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Hg.: Axel Franzen und Markus Freitag

Sozialkapital. Grundlagen und Anwendungen

Sonderheft 47/2007 der KZfSS

Umschlagtext:

Seit Beginn der 1990er Jahre stimuliert die Idee des Sozialkapitals eine lebhafte Diskussion in den Sozialwissenschaften über den Wert sozialer Beziehungen. Nicht nur in der Soziologie, sondern auch in der Politologie und den Wirtschaftswissenschaften beschäftigt sich eine zunehmende Anzahl von Arbeiten mit den Fragen, was unter Sozialkapital zu verstehen ist, wie es entsteht, wie es in Gesellschaften verteilt ist und welche Konsequenzen mit einer mehr oder weniger guten Sozialkapitalausstattung von Individuen und Gesellschaften verbunden sind.

Dieser Band gibt einen Einblick in den aktuellen Stand der Forschung. Neben einleitenden Beiträgen zur Theorie und zur Messung von Sozialkapital beschäftigen sich die Studien im zweiten Teil des Sonderhefts mit den politischen, sozioökonomischen und kulturellen Entstehungsbedingungen von Sozialkapital. Die Beiträge im dritten Teil analysieren die Auswirkungen von Sozialkapital auf Arbeits- und Gütermärkte, auf Unternehmensgründungen und wirtschaftliches Wachstum, bei Migrations- und Fertilitätsentscheidungen, auf die Stadtentwicklung, den Bildungserwerb und das politische Engagement.


Zusammenfassungen und English Summaries des Sonderhefts 47, 2007

AUTOR/AUTHOR: Franzen, Axel; Freitag, Markus

TITEL: Aktuelle Themen und Diskussionen der Sozialkapitalforschung

ENGL. TITLE: Present Topics and Discussions of Research about Social Capital

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 47, 2007, S. 7–22.

KURZREFERAT: Das Ziel unseres Beitrages ist es, den Leserinnen und Lesern dieses Sonderhefts eine kurze Einleitung und einen Überblick über den Stand der Forschung zum Thema „Sozialkapital“ zu geben. Wir verweisen zunächst auf einige Klassiker der Soziologie und der Politikwissenschaft, die schon früh die Bedeutung der sozialen Eingebundenheit für das Handeln von Individuen betont haben. Seit Beginn der 1990er Jahre hat sich dann immer mehr der Begriff „Sozialkapital“ als Bezeichnung für diesen Sachverhalt durchgesetzt. In der modernen empirischen Sozialforschung befassen sich mittlerweile viele Studien mit den Fragen, wie Sozialkapital in Gesellschaften verteilt ist, wie es entsteht und welche Auswirkungen mit einer unterschiedlichen Ausstattung verbunden sind. Dies wird durch die Beiträge in diesem Sonderheft demonstriert, die wir in dieser Einleitung zusammenfassen und vorstellen.

STICHWORTE: Sozialkapital

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: The purpose of this contribution is to provide the readers of this volume with a short introduction and overview of the research on social capital. The idea that individual action depends on the social environment or social embeddedness of individuals can already be found in classical writings of sociologists and political scientists. Since the 1990s the term “social capital” became more and more popular for the description of this approach. Meanwhile there are many modern empirical studies that describe the distribution, the origins and consequences of social capital. This is demonstrated by the contributions of this volume which we summarized in this introduction.

KEYWORDS: social capital

AUTOR/AUTHOR: Kriesi, Hanspeter

TITEL: Sozialkapital. Eine Einführung

ENGL. TITLE: Social Capital. An Introduction

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 47, 2007, S. 23–46.

KURZREFERAT: Diese Einführung hat drei Teile. Zunächst wird das Konzept des Sozialkapitals anhand von zentralen Autoren eingeführt. Zweitens wird die von Putnam im Anschluss an Tocqueville vorgenommene, sehr einflussreiche Reduktion des Konzepts auf horizontale Verbandsstrukturen und soziales Vertrauen diskutiert. Dabei werden die zwei grundsätzlichen Probleme von Putnams Betrachtungsweise des Vereinswesens, welche diese mit dem ursprünglichen Modell Tocquevilles teilt, besprochen. Drittens werden die unterschiedlichen Konsequenzen einzelner Formen von Sozialkapital unterschieden, welche in der Literatur eine große Rolle spielen und die mit unterschiedlichen Beziehungsstrukturen verknüpft sind (vertikale vs. horizontale, formelle vs. informelle, und starke vs. schwache Beziehungen). Die Diskussion der entsprechenden Unterschiede wirft grundsätzlichere Fragen der soziologischen Theorie auf. Im Wesentlichen erlaubt das Konzept des Sozialkapitals die Neuformulierung altbekannter Zusammenhänge auf eine Weise, welche Brücken zwischen theoretischen Ansätzen und Disziplinen schlägt und damit zu neuen Einsichten und Entwicklungsmöglichkeiten führt.

STICHWORTE: Reziprozität, Vertrauen, Vereinswesen, vertikale vs. horizontale, formelle vs. informelle, starke vs. schwache Beziehungen

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: This introduction is divided into three parts. First, the concept of social capital is introduced based on key authors. Next follows a discussion of the influential reduction of the concept to horizontal associational structures and social trust, which Putnam introduced following in the footsteps of Tocqueville. Two problems of Putnam’s understanding of associational structures, which it shares with Tocqueville’s original model, are treated in detail. Third, it introduces different forms of social capital, which have played a significant role in the literature and which are linked to different types of relational structures (vertical vs. horizontal, formal vs. informal and strong vs. weak ties). The discussion of the consequences of these different forms touches upon some more fundamental problems of sociological theory. Basically, the concept of social capital allows the reformulation of well-known relationships in a way that bridges theoretical approaches and disciplines and, thus, leads to new insights and opportunities for theoretical development.

KEYWORDS: reciprocity, social trust, voluntary associations, vertical vs. horizontal, formal vs. informal, strong vs. weak ties

AUTOR/AUTHOR: Diekmann, Andreas

TITEL: Dimensionen des Sozialkapitals

ENGL. TITLE: Dimensions of Social Capital

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 47, 2007, S. 47–65.

