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Zusammenfassungen und English Summaries
Heft 4, Jg. 48, 1996

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Zu den Kurzbiographien


AUTOR: Pappi, Franz Urban, und Eckstein, Gabriele

TITEL: Die Parteipräferenzen und Koalitionsneigungen der west- und ostdeutschen Wählerschaft

ENGL. TITEL: Party and Coalition Preferences of the West and the East German Electorate

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 48, 1996, S. 631-657.

ZUSAMMENFASSUNG: Anhand von Auswertungen von je zwei Repräsentativbefragungen in beiden Teilen Deutschlands 1994 und 1995 leisten wir einen Beitrag zur Diskussion um die Unterschiede und Angleichungstendenzen der Parteipräferenzen in der ost- und westdeutschen Wählerschaft. Die aus Paarvergleichen abgeleiteten Parteipräferenzprofile ermöglichen differenzierte Aussagen über die Konsistenz und Struktur der Präferenzen sowie über die Koalitionsneigungen der Wählerschaft und über Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Beurteilungskriterien von Parteien. Gemeinsame Beurteilungskriterien stellen eine kollektive Ordnung her, auf die sich Wähler und Parteien beziehen können. Das sichtbarste kollektive Ordnungsmuster ist in Ost- und Westdeutschland die ideologische Links-Rechts-Ordnung mit der PDS als linker Partei, gefolgt von Bündnis '90/Grünen, SPD, CDU/CSU und schließlich der FDP als rechter Partei.

ABSTRACT: Do the West and East German voters use the same criteria for their party judgements? In two representative empirical studies in both parts of Germany 1994 and 1995, we asked pairwise comparative questions about the five main parties. The party preference profiles are the full rank orderings of the five parties including indifference judgements. These profiles yield informations about the structure and the consistency of the individual party preferences. Several hypotheses about the coalition preferences and the criteria of the judgements are derived from these data. These criteria are the foundation of a collective order to which voters and parties can refer in the political discussion. To describe the collective order of the German voter's party preferences, the Kemeny/Snell-metric is introduced for measuring distances between pairwise comparisons. The multidimensional scaling of the distance matrices yields the result, that the ideological left-right ordering is one of the criteria for party preferences in East and West Germany.

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Franz Urban Pappi, Dr. Gabriele Eckstein, Universität Mannheim, Lehrstuhl für Politische Wissenschaft I, Seminargebäude A5, D-68131 Mannheim, E-Mail: FUPappi@sowi.uni-mannheim.de

AUTOR: Szydlik, Mark

TITEL: Ethnische Ungleichheit auf dem deutschen Arbeitsmarkt

ENGL. TITEL: Ethnic Inequalities in the German Labor Market

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 48, 1996, S. 658-676.

ZUSAMMENFASSUNG: In diesem Beitrag geht es im wesentlichen um zwei Fragen: Erstens: In welchem Ausmaß stimmen die beruflichen Kenntnisse und Fähigkeiten von Türken, Jugoslawen, Italienern, Griechen und Spaniern in der Bundesrepublik Deutschland mit den Anforderungen ihrer Arbeitsplätze überein? Welche Unterschiede existieren hierbei zwischen Ausländern und Deutschen, Frauen und Männern und nicht zuletzt zwischen der ersten und zweiten Ausländergeneration? Zweitens: Welche Folgen hat die Übereinstimmung von erworbenen und erforderlichen Qualifikationen für Einkommensungleichheiten? Die empirischen Analysen auf der Basis des sozio-ökonomischen Panels (SOEP) belegen, daß ethnische Minderheiten im Vergleich zu Deutschen besonders häufig von einer inadäquaten Beschäftigung betroffen sind. Dabei zeigen sich Unterschiede zwischen den einzelnen ethnischen Gruppen sowie zwischen Frauen und Männern. Die zweite Generation hat bessere Arbeitsmarktchancen als die erste. Dennoch zieht sie mit den deutschen Arbeitskräften längst nicht gleich. Dies gilt sowohl für den Grad der Übereinstimmung als auch für die entsprechenden Folgen für Einkommensungleichheiten.

ABSTRACT: The paper mainly addresses two questions: 1) To what extent does the qualification of Turks, Yugoslavs, Italians, Greeks and Spaniards in the Federal Republic of Germany fit the requirements of their jobs? What are the corresponding differences between immigrants and Germans, women and men, and last but not least, between the first and the second generation of foreigners in Germany? 2) What are the consequences of a fit of acquired and required qualifications for earned income differences? The empirical analyses, which are based on data from the German Socio-economic Panel (GSOEP), indicate that ethnic minorities have to deal with a higher inapplicability of their qualification in contrast to Germans. Furthermore, there are considerable differences between ethnic groups, as well as between women and men. The second generation faces a better labor market situation than the first generation. Nevertheless, it is far from equal to the German employees. This applies both to the fit and to the corresponding consequences for earned income inequalities.

