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Sonderheft 52, 2012

Rolf Becker und Heike Solga (Hrsg.):

SOZIOLOGISCHE BILDUNGSFORSCHUNG



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Zusammenfassungen und English Summaries des Sonderhefts 52, 2012

AUTOR/AUTHOR: Heike Solga und Rolf Becker

TITEL: Soziologische Bildungsforschung - eine kritische Bestandsaufnahme

ZUSAMMENFASSUNG: Der Beitrag liefert eine (kritische) Bestandsaufnahme der soziologischen Bildungsforschung seit Ende der 1950er Jahre. Zunächst werden Gründe für die Expansion der bildungssoziologischen Forschung diskutiert. Anschließend werden inhaltliche und theoretische Entwicklungen nachgezeichnet. Diese bilden die Grundlage für eine kritische Bestandsaufnahme von Forschungslücken und für zukünftige Forschungsfelder in der Bildungssoziologie. Davon ausgehend werden Aufsätze dieses Bandes eingeordnet. Sie sind erste Schritte in Richtung eines besser ausbalancierten Verhältnisses von inhaltlichen, theoretischen und methodischen Forschungsrichtungen.

STICHWORTE: Soziologische Bildungsforschung • Theorieentwicklung • Forschungslücken

ENGL. TITLE: Sociological educational research in Germany - a critical review

ABSTRACT: This introductory chapter reviews the educational research in sociology in Germany since the 1950s. We discuss reasons for the remarkable growth as well as outline major developments in terms of research issues and theories in education research in Germany. Based on this review, the paper identifies research gaps. In the light of these developments and gaps, we describe the contribution of the essays published in the special issue in the last section.

KEYWORDS: Sociology of education • Theoretical developments • Research gaps

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 52, 2012, S. 7-43.

AUTOR/AUTHOR: Florian Wohlkinger and Hartmut Ditton

TITEL: Entscheiden die Schüler mit? Der Einfluss von Eltern, Lehrern und Kindern auf den Übergang nach der Grundschule

ZUSAMMENFASSUNG: Dieser Beitrag widmet sich der Analyse des Übergangs von der Grundschule in die weiterführenden Schulen am Ende der vierten Klassenstufe. Die Übergangsentscheidung wird dabei nicht als ein zu einem feststehenden Zeitpunkt anstehendes Ereignis angesehen, sondern als ein über eine längere Phase der Grundschulzeit ablaufender Aushandlungsprozess zwischen den Eltern, ihren schulpflichtigen Kindern und den Lehrkräften. Die Besonderheit am hier vorgestellten Ansatz ist die explizite Berücksichtigung der Schullaufbahnwünsche der Schulkinder selbst. Es zeigt sich, dass die Wünsche der Kinder zwar stark mit den Bildungsaspirationen ihrer Eltern und der Übertrittsempfehlung der Lehrkräfte zusammenhängen, aber dennoch Diskrepanzen bestehen. Ihre Bildungsvorstellungen weisen einen ebenso hohen Zusammenhang mit der Schulanmeldung auf wie die elterlichen Bildungsaspirationen. Ergebnisse differenzierter Analysen belegen, dass die Wünsche der Schulkinder einen substan-ziellen und eigenständigen Beitrag zur Erklärung der Übergangsentscheidung leisten. Daraus resultieren zumindest für den Grundschulübergang Hinweise auf Modifikationen der in der Übergangsforschung bevorzugten Rational-Choice-Modelle.

STICHWORTE: Bildungsentscheidungen • Schüleraspirationen • Entscheidungsprozess • Übergänge

ENGL. TITLE: Do children decide, too? The influence of parents, teachers and children on the transition after elementary school

ABSTRACT: This article analyses the transition from elementary school to secondary school after the fourth grade. The decision about the school type is not regarded as a single event occurring at a certain point in time, but instead as a negotiation process between parents, teacher and pupil that takes place over a longer period during elementary school. The merit of the paper is that it explicitly includes pupils? own desires for their school career. The results show that pupils' aspirations indeed are strongly connected to the parental aspirations, yet there is also some evidence for mismatch between the three aspects. Pupils' desires correlate as high with secondary school registrations as parental aspirations do. Differentiated analyses demonstrate that pupils' aspirations contribute substantially and independently to the expla-nation of transition decisions. The findings indicate a need for modifying rational choice ap-proaches that are prominent in current education research, at least for the transition after elementary school.

KEYWORDS: Educational Decisions • Pupil's Aspirations • Decision Process • Transitions

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 52, 2012, S. 44-63.

AUTOR/AUTHOR: Monika Jungbauer-Gans, Henning Lohmann und C. Katharina Spieß

TITEL: Bildungsungleichheiten und Privatschulen in Deutschland

ZUSAMMENFASSUNG: Ausgehend von der Beobachtung, dass Privatschulen im deutschen Schulsystem an Bedeutung gewinnen, und der Darstellung der rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen, wird mit Daten des Sozio-Oekonomischen Panels (SOEP) untersucht, welche Faktoren den Zugang zu Privatschulen erklären und ob sich die sozialen Selektionsprozesse in den letzten Dekaden verändert haben. Die Ergebnisse belegen eine zunehmende soziale Selektion. Darüber hinaus wird auf Basis der PISA-Ergänzungsstudie 2006 untersucht, ob im Hinblick auf erworbene Kompetenzen die Privatschulen leistungsfähiger sind. Nach Berücksichtigung der sozialen Zusammensetzung der Schülerpopulationen findet sich hier kein Zusammenhang zwischen dem Besuch einer Privatschule und den Schülerkompetenzen. Bildungspolitisch muss von daher insbesondere die zunehmende soziale Segregation zwischen den Schulformen in den Blick genommen werden.

STICHWORTE: Privatschulen • Selektionsprozesse • Kompetenzen

ENGL. TITLE: Inequality of Education and Private Schools in Germany

ABSTRACT: Based on the observation that private schools are taking on an increasingly important role in the German school system, this paper begins by describing the German legal and financial framework for these schools and uses data from the Socio-Economic Panel (SOEP) study to examine the factors that affect access to private schools and how such processes have changed in recent decades; the results show that social selection has increased. Furthermore, based on data from the 2006 PISA-E study, we study whether private schools perform better in terms of the competencies acquired by students. Taking the social composition of the student population into account, we find no association between private school attendance and acquired competencies. Educational policy must therefore better address the increasing social segregation between private and public schools.

