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Zusammenfassungen und English Summaries
Heft 3, Jg. 61, 2009

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AUTOR/AUTHOR: Yvonne Lott

TITEL: Verwaltung und Entscheidung - Bestimmt das individuelle Einkommen die Machtverteilung in Paarbeziehungen?

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 61, 2009, S. 327-353

ZUSAMMENFASSUNG: Für die Betrachtung haushaltsinterner Ungleichheit ist die Frage zentral, welche Faktoren partnerschaftliche Machtungleichgewichte determinieren. Der sozialen Austauschtheorie, der Ressourcentheorie und dem Cooperative-Bargaining-Modell zufolge basiert Macht auf dem Besitz individueller Ressourcen, vor allem des Einkommens. Diese Studie untersucht den Einfluss des individuellen Einkommens, ebenso wie des Haushaltseinkommens und von Kinder auf Macht in heterosexuellen Ehen und Partnerschaften in Deutschland. Macht, differenziert in ausführende und dirigierende Macht, wird anhand zweier Indikatoren gemessen: der Einkommensverwaltung und der Entscheidungsmacht. Die Studie basiert auf dem Sozioökonomischen Panel von 2005. Die deskriptive Analyse und multinomial logistische Regressionsmodelle zeigen, dass Machtungleichgewichte zu Ungunsten der Frau unabhängig von ihrem Einkommen bestehen. Genderideologien liegen ebenfalls der Macht in Paarbeziehungen zu Grunde. Geld ist keine objektive Ressource, die für Frauen und Männern im gleichen Maße mit Macht verbunden ist. In zukünftigen Studien sollten daher persönliche Normen und Werte berücksichtigt und theoretische Ansätze entwickelt werden, die nicht dem Rational-Choice-Paradigma folgen.

SCHLÜSSELWÖRTER: Haushaltsinterne Ungleichheit • Macht • Einkommen • Geldverwaltung • Entscheidungsmacht

TITLE: Income management and decision-making – Does the individual income determine the power allocation within couples?

ABSTRACT: In order to avoid the underestimation of social inequality in households and in the wider society, couples’ power structure and, more specially, the factors, which generate this power, are important to explore. According to the social exchange theory, the resource theory and the cooperative-bargaining-model, power is generated by individual resources – most notably the income. This study examines the influence of the individual income, as well as the household income and of children on power within heterosexual marriages and cohabitations in Germany. Power, defined as implementing power and orchestration power, is measured through money management and decision-making. The study is based on the German Socio-Economic Panel Study in 2005. Descriptive analysis and multinomial logistic regression models reveal that women’s power disadvantages exist independently from their income. In addition, gender ideologies underlie the power allocation within partnerships. Money is not an objective resource, which provides power to women and men equally. In future research, the role of individual norms and values on power within couples has to be further explored. Therefore, theoretical approaches other than rational-choice theories have to be developed.

KEYWORDS: Intra-household inequality • Power • Income • Money management • Decision-making

AUTOR/AUTHOR: Ina Berninger

TITEL: Welche familienpolitischen Maßnahmen fördern die Arbeitsmarktpartizipation von Müttern?

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 61, 2009, S.355-385

ZUSAMMENFASSUNG: Im Beitrag wird untersucht, welche familienpolitischen Maßnahmen (Kinderbetreuung, Elternzeit, Transferleistungen) die Arbeitsmarktpartizipation von Müttern fördern. Im Gegensatz zu bisherigen Studien wird weiter evaluiert, inwiefern ein Zusammenhang zwischen erwerbsfördernden Maßnahmen und kulturellem Mutterbild besteht und ob letzteres die Arbeitsmarktpartizipation beeinflusst. Im Rahmen einer Mehrebenenanalyse werden 21 europäische Staaten anhand der Daten der zweiten Welle des European Social Survey (ESS) aus den Jahren 2004/2005 in Kombination mit Makrovariablen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) untersucht. Den theoretischen Rahmen der Studie bildet ein rationales Entscheidungsmodell: die mikroökonomische Theorie des Arbeitsangebotes. Zentrales Ergebnis der Analyse ist, dass einzig ein hohes Betreuungsangebot für unter dreijährige Kinder die Arbeitsmarktpartizipation, insbesondere jene von Müttern sehr junger Kinder, fördert. Diese familienpolitische Maßnahme weist einen engen Zusammenhang mit der nationalen Kultur auf.

SCHLÜSSELWÖRTER: Mütter • Erwerbstätigkeit • Familienpolitik • Kultur

TITLE: Which Family Policies Support the Labour Market Participation of Mothers?

