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Zusammenfassungen und English Summaries
Heft 3, Jg. 48, 1996

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AUTOR: Wimmer, Andreas

TITEL: Kultur. Zur Reformulierung eines sozialanthropologischen Grundbegriffs

ENGL. TITEL: Culture. Towards a Reformulation of a Basic Anthropological Concept

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 48, 1996, S. 401-425.

ZUSAMMENFASSUNG: Sowohl in den Sozialwissenschaften als auch in der breiteren Öffentlichkeit erlebte der traditionelle ethnologische Kulturbegriff im letzten Jahrzehnt eine eigentliche Renaissance. In der fachinternen Diskussion dagegen wurde seit den fünfziger Jahren Abstand von einem holistischen und essentialisierenden Kulturverständnis genommen, weil unter diesen Vorzeichen die Probleme der intrakulturellen Variation, der Machtgebundenheit des Kulturellen, des kulturellen Wandels sowie der Konzeptualisierung individuellen Handelns als unlösbar erschienen. Im Hauptteil des Artikels wird ein Begriff von Kultur als eines instabilen, offenen Prozesses des Aushandelns von Bedeutungen entwickelt, der bei einer Konsensfindung zur Stabilisierung der Bedeutungshorizonte und zu entsprechenden Prozessen sozialer Schließung führt. Im Anschluß daran gilt es zu zeigen, inwiefern sich mit dieser Reformulierung die Schwierigkeiten des klassischen Kulturbegriffs überwinden lassen. Abschließend werden die Implikationen diskutiert, welche ein konfliktorientierter Kulturbegriff für die Stellung der Ethnologie in der politischen Öffentlichkeit sowie im Feld wissenschaftlicher Disziplinen hat.

ABSTRACT: Since a decade, a revival of the traditional ethnological concept of culture can be observed in the social sciences as well as in the larger public. In anthropological discourse, however, the holistic theory of culture has long been abandoned, because of the problems of intra-cultural variation, of power, of cultural change and individual action. In the main part of the article I will develop an understanding of culture as an unstable, open process of negotiating meaning, which leads, if a consensus can be found, to a stabilization of symbolic systems and corresponding processes of social closure. This reformulation allows to solve much of the problems of the classic concept, as will be shown in the following section. The concluding part discusses the implications that a conflict-oriented concept of culture has for the role of ethnology in the public sphere and in the field of scientific disciplines.

KORRESPONDENZANSCHRIFT: PD Dr. Andreas Wimmer, Schweizerisches Forum für Migrationsstudien an der Universität Neuchâtel, Rue des Terreaux 1, CH-2001 Neuchâtel.

AUTOR: Becker, Rolf, und Schömann, Klaus

TITEL: Berufliche Weiterbildung und Einkommensdynamik. Eine Längsschnittstudie mit besonderer Berücksichtigung von Selektionsprozessen

ENGL. TITEL: Further Education and Income Dynamics. A Longitudinal Study Considering Social Selectivity

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 48, 1996, S. 426-461.

ZUSAMMENFASSUNG: In dieser empirischen Studie werden Einflüsse von beruflicher Weiterbildung auf Einkommensverläufe untersucht. Daten der Lebensverlaufsstudie am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin werden herangezogen, die für Männer und Frauen in den Kohorten 1929-31, 1939-41 und 1949-51 detaillierte Informationen über alle Zustände und Änderungen im Bildungs- und Berufsverlauf mit genauen Zeitangaben enthalten. Um die soziale Selektivität, Dynamik und Zeitabhängigkeit von Weiterbildungschancen zu berücksichtigen, wird der gesamte Prozeß der Beteiligung an Weiterbildung in die Schätzungen von Einkommensveränderungen integriert. Die Messung der Weiterbildung anhand von Übergangsraten hat gegenüber anderen Operationalisierungen den Vorteil einer valideren Kontrolle des Weiterbildungseffektes und präziseren Abbildung von Selektionsprozessen. Männer können mit einer Weiterbildung bei innerbetrieblichen Tätigkeitswechsel höhere Einkommenszuwächse erzielen als Nichtteilnehmer. Mit Weiterbildung können Frauen vor allem bei zwischenbetrieblichen Wechseln oder in ein und demselben Arbeitsplatz signifikante Einkommensverbesserungen realisieren. In der jüngeren Gegenwart sind wie die Ausbildungsrenditen auch die Weiterbildungsrenditen gesunken.

