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Zusammenfassungen und English Summaries
Heft 1, Jg. 62, 2010

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AUTOR/AUTHOR: Henning Lohmann

TITEL: Armut von Erwerbstätigen im europäischen Vergleich. Erwerbseinkommen und Umverteilung.

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 62, 2010, S. 1-30.

ZUSAMMENFASSUNG: In Europa bestehen deutliche Unterschiede im Ausmaß und in der Struktur von Armut von Erwerbstätigen. Die vorliegende Untersuchung analysiert in einem Vergleich von 20 Ländern, inwieweit dies auf die unterschiedliche Ausgestaltung der institutionellen Rahmenbedingungen eines jeweiligen Landes zurückzuführen ist. Die Analysen basieren auf Mikrodaten aus der Eu-Statistik zu Einkommen und Lebensbedingungen (eu-SIlC) des Jahres 2006 und Makrodaten aus unterschiedlichen Quellen. Es werden mehrere Stufen des Einkommensverteilungsprozesses betrachtet. Der Ausgangspunkt ist die Frage, ob das persönliche Erwerbseinkommen einer Person ausreichend ist, um Armut zu vermeiden. In weiteren Schritten werden der Haushaltskontext (Bedarf und weitere Erwerbseinkommen) und der Einfluss staatlicher Umverteilung (Steuern und Transfers) mitberücksichtigt. Nur in dieser umfassenden Perspektive ist es möglich zu klären, inwieweit Armut von Erwerbstätigen vor allem am Arbeitsmarkt entsteht oder auf andere Faktoren zurückzuführen ist.

SCHLÜSSELWÖRTER: Armut · Erwerbstätigkeit · Working Poor · Situationsdefinition · Situationsdefinition

TITLE: In-work poverty in a European perspective - Earned income and redistribution

ABSTRACT: In Europe, there are significant differences in the extent and in the structure of in-work poverty. Based on a comparison of 20 countries the present study analyses to what extent this is due to the differences in the institutional framework conditions of a given country. The analyses are based on micro data from the eu Statistics on Income and living Conditions (eu-SIlC) of 2006 and macro data from different sources. The analyses distinguish between different steps in the process of income generation and redistribution. The starting point is the question whether a person's own income from work is sufficient to avoid poverty. Further steps regard the role of the household context (needs and further income) and the effect of state redistribution (taxes and transfers). This comprehensive perspective allows for a separation of labour market related and other influences on the risk of in-work poverty.

KEYWORDS: Poverty · Employment · Working Poor · Welfare State · Income distribution

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: H. Lohmann, Sozio-oekonomisches Panel (SOEP), Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Mohrenstr. 58, 10117 Berlin, Deutschland

E-Mail: hlohmann@diw.de

AUTOR/AUTHOR: Gerrit Bauer · Marita Jacobs

TITEL: Fertilitätsentscheidungen im Partnerschaftskontext. Eine Analyse der Bedeutung der Bildungskonstellation von Paaren für die Familiengründung des Mikrozensus 1996-2004

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 62, 2010, S. 31-60

ZUSAMMENFASSUNG: Zahlreiche Untersuchungen konzentrieren sich bei der Analyse fertilen Verhaltens auf Merkmale der Frau, deutlich weniger auf Merkmale des Mannes. Die meisten Kinder werden jedoch in bestehenden Paarbeziehungen gezeugt und geboren. Im vorliegenden Beitrag nehmen wir daher eine Paarperspektive ein und modellieren die Familiengründung als partnerschaftliche Entscheidung. Wir untersuchen hierbei vor allem die Bedeutung des je eigenen Bildungsniveaus in Abhängigkeit von dem des Partners und den Einfluss unterschiedlicher Bildungskonstellationen in Partnerschaften. In unseren empirischen Analysen verwenden wir die Mikrozensen der Erhebungsjahre 1996 bis 2004, die es uns zum einen erlauben, detaillierte Bildungsniveaus auszuweisen und zum anderen auch seltene Bildungskonstellationen zu berücksichtigen. Zunächst untersuchen wir den Einfluss des allgemeinen und beruflichen Bildungsniveaus beider Partner. Mit Hilfe eines Quasi-Kohortendesigns berücksichtigen wir in unseren Analysen schließlich den Zeitpunkt der Familiengründung von Paaren mit in Mitte der 1960er und Mitte der 1970er Jahre geborenen Frauen. Wir gelangen zu dem Ergebnis, dass ein traditionelles Bildungsgefälle auf Ebene beruflich qualifizierender Bildungszertifikate Elternschaften fördert, aber auch bildungshomogame Paare in Deutschland im Mittel häufiger Eltern sind als hypergame Paare.