KEYWORDS: Private Schools • Social Selection • Competences

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 52, 2012, S.64-85.

AUTOR/AUTHOR: Anja Gottburgsen und Christiane Gross

TITEL: Welchen Beitrag leistet "Intersektionalität" zur Klärung von Kompetenzunterschieden von Jugendlichen?

ZUSAMMENFASSUNG: Der Beitrag untersucht, ob und inwiefern das Paradigma der Intersektionalität zur Erklärung von Bildungsungleichheiten bei Jugendlichen beitragen kann. Dieses Paradigma postuliert, dass soziale Ungleichheit auf der Wirkung multipler Gruppenzugehörigkeiten entlang von Gender, sozialer Herkunft und Migrationsstatus beruht (Multidimensionalität), die sich wechselseitig beeinflussen (Intersektionalität) und je nach sozialem Kontext unterschiedlich wirken können (Kontextualität). Wir testen diese Annahmen für Lese- und Mathematikkompetenzen mit den internationalen PISA-Daten 2006. Neben den zu erwartenden Haupteffekten von Gender, sozialer Herkunft und Migrationsstatus zeigen sich signifikante Interaktionseffekte von sozialer Herkunft sowohl mit Gender als auch mit dem Migrationshintergrund. Die Effekte von Gender, sozialer Herkunft und Migrationsstatus variieren jedoch kaum zwischen den verschiedenen institutionellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Bildungssysteme. Insgesamt liefert das Intersektionalitätsparadigma den-noch ein hilfreiches Instrumentarium zur Erklärung von Bildungsungleichheiten.

STICHWORTE: Intersektionalität • Bildungsungleichheit • Gender • Migrationsstatus • sozioökonomischer Status

ENGL. TITLE: Does "intersectionality" contribute to explaining differences in competencies between adolescents?

ABSTRACT: The article investigates whether and how the intersectionality approach contributes to ex-plaining educational inequalities in adolescence. According to this approach, social ine-qualities are based on multiple group memberships along the determinants of gender, socio-economic status and migration background (multidimensionality). These group memberships are seen to influence each other (intersectionality) and to produce effects that vary across social contexts (contextuality). These assumptions are tested for competencies in reading and in mathematics on the basis of the international PISA-data from 2006. Apart from expectable main effects for gender, socioeconomic status and migration background, we also find significant interaction effects of socioeconomic status both with gender and migration background. However, the effects of gender, socioeconomic status and migration background hardly show any variation across social context (in terms of educational systems and countries). On the whole, the paradigm of intersectionality is a helpful instrument for explaining differences in educational inequalities.

KEYWORDS: Intersectionality • Educational Inequality • Gender • Migration Background • Socioeconomic Status

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 52, 2012, S. 86-110.

AUTOR/AUTHOR: Ilona Relikowski, Erbil Yilmaz und Hans-Peter Blossfeld

TITEL: Wie lassen sich die hohen Bildungsaspirationen von Migranten erklären? Eine Mixed-Methods-Studie zur Rolle von strukturellen Aufstiegschancen und individueller Bildungserfahrung

ZUSAMMENFASSUNG: Der Beitrag untersucht mit den Daten der BiKS-Panelstudie, weshalb Eltern mit Migrationshintergrund höhere realistische Bildungsaspirationen für ihre Kinder haben als einheimische. Die Überprüfung der Immigrant Optimism- und der Informationsdefizit-Hypothese erfolgt mit Hilfe eines Mixed-Methods-Ansatzes. Sowohl die Ergebnisse der qualitativen Interviews mit den Eltern türkischer Herkunft als auch die Auswertung der quantitativen Analysen verschiedener Migrantengruppen im Vergleich zu einheimischen Eltern bestätigen die Gültigkeit beider Argumentationen. Sie leisten einen Beitrag zur Erweiterung und Spezifizierung der diskutierten Hypothesen, insbesondere hinsichtlich der Rolle von wahrgenommener Motivation, makrostrukturellen Bildungsbedingungen des Herkunftskontextes, des individuellen Bildungsniveaus und der Erfahrungen von Migranten mit dem deutschen Schulsystem.

STICHWORTE: Bildungsaspirationen • Migranten • Migrationshintergrund • Immigrant Optimism • Informationsdefizit • Mixed-Methods

ENGL. TITLE: How can immigrants' high educational expectations be explained? A mixed-method study on structural opportunities and individual educational experience

ABSTRACT: Using data from the BiKS panel study, this paper analyses why parents with migration background have higher realistic educational aspirations for their children than native born parents. A mixed methods approach is used to test the immigrant optimism hypothesis and the information deficit hypothesis. Both qualitative interviews with parents of Turkish origin and quantitative analysis of different migrant groups compared with non-migrant parents support these hypotheses. The paper also contributes to an extension and more precise specification of the hypotheses in question, especially concerning the perceived motivation, macro-level education conditions in the origin country, the individual level of education, and the experiences migrants have with the German educational system.

KEYWORDS: Educational Aspirations • Immigrants • Migration Background • Immigrant Optimism • Information Deficit • Mixed Methods

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 52, 2012, S. 111-136.

AUTOR/AUTHOR: Rolf Becker and Michael Beck

TITEL: Herkunftseffekte oder statistische Diskriminierung von Migrantenkindern in der Primarstufe?

ZUSAMMENFASSUNG: Im empirischen Theorienvergleich geht es um die Frage, ob die Nachteile von Migrantenkindern im deutschen Schulsystem auf Diskriminierung beruhen oder ob sie alternativ unter besonderer Berücksichtigung der Migrationsgeschichte und von Sprachproblemen im Elternhaus als Spezialfall des Zusammenhangs von sozialer Herkunft und Bildungschancen erklärt werden können. Die Frage wird mit Hilfe von Daten der Berliner ELEMENT-Studie untersucht. Vor dem Hintergrund des Erklärungsansatzes von Boudon finden sich für das Berliner Schulsystem keine belastbaren Anzeichen dafür, dass Schulkinder mit Migrationshintergrund beim ersten Bildungsübergang sowie bei der Vergabe von Schulnoten und Bildungsempfehlung systematisch benachteiligt werden. Vielmehr können ihre relativen Nachteile hinreichend gut durch soziale Herkunft, Migrationsgeschichte und individuelle Ausgangsvoraussetzungen erklärt werden. Diese Befunde besagen allerdings nicht, dass in Einzelfällen Migrantenkinder möglicherweise diskriminiert werden, aber es gibt auch keine Belege dafür, dass ihre geringeren Bildungserfolge ursächlich eine Folge von Diskriminierung sind.

