
Home |
Aktuelles Heft |
Archiv |
Suche |
Konventionen |
Materialien |
Links |
Redaktion |
Zusammenfassungen und English Summaries der Aufsätze in Heft 4, Jg. 47, 1995
|
AUTOR: Henz, Ursula; Maas, Ineke
TITEL: Chancengleichheit durch Bildungsexpansion.
ENGL. TITEL: Equal Opportunity and Educational Expansion.
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 47, 1995, S. 605-633
KURZREFERAT: Dieser Beitrag stellt eine neue empirische Untersuchung zu den Veränderungen der Chancengleichheit im Bildungssystem in der (alten) Bundesrepublik vor. Sie beruht auf den Daten der Lebensverlaufsstudie am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin (Geburtskohorten 1919-21, 1929-31, 1939-41, 1949-51, 1954-56 und 1959-61), die eine exakte Rekonstruktion der Bildungsverläufe der Befragten erlauben. Hinsichtlich der sozialen Herkunft zeigt sich eine zunehmende Chancengleichheit über die Kohorten. Dies gilt für den Wechsel zu einer weiterführenden Schule (Jungen und Mädchen) sowie für den Abschluß einer beruflichen Ausbildung (Mädchen), nicht dagegen für die Wahl zwischen Realschule und Gymnasium. Hinsichtlich der regionalen Unterschiede zeigt sich ein Abbau des Stadt/Land-Gefälles bei der Wahl des Schultyps nach der Grundschule. Die Unterschiede zwischen Nord- und Süddeutschland bleiben bei dieser Entscheidung jedoch bestehen. Bei der beruflichen Ausbildung von Mädchen kehrt sich das Stadt/Land-Gefälle sogar um: Es sind in den jüngsten Geburtskohorten eher die Mädchen aus Großstädten, die keine Ausbildung abschließen.
ENGL. KURZREFERAT: This paper presents a new empirical analysis of the changes in educational inequality in (West)Germany. It is based on the life history data of the Max Planck Institute for Human Development and Education in Berlin (cohorts 1919-21, 1929-31, 1939-41, 1949-51, 1954-56 and 1959-61) which allows an exact reconstruction of the interviewees' school careers. Concerning the effects of social origin, we observe a decline of inequality over cohorts. This is true for the decision to attend a middle or upper secondary school (boys and girls) as well as for completion of an occupational qualification (girls) but not for the decision between a middle and an upper secondary school. Concerning the effects of region, we observe a declining difference between the choice of schooltype after primary education in cities and in the country. But the differences between north and south remain for this decision. The difference between city and country reverses for the occupational qualification of girls: For the younger cohorts, the girls living in cities are less likely to finish occupational training.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Ursula Henz, Stockholm University, Demography Unit, S-106 91 Stockholm, Schweden, E-Mail: Ursula.Henz@suda.su.se; Ineke Maas, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Lentzeallee 94, D-14195 Berlin, E-Mail: Maas@vax1.mpib-Berlin.mpg.d400.de
|
AUTOR: Schnell, Rainer; Kohler, Ulrich
TITEL: Empirische Untersuchung einer Individualisierungshypothese am Beispiel der Parteipräferenz von 1953-1992.
ENGL. TITEL: Empirical Test of an Individualization Hypothesis Using Party Preference Data from 1953 to 1992.
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 47, 1995, S. 634-657
KURZREFERAT: Die empirisch kaum prüfbare "Individualisierungshypothese" wird dahingehend spezifiziert, daß eine abnehmende Erklärungskraft sozio-demographischer Merkmale für nicht-ressourcengebundene erhaltensmöglichkeiten mit zunehmender gesellschaftlicher Differenzierung erwartet wird. Diese Hypothese wird durch eine Untersuchung der Veränderung der Prognosefähigkeit statistischer Modelle zur Erklärung individueller Parteipräferenz im Zeitraum 1953-1992 an insgesamt 37 Surveys überprüft. Für verschiedene Operationalisierungen der Parteipräferenz, der Kirchgangshäufigkeit und der Gewerkschaftsmitgliedschaft kann die Hypothese der abnehmenden Erklärungskraft demographischer Variablen empirisch vorläufig bestätigt werden.
