| Home | Aktuell | Archiv | Suche | Konventionen | Materialien | Links | Gremien






Friedhelm Neidhardt (Hg.)
Öffentlichkeit, öffentliche Meinung, soziale Bewegungen

Sonderheft 34/1994 der KZfSS


Zusammenfassungen und English Summaries des Sonderhefts 42, 2002

AUTOR: Neidhardt, Friedhelm

TITEL: Öffentlichkeit, öffentliche Meinung, soziale Bewegungen

ENGL. TITEL: The Public, Public Opinion, and Social Movements

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 34, Jg. 46, 1994, S. 7-41

ZUSAMMENFASSUNG: Moderne Öffentlichkeit ist ein relativ frei zugängliches Kommunikationsfeld, in dem "Sprecher" mit bestimmten Thematisierungs- und Überzeugungstechniken versuchen, über die Vermittlung von "Kommunikateuren" bei einem "Publikum" Aufmerksamkeit und Zustimmung für bestimmte Themen und Meinungen zu finden. Politische und ökonomische Interessen der Öffentlichkeitsakteure strukturieren diese Kommunikation ebenso wie die Unterhaltungs- und Orientierungsbedürfnisse eines Publikums, das in marktwirtschaftlich verfaßten Demokratien als Elektorat und Kundschaft strategische Bedeutung besitzt. Untersucht wird, in welchem Maße und unter dem Einfluß welcher Bedingungen Öffentlichkeit nicht nur Transparenz-, sondern auch Validierungs- und Orientierungsfunktionen erfüllt und dabei "Öffentliche Meinungen" erzeugt, die zunächst das Publikum und dann entweder direkt oder, vermittelt über demoskopisch bestimmbare "Bevölkerungsmeinungen" indirekt, auch die politischen Entscheidungsprozesse beeinflussen. Es wird dabei skizziert, welche Beiträge die übrigen Aufsätze des Sonderheftes zu den Fragen leisten, die bei einer systematischen Analyse des Zusammenhangs von Öffentlichkeit und Politik aufkommen. Die Rolle, die unter bestimmten Bedingungen soziale Bewegungen für diesen Zusammenhang spielen, wird gesondert behandelt.

ABSTRACT: The modern general public is a field of communication which is relatively free accessible. In this field of communication "speakers" with special interests to set a theme and to persuade others try, using the mass media, to find attention and consent at a special "audience". This communication is structured by political and economical interests of the public actors as well as the demands of the audience for entertainment and orientation. In democracies based on market economy the audience is of strategic importance as the electoral body and as client. In this paper it is analyzed in what measure and under which conditions the general public is fulfilling not only functions of transparency, but also functions of validation as well as (via the production of public opinion) functions of orientation. All these functions influence first the audience and after that directly or indirectly the political decision making process by way of demoscopical determinable public opinion. The article presents an overview of the invited papers of this special issue to general questions, which appear when the relation between the general public and the political process is systematically analyzed. The role social movements play in this intermediary process of generating public awareness is given special attention.

AUTOR: Peters, Bernhard

TITEL: Der Sinn von Öffentlichkeit

ENGL. TITEL: The Public Sphere

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 34, Jg. 46, 1994, S. 42-76

ZUSAMMENFASSUNG: Hat das "klassische" normative Modell einer diskutierenden Öffentlichkeit eine Bedeutung für gesellschaftstheoretische Analysen mit empirischen Erklärungsansprüchen? Der Artikel rekonstruiert zunächst grundlegende Merkmale normativer Konzeptionen von Öffentlichkeit, um diese Ansprüche dann mit skeptischen theoretischen und empirischen Einwänden zu konfrontieren. Das normative Modell dient auf diese Weise als Heuristik, um wichtige strukturelle Ermöglichungsbedingungen und Beschränkungen egalitärer öffentlicher Diskurse aufzuzeigen, die sich innerhalb der öffentlichen Sphäre wie in ihrer gesellschaftlichen Umwelt auffinden lassen.

ABSTRACT: Conceptions of an enlightened public opinion and of a critical, debating public have an important place in modern political thought. Theoretical and empirical research on contemporary societies has been very sceptical about these normative claims. The article first describes basic features of a normative model of the public sphere. It then uses the normative model as a heuristic device to explore the potentials and structural limitations of public communication under real-world conditions. Enabling and constraining conditions both within the public sphere and in its social environment are considered. These conditions necessitate certain revisions of the normative model. But the sceptical conclusion that the public is a merely a phantom (W. Lippman) seems unwarranted.

