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Zusammenfassungen und English Summaries
Heft 2, Jg. 59, 2007

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Zu den Kurzbiographien


AUTOR/AUTHOR: Wuermeling, Frederike

TITEL: Passt die Türkei zur EU und die EU zu Europa? Eine Mehrebenen-Analyse auf der Basis der Europäischen Wertestudie

ENGL. TITLE: Does Turkey Fit into the EU and is the EU Adequate For Europe? A Multilevel Analysis Based on the European Values Survey

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 59, 2007, S. 185-214.

KURZREFERAT: Ob die Türkei zur EU und die EU zu Europa passen, wird an Hand der Einstellungen zu den EU-Grundprinzipien Religionsfreiheit, Demokratie, Gleichberechtigung und Rechtsstaatlichkeit gemessen. Als Datengrundlage dient die Europäische Wertestudie 2000. Trotz mitunter beachtlicher Varianzen innerhalb der Einstellungen der (EU-)Europäer weist ein durchgeführter Ländermittelwertvergleich auf eine deutliche Randstellung der Türkei im europäischen Reigen hin. Um die Unterschiede aufzuklären, werden in einer Mehrebenenanalyse folgende zwei Annahmen auf der Länder- und Individualebene überprüft: Nach der Kulturhypothese sollte die Zustimmung zu den Prinzipien der EU mit dem Anteil der Muslime im Land und mit der individuellen Religiosität der Menschen sinken. Nach der Modernisierungshypothese sollte die Zustimmung zu den Prinzipien der EU mit dem Brutto-Inlandsprodukt pro Kopf und mit dem Bildungsgrad und der Urbanisierung der Menschen steigen. Beide Hypothesen konnten sowohl auf der Länder- als auch auf der Personenebene im Wesentlichen bewahrt werden. Ein Vergleich der relativen Effektstärken auf der Länderebene ergab, dass der Modernisierungseffekt in Bezug auf die Unterstützung von Religionsfreiheit und Demokratie mehr als doppelt so stark ist wie der Einfluss vom Muslimanteil. In Bezug auf die Unterstützung der Gleichberechtigung ist allerdings der Muslimanteil im Land erklärungskräftiger.

STICHWORTE: Türkei, Europäische Union, Europäische Wertestudie, Religionsfreiheit, Demokratie, Gleichberechtigung, Rechtsstaatlichkeit, Mehrebenenanalyse

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: Whether Turkey fits into the EU and whether the EU is adequate for Europe is being determined with regard to the attitude towards the basic EU principles which are freedom of religion, democracy, equal rights and constitutional legality. The European Values Survey 2000 serves as a data basis. Despite significant variances within the attitude of EU-Europeans, a comparison of averages shows Turkey's distinct marginal position within the European Unity. In order to explain the differences of attitude, two assumptions will be taken into account on the national and individual level: according to the cultural hypothesis the agreement to EU principles declines according to the percentage of muslims within the country and the individual religious belief. According to the hypothesis of modernisation the agreement to EU principles inclines according to national gross product per capita, level of education as well as to the degree of urbanisation. Both hypotheses were essentially confirmed on the national as well as on the individual level. A comparison of the relative effects shows that the impact of the degree of modernisation with regard to the acceptance of freedom of religion and democracy is more than twice as significant as the influence of the cultural context, whereas the acceptance of equal rights depends more strongly on the cultural context of a country.

KEYWORDS: Turkey, European Union, European Values Survey, freedom of religion, democracy, equal rights, constitutional legality, multilevel analysis

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: Frederike Wuermeling, Menderscheider Str. 37, 50937 Köln

E-Mail: frederike.wuermeling@gmx.de

AUTOR/AUTHOR: Kroneberg, Clemens

TITEL: Wertrationalität und das Modell der Frame-Selektion

ENGL. TITLE: Value Rationality and the Model of Frame Selection

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 59, 2007, S. 215-240.