ENGL. KURZREFERAT: The "individualization-hypothesis" is difficult to test and as such needs to be specified. Such a specification supposes a decline in the predictive power of socio-demographic characteristics, for non-resource bound individual behaviour, as a consequence of increasing social differentiation. This hypothesis is tested via a study of the changes in the predictive power of statistical models explaining individual party preference. The study is based on 37 independent surveys during the period 1953-1992. Different operationalizations of party preference, frequency of church attendance and union membership show the supposed decline of predictive power.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Rainer Schnell, Fakultät für Sozialwissenschaften, Universität Mannheim, 68131 Mannheim, E-mail: RSchnell@Sowi.Uni-Mannheim.De
|
TITEL: Die ostdeutsche Doxa der Demokratie. Eine lokale Fallstudie.
ENGL. TITEL: The East German "Doxa" of Democracy. A Local Case Study.
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 47, 1995, S. 658-680
KURZREFERAT: Ziel der nachfolgenden Analyse ist es, die ostdeutsche "Doxa" der Demokratie, d.h. die "empirische Demokratietheorie" im Alltagswissen politischer Akteure, zu entschlüsseln. Hierzu wird in Deutung qualitativen Materials eine Taxonomie der politischen Ordnungsvorstellungen vorgestellt, die politische Akteure in Ostdeutschland durch demokratische Institutionen gewährleistet sehen wollen. Das Material der Untersuchung entstammt einer Gemeindestudie, die von 1990 bis 1993 in einer brandenburgischen Stadt durchgeführt wurde. Am Beispiel der Interpretation einer natürlichen Situation lokaler Politik werden insgesamt vier Ordnungskonzepte von Demokratie im Bewußtsein einer lokalen Machtgruppe rekonstruiert: Redistribution, Materialität, Konkordanz, Moralität. Die ermittelten grundlegenden Prinzipien in der Wahrnehmung und Bewertung von Demokratie stellen Elemente einer eigenen politischen "Regionalkultur" in Ostdeutschland dar, die sich von entsprechenden Mustern in Westdeutschland unterscheidet.
ENGL. KURZREFERAT: The article intends to decode the "doxa" of democracy in eastern Germany, i. e. the "empirical theory" of democracy relevant for East German political actors. By interpreting qualitative data a taxonomy of political ideas is presented which political actors in East Germany want to be ensured by democratic institutions. The data presented here come from a community study in an East German town carried out from 1990 to 1993. Analyzing a natural situation of local politics four basic patterns of democratic order within local power groups are reconstructed: redistribution, materialism, concordance, morality. These basic patterns are elements of a distinctive political culture distinguishing East Germany from the West.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Sighard Neckel, Freie Universität Berlin, Institut für Soziologie, Babelsberger Straße 14-16, 10715 Berlin
|
TITEL: Moral Hazard und gesetzliche Krankenversicherung. Möglichkeiten zu Mehrentnahmen an Gesundheitsleistungen in der Wahrnehmung und Bewertung durch gesetzlich Versicherte.
ENGL. TITEL: Moral Hazard and Statutory Health Insurance: How Members of the Statutory Health Insurance Scheme Perceive and Evaluate Opportunities for an Over-utilization of Health Care Benefits.
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 47, 1995, S. 681-705
KURZREFERAT: In der gesundheitspolitischen Auseinandersetzung um die Reform der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wurde wiederholt ein 'moral hazard'-Verhalten der Versicherten beklagt und mit der Forderung nach Einführung bzw. Ausweitung verhaltenssteuernder Anreize bei der Leistungsentnahme (Selbstbeteiligungen) verbunden. Wie plausibel die Annahme intendierter oder 'unbewußter' Steigerungen der Leistungsinanspruchnahme seitens der Versicherten ist und ob bzw. welche Konsequenzen bei 'moral hazard'-Verhalten zu ziehen sind, ist dabei seit langem umstritten. Gegnern und Befürwortern der Annahme eines 'moral hazard'-Verhaltens ist dabei gemeinsam, daß den Wahrnehmungen und Dispositionen der Versicherten selbst keine Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Im vorliegenden Beitrag wird dagegen anhand qualitativen Interviewmaterials der Frage nachgegangen, wie Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen Möglichkeiten und Anreize zu Leistungsentnahmen einschätzen, die über das 'medizinisch Indizierte' hinausgehen. Dies geschieht in zweierlei Weise: Zunächst wird untersucht, wie die befragten Versicherten das Verhalten 'anderer Versicherter' wahrnehmen und welche Auswirkung diese Wahrnehmungen auf ihre Akzeptanz der GKV und auf ihre Solidaritätsbereitschaft haben. Dabei konnte eine polarisierende Wirkung der 'Mißbrauchssemantik' konstatiert werden. In einem zweiten Schritt wird dann der Frage nachgegangen, inwiefern und warum die Befragten selbst zur Handlungsstrategie 'reflexive Mehrentnahme' greifen. Hier konnte nur eine geringe Bereitschaft zu eigenem 'moral hazard'-Verhalten festgestellt werden, die jedoch weniger auf moralische Skrupel als auf eine ungünstige Opportunitätsstruktur zurückzuführen ist.
