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Zu den Kurzbiographien
AUTOR: Richard Münch
TITEL: Politik und Nichtpolitik. Politische Steuerung als schöpferischer Prozeß
ENGL. TITEL: Politics and Non-Politics. Political steering as a creative process
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 46, 1994, S. 381-405
ZUSAMMENFASSUNG: Betrachten wir mit Niklas Luhmann die Politik im weitesten Sinne als ein autopoietisch operierendes Teilsystem der funktional differenzierten Gesellschaft, dann erscheint die Erwartung, daß die Politik die Gesellschaft über die Klippen akuter Gefährdungen hinwegsteuern soll, als eine gefährliche Überforderung der Politik. Andererseits tendiert ein Selbstverständnis der Politik als Autopoiesis zu einer ebenso gefährlichen Unterforderung der Politik. Aus dem Dilemma der Über- oder Unterforderung der Politik kann ein Verständnis von Politik als schöpferischer Prozeß der Verflechtung von Politik und Nichtpolitik herausführen.
ABSTRACT: If we conceive of politics in the broadest sense as an autopoietically operating subsystem of a functionally differentiated society, the expectation that politics ought to guide society past the pitfalls of acute dangers seems to be dangerously overburdening it. On the other hand, if politics regards itself as a form of autopoiesis there is a tendency towards an equally dangerous underutilization of politics. Understanding politics as a creative process of interweaving politics and non-politics can provide a way out of this dilemma.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Richard Münch, Heinrich Heine Universität Düsseldorf, Sozialwissenschaftliches Institut, Universitätsstraße 1, 40225 Düsseldorf
AUTOR: Bommes, Michael; Halfmann, Jost
TITEL: Migration und Inklusion. Spannungen zwischen Nationalstaat und Wohlfahrtsstaat
ENGL. TITEL: Migration and Inclusion. Tensions Between the Nation and the Welfare State
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 46, 1994, S. 406-424
ZUSAMMENFASSUNG: Es wird ein theoretischer Rahmen der Interpretation des Verhältnisses von Nationalstaat, Wohlfahrtsstaat und Migration vorgeschlagen. Dabei wird im Anschluß an theoretisch-begriffliche Überlegungen am Beispiel Deutschlands verdeutlicht, daß nationale Semantiken historisch zunächst im Kontext der modernen Staatenbildung entstehen, diese begleiten und mit dem relativen Abschluß der Staatenbildung in Westeuropa politisch entwertet werden. Vor dem Hintergrund der Fortentwicklung dieser Staaten zu Wohlfahrtsstaaten werden jene Semantiken in den achtziger Jahren in dem Maße wieder aufgewertet, wie sich daran im Zusammenhang weltwirtschaftlichen Umbruchs und ansteigender Migrationsbewegungen (in Deutschland: Arbeitsmigration, Aussiedlung, politische Flucht) Kriterien des Zugangs zu bzw. des Ausschlusses von wohlfahrtsstaatlichen Chancenzuteilungen binden lassen. Im Unterschied zu den Konflikten in Osteuropa, bei denen es sich um Prozesse der Bildung von Nationalstaaten (d.h. um die Frage der Grenzen staatlicher Territorien und der eindeutigen Zuordnung von Staatsbürgern zu (nationalen) Staaten) handelt, liegt den jüngsten Entwicklungen in Deutschland eine konstitutive Spannung zwischen politischen (Staat) und nicht-politischen (Märkte, Bildungssysteme) Zugehörigkeiten von Staatsangehörigen bzw. nicht dem Staat angehörenden Migranten zugrunde.
