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Sonderheft 48/2008 der KZfSS
Fragen der Migration und der Integration ethnischer Minderheiten sind in den letzten Jahrzehnten zunehmend in das Zentrum der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit gerückt. Sie stellen auch und vor allem für die Sozialwissenschaften unmittelbare Herausforderungen dar. In diesem Band greifen namhafte nationale und internationale Experten wichtige Probleme auf, die sich vor dem derzeitigen Stand der Forschung als zentrale offene Fragen ergeben. Sie thematisieren dabei theoretische und methodische Entwicklungen, die für die zukünftige Forschung als besonders fruchtbar und richtungsweisend anzusehen sind. Inhaltlich decken die Beiträge ein weites Spektrum von Phänomenen ab: Sie reichen von den Ursachen der Migration über Aspekte der kulturellen, strukturellen, sozialen und emotionalen Integration bis hin zu Prozessen ethnischer Grenzziehungen. Gemeinsam ist allen Beiträgen eine prinzipiell erklärende und empirisch-analytische Perspektive. Der Band stellt somit insgesamt eine systematische Sammlung von Grundmechanismen bzw. Teilprozessen bereit, die für ein adäquates Verständnis des aktuellen Migrations- und Integrationsgeschehens unverzichtbar sind.sstattung von Individuen und Gesellschaften verbunden sind.
AUTOR/AUTHOR: Frank Kalter
TITEL: Stand, Herausforderungen und Perspektiven der empirischen Migrationsforschung
ZUSAMMENFASSUNG: Der Beitrag leitet in das vorliegende Sonderheft der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie ein und verortet die darin versammelten Artikel in einem übergreifenden Rahmen. Dieser Rahmen besteht in der Perspektive einer deutlich stärker theoriegeleiteten und grundlagenorientierten empirischen Forschung im Themenfeld der Migration und Integration und wird im Hinblick auf die speziellen Themen des Bandes näher erläutert. Die Unterteilung zwischen allgemeinen theoretischen Perspektiven, Phänomenen der Migration, der Integration und der ethnischen Grenzziehung bildet die grobe Orientierung. Ein besonderes Augenmerk wird ferner auf den methodischen Stand, die generelle Datenlage und weitere entsprechende Perspektiven der Migrationsforschung gerichtet.
STICHWORTE: theoriegeleitete empirische Sozialforschung, Grundlagenforschung, Integration, Migration, ethnische Grenzziehung
ENGL. TITLE: State, Challenges, and Perspectives of Empirical Migration Research
ABSTRACT: The paper introduces into this special volume of the KZfSS by integrating each individual contribution into an overarching framework. This framework is given by a perspective that emphasizes the need for a more theory-driven and more basic empirical research in the field of migration and integration. This idea is outlined following the basic structure and themes of this book focusing on general theoretical perspectives, phenomena of migration, diverse aspects of integration, and processes of ethnic boundary making. Finally, specific attention is paid to the use of methods and the availability of data in migration research as well as to further respective perspectives in the near future.
KEYWORDS: theory-driven empirical research, basic research, integration, migration, ethnic boundary making
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 48, 2008, S. 11-36.
AUTOR/AUTHOR: Richard Alba
TITLE: Why We Still Need a Theory of Mainstream Assimilation
ABSTRACT: This paper reconsiders the theory of assimilation and argues for its continuing fundamental importance in the contemporary era of immigration. It indicates how the neo-assimilation theory developed by Alba and Nee (2003) overcomes important limitations in the canonical framework, as found in Gordon’s (1964) famous book. It argues that neo-assimilation theory is also a necessary complement to the theory of segmented assimilation because it does not take racial/ethnic boundaries as exogenous and addresses the varied boundary mechanisms of mainstream assimilation. The relevance of neo-assimilation is revealed by the scenario of non-zero-sum mobility for minorities that could ensue in the US from the retirement of the baby boom and lead to boundary changes. Similar scenarios are possible in western European societies.
KEYWORDS: assimilation, social boundaries, social mobility, race/ethnicity
DT. TITEL: Warum eine Theorie der Mainstream-Assimilation noch immer unverzichtbar ist
ZUSAMMENFASSUNG: Der Beitrag entwickelt die Assimilationstheorie weiter und argumentiert, dass sie für die Analyse gegenwärtiger Immigrationsprozesse nach wie vor von fundamentaler Bedeutung ist. Es wird aufgezeigt, wie die von Alba und Nee (2003) konzipierte Neue Assimilationstheorie zentrale Schwächen des herkömmlichen Ansatzes, etwa im klassischen Beitrag von Gordon (1964), überwindet. Die Neue Assimilationstheorie stellt – so wird weiter argumentiert – eine notwendige Ergänzung zur Theorie der „Segmented Assimilation“ dar, vor allem weil sie im Gegensatz zu dieser ethnische Grenzen nicht als exogen betrachtet und Assimilation aufgrund von unterschiedlichen Mechanismen der Grenzveränderung berücksichtigt. Die Bedeutung der Neo-Assimilation offenbart sich in den USA vor allem dadurch, dass die Mobilitätschancen der Minderheiten keinen Nullsummenspiel-Charakter tragen und sich nach dem Ausscheiden der Baby-Boom-Generation aus dem Arbeitsmarkt in struktureller Hinsicht notwendigerweise ethnische Grenzveränderungen ergeben werden. Ähnliche Szenarien könnten auch für viele Westeuropäische Gesellschaften relevant werden.
STICHWORTE: Assimilation, Soziale Grenzen, Soziale Mobilität, Ethnizität
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 48, 2008, S. 37-56
AUTOR/AUTHOR: Andreas Wimmer
TITEL: Ethnische Grenzziehung in der Immigrationsgesellschaft. Jenseits des Herder'schen Commonsense
ZUSAMMENFASSUNG: Viele migrationssoziologische Studien setzen ethnische Gruppen als selbstverständliche Beobachtungseinheiten voraus und nehmen an, dass sich diese durch Gemeinschaftssolidarität und kulturelle Differenz auszeichnen. Diese Annahmen werden von den unterschiedlichsten Ansätzen geteilt, von der Assimilationstheorie bis zum Paradigma der transnationalen Gemeinschaften, die ansonsten wenig gemein haben. Sie alle implizieren eine Herder’sche Perspektive, welche die Unterteilung der Welt in verschiedene „Völker“ naturalisiert. Drei analytische und empirische Probleme dieser Perspektive werden diskutiert. Der zweite Abschnitt führt das Paradigma der ethnischen Grenzziehung ein, das die Herder’sche Gleichsetzung von ethnischer Kultur, Gemeinschaft und Kategorie vermeidet. Dieses Paradigma konzeptualisiert die „Assimilation“ und „Integration“ von Immigranten nicht als Ergebnis der Überwindung kultureller Differenz und sozialer Distanz zwischen verschiedenen „Völkern“, sondern als reversiblen und machtgeleiteten Prozess der Grenzverschiebung. Im letzten Abschnitt schlage ich fünf mögliche Untersuchungsdesigns vor, die sich dazu eignen, Herder’schen Commonsense zu vermeiden.
STICHWORTE: Ethnische Grenzziehung, Ethnizität, Migrationstheorie, Assimilation, Multikulturalismus, ethnic studies, Essentialismus
ENGL. TITLE: Ethnic Boundary Making in Migrant Societies Beyond the Herderian Common Sense
ABSTRACT: Much research on immigrant societies assumes that ethnic groups are obvious units of observation and treat ethnic culture and community as self-explanatory variables. These assumptions are shared by otherwise quite dissimilar approaches, from assimilation theory to the transnational community paradigm, among many others. I show that these theories of immigrant ethnicity rely on a Herderian perspective on the world, which naturalizes its division into a series of distinct “peoples”. Then I discuss three major analytical and empirical problems of this perspective. The second section introduces the ethnic boundary-making paradigm which avoids the Herderian conflation of ethnic culture, community, and category. This paradigm reconceives immigrant “assimilation” and “integration” as reversible, power driven processes of boundary shifting, rather than the result of overcoming cultural difference and social distance between distinct “peoples”. The final section proposes five possible research designs which are thus well suited to avoid Herderian common sense.
