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Zusammenfassungen und English Summaries der Aufsätze in Heft 2, Jg. 48, 1996

AUTOR: Diewald, Martin; Huinink, Johannes und Heckhausen, Jutta

TITEL: Lebensverläufe und Persönlichkeitsentwicklung im gesellschaftlichen Umbruch. Kohortenschicksale und Kontrollverhalten in Ostdeutschland nach der Wende

ENGL. TITEL: Life Histories and Developmental Control in Times of a Macrosocial Rupture: The Case of Different Birth Cohorts in the East German Transformation Process

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 48, 1996, S. 219-248.

ZUSAMMENFASSUNG: Die Transformation der ehemaligen DDR zu einem Teil der Bundesrepublik zeigt exemplarisch, wie individuelle Lebensverläufe durch institutionelle Vorgaben und gesellschaftlichen Wandel beeinflußt werden. Dies schließt auch die individuelle Entwicklung auf der Ebene der Persönlichkeit mit ein. Untersucht werden in diesem Beitrag primäre sowie sekundäre Kontrollstrategien, Kontrollüberzeugungen sowie das Selbstwertgefühl. Die Erhebung dieser Konstrukte war Bestandteil einer 1993 durchgeführten Zusatzbefragung der Studie "Lebensverläufe und historischer Wandel in der ehemaligen DDR" des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung (Geburtsjahrgänge 1929-31, 1939-41, 1951-53 und 1959-61). Die Ergebnisse zeigen, daß insbesondere die zum Zeitpunkt der Wende etwa Fünfzigjährigen im Transformationsprozeß vor Probleme gestellt werden, die zu Kontrollverlusten, niedrigen Selbstwirksamkeitseinschätzungen und infolgedessen auch zu einem geringeren Selbstwertgefühl führen. Dies ist zum Teil ihrer prekären Lage auf dem Arbeitsmarkt geschuldet, die in Kontrast zu ihren vergleichsweise guten Karrierechancen zu Zeiten der DDR stehen. Aber auch über die derzeitige Beschäftigungssituation hinausreichend scheinen diese Jahrgänge vergleichsweise geringe Chancen zu sehen, ihr Leben aktiv den neuen Verhältnissen anpassen und ihren hergebrachten Status bewahren zu können.

absTRACT: The transformation of the former GDR into a part of the Federal Republic of Germany after 1989 is considered here as an example of individual life courses being shaped to a high degree by societal and historical conditions. We focus here on the interplay between individual life histories (before and after 1989) of different birth cohorts on the one side and developmental control on the other, considering primary and secondary strategies of developmental control, control beliefs, and self-esteem. Special attention is dedicated to the question whether the control beliefs, which are assumed to be quite stable over the adult life course, are indeed stable when confronted with radical social change, and whether the interplay between primary and secondary control still follows the age-related theories of life span development. We apply data of the study "Life Courses and Historic Change in the Former GDR", carried through at the Max Planck Institute for Human Development and Education (four birth cohorts: 192931, 193941, 195153 and 195961). Results give evidence for changing living conditions and a devaluation of formerly accumulated resources leading to lower levels of internal control beliefs, primary control, and a lowered self-esteem especially for the birth cohort 1939-41. This is partly due to their comparably bad labour market situation now compared to the relatively good career chances they experienced before 1989, but even beyond that the members of this cohort show evidence for a collective, comprehensive loss of future perspectives.

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Martin Diewald, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Lentzeallee 94, D-14195 Berlin, E-mail: diewald@mpib-berlin.mpg.de; Prof. Dr. Johannes Huinink, Universität Leipzig, Institut für Soziologie, Augustusplatz 9, D-04109 Leipzig; Dr. Jutta Heckhausen, Stanford Center for Advanced Study in the Behavioral Sciences, 202 Junipero Serra Boulevard, Stanford, CA 93305, USA

AUTOR: Handl, Johann

TITEL: Hat sich die berufliche Wertigkeit der Bildungsabschlüsse in den achtziger Jahren verringert? Eine Analyse der abhängig erwerbstätigen, deutschen Berufsanfänger auf der Basis von Mikrozensusergebnissen

ENGL. TITEL: Have Occupational Returns on Educational Credentials Lowered in the Eighties? An Analysis of German Employees in First Job on the Basis of Microcensus-Data

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 48, 1996, S. 249-273.