ABSTRACT: This longitudinal study analyses the impact of further education on the dynamics of labour earnings. We use longitudinal data from of the German Life History Study which provides detailed information on educational trajectories and occupational careers of men and women of the birth cohorts 1929-31, 1939-41 and 1949-51. Considering social selection, dynamics and time dependency of the chances for participation in further education, the complete selection process of participation in further education is integrated into the multivariate estimates. The effects of further education on incomes is measured in a first step by hazard rates for transition into further eduction. The advantages of such an approach is the valid control of further training effects as well as the exact measurement of selection processes. Further education increases men's income significantly if they change jobs within firms. For women, further education is favourable for their incomes if they change employers. In contrast to men, they can realize significant increases in their earnings within the same job via further education. However, the returns from further education has decreased significantely over time for both men and women.

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Rolf Becker, Technische Universität Dresden, Institut für Soziologie, Helmholtzstraße 8, D-01062 Dresden; Dr. Klaus Schömann, Wissenschaftszentrum für Sozialforschung zu Berlin, Forschungsschwerpunkt I "Arbeitsmarkt und Beschäftigung", Reichpietschufer 50, D-10785 Berlin

AUTOR: Pfau-Effinger, Birgit

TITEL: Analyse internationaler Differenzen in der Erwerbsbeteiligung von Frauen. Theoretischer Rahmen und empirische Ergebnisse

ENGL. TITEL: Analyzing International Differences of Female Participation in Employment. Theoretical Framework and Empirical Evidence

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 48, 1996, S. 462-492.

ZUSAMMENFASSUNG: Der Aufsatz befaßt sich mit der Frage nach einem theoretischen Ansatz, der sich dazu eignet, internationale Differenzen in den Erwerbsmustern von Frauen zu erklären und zu typisieren. An den bisher vorliegenden Ansätzen wird kritisiert, daß sie zu einseitig die institutionellen Bedingungen als Erklärung anführen. Es wird ein theoretischer Rahmen für die vergleichende Analyse vorgestellt, der auf der Basis des Begriffs des "Geschlechter-Arrangements" den komplexen Zusammenhang von kulturellen und institutionellen Rahmenbedingungen konzeptionalisiert, die Rolle gesellschaftlicher Akteure einbezieht und die Bedeutung von gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen für Prozesse des Wandels in der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung betont. Diese Theorie bildet auch die Grundlage für ein Modell zur Klassifizierung von Geschlechter-Arrangements. Es werden vier geschlechterkulturelle Modelle vorgestellt, die im westeuropäischen Kontext von Bedeutung sind. Dieser theoretische Rahmen wird als Grundlage für die Analyse von Unterschieden in der Entwicklung der Erwerbsbeteiligung und der Teilzeitbeschäftigung von Frauen in den Niederlanden, in West-Deutschland und in Finnland herangezogen. Als Ergebnis der Analyse wird hervorgehoben, daß vor allem soziokulturelle Bedingungen, darüber hinaus aber auch Unterschiede in der Art und Weise, in der sich die staatliche und betriebliche Politik und das Handeln kollektiver Akteure auf den kulturellen Wandel beziehen, von Bedeutung für die Erklärung von Differenzen sind, weil diese Faktoren einen Einfluß darauf haben, wie schnell veränderte kulturelle Leitbilder auf breiter Basis in eine entsprechende soziale Praxis umgesetzt werden.