KEYWORDS: ethnic boundary making, ethnicity, theories of immigrant integration, assimilation, multiculturalism, Ethnic Studies, essentialism
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 48, 2008, S. 57-80.
AUTOR/AUTHOR: Hartmut Esser
TITEL: Assimilation, ethnische Schichtung oder selektive Akkulturation? Neuere Theorien der Eingliederung von Migranten und das Modell der intergenerationalen Integration
ZUSAMMENFASSUNG: In Reaktion auf einige Besonderheiten der so genannten „New Immigration“ und die bekannten Schwächen der klassischen Assimilationstheorie sind in der letzten Zeit einige neuere theoretische Vorschläge entstanden und debattiert worden, darunter speziell die „Theory of Segmented Assimilation“ und die „New Assimilation Theory“. Hier werden neben dem (klassischen) strukturellen Ausgang der „Assimilation“ zwei weitere mögliche Ausgänge vorgesehen: die ethnische Schichtung als dauerhafter Abstieg der Folgegenerationen und die selektive Akkulturation als sozialer Aufstieg unter Nutzung und Beibehaltung der ethnischen Ressourcen und Identitäten. Der Beitrag rekonstruiert diese theoretischen Entwicklungen und die angenommenen strukturellen Ausgänge jeweils als Spezialfälle eines übergreifenden Modells, des Modells der intergenerationalen Integration, und systematisiert die in den verschiedenen Theorien skizzierten Teilprozesse und Einzelmechanismen in einigen wenigen grundlegenden Zusammenhängen. Ein wichtiges Ergebnis ist dabei auch die Identifikation von empirisch nicht ohne Weiteres gegebenen Bedingungen und Hintergrundprozessen, auf denen die verschiedenen Theorien und strukturellen Ausgänge, aber auch das Modell der intergenerationalen Integration, beruhen.
STICHWORTE: Assimilation, ethnische Schichtung, selektive Akkulturation, "New Immigration", intergenerationale Integration
ENGL. TITLE: Assimilation, Ethnic Stratification or Selective Acculturation? Recent Theories of the Integration if Immigrants and the Model of Intergenerational Integration
ABSTRACT: In response to several special characteristics of the so-called “new immigration” and to the wellknown weaknesses of classical assimilation theory several theoretical suggestions have recently been made and discussed, including, in particular, the “Theory of Segmented Assimilation” and the “New Assimilation Theory”. In addition to the (classical) structural outcome of assimilation, these theories assume two other possible outcomes: ethnic stratification as an enduring social descent of following generations and selective acculturation as social advancement by using and retaining ethnic resources and identities. This contribution reconstructs these theoretical developments and the presumed structural outcomes as special cases of a comprehensive model, i. e. the model of intergenerational integration, and systematizes sub-processes and single mechanisms outlined by the various theories. An important result is also the identification of conditions and background processes that do not necessarily occur empirically, but that underlie the different theories and structural outcomes as well as the proposed model of intergenerational integration.
KEYWORDS: assimilation, ethnic stratification, selective acculturation, "new immigration", intergenerational integration
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 48, 2008, S. 81-107.
AUTOR/AUTHOR: Bernhard Nauck
TITEL: Akkulturation: Theoretische Ansätze und Perspektiven in Psychologie und Soziologie
ZUSAMMENFASSUNG: Der Beitrag zielt auf eine konzeptuelle und theoretische Integration der Akkulturations- und Assimilationsforschung, wie sie sich in der kulturvergleichenden Psychologie und in der Migrationssoziologie entwickelt haben. Obwohl beide unabhängig voneinander entstanden sind und selten voneinander Notiz genommen haben, ist die Konvergenz der Forschungsprogramme und die konzeptuelle Äquivalenz der jeweils verwendeten Terminologie beträchtlich. Akkulturation ist ein longitudinales Mehrebenen-Explanandum und ein interdisziplinärer Forschungsgegenstand. Exemplarisch werden Akkulturations-Adaptations-Modelle (Berry) und Assimilations-Modelle (Esser) unter dem Gesichtspunkt verglichen, wie sie das Mehrebenen-Problem der Verknüpfung von individuellem (Akkulturations-/Assimilations-)Handeln und sozialem Kontext lösen. Hierzu wird „Kultur“ als Mehrebenen-Konzept der Akkulturationsforschung eingeführt und auf Kapital-Investitions-Theorien und auf Institutionen-Theorien von Migrationsregimes bezogen, die beide vielversprechende Ansätze für die zukünftige Akkulturationsforschung darstellen.
STICHWORTE: Akkulturation, Assimilation, kulturvergleichende Psychologie, Sozialintegration, Kultur, Mehrebenen-Analyse, Marginalisierung
ENGL. TITLE: Acculturation: Theoretical Approaches and Perspectives in Psychology and Sociology
ABSTRACT: The paper aims at a conceptual and theoretical integration of acculturation research, as it has been developed and pursued in cross-cultural psychology, and of assimilation research, as it has been developed and pursued in migration sociology. Although both research programs have emerged independently and seldom took notice of each other, the overlap of the respective research agendas is considerable, as is the conceptual equivalence of the respective theoretical terminology. Acculturation is thus identified as a longitudinal multi-level explanandum and an inter-disciplinary research topic. More specifically, the paper compares models of acculturation (e. g. Berry) and assimilation (e. g. Esser) and examines how they resolve the linkage between individual action and context, i. e. the multi-level problem in the explanation of acculturation/assimilation. For this purpose, “culture” is discussed as a multi-level concept in acculturation research and is related to capital-investment-theories and institutional theories of immigration regimes, being both promising perspectives for future acculturation research.
KEYWORDS: acculturation, assimilation, cross-cultural psychology, social integration, culture, multilevel analysis, marginalization
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 48, 2008, S. 108-133.
AUTOR/AUTHOR: Douglas S. Massey, Frank Kalter, Karen A. Pren
TITEL: Structural Economic Change and International Migration from Mexiko and Poland
ABSTRACT: In this article we use uniquely comparable data sets from two very different settings to examine how exogenous economic transformations affect the likelihood and selectivity of international out-migration. Specifically, we use data from the Mexican Migration Project to construct event history files predicting first U.S. trips from seven communities in the state of Veracruz, which until recently sent very few migrants abroad. Similarly, using data from the Polish Migration Project, we derive comparable event history files predicting first trips to Germany from four Polish communities, which also sent few migrants abroad before the 1980s. Our analyses suggest that the onset of structural adjustment in both places had a significant effect in raising the probability of international migration, even when controlling for a set of standard variables specified by other theories to influence migration propensity, such as the size of the binational income gap and various indicators of human and social capital.