ABSTRACT: This article investigates the effects of family policies (child care, parental leave, financial transfers) on labour market participation of mothers in 21 European countries. In contrast to previous studies, the correlation of child care provision with national culture and the cultural influence on maternal employment decisions are also estimated. The microeconomic theory of labour supply provides the theoretical framework of the analysis. With the use of hierarchical logistic regression models the hypotheses are tested on the data of the European Social Survey (2004/2005) and contextual variables of the Organisation for Economic Co-operation and Development. As a central result the level of child care provision for children below the age of three is found to be the single variable with regards to increasing labour market participation, particularly for mothers of young children. This political measure is strongly correlated to national culture.

KEYWORDS: Maternal employment • Mother • Family policies • Culture

AUTOR/AUTHOR: Nadio Granato

TITEL: Effekte der Gruppengröße auf die Arbeitsmarktintegration von Migranten

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 61, 2009, S.387-409

ZUSAMMENFASSUNG: In Deutschland sind zugewanderte Arbeitskräfte auch unter Berücksichtigung der relevanten Ressourcenausstattung beruflich häufig schlechter gestellt als vergleichbare Einheimische. Dieser Beitrag untersucht empirisch mit Daten des deutschen Mikrozensus, inwieweit sich diese Nachteile durch die regionale Konzentration einer ethnischen Minderheit erklären lassen. Dazu werden zunächst grundlegende theoretische Ansätze zur Wirkung der relativen Gruppengröße auf den Erfolg verschiedener Gruppen von Arbeitskräften dargestellt. Empirisch zeigt sich, dass eine starke eigenethnische Konzentration das berufliche Prestige türkischer Erwerbstätiger mit höherem Bildungsniveau verringert, d.h. es tritt ein negativer endogener Effekt auf, wie ihn das Modell der ethnischen Mobilitätsfalle vorhersagt. Der Anteil der türkischen Bevölkerung auf Kreisebene beeinflusst aber nicht nur die Arbeitsmarktperformance türkischer Erwerbstätiger, sondern es treten auch sogenannte exogene Effekte bei italienischen und deutschen Arbeitskräften auf. Insgesamt kann die relative Gruppengröße einen wenn auch vergleichsweise kleinen Beitrag zur Erklärung ethnischer Ungleichheiten leisten.

SCHLÜSSELWÖRTER: Ethnische Ungleichheit • Arbeitsmarkterfolg • relative Gruppengröße • ethnische Minderheit

TITLE: Regional Concentration and Labour Market Success: Endogenous and Exogenous Effects of Relative Minority Group Size

ABSTRACT: Some ethnic minorities tend to be less successful in the German labour market compared to the indigenous population even when controlling for relevant resources. The paper uses data from the German Mikrozensus to investigate to what extent the remaining ethnic disadvantages can be explained by relative minority group size. On theoretical grounds, ethnic concentration can have an impact on the members of the own minority as well as on members of other ethnic groups. The paper finds empirical evidence that a strong ethnic concentration impedes structural assimilation of Turkish migrants with a higher level of education, as the ethnic mobility trap model would suggest. However, the share of the Turkish population in a county does not only have an impact on the labour market performance of Turkish migrants (endogenous effect) but also affects the economic success of Italians and Germans (exogenous effects). The empirical results indicate, that controlling for regional concentration can – at least for some minority groups and to some extent - explain remaining ethnic disadvantages.

KEYWORDS: Ethnic disadvantages • Occupational attainment • Relative group size • Ethnic minority

 

AUTOR/AUTHOR: Alexander Schulze /Felix Wolter /Rainer Unger

TITEL: Bildungschancen von Grundschülern: Die Bedeutung des Klassen- und Schulkontextes am Übergang auf die Sekundarstufe I