ABSTRACT: A theoretical frame for the interpretation of the relation between the nation state, the welfare state and migration is proposed. Germany serves as a hisotrical example which demonstrates the emergence of semantics of nation and nationality which accompany the devlopment of modern states. With the consolidation of state-building in Western Europe these semantics have bevome largely devaluated. In the context of worldwide structural economic changes and of growing migration the politics of inclusion of the welfare state have eventually led to the revalorization of the semantics of ethnicity and nationality. Since the eighties inclusion into and exclusion from the welfare state has been debated in ethnic and national terms. While the conflicts in Eastern Europe are caused by problems of state and nation building the recent developments in Germamy are based on the constitutive tension between political (state) and non-political (markets, education) memberships of citizens and non-citizens.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Michael Bommes, Universität Osnabrück, Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien, Fachbereich Sozialwissenschaften, Seminarstr. 33, 49069 Osnabrück; Prof. Dr. Jost Halfmann, Technische Universität Dresden, Institut für Soziologie, Mommsenstr. 13, 01062 Dresden
AUTOR: Bohnet, Iris; Frey, Bruno S.
TITEL: Kooperation, Kommunikation und Kommunitarismus. Eine experimentelle Analyse
ENGL. TITEL: Cooperation, Communication and Communitarianism. An experimental analysis
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 46, 1994, S. 453-463
ZUSAMMENFASSUNG: Im Zentrum der drei Theoriestränge 'Liberalismus', 'Kommunita-rismus' und 'Diskursethik' stehen unterschiedliche Konzepte der Normgenerierung und Entscheidungsfindung. Diese ethischen Rechtfertigungsstrategien werden mittels Experimenten auf ihre verhaltenstheoretische Relevanz hin ausgeleuchtet. Zwei Typen von Experimenten wurden im Wintersemester 1993/94 an der Universität Zürich mit 340 Studierenden der Ökonomie durchgeführt: Gefangenendilemma-Spiele, die untersuchen, ob Individuen für die Erstellung eines öffentlichen Gutes kooperieren oder ihren eigenen, kurzfristigen Vorteil suchen; und Fairneß-Spiele, die darstellen, inwieweit Individuen bei Verteilungskonflikten bereit sind, mit den Schwächergestellten zu kooperieren. Wenn sich die Versuchspersonen anonym entscheiden müssen, verhalten sie sich am relativ stärksten gemäß dem Erwartungsnutzenmodell der Ökonomie: Sie kooperieren kaum. Nur Regeln, die in Anlehnung an die liberale Sichtweise klare Anreize für die Wahl der koope-rativen Strategie schaffen, führen zu einer Erhöhung der Kooperation (Ultimatum-Spiel). Werden durch Identifikation gemeinschaftlich definierte Normen (Kommunitarismus) aktiviert, reagieren die Versuchsperso-nen auf mögliche soziale Sanktionen mit erhöhter Kooperation. Eine Überwindung des Trittbrettfahrerproblems ist möglich, wenn die Individuen auf das diskursethische Konzept 'Gespräch' rekurrieren und dadurch gegenseitige Verhaltens-erwartungen koordinieren können.
ABSTRACT: Institutions affect cooperation. Experimental evidence (University of Zürich, winter 1993/94, 340 students) shows that the main mechanisms of the three ethical concepts 'liberalism', 'communitarianism' and 'critical theory' are only relevant under specific institutional conditions. In a public good experiment (four-person prisoner's dilemma) and a fairness game (dictator game) the 'community' or communitarian norms influence individu-als' behaviour as soon as the subjects can identify one another. Discourse or talk as proposed by critical theorists further increases the contribution to the public good but does not change the outcome in the dictator game. As the property right of the decision is assigned to one person only in the dictator game this result is not surprising. Talking to one another enables individuals to trade private information on preferred strategies thereby solving coordination problems. No coordination is, however, needed in the dictator game. Rules which, according to the liberal school, create incentives to cooperate are relevant in an anonymous setting. The ultimatum game, a dictator game with monetary sanctions, shows that this type of punishment of uncooperative behaviour has a similar effect as social sanctions - it increases individuals' willingness to cooperate significantly.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Lic. phil. Iris Bohnet, Prof. Dr. Bruno S. Frey, Institut für empirische Wirtschaftsforschung der Universität Zürich, Blümlisalpstr. 10, CH-8006 Zürich
AUTOR: Braun, Norman
TITEL: Das Schwellenmodell und die Leipziger Montagsdemonstrationen
ENGL. TITEL: The Threshold Model and the Monday Demonstrations
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 46, 1994, S. 492-500
ZUSAMMENFASSUNG: Verschiedene Autoren (z.B. Esser; Prosch/Abraham) erklären die Teilnahmeraten an den Leipziger Montagsdemonstrationen mithilfe des Schwellenmodells der binären Entscheidung von Granovetter und Soong. Durch die Verknüpfung dieses Modells mit traditionellen Diffusionshypothesen wird gezeigt, daß (im Gegensatz zu bisher publizierten Vermutungen) die Teilnahmedaten mit einer linear fallenden Schwellendichte korrespondieren.