KURZREFERAT: Ausgehend von Fallstudien werden in diesem Artikel einige Thesen zum Sozialkapital formuliert. 1. Das Konzept des „Sozialkapitals“ ist vorwiegend von heuristischem Wert. 2. Sozialkapital und Institutionen sind zwei Gruppen von Variablen, die das Ausmaß der Kooperation in einer Gesellschaft beeinflussen. 3. Um die Wirkungen von Sozialkapital genauer analysieren zu können, müssen die einzelnen Dimensionen des Sozialkapitals herausgearbeitet werden. Dazu zählen Reziprozitätsnormen, die Motivation zur Sanktionierung unter Kosten, Reputation und wiederholte Interaktionen. Soziale Netzwerke sind so zu sagen der „Nährboden“; sie tragen dazu bei, dass die kooperationsfördernden Dimensionen hohe Ausprägungen aufweisen. 4. Zur Analyse der Wirkungen der einzelnen Dimensionen muss man von der Makroebene auf die Mikroebene heruntergehen. Unter welchen Bedingungen kooperationsfördernde Wirkungen auftreten, lässt sich mit Hilfe spieltheoretischer Modelle angeben. Aus den Bedingungen folgt eine Vielzahl von Hypothesen, die empirisch geprüft werden können. Damit ist ein Forschungsprogramm benannt, das der Sozialkapitalforschung mehr theoretischen Schwung und Erklärungskraft geben kann.

STICHWORTE: Sozialkapital, Vertrauen, Vertrauensspiel, Kooperation

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: In this article several propositions on social capital research are suggested beginning with case studies. (1) The concept of “social capital” is primarily of heuristic value. (2) Social capital and institutional rules are two groups of variables having an impact on the level of cooperation in a society. (3) For a better understanding of the effects of social capital, its dimensions have to be analyzed more thoroughly. These dimensions are reciprocity norms, the motivation to employ sanctions even if they are costly, reputation, and repeated interactions. Social networks are the “breeding ground” as so far as they support these dimensions and their positive effects on cooperation. (4) To analyze the effects of the dimensions of social capital one has to step down from the macro level to the micro level of social interactions. Models from game theory are helpful to gain more insight of the conditions under which cooperation is achieved. The models allow for the derivation of hypothesis which may be tested empirically with experimental or survey data. These propositions define a research program to give social capital research more explanatory power.

KEYWORDS: social capital, trust, trust game, cooperation

AUTOR/AUTHOR: Franzen, Axel; Pointner, Sonja

TITEL: Sozialkaptial: Konzeptualisierungen und Messungen

ENGL. TITLE: Social Capital: Concepts and Measurement

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 47, 2007, S. 66– 90.

KURZREFERAT: Der Begriff „Sozialkapital“ ist gekennzeichnet durch ein breites Spektrum an unterschiedlichen Definitionen und Messvorschlägen. Auch die empirischen Untersuchungen zu den Wirkungen des Sozialkapitals zeigen ein facettenreiches Bild und die Ergebnisse sind oft sogar widersprüchlich. Wir diskutieren in diesem Beitrag zunächst die unterschiedlichen Bedeutungen und die verschiedenen Operationalisierungen von Sozialkapital. In einem zweiten Schritt untersuchen wir dann die empirischen Zusammenhänge zwischen den einzelnen Dimensionen von Sozialkapital. Es zeigt sich, dass die in der Literatur besprochenen Bedeutungen nicht nur analytisch, sondern auch empirisch unterschieden werden können. Diese Befunde unterstützen unseren Vorschlag, den Begriff „Sozialkapital“ für die netzwerkbasierten Ressourcen zu reservieren und andere soziale Phänomene, wie generalisiertes Vertrauen sowie Normen und Werte von Sozialkapital zu unterscheiden.

STICHWORTE: Sozialkapital, Messung, Vertrauen, Normen, Namensgenerator, Ressourcengenerator

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: The concept of social capital is characterised by a wide spectrum of definitions and suggestions for measurement. Furthermore, empirical results concerning the consequences of social capital display some diversity and are partly contradictory. We discuss in this contribution first the different meanings and measurements associated with the concept. Second, we analyze the empirical correlations between the different aspects of social capital. Our results suggest that the different components of social capital are only moderately connected. Thus, the results support the suggestion of separating the different dimensions and to save the term “social capital” for the resources individuals can access through their network contacts. Other phenomena such as generalized trust or norms of reciprocity can and should be differentiated from social capital.

KEYWORDS: social capital, measurement, trust, norms, name generator, resource generator

AUTOR/AUTHOR: Wöhler, Thomas; Hinz, Thomas

TITEL: Egozentrierte Diskussionsnetzwerke in den USA und Deutschland

ENGL. TITLE: Core Discussion in the USA and Germany

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 47, 2007, S. 91–112.

KURZREFERAT: Persönliche Vertrauenspersonen sind wichtige Bestandteile individuellen Sozialkapitals und werden als solche mit positiven Auswirkungen wie einer besseren Gesundheit oder einer erfolgreicheren Karriere in Verbindung gebracht. Daher sind die Ergebnisse des General Social Survey in den USA, nach denen die Zahl der engen Kontakte zwischen 1985 und 2004 deutlich abgenommen hat und eine Konzentration auf Partner und Familie stattfindet (McPherson et al. 2006), auf große Resonanz gestoßen. Daten des DJI-Familiensurvey zeigen für Deutschland im Gegensatz dazu eine bemerkenswerte Konstanz in der Größe dieser Netzwerke in der Periode von 1988 bis 2000. Die Ergebnisse erlauben den Schluss, dass soziale Isolation in Deutschland keinesfalls in gleicher Weise um sich greift wie in den USA. Eine Veränderung zeigt sich lediglich in der Zusammensetzung der Netzwerke: im Zeitverlauf werden die Partner in Deutschland, wo sie vergleichsweise wichtiger sind als in den USA, weniger bedeutsam, während sie in den USA andere Gesprächspartner ersetzen. Erklärungen für diese unterschiedlichen Tendenzen könnten der Wandel der Familien in Deutschland und die Ausbreitung neuer Kommunikationsmedien liefern.

STICHWORTE: soziale Netzwerke, Diskussionsnetzwerke, Sozialkapital, egozentrierte Netzwerke, soziale Isolation, Desintegration

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: Personal confidants form an important aspect of individual social capital. Given this, they are said to influence outcomes like health status and career advancement. Thus, there was a strong feedback on results based on the General Social Survey according to which the USA suffered from considerable decline in the amount of core confidants between 1985 and 2004 alongside an increasing concentration of these networks on partners and family (McPherson et al. 2006). Data of the DJI-Familiensurvey on the contrary show that in Germany the size of ego centered discussion networks between 1988 and 2000 is remarkably stable. Thus, social isolation in Germany seems to be less prominent than in the USA. However, a change in the composition of the networks over time can be observed: partners in Germany, where they play a more decisive role than in the USA, become less important, whereas in the USA they substitute other discussion partners. Speculating about these different tendencies explanations could be an altered family structure in Germany and the spread of modern communication media.