KURZREFERAT: Nach Max Weber ist wertrationales Handeln dadurch gekennzeichnet, dass ein Akteur sein Handeln konsequent planvoll an bewusst herausgearbeiteten Werten ausrichtet, ohne andere Folgen in Betracht zu ziehen. Im Beitrag wird dieser Handlungstyp im Rahmen des Modells der Frame-Selektion rekonstruiert. Das Modell erweist sich als geeignet, Webers Vorstellungen einer Wertreflexion und rationalen Eigenwertorientierung als Spezialfälle einer umfassenderen Handlungstheorie zu integrieren. Dadurch werden auch Verbindungen zu den Arbeiten anderer Theoretiker wie Raymond Boudon oder Jürgen Habermas deutlich. Ausgehend davon wird argumentiert, dass das Modell der Frame-Selektion dazu verwendet werden kann, Webers makrosoziologische Konzepte der Wertsphären und Lebensordnungen handlungstheoretisch zu fundieren. Der Beitrag schließt mit Anmerkungen zum Verhältnis zwischen dem weberianischen Forschungsprogramm und dem Ansatz der erklärenden Soziologie.

STICHWORTE: Handlungstheorie, Max Weber, wertrationales Handeln, Werte, Rationalität, Definition der Situation, Modell der Frame-Selektion

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: According to Max Weber, value-rational action is characterized by a self-conscious elaboration of ultimate values and a consistently planned orientation to those values without regard for other consequences. This article reconstructs this type of social action within the Model of Frame Selection. This model proves to be able to incorporate Weber’s ideas of a „value reflexion” and “value orientation” as special cases of a more general theory of action. Thereby, links are also established to works of other theorists such as Raymond Boudon or Jürgen Habermas. On this basis, it is further argued that the Model of Frame Selection is well suited to provide Weber’s macro-sociological concepts of “value spheres” and “life orders” with an action-theoretic foundation. The article concludes with general remarks regarding the relationship between the Weberian research program and the approach of analytical sociology.

KEYWORDS: theory of action, Max Weber, value-rational action, values, rationality, definition of the situation, model of frame selection

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: Clemens Kroneberg, Universität Mannheim, Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, Lehrstuhl für Soziologie und Wissenschaftslehre, 68131 Mannheim

E-Mail: ckronebe@rumms.uni-mannheim.de

AUTOR/AUTHOR: Beckert, Jens and Mark Lutter

TITEL: Wer spielt, hat schon verloren? Zur Erklärung des Nachfrageverhaltens auf dem Lottomarkt

ENGL. TITLE: The Player Always Loses? Toward an Explanation of Demand Behavior in Lottery Markets

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 59, 2007, S. 240-270.

KURZREFERAT: Unter welchen Gesichtspunkten Akteure Gütern einen Wert beimessen und diese nachfragen, ist ein zentrales Forschungsfeld der Wirtschaftssoziologie. Die Nachfrage auf Lotteriemärkten ist dafür ein besonders interessanter Untersuchungsgegenstand, da Lotterielose eine Paradoxie auszeichnet: Die stochastische Gewinnerwartung eines Lotterieloses liegt unter der Hälfte des Kaufpreises. Der Erwerb eines Loses scheint damit ökonomisch irrational. Dennoch nehmen wöchentlich Millionen Menschen an den Auslosungen des staatlichen Lottos teil. Wie lässt sich die massenhafte Nachfrage nach Lotterielosen erklären? Hierfür testen wir, auf Basis einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage, die vier in der sozialwissenschaftlichen Forschung zum Glücksspiel vornehmlich herangezogenen Theorieansätze. Es zeigt sich, dass insbesondere sozial vermittelte Spannungszustände und Netzwerkeinflüsse für die Erklärung des Lotteriespiels bedeutsam sind. Zum Schluss diskutieren wir einige Implikationen für die Marktsoziologie.

