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Zusammenfassungen und English Summaries der Aufsätze in Heft 3, Jg. 47, 1995

AUTOR: Buchmann, Marlis; Sacchi, Stefan

TITEL: Mehrdimensionale Klassifikation beruflicher Verlaufsdaten. Eine Anwendung auf Berufslaufbahnen zweier Schweizer Geburtskohorten.

ENGL. TITEL: Multidimensional Classification of Occupational Career Data. An Application of Two Swiss Birth Cohorts.

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 47, 1995, S. 413-442

KURZREFERAT: Die herkömmlichen Methoden der Schichtungs- und Mobilitätsforschung eignen sich wenig für die Beschreibung von beruflichen Werdegängen als Abfolgen ausgeübter Berufe. In diesem Beitrag wird deshalb eine methodisch neuartige Klassifikation von Berufslaufbahnen entwickelt, die sowohl der Mehrdimensionalität beruflicher Differenzierung als auch der Zeitabhängigkeit beruflicher Laufbahnen (Trajektorien) Rechnung trägt. Die Anwendung des neuen Klassifikationsverfahrens auf Berufsverlaufsdaten zweier Schweizer Geburtskohorten erlaubt es, die enorme Vielfalt an individuellen Verläufen in eine begrenzte Zahl von Laufbahntypen zusammenzufassen. Dies ermöglicht nicht nur eine effiziente Beschreibung von Berufsverläufen, sondern auch Aussagen über den Wandel spezifischer Laufbahntypen. Die soziologische Berufsverlaufsforschung hat sich bislang kaum mit der Frage beschäftigt, wie berufliche Werdegänge als Abfolgen beruflicher Positionen klassifiziert werden können. Richtet sich das Forschungsinteresse auf die Typisierung solcher Positionsfolgen, so stößt man schnell auf erhebliche theoretische und methodische Schwierigkeiten. Dies ist nicht nur auf die hochgradig differenzierte Berufsstruktur moderner Industriegesellschaften zurückzuführen, sondern insbesondere auch auf die Komplexität berufsbiographischer Verläufe. So zeichnen sich heute die meisten Berufsverläufe durch mehrere Stellen- und häufig auch Berufswechsel aus, die sich mit unterschiedlichen Bewegungen in der Statushierarchie verbinden. Zudem ist die Abfolge und zeitliche Staffelung berufsbiographischer Ereignisse sehr verschieden: Die Wechsel zwischen beruflichen Positionen erfolgen unterschiedlich häufig und zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Es stellt sich somit die Frage, wie die enorme Vielfalt von Berufsverläufen effizient beschrieben werden kann. Ziel unseres Beitrages ist es, eine Klassifikation von Berufslaufbahnen zu entwickeln, die theoretisch relevante Merkmale von Berufen ebenso wie die zeitliche Strukturierung von Berufsverläufen angemessen berücksichtigt. Dafür schlagen wir ein methodisch neuartiges Verfahren zur Klassifikation kategorialer Verlaufsdaten vor. Das neue Klassifikationsverfahren, das sowohl die Mehrdimensionalität beruflicher Differenzierung als auch die Zeitabhängigkeit beruflicher Laufbahnen einbezieht, wird auf Berufsverlaufsdaten von zwei Schweizer Geburtskohorten mit den Jahrgängen 1949-51 und 1959-61 angewendet. Diese Daten umfassen zwar keine vollständigen Berufsverläufe, decken aber doch die entscheidende Anfangsphase des beruflichen Werdegangs ab. Der Vergleich der beiden Kohorten erlaubt zudem hinsichtlich der genannten Phase auch Aussagen über den Wandel von Berufslaufbahnen. Die vorgeschlagene Methode ist nicht nur für die Typisierung von Berufsbiographien von Interesse; ähnliche Klassifikationsprobleme stellen sich in vielen historisch oder biographisch orientierten Forschungszweigen. Ungeachtet der vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten gibt es nämlich bislang keine anerkannte Methode zur Klassifikation mehrdimensionaler Verlaufsdaten (vgl. Abbott/Hrycak 1990). Unser Beitrag versteht sich somit auch als Versuch, diese methodische Lücke zu schließen. Eine formale Darstellung der entwickelten Klassifikationsmethode findet sich in Anhang B. Im Hinblick auf das Ziel unseres Beitrages, die Klassifikation von Berufslaufbahnen, führen wir zunächst eine Definition des Begriffs 'Berufslaufbahn' ein (Abschnitt I). Daran anknüpfend entwickeln wir ein Konzept beruflicher Chancenungleichheit (Abschnitt II), welches dann zur Typisierung von Berufslaufbahnen herangezogen wird (Abschnitt III). Eine detaillierte Beschreibung ausgewählter Laufbahntypen soll abschließend den empirischen Gehalt der gebildeten Klassifikation dokumentieren (Abschnitt IV).