KEYWORDS: social networks, discussion networks, social capital, egocentric networks, social isolation, disintegration

AUTOR/AUTHOR: Stolle, Dietlind; Rothstein, Bo

TITEL: Institutionelle Grundlagen des Sozialkapitals

ENGL. TITLE: Institutional Foundations of Trust

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 47, 2007, S. 113–140.

KURZREFERAT: In diesem Artikel wird eine Theorie zu den Entstehungsbedingungen des Sozialkapitals präsentiert. Als Alternative zu den gängigen Erklärungen der Sozialkapitalproduktion wird das Hauptaugenmerk hierbei auf die Rolle politischer Institutionen gelegt. Bisherige Sichtweisen heben hervor, dass generalisiertes Vertrauen durch die Bürger selbst und durch die politische Kultur, die in den Netzwerken und Organisationen verankert ist, beeinflusst wird. Im Gegensatz dazu wird argumentiert, dass implementierende und bürgernahe Institutionen des politischen Systems besonders wichtig für die Schaffung generalisierten Vertrauens sind. Dies insbesondere dann, wenn diese Institutionen einen effektiven, unparteilichen und fairen Charakter aufweisen. Der vorliegende Beitrag präsentiert den Kausalmechanismus zwischen den institutionellen Charakteristiken sowie generalisiertem Vertrauen und illustriert dessen Wirksamkeit anhand einer vergleichenden Länderanalyse.

STICHWORTE: Generalisiertes Vertrauen, Sozialkaptial, Institutionserklärung, Street-level Bürokratie, Kausalmechanismus, World Value Survey

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: In this article an alternative theory on the generation of social capital is presented. Contrary to standard accounts of social capital theory that emphasize how generalized trust is built up by the citizens themselves through a culture that permeates the networks and organizations of civil society. The focus here is how social capital is embedded in and linked to formal political and legal institutions. The argument is that trust thrives most in societies with effective, impartial and fair street-level bureaucracies with which citizens are in direct contact. The article presents the causal mechanism between these institutional characteristics and generalized trust, and illustrates its validity in a cross-national context.

KEYWORDS: generalized trust, social capital, institutional approach, street-level bureaucracy, causal mechanism, World Value Survey

AUTOR/AUTHOR: Delhey, Jan

TITEL: Grenzüberschreitender Austausch und Vertrauen. Ein Test der Transaktionsthese für Europa

ENGL. TITLE: Cross-Border Transactions and Trust in Other Nations. The Case of Europe

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 47, 2007, S. 141–162.

KURZREFERAT: Die Transaktionsthese besagt, dass Gemeinschaftssinn zwischen Völkern eine Funktion der Austauschdichte zwischen ihnen ist. Diese These wird für 156 europäische Länderpaare anhand von Vertrauen und einer Reihe von Austauschindikatoren überprüft. In multivariaten Analysen kann jedoch kein Einfluss verschiedener Transaktionsraten auf das wechselseitige Vertrauen nachgewiesen werden. Dichter Austausch geht nicht mit höherem Vertrauen einher, wenn man andere Länder- und Dyadenmerkmale kontrolliert. Modernitätsniveaus, Bevölkerungsgröße und kulturelle Ähnlichkeit sind weit wichtiger für die Zuschreibung von Vertrauen als grenzüberschreitender Austausch. Warum Transaktionen nicht der Königsweg zu Vertrauen sind, wird über die Dominanz systemischer Transaktionen erklärt. Diese bleiben unterhalb der Wahrnehmungsschwelle der breiten Bevölkerung und können deshalb auch nicht in Vertrauen münden.

STICHWORTE: Vertrauen, Transaktionen, grenzüberschreitender Austausch, öffentliche Meinung, internationale Beziehungen

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: This macro-sociological contribution is concerned with sources of trust between nationalities. The transaction thesis claims that the level of sense of community between nationalities is a function of the level of exchange going on between them, such as trade, tourism, and information flows. In this article, the relationship between various transaction measures and social trust in people from other countries is explored empirically, based on data for 156 European country dyads. Contrary to theory, multivariate analyses do not provide evidence that trust in other nationalities depend on the density of cross-border transactions. If one controls for certain country characteristics, dense exchange is not related to higher levels of trust. Rather, for assessing the trustworthiness of foreign populations, Europeans resort to key characteristics like socio-economic modernization, population size, and cultural affinity. A tentative explanation for why transactions have so little impact on public opinion is their largely “systemic” character. They are to a large extent unnoticed by the mass public, and hence can add only little to transnational trust.

KEYWORDS: social trust, transactions, cross-border exchange, public opinion, international relations

AUTOR/AUTHOR: Bühlmann, Marc; Freitag, Markus

TITEL: Freiwilligentätigkeit als Sozialkapital. Eine empirische Analyse zu den Rahmenbedingungen bürgerschaftlichen Vereinsengagements

ENGL. TITLE: Volunteering as Social Capital. An Empirical Analysis of the Determinants of the Voluntary Work in Associations

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 47, 2007, S. 163– 182.

KURZREFERAT: In unserem Beitrag fragen wir nach Bedingungen, welche das bürgerschaftliche Engagement in Freiwilligenorganisationen als Horte sozialen Kapitals beeinflussen. Neben individuellen Merkmalen stehen dabei vor allem die politischen, gesellschaftlichen und sozioökonomischen Rahmenbedingungen individueller Wahlhandlungen im Mittelpunkt des analytischen Interesses. Die Einflüsse der Individual- und der Kontextebene werden simultan in unterschiedlichen Mehrebenenmodellen geschätzt. Es wird deutlich, dass sich unbezahlte Tätigkeiten in Vereinigungen nicht allein auf individuelle Eigenschaften zurückführen lassen. Vielmehr stimulieren auch ländlich geprägte Gemeinwesen und Opportunitätsstrukturen politischer Mitsprache wie direktdemokratische Beteiligungsmöglichkeiten oder eine stark dezentralisierte staatliche Architektur das bürgerschaftliche Engagement in Freiwilligenorganisationen. Die Grundlage der empirischen Untersuchungen bilden Befragungsdaten der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) für das Jahr 2004. Diese Erhebung wurde bei 54251 Individuen durchgeführt, die sich auf die 26 Kantone verteilen.