STICHWORTE: Diskriminierung • Migration • soziale Herkunft • Theorievergleich

ENGL. TITLE: Social origin or discrimination of migrant pupils in the primary school?

ABSTRACT: The empirical test of theoretical approaches deals with the question, whether the disadvantages of migrant children in the German school system are caused by discrimination or the impact of their social origin, controlled for migration history and problems in German lan-guage in their family. The empirical analyses are based on the data set of the ELEMENT study in Berlin. For the educational system in Berlin, the results confirm the second explanation. According to the theoretical approach suggested by Boudon, it seems to be obvious that migrants are not disadvantaged systematically by teachers' assessment of their achievements or biased recommendations for allocation into the different tracks in the secondary schools. Migrants' relative disadvantages are explained mainly by their social origin, migration biography, and other individual preconditions for schooling. In individual cases there might be discrimination against pupils with migration background, but it is not evident in sum that their relative disadvantages are caused by discrimination.

KEYWORDS: Discrimination • Migration • Social Origin • Theoretical Comparison

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 52, 2012, S. 137-163.

AUTOR/AUTHOR: Janina Söhn

TITEL: Rechtliche Stratifikation: Der Einfluss des Rechtsstatus auf Bildungsunterschiede zwischen Migrantengruppen

ZUSAMMENFASSUNG: Dieser Beitrag untersucht Bildungsdisparitäten zwischen Migrantenkindern und nimmt erstmals systematisch die rechtliche Stratifikation zwischen Migrantengruppen in den Blick. Direkte und indirekte Auswirkungen unterschiedlicher Rechtsstatus werden theoretisch aus der Selektivität rechtlicher Zuwanderungswege und aus differenziell ausgestalteten staatlichen Aufnahmekontexten abgeleitet. Für Zuwandererkohorten der Jahre 1987 bis 2003 nach Deutschland werden die Rechte für unterschiedliche Gruppen (Aussiedler, EU-Bürger, Flüchtlinge und Familienmigranten aus Drittstaaten) dargelegt. Hypothesen zur Rolle dieser rechtlichen Stratifikation für den Schulerfolg von Migrantenkindern werden mit den Daten des Mikrozensus 2005 untersucht. Die empirischen Ergebnisse zeigen, dass die migrationspolitisch privilegierten Aussiedlerkinder einem geringeren Risiko ausgesetzt sind, höchstens einen Hauptschulabschluss zu erreichen. Werden andere bildungsrelevante Merkmale (statistisch) in Rechnung gestellt, so ist dieser Vorteil von Aussiedlern gegenüber anderen Migrantengruppen immer noch vorhanden. Ein mit rechtlicher Gleichstellung und Integrationsmaßnahmen verknüpfter Rechtsstatus trägt somit dazu bei, die mit einer Migration verbundenen Bildungsrisiken abzumildern.

STICHWORTE: Rechtsstatus • Bildungsungleichheit • Migration • Migrantenkinder

ENGL. TITLE: Legal stratification: The impact of the legal status on educational disparities among immigrant groups

ABSTRACT: This article studies educational disparities among immigrant children and, for the first time, systematically investigates the impact of legal stratification among immigrant groups. First, a theoretical model conceptualizes direct and indirect effects of different legal statuses on educational opportunity as a consequence of selective legal entry categories and differing warmth of reception by the government. Next, the empirical analysis investigates the German case of immigrant cohorts of 1987 to 2003. The study distinguishes the legal categories of ethnic German immigrants (Aussiedler) and EU citizens as well as family migrants and refugees from non-EU countries and describes the rights of these immigrant groups. Hypotheses about the role of legal stratification for the educational attainment of immigrant children are tested with data of the German sample census (Mikrozensus) 2005. The empirical results show that the politically privileged group of Aussiedler children face a lower risk than other immigrant children of attaining no or only a low prestige school diploma. This finding of an educational head start still holds even controlling for other determinants of educational op-portunities. Access to full citizenship rights and supportive immigrant policies - as enjoyed by the Aussiedler - reduces the educational risks associated with immigration.

KEYWORDS: Legal Status • Educational Inequalities • Migration • Immigrant Children

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 52, 2012, S. 164-185.

AUTOR/AUTHOR: Olaf Groh-Samberg, Ariane Jossin, Carsten Keller und Ingrid Tucci

TITEL: Biografische Drift und zweite Chance. Bildungs- und Berufsverläufe von Migranten in Deutschland und Frankreich

ZUSAMMENFASSUNG: Der Beitrag untersucht die Bildungsverläufe und die Arbeitsmarkteinstiege von Migrantennachkommen in Deutschland und Frankreich im Hinblick auf ihre institutionellen Strukturierungen und die individuellen Handlungsstrategien. Länderunterschiede bestehen vor allem in der frühen schulischen Selektion in Deutschland, aber auch einem breiteren institutionellen Angebot im Sinne einer "zweiten Chance". Mithilfe von Sequenzmusteranalysen auf Basis quantitativer Längsschnittdaten kann gezeigt werden, dass Benachteiligungen von Migranten in Deutschland in den Bildungsverläufen sichtbar werden, in Frankreich dagegen beim Arbeitsmarkteintritt. Die vertiefende qualitative Analyse junger Erwachsener mit Migrationshintergrund mit prekären Bildungs- und Arbeitsmarktverläufen verweist auf typische Veränderungen der Handlungsstrategien im Lebensverlauf. Auf einen bio-graphischen Wendepunkt hin zu informellen ökonomischen Strategien und sozialen Netzwerken folgt häufig ein zweiter biographischer Wendepunkt zurück zu bildungs- und berufsorientierten Strategien. Diese Wendepunkte sind durch länderspezifische institutionelle Kontexte strukturiert.

STICHWORTE: Migration • Lebensverlauf • Bildung • Strategien • Mixed Methods

ENGL. TITLE: Trajectories and a second chance in life. Educational pathways and labour market entry of migrants in Germany and France

ABSTRACT: This paper examines educational pathways and labour market entries of second generation migrants in Germany and France with respect to institutional factors and individual coping strategies. Major country differences are the early educational tracking and ethnic segrega-tion in the German school system, but also the larger opportunities for a "second chance" for low-educated youth. Based on sequence analysis of longitudinal micro-data, we reveal disadvantages of migrants in the German educational system and in the French labour market. In-depth qualitative interviews with young migrants with disadvantageous educational and career patterns indicate that their coping strategies are far from stable over time. Typically, after a first turning point towards informal economic activities and social networks, in many cases a second turning point can be observed, leading back to mainstream educational and occupational goals. The way these turning points are institutionally structured varies across countries.

