialisiert. Ihre weitgehende institutionelle Abkoppelung von den Sozialwissenschaften hat allerdings dazu beigetragen, dass sozialwissenschaftliche Analyseansätze und Theorien in der Forschung häufig nur eine geringe Rolle spielen. Eine stärkere Rückbesinnung auf theoretische Ansätze scheint geboten. Die Anwendung der Regulationstheorie und des akteurzentrierten Institutionalismus in der Gesundheitssystemforschung und des Bourdieuschen Habitus-Konzepts in der Präventionsforschung erscheinen als wichtige Schritte in diese Richtung.

STICHWORTE: Gesundheitssoziologie, Medizinsoziologie, Public Health, Gesundheitsförderung, Regulationstheorie, Habitus-Konzept

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: In post-war Germany, the sociology of health was re-established under the strong influence of American medical sociology. Since then, its development has been affected by two major changes: first, the expansion of the social sciences in the early 1970s, especially the establishment of a considerable number of institutes for medical sociology at the departments of medicine; second, the emergence of a new perspective on health in the late 1980s focussing on public health and salutogenesis. Nowadays, the sociology of health in Germany deals with a large number of topics and is highly specialized. At the same time, to a considerable extent, it is institutionally separated from social science research. This has contributed to theories of social science often being of minor importance for research in health sociology. The application of social scientific approaches may be helpful. The theory of regulation and the actor-centered institutionalism with regards to health systems research and the habitus concept (Bourdieu) with regards to prevention research may be seen as important steps in this direction show.

KEYWORDS: sociology of health, medical sociology, public health, health promotion, theory of regulation, habitus-concept

AUTOR/AUTHOR: Elling, Ray

ENGL. TITLE: Reflections on the Health Social Sciences - Then and Now

TITEL: Anmerkungen zu den Gesundheitswissenschaften: Entstehungsphase, heutiger Stand und zukünftige Entwicklung

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 46, 2006, S. 57-71.

KURZREFERAT: Nach ihrer Etablierung in den Vereinigten Staaten erhielt die Medizinsoziologie in Deutschland durch eine Konferenz im Jahr 1958 die entscheidende Starthilfe, deren Ergebnisse im Sonderheft Drei der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie publiziert wurden. Seit diesem Zeitpunkt hat sich dieses Forschungsfeld auf weitere Disziplinen ausgedehnt, wie z. B. Anthropologie, Gesundheitsökonomie oder Politische Ökonomie. Heute kann dieses Forschungsfeld am ehesten mit dem Begriff „Gesundheitswissenschaften" beschrieben werden. Auch wenn ein Großteil der wissenschaftlichen Arbeiten auf diesem Gebiet einen anderen Fokus aufweist, ist der konflikttheoretische Zugang (Klassenkonflikt) für die Gesundheitssystemanalyse weiterhin relevant.

STICHWORTE: Medizinsoziologie, Gesundheitssoziologie, Gesundheitswissenschaften, Marxistischer Ansatz, Sozialmedizin, Klassenkonflikt

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: Beginning in United States, medical sociology started to take hold in Germany in 1958 with a conference which resulted in the first book in the field in Germany. From uneasy marginality, the field has grown to include disciplines other than sociology – anthropology, economics, political economy. Today, the field might best be called ‘the health social sciences.’ The main body of work employs the consensual perspective, but work done using a class-conflict perspective is increasingly significant.

KEYWORDS: medical sociology, health sociology, health social sciences, Marxist approach, social medicine, class conflict

AUTOR/AUTHOR: Schwartz, Friedrich Wilhelm; Janus, Katharina

TITEL: Das Gesundheitssystem als interdisziplinäres Forschungsfeld

ENGL. TITLE: The Health Care System – an Interdisciplinary Area of Research

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 46, 2006, S. 72-85.

KURZREFERAT: Das Gesundheitssystem dient der Produktion und Erhaltung von Gesundheit, nicht der Gesundheitsversorgung an sich. Beim Forschungsgegenstand ‚Gesundheitssystem‘ können dabei unterschiedliche Konzepte, Ansätze und erwartete Wirkungseffekte beobachtet werden: So lässt sich die traditionelle Anschauung des Gesundheitssystems als Dienstleistungssektor von der ziel- bzw. ergebnisorientierten Betrachtungsweise abgrenzen. Ebenso ist eine institutionelle und strukturgenetische Perspektive möglich. Einer realitätsnahen Gesundheitssystemforschung inhärent ist ein hohes Maß an Komplexität, das interdisziplinäre Ansätze sowohl im Rahmen methodischer Arbeiten als auch bei der praktischen Umsetzung fordert. Exemplarisch zeigt dieser Beitrag anhand der Themenfelder ‚Gesundheitspolitik‘, ‚Bedarf und Bedürfnisse von Versicherten‘, ‚Systemvergleiche‘ und ‚Management‘ auf, wo die Schwerpunkte einer zukünftigen und interdisziplinär angelegten Gesundheitssystemforschung liegen sollten.

STICHWORTE: Gesundheitssystemforschung, Management, Gesundheitspolitik

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: The purpose of the health care system is to produce and maintain health rather than just deliver health care. Health system research can be approached from different perspectives: The traditional perspective considers the health care system as a service sector while an outcome-orientated approach focuses on the results of health care provision. Furthermore, institutional and structural ways of analyzing health care systems are possible. A reality-based health system research bears an inherent complexity which calls for interdisciplinary research designs and methodologies. This paper sheds light on selected areas of health system research ("health care policy", "needs and demands of insureds", "system comparison" and "management").

KEYWORDS: health system research, management, health care policy

AUTOR/AUTHOR: Jungbauer-Gans, Monika

TITEL: Soziale und kulturelle Einflüsse auf Krankheit und Gesundheit. Theoretische Überlegungen

ENGL. TITLE: Social and Cultural Determinants of Illness and Health: Theoretical Approaches

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 46, 2006, S. 86-108.