STICHWORTE: Sozialkapital, Mitgliedschaften, soziale Organisation, Verein, sozialer Kontext, Individualebene, Kontextebene, Mehrebenenanalyse

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: In this paper we ask for conditions influencing volunteering in social organizations as strongholds of social capital. Beside individual characteristics, contextual factors such as political, social, or economic settings are also taken into consideration to explain individual decisions to participate in voluntary organizations. The influences of individual and contextual level factors are tested simultaneously in several multi-level analyses. The results show that volunteering in social associations on the one hand is affected by individual characteristics and on the other hand by contextual factors such as a rural environment and institutional settings. In particular, both direct democracy and decentralization offering larger possibilities of participation facilitates volunteering in social organizations. The data for our analysis is taken from the Swiss Labor Force Survey (SLFS) and comprises over 54.000 respondents.

KEYWORDS: social capital, membership, social organization, voluntary association, social context, individual level, contextual level, multi-level analysis

AUTOR/AUTHOR: Diewald, Martin

TITEL: Arbeitsmarktungleichheiten und die Verfügbarkeit von Sozialkapital. Die Rolle von Gratifikationen und Belastungen

ENGL. TITLE: The Impact of Labour Market Inequalities on the Availability of Individual Social Capital

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 47, 2007, S. 183–210.

KURZREFERAT: Es geht in diesem Beitrag um die Frage, wie die individuelle Verfügbarkeit von Sozialkapital mit arbeitsmarktvermittelten sozialen Ungleichheiten zusammenhängt. Hierzu werden sowohl Gratifikationen als auch Belastungen als ungleichheitsrelevante Arbeitsplatzmerkmale detailliert betrachtet. Ein besonderes Interesse gilt Arbeitsplatzmerkmalen, die in der Diskussion um den Wandel der Arbeit eine besondere Bedeutung haben. Der Schwerpunkt bei der Betrachtung des Explanandums Sozialkapital liegt auf emotionaler und instrumenteller Unterstützung. Datenbasis der Untersuchung sind die Wellen 2005 und 2006 sowie der Pretest 2006 „Persönlichkeit und Alltag“ des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP). Unter den Ergebnissen ist als Überraschung hervorzuheben, dass unter den Gratifikationen das Arbeitseinkommen einen negativen Einfluss auf das Sozialkapital aufwies, während Arbeitsdruck und zeitliche Belastungen einen positiven Gesamteinfluss hatten. Letzteres ist darauf zurückzuführen, dass Beziehungen am Arbeitsplatz einen Bedeutungszuwachs erfahren haben, der Einbrüche bei entfernteren Beziehungen in der Verwandtschaft und bei Wahlbeziehungen mehr als ausglich. Allerdings geht mit hohen Belastungen auch vermehrter Streit innerhalb von Familien- und Arbeitsplatzbeziehungen einher. Da Bedingungen von Unsicherheit und Unstetigkeit einen eher geringen Einfluss ausübten, entspricht das Gesamtbild der Ergebnisse eher den von Hochschild in „The Time Bind“ geschilderten Verhältnissen als den von Sennett in „The Corrosion of Character“ geäußerten Befürchtungen.

STICHWORTE: Sozialkapital, soziale Netzwerke, soziale Unterstützung, Wandel der Arbeit, Flexibilisierung, Destandardisierung, soziale Ungleichheit

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: The paper deals with the question of how labour market inequalities influence the availability of social capital of individuals. As labour market inequalities considered are both gratifications, or rewards, and strains, or costs. Social capital is predominantly operationalized as emotional and instrumental support, in addition as number of friends, trust, and perceived quality of social integration. The analyses rely on the waves 2005 and 2006 plus a pretest “Personality and daily life” 2006 of the German Socio-Economic Panel Study (GSOEP). Results show that most gratifications had a positive impact on social capital except earnings which had a negative impact. The often cited work conditions of uncertainty and insecurity had only a very limited impact, if at all. Against the expectations work strains have a positive overall impact on the availablity of social support. This was due to a gain of social support from colleagues which outperforms losses of social support from the wider kin and nonkin network. However, both in family and colleague networks there is also more conflict under conditions of work strains. The most severe losses in social support networks, friendships, and perceived quality of social integration are faced by long-term unemployment (longer than one year). Taken together the results resemble more the picture that Hochscild draws in “The Time Bind” than the apprehensions advanced by Sennett in “The Corrosion of Character”.

KEYWORDS: social capital, social networks, social support, destandardization of work, flexibilization

AUTOR/AUTHOR: Jungbauer-Gans, Monika; Gross, Christiane

TITEL: Verteilung des sozialen Kapitals. Eine makrosoziologische Analyse des European Social Survey 2002 und 2004

ENGL. TITLE: The Distribution of Social Capital in Societies. A Macro-level Analysis of the European Social Survey Data 2002 and 2004

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 47, 2007, S. 211-240.

KURZREFERAT: Inwiefern unterscheidet sich die Verteilung sozialen Kapitals in den vom European Social Survey 2002/03 und 2004/05 erfassten Ländern? Operationalisiert wird Sozialkapital durch einen Index zu sozialem Vertrauen und durch den Mitgliedsstatus in mindestens einem Verein. Untersucht wird nicht nur wie in bisherigen makrosoziologischen Studien, mit welchen Ländercharakteristika ein hohes durchschnittliches Maß an Sozialkapital einhergeht, sondern auch, welche Faktoren in einem Land mit einer hohen Ungleichverteilung des Sozialkapitals verbunden sind. Dabei werden sowohl theoretische Argumente angeführt, die einen Einfluss dieser Faktoren auf das Sozialkapital implizieren, als auch solche berücksichtigt, die einen Rückkopplungseffekt des Sozialkapitals auf die Ländermerkmale postulieren. Es zeigt sich, dass mit einem hohen Einkommens- und Bildungsniveau, geringer Einkommensungleichheit, hohen Gesundheitsausgaben und einem hohen Ausmaß an Demokratie in einem Land ein hohes Maß an sozialem Vertrauen und ein hoher Anteil an Mitgliedern in Vereinen und Verbänden einhergehen. Eine hohe Ungleichheit an Sozialkapital ist besonders in Ländern mit geringen Bildungsausgaben, einer wenig ausgeprägten Demokratie und einem geringen Anteil an berufstätigen Frauen im Verhältnis zu berufstätigen Männern zu finden. Es wird aufgezeigt, ob und inwiefern einzelne Länder diese Zusammenhänge maßgeblich beeinflussen.