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 61, 2009, S.411-435

ZUSAMMENFASSUNG: Haben zusätzlich zu den vielfach bestätigten individuellen Herkunftseffekten auch Merkmale des Klassen- und Schulkontextes einen Einfluss auf die Bildungschancen von Grundschülern? Hierzu untersucht der Beitrag den Einfluss des Leistungs- und Statusniveaus sowie des Migrantenanteils der Kontexte auf die Wahrscheinlichkeit, erstens eine Gymnasialempfehlung zu erhalten und zweitens einen Übergang auf das Gymnasium zu realisieren. Theoretischer Ausgangspunkt ist die von Boudon (1974) getroffene Unterscheidung zwischen primären und sekundären Effekten, die um eine kontextuelle Perspektive und diesbezügliche Eltern- und Lehrerentscheidungen erweitert wird. Als Datengrundlage dient eine als Vollerhebung angelegte Befragung aller Schüler der vierten Klassen an Wiesbadener Grundschulen im Schuljahr 2006/07; die Modellierung der Kontexteffekte erfolgt in logistischen Mehrebenenmodellen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Zugehörigkeit zu einem Schul- und Klassenkontext zusammen etwa 10 Prozent der Gesamtvarianz des Bildungserfolges erklären. Dabei haben die untersuchten Kontexteffekte vor allem einen leistungsfremden Einfluss auf die individuellen Bildungschancen (sekundäre Kontexteffekte). Unter Kontrolle von Individualmerkmalen beeinflusst vor allem das soziale Statusniveau der Schulen die Bildungschancen der Grundschüler. Im Hinblick auf die realisierten Gymnasialübergänge ist aber auch das durchschnittliche Leistungsniveau der Schulen von Bedeutung. Im Gegensatz zu anderen Studien zeigt sich unter Kontrolle der sozialstrukturellen Zusammensetzung der Kontexte kein Effekt des Migrantenanteils. Während bei der abhängigen Variable Bildungsempfehlung sowohl Klassen- als auch Schulkontexteffekte auftreten, ist beim Bildungsübergang nur die Schulebene von Bedeutung.

SCHLÜSSELWÖRTER: Bildungsübergang • Bildungschancen • Bildungsungleichheit • Grundschule • Kontexteffekte • Mehrebenenmodell

TITLE: Elementary School Pupils’ Educational Opportunities: The Contribution of Class and School Contexts at the Transition to Secondary Schools

ABSTRACT: Do context characteristics of class and school have an impact on elementary school pupils’ educational opportunities in addition to the confirmed individual effects of social origin and academic performance? The paper investigates the influence of the contextual performance- and SES-level as well as of the ethnic composition of the context on the probability of (1) obtaining a recommendation for higher secondary schools (Gymnasium) and (2) effectively attending a higher secondary school. To this end, we base our theoretical framework on the distinction between primary and secondary effects, as introduced by Boudon (1974), and extend it by a contextual perspective, as well as the related decisions of parents and teachers. The analyses are based on a survey of all 4th graders of elementary schools in the city of Wiesbaden (Germany) during the school year 2006/07. The context effects are modelled by using logistic multilevel models. The results show that the affiliation to both, school- and class context, explains about 10 per cent of the total variance of academic achievement. Additionally, there is evidence that the context effects significantly influence the individual educational opportunities in particular when the individual marks are controlled for (secondary context effects). Furthermore, especially the SES-related context composition influences the educational outcomes when controlling for relevant individual variables. With respect to the accomplished transitions to the Gymnasium, the performance level of the school also has significant impact. Contrary to previous studies, we could not detect any effect of the ethnic composition of the context when SES is controlled for. While there are effects of the class context as well as of the school context with the educational recommendation as dependent variable, only the school context is of relevance concerning the effectively attained school transition.

KEYWORDS: Educational transition • Educational opportunities • Educational inequalities • Elementary schools • Context effects • Multilevel model

AUTOR/AUTHOR: Ralf K. Himmelreicher /Christine Hagen / Wolfgang Clemens

TITEL: Bildung und Übergang in den Ruhestand: Gehen Höherqualifizierte später in Rente?

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 61, 2009, S.437-452

ZUSAMMENFASSUNG: Der vorliegende Beitrag untersucht, inwieweit die höchste schulische und berufliche Qualifikation der Versicherten das Rentenzugangsgeschehen beeinflusst. Informationen darüber sind aktuell insofern von Interesse, als die im Mai 2007 in Kraft getretene Initiative 50plus des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) die Beschäftigungsfähigkeit und die Beschäftigungschancen älterer Menschen in Deutschland erhöhen möchte. Ausgehend von der Annahme, dass insbesondere gering Qualifizierte oft früh aus dem Arbeitsleben ausscheiden, soll u. a. über eine deutliche Erhöhung der Teilnahme an beruflicher Weiterbildung die „produktive Lebensphase“ verlängert werden. Hohe Bildung in Kombination mit beruflicher Weiterbildung soll laut BMAS steigenden Qualifikationsanforderungen auf Zukunftsarbeitsmärkten gerecht werden. Vor diesem Hintergrund untersucht der vorliegende Aufsatz auf Basis des Scientific Use File (SUF) Versichertenrentenzugang 2007 des Forschungsdatenzentrums der Rentenversicherung (FDZ-RV), ob im Jahr 2007 Hochqualifizierte später als niedriger Qualifizierte in Rente gegangen sind. Die Befunde verweisen darauf, dass mit zunehmender Qualifikation das Rentenzugangsalter tendenziell ansteigt. Allerdings zeigt eine differenzierte Betrachtung einzelner Zugangsjahre die große Bedeutung eines vor der Regelaltersgrenze von 65 Jahren liegenden Übergangs in den Ruhestand, insbesondere bei besser gestellten Hochqualifizierten (mit postmaterialistischer Orientierung).