ABSTRACT: A theoretical framework to analyse cross-national differences in the labour force participation of women is proposed which is based on the notion of a"gender arrangement". Previous explanatory approaches usually emphasized the importance of the policies of the welfare state. With the notion of "gender arrangements" the complex interrelations between cultural and institutional conditions are conceptualized and the importance of societal actors and of negotiation processes for change in the gendered division of labour are stressed. A classification of gender arrangements is developed; four different types of gender cultural models are important in the Western European context. The theoretical framework is applied to an analysis of differences in the development of the labour force participation and of part-time work of women in Finland, the Netherlands and West Germany in the last decades. It is argued that the observed differences can be explained primarily by socio-cultural factors. Moreover, differences in the way the policies of the state, of firms and of collective actors refer to changes in gender culture are important because of their impact on the space of time that is needed to realize new cultural ideals to a substantial degree in practice.

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Birgit Pfau-Effinger, Universität Bremen, ZWE Arbeit und Region, Parkallee 39, D-28209 Bremen

AUTOR: Wagner, Michael, und Motel, Andreas

TITEL: Die Qualität der Einkommensmessung bei alten Menschen

ENGL. TITEL: The Reliability and Selectivity of Income Measures of the Elderly in Social Surveys

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 48, 1996, S. 493-512.

ZUSAMMENFASSUNG: In diesem Beitrag wird untersucht, wie zuverlässig Einkommensmessungen bei alten Menschen in sozialwissenschaftlichen Umfragen sind und inwieweit die Nennung des Einkommens sozial selektiv erfolgt. Es wird angenommen, daß das Antwortverhalten in Interviews von dem Informationsniveau der Befragten, der Anwesenheit Dritter sowie Normen sozialer Erwünschtheit abhängig ist. Die Untersuchung basiert auf einer West-Berliner Stichprobe von über 70jährigen Personen, die im Rahmen der Berliner Altersstudie (BASE) gewonnen wurde. Die Zuverlässigkeit der Einkommensmessung wird nach dem Test-Retest-Verfahren bestimmt. Die Ergebnisse zeigen, daß soziale Erwünschtheit für die Einkommensmessung bei alten Menschen nur teilweise bedeutsam ist. Dagegen spielt das Informationsniveau über finanzielle Ressourcen eine große Rolle. So werden von Frauen und Personen mit kognitiven Einschränkungen häufig keine Angaben zum Einkommen gemacht. Die Anwesenheit Dritter während des Interviews reduziert die Selektivität, und die Haushaltsgröße wirkt sich negativ auf die Zuverlässigkeit von Messungen des Haushaltseinkommens aus.

ABSTRACT: This study examines the reliability and selectivity of income measures of the elderly in social surveys. It is claimed that the respondents' level of information, the presence of a third person during the interview, and social desirability norms affect the quality of income measurement. The study uses a sample of West Berlin citizens that are 70 years and older. The sample is part of the interdisciplinary Berlin Ageing Study (BASE). The reliability of income measures is assessed by a test-retest procedure. Results show that social desirability does not play an important role for the quality of income measures. However, the level of information about financial resources is related to the selectivity of income measures. Women and the cognitive impaired elderly less often report their income. The presence of a third person during the interview decreases selectivity, but living in a large household results in less reliable income measures.

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Michael Wagner, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Lentzeallee 94, D-14195 Berlin; Andreas Motel, Institut für Soziologie, FU-Berlin, Babelsberger Straße 14-16, D-10715 Berlin

AUTOR: Schäfer, Erich

TITEL: Aktivierung und Nutzung menschlicher Ressourcen. Welchen Beitrag können die Sozialwissenschaften zum Lean Management leisten?

ENGL. TITEL: Activating and Utilizing Human Resources. How Can Social Sciences Contribute to Lean Management?

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 48, 1996, S. 513-533.