STICHWORTE: Sozialkapital, soziales Vertrauen, Mitgliedschaften, interkultureller Vergleich, soziale Ungleichheit

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: How does the distribution of social capital differ in European countries which participated in the European Social Survey 2002/03 and 2004/05? An index of social trust and the rate of membership in at least one civil association are used for operationalizing social capital. We do not only analyze which country characteristics correlate with high average measures of social capital at the macro-level of countries, but in addition we investigate which of these factors are correlated with high inequality in the distribution of social capital. Theoretical reasons are brought forth to explain the possible effects of these characteristics on unequally distributed social capital and of feed-back effects of social capital on these country characteristics respec-tively. It can be shown that high levels of income and education, low inequality of income and high levels of health expenditures and democracy correlate with high values of social trust and high proportions of membership in at least one civil organization. Distinctive inequalities of social capital can be found in countries with low levels of expenditures for education, low democratization and a small ratio of working women in relation to working men. Whether single countries (outliers) significantly influence these results is examined.

KEYWORDS: social capital, social trust, membership, cross-cultural comparison, social inequality

AUTOR/AUTHOR: Raub, Werner; Rooks, Gerrit; Tazelaar, Frits

TITEL: Erträge des Sozialkapitals in zwischenbetrieblichen Beziehungen: Eine empirisch-theoretische Studie

ENGL. TITLE: Returns on Social Capital in Inter-Firm Relations: An Empirical-Theoretical Study

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 47, 2007, S. 241–271.

KURZREFERAT: In diesem Beitrag geht es um Erträge des Sozialkapitals korporativer Akteure (Organisationen). Mit „Sozialkapital“ meinen wir die Beziehungen eines Betriebs mit anderen Betrieben. In unserer Studie untersuchen wir die Leistung von Lieferanten in Transaktionen mit Abnehmern. Wir entwickeln Hypothesen über den Zusammenhang der Leistung des Lieferanten mit Merkmalen der Transaktion, Merkmalen der vertraglichen Planung der Transaktion und dem Sozialkapital des Abnehmers. Anders als in früherer Forschung konzeptualisieren wir das Sozialkapital des Abnehmers nicht nur als Beziehung mit dem Lieferanten selbst, sondern auch als Netzwerk der Beziehungen des Abnehmers mit anderen Kunden des Lieferanten sowie mit alternativen Abnehmern. Wir überprüfen unsere Hypothesen mit einem umfangreichen Datensatz über ca. 1200 Anschaffungen von IT-Produkten (Hardware und Software). Unsere Resultate unterstützen Hypothesen über den Zusammenhang von Merkmalen der Transaktion mit der Leistung des Lieferanten, während Hypothesen über den Zusammenhang von Merkmalen der vertraglichen Planung mit der Leistung des Lieferanten nicht unterstützt werden. Unsere Hypothesen über Erträge des Sozialkapitals im Hinblick auf die Leistung des Lieferanten werden weitgehend und konsistent empirisch unterstützt. Insbesondere zeigt sich, dass Netzwerkeinbettung mit besserer Leistung des Lieferanten einhergeht.

STICHWORTE: Abnehmer-Lieferanten, Governance, Lieferantenleistung, Netzwerke, soziale Einbettung, Sozialkapital, Transaktionskostentheorie, vertragliche Planung, zwischenbetriebliche Beziehungen

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: We focus on the returns on social capital of corporate actors (organizations). “Social capital” refers to the ties of a business firm with other firms. We study supplier performance (e.g., timely delivery, product quality, service) in transactions with buyers and develop hypotheses on how transaction characteristics, contractual governance, and social capital of the buyer affect supplier performance. Other than in earlier research, social capital of the buyer includes not only the relation with the supplier but also the network of relations of the buyer with other clients of the supplier as well as with alternative suppliers. Hypotheses are tested using sizeable and rich survey data on approximately 1200 purchases of IT-products (hardware and software). Results support hypotheses on how supplier performance is related to transaction characteristics, while hypotheses on effects of contractual planning are not supported. We find rather robust and consistent support for hypotheses on the returns on buyer social capital with respect to supplier performance. Specifically, supplier performance is positively related to network embeddedness of the buyer.

KEYWORDS: buyer-supplier relations, embeddedness, inter-firm networks, governance, performance, social capital, transaction cost theory

AUTOR/AUTHOR: Preisendörfer, Peter

TITEL: Sozialkapital und unternehmerisches Handeln. Das soziale Netzwerk von Unternehmensgründern als Erfolgsfaktor

ENGL. TITLE: Social Capital and Entrepreneurship. The Influence of Social Networks on the Success of Newly Founded Businesses

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 47, 2007, S. 272–293.

KURZREFERAT: Der Beitrag versteht sich als Überblicksaufsatz zum so genannten „network approach to entrepreneurship.“ Im Rahmen dieses Ansatzes wird davon ausgegangen, dass persönliche Netzwerke, betriebliche Netzwerke, Netzwerkaktivitäten und Netzwerkunterstützungsleistungen für die Gründung und den Erfolg neuer Unternehmen in hohem Maße von Bedeutung sind. Nach einer kurzen Einführung in die Thematik wird ein Schema zur Systematisierung verschiedener Varianten des Netzwerkansatzes unternehmerischen Handelns präsentiert. Anschließend wird ausführlicher auf die in der einschlägigen Forschung am häufigsten verwendete Variante eingegangen. Diese behauptet, dass das personenbezogene Netzwerk von Gründern die Erfolgs- und Überlebenschancen ihrer jungen Unternehmen positiv beeinflusst. Wider Erwarten lässt sich dies aber empirisch oft nicht belegen. Dieser Befund wird gegen Ende des Beitrags für einige weiterführende theoretische Klärungen und Korrekturen des „network approach to entrepreneurship“ genutzt.

STICHWORTE: Sozialkapital, Netzwerkanalyse, Entrepreneurship, Unternehmensgründung, berufliche Selbständigkeit, Überleben und Erfolg neugegründeter Betriebe

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: The article reviews the so-called network approach to entrepreneurship. The basic assumption of this approach is that personal networks, firm networks, networking activities and network support have a substantial effect on founding processes and chances of success of business start-ups. After a short introduction into the topic, a way to summarize the different variants of the network approach to entrepreneurship is developed. Then, in more detail, the article deals with the most prominent variant of the network approach. This variant postulates that the personal network of founders influence the prospects of survival and success of their firms. Contrary to expectation, many empirical studies do not confirm this hypothesis. Concluding the paper, this finding is used for some theoretical refinements and corrections of the network approach to entrepreneurship.