ENGL. KURZREFERAT: In the course of the conflicts over the reform of statutory health insurance in Germany (Gesetzliche Krankenversicherung) complaints about moral hazard-behaviour on the part of the insured were repeatedly raised and linked to the demand for expanding managerial incentives aimed at reducing the consumption of health care benefits (copayments). Yet not only the need for assessing the consequences of moral-hazard behaviour has been a contested issue; the assumption of intended or 'unconscious' increases in the consumption of health care benefits (induced by the insured) has also been debated. However, critics and supporters of the assumption of moral-hazard behaviour, i.e. of the increased consumption thesis, neglect the perceptions and dispositions of the insured. In contrast the article, based on qualitative interviews examines how members of the statutory health insurance scheme assess the opportunities and incentives for the consumption of health care benefits which are not defined as 'medically necessary' by the physicians. The analysis proceeds in two stages: First, it analyzes how the respondents perceive the behaviour of the 'others insured' and examines the consequences in terms of their acceptance of the statutory health insurance scheme and their 'willingness to show solidarity' (Solidaritätsbereitschaft). The results suggest that the 'semantics of abuse' polarize the dispositions of the insured. Second, it is discussed to what extent and why the respondents resort to 'deliberate over-utilization'. Only a minor propensity for moral-hazard behaviour was found to exist. However, this finding cannot be explained by the insured having moral scruples. Instead, a lack of attractive opportunities accounts for this phenomenon.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dipl.-Soz. Carsten G. Ullrich, Universität Mannheim, Lehrstuhl für Soziologie III, Seminargebäude A5, D-68131 Mannheim, E-Mail: Cullrich@sowi.uni-mannheim.de
|
TITEL: Eine ökologische Regressionsanalyse von Kriminalitätsziffern und Armutsraten: Fehlschluß par excellence.
ENGL. TITEL: An Ecological Regression Analysis of Crime and Poverty. An Old Tale - Told Once Again?
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 47, 1995, S. 706-726
KURZREFERAT: Vorgestellt wird, auf Basis der niedersächsischen und nordrhein-westfälischen Kreise und kreisfreien Städte des Jahres 1993, eine ökologische Regressionsanalyse von regionalen Raten von absoluter Armut, absolutem Wohlstand, sozialer Desorganisation, dem Urbanisierungsgrad, dem Anteil von Jugendlichen und jungen Erwachsenen einerseits und verschiedenen Delikthäufigkeitsziffern der Polizeilichen Kriminalstatistik andererseits. Weiterhin wird mittels einer Varianzanalyse die mögliche Interaktion von Raten der absoluten Armut und des absoluten Wohlstands - die sogenannte relative Armut - in ihrem Effekt auf die Deliktziffern überprüft. Die Studie erbringt hohe bivariate Assoziationswerte für die einzelnen erklärenden Variablen mit den unterschiedlichen Kriminalitätsarten (dies unter Ausnahme der Wohlstandsraten). In der multivariaten Regressionsanalyse haben, erstens, Urbanisierungsgrad und geographische Mobilität (soziale Desorganisation 1) einen signifikanten Aufklärungswert bei allen Delikten, zweitens, korreliert absolute Armut weiterhin eigenständig mit den Eigentumsdelikten; während, drittens, Scheidungsraten (soziale Desorganisation 2) mit der personenbezogenen Gewalt gemeinsame Varianz aufweisen. Die Varianzanalye erbringt lediglich einen signifikanten Haupteffekt der absoluten Armut, keinen Effekt für den Wohlstand sowie keinen Interaktionseffekt von Wohlstand und Armut.