ABSTRACT: Several authors (e.g., Esser, Prosch/Abraham) explain the participation pattern in the Monday demonstrations at Leipzig by Granovetter and Soong's threshold model of action vs. non-action. Relating this model to traditional diffusion hypotheses, the paper shows that, in contrast to previously published conjectures, a linearly falling threshold density corresponds to the participation data.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Norman Braun, Universität Bern, Institut für Soziologie, Lerchenweg 36, CH-3000 Bern 9.
AUTOR: Doll, Jörg; Mielke, Rosemarie; Mentz, MIchael
TITEL: Formen und Veränderungen wechselseitiger ost-westdeutscher Stereotypisierungen in den Jahren 1990, 1991 und 1992
ENGL. TITEL: Variants and Changes of Mutual East-West German Stereotypes in 1990, 1991 and 1992
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 46, 1994, S. 501-514
ZUSAMMENFASSUNG: Repräsentative Stichproben Ost- und Westdeutscher (Umfang zwischen n = 899 und 1903) gaben im Verlauf des deutschen Einigungsprozesses 1990, 1991 und 1992 Urteile über Auto-und Heterostereotype für bipolar formulierte Merkmale ab. Die Daten werden im Zeitverlauf reanalysiert, und ausgehend von Tajfels Theorie der sozialen Identität interpretiert. Das Urteilsverhalten des Westdeutschen läßt sich als "indirekte Diskriminierung" deuten, durch die sie eine positive soziale Distinktheit zu bewahren suchen. Sie schreiben ausschließlich sich selbst im Sinne der Binnengruppenfavorisierung "Kompetenz-" und "Arbeitstugendmerkmale" stark zu und den Ostdeutschen nur zwei weniger wichtige "moralische" Merkmale. Die Ostdeutschen verwenden merkmalsabhängig drei unterschiedliche Strategien zur Sicherung einer positiven sozialen Identität: die Binnengruppenfavorisierung in "moralischen" Merkmalen, sozialen Wettbewerb in "Arbeitstugenden" und Assimilation an die Westdeutschen in "Kompetenzmerkmalen".
ABSTRACT: Representative samples of East and West Germans (range of n's=899-1903) rated the ingroup and outgroup respectively in 1990, 1991 and 1992 on bipolar attribute scales within the course of the German unification process. The data are reanalyzed from a process perspective, and interpreted along the lines of Tajfel's social identity theory. The West Grmans' stereotypes can be interpreted as "indirect discrimiation" by which they try to secure their positve social distinctiveness. They show a strong tendency of ingroup favoritism by attributing characteristics of "competence" and of "working ethics" to themselves and only two less important "moral" attributes to the East Germans. The East Grmans use three different strategies to protect a positive social identity: ingroup favoritism vor "moral" attributes, social competition for attributes of "working ethics" and assimilation to the West Grmans for attributes of "competence".
