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Zu den Kurzbiographien
AUTOR/AUTHOR: Gert Albert
TITEL: Figuration und Emergenz. Zur Ontologie und Methodologie des Ansatzes von Norbert Elias
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 65, 2013, S. 193-222
ZUSAMMENFASSUNG: Die zentrale These des Beitrags lautet, dass Norbert Elias die Position einer "dritten Soziologie" jenseits von Individualismus und Kollektivismus entwirft. Diese methodologische Position wird vor dem Hintergrund seiner ontologischen Auffassungen über die natürliche und soziale Welt rekonstruiert. Elias skizziert deren Aufbau von der untersten physikalischen bis zur obersten soziologischen Ebene. Auf jeder Ebene finden sich Ganze, die sich aus Teilen zusammensetzen. In der Soziologie sind Figurationen die Ganzen, die aus Menschen als ihren Teilen aufgebaut sind. Ganze der physikalisch−chemischen Wissenschaften können reduktionistisch erklärt werden, Ganze der biologischen sowie der soziologischen Wissenschaften nicht, da hier Emergenzphänomene anzutreffen sind. Elias entwickelt dabei für die Soziologie einen neuartigen Emergenzbegriff. Emergent sind hier Eigenschaften der Teile, der Menschen, die in Abhängigkeit der sozialen Ganzen, der Figurationen, auftauchen. Daraus ergeben sich schließlich gewichtige Konsequenzen für eine handlungstheoretisch ausgerichtete Soziologie. Die grundlegenden Handlungsdispositionen des Menschen wären demnach historisch variabel, da sie in den sich wandelnden Figurationen ihren Ursprung haben. Handlungstheoretische Modelle dürfen daher nicht wie im RC-Ansatz oder dem Modell der Frame-Selektion als allgemein und universal geltend aufgefasst werden, sondern müssen variiert und jeweils auf bestimmte Anwendungsbereiche hin spezifiziert werden. Elias nimmt damit insgesamt die Ideen heutiger Wissenschaftsphilosophen zur Abschwächung des Gesetzesbegriffs vorweg.
SCHLÜSSELWÖRTER: Norbert Elias • Ontologie • Methodologie • Dritte Soziologie • Teil−Ganzes • Methodologischer Individualismus • Methodologischer Relationalismus • Relationale Soziologie • Emergenz • Figuration • Mikro−Makro−Modell
TITLE: Figruational Sociology and Methodological Relationalism − On the Ontology and Methodology of Nobert Elias
ABSTRACT: The paper reconstructs the methodology of Norbert Elias against the background of his ontology. Thereby Robert van Kriekens thesis will be defended that Elias is a proponent of a "third sociology". His ontology shows that figurations are integrated wholes. Human beings form the parts of this wholes and necessarily build up social relations based upon their "relational properties". This model of social wholes builds the finishing part of a mereological ontology of layers of the natural and social world. Physical−chemical wholes can reductively explained, biological and sociological wholes are ontologically and epistemologically irreducible because of phenomena of emergence. This ontology of Elias serves as a background for his methodology which does not favour individualist but moderat holist or relationalist explanations. With a new definition of social emergence it can be shown that relations are central factors of sociological explanations which can be found in Elias' historical−sociological studies.
KEYWORDS: Norbert Elias • Ontology • Methodology • Third sociology • Part−whole • Methodological individualism • Methodological relationalsim • Relational sociology • Emergence • Figuration • Micro−macro
KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: G. Albert, Institut für Soziologie, Universität Heidelberg, Bergheimer Str. 58, 69115 Heidelberg, Deutschland
E-Mail: gert.albert@soziologie.uni-heidelberg.de
AUTOR/AUTHOR: Andreas Jansen
TITEL: Kulturelle Muster des Altersübergangs: Der Einfluss kultureller Normen und Werte auf die Erwerbsbeteiligung älterer Menschen in Europa
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 65, 2013, S. 223-252
ZUSAMMENFASSUNG: Der vorliegende Beitrag befasst sich mit der Frage nach dem Einfluss kulturell geprägter Normen und kultureller Werte hinsichtlich der idealen Ausgestaltung des Altersübergangs auf die Erwerbsbeteiligung älterer Menschen zwischen 55 und 64 Jahren in Europa. Im Anschluss an die inhaltliche Konkretisierung des Begriffes der Altersübergangskultur wird auf Basis des Modells der soziologischen Erklärung ein erweitertes Altersübergangsmodell entwickelt, in dessen Rahmen die Altersübergangskultur einer Gesellschaft explizite Berücksichtigung findet. Im Rahmen einer quantitativen Datenanalyse wird ein erster Versuch unternommen, das theoretische Modell empirisch zu plausibilisieren. Als Datengrundlage dient die dritte Runde des European Social Survey (ESS) aus dem Jahre 2006. Es zeigt sich, dass der Einfluss kultureller Normen und Werte auf die Erwerbsentscheidung der Individuen sowohl theoretisch modellierbar, als auch empirisch belegbar ist. Theoretisch besitzt die Kultur eine doppelte Bedeutung für die Altersübergangsentscheidung, da sie sowohl handlungsbedingend als auch handlungsstrukturierend wirkt. In den empirischen Analysen zeigt sich ein positiver Zusammenhang zwischen den Einstellungen zur idealen Ausgestaltung des Altersübergangs und der individuellen Erwerbswahrscheinlichkeit im höheren Alter. In Hinblick auf spezifische Muster von Altersübergangskulturen weisen überdies Länder mit einer geringen Erwerbstätigenquote Älterer auch eine tendenziell ausstiegsorientierte Altersübergangskultur auf und umgekehrt.