KURZREFERAT: In den letzten 15 bis 20 Jahren untersuchten zahlreiche Studien den Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Status und der Gesundheit von Personen. Der Befund ist eindeutig: Mit steigendem sozioökonomischen Status – gemessen etwa an dem höchsten Schulabschluss, der beruflichen Position, dem Einkommen bzw. der Schicht – geht eine geringere Morbidität und alterstandardisierte Mortalität einher. Unter ‚Gesundheitschancen‘ sollen die in Abhängigkeit der sozialen Lage verteilten gesundheitlichen Benachteiligungen verstanden werden. Dieser Beitrag skizziert die wesentlichen soziologischen Erklärungsansätze für den Einfluss sozialer und kultureller Faktoren auf die Gesundheit. Sie werden nach dem Kriterium ihrer empirischen Evidenz vergleichend bewertet. Hierbei werden zuerst die gängigen Modelle sozialer Ungleichheit auf ihre Erklärungskraft hinsichtlich variierender Gesundheitschancen untersucht. Im Anschluss werden medizin- und gesundheitssoziologische Ansätze zusammenfassend präsentiert. Welche Rolle der sozioökonomische Kontext spielt, wird im vierten Abschnitt diskutiert. Es folgen ökonomische Ansätze, die zur Erklärung von Gesundheitschancen in der Vergangenheit wenig Beachtung erfahren haben. Gesundheitschancen werden in diesen theoretischen Ansätzen als Konsum- und Investitionsgut sowie als Humankapital aufgefasst.

STICHWORTE: Gesundheitschancen, Lebensstil, soziale Selektion, Gesundheitsverhalten, sozioökonomischer Kontext, Humankapital, Gesundheitskapital

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: During the last 15 to 20 years numerous studies have investigated the correlation between socioeconomic status and health. The empirical evidence is obvious: higher socioeconomic status – measured by education, occupation, income or social class – is correlated with lower morbidity and lower age-adjusted mortality. By using the term "Gesundheitschancen" (health prospects) we emphasize that becoming ill, becoming healthy or staying healthy is a function of socioeconomic status. This article summarizes sociological and economic approaches that explain the influence of social und cultural determinants on health. Additionally, the results of empirical investigations are evaluated. In a first step, different theories of social inequality are analyzed with regard to their ability to explain health inequalities. In the next step, theories from medical sociology and sociology of health are presented. Individual differences in socioeconomic status as well as characteristics of the social context may influence chances of health. Finally, economic theories are used to explain different chances of health. It is argued that economic theories have not been taken into consideration so far in the study of health inequality. These theories consider health as an investment and consumer good or as human capital.

KEYWORDS: chances of health, life style, social selection, health behaviour, socioeconomic context, human capital, health capital

AUTOR/AUTHOR: Siegrist, Johannes; Dragano, Nico

TITEL: Berufliche Belastungen und Gesundheit

ENGL. TITLE: Occupational health

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 46, 2006, S. 109-124.

KURZREFERAT: Eine wichtige Aufgabe der Medizin- bzw. Gesundheitssoziologie besteht darin, soziale Determinanten von Gesundheit und Krankheit anhand theoretischer Konzepte und empirischer Methoden zu untersuchen. In diesem Beitrag werden zwei theoretische Konzepte zur Identifizierung psychomentaler und sozioemotionaler Belastungen im Erwerbsleben dargestellt, das Anforderungs-Kontroll-Modell und das Modell beruflicher Gratifikationskrisen. Die von den Modellen identifizierten Belastungen spielen im Wirtschaftsleben moderner Gesellschaften eine wichtige Rolle. Diese wird zusätzlich durch ungünstige physische Arbeitsbedingungen, aber auch durch ökonomische Globalisierung gesteigert. Anhand epidemiologischer Studien wird gezeigt, dass das Erkrankungsrisiko weit verbreiteter Gesundheitsgefährdungen wie koronarer Herzkrankheiten und Depressionen bei Erwerbstätigen, die von diesen Belastungen betroffen sind, doppelt so hoch ist wie bei Beschäftigten in belastungsarmen Berufen. Im Beitrag werden empirische Ergebnisse aus internationalen Studien zu dieser These dargestellt, und es wird abschließend auf die gesundheits- und sozialpolitischen Konsequenzen aus diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen hingewiesen.

STICHWORTE: Psychosoziale Arbeitsbelastungen, physische Arbeitsbelastungen, Arbeitsstress, Medizinsoziologie

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: An important task of medical or health sociology consists in analysing social determinants of health and disease on the basis of theoretical concepts and empirical methods. This contribution discusses two such theoretical concepts that aim at identifying psycho-mental and socio-emotional sources of stress at work, the demand control model and the effort-reward imbalance model. Psychosocial exposures play an important role in modern economies, in particular in combination with increased physical work load and in the context of a globalized economy. Epidemiological studies document a twofold elevated risk of widely prevalent diseases, such as coronary heart disease and depression, among employees characterized by these conditions. Accordingly, empirical results from international investigations are presented in this contribution, and policy implications of this new evidence are discussed.

KEYWORDS: psychosocial work characteristics, physical work load, work stress, medical sociology

AUTOR/AUTHOR: Wadsworth, Michael; Bartley, Mel

ENGL. TITLE: Soziale Ungleichheit, Familienstrukturen und Gesundheit im Lebensverlauf

TITEL: Desistance from Crime: A Theoretical Reformulation

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 46, 2006, S. 125-143.

KURZREFERAT: Sozialstrukturelle Veränderungen sind in der Hinsicht mit Gesundheit verknüpft, dass sie einen Effekt auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt, auf Änderungen von Familienstrukturen und soziale Rollen, insbesondere bei Frauen, haben. Vergleiche nationaler Scheidungsraten und weiterer Familienindikatoren zeigen wichtige Bezüge zur Gesundheit auf. Die Lebensverlaufsforschung in den Gesundheits- und Sozialwissenschaften belegt, dass schwache Familienbindungen und die Trennung der Eltern die physische und psychische Gesundheit, das Temperament und das Verhalten ebenso beeinflussen wie das körperliche Wachstum in der Entwicklungsphase. In dieser Phase wird die physische und psychische Gesundheit Erwachsener vorgebahnt, und es wird angenommen, dass dieser Prozess durch die Interaktionen zwischen dem Individuum und seiner sozialen Umwelt beeinflusst wird. Unterschiede der Gesundheitschancen zwischen und innerhalb von Kohorten sind das Ergebnis der untersuchten sozialstrukturellen Veränderungen.

STICHWORTE: Lebenslauf, Sozialer Wandel, Gemeinschaftlicher Zusammenhalt, familialer Zusammenhalt, gesundheitliche Ungleichheit

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: Societal structural change is associated with health through its effects on community cohesion, differences in family structure, and role changes, particularly in women. Comparison of national divorce rates and other family indicators show associations with health. Life course research in the health and social sciences shows that poor family cohesion and parental separation affect physical and mental health, and temperament and behaviour, as well as physical growth during the developmental years. These are the beginnings of pathways to mental and physical health in adulthood. Interactions between the individual and the social environment are suggested to account for these associations and their roles on pathways to adult health. Differences in health chances between and within cohorts are suggested to result from the extensive social change.