KEYWORDS: international migration, structural adjustment, Mexiko, Poland, social capital, human capital
DT. TITLE: Struktureller ökonomischer Wandel und internationale Migration: Ein Vergleich von Mexiko und Polen
ZUSAMMENFASSUNG: In diesem Beitrag untersuchen wir, wie exogene ökonomische Transformationen die Wahrscheinlichkeit und die Selektivität internationaler Migrationen beeinflussen. Wir stützen uns dabei auf zwei Datensätze, die zwar aus sehr verschiedenen Kontexten stammen, aber in einzigartiger Weise miteinander vergleichbar sind: Mit Daten aus dem Mexican Migration Project und mit Methoden der diskreten Ereignisdatenanalyse untersuchen wir das Risiko einer Erstmigration in die USA in sieben Gemeinden des Bundestaates Veracruz, einer Region, die bis vor kurzem nur sehr wenige Migranten stellte. In ähnlicher Weise benutzen wir Daten des Polnischen Migrationsprojektes und analysieren das Risiko einer Erstmigration nach Deutschland in vier polnischen Gemeinden, die ebenfalls bis in die 1980er Jahre kaum nennenswerte Migrationen aufwiesen. Der Vergleich zeigt, dass der Beginn der strukturellen Brüche und Anpassungen die Wahrscheinlichkeit internationaler Migrationen in beiden Kontexten erheblich und signifikant erhöht hat. Dies gilt insbesondere auch dann, wenn man Veränderungen in Standard-Kontrollvariablen berücksichtigt, die mit den gebräuchlichen Ansätzen der Migrationstheorie in Verbindung stehen, wie zum Beispiel das Ausmaß der Einkommensgefälle und Indikatoren des Human- und Sozialkapitals.
STICHWORTE: Internationale Migration, Strukturelle Anpassung, Mexiko, Polen, Sozialkapital, Humankapital
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 48, 2008, S. 134-161.
AUTOR/AUTHOR: Johannes Huinink, Stefanie Kley
TITEL: Regionaler Kontext und Migrationsentscheidungen im Lebenslauf
ZUSAMMENFASSUNG: Generell kann man davon ausgehen, dass die vergleichende Einschätzung regionaler Opportunitäten für die Herstellung individueller Wohlfahrt bei Migrationsentscheidungen eine wichtige Rolle spielt. Ausgehend von einer lebenslauftheoretischen Perspektive und auf der Grundlage einer modifizierten Version des Wert-Erwartungs-Modells werden in diesem Beitrag differenzierte Thesen zum Stellenwert regionaler Lebensbedingungen im Migrationsprozess formuliert. Sie behaupten zum einen, dass die Bedeutung regionaler Disparitäten von der spezifischen Lebensphase abhängt. Zum anderen sollten Opportunitäten für den Anstoß von Wegzugsgedanken und als Auslöser für Wegzugspläne in verschiedenen Lebensbereichen unterschiedlich relevant sein. Mit Daten aus einer Befragung, die unter den 18- bis 50-jährigen Bewohnern von Freiburg und Magdeburg durchgeführt wurde, werden diese Hypothesen einer empirischen Prüfung unterzogen. Die Einschätzung, dass familienrelevante Lebensbedingungen andernorts besser sind, begünstigt bei Befragten in der frühen Familienphase sowohl Migrationsgedanken wie auch den Übergang zu Fortzugsplänen. Andernorts besser eingeschätzte Bedingungen, bezogen auf den beruflichen Bereich, sind zwar für das Aufkommen von Migrationsgedanken relevant, Migrationspläne werden aber erst dann in Angriff genommen, wenn ein beruflicher Wechsel bevorsteht. Die Ergebnisse begründen, dass Migrationsentscheidungen stärker in Wechselwirkung mit biografischen Ereignissen zu modellieren sind, als es in der bisherigen Forschung geschehen ist.
STICHWORTE: Migrationsentscheidung, Lebenslauf, regionaler Kontext
ENGL. TITLE: Regional Context and Migration Decisions in the Life Course
ABSTRACT: Perceived differences in regional opportunities to pursue individual well-being play a decisive role in migration decision-making. Based on a modified version of the expected-utility-model we develop some specific hypotheses about the significance of regional living conditions in the migration process from the life-course perspective. Firstly, we propose that effects of regional disparities depend on the particular biographical period actors experience. Secondly, we assume that according to family life and occupational career opportunities trigger considering and planning migration in different ways. Making use of a survey among the inhabitants of Magdeburg and Freiburg aged 18 to 50 these hypotheses are tested. We find that in the early phase of family development perceiving more supportive opportunities for family life elsewhere promotes both considering and planning migration. Perceiving better opportunities for the occupational career is important for considering migration but planning migration is mainly triggered by experiencing a shift in the occupational career itself. Our findings suggest that research should put more emphasis on the interdependency between the decision to migrate and biographical events.
KEYWORDS: migration decision-making, life course, regional opportunities
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 48, 2008, S. 162-184.
AUTOR/AUTHOR: Yinon Cohen, Yitchak Haberfeld, Irena Kogan
TITEL: Jüdische Immigration aus der ehemaligen Sowjetunion. Ein natürliches Experiment zur Migrationsentscheidung
ZUSAMMENFASSUNG: Gestützt auf israelische, deutsche und amerikanische Zensusdaten vergleichen wir das Bildungsniveau jüdischer Migranten (und ihrer nichtjüdischen Familienangehörigen), die in den Jahren 1990-2000 aus der ehemaligen Sowjetunion (eSU) nach Israel, Deutschland und in die USA auswanderten. Die besonderen Umstände der Auswanderung aus der eSU in die USA, nach Deutschland und nach Israel innerhalb dieser zehn Jahre bieten eine einmalige Gelegenheit, die Abläufe der Selbstselektionsmuster von Immigranten genauer zu untersuchen, als dies in früherer Forschung meist geschah. Der Vergleich des Bildungsniveaus von Auswanderern in die drei Länder kann als Resultat eines natürliches Experimentes zur Migrationsentscheidung verstanden werden, bei der Immigranten zwei Optionen mit praktisch keinerlei Visumeinschränkungen (Israel und Deutschland) und eine mit Visumerfordernissen (USA) hatten. Gestützt auf Borjas’ Theorie der Selbstselektion behandelt dieser Artikel die relative Anziehungskraft der drei Länder auf verschiedene Typen von Einwanderern und testet diese Theorie empirisch. Es ist zu erwarten, dass Immigranten mit hoher Bildung Aufnahmeländer vorziehen, in denen ihre Bildungserträge höher sind. Die Ergebnisse stützen die theoretischen Annahmen: Emigranten mit hoher Bildung wandern mit größerer Wahrscheinlichkeit in die USA aus, wo der Arbeitsmarkt flexibler ist und ihre Qualifikationserträge höher sind als in Israel oder Deutschland.
STICHWORTE: Migration, Selbstselektion, Bildung, jüdische Einwanderer, Israel, Deutschland, USA, ehemalige Sowjetunion
ENGL. TITLE: Jewish Immigration from the Former Soviet Union: a Natural Experiment in Immigrants' Destination Choices
ABSTRACT: Drawing on Israeli, German and US census data, we compare the educational levels of Jewish immigrants (and their non-Jewish family members) from the Former Soviet Union (FSU) arriving in Israel, Germany, and the US during 1990-2000. The special circumstances of immigration from the FSU to the US, Germany and Israel during this 10-year period offer a unique opportunity to study processes of immigrants’ patterns of self selection more rigorously than has been done in most previous research. The comparison of educational levels among immigrants arriving in the three countries can be viewed as a natural experiment in immigrants’ destination choices, where immigrants had two destination options with practically no visa restriction (Israel and Germany) and one country (USA) with visa requirements. Drawing on Borjas’ theory of self-selection, the paper discusses the relative attractiveness of the three countries to various types of immigrants, and tests the empirical status of the theory, expecting highly educated immigrants to prefer destinations where returns to skills are higher. The findings support theoretical expectations: highly educated immigrants were more likely to immigrate to the US, where the labour market is more flexible, and returns to skills are higher than in Israel or Germany.
KEYWORDS: migration, self-selection, education, Jews, Israel, Germany, USA, fromer Soviet Union
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 48, 2008, S. 185-201.