SCHLÜSSELWÖRTER: Alterserwerbstätigkeit • Kultur • ältere Arbeitnehmer • Altersübergang • Arbeitsmarkt
TITLE: Cultural retirement patterns: The impact of societal norms and values on the labor market participation of older people in Europe
ABSTRACT: The article examines the impact of culturally influenced norms and cultural values towards the ideal arrangement due to the transition to retirement on the labor market participation of older people aged 55 to 64 in Europe. Subsequent to a basic definition of retirement cultures, an extended explanatory model for the transition to retirement is developed, which takes cultural norms and values or rather the country−specific−retirement culture explicitly into account. Secondly, the model is empirically validated. The underlying dataset is the third round of the European Social Survey (ESS) which was conducted in 2006. Overall it is found that the impact of societal norms and values on the participation decision of older individuals can be both, theoretically modeled and empirically verified. Within the explanatory model the importance of cultural norms and values for explaining the retirement decisions of older peo-ple is twofold. Firstly, like the nation-specific institutional framework of the transition to re-tirement as well as the material resources of the individuals, this specific transition-to-retirement-culture belongs to the conditional part of the model and limits the number of alter-native courses of action. Secondly, as an internalized social norm, the transition-to-retirement-culture is an integral part of the definition of the situation and structures the preference order of the individuals. The theoretical influence can also be validated in the empirical model. Firstly, there is a highly significant (positive) correlation between the attitudes towards the ideal retirement transition on the one hand and the participation decision on the individual level. On the societal level, a significant correlation between the country-specific transition-to-retirement-culture and the employment rate of older people can be seen. In this context, a low labor market participation of older people goes along with a comparatively exit-oriented transition-to-retirement-culture and vice versa.
KEYWORDS: Labor market • Transition to retirement • Culture • Older workers
KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: A. Jansen, Institut Arbeit und Qualifikation, Universität Duisburg−Essen, Lotharstr. 63, LF 365, Duisburg, Deutschland
E-Mail: andreas.jansen@uni-duisburg.de
AUTOR/AUTHOR: Michael Mutz • Sylvia Kämpfer
TITEL: Emotionen und Lebenszufriedenheit in der "Erlebnisgesellschaft". Eine vergleichende Analyse von 23 europäischen Ländern im Anschluss an die Gesellschaftsdiagnose von Gerhard Schulze
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 65, 2013, S. 253-276
ZUSAMMENFASSUNG: Soziologischen Zeitdiagnosen zufolge hat sich in vielen westlichen Ländern eine stark ausgeprägte postmoderne Konsum−, Unterhaltungs− und Erlebniskultur entwickelt. Der Beitrag knüpft insbesondere an die "Erlebnisgesellschaft" von Schulze (1992) an. Theoretisch wird argumentiert, dass Menschen in einer Konsum− und Erlebnisgesellschaft verstärkt innen−orientiert handeln: Sie streben zunehmend schöne Erlebnisse, ein hohes Wohlbefinden und positive Affekte an. Darüber hinaus betrachten sie ihre Emotionen verstärkt als Kriterium für die Bewertung ihres eigenen Lebens. Mit Daten des European Social Survey 2006 wird letztere These in vergleichender Perspektive für 23 europäische Länder untersucht. Dabei zeigt sich, dass in allen betrachteten Ländern die erlebten positiven (negativen) Emotionen die Lebenszufriedenheit der Menschen erhöhen (senken). Emotionen beeinflussen in allen Ländern die Bewertung des eigenen Lebens sehr deutlich. Mehrebenenmodelle zeigen aber, dass dieser Einfluss zwischen den Ländern variiert: Je stärker eine Gesellschaft dem Idealtyp der Konsum− und Erlebnisgesellschaft entspricht, desto größer fällt die Bedeutung von Emotionen für die Beurteilung des eigenen Lebens aus. Lebenszufriedenheit erhält in der Konsum− und Erlebnisgesellschaft folglich eine starke hedonistische Tönung.