AUTOR: Gerhards, Jürgen

TITEL: Politische Öffentlichkeit. Ein system- und akteurstheoretischer Bestimmungsversuch

ENGL. TITEL: Political Public Sphere: A System- and Actor-theoretical Attempt of Description

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie,  Sonderheft 34, Jg. 46, 1994, S. 77-105

ZUSAMMENFASSUNG: Der Artikel versucht, Struktur und Funktion politischer massenmedialer Öffentlichkeit in modernen Gesellschaften mit Hilfe der Luhmannschen Systemtheorie einerseits und der Theorie rationalen Handelns andererseits zu beschreiben: Ausdifferenzierte Teilsysteme werden als "constraints" von Akteurshandlungen interpretiert, die abstrakte substantielle Ziele vorgeben und Mittel zur Erreichung dieser Ziele definieren. Akteure wählen innerhalb der durch Systeme aufgespannten "constraints" diejenigen Handlungen, die ihre Ziele mit dem geringsten Aufwand erreichbar machen. Mit Hilfe dieses Theorems wird in einem ersten Schritt massenmediale Öffentlichkeit als ein ausdifferenziertes System beschrieben, dessen oberstes Ziel, an dem sich Akteure orientieren, das der Erhöhung von Aufmerksamkeit ist. Im zweiten Schritt wird Politik als ein System beschrieben, dessen Funktion die der Herstellung kollektiv verbindlicher Entscheidungen und dessen oberstes Ziel, an dem sich Akteure orientieren, das der Besetzung von Regierungspositionen ist. Mit politischer Öffentlichkeit schließlich wird der Teil an politischen Handlungen beschrieben, der in der massenmedialen Öffentlichkeit für das politische System beobachtbar ist. Warum es für die Bürger und die kollektiven Akteure der Politik rational ist, die Gesellschaft über die politische Öffentlichkeit zu beobachten und ihre Handlungen an diesen Beobachtungen zu orientieren und selbst politsche Öffentlichkeit zu beeinflussen, wird herausgearbeitet.

ABSTRACT: The article tries to describe the structure and the function of the political public sphere of modern societies by using system theory of Niklas Luhmann on the one hand and rational choice theory on the other hand: differentiated subsystems of society can be interpreted as "constraints", by which abstract but substantial goals and means are defined; individual and collective actors, who act in a subsystem, will choose those actions to realize their specific goals, that will require the less amount of time and energy. This general theoretical assumption is used to develop a concept of the political public sphere. In a first step mass medial public sphere as a differentiated subsystem of society, in a second step the political system as a differentiated subsystem of society is described. Finally, the political public sphere as an observing system of the political system is described. The articles tries to give an answer to the question why it is rational for citizens and collective actors to observe the political public sphere and which actions they will choose to influence the political public sphere.

AUTOR: Schmitt-Beck, Rüdiger; Pfetsch, Barbara

TITEL: Politische Akteure und die Medien der Massenkommunikation. Zur Generierung von Öffentlichkeit in Wahlkämpfen

ENGL. TITEL: Political Actors and the Mass Media: Generating Publicity in Electoral Campaigns

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie,  Sonderheft 34, Jg. 46, 1994, S. 106-138

ZUSAMMENFASSUNG: Der Beitrag entwickelt zunächst ein allgemeines Modell der politischen Kommunikation in Wahlkämpfen. Diese werden konzeptualisiert als Wettbewerbe zwischen politischen Akteuren um Einfluß auf die Öffentlichkeit. Da die Massenmedien in modernen Industriegesellschaften die wichtigsten Kanäle sind, über die sich Öffentlichkeit konstituiert, versuchen die politischen Parteien, die um Wählerstimmen konkurrieren, deren Berichterstattung im Sinne ihrer Kommunikationsziele zu beeinflussen. Politische Medieninhalte lassen sich infolgedessen als Resultat der Interaktion zwischen politischen Akteuren und Massenmedien verstehen. Die Bedingungen dieser Interaktion stehen im Mittelpunkt der empirischen Analysen im zweiten Teil des Beitrags, einer Inhaltsanalyse. Indikator für den Erfolg der Medienstrategien von Parteien ist dabei das Vorkommen von Pseudoereignissen in der Berichterstattung. Es zeigt sich, daß die Medien insgesamt sehr empfänglich auf die von den Parteien inszenierten Pseudoereignisse reagieren. Besonders gilt dies für die Nachrichtenagentur dpa, das öffentlich-rechtliche Fernsehen und die Medien in den neuen Bundesländern. Der Nachrichtenfaktor Konflikt spielt ebenfalls eine Rolle, jedoch nur gemeinsam mit anderen Variablen.

ABSTRACT: The first part of the paper presents a general model of political communication in election campaigns. Such campaigns are conceptualized as competitions between political actors seeking to gain influence on the public sphere. Since in modern industrial societies the mass media are the most important channel by which the public sphere is constituted, the competing political parties try to influence the content of the media in a way that is favorable to their communication goals. Media content can therefore be understood as the result of an interaction between political actors and the mass media. The conditions of this interaction are the subject of the content analyses that are presented in the second part of the paper. The presence of pseudo-events in media reporting serves as an indicator for the success of the parties' media strategies. The analyses demonstrate that the German media are in general very responsive to such strategically staged events. Particularly open to pseudo-events are the wire service "dpa", public television, and the media of the East German new states. The news factor conflict is of some importance as well, but only in specific patterns of interaction with other variables.

