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Sonderheft 36 /1996 der KZfSS
Dieses Sonderheft der KZfSS dokumentiert den Stand der umweltsoziologischen Forschung im internationalen und interdisziplinären Rahmen. Im ersten Teil werden die einflußreichsten theoretischen Ansätze dargestellt: Rational Choice Theorie, Systemtheorie, Humanökologie und Modernisierungstheorie. Sie werden als sich ergänzende Forschungstraditionen, nicht aber als sich gegenseitig ausschließende Schulen aufgefaßt. Im zweiten Teil werden aktuelle Forschungsergebnisse von Problemen der Umweltsoziologie zu den folgenden, exemplarisch ausgewählten Themenbereichen vorgelegt: Umweltbewußtsein, Allmende-Probleme (insbesondere die Übernutzung öffentlicher Güter), soziale Bewegungen, globaler Wandel und Umweltpolitik (auf nationaler und internationaler Ebene). Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Wechselspiel von Grundlagenforschung und praktischer Problemlösung. Im dritten Teil werden methodische Aspekte beleuchtet: Computersimulation, Umweltberichterstattung und Evaluation. Der Band zeigt, daß die Soziologie im Bereich der Umweltforschung in einem produktivem Dialog mit anderen sozialwissenschaftlichen Disziplinen - Sozialpsychologie, Ökonomie, Politische Wissenschaften, Kulturanthropologie - steht, und daß sich neue Forschungsperspektiven an der Schnittstelle von Sozial- und Naturwissenschaften eröffnen.
AUTOR: Diekmann, Andreas, und Jaeger, Carlo C.
TITEL: Aufgaben und Perspektiven der Umweltsoziologie
ENGL. TITEL: Challenges and Perspectives of Environmental Sociology
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 36, Jg. 48, 1996, S. 11-27.
ZUSAMMENFASSUNG: Die ökologischen Probleme der Gegenwart können nur gelöst werden, wenn die Anreizstrukturen und sozialen Normen, welche umweltbezogenes Handeln beeinflussen, verändert werden. Deshalb ist die Untersuchung sozial produzierter ökologischer Probleme und der gesellschaftlichen Reaktionen auf diese Probleme ein wesentliches Element wirksamer Umweltforschung. Dabei wird eine lebendige umweltsoziologische Grundlagenforschung immer wieder Verbindungen zwischen Praxisorientierung und kritischer Reflexion herstellen. Sie kann an eine reichhaltige Forschungstradition anknüpfen, die seit Anfang dieses Jahrhunderts ökologische Konzepte für die Untersuchung soziologischer Fragen - besonders im Bereich der Stadtsoziologie - fruchtbar macht. Seit den achtziger Jahren hat die Umweltsoziologie durch die intensive öffentliche Debatte über Umweltprobleme neue Impulse erhalten und gleichzeitig auf diese Debatte zurückgewirkt. Verschiedene theoretische Orientierungen haben sich als umweltsoziologisch fruchtbar erwiesen, insbesondere die Rational choice-Theorie, die Systemtheorie, die Humanökologie und die Modernisierungstheorie. Eine Aufsplitterung der Umweltsoziologie in unterschiedliche Schulen scheint dabei weniger fruchtbar als die Pflege einer Forschungskompetenz, welche mit unterschiedlichen theoretischen Orientierungen umzugehen versteht. Eine derartige Forschungskompetenz muß sich in der interdisziplinären Kooperation mit anderen Sozialwissenschaften, aber auch mit Natur- und Ingenieurwissenschaften bewähren. Dadurch wird auch die allgemeine Soziologie wichtige Anregungen gewinnen. In diesem Rahmen kann die Umweltsoziologie zur deskriptiven Umweltberichterstattung, zum Design und zur Evaluation von Umweltmaßnahmen, zum Umweltmanagement in Organisationen und zur kulturellen Orientierung angesichts globaler Umweltprobleme wirksam beitragen.
ABSTRACT: Solving the environmental problems of our time will require substantial changes in the incentive structures and the social norms which influence environmentally relevant behavior. Therefore, the study of socially producted environmental problems and of the social reactions to these problems is an essential element of sound environmental research. For this purpose, environmental sociology can build on the rich research tradition of human ecology. Recently, the public debate about environmental problems has added momentum to sociological research about environmental issues. Several theoretical orientations have proved useful for such research, in particular rational choice theory, systems theory, human ecology, and modernization theory. A fragmentation into diverging schools seems less promising than the development of a research competence which enables scholars to handle different theoretical orientations. This will also be helpful in interdisciplinary cooperation with other social scientists as well as with natural scientists and engineers. Such cooperation will provide precious insights for general sociology, too. In such a framework environmental sociology can make substantial contributions to the monitoring of environmental problems, to the design and evaluation of policy measures, to environmental management in organizations, and to a cultural orientation in the face of global environmental problems.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Andreas Diekmann, Universität Bern, Institut für Soziologie, Lerchenweg 36, CH-3000 Bern 9, Schweiz, Prof. Dr. Carlo C. Jaeger, EAWAG, Ueberlandstraße 133, CH-8600 Dübendorf, Schweiz, e-mail: jaeger@eawag.ch
AUTOR: Renn, Ortwin
TITEL: Rolle und Stellenwert der Soziologie in der Umweltforschung
ENGL. TITEL: Role and Function of Environmental Sociology as an Integral Part of Environmental Research
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 36, Jg. 48, 1996, S. 28-58.
ZUSAMMENFASSUNG: Im traditionellen Verständnis der Umweltforschung und der Umweltpolitik wird den Sozialwissenschaften meist die Aufgabe übertragen, Einstellungen der Menschen zu Umwelt und Technik zu messen und die als ökologisch sinnvoll erkannten Verhaltensmaßnahmen akzeptanzfähig zu machen. Dagegen finden die wesentlich bedeutsameren Aufgaben der Sozial- und Kulturwissenschaften, vor allem die Reflexion über die kulturellen Ziele und über die Mittel der Naturveränderung sowie die Hilfestellung bei der Abwägung von Zielkonflikten wenig Beachtung. Da das Verhältnis des Menschen zur Umwelt von den physischen Gegebenheiten, den Wahrnehmungen bzw. Bewertungen dieser Gegebenheiten und den umweltrelevanten Verhaltensweisen bestimmt ist, kommt der Soziologie in der Erklärung umweltrelevanter Veränderungen eine besondere Rolle zu. Auf der Basis der humanökologischen, organisationssoziologischen und wissenschaftssoziologischen Tradition verfügt die Soziologie über einen Grundbestand an Wissen zur Reflexion des Mensch-Natur-Verhältnisses, zur diskursiven Verständigung über ökologische Gefährdungen und deren politische Handhabe und zur kulturellen Ortsbestimmung in der Umweltgestaltung. Bei dem Versuch der Soziologie, Bestandteil einer interdisziplinären Umweltforschung zu werden, sollte die Gefahr der Instrumentalisierung für die Durchsetzung bestimmter Weltbilder erkannt und durch die Betonung der eigenen Perspektive aufgefangen werden. Gleichzeitig steht die heute vorherrschende Tendenz zu einer konstruktivistischen Sichtweise von Umwelt einer sinnvollen Zusammenarbeit vor allem mit der naturwissenschaftlichen Umweltforschung im Wege. Hier sind neue Konzepte notwendig, die eine theoretisch befriedigende Verbindung zwischen physisch meßbaren Veränderungen und den sozial und kulturellen vermittelten Wahrnehmungen und Risikokonstrukten herzustellen vermögen.