ZUSAMMENFASSUNG: Ungeachtet der Popularisierung von Lean Management im Rahmen praktischer Organisationsentwicklung liegen bisher kaum systema-tische Analysen zum Wirkungsgefüge der Maßnahmen vor. Im vor-liegenden Beitrag werden zunächst Entscheidungszentralisierung, individuelle Handlungsspielraumverengung, organisationale und psychosoziale Komplizierung der betrieblichen Abläufe und andere mögliche Folgen tayloristischer Unternehmensführung als Ansatzpunkte für Lean Management dargestellt. Durch die Verknüpfung von Maßnahmenbündeln zur Verbesserung von Kundenorientierung, Ablauf- und Aufbauorganisation und Qualität mit Formen partizipativer und ganzheitlicherer Arbeitsgestaltung versucht Lean Management, stra-tegisch die Produktivität und Ertragskraft des Unternehmens zu vergrößern. Obwohl sich vielfach ein Bezug zur bisherigen sozial-wissenschaftlichen Forschung herstellen läßt, stehen sowohl fun-dierte theoretische Analysen als auch empirische Untersuchungen sozialpsychologischer Fragen im Rahmen schlanker Unternehmensführung bzw. darauf abzielender Interventionsmaßnahmen aus. Es wird auf einige Problemstellungen hingewiesen, aus deren systematischer Untersuchung hilfreiche Informationen und Erkenntnisse für eine kompetente Beratung und Unterstützung entsprechender Organisationsentwicklungsmaßnahmen zu erwarten sind.

ABSTRACT: Despite the widespread reference to lean management in context of practical organizational development there are very few systematic studies on the causal structure of measures. This article first explains centralization of decision making, minimization of the individual scope of action, organizational and psychosocial complication of processes, and other possible effects of tayloristic management as points to start lean management. Connecting sets of measures to facilitate orientation towards customer, reorganisation of structure and processes, and conti-nuous improvement of quality with development of more participa-tive and entire working conditions lean management tries to in-crease productivity and profits. Allthough there can be referred to traditional research in social sciences both sound theoretical analyses and empirical studies on concrete psychological questions in context of lean management or appropriate ways of intervention are missing. There are indicated some problem areas, the systematic study of which could yield helpful information and knowledge in order to consult and support relevant measures in a competent manner.

KORRESPONDENZANSCHRIFT:Dr. Erich Schäfer, Eysseneckstr. 23, D-60322 Frankfurt a.M.

AUTOR: Witte, Erich H.

TITEL: Wertewandel in der Bundesrepublik Deutschland (West) zwischen 1973 und 1992: Alternative Interpretationen zum Inglehart-Index

ENGL. TITEL: Value Change in the Federal Republic of Germany (West) Between 1973 and 1992: An Alternative Interpretation of the Inglehart-Index

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 48, 1996, S. 534-541.

ZUSAMMENFASSUNG: Angeregt durch eine Publikation von Markus Klein in dieser Zeitschrift (KZfSS, Heft 2, 47, 1995, S. 207-230) wurden die Ergebnisse des Wertewandels in der Bundesrepublik Deutschland (West) im Zeitraum von 1973 bis 1992, gemessen mit dem Ingelhart-Index, nachgeprüft. Es wurde a) ein statistisches Modell der Erwartungsverteilung bei der gewählten Meßvorschrift ohne systematischen Einfluß einer Wertpräferenz herangezogen, b) zum anderen die Arbeitslosenquote und die Inflationsrate als objektive Beurteilungen der "gesellschaftlichen Verhältnisse". Nach diesen beiden Maßstäben zeigt sich, daß nur ein relativer Wertewandel in einer kurzen Zeitperiode stattgefunden hat. Ein absoluter Wertewandel ist nie zu beobachten gewesen, wenn man den Inglehart-Index verwendet. Ferner beträgt die multiple Korrelation zwischen Materialisten und den beiden objektiven Indikatoren R = 0.90 und zwischen Postmaterialisten und den beiden objektiven Indikatoren R = 0.88. Offensichtlich mißt der Inglehart-Index die Werteinstellungen und nicht die fundamentalen Wertorientierungen; wenn dies so ist, muß auch die theoretische Diskussion zu dem beobachteten Phänomen verändert werden.