AUTOR: Schönbach, Klaus; Stürzebecher, Dieter; Schneider, Beate

TITEL: Oberlehrer und Missionare? Das Selbstverständnis deutscher Journalisten

ENGL. TITEL: Educators and Missionaries? Self-Concepts of German Journalists

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 34, Jg. 46, 1994, S. 139-161

ZUSAMMENFASSUNG: Die folgende These ist unter Politikern und in der deutschen Medienforschung weit verbreitet: Deutsche Journalisten seien in ihrer Berufsmotivation und ihrem Rollenverständnis von besonderem Missionseifer beseelt - sie wollten ihrem Publikum nicht nur als Informationsvermittler dienen. Diese Behauptung wird mit Daten der ersten repräsentativen gesamtdeutschen Journalistenbefragung überprüft - und zurückgewiesen. Es zeigt sich außerdem, daß die - wenigen - "Erzieher" unter den Journalisten ihrem Publikum nicht arroganter gegenüberstehen als jene Kollegen, die sich eher als Informationsvermittler begreifen. Die Gründe, die angeblich dazu führen, daß deutsche Journalisten sich vornehmlich als "Oberlehrer" gerierten - Zugehörigkeit zur "68er"-Generation, "linke" politische Einstellungen, gescheiterte Aufstiegserwartungen -, können eine Vorliebe für derartige Erziehungsversuche nicht erklären.

ABSTRACT: A 1992-93 representative survey of about 1,600 German journalists reveals that only a few of them regard themselves as "missionaries", as educators who should guide their audience. Also, there is no evidence for a particularly sneering attitude toward their audience, and almost no differences in ethical behaviours can be found between journalists of different role concepts. The reasons why German journalists were viewed as "educators" - such as being formed by the "1968" movement, leftist political attitudes, and professional frustrations - did not prove to be valid determinants of that specific role concept.

AUTOR: Peters, Hans Peter

TITEL: Wissenschaftliche Experten in der öffentlichen Kommunikation über Technik, Umwelt und Risiken

ENGL. TITEL: Scientific Experts Communicating about Technology, Environment and Risks

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie,  Sonderheft 34, Jg. 46, 1994, S. 162-190

ZUSAMMENFASSUNG: Ein wichtiger Typus gegenwärtiger politischer Konflikte tangiert Wissenschaft und Technik entweder als Ursache von z.B. Risiko- und Umweltproblemen oder aber als mögliche Problemlöser. Der Beitrag untersucht die Form und Voraussetzungen einer Teilnahme wissenschaftlicher Experten an der öffentlichen (massenmedialen) Behandlung dieser Themen. Ausgehend von einem Arena-Modell der Massenkommunikation, nach dem die Kommunikatoren bestimmte Regeln zu befolgen haben, um am öffentlichen Diskurs teilnehmen zu können, wird versucht, diese Regeln im Hinblick auf Experten zu analysieren. Es stellt sich u.a. heraus, daß wissenschaftliche Reputation nur eine begrenzte Bedeutung für die "Zulassung" von Experten zum öffentlichen Diskurs hat. Unter den Bedingungen eines gesellschaftlichen Konflikts besteht überdies eine Tendenz, Experten als Vertreter der einen oder anderen Seite aufzufassen und Expertise als persuasive Ressource zu betrachten, die es nach ideologiekritischen Kriterien statt unter dem Gesichtspunkt ihres spezifischen Wahrheitsanspruches zu bewerten gilt. Damit wird in der öffentlichen Arena Expertise als Mittel der Konfliktlösung entwertet, was sich unter dem Gesichtspunkt einer Zurückweisung vorschnell postulierter "Sachzwänge" aber auch positiv auffassen läßt. Abschließend wird die These vertreten, daß sich eine Beurteilung der Leistungen und Defizite der Arena öffentlicher Kommunikation nicht auf eine isolierte Behandlung stützen darf, sondern daß dazu die öffentliche Arena in ihren Interdependenzen mit anderen gesellschaftlichen Arenen betrachtet werden muß.

ABSTRACT: An important class of current political conflicts refers to science and technology as a cause of, for example, risk and environmental problems or as a possible solution to such problems. The article analyzes form and prerequisites of expert participation in the public debate of such topics. Assuming an arena model of mass communication, according to which the communicators have to follow certain arena rules if they want to participate in the public discourse, these rules are analyzed with respect to experts. As it turned out, scientific reputation has only a limited value for being "accredited" as an expert for the public discourse. Furthermore, in the context of a societal controversy there is a tendency to assign the experts to one side of the controversy or the other, and to look at expertise as a persuasive resource which must be dealt with from an ideology-critical point of view rather than from the perspective of a specific claim of truth. Hence, expertise becomes devaluated as a means to solve conflicts. This, however, may also be seen more positively as a bias toward the rejection of unjustified "inherent necessities". Finally, it is suggested that an assessment of the merits and deficiencies of the public arena must not be based on an isolated treatment but rather has to take into account the interdependencies of the public arena with the other societal arenas.