ABSTRACT: The traditional understanding of environmental sociology was focused on the measurement of environmental attitudes and the discussion of means to overcome the obvious gap between these attitudes and actual behavior. Although important in its own right, such a confinement of environmental sociology neglects the most important contributions the discipline of sociology has to offer to an interdisciplinary research agenda. Sociological thinking provides the conceptual basis for reflecting the relationship between humans and their natural environment, points to the inherent selection mechanisms in assigning attention or negligence to elements of the environment, and analyzes reasons and patterns of arguments in the construction and balancing of value conflicts and trade-offs. Furthermore, knowledge based on the sociological traditions of human ecology, organizational research and the sociology of science and knowledge provides ample opportunities to forge links between physical changes in the environment, social perceptions of these changes, and social responses. In the attempt to play a vital role in environmental research, sociologists should be aware of the danger that their expertise might be instrumentalized for implementing the world-views and visions of social interest groups. At the same time, sociologists should take a critical viewpoint on constructivist perspectives when dealing with natural scientists. Although environmental risks are socially mediated and culturally selected, their manifestations have real consequences for human health, life and well-being, let alone other biological beings. A theoretically pleasing theory linking physical changes and socially constructed perceptions and concepts of risk is still missing.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Ortwin Renn, Akademie für Technikfolgensabschätzung, Industriestraße 5, 705659 Stuttgart, e-mail: renn@afta-bw.de
AUTOR: Rapoport, Anatol
TITEL: Der systemische Ansatz der Umweltsoziologie
ENGL. TITEL: The Systemic Approach to Environmental Sociology
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 36, Jg. 48, 1996, S. 61-88.
ZUSAMMENFASSUNG: Ein System läßt sich informell definieren als ein Teil der Welt, das dauerhaft als "es selbst" erkannt wird, obschon es sich dauernd innerlich verändert. An einem so definierten System lassen sich drei wichtige Aspekte unterscheiden: Struktur, Verhalten und Evolution. Eine allgemeine Systemtheorie, welche auf dieser Konzeption beruht, verfolgt Analogien und evolutionäre Homologien zwischen diesen drei Systemaspekten auf unterschiedlichen Organisationsstufen. In der Welt der Lebewesen betrifft das die Zelle, das Organ, den Organismus, die Art (und höhere Gattungen), das Ökosystem; in der menschlich-sozialen Welt die Familie, die Gruppe, die Gemeinschaft, die Gesellschaft und Kultur, das internationale System usw. Dieser Ansatz wird durch einen Vergleich zwischen der Evolution materieller Systeme (Artefakte, Technologien) und derjenigen immaterieller Systeme (Sprachen, Institutionen) verdeutlicht. Schließlich werden mögliche Verläufe der Evolution der Menschheit als eines biologisch-sozial-kognitiven Systems, das in ein Ökosystem eingebettet ist, mittels Computersimulationen untersucht und unterschiedliche Zukunftsmöglichkeiten verglichen.
ABSTRACT: An informal definition of a system is offered as a portion of the world that continues to be recognized as "itself" in spite of constant internal changes. Three aspects of a system so defined are: structure, behaviour and evolution. A general system theory based on this conception entails the tracing of analogies or, in the course of evolution, of homologies between these aspects of sytems on different levels of organization. In the living world such levels are: the cell, the organ, the organism, the species (and higher taxa), an ecosystem; in the human social world: the family, the group, the community, the society or culture, the international system, etc. The approach is exemplified by comparing the evolution of both material systems (artifacts, technologies) and immaterial ones (languages, institutions). Finally, the possible courses of evolution of humankind as a biological-socio-cognitive system immersed in an ecosystem are examined via computer simulations of its dynamics, and various possible futures are compared.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Anatol Rapoport, University College, University of Toronto, Toronto M5S 1A1, Canada
AUTOR: Diekmann, Andreas
TITEL: Homo ÖKOnomicus. Anwendungen und Probleme der Theorie rationalen Handelns im Umweltbereich
ENGL. TITEL: Homo ECOnomicus. Problems and Applications of Rational-Choice Theory to Environmentally Responsible Behavior, pp. 89-118.
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 36, Jg. 48, 1996, S. 89-118.
ZUSAMMENFASSUNG: Das Homo-oeconomicus-Modell der Umweltökonomie ist nur begrenzt tauglich, das tatsächlich beobachtbare Umweltverhalten zu erklären. Zwar ist die hypothetisch-deduktive Strategie der Modellkonstruktion ad-hoc-Erklärungen überlegen, doch werden umweltbezogene Handlungen nicht allein durch ökonomische Anreize gesteuert. Beide Aspekte werden am Beispiel eines umweltökonomischen Modells zum Recyclingverhalten diskutiert. Wie weiterhin an einer Reihe empirischer Beispiele gezeigt wird, sind soziale Anreize und das Umweltbewußtsein besonders in Low-cost-Situationen von Bedeutung. Die aggregierten Folgen individueller Handlungen in Low-cost-Situationen können aber für korporative Akteure, z.B. Wirtschaftsunternehmen oder politische Parteien, durchaus mit hohen Kosten verbunden sein. Prominente Beispiele sind das Wahlverhalten oder Konsumentenstreiks. Zentral ist daher nicht der direkte Effekt des Umweltbewußtseins auf das Handeln, sondern der indirekte Einfluß auf die Strategien von Organisationen. Rational-choice-Theorien sollten daher sowohl ökonomische als auch "weiche" Anreize (soziale Anerkennung, intrinsische Motivation) umweltorientierten Handelns berücksichtigen. Der Homo ÖKOnomicus ist ein realistischeres Modell des Umwelthandelns als der restriktive Homo oeconomicus. Es wird daher für eine Synthese plädiert, die grundlegende Konzepte der Soziologie und Ökonomie vereinigt.
ABSTRACT: The homo-oeconomicus model of environmental economics has limited power in explaining actually observable behavior concerning the environment. Although the hypothetical-deductive strategy of model construction is superior to ad-hoc-explanations, this model has deficiencies because environmentally reponsible behavior ist not exclusively governed by economic incentives. Both aspects are discussed by the example of a model of recycling activities from environmental economics. As can be further demonstrated by empirical examples, social incentives and environmental attitudes are related to behavior in so-called low-cost situations. Moreover, the aggregate result of individual actions in low-cost situations may have a high-cost impact on corporate actors like business firms or political parties. Prominent examples are political elections or consumer boycotts. While the direct effect of environmental consciousness on ecologically responsible behavior may be low or moderate, the indirect impact on the strategies of corporate actors is of much more importance. Hence, it is argued that rational-choice models of environmental behavior should incorporate both economic as well as "soft" incentives like social approval and the intrinsic motivation for environmentally responsible behavior. Homo economicus is a more realistic model of man than the restrictive homo oeconomicus. In conclusion, a synthesis of basic concepts from economics and sociology is preferable.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Andreas Diekmann, Universität Bern, Institut für Soziologie, Lerchenweg 36, CH-3000 Bern 9, Schweiz
AUTOR: Beck, Ulrich
TITEL: Weltrisikogesellschaft, Weltöffentlichkeit und globale Subpolitik. Ökologische Fragen im Bezugsrahmen fabrizierter Unsicherheiten
ENGL. TITEL: World Risk Society, the World Public and Global Sub-politics. Ecological Concerns in the Context of Man-made Insecurities
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 36, Jg. 48, 1996, S. 119-147.
ZUSAMMENFASSUNG: Die gegenwärtigen zivilisatorischen Gefahren der Naturzerstörung lassen sich nicht mehr räumlich, zeitlich oder sozial eingrenzen. Das hat zur Folge, daß sich die nationalstaatlichen Risikogesellschaften zu einer Weltrisikogesellschaft entwickeln werden. Die Entstehung internationaler Diskurse und Institutionen wird notwendig, um mit den globalen Gefahren umgehen zu können. Dabei sind die verschiedenen nationalen Muster kultureller Wahrnehmung von Natur und Naturzerstörung zu berücksichtigen. Schließlich wird die Weltrisikogesellschaft die Grundlagen der ersten, industriellen Moderne unterlaufen (wie Klassenantagonismus, Nationalstaatlichkeit sowie die Vorstellungen einer linearen technisch-ökonomischen Rationalität und Kontrolle) und den bestehenden Dualismus von Natur und Gesellschaft aufheben.