ENGL. KURZREFERAT: Conventional methods of stratification and mobility research are of limited use for the analysis of occupational sequence data. We have therefore developed a new approach to the classification of occupational trajectories - one that takes into account both the multidimensionality of occupational differentiation and the time-dependency of occupational careers. The application of this new classification method to occupational sequence data of two Swiss birth cohorts allows us to reduce the great multitude of individual trajectories to conceptually meaningful and empirically grounded career types. We are thus in the position to efficiently describe occupational trajectories and to document changes in particular career types.

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Marlis Buchmann, Stefan Sacchi, Eidgenössische Technische Hochschule Zürich, ETH-Zentrum, CH-8092 Zürich, E-mail: buchmann@soziologie.unizh.ch

AUTOR: Nassehi, Armin

TITEL: Der Fremde als Vertrauter. Soziologische Beobachtungen zur Konstruktion von Identitäten und Differenzen.

ENGL. TITEL: The Stranger as Confidant. Sociological Observations on the Construction of Identity and Difference.

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 47, 1995, S. 443-463

KURZREFERAT: Der Beitrag versucht zwei Fragen zu beantworten. Zum einen fragt er danach, welche sozialen Konstruktions- und Konstitutionsbedingungen den Fremden zum Fremden machen. Zum anderen versucht er die Frage zu beantworten, wie der Fremde zum Feind wird. Ausgehend von einem Begriffsvorschlag Zygmunt Baumanns wird gezeigt, daß der Fremde zunächst aus dem Raum gesellschaftlicher Vertrautheit herausfällt. Zum Feind aber, so das paradoxe Ergebnis der Analyse, wird der Fremde erst dann, wenn er nicht mehr fremd ist, wenn der Fremde ein Vertrauter geworden ist. Der abstrakte Begriffsvorschlag wird am Beispiel der Integration von Arbeitsmigranten geprüft. Es ist sicher keine Übertreibung zu behaupten, daß sich in Zeiten erheblicher Migrationszahlen und weltweiter sozialer Ungleichheit soziale Konflikte sowohl innerhalb als auch zwischen den ungleichen Regionen der Weltgesellschaft insbesondere in Gestalt des "Fremden" niederschlagen. Das Problem des "Fremden" dürfte auch in Zukunft eines der zentralen Themen kultureller Debatten, politischer Strategien und sozialer Konflikte sein. Wer aber ist ein "Fremder"? Was bezeichnet dieser Begriff, der in den gegenwärtigen politischen Debatten, aber auch in sozialwissenschaftlicher Literatur von allen Konfliktparteien allzu leichtfertig verwendet wird, die vor allem als Reaktion auf die Gewalt gegen türkische Familien und schwarze Asylbewerber, als Reaktion auf antisemitische Positionen und nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Asylrechtsdebatte von allen Konfliktparteien leichtfertig verwendet wird? Ich vermute, daß die öffentliche Semantik des "Fremden" - sowohl in ihrer skeptischen und xenophoben als auch in ihrer romantisch-xenophilen Variante - den Begriff mit einer ontologischen Würde ausstattet, die einer genaueren soziologischen Betrachtung nicht standhalten kann. Im folgenden soll deshalb die Rede von "den Fremden" von einem soziologisch-theoretischen Blickwinkel her zunächst in Zweifel gezogen werden. Mich interessiert also die Frage, in welchen sozialen Strukturen und Prozessen Personen oder Personengruppen als fremd behandelt werden und - genauso entscheidend - in welchen nicht. Also nicht die Frage Was/wer/wie sind Fremde, und wie leben sie? interessiert mich, sondern die Fragen Was macht Fremde zu Fremden? und Wie wird der Fremde zum Feind? Zunächst werde ich in einem ersten Teil auf einige klassische Texte der Soziologie des Fremden eingehen (I.), werde danach selbst einen systematischen soziologischen Begriff von Fremdheit entwickeln, wobei ich auf Überlegungen Zygmunt Baumanns zurückgreifen werde (II.), schließlich werde ich einige kurze Bemerkungen zur soziokulturellen Evolution der Fremdheit machen (III.), auf die Konstruktion des Fremden in der modernen Gesellschaft eingehen (IV.) und schließlich die Frage beantworten, wie der Fremde zum Feind wird (V.).