KEYWORDS: Migration • Life Course • Education • Strategies • Mixed Methods

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 52, 2012, S. 186-210.

AUTOR/AUTHOR: Corinna Kleinert und Marita Jacob

TITEL: Strukturwandel des Übergangs in eine berufliche Ausbildung

ZUSAMMENFASSUNG: Es gibt nur wenige Untersuchungen, die eine umfassende Analyse zur historischen Entwicklung der Einmündung in die verschiedenen Bereiche der beruflichen Bildung liefern. In diesem Beitrag wird der Frage nachgegangen, ob sich die Chancen auf eine voll qualifizierende Ausbildung in den letzten 30 Jahren für die unterschiedlichen Bildungsniveaus verändert haben. Hierbei interessiert einerseits, inwiefern demographische Veränderungen und konjunkturelle Schwankungen den Übergang beeinflussen, und andererseits die Veränderung der Zugangschancen von Schulabgängern mit unterschiedlichen Abschlüssen. Datenbasis ist die IAB-Studie "Arbeiten und Lernen im Wandel" (ALWA), in der rund 10 000 Erwachsene zu ihren Lebensverläufen befragt wurden. Unsere Analysen zeigen, dass sich die Übergangschancen in Ausbildung zwischen den Bildungsgruppen im Zeitverlauf auseinander entwickelt haben. Hauptschüler und Realschüler haben vor allem dann niedrigere Übergangschancen, wenn die Arbeitslosigkeit hoch oder die Abgängerkohorte groß ist. Aber auch jenseits von konjunkturell und demographisch bedingten Engpässen und unter Kontrolle ihrer Zusammensetzung hat die Dauer des Übergangs in Ausbildung bei diesen beiden Gruppen im Zeitverlauf zugenommen. Die Übergänge von Abiturienten sind dagegen unbeeinflusst von Marktschwankungen und dem langfristigen Strukturwandel im Verlauf der hier analysierten drei Jahrzehnte.

STICHWORTE: Übergänge • Ausbildung • Schulbildung • Strukturwandel

ENGL. TITLE: The Intergenerational Transmission of Highbrow Lifestyles in the Context of Migration,

ABSTRACT: Only few empirical studies examine long-term trends in transitions from school to vocational training and higher education comprehensively. In this article we ask whether the chances of entering fully qualifying training or higher education have changed during the last 30 years for school leavers from different school tracks. We are interested in how these transitions are affected, on the one hand, by business cycle fluctuations and demographic changes and, on the other hand, by differences in the composition of the educational groups. Our empirical analyses are based on the IAB study ALWA ("Working and Learning in a Changing World"), a survey that contains detailed life course information of 10,000 adults living in Germany. Our results show that the transition chances of school leavers with different attainment diverged over time. School leavers with low and medium attainment need more time to enter training when unemployment is high or when the school leaver cohort is large. Furthermore, transi-tions into training are prolonged for these groups over our 30 year period of observation be-yond bottlenecks caused by business cycle and demography and their changing composition. In contrast, transitions of school leavers with university-entry degrees are unaffected by market fluctuations and long-term structural change.

KEYWORDS: Transitions • Training • Schooling • Structural Change

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 52, 2012, S. 211-233.

AUTOR/AUTHOR: Ulrich Pötter, Gerald Prein und Christine Steiner

TITEL: Geförderte Chancen? Der Beitrag der Ausbildungsförderung für den Berufseinstieg im "Laboratorium Ostdeutschland"

ZUSAMMENFASSUNG: In der Arbeitsmarktpolitik wird zur Unterstützung Jugendlicher und junger Erwachsener vor allem auf bildungsbezogene Instrumente im sogenannten Übergangssystem gesetzt. Dies geschieht insbesondere mit dem Ziel, die Position von Benachteiligten auf dem Arbeitsmarkt zu stärken. Im Bildungsbericht 2008 wurde die Effektivität dieser Instrumente massiv in Frage gestellt, weil viele der Jugendlichen trotz Förderung keinen qualifizierten Abschluss erreichen und weiterhin Schwierigkeiten haben, einen Ausbildungsplatz zu finden. In Ostdeutschland wird jedoch ein anderer Weg als im Westen des Landes beschritten. Dort werden öffentliche Mittel häufig in berufliche (außerbetriebliche) Ausbildungen investiert, die zu einem anerkannten Ausbildungsabschluss führen. Auch die Absolventen dieser Ausbildungen haben beim Übergang ins Erwerbsleben große Schwierigkeiten. Ausgehend von diesen Befunden untersucht der vorliegende Beitrag die Erwerbseinmündung ostdeutscher junger Erwachsener und prüft unterschiedliche Erklärungshypothesen, warum dies so ist.

STICHWORTE: Arbeitsmarkt • berufliche Bildung • öffentliche Förderung • Ostdeutschland • Lebensverlauf

ENGL. TITLE: Subsidized vocational training and its impact on labor market entry in East Germany

ABSTRACT: Labour market policy mainly relies on education-related instruments and prevocational training measures to support youth and young adults, among other reasons in order to strengthen the position of the disadvantaged in the labour market. In National Education Report 2008, the effectiveness of these instruments was seriously questioned, because many youth who receive this support still do not manage to obtain a recognised degree and to enter apprenticeships. In eastern Germany, however, a different route is taken than in the western part of the country. Here public funds are often invested in vocational training that leads to a recognised degree. But, the graduates of these programs have also huge difficulties in finding a job afterwards. This article examines the entry into the labour market of young adults from eastern Germany and considers various possible explanations for these difficulties.

KEYWORDS: Labor Market • Vocational Training Programs • Public Funding • East Germany • Life Course

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 52, 2012, S. 234-255.