ABSTRACT: The current dangers of civilization concerning destruction of nature cannot be delimited any more socially in space or in time. This will lead to the development that the national risk societies will be transformed to a world risk society. The formation of international discourses and institutions will be necessary in order to deal with global dangers. At the same time the different national types of the cultural perception of nature and of the destruction of nature have to be taken into consideration. Finally, the world risk society will undermine the principles of the first modernity (like class antagonism, national statehood, as well as the ideas of a linear, technical-economic rationality and control), and the dualism of nature and society will be set off.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Ulrich Beck, Universität München, Institut für Soziologie, Konradstraße 6, 80801 München
AUTOR: Nowotny, Helga
TITEL: Umwelt, Zeit, Komplexität: Auf dem Weg zur Endosoziologie
ENGL. TITEL: Environment, Time, Complexity: Towards an Endosociological Perspective
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 36, Jg. 48, 1996, S. 148-163.
ZUSAMMENFASSUNG: Der Artikel analysiert zunächst die 'Implosion der Moderne', wie sie sich in den 70er Jahren in den westlichen Industriestaaten durch größere Strukturbrüche und Veränderungen im wissenschaftlichen Weltbild ereignet hat. Kennzeichen waren die Erosion zentral organisierter Strukturen, die Anfänge eines Umweltbewußtseins globalen Ausmaßes, die Konfrontation mit Überraschungen und das Sichtbarwerden der Grenzen wissenschaftlicher Vorhersagen. Diese Veränderungen führten zu einer Ausweitung des gesellschaftlichen Bereichs, in den nun die Analyse komplexer Wechselbeziehungen mit der natürlichen Umwelt miteingeschlossen werden muß. Im zweiten Abschnitt werden die Annahmen und Folgerungen aus einer endosoziologischen Perspektive näher dargestellt. Ein zentrales Kennzeichen einer endosoziologischen Perspektive ist die zeitliche Komplexität. Im letzten Abschnitt wird die daraus resultierende Multiplizität der Zeiten, vor allem im Lichte der Notwendigkeit, die Zukunft offen zu halten, näher untersucht. Dies erfordert eine Auseinandersetzung mit den im sozio-ökologischen System selbst erzeugten Unbestimmtheiten. Aus endosoziologischer Perspektive wird daher der Analyse von Prozessen und prozessualem Denken vorrangige Aufmerksamkeit eingeräumt.
ABSTRACT: The article sets out to analyze the 'implosion of modernity', i.e. the major structural changes and shifts in scientific outlook as they occurred in Western industrial democracies in the 70ies. They were marked by an erosion of centrally organized social structures, the beginning of global environmental awareness, surprise and the limits of scientific predictability. This led to an enlargement of the sociosphere which now has to accommodate a complex set of relations with the natural environment. Next, the implications of such a change to an "endosociological" perspective are spelled out. For instance, emphasis of the complex interaction between the global and the local replaces a more static view of micro and macro level. One of the central characteristics of an endosociological perspective is that of a new temporal complexity. In the last part the multiplicity of times which arises from it is analyzed in the light of the necessity of keeping the future open. This requires above all to confront the indeterminacies which are continuously generated by the socio-ecological system itself. Therefore, an emphasis on processes, processual thinking and analysis, becomes central to an endosociological perspective.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Helga Nowotny, ETH- Zürich, Professur für Wissenschaftsphilosophie und Wissenschaftsforschung, Fliederstraße 23, CH-8092 Zürich, e-mail: elknow@wiss.huwi.ethz.ch
AUTOR: Jaeger, Carlo C.
TITEL: Humanökologie und der blinde Fleck der Wissenschaft
ENGL. TITEL: Human Ecology and the Blind Spot of Scientific Inquiry
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 36, Jg. 48, 1996, S. 164-190.
ZUSAMMENFASSUNG: Umweltprobleme passen selten in das Raster bestehender wissenschaftlicher Disziplinen. Im Rahmen der Soziologie hat das Forschungsprogramm der Humanökologie seit Beginn dieses Jahrhunderts zu einer Reihe von Arbeiten geführt, welche einen explizit integrativen Anspruch erheben. Die Humanökologie griff schon früh Konzepte der Systemtheorie auf, welche bei der Entstehung der heutigen Umweltdebatte eine entscheidende Rolle spielen sollten. Allerdings ist mittlerweile die Umweltdebatte durch ein anderes Paradigma: das ”Rational Actor Paradigm” (RAP), geprägt. Es hat zur Analyse von Umweltproblemen als sozialen Dilemmata geführt und zur Entwicklung marktwirtschaftlicher Instrumente des Umweltschutzes. Diese verstricken sich jedoch in erhebliche Vollzugsprobleme, wann immer umweltpolitische Entscheidungen nicht auf inhaltlich zuverlässiges und sozial akzeptiertes Expertenwissen abgestützt werden können. Deshalb sind neuere humanökologische Arbeiten wichtig, welche die Rolle wissenschaftlicher Laien bei der Lösung von Umweltproblemen betonen. Sodann weist RAP gerade in der Behandlung wirtschaftlicher Fragen erhebliche Schwächen auf. Zu ihrer Überwindung bietet sich eine humanökologische Theorie kultureller Evolution an. Sie kann wichtige Aspekte einer innovationsorientierten Wirtschaft beleuchten und zugleich Einsichten der kritischen Theorie aufgreifen. Daraus ergeben sich sowohl fruchtbare Forschungsperspektiven als auch praktische Handlungsempfehlungen im Hinblick auf die heutige Umweltkrise.
ABSTRACT: Environmental problems rarely fit the matrix of existing scientific disciplines. In sociology, the research program of human ecology has led to a long series of integrative research efforts which try to overcome this difficulty. For this purpose, human ecology has used concepts of general system theory, which played a crucial role at the origins of today's environmental debate. Meanwhile, this debate is characterized by a different approach: the "Rational Actor Paradigm” (RAP). RAP has led to the analysis of environmental problems as social dilemmas and to proposals for market oriented environmental policy. These proposals run into serious implementation problems, however, whenever they cannot rely on uncontroversial expert knowledge. Recent research in human ecology can help to handle these problems by emphasizing the role of laypersons in environmental problem solving. Moreover, RAP has serious weaknesses in the analysis of the very economic phenomena which are often seen as its main field of application. These difficulties can be tackled with a human ecological theory of cultural evolution. Such a theory can draw on insights of critical theory and at the same time explain important features of today's highly innovative global economy. Along these lines, human ecology leads to stimulating research tasks and to innovative policy perspectives in the face of global environmental change.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Carlo C. Jaeger, EAWAG, Ueberlandstraße 133, CH-8600 Dübendorf, Schweiz, e-mail: jaeger@eawag.ch
AUTOR: Dunlap, Riley E., und Mertig, Angela G.
TITEL: Weltweites Umweltbewußtsein. Eine Herausforderung für die sozialwissenschaftliche Theorie
ENGL. TITEL: Worldwide Concern for the Environment: A Challenge to Social Science Theory
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 36, Jg. 48, 1996, S. 193-218
ZUSAMMENFASSUNG: Sowohl nach landläufiger Meinung als auch gemäß sozialwissenschaftlicher Theorien hängt die öffentliche Besorgnis um die Qualität der Umwelt vom Wohlstand ab, ist also in reichen Nationen stärker als in armen. Diese Wohlstands-/Postmaterialismus-These wurde durch das weltweite Auftreten von Umweltschutzaktivitäten in Frage gestellt, könnte aber für die allgemeine Öffentlichkeit doch zutreffen. Anhand von Ergebnissen einer 1992 durchgeführten internationalen Umfrage des 'George H. Gallup International Institute', die für einen großen Bereich ökologischer Wahrnehmungen und Meinungen von Bürgern aus 24 ökonomisch und geographisch verschiedenen Nationen Daten erbrachte, haben wir die These für die allgemeine Öffentlichkeit geprüft. Wir haben bei einer Reihe von Maßgrößen für die öffentliche Besorgnis um Umweltqualität aggregierte nationale Werte erstellt und sie mit dem Bruttosozialprodukt pro Kopf korreliert. Obwohl die Ergebnisse je nach Maßgröße beträchtlich variieren, gibt es zwischen der Sorge der Bürger um die Umweltqualität und dem nationalen Wohlstand insgesamt häufiger eine negative als eine positive Korrelation - im direkten Widerspruch zur Wohlstands-/Postmaterialismus-These.