STICHWORTE: Lotteriemärkte, Glücksspiel, Marktsoziologie, Wertbildungsprozesse, Nutzentheorie, Nachfrageverhalten, Spannungsmanagement, Netzwerktheorie

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: How actors decide to value goods is a central research question in economic sociology. The demand for lottery tickets is of particular interest because it poses a specific paradox: the expected monetary value of a ticket is about half of its purchasing price. The demand for lottery tickets thus seems to be economically irrational. Nevertheless, millions of people buy national lottery tickets every week. How can there be such a large demand in this market? On the basis of representative survey data, we test empirical findings using four different theoretical approaches explaining the demand for lottery tickets. We show that socially mediated states of tension and network influences are strong explanatory factors. In the conclusion we discuss implications for the sociology of markets.

KEYWORDS: lottery markets, gambling, sociology of markets, valuation processes, utility theory, demand behaviour, tension mangement, network theory

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: Jens Beckert und Mark Lutter, Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, Paulstr. 3, 50676 Köln

E-Mail: Beckert@mpifg.de und Lutter@mpifg.de

AUTOR/AUTHOR: Struck, Olaf, Michael Grotheer, Tim Schröder and Christoph Köhler

TITEL: Instabile Beschäftigung. Ergebnisse zu einer alten Kontroverse

ENGL. TITLE: To the Increased Significance of Unstable Employment - New Results to an Old Controversy

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 59, 2007, S. 271-293.

KURZREFERAT: Viele theoretische und empirische Arbeiten der Soziologie und Ökonomie heben die Bedeutung betrieblicher Beschäftigungsstabilität für Arbeitsmarktakteure und Sozialstaat hervor. Dabei wird intensiv und kontrovers die Frage nach der Entwicklung stabiler und instabiler Beschäftigung diskutiert. Auf der Basis der IAB-Beschäftigtenstichprobe 1975-2001 (Regionalfile) und der zweiten Welle des SFB 580-Betriebspanel untersucht der Beitrag die Entwicklung und die Ursachen betrieblicher Beschäftigungsstabilität. Es wird verdeutlicht, dass die Beschäftigung instabiler wird. Dabei erweisen sich zentrale arbeitsmarkttheoretische „Barrieren“ gegen eine Ausweitung offener Arbeitsmärkte, wie etwa die Generierung betriebsspezifischen Wissens oder die Sicherstellung von Leistungsbereitschaft, als wenig standfest.

STICHWORTE: Arbeitsmarkt, Betrieb, Personalpolitik, Beschäftigungsstabilität, Beschäftigungsdauer, Arbeitsmarkttheorie

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT:Sociologists and economists emphasize the relevance of employment stability for labour market participants and the welfare state. Consequently, changes in the distribution of stable and unstable employment are discussed intensively and controversially. Based on the IAB Employment Subsample 1975-2001 (regional sample) and the second collection of the SFB 580-Firmpanel the paper analyses trends and determinants of employment stability. The results show: Employment becomes more unstable. Past “barriers of mobility” of the job market theory against an expansion of open job markets, like production and receipt of firm specific knowledge or readiness to perform, prove as a little stable.

KEYWORDS: labour market, firm, personnel policy, employment stability, job tenure, labour market theory

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: PD Dr. Olaf Struck, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Institut für Soziologie, Carl Zeiss Straße 3, 07743 Jena

E-Mail: Struck@soziologie.uni-jena.de

AUTOR/AUTHOR: Bosch, Gerhard, Thomas Haipeter, Erich Latniak and Steffen Lehndorff

TITEL: Demontage oder Revitalisierung? Das deutsche Beschäftigungsmodell im Umbruch

ENGL. TITLE: Upheaval in the German Employment System: Break-up or Revitalisation?

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 59, 2007, S. 294-317.