KEYWORDS: social capital, network analysis, entrepreneurship, business foundings, self-employment, survival and success of business start-ups

AUTOR/AUTHOR: Stadelmann-Steffen, Isabelle; Freitag, Markus

TITEL: Der ökonomische Wert sozialer Beziehungen. Eine empirische Analyse zum Verhältnis von Vertrauen, sozialen Netzwerken und wirtschaftlichem Wachstum im interkulturellen Vergleich

ENGL. TITLE: The Economic Value of Social Relations. An Empirical Analysis of the Relationship between Trust, Social Networks and Economic Growth in a Comparative Perspective

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 47, 2007, S. 294–320.

KURZREFERAT: Ausgangspunkt dieses Beitrags ist die Frage, inwiefern zwischenmenschliches Vertrauen sowie informelle und formelle soziale Netzwerke das wirtschaftliche Wachstum beeinflussen. Ausgehend von der ökonomischen Theorie konditionaler Konvergenz argumentieren wir, dass ärmere Länder nur unter bestimmten politischen und kulturellen Bedingungen ihr Wachstumspotential ausschöpfen können. Die Datengrundlage unserer Untersuchung bildet die für die Wachstumsforschung bislang vernachlässigte vierte Welle des Word Values Survey (1999-2001). Die Ergebnisse zeigen, dass der Bestand an sozialem Kapital das Wirtschaftswachstum hoch entwickelter Volkswirtschaften nicht generell beeinflusst, jedoch insbesondere für den ökonomischen Aufholprozess ökonomisch rückständiger Nationen von Bedeutung ist. Die aufgezeigte Wirkung des Sozialkapitals ist dabei indikatorenabhängig: Während ein stark ausgeprägtes interpersonales Vertrauen ein Aufholen der ärmeren Länder gegenüber den reichen Nationen zulässt, können informelle Netzwerke und das Vereinsengagement die wirtschaftliche Entwicklung nicht wesentlich beeinflussen.

STICHWORTE: soziale Netzwerke, Vertrauen, ökonomisches Wachstum, Sozialkapital, vergleichende Politikwissenschaft

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: This paper asks, whether interpersonal trust as well as informal and formal social networks influence economic growth. Starting from the economic theory of conditional convergence we assume that poor countries can tap the full growth potential under particular political and cultural conditions only. The analysis presented here is based on the fourth wave of the World Values Survey (1999–2001), which has until now not been subject to research on economic growth. Our results show that social capital does not substantially influence growth in developed democracies, but is of particular importance for the economic catch-up process of poor countries. However, this effect depends on the nature of social capital: While pronounced interpersonal trust enables less developed countries to catch-up compared to rich nations, informal networks as well as the engagement in associations does not substantially foster economic growth.

KEYWORDS: social networks, trust, economic growth, social capital, comparative politics

AUTOR/AUTHOR: Voss, Thomas

TITEL: Netzwerke als soziales Kapital im Arbeitsmarkt

ENGL. TITLE: Networks as Social Capital in the Labor Market

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 47, 2007, S. 321–342.

KURZREFERAT: Der Zugang zu beruflichen Positionen erfolgt häufig über soziale Beziehungen. Geeignete soziale Beziehungen sind für beide Seiten des Arbeitsmarktes (Arbeitgeber und Arbeitssuchende) soziales Kapital, insofern sie Suchkosten verringern, die Qualität des „Matches“ zwischen Position und Person verbessern, zu höheren Profiten und Gehältern sowie ähnlichen Formen einer „Rendite“ beitragen. Der Beitrag skizziert und diskutiert netzwerktheoretische Grundlagen, der Sozialkapitalbegriff und empirische Befunde dieses Forschungsgebiets, in dem es trotz intensiver Anstrengungen bisher kaum gelungen ist, die postulierten Sozialkapital-Effekte auf Arbeitsmarktergebnisse von Beschäftigten empirisch zu dokumentieren. Einige Gründe für dieses Scheitern werden aufgezeigt.

STICHWORTE: Arbeitsmarkt, soziales Kapital, soziale Netzwerke

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: Social ties are frequently important in the attainment of jobs. For both sides of the labour market (employers and employees) appropriate social ties seem to be a kind of social capital that yields returns: Ties reduce costs of searching, improve the quality of matches, and contribute to higher profits or a better labour market status. The article gives a survey and discussion that focuses on network theoretic foundations, the concept of social capital and empirical results in this comprehensive area of research. There are numerous empirical studies on social networks in the labour market. However, effects of social capital on the labour market status have not yet been confirmed unambiguously. The paper discusses some of the reasons for this lack of corroborating evidence.

KEYWORDS: social capital, social networks, labour market

AUTOR/AUTHOR: Braun, Norman; Berger, Roger

TITEL: Sozialkapital und illegale Märkte

ENGL. TITLE: Social Capital and Illegal Markets

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 47, 2007, S. 343–366.

KURZREFERAT: Versteht man unter Sozialkapital die durch soziale Beziehungen generierte Struktur von Opportunitäten, so dürfte die Nutzung derartiger Möglichkeiten gerade im Zusammenhang mit illegalen Märkten eine wesentliche Rolle spielen. Nach grundlegenden Begriffen werden im vorliegenden Beitrag einschlägige theoretische Überlegungen zur Entstehung und Gestaltung von illegalen Transaktionen diskutiert. Diese Überlegungen illustriert der vorliegende Artikel anhand einer koordinierten Befragungsstudie in den sichtbaren Drogenszenen von Schweizer Städten. Nach einem knappen Überblick zu den Erhebungen und dem Forschungsdesign wird berichtet, wie sich Sozialkapital im beobachtbaren Drogenmarktgeschehen niedergeschlagen hat.

STICHWORTE: soziale Netzwerke, abweichendes Verhalten, Drogen/p>

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: If social capital is defined as the opportunity structure generated by social relationships, it can be expected to play an essential role in the context of illicit markets. In addition to fundamental concepts, this paper discusses theoretical arguments with respect to the emergence and specification of illegal transactions. Then it presents relevant results of a systematic survey of regular users of hard drugs in Swiss cities. After a short review of the survey and its research design, it documents how social capital varies with visible variables of the drug market.

KEYWORDS: social networks, deviant behaviour, illicit drugs

AUTOR/AUTHOR: Haug, Sonja; Pointner, Sonja

TITEL: Sozialkapital und Migration

ENGL. TITLE: Social Capital and Migration

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 47, 2007, S. 367–396.