AUTOR/AUTHOR: Marlis Buchmann und Irene Kriesi

TITEL: Geschlechtstypische Berufswahl: Begabungszuschreibungen, Aspirationen und Institutionen

ZUSAMMENFASSUNG: Der vorliegende Beitrag geht der Frage nach, ob geschlechterstereotype Begabungszuschreibungen von Eltern am Ende der Pflichtschulzeit einen Einfluss darauf haben, dass junge Frauen und Männer drei Jahre später, mit 18 Jahren, eine geschlechtstypische Berufsausbildung absolvieren. Die Daten stammen von der mittleren Kohorte der Schweizer Kinder- und Jugendlängsschnittstudie COCON und wurden 2006 und 2009 erhoben, als die Jugendlichen 15 bzw. 18 Jahre alt waren. Die Ergebnisse multinominaler Logit-Modelle zeigen, dass geschlechterstereotype elterliche Fähigkeitszuschreibungen die Wahl unterschiedlicher Typen von Frauen- und Männerberufen begünstigen. Zudem kommt geschlechtstypischen Aspiratio-nen sowie institutionellen Zuweisungsprozessen aufgrund schulischer Qualifikationen eine große Bedeutung zu.

STICHWORTE: Berufswahl • familiäre Sozialisation • Geschlechterstereotypen • Arbeitsmarktallokation • berufliche Geschlechtersegregation • elterliche Fähigkeitszuschreibungen

ENGL. TITLE: Sex-Typed Occupational Choices: Parental Ability Attributions, Aspirations, and Institutions

ABSTRACT: This paper investigates whether parents' sex-typing of their children's abilities at the end of compulsory schooling affects the likelihood that their daughters and sons will train in a sex-typed occupation three years later (i.e., at the age of 18). Data are taken from the middle co-hort of the Swiss Survey of Children and Youth COCON, collected in 2006 and 2009 when the respondents were 15 and 18 years old. Based on multinominal logit models, the findings show that parental sex-typing of abilities makes the choice of a male- or female-dominated occupation indeed more likely. The attendance of a sex-typed training program is also influenced by institutional allocation processes and young people's sex-typed aspirations.

KEYWORDS: Choice of Occupation • Family Socialisation • Gender Stereotypes • Labour-market Allocation • Occupational Sex-Segregation • Parental Ability Attributions

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 52, 2012, S. 256-280.

AUTOR/AUTHOR: Anja Hall

TITEL: Lohnen sich schulische und duale Ausbildung gleichermaßen? Bildungserträge für Frauen und Männer im Vergleich

ZUSAMMENFASSUNG: Die nichtakademische berufliche Bildung in Deutschland wird in der Einkommensforschung meist nur durch das Qualifikationsniveau oder stellvertretend durch das duale System der Berufsausbildung berücksichtigt. Daneben kann eine Berufsausbildung auch im Schulberufssystem erworben werden, das in den letzten Jahren deutlich gewachsen ist. Obwohl schulische Ausbildungsberufe in der Literatur mehrheitlich negativ charakterisiert werden, weisen bisherige empirische Ergebnisse für diese Ausbildungsgänge positive Berufsperspektiven aus. Der Beitrag untersucht, ob sich aus dualen und schulischen Ausbildungsgängen vergleichbare Bildungserträge realisieren lassen. Theoretische Basis der Analysen bilden die Humankapitaltheorie, das institutionelle "Doing Gender" und der Ansatz segmentierter Arbeitsmärkte, aus denen unterschiedliche Effekte der Ausbildungsform auf das Einkommen abgeleitet werden. Die Hypothesen werden auf Basis der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2006 geprüft. Im Ergebnis zeigt sich, dass sich für Männer, bei gleicher schulischer Vorbildung, der Bruttostundenlohn nicht danach unterscheidet, ob sie einen dualen oder einen schulischen Beruf erlernt haben. Für Frauen sind die Bildungserträge einer schulischen Ausbildung hingegen höher. Ursache hierfür sind die typischen Frauen-berufe des dualen Systems, in denen Frauen nur geringe Einkommen erzielen können.

STICHWORTE: duale Berufsausbildung • schulische Berufsausbildung • Ausbildungsberufe • Einkommen • Bildungserträge

ENGL. TITLE: Does dual and school-based vocational training pay off in same manner? Returns to education for women and men in comparison

ABSTRACT: In income research, non-academic vocational training in Germany is usually only considered as qualification level and mostly only represent by the dual system of vocational training. However, vocational education and training can also be completed in the school-based vocational training system, which is remarkably grown in the past several years. Although the literature takes a primarily negative view of school-based training, existing empirical data indicates positive occupational perspectives for these training programmes. The question examined here is if comparable returns to education can be achieved via dual and school-based training programmes. The theoretical basis for the analyses are the human capital theory, the institutional "doing gender" and segmentation theory approaches. These theoretical approaches are used to derive hypotheses on different returns to dual and school-based training programmes in terms of income. The hypotheses are tested on the basis of the BIBB/BAuA Employment Survey 2006. When prior schooling is taken into account, the findings reveal that for men returns to dual or school-based training programmes do not differ. For women, on the other hand, the returns to school-based training are higher. This can be explained by typical women's professions in the dual system, in which women can obtain only low(er) incomes.

KEYWORDS: Dual System of Vocational Training • School-Based Vocational Training • Return on Education • Income • Women's Professions

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 52, 2012, S. 281-301.

AUTOR/AUTHOR: Markus Lörz

TITEL: Mechanismen sozialer Ungleichheit beim Übergang ins Studium: Prozesse der Status- und Kulturreproduktion

ZUSAMMENFASSUNG: Im Zuge der Bildungsexpansion haben die sozialen Ungleichheiten beim Erwerb der Hochschulreife abgenommen, während sie sich beim Übergang ins Studium tendenziell verstärkt haben. Kinder aus sozial schwächeren Familien sind im höheren Bildungssystem deutlich unterrepräsentiert und schlagen weniger prestigeträchtige Bildungs- und Erwerbsverläufe ein. Hierzu liegen verschiedene Erklärungsansätze vor: Auf der einen Seite wird die Ursache in unterschiedlichen Motiven der intergenerationalen Statusreproduktion gesehen, auf der anderen Seite in kulturellen Reproduktionsprozessen. Unklar ist allerdings, welche Ursachen und Mechanismen den herkunftsspezifischen Unterschieden tatsächlich zugrunde liegen. Auf Basis der HIS-Studienberechtigtenbefragung beschäftigt sich der vorliegende Beitrag mit den Fragen, welche Unterschiede in der generellen Studienentscheidung und der speziellen Fachrichtungswahl bestehen, und über welche Prozesse und Mechanismen sich diese erklären lassen. Der Analyse liegt ein mehrdimensionales Verständnis von sozialer Herkunft und sozialer Ungleichheit zugrunde. Auf vertikaler Ebene wird das berufliche Prestige und auf horizontaler Ebene das Berufsfeld der Eltern hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Ausbildungs- und Berufsentscheidungen der Kinder analysiert. Es zeigt sich, dass in der generellen Studienentscheidung Mechanismen der Statusreproduktion zum Tragen kommen, während der fachlich-kulturelle Hintergrund der Befragten stärker die Fachrichtungswahl bestimmt.