ABSTRACT: Both conventional wisdom and social science theories maintain that public concern for environmental quality is dependent on affluence, and is therefore stronger in wealthy nations than in poor nations. This affluence/post-materialism thesis has been challenged by the emergence of environmental activism around the world, but it may still hold true at the level of the general public. The thesis is tested at the public level via results from a 1992 international survey conducted by the George H. Gallup International Institute that obtained data on a wide range of environmental perceptions and opinions from citizens in 24 economically and geographically diverse nations. Aggregate, national-level scores for a variety of measures of public concern for environmental quality were created and correlated with per capita gross national product. Although the results vary considerably depending upon the measure, overall national affluence is more often negatively rather than positively related to citizen concern for environmental quality -- directly contradicting the affluence/post-materialism thesis.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Riley E. Dunlap, Washington State University, Department of Sociology, Pullman, WA 99164, U.S.A, e-mail: dunlapr@wsuvm1.csc.wsu.edu; Dr. Angela Mertig, Washington State University, Department of Sociology, Pullman, WA 99164, U.S.A
AUTOR: Preisendörfer, Peter, und Franzen, Axel
TITEL: Der schöne Schein des Umweltbewußtseins. Zu den Ursachen und Konsequenzen von Umwelteinstellungen in der Bevölkerung
ENGL. TITEL: The Illusion of Environmental Consciousness: Causes and Consequences of Environmental Attitudes Reconsidered
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 36, Jg. 48, 1996, S. 219-243.
ZUSAMMENFASSUNG: Die soziologische Forschung zum Umweltbewußtsein hat sich bisher vor allem mit drei Themen beschäftigt: der Ermittlung des Ausmaßes von Umwelteinstellungen und -werthaltungen in der Bevölkerung, der Untersuchung der 'sozialen Basis' des Umweltbewußtseins und der Frage nach den Determinanten umweltgerechter Verhaltensweisen. In dem Beitrag werden die wichtigsten Ergebnisse dieser Forschung zusammengefaßt und einige ihrer Probleme diskutiert. Die Frage, was unter Umweltbewußtsein verstanden werden soll, ist für alle drei Bereiche von zentraler Bedeutung. Aus diesem Grund werden im zweiten Abschnitt zunächst die unterschiedlichen Operationalisierungen und Befunde zum Ausmaß des Umweltbewußtseins in unterschiedlichen Ländern diskutiert. Abschnitt III beschäftigt sich mit Ergebnissen und Erklärungen zu den Zusammenhängen zwischen umweltrelevanten Einstellungen und individuellen sowie strukturellen Merkmalen. Im vierten Abschnitt wird schließlich der Befund diskutiert, daß in den meisten westlichen Industrieländern zwar ein hohes Umweltbewußtsein weit verbreitet ist, aber nur geringe Korrelationen der Umwelteinstellungen mit alltäglichen Verhaltensweisen beobachtet werden.
ABSTRACT: Sociological research about environmental attitudes and values has been concerned with three major issues: the measurement of these attitudes and values, the study of their 'social basis', and the search for determinants of ecological behavior. This article summarizes the major findings in each of these areas and discusses some of its problems. Of central concern for the whole field is the question how environmental attitudes should be conceptualized. Therefore, part two of the paper starts with an overview of different measurements and findings of environmental concern in various countries. The third part reviews the results and explanations concerning the relation of environmental attitudes and individual as well as structural variables. The fourth part finally discusses the finding that high levels of environmental concern that are often found within western industrial nations do not translate into ecologically oriented behavior.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Peter Preisendörfer, Universität Rostock, Institut für Soziologie, August-Bebel-Straße 28, 18051 Rostock; Axel Franzen, Universität Bern, Institut für Soziologie, Lerchenweg 36, CH-3000 Bern 9, Schweiz
AUTOR: Tanner, Carmen, und Foppa, Klaus
TITEL: Umweltwahrnehmung, Umweltbewußtsein und Umweltverhalten
ENGL. TITEL: Ecological Perception, Environmental Concern and Environmental Behavior
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 36, Jg. 48, 1996, S. 244-270.
ZUSAMMENFASSUNG: Ein besseres Verständnis für die Bedingungen ökologischen Handelns wird als notwendige Voraussetzung für wirksame Interventionen angesehen. Im vorliegenden Beitrag werden zusammenfassend wichtige theoretische und methodische Probleme der Umweltforschung diskutiert. Es wird die Auffassung vertreten, daß den Handlungsrestriktionen sowie der Wahrnehmung und Bewertung von Umweltveränderungen und der Wahrnehmung und Bewertung von Handlungskonsequenzen vermehrt Rechnung getragen und nicht nur die objektiven, sondern auch die ipsativen Restriktionen (die verhindern, daß dem Handelnden gewisse Optionen vor der eigentlichen Handlung überhaupt "in den Sinn” kommen) berücksichtigt werden sollten. Im Hinblick auf effiziente Interventionsmaßnahmen erscheint es im übrigen wichtig, Methoden einzusetzen, welche nicht nur die Analyse von Populationen zulassen, sondern auch den Nachweis homogener Subgruppen ("Typen") gestatten.
ABSTRACT: A better understanding of the determinants of ecological action is indispensable for the development of effective interventions. The present paper discusses several important theoretical and methodical problems in the context of research on environmental behavior. It is argued that the constraints of actions as well as the perception and evaluation of environmental change and also the consequences of the actions have to be taken into account. It is stressed that not only the objective constraints of actions but also the ipsative ones (those options that come to the actor's mind before the action proper is started) have to be considerd. Besides, it may be necessary to deal not only with whole populations but also with homogenous subgroups of individuals ("types").
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Carmen Tanner, Universität Bern, Psychologisches Institut, Lenggasse, CH-3000 Bern 9, Schweiz; Prof. Dr. Klaus Foppa, Universität Bern, Psychologisches Institut, Lenggasse, CH-3000 Bern 9, Schweiz
AUTOR: McCay, Bonnie, und Jentoft, Svein
TITEL: Unvertrautes Gelände: Gemeineigentum unter der sozialwissenschaftlichen Lupe
ENGL. TITEL: Uncommon Ground: Critical Perspectives on Common Property
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 36, Jg. 48, 1996, S. 271-290.
ZUSAMMENFASSUNG: In der neueren Literatur über Gemeineigentum gewinnen kritische Sichtweisen eines verbreiteten Modells ökologischer und sozialer Probleme an Gewicht. Gemäß diesem Modell führt individuelle Rationalität unter Bedingungen von Gemeineigentum zu unerwünschten und unbeabsichtigten sozialen und ökologischen Konsequenzen. Die bekannteste revisionistische Sicht der sogenannten "Tragödie der Allmende" unterstreicht wichtige konzeptionelle und somit politik-relevante Fehler. Sie hat wesentlich dazu beigetragen zu verstehen, unter welchen Umständen kollektives Handeln zu gemeinsamem Nutzen im Hinblick auf einen gemeinsamen Pool von Ressourcen führen kann. Wir charakterisieren diesen Ansatz als ein "dürres" oder abstraktes, verallgemeinerndes Erklärungsmodell, mit entsprechenden Stärken und Schwächen. Vor diesem Hintergrund diskutieren wir eine "dichtere" oder ethnographischere Perspektive, welche betont, wie wichtig es ist, Eigentumsrechte und ihre Einbettung in verschiedene und sich wandelnde historische Situationen, in soziale und politische Beziehungen zu spezifizieren.