AUTOR/AUTHOR: Hartmut Esser
TITEL: Spracherwerb und Einreisealter: Die schwierigen Bedingungen der Bilingualität
ZUSAMMENFASSUNG: Der Beitrag behandelt die theoretische Erklärung und empirisch feststellbare Bedeutung des Einreisealters für die Entstehung einer (kompetenten) Bilingualität. Im Hintergrund steht die theoretisch nahe liegende, aber umstrittene Hypothese, dass bestimmte soziale Bedingungen, die den Erwerb der einen Sprache fördern, den der anderen behindern, etwa weil sich im Alltag die entsprechenden Sprachumwelten räumlich, zeitlich und sozial meist deutlich verteilen. Beim Einreisealter kommt die – ebenfalls umstrittene – Hypothese hinzu, dass es eine „kritische Periode“ des Spracherwerbs gebe. In dem Beitrag wird ein theoretisches Modell für den Zweit- und Erstspracherwerb entwickelt und anhand von Daten des Sozio-Ökonomischen Panels empirisch untersucht. Die beiden wichtigsten Ergebnisse sind, dass es zum einen in der Tat einige Bedingungen des Spracherwerbs gibt, die den Erwerb beider Sprachen gegenseitig behindern, und dass das für das Einreisealter in einem besonderen Maße zutrifft, und zum anderen, dass es eine deutlich erkennbare „kritische Periode“ beim Zweitspracherwerb gibt (etwa ab 13 Jahren). Die Entstehung der (kompetenten) Bilingualität wird damit von zwei Seiten her erschwert: Ein zu niedriges Einreisealter behindert den Erstspracherwerb, ein zu hohes den Zweitspracherwerb. Die praktische Schlussfolgerung für die Förderung der Bilingualität ist damit die möglichst frühzeitige Ermöglichung interethnischer Kontakte für den simultanen Zugang zu verschiedenen Sprachumgebungen in der Periode der höchsten Lernfähigkeit.
STICHWORTE: Spracherwerb, Bilingualität, Einreisealter, "kritische Periode"
ENGL. TITLE: Language Acquisition and Age at Immigration: The Difficult Conditions for Bilingualism
ABSTRACT: This contribution deals with the theoretical explanation and empirically observable impact of the age at immigration on the development of (competent) bilingualism. What is behind this, is the obvious, however also controversial, hypothesis that certain social conditions that foster the acquisition of one language impede the acquisition of the other one. This may be due to the fact that the respective day-to-day language environments often differ in terms of space, time and also socially. In addition, with regard to the age at immigration the – also controversial – hypothesis becomes important that there is a ‘critical period’ in language acquisition. In this article we develop a theoretical model of second and first language acquisition and investigate it empirically with data of the socio-economic panel. The two most important results are that, first there are indeed certain conditions that mutually impede the acquisition of both languages and that this is especially true for age at immigration as one of these conditions, and second, that there is a clearly identifiable “critical period” in second language acquisition (starting at about the age of 13). The development of (competent) bilingualism is thus hindered from two sides: a too low age at immigration obstructs first language acquisition whereas a too high age obstructs second language acquisition. The practical conclusion for enhancing bilingualism is then to allow for interethnic contacts at an early stage in order to provide simultaneous exposure to different language environments during the period when learning aptitude is highest.
KEYWORDS: language acquisition, bilingualism, age of immigration, critical period hypothesis
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 48, 2008, S. 202-229.
AUTOR/AUTHOR: Cornelia Kristen
TITEL: Schulische Leistungen von Kindern aus türkischen Familien am Ende der Grundschulzeit. Befunde aus der IGLU-Studie
ZUSAMMENFASSUNG: Das nachteilige schulische Abschneiden von Kindern aus türkischen Zuwandererfamilien wurde bislang vor allem für den Sekundarschulbereich untersucht, während die vorgelagerten Bildungsetappen nur vereinzelt betrachtet werden konnten. Die vorliegende Studie richtet sich auf den Grundschulbereich und geht der Frage nach den Prozessen der Entstehung früher ethnischer Bildungsungleichheiten nach. Ausgehend von einer allgemeinen Erklärung von Unterschieden in der Kompetenzentwicklung wird skizziert, welche Lernbedingungen in den Familien und im schulischen Umfeld je nach sozialer und ethnischer Herkunft anzutreffen sind und wie sich Unterschiede in diesen Bedingungen in den Leistungsmustern niederschlagen. Anschließend wird anhand von Daten der Schulleistungsstudie IGLU 2001 geprüft, inwieweit sich hierüber die ausgeprägten Leistungsnachteile türkischstämmiger Viertklässler gegenüber Kindern ohne Migrationshintergrund in den Bereichen Lesen und Mathematik aufklären lassen. Die Befunde der Mehrebenenanalysen zeigen, dass die bestehenden Unterschiede im Wesentlichen auf die sozialen Voraussetzungen und die Sprachpraxis in den Familien zurückzuführen sind. Die Leistungszusammensetzung der Schülerschaft in den Grundschulen trägt ebenfalls, wenn auch in geringem Ausmaß, zur Aufklärung der Disparitäten bei. Der Anteil deutscher Erstsprachler im schulischen Umfeld scheint keine besondere Rolle zu spielen. Beim Leseverständnis verbleiben auch nach Berücksichtigung einer Vielzahl bildungsrelevanter Merkmale Nachteile für Kinder aus türkischen Familien. Bei der mathematischen Kompetenz lassen sich diese dagegen vollständig aufklären.
STICHWORTE: Migranten, Bildungsungleichheit, Grundschule, internationale Schulleistungsstudien
ENGL. TITLE: The Turkish-German Achievement Gap at the End of Primary School. Evidence from German PIRLS Study
ABSTRACT: The Turkish-German performance gap is well established for the German secondary school level, but has hardly been addressed for earlier stages in children’s school careers. Against this background the study focuses on the German elementary school system and examines the processes that contribute to early ethnic educational inequalities. It starts with a general account on learning processes that is subsequently specified with a selection of arguments on the emergence of social and ethnic differences in competence acquisition. Using data of the Progress in International Reading Literacy Study (PIRLS) from 2001 the multilevel analyses reveal that the various conditions associated with growing up in different socioeconomic contexts account for a substantial part of the initial disadvantages in reading and mathematics. German language use within the family further contributes to this pattern. Another important condition, though only of minor relevance for the performance gap, concerns the achievement composition of students within schools with a higher achievement level contributing to better test results. At the same time, children of Turkish origin do not profit additionally from learning in contexts in which German native speakers concentrate. After considering a whole range of relevant conditions, Turkish children still experience a considerable penalty in reading test scores, whereas for mathematics it is possible to fully account for initial disparities.
KEYWORDS: migrants, educational inequality, primary school, international student assessments
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 48, 2008, S. 230-251.
AUTOR/AUTHOR: Michael Becker, Petra Stanat, Jürgen Baumert, Rainer Lehmann
TITEL: Lernen ohne Schule: Differenzielle Entwicklung der Leseleistungen von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund während der Sommerferien
ZUSAMMENFASSUNG: An die US-amerikanische Literatur zum so genannten summer setback anknüpfend wird untersucht, inwieweit das außerschulische Umfeld zur Entstehung von ethnischen Disparitäten beiträgt. Anhand einer Stichprobe von N = 1592 Schülern aus Berlin wird analysiert, ob sich die Leselesitungen bei Kindern mit Migrationshintergrund über die Sommerferien zwischen der 4. und 5. Klasse weniger günstig entwickeln als bei Kindern ohne Migrationshintergrund. Nach Kontrolle der Ausgangsleistung sind mit dem ethnischen Hintergrund Leistungsdisparitäten verbunden. Diese hängen zum Teil, aber längst nicht vollständig, mit Disparitäten im sozioökonomischen Hintergrund zusammen. Nachteile in Abhängigkeit unterschiedlicher Lerngelegenheiten, die direkt mit dem Migrationshintergrund verbunden sein können (z. B. Umgangssprache zu Hause), können jedoch nicht belegt werden. Auch die Lese- und Freizeitaktivitäten der Kinder spielen keine moderierende Rolle für die identifizierten Unterschiede.