SCHLÜSSELWÖRTER: Rentenzugangsalter • Bildung • Erwerbsbiografie • Rentenhöhe

TITLE: Skills and age of retirement: Have high skilled the highest age of retirement?

ABSTRACT: On the basis of administrative data from the Research Data Centre (FDZ-RV) of the German Federal Pension Insurance, we examine the effects education has on the timing of retirement for employees in East and West Germany in 2007. The large sample size of the Scientific Use File of the pension inflow statistics (n = 29933) allows a differentiated analysis considering multiple dimensions. Using key demographic indicators such as sex, region, length of career and pension payments, we demonstrate the effects of the level of education on the age of retirement, measured in years between 60 and 65 or older. Our analysis shows that high skilled retire later than low skilled employees. The difference is smaller than one year. But the beginning of the high skilled careers is round about two years later, with higher pension payments. Based on this findings, we discuss to which extent skills can lengthen the lifetime career with respect to pull and push factors. 

KEYWORDS: Age of retirement • Skills • Career • Pension payments

 

AUTOR/AUTHOR: Richard Münch

TITEL: Kein Kartell, kein Monopol, keine Oligarchie? Wie die Soziologie zur Affirmationswissenschaft wird

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 61, 2009, S.453-461

ZUSAMMENFASSUNG: Im Kontext der Exzellenzinitiative zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an den deutschen Hochschulen ist eine Debatte über die Frage entbrannt, ob die Initiative schon vorhandene Tendenzen zu Kartell-, Monopol- und Oligarchiestrukturen weiter verstärkt. Eine aktuelle Studie will nachweisen, dass sich solche Strukturen in der Einzelförderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) nicht zeigen. Dieser Befund ist jedoch nicht geeignet, um Entwarnung geben zu können. Als maßgebliche Faktoren, die Kartell-, Monopol- und Oligarchiestrukturen unterstützen, sind die systematische Verlagerung der Forschungsfinanzierung von der Grundausstattung zur Drittmitteleinwerbung und von der Einzelförderung zur Programm- und Institutionenförderung, zuletzt in Gestalt der Exzellenzinitiative, zu identifizieren. Genau diese entscheidenden Faktoren wurden in der Studie vollständig ausgeblendet. Dadurch gerät sie in die Bahnen einer Affirmationswissenschaft, was sich aus einer der freien Forschung abträglichen Interessenverflechtung von Forschung, Forschungsförderung und Forschungsevaluation erklärt, die eine Barriere der Erkenntnis bildet.

SCHLÜSSELWÖRTER: Forschung • Drittmittel • Wissenschaftssoziologie • Wissenschaftsforschung • Forschungsförderung • Hochschulen • Ranking

TITLE: No Cartel, No Monopoly, No Oligarchy?Entangled Interests as Epistemological Barrier to Science Research

ABSTRACT: In the framework of the excellence programme designed to promote science and research at German universities, a debate broke out as to whether the programme would strengthen existing tendencies toward structures of cartel, monopoly and oligarchy. A most recent study wants to prove that such structures do not show up in the German Research Foundation's programme of funding individual research projects. This finding is, however, not appropriate to give the all-clear. Among crucial factors supporting structures of cartel, monopoly and oligarchy, the shift from block grants to individual grants based on competition can be identified, just as the shift from funding of single research projects to funding large-scale coordinated programmes and funding institutions, most recently along with the excellence programme. It is exactly these crucial factors that have been excluded completely from the study. Hence, it slips into the tracks of a science of affirmation. This aberration can be explained by the entanglement of interests in research, research funding and research evaluation, which works against free research and is an epistemological barrier to science research.

KEYWORDS: Research • Third party funding • Sociology of Science • Science research • Research funding • Universities • Ranking

AUTOR/AUTHOR: Dorothea Jansen • Richard Heidler • Regina von Goertz

TITEL: Ungleiche Chancen im Wissenschaftssystem: Artefakt oder Realität?