ABSTRACT: Recent literature on common property shows the development of critical perspectives of the model used to explain many environmental and social problems whereby individual rationality results in undesired and unintended social and ecological consequences. The best known revisionist perspective on the so-called "tragedy of the commons" underscores important conceptual and hence policy errors and has been important in contributing to understanding of conditions in which collective action for common benefits, with respect to common pool resources, can take place. Characterizing this approach as a "thin" or abstract, generalizing explanatory model, with strengths and weaknesses thereby, we discuss a "thicker" or more ethnographic perspective that emphasizes the importance of specifying property rights and their embeddedness within discrete and changing historical moments, social and political relations.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Bonnie McCay, Rutgers University, Department of Human Ecology, Cook College, New Brunswick, New Jersey, NJ 08903, U.S.A
AUTOR: Frey, Bruno S., und Bohnet, Iris
TITEL: Tragik der Allmende. Einsicht, Perversion und Überwindung
ENGL. TITEL: The Commons: Problem, Perversion and Policy
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 36, Jg. 48, 1996, S. 291-307.
ZUSAMMENFASSUNG: Das Umweltproblem als das Problem der Allmende oder das öffentlicher Güter zu sehen, ist wichtig und unverzichtbar. Trittbrettfahren als allein rationale Strategie im Rahmen der analytischen Darstellung als Gefangenen-Dilemma wurde jedoch überbetont. Empirische (experimentelle) Evidenz widerspricht in vielen Fällen den Annahmen des spieltheoretischen Modells. Als zentrale Bedingung für das Überwinden von Allmendeproblemen erweist sich die individuelle Zurechenbarkeit von Entscheidungen. Werden Individuen mit ihrem Handeln identifiziert, erhöht sich die Kooperationsbereitschft beträchtlich. Die Dezentralisierung der Entscheidungsfindung ist ein wirksames Mittel, um Handlungen zu individualisieren. In kleinen politischen und gesellschaftlichen Einheiten bringen Menschen die Umweltnutzen eher mit den entsprechenden Kosten in Verbindung und können sich eher auf andere, nicht-monetäre und daher günstigere Anreizmechanismen wie Umweltnormen verlassen. Wenn die politischen Einheiten in Konkurrenz zueinander stehen, werden sich öffentliche Anbieter von Umweltleistungen auf die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger einstellen, ihre Flexibilität erhöhen und durch die Spezialisierung auf eine Aufgabe effizienter handeln können.
ABSTRACT: Analyzing the environment by relying on models of public goods or common pool resources has been important for understanding many aspects of the problem. Free-riding as the only rational and thus dominant strategy in prisoner's dilemma situations, however, was stressed too much. Experimental and field results often contradict the game theoretic assumptions. We identified the individual attributability to be a crucial condition for overcoming common pool resource problems. Cooperation increases if contributions can be individually specified and if subjects may identify each other. The decentralization of decision-making helps in individualizing action. While in small political units people are more likely to relate the benefits of environmental quality to the corresponding costs, the probability of benefitting from the effects of mutual identification is also much larger. Competition among the political units creates incentives for effective environmental policies. Public supplies of environmental services will take the preferences of the citizens into account and benefit of the advantages of specialization by producing more efficiently.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Bruno S. Frey, Universität Zürich, Institut für empirische Wirtschaftsforschung, Blümlisalpstraße 10, CH-8006 Zürich, Schweiz; Iris Bohnet, Universität Zürich, Institut für empirische Wirtschaftsforschung, Blümlisalpstraße 10, CH-8006 Zürich, Schweiz
AUTOR: Mosler, Hans-Joachim, und Gutscher, Heinz
TITEL: Kooperation durch Selbstverpflichtung im Allmende-Dilemma
ENGL. TITEL: Cooperation in the Commons Dilemma through Commitment
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 36, Jg. 48, 1996, S. 308-323.
ZUSAMMENFASSUNG: Die aktuelle Diskussion um Möglichkeiten der Förderung von umweltgerechtem Handeln dreht sich hauptsächlich um gesetzliche oder ökonomische Maßnahmen; daneben werden allenfalls noch Informationskampagnen in die Überlegungen einbezogen. Weniger bekannt sind Möglichkeiten, welche sich aus der experimentellen Sozialpsychologie herleiten lassen. Dabei handelt es sich um Interventionsformen, welche darauf gerichtet sind, spezifisch sozialpsychologische Hemmnisse umweltgerechten Handelns in großen, anonymen Kollektiven zu beseitigen. Im Sinne einer Weiterentwicklung vorhandener Lösungsvorschläge wurden im vorliegenden Beitrag die Möglichkeiten und Effekte von neuartigen Aktionsgemeinschaften untersucht. Das besondere an diesen Aktionsgemeinschaften besteht darin, daß sich deren Mitglieder öffentlich zu ressourcenschonendem Handeln verpflichten und sich freiwillig einer Kontrolle dieser Selbstverpflichtung unterziehen. Die Elemente der Kontrolle und der Öffentlichkeit sollen in großen, anonymen Kollektiven als 'Ersatz' dienen für das nicht länger über persönliche Beziehungen etablierbare Vertrauen in die Zusagen anderer, Ressourcen in Zukunft zurückhaltender nutzen zu wollen. Unsere experimentellen Untersuchungen ergaben: Nur denjenigen Gruppen, welchen die Möglichkeit einer Aktionsgemeinschaft mit öffentlicher und kontrollierter Selbstverpflichtung offenstand, gelang es, den selbstverursachten Niedergang einer Ressource aufzuhalten oder gar eine Trendumkehr einzuleiten. Es handelt sich dabei nicht um einen Wissens-Effekt: Sowohl in den Versuchs- als auch in den Kontrollgruppen wußten ungefähr gleich viele Personen, wie man handeln müßte, damit sich die Ressource wieder erholt. Die Einrichtung derartig ausgestalteter Aktionsgemeinschaften könnte dazu beitragen, natürliche Umweltressourcen zum Nutzen aller zukunftsfähig zu bewirtschaften.
ABSTRACT: Contemporary discussion of possibilities of promoting environmentally sustainable behavior revolves mainly around legal or economic measures; besides that, informational campaigns are at best also taken into consideration. Disregarded are novel forms of intervention, which aim to overcome specific hindrances to environmentally friendly behavior within large, anonymous collectives which are based in social psychological phenomena. In the endeavor to develop further existing proposals for solutions of this kind, we studied the possibilities and effects of action groups whose members voluntarily submit to checks on their publicly declared self-commitment to act in resource-sustaining ways. These elements of open inspection and public commitment serve in large, anonymous societies as a substitute for the kind of trust that can be established through personal relationships in smaller groupings: trust in others' commitments to make more conservative use of natural resources in the future. Our experimental investigations yielded the following finding: only those groups which had the opportunity to join an action community making self-commitment public and allowing inspection of their actions were successful in halting self-caused depletion of a resource or even in initiating a reverse trend. This is not an effect of knowledge: in both the experimental and the control groups, approximately the same number of people had knowledge of the behaviors required to allow a resource to recover. An action group functioning along these lines can thus be a form of intervention which presents us with the means to utilize natural resources to the benefit of all and, in terms of the future, in a sustainable manner.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Hans-Joachim Mosler, Universität Zürich, Psychologisches Institut, Abt. Sozialpsychologie, Plattenstrasse 14, CH-8032 Zürich, Schweiz, e-mail: mosler@sozpsy.unizh.ch; Heinz Gutscher, Universität Zürich, Psychologisches Institut, Abt. Sozialpsychologie, Plattenstrasse 14, CH-8032 Zürich, Schweiz, e-mail: gutscher@sozpsy.unizh.ch
AUTOR: Kriesi, Hanspeter, und Giugni, Marco G.