STICHWORTE: soziale Ungleichheit • Bildungsentscheidung • tertiäre Bildung • Studienfachwahl

ENGL. TITLE: Mechanisms of social inequality in transition to higher education: Processes of status maintenance and cultural reproduction

ABSTRACT: In the course of educational expansion social inequalities in completion of upper secondary education have declined, while the differences in transition to tertiary education have in-creased. Students from lower social backgrounds are underrepresented in tertiary education and more often choose less prestigious fields of study. In the literature we find two potential explanations for the observed pattern: On the one hand, the motivation of status maintenance and, on the other hand, cultural reproduction theory. However, it is still less clear which mechanisms are responsible for the observed pattern of social inequality. Drawing on panel-data of German graduates of upper secondary education, we estimate the extent and development of social differences in access to tertiary education and in field of study choice and single out the underlying processes and mechanisms. We differentiate processes of status maintenance by the prestige assigned to parents' jobs and processes of cultural reproduction by parental occupations. Our findings suggest that social differences in transition to higher education can be largely ascribed to the vertical dimension of social background, while the choice of the field of study is seen more as the result of cultural reproduction processes.

KEYWORDS: Social Inequality • Educational Decision • Tertiary Education • Choice of Field of Study

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 52, 2012, S. 302-324.

AUTOR/AUTHOR: Steffen Hillmert

TITEL: Familienstrukturen und soziale Bildungsreproduktion

ZUSAMMENFASSUNG: Bildungschancen von Kindern hängen entscheidend vom familiären Hintergrund ab, insbesondere vom Bildungsniveau der Eltern. Darüber hinaus ist deren Bildungsniveau mit Prozessen der Partnerschaftsformierung und Familienbildung eng verbunden. Diese Prozesse sind dem Bildungserwerb der Kinder vorgelagert. Bedeutsam ist hier insbesondere das Phänomen der sozialen Homogamie, also die Tatsache, dass Individuen mit ähnlichem (Bildungs-)Hintergrund als Partner zusammenfinden. Bildungsgruppen unterscheiden sich darüber hinaus hinsichtlich ihrer Fertilitätsmuster, d. h. in der Häufigkeit und den Zeitpunkten der Elternschaft. Der vorliegende Beitrag untersucht das Zusammenwirken dieser Prozesse im Hinblick auf die intergenerationale Reproduktion des Bildungsverhaltens. Die empirische Grundlage bilden Kohortendaten der Westdeutschen Lebensverlaufsstudie. Die Ergebnisse zeigen, dass sich ein großer Teil der beobachteten Bildungsreproduktion zwischen Eltern und Kindern auf soziodemografische Prozesse zurückführen lässt, die im Wesentlichen außerhalb des Bildungssystems liegen.

STICHWORTE: Bildungserwerb • soziale Ungleichheit • Familie • soziale Reproduktion • Lebensverlauf

ENGL. TITLE: Family Structures and Social Reproduction in Education

ABSTRACT: Children's chances of education depend strongly on their family background, particularly on their parents' levels of education. Their levels of education are also associated with processes of partnership and family formation. These processes precede the children's educational attainment. Particularly relevant is the phenomenon of social homogamy, i.e. the fact that individuals with similar (educational) background tend to form unions. Moreover, educational groups differ in their fertility behaviour, i.e. the frequency and the timing of parenthood. This paper analyses the combined impact of these processes on the inter-generational reproduction of educational behaviour. Empirical analyses draw upon data from the West German Life History Study. The results indicate that a large part of the observed educational reproduction between parents and children can be attributed to socio-demographic processes, which are located mostly outside the educational system.

KEYWORDS: Educational Attainment • Social Inequality • Family • Social Reproduction • Life Course

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 52, 2012, S. 325-345.

AUTOR/AUTHOR: Richard Breen, Ruud Luijkx, Walter Müller und Reinhard Pollak

TITEL: Bildungsdisparitäten nach sozialer Herkunft und Geschlecht im Wandel - Deutschland im internationalen Vergleich

ZUSAMMENFASSUNG: Der Aufsatz untersucht für Deutschland und sieben weitere europäische Länder die längerfristige Entwicklung herkunfts- und geschlechtsbezogener Ungleichheiten in den Bildungsabschlüssen und weshalb sich Ungleichheiten nach sozialer Herkunft und Geschlecht unterschiedlich wandeln. Im Ergebnis zeigt er, dass beide Arten von Ungleichheit in weitgehend allen untersuchten Ländern geringer geworden sind und widerlegt damit die Befunde "dauerhafter Ungleichheit" älterer Studien.

STICHWORTE: soziale Ungleichheit • Bildungschancenungleichheit • Geschlechterungleichheit • internationaler Vergleich

ENGL. TITLE: Change in educational inequality by class and gender – Germany in international comparison

ABSTRACT: The article investigates long-term trends in class and gender inequalities in educational at-tainment for Germany and seven other European countries and explores why class and gender inequalities change differently over time. The findings show that both kinds of educational inequality have declined over the 20th century in practically all countries studied and thereby call for revision of the "Persistent Inequality" conclusion of earlier studies.

KEYWORDS: Social Inequality • Inequality of Educational Opportunity • Gender Inequality • International Comparison

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 52, 2012, S. 346-373.

AUTOR/AUTHOR: Marcel Helbig

TITEL: Die Umkehrung - Geschlechterungleichheiten beim Erwerb des Abiturs im Wandel

ZUSAMMENFASSUNG: Mädchen sind heute beim Abitur deutlich erfolgreicher als Jungen. Vor 50 Jahren stellte sich die Situation noch umgekehrt dar. In diesem Beitrag wird systematisch untersucht, an welchen Stellen im Bildungsverlauf auf dem Weg zum Abitur die "alten" Ungleichheiten zwischen Jungen und Mädchen unverändert geblieben sind und an welchen sie sich in den letzten Dekaden verändert haben. Dazu wird der Wandel in den Geschlechterunterschieden in den kognitiven Kompetenzen und Schulnoten, im Gymnasialübergang sowie im weiteren Verlauf im Gymnasium analysiert. Ergebnis der Untersuchung ist, dass hinsichtlich der Unterschiede in den kognitiven Kompetenzen und Schulnoten keine Veränderungen festzustellen sind. Einen Wandel der Geschlechterungleichheiten zugunsten von Mädchen gibt es hingegen bei den Gymnasialübergängen sowie verläufen. Diesen beiden Prozessen sollte daher die zukünftige Forschung zum Wandel des ungleichen Erfolgs vom Mädchen und Jungen beim Erwerb des Abiturs besondere Beachtung schenken.