ABSTRACT: By a shortly published article of Markus Klein (1995) I was pushed to reanalyze the data of the Inglehart-Index between 1973 and 1992 in the old FRG. The first step was to interpret the percentages of the pure values types POSTMAT, MAT and the mixed types in connexion with a random model as a baseline of expected percentages. The second step was to identify the amount of variance determined by the rate of unemployees and the inflation rate as the objective indices and the pure types of the Inglehart-Index. Concerning the first intention there is the strong impression that we never had an absolute value change, only a relative during a small period. The second analysis clearly shows that the Inglehart-Index is nothing else than a subjective interpretation of the objective indices, because the multiple correlation between the two objective indices and both pure types was R= 0.90 (MAT) and R= 0.88 (POSTMAT). There is no measurement of a deep value orientation, the Inglehart-Index reflects the attitude about the economic condition.

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Erich Witte, Universität Hamburg, Psychologisches Institut I, Von-Melle-Park 6, 20146 Hamburg

AUTOR: Kelle, Udo, und Lüdemann, Christian

TITEL: Theoriereiche Brückenannahmen? Eine Erwiderung auf Siegwart Lindenberg

ENGL. TITEL: Are Theory-rich Bridge Assumptions Worthwhile? A Reply to Siegwart Lindberg

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 48, 1996, S. 542-545.

ZUSAMMENFASSUNG: In dieser Erwiderung auf Siegwart Lindenbergs Beitrag (Heft 1/1996) zu unserem Aufsatz (Heft 2/1995) machen wir deutlich, daß wir weder induktive logische Schlüsse propagieren, noch eine naiv empiristische Position der Entwicklung von Theorien auf der Basis von Datenmaterial vertreten. Wir kritisieren Lindenbergs unzweckmäßige Ausweitung des Theoriebegriffs und zeigen, daß seine Theorie sozialer Produktionsfunktionen genau das nicht leistet, was er von dieser Theorie fordert, nämlich "Vorhersagen darüber, wie und was Menschen in einer bestimmten Situation substituieren."

ABSTRACT: This paper is a comment on an article by Lindenberg refering to our paper on bridge assumptions. In this comment we underline that we do not propose inductive inferences or claim for a naive empiristic position. We criticize Lindenberg for an inadequate extending of the notion "theory" and demonstrate that his theory of social productions functions does not satisfy Lindenberg's own crucial requirement for his theory i.e. predicting how people substitute between different instrumental goals in a situation.

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Udo Kelle, Universität Bremen, Sfb 186, Bereich Methoden/EDV, Wiener Straße, D-28359 Bremen; Dr. Christian Lüdemann, Georg-Gröning-Str. 14, D-28209 Bremen

AUTOR: Opp, Karl-Dieter, und Friedrichs, Jürgen

TITEL: Brückenannahmen, Produktionsfunktionen und die Messung von Präferenzen

ENGL. TITEL: Bridge Propositions, Production Functions and the Measurement of Preferences

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 48, 1996, S. 546-559.

ZUSAMMENFASSUNG: In der Debatte über die Verbindung der Mikro- mit der Makroebene in der Rational Choice Theorie hat Lindenberg (1996) eine "starke" Theorie vorgeschlagen, um Präferenzen zu messen und diese der "schwachen" Messung z.B. durch Kelle und Lüdemann (1995), entgegengestellt. Wir kritisieren die beiden zentralen Argumente von Lindenberg. Zum ersten die Annahme zweier "letzter" Werte, Wohlbefinden und soziale Anerkennung. Diese Annahme ist willkürlich, längst von der Werte-Forschung als Irrweg erkannt worden und führt zudem, wie wir demonstrieren, zu logischen Widersprüchen. Statt dessen wird vorgeschlagen, Anschlußtheorien zu formulieren, die die Varianz der Terme der SEU-Theorie, subjektive Wahrscheinlichkeiten und Nutzen/Kosten, erklären. Wir weisen auch die zweite Annahmen von Lindenberg zurück, Präferenzen empirisch zu erheben sei ein "schwaches" Vorgehen. Es läßt sich aber zeigen, daß nur durch eine explorative Erhebung der Nutzen/Kosten eine gegebene Entscheidungssituation derart konstruiert werden kann, daß sie in Interview vorgelegt werden und die Befragten sie nachvollziehen können.