TITEL: Ökologische Bewegungen im internationalen Vergleich: Zwischen Konflikt und Kooperation
ENGL. TITEL: Ecological Movements in an Internationally Comparative Perspective: From Conflict to Cooperation
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 36, Jg. 48, 1996, S. 324-349.
ZUSAMMENFASSUNG: Ausgehend vom politischen Prozeßansatz diskutieren wir die Entwicklung der Ökologiebewegung in den letzten zwei Jahrzehnten in mehreren westlichen Ländern. Abgesehen von Frankreich, wo sie aufgrund des spezifischen politischen Kontextes organisatorisch schwach, in ihren Aktionen radikal und weitgehend ohne Erfolg blieb, hat diese Bewegung in den untersuchten Ländern mitgliederstarke, professionalisierte Organisationen hervorgebracht, sich weitgehend deradikalisiert und zum Teil beachtliche Erfolge erziehlt. Zudem steht die Bevölkerung dieser Länder mehrheitlich hinter ihren Forderungen. Als Folge dieser Entwicklung hat sich die Bewegung auf Kooperationsformen mit den jeweiligen Regierungen eingelassen, ohne dabei auf konflikthafte Mobilisierung vollends zu verzichten. Die beiden Forschungszweige der Bewegungs- und der Policyforschung sollten zur Analyse des Interaktionsprozesses zwischen Ökologiebewegung und Regierungen miteinander verbunden werden. Dies würde es erlauben, den Beitrag, den die Ökologiebewegung zur Politikformulierung und zum Politikvollzug leistet, systematisch zu berücksichtigen. In der Analyse der wechselseitigen Abhängigkeit von Konfrontation und Kooperation in diesem Interaktionsprozess sehen wir eine vielversprechende Forschungsperspektive.
ABSTRACT: Taking the perspective of the political process approach to social movements we discuss the development of the ecology movement in several western countries over the last twenty years. Except for France, where, given the specificities of the political context, it remained organizationally weak, continued to mobilize radically and had hardly any success, this movement produced strong, professional organizations, deradicalized to a large extent and obtained some considerable measure of success in the countries on which we concentrate in our discussion. Moreover, the majority of the population in these countries supports its demands. As a result, the movement began to get engaged in various forms of cooperation with the respective governments without, however, abandoning completely its mobilization against its adversaries. We maintain that the two research traditions of the social movements and public policy research should be combined for the analysis of the interaction processes between the ecology movement and the governments. This would allow to take systematically into account the increasing contributions of the ecology movement to policy formulation and implementation. We consider the analysis of the interdependence of forms of confrontation and cooperation in this interaction process to constitute a highly promising research perspective.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Hanspeter Kriesi, Université de Genève, Départment de Science Politique, Faculté de S.E.S, 102, Boulevard Carl Vogt, CH-1211 Genève 4, Schweiz
AUTOR: Opp, Karl-Dieter
TITEL: Aufstieg und Niedergang der Ökologiebewegung in der Bundesrepublik
ENGL. TITEL: The Rise and Decline of the Ecology Movement in Germany
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 36, Jg. 48, 1996, S. 350-379.
ZUSAMMENFASSUNG: Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Proteste für Umweltschutz Anfang der 80er Jahre ihren Höhepunkt erreicht und sind dann zurückgegangen. Andererseits sind die Ressourcen von Umweltorganisationen im Zeitablauf gestiegen. Im Mittelpunkt dieses Aufsatzes steht eine Erklärung dieser Entwicklungen. In einem ersten Schritt wird - auf der Grundlage vorliegender Forschungsergebnisse - angenommen, daß Unzufriedenheit mit der Umwelt, wahrgenommener politischer Einfluß, moralische und soziale Anreize die Hauptursachen für individuelles Engagement sind. Sodann werden Hypothesen darüber formuliert, wie die folgenden Makrofaktoren die genannten individuellen Anreize beeinflussen: Umweltqualität, Zielkonflikte zwischen Kollektivgütern, die Institutionalisierung von Umweltpolitik, die Infrastruktur des Protests und die Globalisierung von Umweltproblemen und von Umweltpolitik. Eine Analyse der zeitlichen Veränderung dieser Faktoren ergibt, daß insbesondere die Institutionalisierung der Umweltpolitik die Hauptursache für den Rückgang der Umweltproteste ist. Wenn auch die Anreize für Umweltproteste zurückgegangen sind, so werden Umweltprobleme keineswegs als gelöst betrachtet. Die oft spektakulären Aktionen von Umweltorganisationen erwecken den Eindruck, daß diese erfolgreich für Umweltschutz eintreten. Dies läßt aus der Sicht von Individuen, die Umweltschutz als Problem ansehen, einen Transfer von Ressourcen an diese Organisationen als kostengünstigsten Beitrag zur Herstellung des Kollektivgutes "saubere Umwelt” erscheinen.
ABSTRACT: After the Second World War environmental protests in Germany decreased at the beginning of the eighties. But resources provided to environmental organizations increased. The present article explains these developments. In a first step it is assumed, based on previous research, that discontent with the state of the environment, perceived political influence, moral and social incentives are the major causes for participating in environmental protests. In a next step hypotheses are suggested specifying how the following macro factors influence those individual incentives to protest: quality of the environment, conflicts in regard to the provision of public goods, the institutionalization of environmental politics, the infrastructure of protest, and the globalization of environmental problems and politics. An analysis of the change of these factors over time indicates that the institutionalization of environmental politics is the major cause for the decline of environmental protests. Although the incentives for environmental protests decreased over time, environmental problems are not regarded as solved. The often spectacular activities of environmental organizations convey the impression that they are successful in contributing to solving environmental problems. Therefore, from the perspective of individuals who are dissatisfied with the quality of the environment, contributing resources to those organizations is the least costly alternative to contribute to providing the public good of environmental protection.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Karl-Dieter Opp, Universität Leipzig, Institut für Soziologie, Augustusplatz 9, 04109 Leipzig
AUTOR: Redclift, Michael R., und Skea, James F.
TITEL: Globale Umweltveränderungen: Der Beitrag der Sozialwissenschaften
ENGL. TITEL: Global Change: The Contribution of Social Science Research
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 36, Jg. 48, 1996, S. 380-389.
ZUSAMMENFASSUNG: Forschungen über globale Umweltprobleme (GEC: Global Environmental Change) haben versucht, politische Maßnahmen zu beeinflussen und zu kritisieren. In Großbritannien haben sie auch dazu geführt, die Sozialwissenschaften zu verändern, indem sie diese dazu gedrängt haben, Nachhaltigkeit als wichtige Dimension allen sozialen und wirtschaftlichen Handelns zu berücksichtigen. Der Aufsatz erörtert einige Lehren, die wir aus dem britischen GEC-Programm gezogen haben. Eine Vielzahl von Untersuchungen über die ökologische Tragweite konkreter Verhaltensweisen, Technologien und Institutionen in Großbritannien und in verschiedenen Entwicklungsländern betont die Bedeutung sozialer Werte für die heutigen Umweltprobleme. Es scheint wenig aussichtsreich, das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung aufgrund eben der Werte, welche zu diesen Problemen geführt haben, erreichen zu wollen. Und es ist fragwürdig, neue Werte definieren zu wollen, ohne die Menschen einzubeziehen, welche von globalen und lokalen Umweltproblemen betroffen sind. Angesichts eines modernistischen Fortschrittsglaubens erfordert nachhaltige Entwicklung eine Vision einer alternativen Zukunft.