KURZREFERAT: Zunächst wird kurz der Begriff des in der Migrationssoziologie verwendeten Sozialkapitals erläutert und ein Überblick über die empirische Umsetzung in der Migrationsforschung gegeben. Das Sozialkapital gilt als einflussreiche unabhängige Variable für die Migrationsentscheidung. Anhand von Beispielen aus der Forschung über Migranten in Deutschland und ihre Familien- und Freundschaftsnetzwerke wird die Anwendung des Konzepts veranschaulicht. Insbesondere wird der Einfluss des Sozialkapitals auf die Integration dargelegt. Es zeigt sich, dass eine Präzisierung des begrifflichen Konzepts für die weitere Migrationsforschung sinnvoll ist. So ist eine Unterscheidung zwischen Sozialkapital am Herkunfts- und Zielort, d.h. zwischen herkunftslandspezifischem und aufnahmelandspezifischem Sozialkapital notwendig, um die Wirkungsmechanismen des Sozialkapitals bei der Migration und der sozialen Integration präziser beschreiben und erklären zu können.

STICHWORTE: Sozialkapital, soziales Netzwerk, Migration, soziale Integration, ethnische Gemeinschaft

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: The article contains a brief overview on the concept of social capital used in migration sociology and on the empirical application in migration research. Social capital is a major independent variable explaining migration. The concept of social capital is illustrated with examples from the research on migrants in Germany and their family and friendship networks. Particulary, the influence of social capital on integration is shown. It appears that a conceptual specification of social capital for further migration research is reasonable. It is argued that a distinction between social capital in the country of origin and the country of destination (respectively so-called host country specific social and destination country specific social capital) is necessary in order to describe and explain the mechanisms underlying social capital, migration and social integration.

KEYWORDS: social capital, social network, migration, social integration, ethnic community

AUTOR/AUTHOR: Bühler, Christoph

TITEL: Soziales Kapital und Fertilität

ENGL. TITLE: Social Capital and Fertility

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 47, 2007, S. 397–419.

KURZREFERAT: Die materielle Situation eines Individuums, Paares oder Haushalts ist von nachhaltiger Bedeutung für Fertilität und reproduktive Entscheidungen. Es stellt sich aber die Frage, wie weit dieser Einfluss nicht nur auf Erwerbseinkommen oder Kapitalerträgen beruht, sondern auch auf Versorgungs- und Unterstützungsleistungen aus der sozialen Umwelt. Der Artikel möchte einen Rahmen skizzieren, innerhalb dessen theoretische und empirische Antworten auf diese Frage gegeben werden können. So werden zunächst auf der Grundlage haushaltsökonmischer Überlegungen Kriterien formuliert, unter denen eine Integration der materiellen Komponente soziale Netzwerke in Fertilitätsentscheidungen sinnvoll ist. Hiervon ausgehend wird eine allgemeine Theorie sozialen Kapitals spezifiziert, die diesen Kriterien gerecht wird und die auf der Grundlage reziproker Tauschbeziehungen Aussagen darüber treffen kann, mittels welcher Mechanismen Individuen Zugang zu fertilitätsrelevanten Ressourcen in ihrer sozialen Umwelt erhalten. Der empirische Teil gibt einen Überblick über den Stand der Forschung. Diese belegt, dass sowohl informelle Kinderbetreuung als auch die individuelle Eingebundenheit in Tausch und Unterstützungsnetzwerke fertilitätsfördernde Einflüsse besitzt. Gleichwohl sind diese Ergebnisse mit verschiedenen theoretischen und empirischen Defiziten behaftet, so dass bislang spezifische, aber keine allgemein gültigen Aussagen über die Bedeutung fertilitätsrelevanten sozialen Kapitals getroffen werden können.

STICHWORTE: Soziales Kapital, Fertilität, Tauschtheorie, Reziprozität, Haushaltsökonomie, Kinderbetreuung, materielle Unterstützung, soziale Netzwerke, Rational-Choice

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: Fertility and reproductive decision-making are significantly influenced by the material situation of an individual, couple, or household. This material situation may rest on different sources of resources. Thus, the question arises whether income from work or assets exclusively matter for fertility or whether also interpersonal supportive relationships exert influence on reproductive decisions. The article intends to develop a general framework that offers theoretical and empirical answers to this query. On the background of the theory of neoclassical household economics, it specifies criteria that allow for an integration of the material aspects of social networks into models of reproductive decision-making. Afterwards it develops a theory of social capital that applies to these criteria and that is grounded on mechanisms of direct and indirect reciprocal exchange. The empirical part of the article provides a brief overview about insights supporting the conclusion that informal childcare arrangements as well as networks of interpersonal exchange promote fertility. However, most of these insights are associated with theoretical or empirical shortcomings. Thus, the current state of research does not allow for a general evaluation of the relevance of social capital for fertility.

KEYWORDS: social capital, fertility, exchange theory, reciprocity, household economics, childcare, material support, social networks, rational choice

AUTOR/AUTHOR: Lippl, Bodo

TITEL: Sozialkapital und politische Partizipation in Europa

ENGL. TITLE: Social Capital and Political Participation in Europe

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 47, 2007, S. 420–449.

KURZREFERAT: Im Forschungsfeld der politischen Partizipation wird angenommen, dass sich erstens die Ausstattung mit ökonomischem und Humankapital, zweitens politische Einstellungen (insbesondere das politische Interesse) und drittens das Sozialkapital positiv auf die politische Beteiligung von Menschen und damit auch positiv auf die Demokratie auswirken kann. Überlegungen seit den 1990er Jahren zur Bedeutung der zivilgesellschaftlichen Einbindung von Menschen am Gelingen von Demokratie haben dazu geführt, auch dem Erklärungsfaktor Sozialkapital wieder besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Für europäische Länder wird anhand von Umfragedaten des „European Social Survey“ von 2002/2003 empirisch getestet, inwieweit sich insbesondere Indikatoren des Sozialkapitals auf die Beteiligung an unterschiedlichen elektoralen und nicht elektoralen politischen Partizipationsformen auswirken. Ergebnisse dieser Analysen zeigen, dass derartige Effekte weitgehend gefunden werden können. Jedoch erweisen sie sich bei differenzierter Betrachtung je nach Partizipationsform unterschiedlich. Insbesondere ein intensives Engagement in Vereinigungen und Vereinen als Aspekt des strukturellen Sozialkapitals wirkt in der Gesamtbetrachtung positiv auf die politische Beteiligung.