ABSTRACT: In a recent debate in this journal (Kelle and Lüdemann, 1995; Lindenberg, 1996) over propositions relating the micro to the macro-level in rational choice theory, Lindenberg has suggested a "strong theory". We contend his criticism of empirical exploration of preferences as being a "weak theory". In contrast, we argue that his two "final" values, well-being and social approval, are (a) arbitrary, (b) have long been refuted by scholars of research on values and value hierarchies, (c) demonstrate that this position results in logically confusing results. Instead, we suggest to develop theories explaining the variance of all SEU-terms, both subjective probabilities and utilities/costs. We refute as well his second main argument, pertaining to the empirical measurement of preferences. We show that any set of utilities relevant to a given decisison situation has to be elicited in exploratory studies, in order to secure full understanding of the decision situation presented to the respondents in the main study. Moreover, we posit that this type of methodology is both feasible and leads to more reliable measurement.

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Karl-Dieter Opp, Institut für Soziologie, Universität Leipzig, Augustusplatz 9, D-04109 Leipzig; Prof. Dr. Jürgen Friedrichs, Forschungsinstitut für Soziologie, Universität zu Köln, Greinstr. 2, D-50939 Köln

AUTOR: Lindenberg, Siegwart

TITEL: Theoriegesteuerte Konkretisierung der Nutzentheorie. Eine Replik auf Kelle/Lüdemann und Opp/Friedrichs

ENGL. TITEL: Theory-driven Specifications of Utility Theory. A Reply to Kelle/Lüdemann and Opp/Friedrichs

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 48, 1996, S. 560-565.

ZUSAMMENFASSUNG: In der Nutzentheorie kann man Annahmen über Präferenzen und Restriktionen nicht einfach als empirisch zu erfassende Anfangsbedingungen (also theoriearm) auffassen. Die Nutzentheorie ist ihrem Inhalt nach so abhängig von diesen Zusatzannahmen (d.h. sie ist selbst so leer), daß man Annahme über Präferenzen und Restriktionen mit theoretischer Steuerung (also theoriereich) gewinnen muß. Diese Art Annahmen habe ich Brückenannahmen genannt, weil sie die Kluft von der (relativ) leeren Nutzentheorie zur Realität überbrücken. Kelle, Lüdemann und Opp haben ursprünglich für eine theoriearme Gewinnung von Brückenannahmen plädiert. Wie man aus ihren Kommentaren zu meinem Aufsatz entnehmen kann, sind sie nun selbst ein gutes Stück in Richtung theoriereicher Gewinnung aufgerückt. Das ist für die soziologische Anwendung von Nutzentheorien ein Fortschritt, und es wäre gut, wenn sich jetzt eine breitere und sachliche Diskussion über dieses wichtige Thema entwickeln würde.

ABSTRACT: Assumptions on initial conditions of a theory can be "thin" if they simply allow an application of the theory and are mainly a matter of empirical assessment, or can be "thick" if they are adding decisive content to the theory and if they come about under explicit theoretical guidance (even when they are empirically assessed). I had been arguing in the past that assumptions about preferences and restrictions cannot be thin when we deal with utility theory in sociology. I had called thick assumptions on initial conditions "bridge assumptions" because they bridge the gap between reality and a (relatively speaking) empty utility theory. Kelle/Lüdemann and Opp had originally pushed the view that bridge assumptions should be thin rather than thick. As one can see from their recent comments on my last article in this journal on the matter of bridge assumptions, they have moved a good deal in the direction of thick bridge assumptions. For the sociological use of utility theory, this is a large step forward and it would be good if it were the beginning of a broader and informed discussion on this important matter.

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Siegwart Lindenberg, Rijksuniversiteit, Sociologisch Instituut, Grote Rozenstr. 31, NL-9712 TG Groningen

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Datei aktualisiert am 23.06.2004 in der Redaktion der KZfSS