AUTOR: Peters, Birgit

TITEL: "Öffentlichkeitselite" - Bedingungen und Bedeutungen von Prominenz

ENGL. TITEL: "The Public Elite" - Conditions and Significance of Prominence

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 34, Jg. 46, 1994, S. 191-213

ZUSAMMENFASSUNG: Betrachtet man Öffentlichkeit als ein spezifisches Kommunikationssystem und berücksichtigt man ferner, daß dieses System potentiell so viele Kommunikatoren und Rezipienten hat wie die Gesellschaft Mitglieder, so stellt sich die Frage, nach welchen Selektionskriterien öffentliche Kommunikation funktioniert. Denn nicht jeder Rezipient kann jedem Kommunikator Gehör schenken, da Aufmerksamkeit nicht unbegrenzt vorhanden ist - es muß ein Selektionsprozeß stattfinden. In diesem Zusammenhang verdient Prominenz besonderes Interesse. Sie sichert Aufmerksamkeit, bringt Themen auf die öffentliche Agenda und geht eventuell mit Meinungsführerschaft einher. Treffen diese Vermutungen zu, so wäre Prominenz als Einflußschicht von erheblicher Bedeutung. In der bisherigen Forschung hat das Phänomen jedoch kaum Beachtung gefunden, so daß an keine gesicherten Befunde angeknüpft werden kann. Daher geht es in dem vorliegenden Artikel darum, theoretisch und empirisch zu klären, um was für ein Phänomen es sich bei Prominenz handelt, wer heute zu den Prominenten gezählt werden kann, wie sich der Entstehungsprozeß von Prominenz gestaltet und schließlich, was für Funktionen und Wirkungen mit Prominenz einhergehen.

ABSTRACT: This article describes the public sphere as a specific communication system. Taking into account that this system potentially has as much communicators and recipients as the society has members, the question arises which are the selection criteria of public discourse. Because it is not possible for every recipient to listen to every communicator, there must be a process of selection. In this context prominent figures are important. They receive the greatest public attention, place themes on the public agenda and perhaps play the role of opinion leaders. If these assumptions are correct, prominent figures form an influential section of the population. Previous research has paid little attention to this phenomenon. In this article I define theoretically and empirically the phenomenon of 'Prominenz', the current prominent figures, the processes that establish prominence, and the functions and effects of these prominent actors.

AUTOR: Kepplinger, Hans Mathias

TITEL: Publizistische Konflikte. Begriffe, Ansätze, Ergebnisse

ENGL. TITEL: Mediated Conflicts: Definitions, Approaches, Results

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 34, Jg. 46, 1994, S. 214-233

ZUSAMMENFASSUNG: Ausgehend von der Unterscheidung zwischen privaten und öffentlichen Konflikten werden publizistische Konflikte als Unterfall öffentlicher Konflikte betrachtet. Sie werden als Kontroversen zwischen mindestens zwei Kontrahenten mit Informationen über einen Konfliktgegenstand via Massenmedien definiert. Die Struktur der Kommunikationsbeziehungen der Konfliktteilnehmer, die Struktur der Kommunikationsinhalte, die Funktion der Kommunikation, die Kriterien rationalen Handelns und die Dynamik publizistischer Konflikte werden anhand von Beispielen aus mehreren Untersuchungen dargestellt. Es wird gezeigt, daß sich die Erfolgsbedingungen in einem privaten oder öffentlichen Konflikt (ohne Medienbeteiligung) von den Erfolgsbedingungen in publizistischen Konflikten unterscheiden.

ABSTRACT: Based on the distinction between private and public conflicts, mediated conflicts are identified as a specific category of public conflicts. They are defined as controversies between at last two disputants with information about a conflict object via mass media in front of a public. The structure of communication between the participants, the structure of communication contents, the function of communication, the criteria for rational strategies and the dynamics of mediated conflicts are described and illustrated with examples from various studies. It is demonstrated that the conditions for reasoned actions in a mediated conflict fundamentally differ from the relevant conditions in private conflicts and public conflicts without involvement of the mass media.

AUTOR: Kriesi, Hanspeter

TITEL: Die Herausforderung direkter Demokratie durch die Transformation der Öffentlichkeit

ENGL. TITEL: The Challenge Citizens are Facing Because of the Transformation of the Public Space

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 34, Jg. 46, 1994, S. 234-260

ZUSAMMENFASSUNG: Ausgehend vom Modell der deliberativen Demokratie wird in diesem Beitrag die Beratschlagung der Bürger und Bürgerinnen im Rahmen direkt-demokratischer Volksabstimmungen in der Schweiz näher analysiert. Auf der Basis von repräsentativen Umfragen, welche in der Schweiz regelmäßig nach Abstimmungsterminen durchgeführt werden, wird untersucht, inwiefern die Medien die Qualität der politischen Beratschlagung der Bürger im Vorfeld der Volksabstimmungen beeinflussen. Zum einen zeigt sich dabei, daß die Bürger keineswegs ein für allemal feststehende Meinungen haben, die einer öffentlichen Debatte nicht mehr zugänglich wären. Es besteht somit ein erheblicher Spielraum für die Meinungsbildung im Vorfeld von Abstimmungen. Zum anderen ergibt sich aus dieser Analyse aber auch, daß der Meinungsbildungsprozeß im Vorfeld von Abstimmungen offener und weniger manipulierbar ist als es die pessimistischen Thesen über die Transformation der Öffentlichkeit und deren Konsequenzen vermuten ließen.