SCHLÜSSELWÖRTER: Bildungshomogamie · Fertilität · Familiengründung · Partner · Partnerschaft

TITLE: Fertility decisions and partnership context - Effects of educational constellations on family formation based on German Mikrozensus data from 1996-2004

ABSTRACT: A review of existing sociological literature on fertility decisions reveals that most empirical studies focus on characteristics of the female spouse as explanatory factors, while the role of the partner is neglected for the most part. However, most children are fathered and born into an existing relationship and the influence of the partner has to be regarded as an important determining factor for childbirth. We propose starting from a bargaining perspective and model family-formation as a collective decision mutually agreed upon by both spouses, especially scrutinizing on the interrelation of both partners' educational level. In this paper, we examine in how far certain educational constellations have an impact on family formation. Classical theories of family economics suggest that educational asymmetries between partners may encourage parenthood. Our analysis is based on german Mikrozensus data collected between 1996 and 2004. The large sample allows us to analyze in detail the effects of educational levels as well as uncommon educational constellations. In a first step, we investigate separate effects of general and vocational education of each partner, followed by a quasi-cohort design, with women born in the mid 1960th and mid 1970th, to study the timing of the first birth. We conclude that traditional hypergamy may foster parenthood. But also educational homogamy leads to a higher amount of parents as compared to hypogamous couples, in which the wife's educational qualification exceeds the husband's educational degree.

KEYWORDS: Educational homogamy · Fertility · Family formation · Couple · Partnership

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: G. Bauer, Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung, Universität Mannheim, 68131 Mannheim, Deutschland

E-Mail: gerrit.bauer@mzes.uni-mannheim.de

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: M. Jacob, Fakultät für Sozialwissenschaften, Universität Mannheim, 68131 Mannheim, Deutschland

E-Mail: marita.jacob@sowi.uni-mannheim.de

AUTOR/AUTHOR: Gudrun Quenzel · Klaus Hurrelmann

TITEL: Geschlecht und Schulerfolg: Ein soziales Stratifikationsmuster kehrt sich um

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 62, 2010, S. 61-91.

ZUSAMMENFASSUNG: In diesem Beitrag suchen wir nach möglichen Gründen für die seit einigen Jahrzehnten abfallende schulische Leistungsfähigkeit der jungen Männer. Hierzu analysieren wir die vorliegenden Studien und schlagen ein sozialisationstheoretisch fundiertes Erklärungsmodell vor, das die bisherigen Ansätze aufnimmt und weiterführt. Im Zentrum steht dabei das Konzept der „Entwicklungsaufgaben“. die zentrale These lautet: die schlechte schulische Leistungsbilanz der jungen Männer ist nicht alleine durch Faktoren zu erklären, die sich auf ihr Zurückbleiben im Bildungssystem selbst und damit auf ihre mangelnde Auseinandersetzung mit der Entwicklungsaufgabe „Qualifikation“ beziehen. Vielmehr kann sie nur dann erklärt werden, wenn auch die Probleme bei der Bewältigung der anderen für die junge Generation typischen Entwicklungsaufgaben „Bindung“, „Regeneration“ und „Partizipation“ mit herangezogen werden. Diese Bewältigung gelingt, wie die ausgewerteten Untersuchungen zeigen, unter den heutigen Sozialisationsbedingungen den Schülerinnen besser als den Schülern. Damit tritt ein soziologisch sehr seltenes Ereignis ein, nämlich die Umkehrung der Richtung einer seit Generationen etablierten sozialen Stratifikation. Nicht mehr junge Männer, sondern junge Frauen erwerben die privilegierten Titel des Bildungssystems und damit die formal aussichtsreicheren Anwartschaften auf späteren beruflichen Status. Als Schlussfolgerung ergibt sich aus dieser Analyse, dass eine isolierte Verstärkung der gezielten Leistungsförderung von männlichen Schülern nur begrenzt zielführend sein kann. Vielmehr lässt sich das relative Leistungsdefizit von jungen Männern nur dann langfristig abbauen, wenn auch ihre Kompetenzdefizite in allen anderen Entwicklungsbereichen ausgeglichen werden, die wichtigen gesellschaftlichen Erwartungen einer individualisierten Leistungsgesellschaft entsprechen.

