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Zusammenfassungen und English Summaries der Aufsätze in Heft 1, Jg. 48, 1996
TITEL: Die Definition der Situation.
ENGL. TITEL: The Definition of the Situation.
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 48, 1996, S. 1-34.
ZUSAMMENFASSUNG: Eine der Grundlagen der soziologischen Handlungstheorie ist die Annahme einer besonderen "Definition" der Situation, von der her sich erst die spezielle Logik des Handelns ergebe. Es wird ein Modell der Definition der Situation entwickelt, das die Überlegungen des Thomas-Theorems mit neueren Ergebnissen der sozialpsychologischen Einstellungstheorie auf der Grundlage der sog. SEU-Theorie des rationalen Handelns verbindet. Den soziologischen Hintergrund liefert das - an der Theorie der Haushaltsproduktion orientierte - Konzept der sozialen Produktionsfunktionen. Es wird gezeigt, wie die Variablen dieses Hintergrundes die Selektion kulturell vorgeformter "Modelle" der Situation und des "Modus" bestimmen, mit der die Akteure die Situation betrachten. Dabei stellt sich heraus, daß die "Rationalität" in der Tat lediglich ein spezielles Modell der Situation und ein besonderer Modus der Informationsverarbeitung ist. Die Variablen und die Regeln der so verstandenen Definition der Situation folgen aber wieder - formal - der Theorie der rationalen Wahl.
ABSTRACT: One of the basics of the sociological theory of action is the assumption of a special "definition" of the situation, out of which the particular "logic" of action arises. A model of the definition of the situation is developed which links the considerations of the Thomas-theorem and the interpretative paradigm with recent conceptions of attitude-theory. The "objective" background, which is orientated on the theory of the household-production, is provided by the concept of the social production functions. It is shown how the incentives and the stability of this background as well as the selection of cultural preshaped "models" of the situation and of the "modus" of information processing define how the actors look at the situation. In this way it is shown that "rationality", indead, is only a special and cultural defined model of the situation and/or a particular modus of information-processing. But the variables and the rules of selection of this internal act of the "definition" of the situation again follow, at least formally, the theory of rational choice.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Hartmut Esser, Universität Mannheim, Lehrstuhl für Soziologie, Seminargebäude A5, D-68131 Mannheim, E-Mail: hesser@mlsowi.sowi.uni-mannheim.de
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TITEL: Protestantische Sekten, höfische Gesellschaft und Tierschutz.
Eine vergleichende Untersuchung zu tierethischen Aspekten des Zivilisationsprozesses.
ENGL. TITEL: Protestant Sects, Court Society, and Animal Welfare. A Comparative Study of Animal-ethical Aspects in the Civilizing Process.
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 48, 1996, S. 35-65.
ZUSAMMENFASSUNG: Der Beitrag will aufweisen, daß und weshalb die Herausbildung der modernen Tierschutzidee im Zivilisationsprozeß des 17. und 18. Jahrhundert im wesentlichen nicht in der höfischen Gesellschaft, sondern im protestantisch-nonkonformistischen Milieu erfolgte. Nach einer Darstellung zentraler Charakteristika des modernen Tierschutzbegriffs wird die Auffassung kritisiert, frühneuzeitliche Volkskulturen zeigten einen genuinen Hang zu affektiv unbeherrschter Tierquälerei. Im Vergleich dazu werden dann Mensch-Tier-Verhältnisse der höfischen Gesellschaft untersucht, besonders Grausamkeiten im Sinnkontext der Jagd. Im Gegensatz dazu zeigen die religiös motivierten Orientierungen des protestantischen Dissent, besonders die der Quäker, nicht nur eine ausgesprochen "ethische" Sicht der tierlichen "Mitgeschöpfe", sondern auch Tendenzen zu einer selbstreflexiven Kontrolle (auch) tierbezogenen Verhaltens. Ein letzter Abschnitt thematisiert zunächst die soziogentischen Voraussetzungen dieser Tierethik, d.h. in erster Linie: das Sekten-Muster der "kurzen" sozialen Interdependenzen; abschließend werden einige Bedingungen skizziert, die die soziale Diffusion der Tierschutzidee im 18. Jahrhundert begünstigt haben.