ABSTRACT: Starting from a model of deliberative democracy this paper analyzes in some detail the deliberation of citizens in the context of direct-democratic votes in Switzerland. On the basis of representative surveys which are regularly held after such votes, the paper studies the extent to which the media are able to influence the quality of the deliberative process of the citizens during the campaign preceding them. The results show that citizens typically do not have readymade opinions which are no longer accessible to public debate. Much rather there exists an important latitude with regard to the formation of public opinion before popular votes in Switzerland. Moreover, the analyses also indicate that the process of opinion formation before such votes is much more open and less manipulatable than the more pessimistic among the hypotheses about the consequences of the transformation of the public space led us to believe.

AUTOR: Schenk, Michael; Rössler, Patrick

TITEL: Das unterschätzte Publikum. Wie Themenbewußtsein und politische Meinungsbildung im Alltag von Massenmedien und interpersonaler Kommunikation beeinflußt werden

ENGL. TITEL: The Depreciated Audience. The Influence of Mass Media and Interpersonal Communication on Issue Awareness and Opinion Formation

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 34, Jg. 46, 1994, S. 261-295

ZUSAMMENFASSUNG: In modernen Gesellschaften wird der Einfluß der Massenmedien auf die politische Meinungsbildung zunehmend als hoch veranschlagt. Die Schutzschildfunktion, die homogene soziale Gruppen und Netzwerke im Massenkommunikationsprozeß übernehmen, steht angesichts wachsender Mobilität der Bevölkerung und veränderter Kontaktstrukturen in Frage. Auch in vielen Medienwirkungsstudien scheint die persönliche Kommunikation zu einer vernachlässigbaren Größe zu werden. Mit Hilfe eines Mehrmethoden-Designs auf individueller Analyseebene wird in der vorliegenden Untersuchung der Zusammenhang von Massen- und interpersonaler Kommunikation neu bestimmt. Für eher kognitive Wirkungen wie die Thematisierung politischer Probleme zeigt sich ebenso wie für die Vermittlung von Einstellungen, daß die Inhalte der Medienberichterstattung nur einen geringen direkten Einfluß auf das Individuum ausüben. Dagegen erweist sich die persönliche Gesprächsaktivität über die politischen Probleme als zentrale Determinante sowohl für die Bedeutung eines Themas (Agenda-Setting) als auch die Einstellungen zum Thema (Persuasion). Die interpersonale Umgebung wird mit dem Konzept egozentrierter Netzwerke beschrieben, wobei sich die Kongruenz des einzelnen mit den Themenpräferenzen bzw. Meinungen in seinem Netzwerk als zentraler Einflußfaktor erweist. Ferner sind Projektionseffekte der persönlichen Einstellungen auf die Wahrnehmung des Meinungsklimas ("looking glass"-Effekt) festzustellen. Die Untersuchung belegt, daß interpersonale Kommunikation in bisherigen Medienwirkungsstudien unterschätzt worden ist.

ABSTRACT: Modern societies are characterized by an increasing influence of the mass media on the formation of public opinion concerning political issues. The anchorage function in the process of mass communication, which is maintained by homogeneous social groups and networks, is questioned in regard of a greater individual mobility and changing patterns of interpersonal contact. Subsequently, the relevance of personal communication for media effect studies seems to be reduced. The present study uses a multiple method design with the individual as the unit of analysis, and tries to update the definition of the connection between interpersonal and mass communication. The contents of media coverage exert only little influence on a cognitive level (salience of political problems), and the same holds true for the mediation of opinions. On the other hand, the individual activity in interpersonal discussions about political problems qualifies as the most significant factor influencing the salience of an issue (agenda-setting) as well as the attitudes on this special issue (persuasion). The interpersonal environment is described with the concept of egocentric networks. The most important factor represents the congruence of the individual with the issue salience and the opinions of his alteri in the social network. Additionally, we find projection effects of the individual opinion on the perceived climate of opinion ("looking glass effects"). The study supports the hypothesis, that the interpersonal factor seem to be underestimated in research on mass media effects.