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Marc Szydlik, Freie Universität Berlin, Institut für Soziologie, Babelsberger Straße 14-16, 10715 Berlin. E-Mail: szydlik@zedat.fu-berlin.de

AUTOR: Anheier, Helmut, und Ohlemacher, Thomas

TITEL: Aktivisten, Netzwerke und Bewegungserfolg. Die Einzelmitglieder der NSDAP, 1925-1930

ENGL. TITEL: Activists, Networks and Movement Success. Single Members of the National Socialist Party of Germany (NSDAP) 1925-1930

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 48, 1996, S. 677-703.

ZUSAMMENFASSUNG: Im Zentrum dieses Beitrags stehen die Mobilisierungsstrukturen in der Aufbauphase einer in vielerlei Hinsicht herausragenden sozialen Bewegung dieses Jahrhunderts: Untersucht wird die Wiedergründungsphase der NSDAP in den Jahren 1925-1930. Im Mittelpunkt stehen dabei sowohl die Bedeutung als auch die sozialen Merkmale von ausgewählten NSAktivisten in diesem Zeitraum. Auf der Basis eines von den Autoren zusammengetragenen Datensatzes aus den Beständen des Berlin Document Centers wird eine zentrale Gruppe von ca. 650 "Einzelmitgliedern" (Mitglieder in Gemeinden ohne Ortsverein) in ihrer Beteiligung an der Gründung von NSDAP-Ortsgruppen analysiert. Die Ergebnisse untermauern die Bedeutung von Aktivisten für den Erfolg sozialer Bewegungen: es zeigt sich, daß es einer relativ kleinen Gruppe der Einzelmitglieder gelang, in den Jahren 1925 bis 1928 einen wesentlichen Beitrag zur Gründung von Ortsgruppen zu leisten; mit Hilfe logistischer Regressionsanalysen zeigt sich weiter, daß solche Einzelmitglieder, die eine hohe Eingebundenheit in organisatorische und personelle Netzwerke des völkischnationalen Milieus aufweisen, mit einer besonders hohen Wahrscheinlichkeit an einer Ortsgruppengründung beteiligt waren.

ABSTRACT: The focus of this article is to examine the role of activists in the process of movement development and mobilization. Specifically, we look at the impact and characteristics of activists in the National Socialist Party of Germany between 1925 and 1930, i.e. during the party's initial reorganization period. The analysis is based on data collected from the holdings of the Berlin Document Center, and includes information on a group of some 650 "single members" who joined the Nazi party in towns with no party organizations in place. Results point to the importance of these activists and their networks for the local establishment of the party during reorganization: the involvement of this relatively small group of single members contributed significantly to the formation of local party chapters between 1925 and 1928. Second, logistic regression analysis shows that members with high degrees of embeddedness in organizational and personal networks among the nationalist milieu are those with the highest probability to establish local party chapters.

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Helmut Anheier, Institute for Political Studies, The Johns Hopkins University, Shriver Hall, Baltimore, MD 21218, USA, E-Mail: HAnheier@jhunix.hcf.jhu.edu; Dr. Thomas Ohlemacher, Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen, Lützerodestr. 9, D-30161 Hannover, E-Mail: Ohlemacher@kfn.uni-hannover.de

AUTOR: Galliker, Mark

TITEL: Delegitimierung von Migranten im Mediendiskurs. Eine Co-Occurence-Analyse von drei Jahrgängen einer Tageszeitung mit CD-ROMs als Datenquelle

ENGL. TITEL: Delegitimation of Migrants in the Medial Discourse. Co-Occurence-Analysis with CD-Roms as Data Source

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 48, 1996, S. 704-727.

ZUSAMMENFASSUNG: Untersucht wird, ob in den Medien 'Outgroup' und 'Ingroup' in gleicher Weise repräsentiert werden. Ausgehend von sozialpsychologischen Ansätzen zur Schuldzuschreibung und Delegitimierung wird angenommen, daß durch die häufige Verbindung von Migranten mit gesellschaftlich nicht akzeptierbaren Verhaltensweisen (insb. Kriminalität) ein Szenarium von Bedrohung gebildet wird und daß vor allem bei unmittelbaren Verbindungen von Kriminalität und Migranten (Fixierung) Maßnahmen gegen Migranten erwogen werden. Diese Annahmen wurden anhand von CD-ROMs der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ 1993-95) bestätigt und hinsichtlich verschiedener Untersuchungsgruppen differenziert. Die computergestützte Untersuchung basiert auf dem gemeinsamen Vorkommen von Wortelementen pro Texteinheit (Co-Occurrence-Analyse).