ABSTRACT: Research into global environmental change (GEC) has sought to influence and criticize public policy. In the United Kingdom, it has also served to refashion the social sciences, forcing them to consider sustainability as a dimension of all social and economic behaviour. The paper discusses some of the lessons we have learned from the british GEC Programme. Research on the environmental implication of specific behaviour, technologies, and institutions in the UK and also in developing countries emphasizes the importance of social values for environmental problems. Attempts to realize the goal of sustainable development on the basis of the very social values which have led to the current environmental problems are highly problematic, and so are attempts to define new values without actively involving the people concerned by environmental problems. Against the background of a modernist belief in progress, sustainable development requires a vision of an alternative future.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Michael R. Redclift, Wye College, University of London, Wye, Ashford, Kent TN25 5AH, England; Prof. James F. Skea, University of Sussex, Global Environmental Change Programm, Mantell Building, Brighton, BN1 9RF, England, e-mail: a.h.scott@sussex.ec.uk
AUTOR: Edenhofer, Ottmar
TITEL: Das Management globaler Allmenden
ENGL. TITEL: The Management of Global Environmental Change
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 36, Jg. 48, 1996, S. 390-419.
ZUSAMMENFASSUNG: Die Debatte um die vernünftige Nutzung der Atmosphäre hat noch kein Managementkonzept hervorgebracht, das gleichermaßen wissenschaftlich abgestützt und gesellschaftlich durchsetzbar ist. Dennoch lassen sich aus dem Rational Actor Paradigm (RAP) einige wichtige Erkenntnisse gewinnen: Internationale Umweltabkommen haben nur dann eine Chance, wenn der Strategieraum der Nationalstaaten erweitert wird, wenn soziale Lernprozesse angestoßen werden und sich auf Märkten ökologische Innovationen durchsetzen. Wie jedoch ökologische Innovationen und soziale Lernprozesse gefördert werden können, läßt sich mit dem Instrumentarium von RAP nicht mehr bestimmen. RAP kommt zu der Schlußfolgerung, daß Märkte und freiwillige Verhandlungen allein keine effizienten institutionellen Arrangements sind, um ökologisches Wissen zu entdecken und zu verbreiten. Der Ausweg in RAP, die Nutzung globaler Allmenden einem rationalen Planer zu überlassen, scheitert daran, daß dieser weder demokratisch legitimiert ist noch über das notwendige Wissen für solch weitreichende Entscheidungen verfügt. Die Forschungsrichtung des Integrated Assessments versucht zu erklären, wie das notwendige Wissen für soziale Lernprozesse und ökologische Innovationen entdeckt und verbreitet werden soll. Dabei geht es einmal um die Frage, wie die Arbeitsteilung zwischen Experten und Laien neu bestimmt werden kann, und zum anderen, wie sich das Expertenwissen aus unterschiedlichen Fachdisziplinen durch Computermodelle so in ein Gesamtbild integrieren läßt, daß es in Entscheidungssituationen genutzt werden kann.
ABSTRACT: Research into global environmental change (GEC) has sought to influence and criticize public policy. In the United Kingdom, it has also served to refashion the social sciences, forcing them to consider sustainability as a dimension of all social and economic behaviour. The paper discusses some of the lessons we have learned from the british GEC Programme. Research on the environmental implication of specific behaviour, technologies, and institutions in the UK and also in developing countries emphasizes the importance of social values for environmental problems. Attempts to realize the goal of sustainable development on the basis of the very social values which have led to the current environmental problems are highly problematic, and so are attempts to define new values without actively involving the people concerned by environmental problems. Against the background of a modernist belief in progress, sustainable development requires a vision of an alternative future.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Ottmar Edenhofer, Technische Hochschule Darmstadt, Institut für Soziologie, Residenzschloß, 64283 Darmstadt
AUTOR: Daele, van den Wolfgang
TITEL: Soziologische Beobachtung und ökologische Krise
ENGL. TITEL: Sociological Observation and Ecological Crisis
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 36, Jg. 48, 1996, S. 420-440.
ZUSAMMENFASSUNG: Umweltsoziologe muß mehr sein als bloß Soziologie. Um die Kommunikation über ökologische Probleme von der Wirklichkeit der Probleme unterscheiden zu können, muß man die Gesellschaft in der Natur beobachten und nicht bloß die Konstruktion der Natur in der Gesellschaft. Dazu bedarf die Soziologie der Kooperation mit den Naturwissenschaften. Zwar entfalten sich ökologische Krisenwahrnehmungen und Konflikte nach einer gesellschaftlichen Logik; sie sind nicht durch den objektiven Zustand der Umwelt determiniert. Ob die 'Ökologische Frage' aber die Verfassung moderner Industriegesellschaften sprengen wird, dürfte im Ergebnis wieder von objektiven Fakten abhängen, nämlich von den ökologischen Anpassungen, zu denen diese Gesellschaften tatsächlich in der Lage sind. Die bisherige Umweltpolitik zeigt, daß entgegen der üblichen öffentlichen Rhetorik die Anpassungskapazitäten dieser Gesellschaften erheblich sind.
ABSTRACT: Environmental sociology has to be more than mere sociology. In order to distinguish between communication over ecological problems and the reality of such problems one must be able to observe society within nature and not just the construction of nature within society. To that end, sociology must rely on cooperation with the natural sciences. It is true, perceptions of ecological crisis and ecological conflicts are not determined by the objective state of the environment, rather they follow mechanisms of a societal logic. The assumption, however, that the 'ecological question' will challenge the basic structures of modern industrial societies, brings us back to the level of environmental facts: it depends, in the final analysis, on the ecological adaptations these societies are actually able to achieve. Environmental policies so far indicate that the capacity of industrial societies to adapt is quite high.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Wolfgang van den Daele, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), FSII Technik-Arbeit-Umwelt, Reichpietschufer 50, 10785 Berlin, e-mail: daele@medea.wz-berlin.de
AUTOR: Cebon, Peter
TITEL: Eine organisationstheoretischen Analyse von Maßnahmen gegen Punktquellenverschmutzung
ENGL. TITEL: An Organizational Framework for the Comparative Analysis of Point Source Pollution Regulations
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 36, Jg. 48, 1996, S. 441-471.
ZUSAMMENFASSUNG: Theorien zu umweltpolitischen Regulierungsmaßnahmen gehen meist von der Annahme aus, daß sich Firmen als rationale Akteure auffassen lassen. In dieser Arbeit wird untersucht, in welchen Fällen eine solche Annahme zutrifft. Es wird das Rüstzeug entwickelt, um einzuschätzen, wie gut politische Instrumente Rationalitätsbarrieren in Firmen überwinden können. Ein prototypischer Fall wird untersucht: Ein Punktquellenverschmutzer, der zur Schadstoffbeseitigung eine bereits existierende Technologie implementiert. Diskutiert werden zunächst Technologien, dann die Personen, welche solche Technologien vorschlagen, die Strategien, die sie anwenden, und die Rolle, welche das institutionelle Umfeld bei ihrer Entscheidung für bestimmte Handlungsoptionen spielt. Das Kernargument lautet, daß die Rationalitätsannahme nur für "nicht eingebettete" neue Technologien zutrifft. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden sich Umweltmanager aber nicht für Problemlösungsstrategien entscheiden, die zu eingebetteten Technologien führen; die Rationalitätsannahme gilt somit nur für einen Teilbereich des Maßnahmenspektrums. Für politische Zwecke sind eingebettete Technologien im allgemeinen günstiger. In der weiteren Analyse werden 14 Wege aufgezeigt, wie eine politische Intervention die Fähigkeit einer Firma vergrößern kann, Barrieren gegen die Implementation innovativer Technologien zu überwinden. Anhand dieser Maßnahmen lassen sich politische Instrumente vergleichen. Illustriert wird die Argumentation mit Beispielen aus dem Bereich der Energieersparnis in Universitäten, dem Schadstoffmanagement in Chemiefirmen, dem Einstellen der Nutzung von verbleitem Benzin in den USA und der Emissionsreduktion in der U.S.-Chemieindustrie zu Beginn der 90er Jahre.