SCHLÜSSELWÖRTER:Lebenszufriedenheit • Emotionen • Postmoderne • Erlebniskultur • Hedonismus
TITLE: Emotions and life satisfaction in the "Event Society" − A comparative analysis of 23 european countries following Gerhard Schulzes' diagnosis of contemporary society
ABSTRACT: According to sociological diagnoses of present time, in many western countries a postmodern consumer, entertainment, and event culture has emerged. This paper draws especially on Schulze's volume on the event society ("Erlebnisgesellschaft", 1992). On a theoretical level, it is argued that people living in a consumer and event society would act more and more inward oriented: They increasingly strive for pleasing experiences, a high level of well-being, and seek positive affects. Furthermore, they ever more regard their emotions as a criterion for the assessment of their own life. By using data from the European Social Survey 2006, this latter assumption is examined in a comparative perspective for 23 European countries. The findings show that in all countries considered previously experienced positive (negative) emotions lead to an increase (decrease) in people's life satisfaction. Emotions influence a persons' life satisfaction substantially. However, multilevel analyses demonstrate that this effect varies between countries: The more a society resembles the ideal type of a consumer and event society, the larger is the impact of a person's previously experienced emotions on the assessment of his or her own life. Hence, in a consumer and event society life satisfaction catches a strong hedonistic shade.
KEYWORDS: Life satisfaction • Emotions • Post-modernity • Event culture • Hedonism
KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: M. Mutz, Institut für Soziologie, Freie Universität Berlin, Garystr. 55, 14195 Berlin, Deutschland
E-Mail: michael.mutz@fu-berlin.de
S. Kämpfer
E-Mail: kaempfer@fu-berlin.de
AUTOR/AUTHOR: Anna Klein • Andreas Zick
TITEL: Toleranz versus Vorurteil? Eine empirische Analyse zum Verhältnis von Toleranz und Vorurteil
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 65, 2013, S. 277-300
ZUSAMMENFASSUNG: Kann Toleranz als Gegenteil von Vorurteilen verstanden werden? Die weit geteilte Annahme, dass Toleranz ein geringes Ausmaß von Vorurteilen impliziert, wird in Frage gestellt. Um die Relation zwischen Toleranz und Vorurteilen zu verstehen, werden zunächst vier Konzeptionen toleranter Einstellungen unterschieden. Darauf basierend wird eine Skala zur empirischen Erfassung toleranter Einstellungen vorgestellt, die in einem repräsentativen Survey im Jahr 2009 eingesetzt wurde. Die Analyse der Daten unterstützt die Differenzierung der vier Konzeptionen von Toleranz. Im Strukturgleichungsmodell zeigen sich allerdings nur signifikante negative Zusammenhänge zwischen der Konzeption der wertschätzenden Anerkennung und Vorurteilen. Es stellt sich die Frage, ob diese Konzeption noch als Toleranz bezeichnet werden kann, da ihr die der Toleranz inhärente Ablehnungskomponente fehlt.
SCHLÜSSELWÖRTER: Toleranz • Vorurteil • Anerkennung • Skala
TITLE: Tolerance versus Prejudice? An empirical analysis of the relation between tolerance and prejudice
ABSTRACT: Is tolerance the opposite of prejudice? The widely shared belief that tolerance implies low levels of prejudice is put to the test. Four conceptions of tolerant attitudes are differentiated, as the basis for an empirical scale for measuring tolerant attitudes, which was tested in a representative survey in 2009. Analysis of the data supports the differentiation into four conceptions of tolerance, but the structural equation model shows a significant negative relationship with prejudice only for social esteem. It is questionable whether this conception can still be called tolerance, since it lacks the component of rejection which is inherent to tolerance.