ZUSAMMENFASSUNG: In der Literatur ist umstritten, in welchem Umfang die Bildungsexpansion, die seit den 60er Jahren zu einer deutlichen Zunahme der Zahl von formal höher qualifizierten Personen führte, auch von einer Veränderung der beruflichen Chancenstrukturen begleitet war. Es finden sich theoretische und empirische Argumente und Belege sowohl für wie auch gegen die These einer "Entwertung von Bildungsabschlüssen" und einer Erosion der "statusverteilenden Funktion" des Bildungssystems. An Hand der Mikrozensusdaten aus den Jahren 1982 und 1989 soll vor dem Hintergrund der Entwicklung von den 50er bis zu den 70er Jahren der Nachweis erbracht werden, daß sich in den 80er Jahren die "Verwertungschancen" schulischer Zertifikate, im Sinne des mit ihnen verknüpften Vorteils im Zugang zu den jeweils höheren beruflichen Positionen in der Beschäftigungshierarchie, verringert haben.

absTRACT: Up to now it is not clear, if the expansion of educational opportunities, which resulted in a growing number of persons with higher educational credentials has been followed by changing occupational opportunities. In the recent research literature theoretical arguments and empirical research results could be found, which sustain and oppose against the thesis "of a devaluation of educational degrees" and "of a reduction of the status distributive functions of the educational system". Analyzing data from the Microcensus 1982 and 1989 with logit and log-multiplicative models, it is investigated if the returns of educational credentials have devaluated in terms of the advantages of the better educated to start their occupational career in a higher job position. This analysis is carried out in the context of an investigation of the changes of educational returns between the fifties and seventies.

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Johann Handl, Universität Mannheim, Fakultät für Sozialwissenschaften, Seminargebäude A5, D-69131 Mannheim

AUTOR: Graff, Michael

TITEL: Zur Bedeutung der Bildung im Prozeß der wirtschaftlichen Entwicklung

ENGL. TITEL: On the Contribution of Education to Economic Development

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 48, 1996, S. 274-295.

ZUSAMMENFASSUNG: Zahlreiche empirische Untersuchungen belegen eine positive Korrelation von Bildung und wirtschaftlicher Entwicklung; über die zugrunde liegenden Wirkungszusammenhänge ist jedoch nur wenig bekannt. Insbesondere wird bezweifelt, daß die ärmeren Länder in Bildung auf höheren Niveaus investieren sollten. Zur Klärung dieser Frage werden in einer Querschnittsregression über 75 Länder neben den wichtigsten der aus der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Theorie folgenden Wachstumsdeterminanten - der Akkumulation des Sachkapitals, dem technischen Fortschritt, dem Entwicklungsstand und der handelspolitischen Offenheit - differenzierte Angaben zum Bildungsstand herangezogen. Dabei zeigt sich, daß Anstrengungen zur Bildung auf den höheren Niveaus auch für die ärmeren Länder von Nutzen sind, sofern sie nicht mit starken 'Bildungsungleichgewichten' einhergehen und auf Kosten der elementaren Bildungsniveaus erfolgen.

ABSTRACT: Numerous empirical studies show a positive correlation between education and economic development. However, little is known about the underlying processes, and while a contribution of primary and secondary education to economic development is generally acknowledged, many critics argue that the poorer countries may gain nothing from investing in tertiary education. To shed more light on this question, this study draws on regressions of the growth rate of per capita income on different variables for educational attainment, as well of course as referring the the other most important growth factors (accumulation of physical capital, technical progress, the possibility of 'catching up', and a country's openness to trade). Based on a data-set covering 75 countries from 1960-1990, it is shown that tertiary education in less developed countries has a significant impact on economic development, provided that there are no 'educational imbalances'.

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Michael Graff, TU Dresden, Fakultät Wirtschaftswissenschaften, D-01062 Dresden

AUTOR: Reuband, Karl-Heinz, und Blasius, Jörg

TITEL: Face-to-face-, telefonische und postalische Befragungen. Ausschöpfungsquoten und Antwortmuster in einer Großstadt-Studie

ENGL. TITEL: Telephone and Mail Surveys. Response Rates and Responses in a Large German City

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 48, 1996, S. 296-318.

ZUSAMMENFASSUNG: Untersucht werden die Effekte unterschiedlicher Datenerhebungsverfahren auf Ausschöpfungsquoten und Antwortmuster. Grundlage sind Zufallsstichproben aus dem Einwohnermelderegister der Stadt Köln. Befragt wurden 555 Personen face to face, 362 telefonisch und 308 postalisch (nach dem dillman Verfahren). Die größte Ausschöpfungsquote - mit einem Wert von 90 Prozent - erreicht die telefonische Befragung, gefolgt von der postalischen und der face to face Befragung (mit jeweils 71 Prozent). Nennenswerte Auswirkungen der Erhebungsverfahren auf das Antwortverhalten ergeben sich nicht, auch nicht bei sensitiven Fragen (hier gemessen an Fragen zur eigenen Delinquenz bzw. Delinquenzbereitschaft). Lediglich beim Haschischkonsum lassen sich tendenzeille - wenn auch statistisch nicht signifikante - Unterschiede feststellen: er wird von den jüngeren Befragten in der postalischen Befragung am häufigsten, in der telefonischen Befragung am seltensten eingestanden.