AUTOR: Bergmann, Werner

TITEL: Effekte öffentlicher Meinung auf die Bevölkerungsmeinung. Der Rückgang antisemitischer Einstellungen als kollektiver Lernprozeß

ENGL. TITEL: Effects of the Dominant Public Opinion on the People's Opinion

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 34, Jg. 46, 1994, S. 296-319

ZUSAMMENFASSUNG: Meinungsumfragen zeigen seit den 50er Jahren einen Rückgang antisemitischer Einstellungen in der Bundesrepublik, der im wesentlichen auf eine veränderte Einstellung der nachwachsenden Generationen zurückzuführen ist. Diese Entwicklung wird als ein kollektiver Lernprozeß rekonstruiert, der durch eine konsonante, hoch moralisierte und weitgehend "geschlossene" öffentliche Meinung ausgelöst wurde. Die in Phasen erfolgte öffentliche Thematisierung des Antisemitismus bzw. der Judenverfolgung (Skandale, NS-Prozesse, Gedenktage) führte sowohl direkt als auch vermittelt über Programmänderungen in Institutionen (Schule, Kirche, Justiz) zu einem Einstellungswandel in der Bevölkerung. Diese Veränderung ist nicht nur quantitativer Natur, sondern es lassen sich auch Änderungen im "framing" des Themas (Zentralität des Holocaust) und im Schwellenwert der Skandalisierung nachweisen, wodurch die These des kollektiven Lerneffekts gestützt wird.

ABSTRACT: Since the 1950s, survey-data prove a constant decline in anti-semitic attitudes in the Federal Republic. This can be attributed mostly to a cohort effect: members of the younger generations grown up in postwar German political culture show markedly less anti-semitic attitudes than the older cohorts. This development is analyzed as a collective learning process brought about by a consonant, highly moralized public climate of opinion, especially disseminated by the mass media, disclosing or marginalizing deviant contributions. In different periods of West-German history anti-semitism and the Holocaust came onto the public agenda (triggered by scandals, trials against Nazi war-criminals or remembrance days). This had a measurable direct and indirect impact on the attitudes Germans hold toward Jews. This attitude change was mediated by a change of the norms and programs (school curricula, religious convictions and dogmas, laws) in major institutions of society, like schools, churches, courts. The quantitative decrease of anti-semitism was reinforced by qualitative changes a) in the framing of the issue making the Holocaust the "master frame" in the interpretation of National Socialism and b) in the lowering the thresholds to define certain events as cases of anti-semitism. This qualitative changes support the argument that in Germany over the last forty years a collective learning process has taken place.

AUTOR: Beyme, Klaus von

TITEL: Die Massenmedien und die politische Agenda des parlamentarischen Systems

ENGL. TITEL: Mass Media and the Political Agenda of the Parliamentary System

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 34, Jg. 46, 1994, S. 320-336

ZUSAMMENFASSUNG: Der Einfluß der Medien wird in der wissenschaftlichen Literatur vielfach übertrieben, weil er vorwiegend im Bereich der symbolischen Politik und bei der Entlarvung von Skadalen untersucht wird. Im Bereich der Entscheidungspolitik hingegen ist die Funktion des Agenda-Setting vielfach eher bei den neuen sozialen Bewegungen, den Parteien und der Regierung zu finden. Aber die Medien haben dabei eine gewichtige Verstärkerfunktion. Je nach den hier unterschiedenen sechs Typen der Entscheidungspolitik ist der Einfluß der Medien höchst unterschiedlich ausgeprägt.

ABSTRACT: The influence of mass media is frequently exaggerated in scientific literature because research concentrates on symbolic politics and the uncovering of scandals. The daily routine of decision-making in parliament attracted much less attention. In the arena of decisional politics the function of agenda-setting is more frequently concentrated in the new social movements, the parties and the government. But the media have an important function of reinforcement which is quite different according to six types of key discussion elaborated in this essay.

AUTOR: Rucht, Dieter

TITEL: Öffentlichkeit als Mobilisierungsfaktor für soziale Bewegungen

ENGL. TITEL: The Public as Mobilizing Factor for Social Movements

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 34, Jg. 46, 1994, S. 337-358

ZUSAMMENFASSUNG: Die Bedeutung des Faktors Öffentlichkeit für Mobilisierungsprozesse sozialer Bewegungen wurde in der Literatur verschiedentlich hervorgehoben. Allerdings hat die bisherige Bewegungsforschung daraus kaum theoretische und forschungspraktische Folgerungen gezogen. Konzepte des Framing und der Opportunity Structure tragen der Öffentlichkeit indirekt Rechnung. Erst im Rahmen von Interaktionstheorien werden Massenmedien und Publikum als Referenzpunkte sozialer Bewegungen systematisch einbezogen. Auch wenn Bewegungen auf Öffentlichkeit angewiesen sind, um letztlich politische Entscheidungen und sozialen Wandel beeinflussen zu können, so werden sie - abhängig von Bewegungstypus, Bewegungsphase, Zielgruppen, Eigenschaften des Gegners und strategischen Präferenzen - in höchst unterschiedlicher Weise auf Öffentlichkeit Bezug nehmen. Diese Unterschiede werden an den Kontrastfällen von alten und neuen, macht- und kulturorientierten sowie linken und rechten Bewegungen in Hypothesenform postuliert.