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 61, 2009, S.463-467

ZUSAMMENFASSUNG: Der Artikel „Herausbildung einer akademischen Elite? Zum Einfluss von Größe und Reputation von Universitäten auf Forschungsförderung“ von Katrin Auspurg, Thomas Hinz und Jürgen Güdler (Heft 4/2008 dieser Zeitschrift) setzt sich kritisch mit der von Richard Münch vertretenen These der Monopolisierung von Forschungschancen im deutschen Wissenschaftssystem auseinander. In dem Beitrag wird allerdings für die Analyse ein zur Widerlegung von Münchs These wenig geeigneter Gegenstand gewählt, das DFG-Normalverfahren. Problematische Tendenzen für das Wissenschaftssystem, so unsere und Münchs Vermutung, gehen jedoch eher von koordinierten Programmen und der Exzellenzinitiative aus. Zudem gelingt es in dem Beitrag nicht, die Analyse in einen breiteren Kontext der Funktionen und Auswirkungen der wachsenden Rolle der Drittmittelförderung im Wissenschaftssystem zu stellen.

SCHLÜSSELWÖRTER: Forschung, Forschungspolitik, Wettbewerb, Drittmittel, Matthäus-Prinzip, Wissenschaftssoziologie, Wissenschaftsforschung, Wissenschaftssystem

TITLE: Unequal chances in the science system: artefact or reality?

ABSTRACT: The Article „Emergence of an Academic Elite? The Impact of Universities' Size and Reputation on Research Funding“ by Katrin Auspurg, Thomas Hinz and Jürgen Güdler (Volume 4/2008 of this Journal) discusses critically Richard Münch’s thesis of monopolistic tendencies in the German science system. Unfortunately the authors focus in their analysis on an improper object, the “Individual Grants Programme” (Normalverfahren) of the German Research Foundation (DFG). However, problematic developments for the German science system will rather result from the “Coordinated Grants Programmes” (koordinierte Programme), in particular the Excellence Initiative. Furthermore the authors fail to connect their analysis to the broader context of the functions and implications of the increasing role of third party funding in the German science system.

KEYWORDS: Research • Research policy • Competition • Third-Party-Funding • Matthew-Effect • Sociology of Science • Science System

AUTOR/AUTHOR: Katrin Auspurg• Thomas Hinz • Jürgen Güdler

TITEL: Gespensterdebatte oder was ist soziologische Aufklärung? Replik auf die Kommentare von Richard Münch sowie Dorothea Jansen, Richard Heidler und Regina von Goertz

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 61, 2009, S.469-474

ZUSAMMENFASSUNG: In diesem Beitrag beziehen wir Position zu den in dieser Zeitschrift erschienenen Kommen­taren von Richard Münch und der Autorengruppe Jansen, Heidler und von Goertz zu unserem Artikel  „Herausbildung einer akademischen Elite? Zum Einfluss von Größe und Reputation von Universitäten auf Forschungsförderung“. Ausgehend von Stellungnahmen anderer Sozio­lo­gen zu Richard Münchs Thesen über die akademische Elite bekräftigen wir den Er­kenntnis­gewinn unserer empirischen Analysen zu generellen wissenschafts­sozio­logischen Thesen sowie speziell dem Matthäus-Effekt und einer möglichen Kartellbildung im deutschen Wissenschaftssystem. Die Kernkritik, das Normalverfahren der DFG würde eine ungeeignete Datenbasis bieten, greift angesichts der postulierten Reichweite der untersuchten Thesen zu kurz. Eine grundsätzliche Evaluation der Exzellenzinitiative kann und soll erklärtermaßen mit unserer Arbeit nicht geleistet werden.

SCHLÜSSELWÖRTER: Forschungsförderung • Drittmittel • Matthäus-Prinzip • Wissenschaftssoziologie • Empirische Forschung


TITLE: Ghost Debate or what is sociological enlightment?

ABSTRACT: We answer on the critical comments of Richard Münch and the author group Jansen, Heidler and von Goetz on our article "Emergence of an Academic Elite? The Impact of Universities' Size and Reputation on Research Funding" published in this journal. After reviewing some other sociologists’ statements concerning Münch’s thesis about the academic elite we rein­force the gain of our empirical analyses of hypotheses of the sociology of science in general, on the Matthew-Effect and trends to a possible cartelization and monopolization in the German science system. The main critic of unsuited data (we used applications for single grants submitted to the German Research Foundation) doesn’t adequately consider the postulated scope of the investigated theses and our analyses declaredly can’t achieve and do not aim at a general evaluation of the “Initative of Excellence”.

KEYWORDS: Research funding • Third-Party-Funding • Matthew-Effect • Sociology of Science • Empirical research

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Datei aktualisiert am 24.07.2009 in der Redaktion der KZfSS