AUTOR: Ettl, Wilfried; Wiesenthal, Helmut
TITEL: Tarifautonomie in de-industrialisiertem Gelände. Anlalyse eines Institutionentransfers im Prozeß der deutschen Einheit
ENGL. TITEL: Collective Bargaining in a Collapsing Economy: A Case of Institution Transfer in the Process of Unification
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 46, 1994, S. 425-452
ZUSAMMENFASSUNG: Die Übertragung des Systems der kollektivvertraglichen Regelung der Austauschbeziehung von Kapital und Arbeit auf die neuen Bundesländer ist ein prominentes Exempel des für die Transformation der DDR typischen Institutionentransfers. Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden wurde die Zuständigkeit für die Einkommensentwicklung im Transformationsgebiet in der Erwartung eingeräumt, daß die in Westdeutschland bewährten Institutionen auch in Ostdeutschland gleichermaßen vorteilhaft zu bewertende Regelungsfolgen hervorbringen würden. Die 1991 eingeschlagene Hochlohnstrategie nötigt insofern zu einer Korrektur dieser Annahme, als mit der ausschließlichen Orientierung am westdeutschen Lohnniveau ungünstige Ausgangsbedingungen für die Überwindung der transformationsbedingten Beschäftigungskrise hergestellt wurden. Die Analyse des Organisationsaufbaus und der Tarifpolitik von IG Metall und Metallarbeitgeberverbänden in Ostdeutschland geht den Ursachen der Kontextindiffeenz des übertragenen Systems der Tarifautonomie nach. Dabei zeigt sich, daß das Interesse an niedrigen Faktorkosten zwar institutionell vorausgesetzt, aber empirisch nicht präsent war. Unter diesen Bedingungen schlug sich die unmodifierte Regelanwendung in situativ inadäquaten Ergebnissen nieder. Rückwirkungen betreffen sowohl den Ursprungskontext der übertragenen Institutionen als auch die institutionell privilegierten Kollektivakteure.
ABSTRACT: An important feature of the socio-economic transformation of the former GDR is the transfer of West Germany's system of collective bargaining to East Germany. The authorization of trade unions and employers' associations to negotiate wage levels for East Germany and, further, the dynamics of future wage increasesare a prominent example of linear institutional lesson-drawing. However, expectations that the imported institutions provide adequate results in a different environment became disappointed. Analyses of the organizational development of both trade unions and employers' associations in the East-Germen metal industry demonstrate that important prerequisites for proper institutional performance were absent. Because of an representational deficit on the side of employers' interests, collective actors felt free to embark on a high-wage polica. As a first-order consequence, economic recovering is hampered by unfavourable conditions for investment. A further second-order effect concerns the long-term need of large financial subsidies from West Grmany, another one consists of unforeseen repercussions to be experienced by trade unions and employers' associations which now experience strong pressure to change policies as well as the level of collective bargaining.
AUTOR: Vogelgesang, Waldemar
TITEL: Jugend- und Medienkulturen. Ein Beitrag zur Ethnographie medienvermittelter Jugendwelten
ENGL. TITEL: Youth and Media Cultures. An Ethnographic Study of Media Induced Life Worlds
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 46, 1994, S. 464-491
ZUSAMMENFASSUNG: Im Unterschied zu der in weiten Kreisen der Jugendforschung und Kulturkritik vertretenen Nivellierungs- und Passivitätsthese zeigt dieser Beitrag, daß Medien keineswegs die großen kulturellen Gleichmacher und geheimen Verführer der Jugend sind. Im Gegenteil, auf dem Hintergrund von individualisierungs-, handlungs- und stiltheorethischen Überlegungen und gestützt auf ethnographische Feldrecherchen in unterschiedlichen Jugendszenen (Videofans, Computerfreaks, Grufties) wird offengelegt, wie produktiv und kreativ Medien zur Steigerung selbstgewählten und selbstdefinierten Lebens verwandt werden. Jenseits von Stand und Klasse werden sie zu Kristallisationspunkten von jugendeigenen Wahlnachbarschaften und kleinen Lebenswelten, die sich durch einen hohen Freiheitsgrad in der Selbstinszenierung, Stilbildung und affektuellen Handlungsdramaturgie auszeichnen.
ABSTRACT: Many people who are concerned with youth research and criticism of culture state theses of levelling and passiveness. This article analyzes that media are not the big levellers and hidden persuaders of youth. On the basis of theories of individualization, social action and life style, an supported by ethnographic field research in different youth scenes (video fans, computer freaks, grufties) it is shown that young people use the media in a creative manner in order to select and define their personal life styles. The media evoke juvenile neighbourhoods and small life worlds marked by a high degree of freedom, self presentation, style and modes of acting. This holds regardless of social position and class.
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