ABSTRACT: Occasionally is has been emphasized that the public is an important factor for social movement mobilization. However, this insight hardly resulted in elaborated theoretical reflection and empirical research. Whereas concepts of framing and political opportunity structure at least indirectly refer to the role of the public, interaction theory allows to take into account systematically mass media and its audience as important reference groups of social movements. Although social movements need public resonance and support in order to influence political decision-making and social change, they refer to the public in very different ways, depending on the type of movement, the movement's developmental phase, target groups, properties of countergroups and strategic preferences of the actors involved. These differences are hypothetically stated by contrasting old vs. new, power-oriented v. culture-oriented and left-wing vs. right-wing movements.

AUTOR: Friedrichs, Jürgen

TITEL: Stresemannstraße. Eine Fallstudie zur Dynamik sozialen Protests

ENGL. TITEL: Stresemannstraße. A Case Study on the Dynamics of Social Protest

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 34, Jg. 46, 1994, S. 359-374

ZUSAMMENFASSUNG: Am Beispiel einer mehrwöchigen Blockade einer Hauptverkehrsstraße in Hamburg wird der Verlauf dieses sozialen Protestes untersucht. Der Verlauf wird beschrieben, und der Erfolg der Bewegung durch Hypothesen aus der Literatur zu sozialen Bewegungen erklärt. Hierzu gehören Modelle der Produktionsfunktion und Hypothesen der Rational Choice Theorie zur Erklärung der Partizipation. Auch werden Effekte der Mobilisierung der Medien auf die politisch Verantwortlichen dargestellt. Ferner werden Hypothesen über Schwellenwerte formuliert, die zu einem öffentlichen Protest führen. Es wird schließlich an diesem Beispiel gezeigt, wie sich die Mikro- und Makroebene bei der Analyse sozialer Bewegungen verknüpfen läßt.

ABSTRACT: For several weeks, residents of a major traffic artery in Hamburg blocked this road due to the death of a young girl. The process of this protest and the growing social movement is described. Its success is explained by propositions from the literature of social movements. Models of the production function and propositions from rational choice theory are used to account for participation. Further, the effects of mobilizing media on the targeted persons of local government and administration are elaborated. The concept of threshold for participation is discussed and a set of hypotheses to specify the occurrence of a threshold are suggested. Finally, it is shown by this case study how macro- and microlevel analysis of social movements can be related.

AUTOR: Gilcher-Holtey, Ingrid

TITEL: Die Nacht der Barrikaden. Eine Fallstudie zur Dynamik sozialen Protests

ENGL. TITEL: The Night of the Barricades. A Case Study on the Dynamics of Social Protest

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 34, Jg. 46, 1994, S. 375-392

ZUSAMMENFASSUNG: Analysiert wird die Mai-Bewegung in Frankreich 1968 unter dem Aspekt der Dynamik des Mobilisierungsprozesses. Der Transfer der Studentenproteste in die Arbeiterschaft, der eine Besonderheit des Mobilisierungsprozesses der französischen 68er Bewegung ausmacht, wird unter Rückgriff auf Pierre Bourdieus Modell des "kritischen Moments" erfaßt. Am Beispiel der Nacht der Barrikaden (10./11. Mai 1968) wird der Synchronisierungseffekt "kritischer Ereignisse" systematisch entfaltet. Die Verbindung von Ereignis und Struktur, mikro- und makrosoziologischen Analysen, die das Modell anstrebt, ermöglicht die Rekonstruktion des Prozesses, der in der Barrikadennacht den Umschlag universitärer Konflikte in eine allgemeine soziale Krise herbeiführt. Das Fallbeispiel zeigt, daß das "kritische Ereignis" nicht notwendigerweise sozialstrukturell determiniert sein muß, wie Bourdieu unterstellt, indes der Synchronisierungsprozeß, den es bewirkt, an kollektive Einstellungen und Dispositionen geknüpft ist. Neben den mentalen Strukturen, so wird gezeigt, fällt der Sinnstruktur, die in außergewöhnlichen Momenten aktiviert werden kann, eine entscheidende Bedeutung für den Mobilisierungsprozeß zu.

ABSTRACT: The author analyses the dynamics of the May 1968 movement in France, referring to Pierre Bourdieu's model of the "critical event". The "night of the barricades" (10/11 May) is taken as an example to develop systematically the effect of synchronization produced by a "critical event". The combination of events and structural strains, micro- and macro-analysis renders possible the reconstruction of the processes which led in the night of the barricades to the sudden turn from student movement, confined by university conflicts into the awareness of a general social crisis and the mobilization of the public at large. The case study shows that the "critical event" is not necessarily predetermined by structural strains, as Bourdieu's model suggests, but that the process of synchronization, which the "critical event" produces, is also depending on collective attitudes and mentalities. Cognitive orientations, which can be activated suddenly in extraordinary moments, are, so the author's thesis, decisive elements in the process of mobilization.