ENGL. KURZREFERAT: A rich body of ecologically based studies - focussing mainly on the United Kingdom and the United States - has produced controversial results on the correlation of regional rates of poverty and crime. The article presented here is built on regional data from two German Federal States (Länder). The regression analysis includes rates of absolute poverty, absolute affluence, urbanization, age distribution, social disorganisation and rates of crimes (the latter taken from official police statistics). Additionally, the association of relative poverty (the combined rates of absolute poverty and affluence) are tested via a variance analysis. The results show high bivariate correlations of all potentially explaining variables with crime (excluding affluence). The multivariate analysis prevails: (a) a strong independent correlation of urbanization and one measure of social disorganisation (geographical mobility) with all crime rates considered; (b) an independent correlation of absolute poverty with property prone crime, and (c) that rates of divorce (social disorganisation 2) significantly vary with rates of personal violence. The variance analysis identifies a main effect of poverty only, but no effect of affluence, nor an interactional one. The discussion concludes that - as far as crime rates are considered - absolute poverty still matters, both theoretically and empirically.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Thomas Ohlemacher, Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN), Lützerodestr. 9, 30161 Hannover.
|
AUTOR: Jurado Guerrero, Teresa
TITEL: Legitimation durch Sozialpolitik? Die spanische Beschäftigungskrise und die Theorie des Wohlfahrtsstaates.
ENGL. TITEL: Political Legitimation through Social Policy? The Spanish Employment Crisis and the Theory of the Welfare State.
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 47, 1995, S. 727-751
KURZREFERAT: Eine häufige Vermutung lautet, die spanische Sozialpolitik habe einen wichtigen Beitrag zum friedlichen Übergang in die Demokratie geleistet. Sie stützt sich auf jene Spielart der Modernisierungstheorie, die im Wohlfahrtsstaat ein entscheidendes Element der institutionellen Ordnung demokratisch-parlamentarischer Industriegesellschaften sieht. Dieser Auffassung wird in diesem Aufsatz teilweise widersprochen. Es wird gezeigt, daß gerade eines der größten sozialen Probleme Spaniens in den letzten 15 Jahren, die hohe Arbeitslosigkeit, nicht primär durch die staatliche Sozialpolitik gemildert wurde. Die Untersuchung der Risikogruppen des Arbeitsmarktes und ihrer sozialen Absicherung durch die Arbeitslosenversicherung läßt eine selektive Absicherungslogik mit wichtigen Versorgungslücken erkennen. Die Risikoallokation auf dem spanischen Arbeitsmarkt bildet sich nahezu spiegelbildlich in der rechtlichen und sozialstrukturellen Fragmentierung der Arbeitslosenversicherung ab. Dennoch hat die unzureichende Absicherung bestimmter Risikogruppen kaum Legitimationsprobleme erzeugt. Dies kann man nur verstehen, wenn die kulturellen Vorstellungen über die soziale Arbeitsteilung zwischen Staat und Familie und innerhalb der Familie in die Theorie des Wohlfahrtsstaates miteinbezogen werden.
ENGL. KURZREFERAT: It is often assumed that Spanish social policy has importantly contributed to a peaceful transition into democracy. This assumption is based on a type of modernization theory that considers the welfare state to be an important element of the institutional order of democratic-parliamentary industrial societies. The article contradicts this partly. It is shown that one of the most important social problems in Spain of the last 15 years, the high unemployment rate, could not be ameliorated by social policy. The analysis of the risk groups on the labour market and their social protection by the unemployment insurance reveals a selective protection logic with important supply shortages. The risk allocation on the Spanish labour market is reflected by the legal and socio-structural fragmentation of the unemployment insurance. The insufficient social protection of certain risk groups, however, has rarely been the cause for legitimation problems. This can only be understood by taking into account the cultural background of the social division of labour between the state and the family and within the family, when theorizing on the welfare state.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Teresa Jurado Guerrero, Mannheimer Graduiertenkolleg für Sozialwissenschaften, MZES, Postfach 103462, D-68131 Mannheim, E-Mail: tjurado@mzes.sowi.uni-mannheim.de
|
Home |
Aktuelles Heft |
Archiv |
Suche |
Konventionen |
Materialien |
Links |
Redaktion |