STICHWORTE: Bildungsungleichheit, Migranten, ethnischer Hintergrund, sozioökonomischer Hintergrund, familiäre Herkunft, Lesekompetenz, Schulleistung, Sommerferien, saisonales Lernen
ENGL. TITLE: Learning Outside of School: Differential Development of Reading Comprehension in Children with and without Immigrant Background during Summer Vacation
ABSTRACT: Based on the literature on causes of educational inequities, we examine the extent to which the out-of-school environment contributes to differential learning losses during the summer vacation in Germany. Drawing on a sample of N = 1592 students from the city of Berlin, we assess whether 4th and 5th graders from immigrant families show differential development in reading achievement during the summer vacation relative to their native German peers. Controlling for prior achievement, we find disparities associated with the ethnic background. These are partly, but by far not completely due to disparities in socio-economic background. Contrary to our hypotheses, however, specific differences in learning opportunities that may be associated with an immigrant background (e. g., language spoken at home) seem not relevant for the remaining ethnic disadvantages. Furthermore, the differences identified are not moderated by the children’s reading or leisure time activities.
KEYWORDS: educational inequality, ethnic background, family background, socioeconomic background, academic achievement, reading comprehension, summer learning, seasonal variations
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 48, 2008, S. 252-276.
AUTOR/AUTHOR: Anthony Heath, Yaojun Li
TITLE: Period, Life-cycle and Generational Effects on Ethnic Minority Success in the British Labour Market
ABSTRACT: The paper uses repeated cross-section data in order to trace the experiences of different generations of ethnic minorities over time in the British labour market. It distinguishes life cycle, generational and period effects on ethnic minority experience in the labour market (focussing on ethnic penalties with respect to employment). On theoretical grounds, we might expect to find some “catching up” with respect to all three. However, the paper finds little evidence of catching up on the part of the most disadvantaged groups – Black Africans, Black Caribbeans and Pakistanis and Bangladeshis – either over the life cycle, generations, or historical time. In contrast the various white groups had relatively little catching up to do and show trajectories that are fairly similar to those of the white British majority population. These white groups are also joined by the Indians and Chinese minorities who are relatively successful in the labour market. The paper discusses several mechanisms that may account for the differential patterns, like discrimination, community structures and enclave economies, or changing frames of reference.
KEYWORDS: ethnic minorities, generations, life cycle, period effects, frames of reference
DT. TITEL: Der Erfolg ethnischer Minderheiten auf dem britischen Arbeitsmarkt: Perioden-, Lebenszyklus- und Generationeneffekte
ZUSAMMENFASSUNG: Der Beitrag stützt sich auf kumulierte Querschnittsdaten und verfolgt damit die Erfahrungen verschiedener Generationen von ethnischen Minderheiten auf dem britischen Arbeitsmarkt. Betrachtet werden sogenannte „ethnic penalties“ im Hinblick auf die Beschäftigungschancen, wobei Lebenszyklus-, Generationen- und Periodeneffekte unterschieden werden. Aus theoretischer Sicht wäre in Bezug auf alle drei ein Assimilationstrend stark benachteiligter ethnischer Gruppen zu erwarten. Dies können die Analysen allerdings kaum bestätigen: Personen afrikanischer, karibischer, pakistanischer und bangladesischer Herkunft, die das größte Arbeitslosigkeitsrisiko aufweisen, holen weder im Laufe des Lebenszyklus, noch über die Generationenfolge oder die Kalenderzeit auf. Im Gegensatz dazu zeigen sich für die weißen ethnischen Minderheiten nur geringe Nachteile und ähnliche Verlaufsmuster wie für die britische Mehrheitspopulation. Gleiches gilt auch für Personen indischer und chinesischer Herkunft, die auf dem Arbeitsmarkt relativ erfolgreich sind. Der Beitrag diskutiert verschiedene Mechanismen, durch die sich die unterschiedlichen Muster eventuell erklären lassen, wie z. B. Diskriminierungen, ethnische Gemeinschaftsstrukturen bzw. Enklavenökonomien und wechselnde Referenzrahmen.
STICHWORTE: Ethnische Minderheiten, Generationen, Lebenszyklus, Periodeneffekte, Referenzrahmen
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 48, 2008, S. 277-306.
AUTOR/AUTHOR: Frank van Tubergen
TITLE: The Impact of the Partner on the Economic Incorporation of Immigrants. Household Specialization of Social Capital?
ABSTRACT: This study examines the role of the partner in the economic incorporation of immigrant men and women. It derives hypotheses from household specialization theory and social capital theory, leading to opposite expectations on the impact of the partner’s labour-market resources and employment status. To test the hypotheses, the study relies on data from a repeated, cross-sectional household survey that has been designed to examine four important ethnic minority groups in the Netherlands (Turks, Moroccans, Surinamese and Dutch Antilleans). The results do not support the theory of household specialization but are mostly in line with social capital theory. Most notably, it appears that immigrants with a partner who has obtained a high education in the country of origin and the Netherlands are more likely to be employed and have a higher status job. The positive role of partner’s education yields for both men and women and persists even when immigrants own education and other skills are taken into account.
KEYWORDS: immigration, integration, ethnic disparity, humancapital, social capital, Netherlands, partner effects
DT. TITEL: Der Einfluss des Partners auf die ökonomische Inkorporation von Migranten: Spezialisierung im Haushalt oder Soziales Kapital
ZUSAMMENFASSUNG: Die Studie untersucht die Rolle des Partners in den ökonomischen Inkorporationsprozessen männlicher und weiblicher Migranten. Aus der Spezialisierungsthese der Neuen Haushaltsökonomie und aus der Sozialkapitaltheorie werden unterschiedliche Erwartungen darüber abgeleitet, welchen Einfluss die arbeitsmarktbezogenen Ressourcen des Partners auf den eigenen Erwerbsbzw. Beschäftigungsstatus von Migranten nehmen. Um diese rivalisierenden Thesen zu testen, werden vier ethnische Minderheitsgruppen in den Niederlanden (Türken, Marokkaner, Surinamesen und Niederländische Antillianer) mit gepoolten Querschnittsdaten eines Haushaltssurveys untersucht. Die Analysen liefern wenig Unterstützung für die Haushaltsspezialierungsthese, sondern sprechen überwiegend für die Sozialkapitalthese. Insbesondere sind Migranten mit einem hochgebildeten Partner wahrscheinlicher beschäftigt und wahrscheinlicher in statushöheren Jobs zu finden. Dieser positive Einfluss der Bildung des Partners zeigt sich dabei sowohl für Männer als auch für Frauen und bleibt auch dann erhalten, wenn die eigenen Bildungsqualifikationen und weitere Fertigkeiten oder Kenntnisse berücksichtigt werden.
STICHWORTE: Einwanderung, Integration, Ethnische Ungleichheit, Humankapital, Soziales Kapital, Niederlande, Partnereffekte
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 48, 2008, S. 307-324.