STICHWORTE: Geschlecht • kognitive Kompetenzen • Schulnoten • Gymnasialübergänge • Gymnasialverläufe • Abitur

ENGL. TITLE: : The Reversal of Gender Inequalities in Access to University Entrance Certificates

ABSTRACT: Nowadays girls are considerably more successful in obtaining university entrance certificates than boys. 50 years ago it was the other way around. This article seeks to systematically identify, where in the educational pathway towards university entrance certificates the "old" inequalities between boys and girls have persisted and where gender inequalities have altered over the last decades. To this end, changes in gender differences are analysed with regard to cognitive competencies, grades, transitions to upper secondary school and pathways through upper secondary school. The analyses reveal that gender differences with regard to cognitive competencies and grades have not changed over the last decades. In contrast, transitions into secondary education (Gymnasium) and pathways through upper-secondary education have indeed developed more favourably for girls than for boys. Research concerned with explaining the reversal in the gender distribution of upper-secondary degrees should, therefore, focus on explaining changes in these two latter indicators.

KEYWORDS: Gender • Cognitive Competencies • Grades • Transition to Upper Secondary School • Pathways through Upper Secondary School • General University Entrance Certificate

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 52, 2012, S. 374-392.

AUTOR/AUTHOR: Robert D. Reisz, Robert Schuster und Manfred Stock

TITEL: Wandel akademischer Bildung und geschlechtsspezifische Bildungsbeteiligung

ZUSAMMENFASSUNG: Im Beitrag werden Zusammenhänge zwischen dem Wandel akademischer Bildung, das heißt dem Wandel der Fächerstruktur, und der Beteiligung der Geschlechter an der Hochschulbildung untersucht. Komparative Studien zeigen, dass der Anteil der Frauen unter den Studierenden der Natur- und Ingenieurwissenschaften in den entwickelten westlichen Ländern kleiner ist als in jenen Ländern, die als weniger entwickelt und als weniger demokratisch gelten. Gemessen an den üblichen Kriterien der Modernisierung ist diese Konstellation paradox. Sie wird im Beitrag anhand eines Vergleiches zwischen der DDR und der BRD näher beleuchtet. In beiden deutschen Staaten herrschten unterschiedliche Reglements des Hochschulzugangs: Im Staatssozialismus wurden die Studienplätze für die einzelnen Fächer quotiert, unter demokratischen Verhältnissen war dies nicht oder nur in sehr engen Grenzen möglich. Diese Differenz geht mit unterschiedlichen Zusammenhängen zwischen dem Wandel der Fächerstruktur und dem Wandel der Bildungsbeteiligung von Frauen im Hochschulbereich einher: In der BRD führte ein wachsender Anteil von Frauen unter den Studierenden zu wachsenden Anteilen von Fächern, die vor allem Frauen wählen. In der DDR beeinflusste hingegen umgekehrt die Entwicklung des relativen Anteils der Fächer die Geschlechterzusammensetzung der Studierenden. Die im Vergleich zur BRD höhere Quote der Frauen in den Ingenieurwissenschaften der DDR wird vor diesem Hintergrund erklärt. Auf eine geringere Ausprägung sozialer Geschlechterstereotype ist sie nicht zurückzuführen.

STICHWORTE: Hochschulzugang • Geschlechtersegregation • Modernisierung

ENGL. TITLE: Change in academic training and gender-related participation in education

ABSTRACT: The article investigates the relationship between changing student numbers in study programs and gender participation in higher education. So far comparative studies have shown that the proportion of female students in natural sciences and engineering is lower in developed Western democracies than in less developed and less democratic countries. With regard to commonly accepted aspects of modernization this seems paradox. Based on a comparison between the former German Democratic Republic and the Federal Republic of Germany we argue that this has to do with a specific regulation of access that is easier to pursue in non-democratic educational systems. Different to the access model in the Federal Republic which focused on individual student choice, the state socialist model implemented quotas for individual degree programs. While in the FRG a growing number of female students led to a growth in degree programs that are typically chosen by women, the GDR quota system restricted female study choice to the available degree programs. This led to the relatively high proportion of female engineering students in the GDR. However, this cannot be attributed to a lower validity of gender stereotypes in the GDR.

KEYWORDS: Access to Higher Education • Gender Segregation • Modernization

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 52, 2012, S. 393-414.

AUTOR/AUTHOR: Lisa Pfahl

TITEL: Bildung, Behinderung und Agency. Eine wissenssoziologische Untersuchung der Folgen schulischer Segregation und Inklusion

ZUSAMMENFASSUNG: : Die UN-Konvention über die Rechte der Menschen mit Behinderungen schreibt eine gemeinsame Beschulung aller Schüler und Schülerinnen an inklusiven Schulen vor. Gleichzeitig wird in Deutschland ein zunehmender Anteil der Schülerschaft an Sonderschulen unterrichtet. Im Beitrag werden die Folgen der schulischen Segregation im hierarchisch gegliederten deutschen Schulwesen untersucht. In der diskursanalytisch-fallrekonstruktiven Untersuchung wird aufgezeigt wie Bildungsbiografien von pädagogischen Diskursen und Praktiken bestimmt werden. Obwohl die Sonderbeschulung in der Regel formale Bildungserfolge verhindert, legitimiert der Lernbehinderungsdiskurs die sonderpädagogische Förderung von klassifizierten Schülern und Schülerinnen und leitet sie zu einem Subjektivierungsprozess an, in dem die jungen Erwachsenen ihre Erwartungen an sich und ihre gesellschaftliche Teilhabe einschränken. Schulische Segregation steht damit gelingenden Bildungsprozessen entgegen, da sie soziale Ungleichheiten reproduziert, die Ausbildung von Handlungsvermögen im Erwerbsleben nur mangelhaft vorbereitet und mit der Bereitstellung von Wissen über Behinderungen die Praxis der Leistungsselektion im Schulwesen stützt.