SCHLÜSSELWÖRTER: Bildungsungleichheit · Geschlecht · Soziale Herkunft · Soziale Stratifikationsmuster · Sozialisation · Entwicklungsaufgaben

TITLE: Social inequality at school entry in Germany – the impact of social origins and child care attendance on timing of school entrance

ABSTRACT: In this paper, we seek to identify factors that account for the declining school performance of boys and young men. After reviewing and analysing the international literature on gender and education, we integrate various explanatory approaches into a model that is rooted in the theory of socialisation. The model focuses on the developmental tasks which young men face during adolescence. Our central thesis is that the declining school performance of young men cannot be fully explained by their failure to cope with educational challenges, i.e., their problems with respect to the developmental task “qualification”. Rather, a comprehensive explanation requires the incorporation of three other central developmental tasks, “social attachments”, “regeneration”, and “participation”. In the last decades, it has become easier for young women to cope with these tasks than it is for young men. Thus a rare sociological incident has occurred: the reversal of centuries-old pattern of social stratification. Nowadays, young women and not young men acquire the privileged certificates offered by the educational system, and it is them who gain the more promising career prospects. Our thesis can be supported with data from a broad range of international studies. The crucial implication is that supporting young men at school will show only limited results. Rather, to improve the school performance of young men, it is also necessary to address their deficits in coping with the other aforementioned developmental tasks, all of which point to challenges that young people are expected to master in today's individualised, achievement-oriented society.

KEYWORDS: Educational inequality · Gender · Social background · Social stratification pattern · Socialisation · Developmental tasks

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: G. Quenzel, Universität Bielefeld, Postfach 10 01 31, 35501 Bielefeld, Deutschland

E-Mail: gudrun.quenzel@uni-bielefeld.de

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: K. Hurrelmann, Herti School of Governance, Quartier 110, Friedrichstraße 180, 10117 Berlin, Deutschland

E-Mail: klaus.hurrelmann@uni-bielefeld.de

AUTOR/AUTHOR: Marcel Helbig

TITEL: Sind Lehrerinnen für den geringen Schulerfolg von Jungen verantwortklich?

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 62, 2010, S. 93-111.

ZUSAMMENFASSUNG: In Deutschland sind Mädchen in der allgemeinbildenden Schule seit Anfang der 1990er Jahre deutlich erfolgreicher als Jungen. Gleichzeitig ist der Anteil weiblicher Lehrer im allgemeinbildenden Schulsystem sukzessive angestiegen. Diese Feminisierung des Lehrerberufs soll zugleich zu einer Feminisierung der Schule geführt haben, wodurch Mädchen bessere Leistungen erzielen als Jungen. Diese wissenschaftsgeschichtlich relativ alte These erfuhr allerdings kaum eine empirische Überprüfung und die Ergebnisse sind uneinheitlich. In diesem Beitrag soll anhand der Daten der Berliner eleMenT-Studie untersucht werden, ob Jungen an Berliner Grundschulen mit einem hohen Lehrerinnenanteil eine schlechtere Kompetenzentwicklung in Mathematik und im Leseverständnis haben, ob sie schlechter benotet werden und ob sie seltener für das Gymnasium empfohlen werden. Die Ergebnisse zeigen, dass Jungen in Schulen mit vielen Lehrerinnen minimal schlechter in Mathematik bewertet werden und infolgedessen auch seltener für das Gymnasium empfohlen werden, als an Schulen mit weniger Lehrerinnen. Mädchen haben hingegen höhere Lesekompetenzen in Schulen mit vielen Lehrerinnen.

SCHLÜSSELWÖRTER: Bildung · Feminisierung der Schule · Underachievement von Jungen · Geschlechterungleichheit

TITLE: Are female teachers responsible for the school performance gap between boys and girls?