KURZREFERAT: Die äußerst kontroversen Beurteilungen des deutschen Beschäftigungsmodells in der Literatur beruhen häufig auf Analysen, die beispielsweise allein das Modell der industriellen Produktion oder allein den Sozialstaat in den Blick nehmen. Im vorliegenden Text wird eine alternative Sichtweise vorgestellt, die die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Elementen des Beschäftigungsmodells berücksichtigt. Wir argumentieren, dass zwar mit der Durchsetzung einer „deutschen lean production“ die Wettbewerbsfähigkeit der Exportindustrie entscheidend erhöht werden konnte, doch anders als früher bildet dies keine hinreichende Basis mehr für die Entwicklung einer stärkeren gesamtwirtschaftlichen Beschäftigungsdynamik bildet. Verantwortlich dafür ist die restriktive öffentliche Haushaltspolitik in Verbindung mit Reformblockaden im Bildungswesen und beim Umbau des Sozialstaates in Richtung einer Unterstützung der Frauenerwerbstätigkeit. Die klassische Verknüpfung von qualifikationsbasierter Qualitätsproduktion und sozialem Ausgleich ist ernsthaft beschädigt. Insbesondere der Staat hat sich selbst immer mehr Möglichkeiten genommen, seine Ankerfunktion für das Beschäftigungsmodell und dessen Revitalisierung weiter auszuüben.

STICHWORTE: Nationales Beschäftigungsmodell, Deutsches Sozialmodell, Rheinischer Kapitalismus

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: The controversial assessments of the German employment model in the literature are generally based on analyses focused on individual pillars of the model, such as the production system, or the welfare state. The present paper suggests an alternative view which takes into account the interactions between various elements of the employment model. We argue that, by the implementation of what we call a German variety of lean production, the competitiveness of the manufacturing industry has been boosted over the last few years. However, in contrast to earlier decades, the success of the export machine does not entail a more general employment dynamic. That is, the cranks between manufacturing and the rest of the employment system has been damaged substantially. Most importantly, the state has reduced its anchor role for the whole of the employment model and the potentials for its revitalisation.

KEYWORDS: national employment models, German social model, varieties of capitalism

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: Dr. Steffen Lehndorff, Institut Arbeit und Qualifikation /IAQ, Universität Duisburg-Essen, 45117 Essen

E-Mail: steffen.lehndorff@uni-due.de

AUTOR/AUTHOR: Auspurg, Katrin and Martin Abraham

TITEL: Keines für alle! Die moderat holistische Alternative zu Hartmut Essers Modell der soziologischen Erklärung

ENGL. TITLE: Household Moves as a Bargaining Problem in Family Relationships: A Quasi-Experimental Test of the Family Bargaining Model

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 59, 2007, S. 318-339.

KURZREFERAT: Verhandlungstheoretische Ansätze haben sich in den letzten Jahren in der Familienforschung als weniger abstrakte Alternative zu haushaltsökonomischen Modellen durchgesetzt. Obwohl es inzwischen eine breite Palette an Fragestellungen gibt, auf die Bargaining-Modelle angewendet werden, lassen sich aufgrund der schlechten Datenlage immer noch wenig direkte Überprüfungen dieser Theorie finden. Vorliegender Beitrag sucht diesem Desiderat mit dem quasi-experimentellen Erhebungsdesign eines faktoriellen Survey zu begegnen: Experimentell variierte Anreize zu einem Haushaltsumzug dienen dazu, Veränderungen struktureller Rahmenbedingungen – wie beispielsweise der individuellen Verdienst- und Karrierechancen – und damit Machtkonstellationen in der Partnerschaft zu simulieren. Die beobachteten Reaktionen stützen die aus der Verhandlungstheorie ableitbaren Hypothesen: Die Akteure antizipieren sowohl eigene Verschlechterungen der Verhandlungsmacht als auch die der Partner und reagieren mit einer geringeren Umzugsneigung sowie einem erhöhten wahrgenommenen Konfliktpotenzial für die Beziehung. Aufgrund des innovativen, experimentellen Charakters bedürfen diese Befunde weiterer Validierungen, für die Anregungen gegeben werden.