KEYWORDS: life course, societal change, community cohesion, family cohesion, health inequality

AUTOR/AUTHOR: Klein, Thomas; Unger, Rainer

TITEL: Einkommen und Mortalität im Lebensverlauf

ENGL. TITLE: Income and Mortality in the Life Course

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 46, 2006, S. 144-157.

KURZREFERAT: Der Beitrag untersucht die Einkommensabhängigkeit des Sterblichkeitsrisikos im Lebenslauf und zeigt mit zunehmendem Alter eine Reduktion einkommensbezogener Unterschiede der Sterblichkeit. In Bezug auf die Abnahme des Einkommenseffekts werden verschiedene Hypothesen untersucht: selektives Überleben, der Wegfall ungesunder Arbeitsbedingungen mit fortschreitendem Alter, ansteigende Lebens-Einkommensprofile und Adaptionseffekte an ungesunde Lebensbedingungen. Ferner wird untersucht, ob der in höheren Lebensjahren vorherrschende schlechtere Gesundheitszustand für die Altersdifferenzierung des Einkommenseffekts verantwortlich ist. Zu den Ergebnissen gehört insbesondere die Reduktion des Einkommenseffekts zum Beginn der siebten Lebensdekade, d. h. zum Ende des Erwerbslebens, wofür der Wegfall der vorherigen Arbeitsbelastungen verantwortlich gemacht werden kann. Ebenso sind die höheren Altersjahre auch mit einem schlechteren Gesundheitszustand verbunden und damit die Unterschiedlichkeit des Einkommenseffekts bei Gesunden und Kranken dafür verantwortlich, dass die einkommensbezogenen Unterschiede der Mortalität im Lebenslauf abnehmen. Die hier vorgestellten Hinweise auf die sehr vielschichtigen Mechanismen, die den Einkommenseinfluss auf das Mortalitätsrisiko erklären, machen obendrein deutlich, dass die Zurechnung von Kausalitätsvermutungen mit subtileren Instrumenten angegangen werden muss, als dies oftmals in den vorliegenden Studien der Fall ist.

STICHWORTE: Mortalität, Lebenserwartung, Gesundheit, Einkommen, Einkommensungleichheit, Lebenslauf

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: This study examines the income-dependency of the mortality risk over the life course and reveals a reduction of income-related differences of mortality with increasing age. Concerning the decline of the income effect over the life course, several hypotheses are analysed: selective survival, the discontinuation of unhealthy work conditions with rising age, increasing life-income profiles and adaptation to unhealthy living conditions. Furthermore, it is examined, if worse health states, which are prevalent in higher age groups, are responsible for the age-related differences of the income effect. One major result is the reduction of the income effect at the beginning of the seventh decade of life, i.e. at the end of working life, for which the discontinuation of former work loadings can be made responsible for. Also higher age is connected with a worse health state, thus the differences in the income effects between healthy and ill persons are responsible for the decrease of income related differences of mortality over the life course. The displayed hints on the complex mechanisms that explain the influence of income on the risk of mortality, additionally reveal that the assignment of assumptions regarding causality need to be tackled by more subtle instruments than employed in previous studies.

KEYWORDS: mortality, life expectancy, income, health, income inequality, life course

AUTOR/AUTHOR: Wolf, Christof

TITEL: Psychosozialer Stress und Gesundheit. Belastungen durch Erwerbsarbeit, Hausarbeit und soziale Beziehungen

ENGL. TITLE: Psychosocial stress and health. Strain from paid work, domestic work and social relations

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 46, 2006, S. 158-176.

KURZREFERAT: Gegenstand des Beitrags sind die gesundheitlichen Auswirkungen von psychosozialem Stress, einer Belastungserfahrung, die aus der Diskrepanz zwischen psychosozialen Anforderungen und den zur Verfügung stehenden Bewältigungsressourcen entsteht. Untersucht werden psychosoziale Belastungserfahrungen der Erwerbsarbeit, der Hausarbeit und solche, die aus persönlichen Sozialbeziehungen entstehen. Die gesundheitlichen Folgen beruflicher Belastungen, die gut erforscht sind, dienen als Maßstab zur Beurteilung der gesundheitlichen Auswirkungen der beiden anderen Belastungsarten. Die empirische Untersuchung basiert auf Daten der Studie „Soziale Ungleichheit, Krankheit und Gesundheit“ (ZA-Nr. 4055), in der die Gesundheit mit dem SF-36 Fragebogen erfasst wurde. Wie die Analysen deutlich zeigen, beeinflussen die Belastungen durch die Hausarbeit die Gesundheit ebenso stark wie Belastungen aus der Erwerbsarbeit. Zudem kann die Belastung aus der Hausarbeit geschlechtsspezifische Unterschiede der Gesundheit erklären. Stress, der aus sozialen Beziehungen entsteht, scheint eine geringere gesundheitliche Bedeutung zu haben.

STICHWORTE: Psychosozialer Stress, Erwerbsarbeit, Hausarbeit, soziale Beziehungen, Gesundheit

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: This article is concerned with the health consequences of psychosocial stress, defined as reaction to the discrepancy between demands and resources available for coping with them. Psychosocial stress or strain related to paid work, domestic work and social relations are explored. Since the health consequences of psychosocial stress related to paid work are well researched they are used as benchmark to assess the health outcomes of the other two forms of strain. The empirical analysis is based on data from the study “Social inequality, Illness and Health” (ZA-Nr. 4055) in which health is measured by the SF-36 questionnaire. The analyses clearly show that the health effects of psychosocial stress related to domestic work are of the same magnitude as those related to paid work. Furthermore; strain from domestic work can help to explain the gender gap in health. Stress originating from social relations seems to have only a minor impact on health.

KEYWORDS: psycho-social stress, paid work, domestic work, social relations, health

AUTOR/AUTHOR: Cockerham, William C.; Hinote, Brian P.; Abbott, Pamela

ENGL. TITLE: A Sociological Model of Health Lifestyles: Conducting a Preliminary Test with Russian Data

TITEL: Ein soziologisches Modell gesundheitlicher Lebensstile: Eine erste Überprüfung anhand russischer Daten

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 46, 2006, S. 177-197.

KURZREFERAT: Dieser Aufsatz untersucht die grundlegenden Annahmen eines von William Cockerham entwickelten Modells gesundheitlicher Lebensstile, welches sich auf Beiträge von Max Weber und Pierre Bourdieu zur Theorie der Lebensstile stützt. Auf der Grundlage einer in Russland durchgeführten Studie „Lebensbedingungen, Lebensstile und Gesundheit“ wurde das Modell einer ersten Überprüfung unterzogen. Diese bezog sich ausschließlich auf die strukturellen Basiskategorien des Modells: (1) Klassenzugehörigkeit; (2) Alter, Geschlecht und Ethnizität; (3) Zugehörigkeit zu Gemeinschaften und (4) Lebensbedingungen. Obwohl nicht erwartet werden kann, dass eine russische Studie zu ähnlichen Ergebnissen wie westliche Untersuchungen gelangt, stützt die Untersuchung die Kernaussagen des Modells. Zukünftig müssen weitere Analysen des gesamten Modells gesundheitlicher Lebensstile auf der Basis westlicher Daten durchgeführt werden, die sich an den präsentierten Ergebnissen orientieren.