AUTOR/AUTHOR: Beate Völker, Fenne Pinkster, Henk Flap
TITLE: Inequality in Social Capital between Migrants and Natives in the Netherlands
ABSTRACT: This study compares the networks and social capital of native Dutch inhabitants with that of migrants in the Netherlands. We discuss the research literature, come up with new predictions and provide empirical analyses. Our data stem from three different surveys. For the comparison of personal networks we used the Amenities and Services Utilization Survey (AVO, 1999, n = 13 122 of which about 9 percent belong to an ethnic minority). For the comparison of social capital we combined two other sets of data: the Survey of the Social Networks of the Dutch (SSND, 2000, n = 1 007, of which 7 percent belong to an ethnic minority) and a survey among residents of two disadvantaged neighborhoods in The Hague (n = 406, of which 70 percent belong to an ethnic minority, i. e., Moroccan, Turkish, Surinam, or Antillean). The first data allow for a comparison of core discussion networks (s. e. g. Marsden 1987, 1988), while the latter two allow to compare social capital delineated through the position generator (Lin/Dumin 1986). We found that personal networks are remarkably homogeneous with regard to ethnicity, but that the degree to which people associate with their own group differs between immigrant groups. Our results also indicate that meeting places in the Netherlands are segregated according to ethnicity. Finally, social capital of immigrants is drastically lower than that of migrants.
KEYWORDS: social capital of migrants, social networks of migrants, ethnic homogeneity in networks
DT. TITEL: Ungleichheit im sozialen Kapital von Migranten und Einheimischen in den Niederlanden
ZUSAMMENFASSUNG: Unsere Studie vergleicht Netzwerke und Sozialkapital von holländischen Bürgern mit dem von Einwanderern in den Niederlanden. Wir skizzieren kurz die Forschungsliteratur, formulieren einige neue Hypothesen und testen diese empirisch. Unsere Daten stammen aus drei verschiedenen Surveys: Für den Vergleich von persönlichen Netzwerken benutzen wir Daten des „Amenities and Services Utilization Survey“ (AVO, 1999, n = 13 122, wovon ca. 9 Prozent Migranten sind). Für den Vergleich von Sozialkapital kombinieren wir zwei andere Datensätze, den Survey of the Social Networks of the Dutch (SSND, 2000, n = 1 007, wovon ca. 7 Prozent Migranten) und die Daten einer Studie in zwei benachteiligten Nachbarschaften in Den Haag, (n = 406, wovon ca. 70 Prozent Migranten). Mittels des ersten Datensatzes können soziale Netzwerke (s. Marsden 1987, 1988) verglichen werden, mittels der beiden anderen wird Sozialkapital verglichen, gemessen über den „Positiongenerator“ (Lin/Dumin 1986). Unsere Ergebnisse zeigen, dass soziale Netzwerke ethnisch sehr homogen sind, und dass das Ausmaß dieser Homogenität zwischen verschiedenen Migrantengruppen variiert. Weiterhin sind die Kontexte, in denen man seine Netzwerkmitglieder trifft, wahrscheinlich bereits ethnisch segregiert. Sozialkapital von Einwanderern ist drastisch niedriger als das von Niederländern.
STICHWORTE: Sozialkapital, Soziale Netzwerke von Einwanderern, ethnische Homogenität in Netzwerken
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 48, 2008, S. 325-350.
AUTOR/AUTHOR: Julia H. Schroedter, Frank Kalter
TITEL: Binationale Ehen in Deutschland. Trends und Mechanismen der sozialen Assimilation
ZUSAMMENFASSUNG: Der Stand und die Entwicklung interethnischer Ehen sind für die klassischen Migrantengruppen in Deutschland bislang noch sehr unzureichend untersucht. Dies liegt vor allem an einem Mangel an geeigneten Daten. Dieser Beitrag kumuliert deshalb verfügbare Scientific Use Files des deutschen Mikrozensus und versucht, Unterschiede zwischen den Migrantengruppen und entsprechende Trends über die Zeit, über die Kohorten sowie über die Generationen aufzuzeigen. Darüber hinaus werden grundlegende theoretische Mechanismen der inter- vs. Intraethnischen Partnerwahl skizziert und empirisch getestet. Vor allem die makrostrukturellen Gelegenheiten des Heiratsmarktes und der Grad der strukturellen Assimilation erweisen sich als wichtige Determinanten der individuellen Partnerpräferenzen. Sie können die aufgezeigten Gruppenunterschiede und Trends auch zum Teil, keineswegs aber vollständig erklären.
STICHWORTE: Interethnische Ehen, soziale Assimilation, strukturelle Assimilation, Heiratsmarkt, Mikrozensus
ENGL. TITLE: Intermarriage in Germany. Trends and Mechanisms of Social Assimilation
ABSTRACT: So far there has been only little research on intermarriage patterns of the classical labor migrant groups in Germany. This has been due mainly to a lack of adequate data. In this paper we try to make use of cumulated scientific use files of the German microcensus in order to analyze differences between groups as well as trends over time, birth cohorts, and generations. Further, we sketch basic theoretical mechanisms which might explain ethnically heterogeneous vs. homogenous partner choice and test them empirically. It turns out that the opportunity structure of the marriage market and the degree of structural assimilation are important determinants of immigrants’ and their descendants’ individual partner preferences. Related variables are able to account for a notable part of the differences and trends we observe, however, they seem by far not sufficient in this respect.
KEYWORDS: intermarriage, social assimilation, structural assimilation, marriage market, German microcensus
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 48, 2008, S. 351-379.
AUTOR/AUTHOR: Jürgen Friedrichs
TITEL: Ethnische Segregation
ZUSAMMENFASSUNG: Welche Beziehungen bestehen zwischen Segregation und Integration? Dieser Zusammenhang wird im ersten Teil des Beitrags erörtert. Ergänzend werden im zweiten Abschnitt die Dimensionen der Segregation und deren Messung behandelt. Der dritte Teil enthält eine Darstellung der Studien zur ethnischen Segregation in Deutschland. Der folgende Abschnitt ist einer systematischen Darstellung von Erklärungen der Segregation gewidmet; hier wird auch nochmals die Frage nach den räumlichen Bezügen der Integration aufgenommen. Am Ende dieses Teils wird ein Mehrebenen-Modell der Segregation entwickelt. Der letzte Teil enthält eine knappe Zusammenfassung der Befunde und darauf aufbauend Vorschläge für weitere Forschungen.
STICHWORTE: Ethnische Segregation, Integration
ENGL. TITLE: Ethnic Segregation
ABSTRACT: The contribution pertains to several aspects of ethnic segregation. The first is how segregation and social integration are related. The second is the crucial question which dimensions of segregation can be distinguished and how we can measure them. In the next section, results from studies of ethnic segregation in Germany are presented. The evidence is then discussed in the light of general hypotheses explaining ethnic segregation, specifically, the aspect of spatial correlates of social integration. A multilevel model of ethnic segregation is suggested. In the final section the results are resumed and suggestions for further research are given.
KEYWORDS: ethnic segregation, integration
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 48, 2008, S. 380-411.
AUTOR/AUTHOR: Karen Phalet, Merove Gijsberts, Louk Hagendoorn
TITLE: Migration and Religion: Testing the Limits of Secularisation among Turkish and Moroccan Muslims in the Netherlands 1998-2005
ABSTRACT: This study examines religious trends and associations with social and structural integration among Muslim minorities in the Netherlands. The secularisation thesis predicts the declining impact of religion in historically Christian populations in Western Europe. Yet, its cross-cultural applicability has been questioned. Moreover, research on immigrant communities in the US suggests religious vitality along with structural integration in the next generation. Using a unique series of repeated large-scale surveys of Turkish- and Moroccan-Dutch Muslims over the period 1998 – 2005, we test trends over time and associations with integration of religious attitudes and behaviours. In line with secularisation, migration generation and period jointly predict a linear decrease in religiosity. Structural integration is associated with religious decline. Ethnic segregation and family formation are related to religious vitality. Together, our findings suggest the selective secularisation of Dutch Muslim minorities, conditional on their social and structural integration.