STICHWORTE: Lernbehinderung • Sonderpädagogik • biografische Fallrekonstruktion • Diskursanalyse • Menschenrechte

ENGL. TITLE: Education, disability, and agency. An investigation of the consequences of segregation and inclusion in school from the perspective of sociology of knowledge

ABSTRACT: The UN Convention on the Rights of People with Disabilities stipulates inclusive schooling for all students. At the same time, a growing percentage of students are classified as having special educational needs and schooled in segregated settings in Germany. What conse-quences does segregated schooling have on students, in terms of their identities, educational careers, and life chances? Clarifying the construction of "learning disability" and the phe-nomenon of school segregation, the utilized mixed methods research combines a discourse analysis of learning disability with longitudinal biographical case studies. Despite the fact that segregated schooling generally hinders the attainment of even the lowest formal qualifications, the hegemonic special education discourse legitimates the on-going segregation of this disadvantaged group of students. The structures and practices of segregated schooling produce student subjectivities that inhibit learning processes and educational success. As demonstrated here, social inequalities are reproduced by the practice of student selection and segregation through the diffusion of "knowledge" about disabilities based on the practice of segregation itself. At individual level, segregated schooling fails to support students' development of occupational agency; in fact, it provides them technologies of the self that further disable them.

KEYWORDS: Learning Disability • Special Education • Biographies • Discourse Analysis • Human Rights

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 52, 2012, S. 415-436.

AUTOR/AUTHOR: Justin J.W. Powell, Nadine Bernhard und Lukas Graf

TITEL: Amerikanisierung oder Europäisierung der (Aus-)Bildung? Die Bologna- und Kopenhagen-Prozesse und das neue europäische Modell der Hochschul- und Berufsbildung

ZUSAMMENFASSUNG: Die USA, Deutschland, Frankreich und Großbritannien stehen für jeweils unterschiedliche sowie international viel beachtete Modelle der Hochschul- und Berufsbildung. Es gibt keinen globalen Konsens darüber, was Kriterien für den Erfolg nationaler Bildungssysteme sind oder welchem Vorbild gefolgt werden soll. Gegenwärtige europäische Reformen, wie der Bologna- und der Kopenhagen-Prozess, sollen die Wettbewerbsfähigkeit Europas im Vergleich zu den USA erhöhen. Doch auf welchen zentralen Vorstellungen basiert das in diesen Prozessen verbreitete, im Entstehen begriffene europäische Bildungsmodell? Mit einer Inhaltsanalyse europäischer Dokumente (Deklarationen und Kommuniqués) gehen wir der Frage nach, ob die Ideale, Ziele, Legitimationen und Standards dieses Modells eher auf Amerikanisierung oder auf eine bricolage verschiedener aus Europa stammender Modelle hindeuten.

STICHWORTE: Hochschule • Berufsbildung • Europäisierung • Bologna-Prozess • Kopenhagen-Prozess • Deutschland • Frankreich • Großbritannien • USA

ENGL. TITLE: Americanization or Europeanization of Education and Training? The Bologna and Copenhagen Processes and the New European Model of Higher Education and Vocational Training

ABSTRACT: The United States, Germany, France, and Great Britain represent differing and internationally highly influential models in higher education and vocational training. Yet there is no global consensus on which model should be followed, or even which characteristics lead to success. Yet contemporary European reforms, such as the Bologna process in higher education and the Copenhagen process in vocational education and training are meant to strengthen Europe's competitiveness, especially vis-à-vis the United States. But in what does this emer-gent European educational model consist; what do these processes propose? Based on an in-depth content analysis of European documents (declarations and communiqués), we ask whether the ideals, goals, legitimation arguments and standards of this model reflect ubiqui-tous Americanization or, in contrast, represent a bricolage of diverse elements borrowed from national educational models.

KEYWORDS: Higher Education • Vocational Training • Europeanization • Bologna Process • Copenhagen Process • France • Germany • Great Britain • United States

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 52, 2012, S. 437-458.

AUTOR/AUTHOR: Heike Solga

TITEL: Bildung und materielle Ungleichheiten - Der investive Sozialstaat auf dem Prüfstand

ZUSAMMENFASSUNG: Mit Blick auf eine zunehmende Orientierung am investiven Sozialstaat wird im Beitrag untersucht, ob und welche Zusammenhänge zwischen Bildungs- und materiellen Ungleichheiten sowie zwischen Chancen- und Ergebnisungleichheit im Bildungssystem bestehen. Dazu werden unter Rückgriff auf die funktionalistische Modernisierungstheorie, den Kredentialismus sowie arbeitsmarkt- und wohlfahrtsstaatstheoretische Überlegungen unterschiedliche Hypothesen abgeleitet. Die Ergebnisse eines Ländervergleichs legen nahe, dass Bildung als "Gleichheitsmacher" nicht überschätzt und eine investive Sozialpolitik nicht auf "education only politics" verengt werden darf. Eine direkte Umverteilung reduziert deutlich stärker als Bildung die Armut in entwickelten Gesellschaften. Gleichwohl hat auch die Verringerung von Bildungsarmut (als eine Dimension von Ungleichheiten in den Bildungsergebnis-sen) einen positiven Einfluss auf das Niveau materieller Ungleichheiten.

STICHWORTE: Bildungsungleichheiten • materielle Ungleichheiten • Armut • investiver Sozialstaat • internationaler Vergleich

ENGL. TITLE: Education and economic inequalities - The social investment state under scrutiny

ABSTRACT: As social policies in OECD countries increasingly move towards the social investment state model, this paper examines whether, and if so, what kind of interrelations exist between edu-cational and economic inequalities, as well as between equality of opportunity and equality of outcome in the educational system. To this end, a variety of hypotheses are derived, drawing on functionalist modernization theory and credentialism, as well as labor market and welfare state theories. The results of an international comparison suggest that the power of education as an "equalizer" should not be overestimated, and that social investment policies should not be narrowly understood as "education only politics." Direct redistribution is much more likely to curb poverty in advanced societies than education. Nevertheless, reducing educational deprivation (as one dimension of inequality of educational outcome) can also be shown to have a positive influence on the level of economic inequalities.

KEYWORDS: Educational Inequalities • Economic Inequalities • Poverty • Social Investment State • International Comparison

QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 52, 2012, S. 459-487.

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Datei aktualisiert am 27.10.2012 in der Redaktion der KZfSS