ENGL. KURZREFERAT: The article deals with two questions. First it considers the conditions of social construction and constitution, and of the circumstances under which strangers become strangers. Second it outlines how the stranger becomes an enemy. Discussing a conceptional proposal of Zygmunt Baumann it reveals that the stranger is placed beyond the space of social confidence in the first instance. The paradoxical conclusion is arrived at that the stranger becomes an enemy only when he is no longer a stranger, that is to say: when he has become a confidant. This abstract concept is applied to the case of labour migration.

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Priv.-Doz. Dr. Armin Nassehi, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Institut für Soziologie/Sozialpädagogik, Scharnhorststr. 121, D-48151 Münster

AUTOR: Wimmer, Andreas

TITEL: Interethnische Konflikte. Ein Beitrag zur Integration aktueller Forschungsansätze.

ENGL. TITEL: Interethnic Conflicts. Towards an Integration of Current Research Approaches.

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 47, 1995, S. 464-493

KURZREFERAT: In diesem Beitrag werden verschiedene Erklärungsansätze zum Phänomen der ethnischen Konflikte integriert: Arbeiten über ethnische Klientelismen und Diskriminierung, über die politische Mobilisierung durch Minderheitseliten, über ungleiche Beziehungen zwischen Ethno-Regionen, über die Konfliktlösungskapazitäten unterschiedlicher politischer Systeme etc. Dabei gilt es, jeweils eine komparative Bilanz aus den entsprechenden Forschungen zu ziehen und anhand ausgewählter Fallbeispiele - meist aus der Dritten Welt - zu illustrieren. Um die verschiedenen Forschungsrichtungen zueinander in Beziehung zu setzen, werden sie aus einer bestimmten Perspektive heraus evaluiert; nämlich ausgehend von der Auffassung, daß politisierte Ethnizitäten nicht archaische Identitätsgebilde darstellen, welche die Moderne noch nicht hat abtragen können, sondern daß sie als Effekte der politischen Modernisierung und insbesondere der Nationalstaatenbildung zu interpretieren sind. Denn erst wenn Volk und Staatsgewalt legitimatorisch aufeinander bezogen werden, stellt sich die Frage, im Namen welcher Ethnie der Staat zu agieren hat, wer als dessen rechtmäßiger Besitzer in Erscheinung treten darf und Zugang zu seinen Ressourcen erhält. Ethnische Konflikte sind aus dieser Perspektive als Kampf um die kollektiven Güter des Staates zu interpretieren. Auf einer mittleren Abstraktionsebene wird nach den präzisen Bedingungen gesucht, welche zu einer derartigen Ethnisierung politischer Konflikte führen.