STICHWORTE: Gesundheitliche Lebensstile, Theorie, Russland

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: This paper examines the fundamental assumptions of a health lifestyle model developed by William Cockerham that draws upon the contributions of Max Weber and Pierre Bourdieu to lifestyle theory. Utilizing Russian data from the ‘Living Conditions, Lifestyles and Health’ survey, a preliminary test is conducted of the strength of the model’s core categories of structural variables: (1) class circumstances; (2) age, gender, and ethnicity; (3) collectivities, and (4) living conditions. Although Russian data is not conducive to producing outcomes that would be expected with data from Western countries, these data supported the basic parameters of the model. Further analyses are needed of the complete health lifestyles model using data from Western populations, but these results nevertheless are relevant in establishing directions for future research.

KEYWORDS: health lifestyles, theory, Russia

AUTOR/AUTHOR: Klocke, Andreas

TITEL: Gesundheitsrelevante Verhaltensweisen im Jugendalter. Sozioökonomische, kulturelle und geschlechtsspezifische Einflussfaktoren im internationalen Vergleich

ENGL. TITLE: Health Behaviour in Youth. Socio-economic, Cultural and Gender-specific Factors in International Comparison

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 46, 2006, S. 198-223.

KURZREFERAT: In dem Beitrag wird der Einfluss von sozioökonomischen, kulturellen und geschlechtsspezifischen Faktoren auf das Gesundheitsverhalten im Kindes- und Jugendalter untersucht. Theoretisch wird auf die neuere Ressourcenforschung der Gesundheitswissenschaften Bezug genommen. Datengrundlage ist die im Jahre 2002 durchgeführte Studie "Health Behaviour in School-Aged Children – A WHO Cross National Study", eine alle vier Jahre durchgeführte repräsentative Schülerbefragung in über 35 Ländern. Hier wird ein Teildatensatz von insgesamt sechs Ländern herangezogen (N = 29.994). Die Analysen zeigen einen signifikanten Effekt sowohl der sozioökonomischen als auch der geschlechtsspezifischen und der kulturellen Faktoren auf das Gesundheitsverhalten. Dabei erweisen sich sozialen Ressourcen als wesentliche Mediatoren des Gesundheitsverhaltens.

STICHWORTE: Jugendalter, Gesundheitsverhalten, Soziale Ressourcen

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: The paper aims to investigate socioeconomic, cultural and gender specific effects on the health behaviour of young people. Theoretical guideline is the concept of social resources in the health sciences. Database is the 2002 survey ‘Health Behaviour in School-Aged Children – A WHO Cross National Study’. In the paper data from six countries is analysed (N = 29.994). Findings show that there is a significant effect of poverty as well as cultural and gender specific effects on the health behaviour of young people, but these effects are partially outweighed by social resources.

KEYWORDS: youth, health behaviour, social resources

AUTOR/AUTHOR: Stevenson, Fiona A.

ENGL. TITLE: The Doctor-Patient Relationship. Interconnections between Global Processes and Interaction

TITEL: Die Arzt- Patient Beziehung: Verbindungen zwischen globalen Prozessen und Interaktion

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 46, 2006, S. 224-243.

KURZREFERAT: Wenn Ärzte und Patienten sich begegnen, treffen zwei sehr unterschiedliche Sphären aufeinander: eine professionelle Welt und eine Laienwelt. Die Untersuchung der Spannungen und Konflikte zwischen diesen beiden Bereichen ist schon seit 50 Jahren ein zentrales Thema der Medizinsoziologie. Um die Faktoren zu verstehen, die das Arzt-Patient-Verhältnis beeinflussen, müssen sowohl Merkmale der Makro- als auch der Mikroebene berücksichtigt werden. Nur so wird die Verbindung zwischen globalen Prozessen und der konkreten Interaktion zwischen Arzt und Patient deutlich. Ausgehend von Jewsons (1976) Arbeit zum „Verschwinden des Kranken aus der medizinischen Kosmologie“, untersucht der Aufsatz Prozesse auf der Makroebene, die Auswirkungen auf die Arzt-Patient-Beziehung haben können. In der Folge werden die theoretischen Konzepte Vertrauen, Patientenaktivierung, Konsumentenorientierung und Expertenwissen sowie deren Bedeutung für die Praxis näher untersucht. Der Aufsatz versucht ferner, die Bedeutsamkeit von medizinischen Interaktionsmodellen für die Arzt-Patient-Beziehung, wie zum Beispiel das Modell der Krankenrolle und das Übereinstimmungsmodell, im Kontext weiterer Veränderungen zu verstehen.

STICHWORTE: Arzt-Patient-Beziehung, medizinische Kosmologien, Expertenwissen, Vertrauen, Patientenaktivierung, Konsumentenorientierung, Modelle der medizinischen Praxis.

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: When doctors meet patients two very different worlds come together, namely, a professional world and a lay world. The study of the tensions and conflicts between these two systems has been the central issue of medical sociology for fifty years. This paper suggests that in order to understand the factors that may affect the doctor-patient relationship we need to consider arguments and evidence at both the macro and the micro level, in this way demonstrating the interconnections between global processes and interaction within a consultation. Taking Jewson’s (1976) work on the disappearance of the sick man from medical cosmology as a starting point, the paper then considers changes at the macro level that may have implications for the doctor-patient relationship. Following this, theoretical concepts such as trust, patient activism, consumerism and expertise are drawn upon, with discussions about how these might operate in practice. The paper also refers to models of medical interaction, such as the sick role and concordance, in an attempt to understand, in the context of other changes, the relevance of such models for the doctor-patient relationship.

KEYWORDS: doctor-patient relationship, medical cosmologies, expertise, trust, patient activism, consumerism, models of medical practice

AUTOR/AUTHOR: Rosenbrock, Rolf; Kümpers, Susanne

TITEL: Die Public Health Perspektive: Krankheit vermeiden - Gesundheit fördern

ENGL. TITLE: The Public Health Perspective: Promoting Health and Preventing Disease

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 46, 2006, S. 243-269.