KEYWORDS: migration, integration, religion, secularisation, Islam
DT. TITEL: Migration und Religion: Säkularisierung und ihre Grenzen bei türkischen und marokkanischen Muslimen in den Niederlanden zwischen 1998-2005
ZUSAMMENFASSUNG: Diese Studie untersucht Trends der Religiosität und ihren Zusammenhang mit der sozialen und strukturellen Integration am Beispiel muslimischer Minderheiten in den Niederlanden. Die Säkularisierungsthese lässt einen schwindenden Einfluss der Religion erwarten. Sie ist allerdings im Kontext der historisch christlichen Gesellschaften Westeuropas entstanden und es ist eine offene Frage, inwieweit sie sich interkulturell übertragen lässt. So berichten Studien ethnischer Gemeinden in den USA von einem Auf- und Weiterleben der Religiosität in den Nachfolgengenerationen mit einhergehender struktureller Integration. In diesem Beitrag testen wir entsprechende Trends über die Zeit und den Zusammenhang religiöser Einstellungen und Verhaltensweisen mit anderen Indikatoren der Integration. Grundlage unserer Analysen sind umfassende und in dieser Form einzigartige kumulierte Querschnittdaten über Muslime türkischer und marokkanischer Herkunft in den Niederlanden für den Zeitraum 1998-2005. Im Einklang mit der Säkularisierungsthese deuten die Analysen auf einen deutlichen Rückgang der Religiosität in der Generationenfolge und über die Zeit hin. Eine strukturelle Integration vermindert die Religiosität, während ethnische Segregationen und Familienbildungen mit ihrer Belebung einhergehen. Zusammengenommen legen unsere Ergebnisse somit den Eindruck einer selektiven Säkularisierung muslimischer Minderheiten in den Niederlanden nahe, die vom Ausmaß der sozialen und strukturellen Integration abhängig ist.
STICHWORTE: Migration, Integration, Religion, Säkularisierung, Islam
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 48, 2008, S. 412-436.
AUTOR/AUTHOR: Claudia Diehl, Michael Blohm
TITEL: Die Entscheidung zur Einbürgerung, Optionen, Anreize und identifikative Aspekte
ZUSAMMENFASSUNG: Existierende Befunde zum Einbürgerungsverhalten in Deutschland weisen auf eine ungewöhnliche Sonderstellung türkischer Immigranten hin. Obwohl ihre Eingliederung auf den meisten Assimilationsdimensionen langsamer voran schreitet als die vergleichbarer Gruppen lassen sie sich häufiger einbürgern als diese. Anhand amtlicher Daten wird zunächst die Entwicklung der Einbürgerungsquoten dargestellt. Danach wird mit den Daten des Mikrozensus und des SOEP gezeigt, dass türkische Einwanderer auch dann eine höhere Einbürgerungsquote aufweisen, wenn Gruppenunterschiede im Anteil der Einbürgerungsberechtigten berücksichtigt werden. Anschließend wird ein „rechtliches Anreizmodell“ der Einbürgerung präsentiert. Es zeigt sich, dass sich die Gruppenunterschiede im Einbürgerungsverhalten sogar vergrößern, wenn Individualmerkmale kontrolliert werden, die Indikatoren für die rechtlichen Vor- und Nachteile der Einbürgerung darstellen. Abschließend wird untersucht, welche Rolle identifikative Aspekte bei der Erklärung gruppenspezifischer Einbürgerungsquoten spielen könnten. Offenbar steigt nur bei den türkischstämmigen Einwanderern die Einbürgerungsabsicht mit der sozialen Assimilation an. Obwohl diesem Befund derzeit nicht weiter nachgegangen werden kann, deutet er darauf hin, dass die Einbürgerung für Angehörige von Herkunftsnationalitäten mit einem niedrigen Gruppenstatus möglicherweise eine besonders hohe Attraktivität besitzt.
STICHWORTE: Einbürgerung, Staatsbürgerschaft, Migration, Deutschland, Assimilation
ENGL. TITLE: The Decision to Naturalize: Options, Incentives and Identity Issues
ABSTRACT: Existing evidence on the naturalization processes among migrants in Germany suggests that Turks show an unusual pattern in this regard. While their assimilation process lags behind that of other groups they are more likely to acquire German citizenship. We start out by presenting official data on the development of naturalization rates over time. Based on this we use data from the German Microcensus and the SOEP in order to show that naturalization figures of Turkish immigrants are higher even when group differences in the share of eligible individuals are taken into account. We proceed by presenting a “legal incentives model” of the decision to naturalize that focuses on the costs and benefits of naturalization. It is shown that group differences increase if individual characteristics that affect the legal incentives and disincentives to naturalize are held constant. We finally explore the role of identificational aspects for the intention to naturalize. Our findings suggest that only Turkish migrants are more likely to apply for the German passport in the near future if they have close social ties with natives. Even though we cannot look into this finding more closely due to data limitations it suggests that naturalization may me particularly attractive for migrants from nationalities with a low minority group status.
KEYWORDS: naturalization, citizenship, migration, Germany, assimilation
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 48, 2008, S. 437-464.
AUTOR/AUTHOR: Jürgen Gerhards, Silke Hans
TITEL: Akkulturation und die Vergabe von Vornamen. Welche Namen wählen Migranten für ihre Kinder und warum?
ZUSAMMENFASSUNG: Vornamen können die Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen anzeigen. Greifen Migranten bei der Vergabe von Vornamen für ihre Kinder auf Namen zurück, die in dem jeweiligen Einwanderungsland üblich sind, dann interpretieren wir dies als ein Anzeichen gewünschter Akkulturation. Vergeben sie hingegen Vornamen, die allein in ihrem Heimatland gebräuchlich sind, so interpretieren wir dies als ein Anzeichen von geringer Akkulturation. Auf der Basis einer Auswertung der Daten des Sozio-oekonomischen Panels haben wir für Migranten aus drei Herkunftsgruppen (Südwesteuropa, Ex-Jugoslawien, Türkei) untersucht, in welchem Maße die Eltern ihren Kindern in Deutschland gebräuchliche Namen geben und wie man Unterschiede im Grad der Akkulturation in der Vergabe der Vornamen erklären kann. Wir können zeigen, dass Zuwanderer aus der Türkei gegenüber solchen aus dem ehemaligen Jugoslawien und Südwesteuropa seltener in Deutschland gebräuchliche Vornamen vergeben. Die Wahrscheinlichkeit der Vergabe deutscher Vornamen bei Zuwanderern steigt, wenn die kulturelle Distanz (religiöse und sprachliche Distanz) zwischen Herkunftsland und Einwanderungsland gering ist, die Bildung der Eltern hoch ist, sie deutsche Freunde oder Partner haben und politisch durch die deutsche Staatsbürgerschaft integriert sind.
STICHWORTE: Migration, Assimilation, Akkulturation, Integration, Vornamen
ENGL. TITLE: Acculturation and the Choice of First Names
ABSTRACT: Names often indicate someone’s belonging to certain ethnic groups. When immigrant parents choose a first name for their child that is common in their host society, they show a high degree of acculturation. In contrast, selecting a name common only in their country of origin indicates ethnic maintenance. Using data from the German Socio-Economic Panel we analyze the choice of names for migrants from three different countries of origin (e. g. South Western Europe, Former Yugoslavia, and Turkey); in addition, we try to explain differences in the level of acculturation in terms of name giving. We can show that Turkish immigrants are much less likely to choose German names for their children than immigrants from Former Yugoslavia and from South Western Europe. Acculturation in terms of name giving depends on the cultural distance (religion and language) between the country of origin and the host society, the parents’ sociostructural integration in terms of education and citizenship, and interethnic networks.
KEYWORDS: migration, assimilation, acculturation, integration, first names
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 48, 2008, S. 465-487.