It is the very process of the formation of a sovereign civil state that, among other things, stimulates sentiments of parochialism, communalism, racialism, and so on, because it introduces into society a valuable new prize over which to fight and a frightening new force with which to contend. Clifford Geertz (1963: 120)

ENGL. KURZREFERAT: This paper aims at an integration of several explanatory approaches to ethnic conflicts: studies in ethnic clientelism and discrimination, in political mobilization by minority elites, in the unequal relations between ethno-regions and in the effects that different political systems have on the ethnic dynamic. For each of these approaches, the relevant research is reviewed comparatively and illustrated by selected examples, mostly from the Third World. The results of different research traditions are integrated into a common perspective. The starting point is the assumption that politicised ethnicities are not archaic identities that modernity has not yet managed to dissolve; rather, they are to be interpreted as the effects of political modernisation itself and of the very process of building a nation state. For only when people and state are mutually related in the ideal of a legitimate order does the problem arise of determining in the name of which ethnic group the state has to act, who is regarded as its legitimate owner and who is entitled to have access to its services. Ethnic conflicts are therefore to be interpreted as struggles for the collective goods of the state. Starting from these premises it is shown, step by step and on a middle level of abstraction, under which conditions such an ethnisation of political conflicts is to be expected.

KORRESPONDENZANSCHRIFT: PD Dr. Andreas Wimmer, Ethnologisches Seminar der Universität Zürich, Freiensteinstraße 5, CH-8032 Zürich

AUTOR: Kecskes, Robert; Wolf, Christof

TITEL: Christliche Religiosität. Dimensionen, Meßinstrumente, Ergebnisse.

ENGL. TITEL: Christian Religiosity: Dimensions, Instruments, Results.

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 47, 1995, S. 494-515

KURZREFERAT: In diesem Beitrag werden in Fortsetzung einer früheren Arbeit neuere Ergebnisse zur Erfassung christlicher Religiosität vorgestellt. Es zeigt sich, daß empirisch zwischen mindestens fünf verschiedenen Dimensionen christlicher Religiosität unterschieden werden kann und sollte. Im einzelnen handelt es sich um die Dimensionen: christlicher Glaube, christliche Erfahrung, christliches Wissen, christliche Praxis und die Akzeptanz christlicher Rituale. Weiterführende Analysen zu den sozio-demographischen Korrelaten christlicher Religiosität und den Effekten christlicher Religiosität auf Merkmale sozialer Netzwerke belegen deutlich, daß die Unterscheidung dieser unterschiedlichen Dimensionen nicht nur statistisch, sondern auch inhaltlich geboten ist.

ENGL. KURZREFERAT: In extension of an earlier study (KZfSS 45, 1993: 270-287) this article presents new results with regard to the measurement of Christian religiosity. It emerges that at least five dimensions of Christian religiosity can and should be distinguished. These are: Christian belief, Christian experience, Christian knowledge, Christian practice and the acceptance of Christian rituals. The distinction between these dimensions is not only justifiable statistically but is important under substantive considerations as well. This is shown by analyzing the covariation of Christian religiosity and socio demographic variables as well as by examining the effects of Christian religiosity on characteristics of social networks.

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dipl.-Soz. Robert Kecskes und Dipl.-Soz. Christof Wolf, Forschungsinstitut für Soziologie, Universität zu Köln, Greinstr. 2, D-50939 Köln

AUTOR: Pickel, Gert

TITEL: Dimensionen religiöser Überzeugungen bei jungen Erwachsenen in den neuen und alten Bundesländern der Bundesrepublik Deutschland.

ENGL. TITEL: Dimensions of Religious Beliefs in the New and Old States of the Federal Republic of Germany.

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 47, 1995, S. 516-534

KURZREFERAT: Die in den letzen Jahren geführte Diskussion um die Säkularisierung der westlichen Industriegesellschaften führt zusammen mit dem Umbruch in Osteuropa zu einer neuen Ausgangslage der Interpretation von Religiosität. Es bieten sich neue Vergleichsgrößen für die Bedeutung und die Entwicklung des Säkularisierungsprozesses. Dabei kommt der Situation in der Bundesrepublik eine besondere Bedeutung zu. In keinem osteuropäischen Land ist es der "sozialistischen" Gesellschaft so gut gelungen, die subjektive Bedeutung der Religion zurückzudrängen, wie in der ehemaligen DDR. Daraus ergibt sich die Frage nach einer zukünftigen Entwicklung in den neuen Bundesländern. Mit Hilfe der Analyse verschiedener geeigneter Umfragedaten soll hierauf eine Antwort, insbesondere für junge Menschen zwischen 21 und 26 Jahren, gegeben werden. Diese Altersgruppe ist dabei von dem stattfindenden Prozeß am stärksten betroffen. Ähnlich wie die Gesamtbevölkerung unterscheidet sie sich deutlich von ihren Altersgenossen in den alten Bundesländern. Auch folgen nicht nur kirchlich gebundene Menschen in den neuen Bundesländern oft anderen religiösen Lebensanschauungen als kirchlich Desintegrierte. Die weit stärkere Bedeutung von Lebensanschauungen mit nichttranszendentaler Prägung oder innerweltlicher Sinndeutung sind ein Beispiel hierfür.