KURZREFERAT: Die Public-Health-Perspektive lenkt den Blick auf die Entstehung und die Beeinflussung von Gesundheit und Krankheit in Populationen. Daraus ergibt sich die Frage nach den Möglichkeiten der Primärprävention. ‚New Public Health‘ hat neben die Senkung von Gesundheitsbelastungen die Förderung von Gesundheitsressourcen gestellt und traditionelle Verhaltensprävention durch Verhältnisprävention erweitert. Der Artikel umreißt die vorherrschenden epidemiologischen Trends in Deutschland und Europa – die Steigerung der Lebenserwartung, die soziale Ungleichheit der Gesundheitschancen und die Dominanz chronischer Krankheiten – als Ausgangspunkt für die Entwicklung von wirksamen Präventionsstrategien. Der derzeitige ‚state of the art‘ der Prävention wird beschrieben und eine Typologie präventiver Strategien vorgestellt. Fragen der Wirksamkeitsmessung und der Qualitätssicherung werden diskutiert. Abschließend wird die derzeitige Situation der Primärprävention in Deutschland umrissen.

STICHWORTE: Public Health, Prävention, Gesundheitsressourcen

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: The public health perspective focuses on how health and illness develop in populations and how such processes can be influenced. For this reason primary prevention is a pivotal aspect of public health research and practice. New Public Health not only strives to decrease health risks but also to promote health resources. Furthermore it is about influencing the determinants of health rather than focusing exclusively on health-related behaviour. This paper describes the major epidemiological trends in Germany and Europe – the ageing population, social inequalities in health, and the dominance of chronic diseases – as a starting point for the development of effective prevention strategies. The current state of the art of prevention and a typology of preventive strategies are described. Issues related to measuring effectiveness and quality assurance are examined. Finally, the current state of primary prevention policy in Germany is discussed.

KEYWORDS: public Health, prevention, health resources

AUTOR/AUTHOR: Wendt, Claus

TITEL: Der Gesundheitssystemvergleich: Konzepte und Perspektiven

ENGL. TITLE: The General Theory of Crime in the European Context: Revisiting Hedonic Calculus

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 46, 2006, S. 270-297.

KURZREFERAT: Trotz der hohen Bedeutung, die Gesundheitssysteme in modernen Gesellschaften haben, hat sich eine theoretisch angeleitete Gesundheitssystemforschung bis heute nicht etabliert. Der Schwerpunkt der vergleichenden Analyse von Gesundheitssystemen liegt auf der Finanzierungs- und Ausgabenproblematik, während Fragen zu Akteuren und Institutionen sowie zu den Wirkungen von Gesundheitssystemen in der Regel unteranalysiert sind. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über vier theoretische Zugänge zum Gesundheitssystemvergleich. Diskutiert werden gesundheitsökonomische Analysen, systemtheoretische Arbeiten, die Theorie staatlicher Steuerung und institutionentheoretische Ansätze.

STICHWORTE: Gesundheitssystemvergleich, Gesundheitsökonomie, Systemtheorie, Theorie staatlicher Steuerung, Institutionentheorie

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: Despite the high importance of health care systems in modern societies we still lack theoretical concepts for comparing health care systems. The main focus of health system research is on the comparative analysis of health care financing and expenditure while actors and institutions as well as the effects of different institutional patterns are largely ignored. This contribution provides an overview of four different theoretical approaches for comparing health care systems. It describes hypotheses that are discussed in health economics, system theory, governance, and institutional theory.

KEYWORDS: health care system comparison, health economics, system theory, governance, institutional theory

AUTOR/AUTHOR: Rothgang, Heinz

TITEL: Die Regulierung von Gesundheitssystemen in vergleichender Perspektive: Auf dem Weg zu Konvergenz?

ENGL. TITLE: Health care systems in comparative perspective. Convergence in regulation?

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 46, 2006, S. 298-319.

KURZREFERAT: In diesem Beitrag wird der Frage nachgegangen, ob bei der Regulierung von Gesundheitssystemen Konvergenztendenzen erkennbar sind. Hierzu wird zunächst eine Typologie von Gesundheitssystemen entwickelt, die es erlaubt, mit Deutschland, Großbritannien und den USA Repräsentanten für drei Gesundheitssystemtypen für die empirische Analyse auszuwählen. Der Begriff der Regulierung bezieht sich dabei sowohl auf die daran beteiligten Akteure als auch auf deren Interaktionsformen. Im Ergebnis zeigt sich, dass die jeweils traditionell dominante Interaktionsform durch weitere Interaktionsformen ergänzt wurde: in Deutschland sieht sich das System gesellschaftlicher Selbstregulierung einer verstärkten staatlich-hierarchischen Regulierung auf der einen und einer zunehmenden wettbewerblichen Koordinierung auf der anderen Seite gegenüber. In Großbritannien wurde Wettbewerb als neue Interaktionsform zu Beginn der 1990er Jahre eingeführt und de facto bis heute beibehalten, und im US-amerikanischen System wurden im Rahmen von Managed Care erstmals Elemente hierarchischer Koordination in ein wettbewerbsdominiertes System eingeführt, allerdings als privatrechtliche und nicht als staatliche Hierarchie. Das gemeinsame der beschriebenen Entwicklungen liegt dabei darin, dass jeweils die Interaktionsform aufgenommen wurde, die im reinen Regulierungstyp fehlt. Dabei kommt es zu einem „blurring of regimes“ und zu konvergenten Entwicklungen in Richtung auf ein gemischtes Regulierungsarrangement.

STICHWORTE: Gesundheitssystemforschung, Gesundheitssystemtypen, Konvergenz, Internationaler Vergleich, Deutschland, Großbritannien, USA

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: This article analyses whether there is convergence in the regulation of healthcare systems. Based on an own typology of health care systems, Germany, Britain and the US are picked as representatives for different types of health care systems and are analysed with respect to the actors of regulation and their interaction. As the analysis reveals in each country the predominant mode of interaction has been supplemented by the mode of interaction that was traditionally missing: In Germany the self-regulated health care system is challenged by both, more state hierarchy and the increased use of competition as a new governance form. In Britain competition was also introduced in the early 1990s and – though in some disguise – prevailed until today. In the US, finally, a competitive system saw the introduction of hierarchy within the framework of managed care, i.e. within a private mode of regulation. The common trend, therefore, is not the rise or decline of a particular mode of regulation, but the “blurring of regimes” resulting from the adaptation of the modes of regulation that have traditionally been missing in the respective health care system. In effect we thus witness partial convergence towards mixed regulation systems.