ABSTRACT: The article focuses on the effects of different methods of data collection on response rates and substantive answers. The study is based on a random sample of the population of Cologne, drawn from the city registry. 555 persons were interviewed face to face, 362 by telephone and 308 by mail (according to the Dillman design). The largest response rate - about 90% - was achieved by the telefone survey, followed by the mail and face to face survey (with 71% each). Noteworthy effects of the three data collection methods on responses were not found, not even with regard to sensitive question (on self reported delinquency and willingness to engage in it). Only in case of cannabis use there is a tendency - albeit not statisticially significant - for the younger respondents to admit it most often in mail survey, the lowest rate is found here using telefone survey data.

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Karl-Heinz Reuband, Institut für Soziologie der Technischen Universität Dresden; Dr. Jörg Blasius, Zentralarchiv für Empirische Sozialforschung der Universität zu Köln

AUTOR: Geißler, Rainer

TITEL: Kein Abschied von Klasse und Schicht. Ideologische Gefahren der deutschen Sozialstrukturanalyse

ENGL. TITEL: No Break with Classes. Ideological Dangers of the Social Structure Analysis in Germany

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 48, 1996, S. 319-338.

ZUSAMMENFASSUNG: Der Beitrag ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem main stream der deutschen Sozialstrukturanalyse seit dem Beginn der 80er Jahre. Es wird gezeigt, daß die Vorstellung, die moderne Wohlfahrtsgesellschaft verabschiede sich von ihren Schichten und Klassen, ein Irrtum ist und daß die Neuorientierung der deutschen Sozialstrukturforschung inzwischen zu neuen Einseitigkeiten führt. Es besteht die Gefahr, daß wichtige fortbestehende Ungleichheitsstrukturen unterschätzt, übersehen und damit ideologisch verschleiert werden. Der Beitrag ist dreigeteilt: Im ersten Teil werden die Besonderheiten des "main streams" kurz skizziert und theoretisch-methodologisch kritisiert. Die Kritik wird im zweiten Teil mit ausgewählten empirischen Daten aus der Bundesrepublik untermauert. Diese belegen die fortbestehenden Schicht- und Klassenstrukturen an den Beispielen von Bildungschancen, der politischen Teilnahmechancen und der Kriminalitäts- und Kriminalisierungsgefahren. Im dritten Teil werden wichtige Besonderheiten der modernen Schicht- und Klassenstruktur in fünf prägnanten Hypothesen zusammengefaßt.

ABSTRACT: This article presents a critical discussion of the main stream which has dominated social structure analysis in Germany during the last ten years. It shows that the idea of classes having disappeared in modern society is misleading. The so-called "new approaches" of social structure analysis lead to a one-sided, sometimes ideological perspective which neglects or even overlooks social inequalities continuing to exist in Germany. The first part of the article outlines and criticizes the main stream from a theoretical and methodological point of view. The second part presents selected empirical data on the inequality of the chances of educational opportunities, of participation and of criminalization. The data prove that important elements of class structure are still existing in Germany. The third part describes five important particularities of modern class structure.

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Rainer Geißler, Universität-Gesamthochschule, FB1/Sozialwissenschaften, Adolf-Reichwein-Str. 9, 57068 Siegen

AUTOR: Müller-Benedict, Volker

TITEL: Die spezifische Erklärungskraft von Schwellenwert-Modellen

UNTERTITEL: Anmerkungen zu Norman Brauns Artikel in KZfSS 46, 1994: 492-500

ENGL. TITEL: The Explanatory Power of Threshold Models

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 48, 1996, S. 339-352.

ZUSAMMENFASSUNG: Der individuelle Schwellenwert läßt sich definieren als der Anteil derjenigen aus dem sozialen Umfeld, die eine bestimmte Handlung vollziehen müssen, damit sich das Individuum dieser Handlung anschließt. Die spezifische Erklärungskraft von Schwellenwert-Modellen liegt darin, daß minimal unterschiedliche individuelle Schwellenwerte im nichtlinearen dynamischen Entscheidungsprozeß zu maximal verschiedenen kollektiven Ergebnissen führen können. Mit diesem Effekt wird hier der Verlauf der Leipziger Montagsdemonstrationen, die die Wende in der DDR entscheidend beeinflußten, in einem Modell erklärt. Kritisiert werden dabei andere Verwendungen des Schwellenwert-Modells zur Erklärung dieser Demonstrationen.

ABSTRACT: The individual threshold can be defined as the proportion of others in the social environment, who had to perform a certain action before the person decides to act him/herself. The particular explanatory power of threshold models lies in the fact that minimally different individual thresholds can have an outcome of largely different collective results by the nonlinear dynamic process of individual decision-making. This effect explains the course of the "Leipziger Montags-Demonstrationen", which significantly influenced the revolution in the GDR. Earlier applications of threshold models, which also explain these demonstrations, are criticized.

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Volker Müller-Benedict, Soziologisches Seminar, Georg-August-Universität, Platz der Göttinger Sieben 3, D-37073 Göttingen, E-Mail: VBENEDI@GWDG.DE


Datei aktualisiert am 31.03.2000 in der Redaktion der KZfSS
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