AUTOR/AUTHOR: Susanne Rippl
TITEL: Zu Gast bei Freunden? Fremdenfeindliche Einstellungen und interethnische Freundschaften im Zeitverlauf
ZUSAMMENFASSUNG: Integrationserfolge von Migranten sind auch von der Aufnahmebereitschaft der Bevölkerung im Zuwanderungsland abhängig. Fremdenfeindlichkeit und soziale Distanz können als Integrationsbarrieren verstanden werden. Im vorliegenden Beitrag werden solche Integrationsbarrieren in Form fremdenfeindlicher Einstellungen und interethnischer Kontakte und deren Entwicklung im Zeitverlauf von 1980 bis 2002 analysiert. Theoretische Ausgangspunkte sind Ansätze der Forschung zur Fremdenfeindlichkeit. Insbesondere sozialisations-, konflikt- und desintegrationstheoretische Ansätze sowie die Kontakthypothese werden hinsichtlich relevanter Überlegungen zur Veränderung im Zeitverlauf beleuchtet. Insgesamt belegen die Auswertungen der kumulierten ALLBUS-Daten einen Rückgang von Integrationsbarrieren, wofür insbesondere veränderte Sozialisationsbedingungen und günstigere Gelegenheiten für interethnische Kontakte der jüngeren Kohorten verantwortlich sind. Konflikt- und desintegrationstheoretische Überlegungen finden kaum Bestätigung.
STICHWORTE: Fremdenfeindlichkeit, interethnische Kontakte, Kontakthypothese, Desintegration, Sozialisation
ENGL. TITLE: A Time to make Friends. Xenophobic Attitudes and Interethnic Friendships in Germany from 1980-2002
ABSTRACT: The success of integration of migrants depends not only on their own efforts but also on the acceptance of the local population. Xenophobia and social distance can be understood as barriers of integration. The present study analyses such barriers of integration in the form of xenophobic attitudes and interethnic contacts and their development in a time span from 1980 to 2002 in Germany. Theoretical starting points are approaches in the context of xenophobia. Especially approaches in the context of socialisation-, conflict-, and disintegration theory and the contact hypothesis are analysed. Recapitulatory the analyses of Allbus-data show a decline of barriers of integration over time. Especially changing conditions of socialisation und better opportunities for interethnic friendships of the younger cohorts are responsible for this development. Hypotheses related to conflict- and disintegration theory are not confirmed.
KEYWORDS: Xenophobia, interethnic contact, contact hypothesis, disintegration, socialisation
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 48, 2008, S. 488-512.
AUTOR/AUTHOR: Amélie Mummendey, Thomas Kessler
TITEL: Akzeptanz oder Ablehnung von Andersartigkeit. Die Beziehung zwischen Zuwanderern und Einheimischen aus einer sozialpsychologischen Perspektive
ZUSAMMENFASSUNG: Ziel sozialpsychologischer Forschung ist die Erklärung von problematischen wie auch harmonischen Beziehungen zwischen sozialen Gruppen. Ausgangpunkt für die vorliegende sozialpsychologische Analyse ist die Frage, wie Mitglieder sozialer Gruppen mit den Unterschieden zwischen sozialen Gruppen umgehen. Für diese Analyse wurde das Eigengruppenprojektionsmodell (EPM) vorgeschlagen und empirisch geprüft. Das Modell nimmt an, dass soziale Diskriminierung durch die Generalisierung von Eigenschaften der Eigengruppe auf die umfassende Gesellschaft entsteht, welche dann einen normativen Charakter für die Bewertung der Eigengruppe und der Fremdgruppe bekommt. Toleranz hängt nach diesem Modell davon ab, dass die übergeordnete gemeinsame Kategorie als vielfältig repräsentiert wird, in die dann die Eigengruppe und die Fremdgruppe gleichermaßen passen. Im vorliegenden Beitrag prüfen wir Annahmen des EPM in einer Studie zur Beziehung zwischen Einwanderern und Einheimischen, die in Belgien, England und Deutschland durchgeführt wurde. Die Ergebnisse zeigen in Übereinstimmung mit dem EPM, dass Eigengruppenmitglieder die gemeinsame Gesellschaft eher mittels der Attribute der Eigengruppe beschreiben was zur Wahrnehmung einer höheren Prototypikalität der Eigengruppe relativ zur Fremdgruppe und damit zu einer besseren Bewertung der Eigengruppe, einer negativeren Bewertung der Fremdgruppe wie auch zu Vorurteilen und wettbewerbsorientierten Verhalten führt.
STICHWORTE: Eigengruppenprojektionsmodell, Akkulturation, Vorurteile, soziale Diskriminierung, Mehrheiten-Minderheiten-Beziehung, sozaiel Identität
ENGL. TITLE: Acceptance or Rejection of Differentness: A Social Psychological Perspective on the Relation between Migrants and Members of the Receiving Society
ABSTRACT: Research in social psychology attempts to explain problematic as well as harmonious relations between social groups. We examine the question how members of social groups perceive and react to differences between own and other groups, all included in a common superordinate group. The ingroup projection model (IPM) has been proposed as an explanation for this question. It assumes that social discrimination develops by the projection of ingroup attributes onto the common superordinate group which are then taken as normative standards for the evaluation of all included groups. Tolerant attitudes develop when a common superordinate group, e. g. the society is perceived as complex to which both ingroup and outgroup fit equally well. In the current work we examine assumptions of the IPM in a longitudinal study on the relations between migrants and members of the receiving society which has been conducted in Belgium, England, and Germany. The results generally support the IPM by revealing that the common society is described predominantly by ingroup attributes leading to a perceived higher prototypicality of the ingroup relative to an outgroup. This, in turn, leads to a more positive evaluation of the ingroup, to prejudices, and social competition.
KEYWORDS: Ingroup projection model, acculturation, prejudice, social discrimination, majority-minority relation
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 48, 2008, S. 513-528.
AUTOR/AUTHOR: Kira Marie Alexander, Janet Ward Schofield
TITLE: Understanding and Mitigating Stereotype Threat's Negative Influence on Immigrant and Minority Students' Academic Performance
ABSTRACT: In many countries throughout the world, immigrant children perform less well academically than do native children. A large body of work on stereotype threat, a factor that may contribute importantly to this achievement gap, is reviewed here, including research on a) the development of stereotype awareness and threat effects in children, b) the processes and conditions leading to stereotype threat, c) known mediators and moderators of stereotype threat, d) hypothesized short- and long-term effects of stereotype threat, and e) some strategies for reducing this threat in schools.
KEYWORDS: stereotype threat, immigrant achievement, minority achievement, academic achievment, review
DT. TITEL: Stereotype Threat verstehen und lindern: sein Einflusss auf die schulischen Leistungen der Kinder von Migranten und ethnischen Minderheiten
ZUSAMMENFASSUNG: In vielen Ländern der Welt weisen Kinder von Migranten geringere Bildungserfolge als einheimische Kinder auf. Ein wesentlicher Faktor, der zur Erklärung dieses Leistungsgefälles beitragen könnte, ist die Bedrohung durch negative Stereotype (Stereotype Threat). Im vorliegenden Beitrag wird die umfangreiche Forschungsliteratur zu diesem Phänomen gesichtet. Es werden erstens die Entstehung von Stereotypen-Wahrnehmungen und Bedrohungseffekten im Laufe der kindlichen Entwicklung betrachtet; zweitens werden die Prozesse und Bedingungen, die zu Stereotype Threat führen, untersucht; drittens werden in diesem Zusammenhang bekannte Mediatoren und Moderatoren ermittelt; viertens werden Hypothesen über die kurz- und mittelfristigen Effekte des Stereotype Threats aufgestellt; und fünftens werden einige Strategien vorgeschlagen, um diese Bedrohungen in Lernumfeldern zu reduzieren.
STICHWORTE: Stereotype Threat, negative Stereotype, ethnische Bildungsungleichheit, Bildungserfolge
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 48, 2008, S. 529-552.
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