KEYWORDS: health care system research, typology of health care systems, convergence, international comparison, Germany, Britain, USA

AUTOR/AUTHOR: Bandelow, Nils; Hassenteufel, Patrick

TITEL: Mehrheitsdemokratische Politikblockaden und verhandlungsdemokratischer Reformeifer: Akteure und Interessen in der französischen und deutschen Gesundheitspolitik

ENGL. TITLE: Reform hurdles in the French majoritarian political system and major changes in the German consensus democracy: actors and interests in French and German health policy

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 46, 2006, S. 320-342.

KURZREFERAT: Die Gesundheitssysteme Frankreichs und Deutschlands weisen auf den ersten Blick ähnliche Strukturen und Probleme auf. Gleichzeitig bestehen aber grundlegende Unterschiede zwischen der französischen Mehrheitsdemokratie und der deutschen Verhandlungsdemokratie. Bei der Auseinandersetzung um Gesundheitsreformen treffen daher in beiden Ländern ähnliche Interessen aufeinander, die aber jeweils unterschiedlich organisiert sind. Der Vergleich der Interessenvermittlung beider Staaten verdeutlicht zunächst, dass in Frankreich politische Beamte die wichtigsten Initiatoren von Gesundheitsreformen sind, während in Deutschland neben den Parteien zunehmend auch wissenschaftliche Politikberater im Zentrum der Reforminitiativen stehen. In beiden Ländern findet sich eine Fragmentierung und Pluralisierung der Interessenverbände. Die Auswirkungen auf die politische Steuerungsfähigkeit unterscheiden sich jedoch: In Deutschland erhöht die Erosion bestimmter mesokorporatistischer Strukturen die staatlichen Eingriffsmöglichkeiten. In Frankreich wurden dagegen radikale verbandliche Vetospieler gestärkt. Der Vergleich zwischen beiden Ländern verdeutlicht somit, dass unter bestimmten Bedingungen die französische Mehrheitsdemokratie mit effektiveren Vetospielern konfrontiert sein kann als die deutsche Verhandlungsdemokratie.

STICHWORTE: Gesundheitsreformen, Deutschland, Frankreich, Verhandlungsdemokratie, Reformblockaden, politische Steuerung

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: The health systems of Germany and France seem to face similar problems. At the same time there are major differences between the French majoritarian political system and the German consensus democracy. Therefore the health policy networks of both countries differ fundamentally despite of similar interest groups. The comparison of both health policy networks shows, that French health reforms are mainly initiated by civil servants while in Germany the political parties and external advisors play the most important roles. Both countries show increasing fragmentation and pluralization of interest organizations. Nonetheless these changes lead to different governance forms: In Germany the state increased its direct opportunity to introduce major political changes. In France on the other hand radical veto players have increased their influence. Therefore the comparison of both countries indicates that the French majoritarian political system may produce more effective veto players than the German consensus democracy.

KEYWORDS: health reform, Germany, France, consensus democracy, reform hurdles, health policy governance

AUTOR/AUTHOR: Gerlinger, Thomas; Urban, Hans-Jürgen

TITEL: Gesundheitspolitik in Europa. Über die Europäisierung und Ökonomisierung eines wohlfahrtsstaatlichen Politikfeldes

ENGL. TITLE: Health Policy in Europe. On the Europeanization and Economization of a Field of Welfare Policy

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 46, 2006, S. 343-363.

KURZREFERAT: Bis heute ist Gesundheitspolitik in der Europäischen Union weitgehend eine Angelegenheit der Nationalstaaten. Mit der Umsetzung der auf dem Europäischen Gipfel von Lissabon (2000) beschlossenen Wettbewerbsstrategie zeichnet sich in dieser Hinsicht ein tiefgreifender Wandel ab. Für die Gesundheitspolitik und die nationalen Gesundheitssysteme gehen damit zwei ineinander greifende Entwicklungen einher, die als Europäisierung und Ökonomisierung charakterisiert werden können. Der Begriff der Europäisierung beschreibt die Herausbildung einer institutionalisierten europäischen Handlungsebene in der Gesundheitspolitik und deren Integration in ein europäisches Mehrebenensystem. Ökonomisierung meint die verstärkte Indienstnahme der Gesundheitspolitik für wirtschafts- und wettbewerbspolitische Zielsetzungen. Im Zuge dieses Wandels wird die Gesundheitspolitik in den Wirkungsbereich eines neuen supranationalen Regulierungsmodus einbezogen: der ‚Offenen Methode der Koordinierung‘ (OMK). Allerdings verlaufen weder Europäisierung noch Ökonomisierung als ein geradliniger und konfliktfreier Prozess. Vielmehr treffen beide auf die institutionellen und politikinhaltlichen Spezifika des Feldes der Gesundheitspolitik, die sich mitunter als Restriktionen für die Durchsetzung dieser Tendenzen erweisen können. Die Einbeziehung der Erfahrungen aus anderen Ländern durch die Anwendung der OMK kann zwar einen Beitrag dazu leisten, Defizite der nationalstaatlichen Gesundheitssysteme (z. B. die Ineffizienz von Versorgungsstrukturen) zu überwinden. Vor allem aber ist davon auszugehen, dass die enge Einbindung der europäischen Gesundheitspolitik in die Vorgaben des EU-Finanzregimes und die Ziele der neuen europäischen Wettbewerbspolitik den Druck in Richtung der Stärkung einer kostendämpfungs- und wettbewerbsorientierten Gesundheitspolitik in den Mitgliedsstaaten verstärken wird.

STICHWORTE: Europäische Integration, Europäisches Sozialmodell, Gesundheitspolitik, Lissabonner Wettbewerbsstrategie, Ökonomisierung, Offene Methode der Koordinierung

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: In the European Union, health policy is mostly treated as a national affair. Against the background of the “Lisbon Strategy’” adopted at the European Summit in 2000 and the implementation of its goals a fundamental change is emerging. It is associated with two interlocking processes which can be characterized as “Europeanization” and “Economization” of health policy. “Europeanization” describes the institutionalization of health policy at the European level and its integration into a European multi-level system of governance. “Economization” means that, to an increasing degree, health policy serves as a means to pursue a set of economic objectives. In the course of this change a new supranational mode of regulation is being applied to the field of health policy: the “Open Method of Co-ordination” (OMC). Yet, neither Europeanization nor economization proceeds straightforward or without conflict. Rather, these tendencies meet the specific institutional and policy-related conditions in the area of health policy in the member states which may obstruct their accomplishment. Taking into account the experiences made so far with the OMC this new mode of regulation may contribute to diminish the deficiencies of the national health care systems (e.g. the inefficiency of the supply of medical care). Above all, it is to be expected that the integration of European health policy into the financial and economic framework of the European Monetary Union and the goals of the new European competition policy will increase pressure on member states to contain costs and to promote a market-based provision of health care.