KEYWORDS: Tolerance • Prejudice • Recognition • Scale
KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: A. Klein, Institut für interdiszplinäre Konflikt− und Gewaltforschung, Universität Bielefeld, Universitätsstraße 25, 33615 Bielefeld, Deutschland
E-Mail: anna.klein@uni-bielefeld.de
A. Zick
E-Mail: zick@uni-bielefeld.de
AUTOR/AUTHOR: Anne Busch
TITEL: Der Einfluss der beruflichen Geschlechtersegregation auf den "Gender Pay Gap". Zur Bedeutung geschlechtlich konnotierter Arbeitsinhalte
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 65, 2013, S. 301-338
ZUSAMMENFASSUNG: Als bedeutsame Erklärungsgröße für geschlechtsspezifische Verdienstunterschiede ("gender pay gap") gilt die berufliche Geschlechtersegregation. Die vorliegende Studie untersucht daher Faktoren, die einer geringeren Entlohnung typischer Frauenberufe in Deutschland zugrunde liegen. Ausgehend von soziologischen und sozialpsychologischen Statustheorien ist anzunehmen, dass Frauenberufe aufgrund dort vorherrschender weiblich konnotierter Arbeitsinhalte, die auf dem Arbeitsmarkt abgewertet sind, geringer entlohnt werden − während typisch männlich konnotierte Arbeitsinhalte, die in Männerberufen dominieren, eine monetäre Aufwertung erfahren. Die Hypothesen werden mit Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) 2000−2010 unter Anwendung linearer Fixed-Effects-Modelle untersucht. Berufliche Charakteristika, etwa zu den Arbeitsinhalten, werden von der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2005/2006 und dem Mikrozensus dem SOEP zugespielt. Die Analyse bestätigt den vermittelnden Effekt geschlechtlich konnotierter Arbeitsinhalte auf Verdienstabschläge in den Bruttostundenverdiensten von Erwerbstätigen in Frauenberufen − jedoch nur für Männer. Dieser geschlechtsspezifische Effekt wird mit unterschiedlichen Kompetenz- und Leistungserwartungen, die Frauen und Männern für geschlechtlich konnotierte Arbeitsinhalte entgegengebracht werden, verdichtet. Bei Frauen weisen vor allem geringere berufliche Überstundennormen in Frauenberufen einen Erklärungsbeitrag für die dort geringere Entlohnung auf. Eine Oaxaca/Blinder-Dekomposition verdeutlicht schließlich, dass die Arbeitsinhalte bedeutsam zur Erklärung des "gender pay gap" beitragen.
SCHLÜSSELWÖRTER: Geschlechtsspezifische • Verdienstunterschiede • Berufliche Geschlechtersegregation • Berufliche Charakteristika • Arbeitsinhalte • Devaluation • Theorie der Erwartungszustände • Kompetenzerwartungen • Fixed-Effects Modelle • Oaxaca/Blinder • Dekomposition • Humankapital
TITLE: The impact of occupational sex segregation on the "Gender Pay Gap" − The role of gendered work content
ABSTRACT: Occupational sex segregation is generally seen as an important determinant for the gender specific wage differential ("gender pay gap"). Therefore, the present study examines factors explaining wage penalties in typical women's occupations in Germany. Dealing with sociological and social psychological status theories it is assumed that women's occupations are paid less because of typical feminine work content that is devalued on the labor market−whereas typical masculine work content dominating in men's occupations is monetary highly valued. Hypotheses are tested with data from the German Socio-Economic Panel Study (SOEP) 2000−2010 applying linear fixed effects models. Occupational characteristics, like gendered work content, are merged from the BIBB/BAuA−Erwerbstätigenbefragung (Employment Survey) 2005/2006 and the Microcensus to the SOEP. The analysis reveals the mediating effect of gendered work content on wage penalties in gross hourly wages for employees in women's occupations−but only for men. This gender specific effect is explained with different expectations for competence and effort concerning gendered work content with which women and men are confronted. Lower norms for overwork in women's occupations partly explain wage penalties in those occupations especially for women. Finally, an Oaxaca/Blinder decomposition shows that gendered work content explains the "gender pay gap" significantly.