ABSTRACT: Since the beginning of the 1990s we find that girls are increasingly more successful in German schools than boys. Simultaneous to this development the share of female teachers in the school system has gradually grown. This feminisation of the teacher profession is said to have led to a feminisation of schools, resulting in girls achieving better academic results than boys. This relatively old thesis has rarely been empirically examined and the results of such attempts have been inconsistent. Drawing on data from the eleMenT-study conducted in Berlin elementary schools between 2003 and 2005, this paper examines, whether boys' competencies in math and reading develop worse, whether they receive lower grades and whether they are less frequently recommended for the gymnasium when there is a high share of female teachers at the school. The results show that boys do indeed receive lower grades in mathematics and are consequently recommended for the gymnasium minimal less frequently in schools with a high share of female teachers as compared to schools with a lower share of female teachers. Girls, on the other hand, have higher reading competencies in schools with a high share of female teachers.

KEYWORDS: Education · Feminization of School · Underachievement of boys · Gender inequality

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: M. Helbig, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), Reichpietschufer 50, 10785 Berlin, Deutschland

E-Mail: marcel.helbig@wzb.eu

AUTOR/AUTHOR: Michael Segeritz · Oliver Walter · Petra Stanat

TITEL: Muster des schulischen Erfolgs von jugendlichen Migranten in Deutschland: Eivdenz für segmentierte Assimilation?

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 62, 2010, S. 113-138.

ZUSAMMENFASSUNG: Auf der Basis der nationalen Erweiterungsstichprobe von PISA 2003 (PISA-e 2003) werden strukturelle Assimilationstendenzen bei 15-Jährigen, deren Familien aus der Türkei, dem Gebiet der ehemaligen UdSSR oder Polen zugewandert sind, im Hinblick auf den Gymnasialbesuch und mathematische Kompetenzen untersucht. Es wird der Frage nachgegangen, ob segmentierte Assimilationsprozesse zu beobachten sind. Eine allmähliche Annäherung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund an solche ohne Migrationshintergrund im Hinblick auf diese Indikatoren über die Einwanderergenerationen hinweg würde auf eine direkte Assimilation (straight-line assimilation), eine annähernde Konstanz der disparitäten hingegen auf eine so genannte abwärtsgerichtete Assimilation (downward assimilation) hindeuten. Die Ergebnisse weisen bezüglich der Gymnasialbeteiligung und der Kompetenzen für türkischstämmige Jugendliche auf Muster der abwärtsgerichteten Assimilation hin, während die Befunde für Jugendliche mit Eltern aus Polen und der ehemaligen UdSSR dem Muster der direkten Assimilation entsprechen. Weiterhin lässt sich aus den befunden schließen, dass der Migrationshintergrund möglichst detailliert erfasst werden sollte (1,5. Generation, interethnische Beziehungen), da sonst bedeutende Unterschiede in den Lebensumständen und dem Bildungserfolg dieser Teilgruppen unerkannt bleiben.

SCHLÜSSELWÖRTER: Assimilation · Bildung · Ethnische Unterschiede · Migration · Generation · 1,5. Generation · Intermarriage

TITLE: Patterns of educational success of immigrant students in Germany: Evidence of segmented assimilation?

ABSTRACT: Using the extension of the national PISA 2003 sample (PISA 2003-e) of 15-year-old students, this study analyzes assimilation patterns of immigrants from Turkey, the former uSSR, and Poland in terms of educational attainment and performance in mathematics. It explores the extent to which segmented assimilation processes are observed for these groups. Increasing similarity of immigrant students across generations with native students on these dimensions would support the notion of straight-line assimilation, whereas stability in disparities would point to downward assimilation. The results of the study suggest downward assimilation for immigrant students of Turkish descent regarding educational attainment and performance in mathematics. Students whose families immigrated from the former uSSR or Poland, in contrast, show patterns of straight-line assimilation. In addition, our analyses suggest that capturing immigrant status as precisely as possible (1.5 generation, intermarriage) is important, as significant differences in educational success and living conditions of these groups would otherwise be overlooked.