ENGL. KURZREFERAT: The discourse on secularisation in Western Europe during the past four years together with the breakdown of communism in Eastern Europe has prompted a new interpretation of religious behaviour and religious beliefs. New empirical indicators regarding the meaning and development of secularisation provide the opportunity for important comparisons. Furthermore, the German situation is of special importance since in no other Eastern European country has the subjective meaning of religious faith been reduced as much as in the former GDR. Future expectations regarding religious faith and behaviour in eastern Germany are therefore of special interest. Empirical data of younger adults, between 21 and 26 years of age, shed light on future developments. This group is the most affected by the ongoing process(es) of change. Like the entire East German population, these young people raised in the former GDR deviate from their age group in West Germany in their basic values. In the new federal states do church members often differ in their religious orientations and views of life from the non-members; nontranscendental views of life are much more important for young East Germans than for West German young adults.

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dipl.-Pol., Dipl.-Soz. Gert Pickel, Sozialwissenschaftliche Forschungsstelle der Universität Bamberg, Feldkirchenstr. 21, D-96050 Bamberg, E-mail: Pickel@sowi.uni-bamberg.d400.de

AUTOR: Stegbauer, Christian

TITEL: Die virtuelle Organisation und die Realität elektronischer Kommunikation.

ENGL. TITEL: Virtual Organization and the Reality of Electronic Communication.

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 47, 1995, S. 535-549

KURZREFERAT: Soziales Leben hat in Organisationen mit komplexen Problemen zu tun. Insbesondere das mikropolitische Ränkespiel der unterschiedlichen Teilnehmer mit verschieden ausgeprägten Interessenlagen macht die Komplexität der zu kommunizierenden Inhalte deutlich. Ein Medium allein, welches zudem Informationen über soziale Beziehungen nur in unzureichender Form transportieren kann, erscheint kaum in der Lage, alle relevanten Kommunikationsbezüge zu tragen. Es kommt daher zur sozialen Integration von Kommunikationsmedien, bei der verschiedene Medien von den Mitgliedern der Organisation sinnhaft in Bezug zum jeweils zu lösenden Problem kombiniert werden. Dabei steht nicht nur die aktuelle Problemlösung im Vordergrund; genauso spielen die längerfristigen Beziehungen der Akteure eine Rolle. Betrachtet man diese Befunde vor dem Hintergrund der Diskussionen um virtuelle Unternehmen, dann scheinen für diese Organisationsformen nur geringe Durchsetzungschancen zu bestehen.

ENGL. KURZREFERAT: Social life in organizations is marked by complex problems. Particularly the micropolitical intrigue of the different participants concerning their various intentions indicates clearly the complexity of the contents requiring communication. One medium alone is unable to transmit the complex information about social relationships and therefore unlikely to be in the position to carry all the relevant communication references. Hence the need is for a social integration of communication media; that means a combination of media handled by the members of the organizations in accordance with the problems to be solved. Thus not only the actual Solution to the problem is to be considered when efficient communication processes within organizations are discussed, but also the reciprocity of interactions the actors are engaged in has to be taken into account. Given these observations in the light of the discussion about new forms of telecommunication and decentralized organizations, there seems relatively little chance of realizing these new forms of virtual organization.

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dipl.-Soz. Christian Stegbauer, WBe Methodologie, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Robert-Mayer-Straße 5, D-60054 Frankfurt a.M.; E-Mail: Stegbauer@soz.uni-frankfurt.de


Datei aktualisiert am 31.03.2000 in der Redaktion der KZfSS
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