STICHWORTE: Politische Partizipation, Sozialkapital, freiwillige Vereinigungen, Zivilgesellschaft, Demokratie

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: In the field of political participation research we assume that there are three aspects that influence political participation: (1) the individual position within social inequality structures, with respect to endowment in economic and human capital, (2) political attitudes (especially interest in politics) and (3) individual social capital. It is assumed that all aspects have a positive impact on the different forms of political participation and ultimately, on democracy itself. Using data from the European Social Survey 2002/2003, hypotheses are being tested empirically in 20 European countries; it is specifically tested to see to what extent these explanatory factors and social capitals, affect involvement in different electoral and non electoral forms of political participation. The results show that those effects can be found for the most part to distinguish between different forms of participation. This is particularly true in the aspects of the individual social capital. But those effects seem to be rather notable with respect to certain forms of political participation: civic engagement in voluntary organizations as an aspect of structural social capital, which surprisingly seems to have a positive impact on political participation.

KEYWORDS: political participation, social capital, voluntary associations, civil society, democracy

AUTOR/AUTHOR: Friedrichs, Jürgen; Oberwittler, Dietrich

TITEL: Soziales Kapital in Wohngebieten

ENGL. TITLE: Social Capital in Neighbourhoods

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 47, 2007, S. 450– 486.

KURZREFERAT: Der Artikel berichtet über die Anwendung des Konzeptes „Sozialkapital“ in der interdisziplinären Stadtforschung. Wir stellen zuerst systematisch die unterschiedlichen theoretischen Grundlagen und die damit verbundenen methodologischen Probleme dar. Soziales Kapital wird als eine kollektive Eigenschaft der sozialen Organisation von Wohngebieten verstanden. Im zweiten Teil werden die Ergebnisse zahlreicher empirischer Forschungen, insbesondere zu den Zusammenhängen von Sozialkapital und Kriminalität, berichtet. Der dritte Teil richtet sich auf das neuere Konzept der collective efficacy, mit dem sich soziales Kapital messen lässt, und das auf das gegenseitige Vertrauen und die Handlungserwartungen für informelle Sozialkontrolle in der Nachbarschaft abzielt. Wir stellen das Konzept, die entsprechenden Skalen und die kumulativen Ergebnisse der einschlägigen internationalen Forschung dar. Ergänzt wir dieser Teil durch einen Bericht über die Ergebnisse zweier deutscher Studien, in denen mit diesem Konzept gearbeitet wurde. In beiden Studien ergeben sich enge Zusammenhänge zwischen sozialstrukturellen Benachteiligungen und dem sozialen Kapital von Wohngebieten. Unsere Analysen zeigen, dass das Konzept „collective efficacy“ sehr fruchtbar ist, um das Verhalten in Wohngebieten zu erklären.

STICHWORTE: Soziales Kapital, Wohngebiete, collective efficacy, Stadtsoziologie

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: The article pertains to applications of the concept “social capital” in interdisciplinary urban research. We first examine the theoretical approaches and their methodological problems, defining social capital as a collective attribute of the social organization of neighbourhoods. In the second part we review the empirical evidence of the impact of social capital on neighbourhoods and their residents, in particular on deviant behavior. The final section is devoted to the concept “collective efficacy”, measuring social capital by combining trust and informal social control in neighbourhoods. We present the scales and cumulative findings from international research, expanded by results from two recent German studies of collective efficacy. In both studies low social capital was related to social deprivation. From our analyses we conclude collective efficacy to be powerful concept in urban research both to measure social capital and explain behavioural of residents.

KEYWORDS: social capital, neighborhoods, collective efficacy, urban sociology

AUTOR/AUTHOR: Allmendinger, Jutta; Nikolai, Rita; Ebner, Christian

TITEL: Soziale Beziehungen und Bildungserwerb

ENGL. TITLE: Social Relationships and Acquisition of Knowledge

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 47, 2007, S. 487–513.

KURZREFERAT: Ziel des Beitrages ist es, die Relevanz von Sozialkapital für die individuellen Bildungschancen und den Bildungserwerb darzulegen. Soziales Kapital sollte hierbei nicht isoliert von anderen Kapitalsorten gedacht werden. Denn Beziehungen nutzen wenig, wenn die mit dem Individuum verbundenen Personen selbst über geringe Ressourcen verfügen. Ausgehend von diesen Überlegungen wird nach einem ersten allgemeinen Überblick über die Bildungssituation in Deutschland neben Sozialkapital der Einfluss von ökonomischem und kulturellem Kapital auf die Kompetenzentwicklung und den Bildungsverlauf dargelegt. Die Autoren verweisen zudem darauf, neben der Mikroebene auch die Ebene der Institutionen und „übergeordnete“ Kompositionseffekte nicht aus den Augen zu verlieren. Ferner wird für zukünftige Untersuchungen zum Thema Sozialkapital und Bildung angeregt, neben den Eltern und Geschwistern auch Freunde, Klassenkameraden und Lehrer stärker zu berücksichtigen, nicht nur formale Abschlüsse, sondern auch Kompetenzen als Ressourcen zu sehen und die Dauerhaftigkeit von Beziehungen und Nutzung von Kapital zu berücksichtigen. Hierfür bedarf es eines stärker interdisziplinären Vorgehens sowie breit angelegten Längsschnittstudien.

STICHWORTE: Sozialkapital, Bildungsungleichheit, soziale Herkunft, Bildungschancen, soziale Beziehungen, Kompetenzen, Bildungsexpansion

ENGL. KURZREFERAT/ABSTRACT: The purpose of this article is to reveal the significance of social capital for individual educational opportunities and the acquisition of knowledge. Hereby, social capital should not be thought of as separate from other forms of capital, for network relationships offer little help, if anyone connected to other individuals in the network has few resources at hand. Based on these considerations, we will first provide a short overview of the educational context in Germany and then examine, besides social capital, the influence of economic and cultural capital on the development of competencies and the course of education. Moreover, the authors call for not underestimating the institutional level and “subordinate” composition effects beyond micro-level examinations. Furthermore, the authors suggest for future research on the topic of social capital and education to pay greater attention to classmates and friends in addition to parents and siblings; to view not only formal certificates but also competencies as resources; and to consider the sustainability of networks and the utilisation of capital. In order to achieve this goal, a more interdisciplinary approach and broad longitudinal studies are needed.

KEYWORDS: social capital, educational inequality, social background, educational chances, social relationships, competencies, educational expansion

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Datei aktualisiert am 16.11.2007 in der Redaktion der KZfSS