ABSTRACT: The study deals with the origins of the idea of animal welfare in the civilizing process of the 17th and 18th centuries: as cruelty to animals came under attack, this critique emerged not at the court society but in the milieu of the protestant dissent. After a brief description of three characteristics shaping the modern conception of animal welfare, the view is criticized that popular cultures of early modern times had an inherent tendency to an emotionally unrestricted cruelty to animals. Varieties of human-animal-relationships at the court society are depicted, especially cruelties framed by the symbolism of the chase. In contrast, the religious motivated positions of the protestant dissenters, particularly the Quakers, display not only an advanced "ethical" view of man's "fellow creatures" but also a tendency to monitor the animal-related behaviour reflexively. A last section clarifies the socio-genetic preconditions fostering the animal ethics of the protestant dissent, especially the sectarian pattern of "short" social interaction sequences. Some conditions of the social diffusion of the animal welfare idea during the 18th century are outlined.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Rainer E. Wiedenmann, Katholische Universität Eichstätt, Geschichts- und Gesellschaftswissenschaftliche Fakultät, Ostenstr. 26, D-85072 Eichstätt
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AUTOR: Lauterbach, Wolfgang, und Lüscher, Kurt
TITEL: Erben und die Verbundenheit der Lebensverläufe von Familienmitgliedern.
ENGL. TITEL: The Role of Inheritance in Forging Connections Among Family Members.
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 48, 1996, S. 66-95.
ZUSAMMENFASSUNG: : Erbschaften haben einen doppelten institutionellen Charakter. Einerseits verbinden sie die Generationen in späteren Lebensabschnitten und gewährleisten, rechtlich abgesichert, die Existenz der Familie, andererseits schützen sie das private Eigentum und repräsentieren die soziale Ungleichheit zwischen Familien. Für die Erblasser und die Erbenden haben Erbschaften sowohl eine symbolische als auch unterschiedliche reale Bedeutungen. In Verbindung mit dem Ansatz der Lebensverlaufsforschung werden für die Bundesrepublik Deutschland, die in Familien stattfindenden Erbschaftstransfers mit des Daten des Sozio-ökonomischen Panels für die Jahre 1960-1994 analysiert. Dabei zeigen sich markante Unterschiede nach Einkommen und Besitz. Eine im mittleren und sogar selbst im späteren Lebensalter erhaltene Erbschaft beeinflußt den Lebensverlauf der Erben deutlich, indem die Wahrscheinlichkeit steigt, noch eine Immobilie zu erwerben oder in die vererbte Wohnung zu ziehen. Höhere Einkommensgruppen, die eher die Möglichkeit haben, eine Erbschaft zu erhalten, verwenden diese mutmaßlich eher für den Erwerb einer (weiteren) Immobilie als niedrige Einkommensgruppen.
ABSTRACT: Inheritances can be characterized as having a two-fold institutional character. On one side, they bind generations in later phases of the life course together and guarantee, supported by law, the continued "existence" of the family. On the other side, they protect private property and represent a source of social inequality between families. Inheritances do have a common symbolic meaning for both the testator and the heir and they also do have individually distinct practical meanings for both, the testator and the heirs. With reference to the concept of the life course we analyse data on inheritances in Germany for the years 1984-1993 stemming from the socio-economic-panel (SOEP). There are significant differences related to income and property. Inheritances which are transferred in middle or even later life influence the life course of heirs insofar as the probability increases that heirs will purchase a house or condominium or move into one which they have inherited. Persons of higher income are more likely to use it for the acquisiton of (further) housing property than persons of lower income groups.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Wolfgang Lauterbach und Prof. Dr. Kurt Lüscher, Universität Konstanz, Sozialwissenschaftliche Fakultät, Postfach 5560, D33, D-78434 Konstanz, E.mail: Wolfgang.Lauterbach@uni-konstanz.de
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AUTOR: Klein, Thomas, und Wunder, Edgar
TITEL: Regionale Disparitäten und Konfessionswechsel als Ursache konfessioneller Homogamie.