KEYWORDS: Gender pay gap • Occupational sex segregation • Occupational characteristics • Work content • Qualitative devaluation • Expectation states theory • Competence expectations • Fixed effects models • Oaxaca/Blinder-decomposition • Human capital
KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: A. Busch, Fakultät Wirtschafts− und Sozialwissenschaften, Universität Hamburg, Welckerstr. 8, 20354 Hamburg, Deutschland
E-Mail: Anne.Busch@wiso.uni-hamburg.de
AUTOR/AUTHOR: Alexander Schulze • Peter Preisendörfer
TITEL: Bildungserfolg von Kindern in Abhängigkeit von der Stellung in der Geschwisterreihe
QUELLE/SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 65, 2013, S. 339-358
ZUSAMMENFASSUNG: Am Beispiel der erreichten Schulnoten und der elterlichen Bildungsaspirationen wird der Einfluss der Stellung in der Geschwisterreihe auf die Bildungschancen und den Bildungserfolg von Grundschulkindern untersucht. Dabei wird speziell auch geprüft, ob der genannte Einfluss schichtspezifisch variiert, d. h. vom sozio-ökonomischen Status des Elternhauses moderiert wird. Als theoretische Basis dienen Konzepte zur Rivalität der Geschwister um bildungsrelevante familiäre Ressourcen (resource dilution model), Annahmen zum intellektuellen Klima in der Familie (confluence model) und Hypothesen zur Prägung der Persönlichkeit durch Geschwister (family niche model). Außerdem werden Statuserhaltungsmotive der Eltern zur Erklärung von Reihenfolgeeffekten herangezogen. Die Analysen basieren auf einer Erhebung bei 1369 Grundschülerinnen und Grundschüler der vierten Klasse in der Stadt Wiesbaden. Es zeigt sich, dass das Vorhandensein älterer Geschwister die gewählten Bildungsindikatoren (Schulnoten, elterliche Bildungsaspiration) negativ beeinflusst. In Übereinstimmung mit bekannten Befunden sinken die schulischen Leistungen (Noten), auch bei Kontrolle anderer relevanter Einflussfaktoren, in der Geburtenreihenfolge ab. Zusätzlich bestehen Effekte der Stellung in der Geschwisterreihe auf die Bildungsaspiration der Eltern. In diesem Zusammenhang ist der zentrale Befund des Artikels: Wenn ältere Geschwister die Statusvererbung in intergenerationaler Perspektive bereits gewährleisten, dann verringert dies in Familien mit hohem sozialem Status die Bildungsaspiration der Eltern für jüngere Geschwister (Wegfall des Statuserhaltungsmotivs). In Familien mit niedrigem sozialem Status hingegen steigen die Bildungsaspirationen der Eltern für jüngere Geschwister, wenn ältere bereits höhere Bildungswege erreicht haben (Lernen am Modell).
SCHLÜSSELWÖRTER: Bildungschancen • Bildungserfolg • Elterliche Bildungsaspirationen • Stellung in der Geschwisterfolge • Resource dilution model • Confluence model • Family niche model • Statuserhaltungsmotiv
TITLE: Educational attainment of children in dependence of their position in the siblings' birth order
ABSTRACT: Based on grades in school and on parental educational aspirations the article investigates the influence of siblings' birth order on educational opportunities and educational success of elementary school pupils. It is examined whether this influence varies by social strata, i.e., whether it is moderated by the socio−economic status of parental households. Theoretical background are the resource dilution model which focuses on siblings' rivalry for scarce family resources, the confluence model which refers to the intellectual environment within families, and the family niche model which postulates effects of siblings on personality traits of children. Furthermore, status maintenance motives of parents are used to explain birth order effects. Empirical analyses are based on a study of 1369 pupils−4th graders of elementary schools−in the city of Wiesbaden, Germany. It can be shown that the birth order has negative effects on the chosen educational indicators (grades in school, parental educational aspirations). In accordance with prior research, grades of children get worse with their position in the birth order, other things being equal. The birth order also affects educational aspirations which parents hold for their children. In this context, the crucial result of the article is: When older siblings already guarantee the social status of the family in an intergenerational perspective, parents with high SES reduce their educational aspirations for younger siblings (elimination of the status maintenance motive). In families with low SES, however, parental educational aspirations for younger siblings increase, when older siblings successfully have reached higher educational credentials (social learning from role models).
KEYWORDS:Educational opportunities • Educational attainment • Parental educational aspirations • Siblings' birth order • Resource dilution model • Confluence model • Family niche model • Status maintenance motive
KORRESPONDENZANSCHRIFT/ADDRESS: A. Schulze, Institut für Soziologie, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, Colonel Kleinmann Weg 2, 55099 Mainz, Deutschland
E-Mail: schulal@uni-mainz.de
P. Preisendörfer
E-Mail: preisendoerfer@uni-mainz.de
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