KEYWORDS: economization, European integration, European social model, health policy, Lisbon strategy of competition, Open Method of Co-ordination

AUTOR/AUTHOR: Kliemt, Hartmut

TITEL: Ethik und Politik der Rationierung im Gesundheitswesen

ENGL. TITLE: The Ethics and Politics of Rationing in Health Care

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 46, 2006, S. 364-382.

KURZREFERAT: Sowohl Klugheits- als auch Legitimitätsüberlegungen legen es nahe, die primäre Aufgabe öffentlicher Gesundheitsversorgung in der Wahrung des freiheitlich-liberalen Rechtsstaates und nicht der Gesundheit zu sehen. Sobald dieser Perspektivwechsel vollzogen ist, wird ein systematisches Rationale für öffentliche Garantien, die der Abwendung konkreter Lebensgefahren dienen, sichtbar, und zugleich, dass eine Garantie des Schutzes gegen entferntere statistische Gesundheits- bzw. Lebensgefahren keine öffentliche Aufgabe darstellt. Es ist mit dem gleichen Argument einsichtig zu machen, dass Absicherungen gegen die finanziellen Risiken der Krankheit getrennt werden sollten von Garantien, im Krankheitsfalle nicht unversorgt zu bleiben. Einige institutionelle Implikationen solcher Sichtweisen werden skizziert.

STICHWORTE: Ethik, Rationierung im Gesundheitswesen, Gesundheitspolitik

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: Considerations of prudence as well as of legitimacy suggest that public health care should aim at supporting rule of law and the liberal legal order rather than public health. Once this shift of perspective is accomplished there is a systematic rationale for including health care guarantees to rescue concrete rather than statistical lives and not to provide public guarantees against more remote statistical risks for life or limb. There is also a rationale for keeping public guarantees against financial risks separate from the physical risks of illness. Institutional provisions that can accomplish this are indicated.

KEYWORDS: ethic, rationing of health care, health policy

AUTOR/AUTHOR: Marmor, Theodore R.; Okma, Kieke G.H.; Latham, Stephen R.

ENGL. TITLE: Values, Institutions and Health Politics. Comparative Perspectives

TITEL: Nationale Werte, Institutionen und Gesundheitspolitik – Vergleichende Perspektiven

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 46, 2006, S. 383-405.

KURZREFERAT: In diesem Beitrag wird die Beziehung zwischen nationalen Wertvorstellungen und nationaler Gesundheitspolitik untersucht. Dabei zeigt sich, dass ‚nationale Werte‘, die in diesem Zusammenhang als „allgemein“ und „miteinander in Konflikt stehend“ bestimmt werden, in heterogenen Bevölkerungen schwer zu erfassen sind. Neben Ideen (einschließlich Werten) werden Interessen und soziale Institutionen als zentrale Einflussfaktoren für politische Prozesse beschrieben. Der Artikel zeigt substantielle Unterschiede zwischen den institutionellen Arrangements der OECD-Gesundheitssysteme auf, z. B. unterschiedliche Deckungsgrade von Krankenversicherungen, jeweils spezifische Einflussmöglichkeiten organisierter Interessengruppen auf die Finanzierung von Gesundheitssystemen sowie auf den Einsatz bzw. den Wechsel von Finanzierungsinstrumenten. Gleichzeitig stimmt die Bevölkerung in demokratischen Industriegesellschaften weitgehend darin überein, dass ein universeller Zugang zum Gesundheitssystem zu gewährleisten und bei der Finanzierung von Gesundheitsleistungen die individuelle Zahlungsfähigkeit zu beachten sei. Daran zeigt sich, dass trotz einheitlicher Wertvorstellungen in den einzelnen Ländern unterschiedliche institutionelle Regelungen eingeführt werden können.

STICHWORTE: Nationale Werte, Institutionen, OECD, Gesundheitspolitik, Gesundheitssysteme, öffentliche Unterstützung

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: This contribution explores the relation between national values and national health policy. The article emphasizes the difficulty in describing ‘national values’ in nations with heterogeneous populations. Values, we characterize as general, and as conflicting with one another. And the article briefly describes the factors besides ideas (including values) that shape national policy: interests and social institutions. The article demonstrates substantial differences in the OECD countries’ institutional arrangements – differences in the extent of health insurance coverage, in how organized interest groups bargain about the rules of health financing policy, and which policy instruments are adopted, maintained, or changed over time. At the same time the article provides evidence of widespread public support among the populations of industrialized democracies for the principle of universal access for health care, with the sharing of costs according to ability to pay. This evidence supports the argument that a wide variety of institutions are consistent with the same set of values.

KEYWORDS: national values, Institutions, OECD, health politics, health systems, public support

AUTOR/AUTHOR: Ullrich, Carsten C.; Bernhard, Christoph

TITEL: Soziale und Risikosolidarität in der gesetzlichen Krankenversicherung. Zur Akzeptanz von "Entsolidarisierungsoptionen" bei gesetzlich Versicherten

ENGL. TITLE: Social Solidarity and Risk Solidarity in the German Statutory Health Insurance. Support of de-solidarising reform options among members of the statutory health insurance

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 46, 2006, S. 406-431.

KURZREFERAT: Die Gesetzliche Krankenversicherung gilt zu Recht als eine besonders solidarische Form der sozialen Sicherung. So ermöglicht das Solidarprinzip eine Absicherung des Krankheitsrisikos, die sowohl von der finanziellen Zahlungsfähigkeit des Versicherten (sozialer Ausgleich) als auch von Risikofaktoren (Risikoausgleich) unabhängig ist. Der Risikoausgleich wurde jedoch durch gesundheitspolitische Entscheidungen zunehmend geschwächt; und die aktuelle Reform lässt erwarten, dass sich die Entwicklung fortsetzen wird. Im Beitrag wird daher der Frage nachgegangen, wie gesetzlich Versicherte Reformoptionen beurteilen, die zu einer deutlichen Schwächung des sozialen und des Risikoausgleichs führen würden. Es zeigt sich, dass eine hohe Bereitschaft zur Einschränkung des Risikoausgleichs besteht, sofern diese auf verhaltensbedingte Risiken beschränkt ist. Die Bereitschaft zur Risikoentsolidarisierung ist vor allem auf allgemeine Handlungsorientierungen sowie auf die Missbrauchswahrnehmung zurückzuführen.