ENGL. TITEL: The Impact of Regional Disparities and Change of Religious Affiliation on Religious Homogamy.
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 48, 1996, S. 96-125.
ZUSAMMENFASSUNG: Es wird problematisiert, inwiefern die heute in Deutschland nach wie vor ausgeprägte konfessionelle Homogamie als Ausdruck sozialer Distanz zwischen den Konfessionen und damit als Ausdruck unterschiedlicher konfessioneller Werte und Normen interpretiert werden darf. Als Alternativhypothesen zur Erklärung von Ehen mit gleichkonfessionellen Partnern werden regionale Disparitäten in der konfessionellen Zusammensetzung der Bevölkerung sowie Konfessionswechsel untersucht. Auf der Basis von odds ratios wird die Kalenderzeitentwicklung der konfessionellen Homogamie anhand amtlicher Daten betrachtet. Zur Ermittlung des Einflusses regionaler Disparitäten dient der Familiensurvey 1988. Konfessionswechseleffekte werden auf der Datenbasis des ISSP 1991 im internationalen Vergleich analysiert. Im Ergebnis läßt sich die beobachtete konfessionelle Homogamie in der Tat fast vollständig auf die regionale Strukturierung von Heiratsmärkten und dementsprechend strukturierten Gelegenheitsstrukturen zurückführen. Demgegenüber kommt dem Konfessionswechsel in Deutschland im internationalen Vergleich eine nur geringe Bedeutung zu. Entgegen der in der Literatur weit verbreiteten Behauptung, daß Konfessionszugehörigkeiten heute bei der Partnerwahl nach wie vor von erstaunlicher Relevanz sind, bleibt nach den Ergebnissen der vorliegenden Studie kaum Spielraum, die Dominanz gleichkonfessioneller Eheschließungen als Ausdruck von Endogamieregeln oder von individuellen Präferenzen zu interpretieren. Die Konfessionszugehörigkeit ist heute in Deutschland für die Partnerwahl quasi irrelevant (geworden).
ABSTRACT: Doubts are raised if the still dominant phenomena of religious homogamous marriages in Germany can be interpreted as an indicator of social distance between religious denominations, based on conflicting religious attitudes and norms. To explain why the amount of interfaith marriages is still very small in Germany, regional disparities in the denominational composition of the population and the change of religious affiliation in the context of marriage are presented as an alternative hypothesis. Based on odds ratios the trend of religious homogamy in Germany is analyzed using national statistics. To determine the impact of regional disparities the German Family Survey of 1988 was used, and effects of changing affiliation in the international context were studied using data from the International Social Survey Programme (ISSP), 1991. The observed predominance of religious homogamy can in fact be explained almost completely by the regional structure of marriage markets, i.e. by opportunity structures. However, in Germany in contrast to other countries, the effect of changing affiliation on religious homogamy seems to be only of minor importance. In contradiction to a frequently raised claim, religious affiliation is (or at least has become) quite irrelevant for marital choices in Germany. It seems not to be very useful and may in fact be misleading to interpret religious homogamy as an indicator for rules of endogamy or as an indicator of religious preferences concerning the marital partner.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Thomas Klein, Institut für Soziologie, Universität Heidelberg, Sandgasse 9, D-69117 Heidelberg, E-Mail: thomas.klein@urz.uni-heidelberg.de
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TITEL: Die Relevanz theoriereicher Brückenannahmen.
ENGL. TITEL: The Relevance of "Theory Rich" Bridge Assumptions.
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 48, 1996, S. 126-140.