STICHWORTE: Verhandlungstheorie, Bargaining-Modelle, faktorieller Survey, Haushaltsumzüge

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: Recently bargaining models became a popular theoretical concept within family research. Especially compared to household economic theory, bargaining models are less abstract and provide a tool for analysis of conflicting interests and their consequences in family relationships. However, although there are many different topics which can be tackled with this kind of theory, there is still a lack of direct empirical tests concerning this concept. The aim of this article is to provide such a test by using a special type of a quasi-experimental research design. With a so-called factorial design we vary systematically incentives for a household move in order to model different structural conditions of a relationship like earning possibilities or chances for a career of a partner. This allows us to observe varying power allocations within the relationship. The empirical results support the hypotheses derived from the bargaining model: the respondent anticipates a loss of his or her bargaining power as well as an increasing power of the partner. Consequently they answer such a change with a reduced tendency for a household move and a higher perceived potential for conflicts within the relationship. However, due to our limited knowledge about the validity of the quasi-experimental design these results need to be validated by future research.

KEYWORDS: bargaining models, factorial survey, household move

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: Prof. Dr. Martin Abraham, Universität Bern, Institut für Soziologie, Lerchenweg 36, CH-3000 Bern 9, +41-(0)31-631 48 12 (-11)

E-Mail: abraham@soz.unibe.ch

AUTOR/AUTHOR: Gert Albert

TITEL: Keines für alle! Die moderat holistische Alternative zu Hartmut Essers Modell der soziologischen Erklärung

ENGL. TITLE: None for All! The Moderate Holistic Alternative to Hartmut Esser’s Model of Sociological Explanation

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 59, 2007, S. 340-349.

KURZREFERAT: Der Beitrag stellt eine Antwort auf den in dieser Zeitschrift erschienenen Artikel „Eines für alle(s)? Das Weber-Paradigma, das Konzept des moderaten methodologischen Holismus und das Modell der soziologischen Erklärung“ (Jg. 58, 2006, S. 52-363) von Hartmut Esser dar und erläutert die grundsätzlichen Unterschiede zwischen Essers Modell der soziologischen Erklärung und dem Alternativmodell des moderaten methodologischen Holismus. Neben einer Analyse der Missverständnisse Essers hinsichtlich dieses Alternativmodells zeigt der Beitrag, dass Essers Modell das Konzept der Makrodetermination tatsächlich nicht enthält, und wegen sonst drohender Inkonsistenz auch nicht integrieren darf, da es mit seiner allgemeinen Handlungstheorie und seiner reduktiven Lösung der Transformationsproblematik nicht zusammenpasst. Essers Modell der soziologischen Erklärung involviert im Vergleich mit dem moderat holistischen Alternativmodell eine andere Art der Berücksichtigung makrosozialer Strukturen und einen anderen Einbezug historischer Prozesse. Dies geschieht vor dem Hintergrund unterschiedlicher ontologischer und anthropologischer Grundannahmen, die diesen beiden Modellen unterliegen.

STICHWORTE: Emergenz, Holismus, methodologischer Individualismus, Erklärung, Mikro-Makro-Problem

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: The article is an answer to Hartmut Esser’s „One for All? The Weber Paradigm, the Moderate Methodological Holism Concept and the Sociological Explanation Model”, published earlier in this journal (KZfSS 58: 352-363). It explicates the differences between Essers sociological explanation model and the alternative model of moderate methodological holism. It analyses Esser’s misunderstandings and shows that his model - contrary to Esser’s “official” announcement - doesn’t entail the concept of macrodetermination, which is rightly so, because it doesn’t fit with Essers reductionist approach. The ontological and anthropological conceptions underlying the two explanation models are very different and lead to different methodologies.

KEYWORDS: emergence, holism, methodological individualism, explanation, micro-macro-problem

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: Dr. Gert Albert, Universität Heidelberg, Institut für Soziologie, Sandgasse 9, D-69117 Heidelberg

E-Mail: Gert.Albert@urz.uni-heidelberg.de

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Datei aktualisiert am 30.05.2007 in der Redaktion der KZfSS