KEYWORDS: Assimilation · Achievement · Migration · Generation · 1,5 generation · Intermarriage

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: M. Segeritz · P. Stanat, Arbeitsbereich Empirische Bildungsforschung, FU Berlin, Habelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin, Deutschland

E-Mail: michael.segeritz@fu-berlin.de

E-Mail: petra stanat@fu-berlin.de

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: O. Walter, Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN), Olshausenstr. 62, 24098 Kiel, Deutschland

E-Mail: walter@ipn.uni-kiel.de

AUTOR/AUTHOR: Birgit Becker

TITEL: Wer profitiert mehr vom Kindergarten? Die Wirkung der Kindergartenbesuchsdauer und Ausstattungsqualität auf die Entwicklung des deutschen Wortschatzes bei deutschen und türkischen Kindern

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 62, 2010, S. 139-163.

ZUSAMMENFASSUNG: Gute deutsche Sprachfähigkeiten sind eine Voraussetzung, um im deutschen Bildungssystem erfolgreich sein zu können. Außerfamiliäre Lernkontexte wie der Kindergarten können gerade für Kinder aus Migrantenfamilien einen guten Zugang zur deutschen Sprache im Vorschulalter bieten. Internationale Studien haben jedoch gezeigt, dass die Wirkung des Besuchs vorschulischer Einrichtungen vor allem von deren Qualität abhängt. In diesem Beitrag wird untersucht, ob die im Kindergarten verbrachte Zeit und die Qualität der Kindergartenausstattung eine förderliche Wirkung auf die Entwicklung des deutschen Wortschatzes bei 3–5-jährigen Kindern haben und ob diese Faktoren sich bei Kindern mit türkischem Migrationshintergrund stärker auswirken als bei deutschen Kindern. Die Analysen werden mit den Daten des Projektes „Erwerb von sprachlichen und kulturellen Kompetenzen von Migrantenkindern in der Vorschulzeit“ durchgeführt, das eine zweimalige Erhebung bei den gleichen Familien im Abstand eines Jahres beinhaltet. Deskriptiv zeigt sich, dass türkische Kinder zu beiden Zeitpunkten geringere Testwerte im deutschen Wortschatz erzielen als deutsche Kinder, sich jedoch stärker verbessern können. Mittels fixed effects Regressionen kann nachgewiesen werden, dass ein längerer Kindergartenbesuch bei türkischen Kindern zu einer signifikanten Verbesserung ihres deutschen Wortschatzes beiträgt und dass alle Kinder von einer besseren Qualität der Kindergartenausstattung profitieren können. Der Kindergarten erweist sich somit, besonders für türkische Kinder, als wichtiger Kontext zum Spracherwerb.

SCHLÜSSELWÖRTER: Kindergarten · Kindergartenqualität · Spracherwerb · Migranten · Integration · Bildungsungleichheit

TITLE: Who profits more from preschool attendance? The impact of time in preschool and quality of preschool environment on the development of German and Turkish children's German vocabulary

ABSTRACT: Good German language skills are necessary to succeed in the German educational system. Especially for children of immigrants, learning contexts outside the family like preschools can provide access to the German language during preschool age. However, international studies have shown that the impact of preschool attendance depends on the preschools' quality. This article analyses whether the time spent in preschool and the quality of its environment have a beneficial influence on 3–5-year-old children's German vocabulary development and whether these factors have a larger impact on children with a Turkish migration background compared to German children. The analyses are conducted with data from the project ‘Preschool education and educational Careers among Migrant Children’ which includes a two-wave panel over a oneyear period. It is shown descriptively that Turkish children score worse on the German vocabulary test than German children at both points in time, but that they make greater progress. Using fixed effects regressions, it is demonstrated that longer preschool attendance leads to a significant improvement in the German vocabulary of Turkish children and that all children can profit from a better quality of the preschool environment. Thus, preschools turn out to be an important context for language learning—especially for Turkish children.

KEYWORDS: Preschool · Preschool quality · Language acquisition · Migrants · Integration · Educational inequality

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: B. Becker, Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES), Universität Mannheim, 68131 Mannheim, Deutschland

E-Mail: Birgit.Becker@mzes.uni-mannheim.de

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Datei aktualisiert am 07.04.2010 in der Redaktion der KZfSS