ZUSAMMENFASSUNG: Akteursmodelle erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, weil sie besser geeignet sind, kausale Mechanismen aufzuzeigen. Man benötigt allerdings zusätzliche Annahmen, vor allem sogenannte Brückenannahmen, welche die relativ leere Handlungstheorie konkretisieren. Sehr wichtig in diesem Zusammenhang sind Annahmen über menschliche Ziele. In der Ökonomie werden solche Annahmen meist ad hoc gemacht. Soziologen plädieren häufig dafür, Ziele und Erwartungen empirisch, also theoriearm, zu erheben. In diesem Aufsatz werden beide Arten der Gewinnung von Brückenannahmen zurückgewiesen. Brückenannahmen müssen "theoriereich" sein, weil sonst weder eine theoriegesteuerte Operationalisierung und Messung noch eine adäquate Analyse von Substitutionseffekten möglich ist.
ABSTRACT: Actor models are increasingly being used as a form of theory building in sociology because they can better represent the caul mechanisms that connect macro variables. However, actor models need additional assumptions, especially so-called bridge assumptions, for filling in the relatively empty theory of action. Among the latter, assumptions on human goals are most important. Economists often deal with these assumptions in an ad hoc manner, and sociologists often suggest the purely empirical (i.e. atheoretical) assessment of human goals and expectations. In this article, both positions are rejected in favor of bridge assumptions that are "theory rich", mainly because otherwise neither theory-guided operationalization and measurement nor an adequate analysis of substitution effects is possible.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Siegwart Lindenberg, Rijksuniversiteit Groningen, Sociologisch Instituut (ICS), Gr. Rozenstraat 31, NL-9712 GC Groningen
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AUTOR: Emrich, Eike; Papathanassiou, Vassilios und Pitsch, Werner
TITEL: Klettertechnik für Aufsteiger.
UNTERTITEL: Seilschaften als soziales Phänomen.
ENGL. TITEL: Climbing Techniques for Social Climbers: Rope-teams as a Social Phenomenon.
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 48, 1996, S. 141-155.
ZUSAMMENFASSUNG: Die Integration der ehemaligen DDR hatte zur Folge, daß "Seilschaft" zum viel benutzten Schlagwort wurde. Ist es in diesem Zusammenhang vor allem auf alte SED/PDS-Kader im Transformationsprozeß bezogen, wurde der Begriff hier erweitert auf Typen informeller sozialer Beziehungen mit dem Ziel des sozialen Aufstiegs unter Nutzung partiell illegaler Mittel. Somit bezeichnet "Seilschaft" soziale Netzwerke besonderer Qualität und ist daher nur einer handlungsbezogenen Analyse in der Langsicht zugänglich. Der besondere Typus der sozialen Beziehung wird illustriert mittels eines Fallbeispiels, das aus intensiver und langjähriger beobachtender Teilnahme der Verfasser erschlossen wurde. Im Zentrum der Betrachtung stehen Machtbildungsprozesse sowie Techniken zur Sicherung und Ausweitung von Macht- und Statuschancen nicht zuletzt durch Tausch von Machtressourcen in formalen Organisationen und/oder Institutionen. In besonderem Maß spiegeln dabei Seilschaften das Überleben reziprozitätsorientierter archaischer Handlungsweisen und Verhaltensmuster wider.
ABSTRACT: As a result of the integration of the former German Democratic Republic within the Federal Republic of Germany, the term "rope-team" has become a frequently used catchword. While it refers in this context especially to the former elite of the Socialist Unity Party (SED)/ Party of Democratic Socialism (PDS) in the process of transformation, it has now been extended to certain types of informal social relations aiming at social advancement even by using partly illegal methods. To such an extent the term "rope-teams" describes social networks of a special quality. They are only explainable by means of a long-term examination of behaviour. This special type of social relationship is illustrated with the help of a prime example, which resulted from an intensive and long-standing participant observation by the authors. In the centre of the examination there are processes and techniques which serve to protect and extend power and status opportunities not least by exchanging power resources within the structure of formal organizations and/or institutions. To a certain extent rope-teams are reflecting the survival of reciprocity oriented primitive behaviour patterns.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Eike Emrich, Dr. Vassilios Papathanassiou, Werner Pitsch, Universität des Saarlandes, SWI, D-66123 Saarbrücken
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