STICHWORTE: Gesetzliche Krankenversicherung, Solidarität, Gesundheitsreform, Gesundheitspolitik, Akzeptanz, Einstellungen

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: The German statutory health insurance is considered to be a highly solidaristic insurance scheme. Thus, the “principle of solidarity” makes health insurance coverage possible, independent of the income (social solidarity) and the health status (risk solidarity) of the insured. Nevertheless, risk solidarity has been reduced by several health reforms and, as current public debates indicate, will be further weakened. This paper explores the attitudes of members of the statutory health insurance towards reform options which would lead to a reduction of social solidarity or of risk solidarity. It is shown that there is strong support for weakening risk solidarity, as long as it is restricted to health risks which can be attributed to health-related behaviour. This finding is best explained by action orientations und the perceived degree of benefit abuse.

KEYWORDS: statutory health insurance, solidarity, health reform, health policy, acceptance, attitudes

AUTOR/AUTHOR: Pfaff, Holger; Scheibner, Fülöp

TITEL: Versorgung und Versorgungsqualität im Krankenhaus: Standardisierung und Individualisierung als Trends

ENGL. TITLE: Inpatient health services and quality of care: trends towards standardisation and individualisation

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 46, 2006, S. 432-443.

KURZREFERAT: In diesem Aufsatz werden die neueren Tendenzen der Versorgung in Krankenhäusern unter dem Blickwinkel der Versorgungsqualität beleuchtet. Dabei stehen zwei Strategien zur Steigerung der Versorgungsqualität im Mittelpunkt: Standardisierung und Individualisierung. Hinter beiden Strategien stehen konkrete Techniken wie z. B. evidenzbasierte Leitlinien, Behandlungspfade oder Entscheidungshilfen. Auf den ersten Blick scheint zwischen diesen Tendenzen ein Zielkonflikt zu bestehen. In der Praxis wird der Standardisierung das Primat eingeräumt, während der Individualisierung derzeit lediglich eine nachrangige Bedeutung zukommt. Die Aufgabe der Medizinsoziologie besteht darin, diese beiden Entwicklungen mit wissenschaftlichen Methoden zu beobachten und ihre Effekte, z. B. auf die Versorgungsqualität, empirisch zu analysieren. Bei der Analyse der Effekte sollten vor allen Dingen die Folgen für die Arzt-Patient-Interaktion und hier insbesondere für die Entscheidungsfindung sowie das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Arzt im Vordergrund stehen. Mit diesen Forschungsthemen kann die Medizinsoziologie auch dem neu entstehenden interdisziplinären Forschungsgebiet der Versorgungsforschung wesentliche Impulse geben.

STICHWORTE: Versorgungsforschung, Standardisierung, Individualisierung, Arzt-Patienten-Verhältnis

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: This paper highlights the latest developments in inpatient care from the perspective of quality of care. Two strategies to improve quality of care are presented: standardisation and individualisation. Both are supported by specific techniques such as evidence-based practice guidelines, treatment pathways or decision aids. At first sight, these seem to be conflicting strategies: in practice, standardisation plays the major role whereas individualisation currently is only of subordinate importance. Medical sociological research should monitor both developments by means of scientific methods, and empirically analyse their effects, for example, on quality of care. When analysing these effects, the impact on the doctor-patient interaction and in particular on decision making as well as on the mutual trust between patient and physician should be emphasised. By investigating this research area, medical sociology could provide important impulses to the newly developing and multidisciplinary field of health care research.

KEYWORDS: health care research, standardisation, individualisation, doctor-patient relationship

AUTOR/AUTHOR: Strodtholz, Petra; Badura, Bernhard

ENGL. TITLE: Patient Orientation in Health Care by Patient Survey

TITEL: Patientenorientierung im Gesundheitswesen durch Patientenbefragung

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 46, 2006, S. 444-463.

KURZREFERAT: Eine Reihe von Entwicklungen im Gesundheitswesen haben dazu beigetragen, dass Versicherte und Patienten heute als schutz-, befähigungs- und beteiligungsbedürftig erachtet werden. Die direkte Beteiligung von Versicherten und Patienten lässt sich, wie in England und den USA bereits geschehen, in Form eines Survey-Feedbacks herbeiführen. Der folgende Beitrag berichtet über das Instrument der standardisierten Patientenbefragung (sog. ‚patient survey‘), die subjektive Erwartungen, Bedürfnisse, Erfahrungen und Bewertungen von Patienten erhebt. Solche Untersuchungen erfolgen – im Gegensatz etwa zu persönlich-mündlichen Interviews, Fokusgruppen, Qualitätszirkeln oder dem systematischen Beschwerdemanagement in den Einrichtungen – mit Hilfe standardisierter Fragebögen und werden an repräsentativ ausgewählten Stichproben durchgeführt. Die Ergebnisse sind statistisch auszuwerten und genügen somit wissenschaftlichen Ansprüchen an Objektivität, Verlässlichkeit und Gültigkeit. Anders als im europäischen und im amerikanischen Ausland sind gesetzliche Auflagen zur Qualitätsberichterstattung und zum Qualitätsmanagement in Deutschland nicht mit einer Vereinheitlichung der Instrumente für Patientenbefragungen verbunden. Die Frage nach methodischen Standards zur Sicherung der Aussagekraft und Vergleichbarkeit der Surveys ist hierzulande offen geblieben. Darüber hinaus sind Instrumente und Methoden der Patientenbefragung insbesondere im ambulanten Sektor wenig entwickelt. Ein Bedarf wird dagegen angemeldet: So ist im ambulanten Sektor die Aufklärung, Beratung und Mitarbeit des Patienten – unter präventiven Gesichtspunkten – bereits in der Phase des ‚Hilfesuchens‘ von entscheidender Bedeutung. Auch ist eine sektorenübergreifende Qualitätssicherung und Lenkung der Patientenströme auf die patientenorientierte Dokumentation der Behandlungsabläufe angewiesen.

STICHWORTE: Patientenbefragung, Patientenzufriedenheit, Qualitätsberichterstattung, Versorgungsqualität

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: In modern health care systems patients need to be protected and empowered. And they should be invited to participate in health care decision-making processes. Survey feed-back has been introduced successfully as an instrument to involve citizens and patients in health care in countries like the United Kingdom and the United States. This Paper tries to summarise the state of the art of patient surveys as an instrument to document the experiences patients make during their encounters with health care providers and health care institutions. In Germany the discussion among social scientists and public health experts on why and how to use patient surveys is still in an early stage. In order to assess the quality of health care, health care providers as well as health policy-makers need to learn more about the expectations and needs of patients. And they need to learn more on how to evaluate the structures, processes and outcomes of care.

KEYWORDS: patient survey, patient satisfaction, consumer assessment, quality of care

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Datei aktualisiert am 22.09.2006 in der Redaktion der KZfSS