ABSTRACT: Based on social-psychological indications in blame attribution and delegitimation, it can be deduced that 'ingroup' and 'outgroup' members do not share equal media representation. Frequently connecting certain groups of people with socially unacceptable behavior (especially crime) establishes a scene of threat. Closely linking foreigners and crime directly results in measures against them. These assumptions were studied based on the Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) from 1993 to 1995. The computer-aided study is based on the common occurrence of word elements per textual unit (co-occurrence-analysis), whereby the assumptions could be retained and differentiated regarding various groups of people.

KORRESPONDENZANSCHRIFT: PD Dr. Mark Galliker, Psychologisches Institut der Universität Heidelberg, Hauptstr. 47-51, 69117 Heidelberg, E-Mail: ZBJ1@psi-sv1.psi.uni-heidelberg.de

AUTOR: Junge, Matthias

TITEL: Individualisierungsprozesse und der Wandel von Institutionen. Ein Beitrag zur Theorie reflexiver Modernisierung

ENGL. TITEL: The Impact of Individualization on the Transformation of Institutions. A Contribution to the Theory of Reflexive Modernization

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 48, 1996, S. 728-747.

ZUSAMMENFASSUNG: Der Beitrag untersucht in systematischer Absicht die Individualisierungsthese und die sich daran anschließende Diskussion. Diese Bestandsaufnahme zeigt, daß die Diskussion im Rahmen einer ungeklärten Begrifflichkeit geführt und auf die sozialen Auswirkungen des Individualisierungsprozesses bezogen ist, ohne aber einer Analyse des Individualisierungsbegriffs und den Ursachen genügend Aufmerksamkeit zu schenken. Es wird vorgeschlagen, Individualisierung als Teilprozeß eines umfassenden Modernisierungsprozesses aufzufassen und in der Diskussion zwischen den Prozessen von Differenzierung, Rationalisierung, Individualisierung und Domestizierung zu unterscheiden. Ein weiteres Problem betrifft den Status des Institutionenbegriffs in der Individualisierungsthese. Es werden drei Interpretationen der Stellung und Bedeutung des Institutionenbegriffs in den Arbeiten von Ulrich Beck herausgearbeitet: eine Aufgabe des naturtheoretischen Institutionenbegriffs von Arnold Gehlen, eine Gleichsetzung mit der Handlungsregulation durch wohlfahrtsstaatliche Steuerungsmechanismen und die Idee, daß Reflexivität eine neue Institution darstellt, die an die Stelle der Leitidee des "Kult des Individuums" tritt und eine Subjektivierung der Institutionen nach sich zieht. Eine abschließende Beurteilung dieser Interpretationsmöglichkeiten kommt zu dem Ergebnis, daß der Institutionenbegriff bei Beck nicht aufgegeben, sondern implizit so reformuliert wird, daß er nun auch die Einbeziehung der handlungs- und reflexionsfähigen Subjekte in den Geneseprozeß von Institutionen zu konzeptualisieren gestattet.

ABSTRACT: The article examines systematically the concept of "individualization" in the work of Ulrich Beck and the following discussion. It is shown that the debate is focused on the social consequences of individualization, operates with a vague use of the term "individualization" and is missing an coherent analysis of the concept. It is suggested to locate individualization as a part of the modernization process and to distinguish between differentiation, rationalization, individualization and domestication as sub-processes of modernization. Furthermore, it is argued that the concept of "institution" is an important issue in the debate on individualization. Analyzing the use of the concept "institution" more closely, it is shown that three meanings can be identified in the writings of Ulrich Beck. 1. Discarding the concept altogether (as it was developed by Arnold Gehlen); 2. using of the term institution as equivalent to the regulatory potential of the modern welfare state; and 3. elaborating the thesis that reflexivity will become a new type of institution, substituting the old "idée directrice" of the "cult of the individual" and opening the institutions for the subjectivity of the individuals. Summarizing the argument it is shown that there seems to be evidence, that the third interpretation holds true; therefore, Beck does not discard the concept of institution, but works in the direction to reformulate it.

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Matthias Junge, TU Chemnitz-Zwickau, Philosophische Fakultät, Lehrstuhl Soziologie II, Reichenhainer Straße 41, D-09107 Chemnitz

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Datei aktualisiert am 23.06.2004 in der Redaktion der KZfSS