AUTOR: McAdam, Doug

TITEL: Das "Framing" der amerikanischen Bürgerrechtsbewegungen

ENGL. TITEL: Movement Framing and the Public

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 34, Jg. 46, 1994, S. 393-412

ZUSAMMENFASSUNG: Neuerdings fordern viele Wissenschaftler, die über soziale Bewegungen arbeiten, mehr Aufmerksamkeit für die kulturellen und ideellen Dimensionen kollektiver Aktionen (Brand 1990; Eyerman und Jamison 1991; Gamson 1992; McAdam 1994; Melucci 1985, 1989; Snow et al. 1986; Snow und Benford 1988; Touraine 1981). Gegenwärtig liegen jedoch nur sehr wenige systematische Theorien und empirische Forschungen vor, die diese Forderung umsetzen und dabei einen sichtbaren Fortschritt in unserem Verständnis sozialer Bewegungsprozesse mit sich bringen. Der vorliegende Aufsatz stellt den Versuch dar, zu diesem Fortschritt beizutragen. Das geschieht in vier Arbeitsschritten: Zuerst wird die vorliegende Literatur zum Thema "framing" ("Rahmung") vorgestellt. Es folgt eine Kritik dessen, was ich als "idealistischen bias" in unserem Verständnis der Framing-Prozesse betrachte. Danach wird die Framing-Funktion von Bewegungstaktiken diskutiert. Abschließend wird am konkreten Beispiel der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung erläutert, wie Taktiken eingesetzt werden können mit dem Ziel, Aktionen zu "rahmen", um auf diese Weise die Aufmerksamkeit der Medien zu erlangen und die öffentliche Meinung derart zu beeinflussen, daß diese ihrerseits die Reaktionen und sozialen Kontrollmechanismen seitens des Staates und der Bewegungsgegner einengen.

ABSTRACT: In recent years a great many social movements scholars have called for more attention to the cultural or ideational dimensions of collective action. To date, however, very little in the way of systematic theory and/or empirical research has been produced that would translate this general injunction into tangible gains in our understanding of social movement processes. This article represents a modest attempt to contribute to such an effort. Specifically, I aim to do four things in the article: 1. review the existing work on "framing" and "frame alignment processes"; 2. critique what I regard the "ideational bias" in our understanding of framing processes; 3. discuss the framing function of movement tactics; and 4. conclude by using the concrete case of American civil rights movement to illustrate the way in which tactics were consciously used to "frame" action and thereby attract media attention and shape public opinion in ways that constrained the social control options of the federal government and the movement's opponents.

AUTOR: Roth, Roland

TITEL: Lokale Bewegungsnetzwerke und die Institutionalisierung von neuen sozialen Bewegungen

ENGL. TITEL: Local Movement Networks and the Institutionalization of New Social Movements

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 34, Jg. 46, 1994, S. 413-436

ZUSAMMENFASSUNG: Die Ausbildung von lokalen Bewegungsmilieus stellt, wie inzwischen in empirischen Studien gezeigt wurde (Melucci et al. 1984; Zwick 1990; Gerhards 1993; Vester et al. 1993), eine wesentliche Voraussetzung für die anhaltende Mobilisierungsstärke neuer sozialer Bewegungen dar. Dennoch bleiben angesichts rascher Themenwechsel und sozialstruktureller Umbrüche Zweifel an der Dauerhaftigkeit dieser Milieus. Auch ihre theoretische Verortung ist äußerst strittig. Das Angebot reicht von der Herausbildung einer neuen dauerhaften politischen Konfliktlinie (Weßels 1991) bis zu einer spezifischen Milieubildung neuer Mittelschichten (Geiling/Vester 1991), von der gegenkulturellen Herausforderung gelebter Alternativen (Melucci 1989) bis zur Avantgarde einer postmodernen Politik (Raschke 1993; Roth 1994b). In diesem Zusammenhang stellt sich der Beitrag zwei Aufgaben: Zum einen wird auf der Grundlage von drei lokalen Fallstudien (Frankfurt am Main, Freiburg im Breisgau und Odenwaldkreis) die Frage nach der Kontinuität und dem Wandel von Bewegungsmilieus für die letzten 25 Jahre geprüft. Zum anderen werden die empirischen Ergebnisse dazu genutzt, die "paradoxe" Zeitdiagnose einer Institutionalisierung von Bewegungen zu diskutieren.

ABSTRACT: Many scholars (e.g. Melucci, Gerhards, Vester) have emphasized that local movement areas are forming the basis of "new social movements". This study presents research findings in three West German localities. The results offer some empirical evidence for the assumption. But they also nourish doubts about certain images of new social movements: The previously "challenging codes" lost their provocative character. Processes of co-optation and the integration of the movement politics into local politics going along with a fragmentation of the movement sector itself are marked. Nevertheless, while conventional politics is loosing both its strength and legitimacy, protest politics is still going strong. A revitalized local public sphere is one of the key features of a multi-faceted process in the institutionalization of new social movements. They have become an intermediary institution in the German political system.

| Home | Aktuell | Archiv | Suche | Konventionen | Materialien | Links | Gremien
Datei aktualisiert am 08.12.2003 in der Redaktion der KZfSS