ABSTRACT: Traditional theories of environmental regulation assume that firms can be treated as rational actors. This paper asks whether such an assumption is valid and develops a tool for assessing how well policy instruments overcome barriers to rationality within the firm. It examines a prototypical case: a point-source polluter abating by implementing a pre-existing technology. The paper discusses technologies, the people who propose them, the strategies they use, and the role of the institutional environment in constructing their options for action. The central argument is that for ”unembedded” new technologies, the rationality assumption is reasonable. However, specialist managers responsible for implementation are unlikely to have problem-solving strategies which will yield embedded technologies, and rationality is a poor assumption to deal with these strategies. Embedded technologies are generally preferable for policy purposes. The 14 ways in which an intervention can increase a firm's ability to overcome these barriers, which come from the analysis, could be used as a tool for comparing policy instruments. The argument is illustrated with examples from energy conservation in universities, pollution management in chemical plants, the U.S. leaded gasoline phase down, and emissions reduction in the U.S. chemical industry in the early 1990's.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Peter Cebon, University of Melbourne, Melbourne Business School, 200 Leicester Street, Carlton, Victoria 3053, Australien, e-mail: pcebon@clyde.its.unimelb.edu.au
AUTOR: Héritier, Adrienne
TITEL: Muster europäischer Umweltpolitik
ENGL. TITEL: Patterns of European Policy Making: The Environment
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 36, Jg. 48, 1996, S. 472-486.
ZUSAMMENFASSUNG: Die europäische Umweltpolitik war und ist ein schnell wachsendes Politikfeld, obwohl sie zunächst in den Römischen Verträgen nicht verankert war und obwohl das Subsidiaritätsprinzip gegenwärtig neue Regulierungen erschwert. Als politisches Handlungsfeld muß sie unterschiedliche nationale Interessen und Regulierungstraditionen unter einen Hut bringen. Im vorliegenden Beitrag werden die typischen Prozeßmuster herausgearbeitet, die diesen Merkmalen der europäischen Umweltpolitik zugrundeliegen. Von besonderem Interesse sind in diesem Zusammenhang gängige Innovationsstrategien, die Art und Weise des Interessenausgleichs sowie des Regulierungsstils. Diese Politikmuster werden anhand von Beispielen europäischer Umweltgesetzgebung diskutiert.
ABSTRACT: European environmental policy is perplexing for a variety of reasons. Even without a legal mandate it expanded quickly; it has to accomodate a diversity of interests and regulatory cultures; in spite of the subsidiarity principle it keeps growing as a policy field. The article elaborates the process patterns which are at the roots of these features of European environmental policy making, such as the typical innovative strategies of the Commission, typical modes of interest accomodation and regulatory instruments, and discusses them in the context of European environmental legislation.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Adrienne Héritier, European University Institute, Department of Political and Social Sciences, Via dei Roccettini 9, I-50016 San Domenico di Fiesole (FI), Italien
AUTOR: Dörner, Dietrich
TITEL: Der Umgang mit Unbestimmtheit und Komplexität und der Gebrauch von Computersimulationen
ENGL. TITEL: The Difficulties of Coping with Uncertainty and Complexity and the Use of Computer Simulations
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 36, Jg. 48, 1996, S. 489-515.
ZUSAMMENFASSUNG: In diesem Artikel geht es um die Schwierigkeiten, die Menschen mit komplexen, unbestimmten und "langsamen" Realitäten haben. Solche Realitäten wie Wirtschaft, Politik und Ökologie unterscheiden sich von unseren gewöhnlichen Alltags-Realitäten. Sie enthalten Kausalketten, die in hohem Maße miteinander vernetzt sind, so daß Nebenwirkungen des Handelns eher die Regel als die Ausnahme sind, sie sind meist intransparent; man kann nur einen Teil der Prozesse, die in solchen Systemen ablaufen, beobachten, und sie sind gekennzeichnet durch "schwache" Kausalbeziehungen: Die Größe der Ursache korrespondiert nicht mit der Größe der Wirkung. Die Übertragung der Beurteilungs- und Handlungsgewohnheiten aus unserer Alltagswelt auf solche komplexen Realitäten ist wegen der Andersartigkeit der Gesetzmäßigkeiten in solchen Welten gewöhnlich problematisch. Menschen zeigen daher beim Umgang mit solchen Realitäten eine Menge inadäqauter Denkmuster. Besonders schlecht können sie mit Zeit umgehen; die Zeitgesetze von Abläufen werden nicht erkannt oder es wird falsch extrapoliert. Menschen neigen weiterhin bei komplexen Systemen z.B. zu reduktiven Hypothesenbildungen und versuchen, die eine Variable zu ermitteln, von der alles Geschehen abhängt. Alle diesen inadäquaten Denkmuster lassen sich auf vier Merkmale des menschlichen kognitiven Systems zurückführen, nämlich auf die begrenzte Kapazität und Langsamkeit des bewußten menschlichen Denkens, auf das Bestreben, das Gefühl der eigenen Kompetenz zu bewahren, auf die "Überwertigkeit" des aktuellen Motivs und schließlichn auf das schlichte Vergessen, welches uns die Einsicht in die Gesetze zeitlicher Abläufe erschwert. Ein Mittel zum Üben des adäquaten Umgangs mit komplexen Systemen scheint die Konfrontation von Personen mit computersimulierten Modellen komplexer Systeme zu sein.
ABSTRACT: The difficulties of people coping with complex, uncertain and slow domains of reality are discussed. First the characteristics of such domais of reality are compared with the characteristics of the normal everyday-world. It is shown that our everyday-environment is characterized by an accumulation of non interconncted, short causal chains. Therefore our everyday-world is normally free of side and long term effects. Additionally our everyday-world is charcterized by short reaction times. Quite different are such domains of reality as politics, ecology, economics. These domains are characterized by complex, interconnected causal chains, by intransparency, by long reaction times, by a high degree of side and long term effects. It can be shown that people have great difficulties to cope adequately with such complex, uncertain and slow systems. When people have to cope with such domains, one can find inadequate patterns of thinking. For instance, people have difficulties to cope adequately with time series. Normally we cannot grasp even simple laws of time series. Frequently tendencies of reductive hypothesis building can be found. All the events of complex domains are reduced to one core variable. These and other patterns of thinking are discussed and reduced to four basic features of the human cognitive machinery. The low speed and the low capacity of human conscious thinking, forgetting, the overweight of the actual motive and the tendency to guard the feeling of competence are respondible for most erroneous behavior. To train the ability to cope adequately with such systems the use of computer systems and computer simulations is recommended.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Dietrich Dörner, Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Lehrstuhl für Psychologie, Markusstraße 3, 96045 Bamberg
AUTOR: Noll, Heinz-Herbert, und Kramer, Caroline
TITEL: Umweltberichterstattung und Umweltindikatoren. Informationen zum Zustand und Wandel der Umwelt
ENGL. TITEL: Environmental Reports and Indicators. Informations on State and Changes of Environment
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 36, Jg. 48, 1996, S. 516-547.
ZUSAMMENFASSUNG: Die Umweltberichterstattung, wie sie derzeit von verschiedenen Akteuren auf supranationaler, nationaler und subnationaler Ebene betrieben wird, verfolgt die Zielsetzung, die allgemeine Öffentlichkeit sowie die Entscheidungsträger in Politik, Verwaltung und Wirtschaft umfassend und regelmäßig über den aktuellen Zustand der Umwelt und deren Veränderung im Zeitablauf zu informieren. Als übergreifender Bezugsrahmen und Leitbild dient ihr zumeist das Konzept des "sustainable development". Die auf allen Ebenen vorherrschende Perspektive der Umweltberichterstattung bildet das sogenannte "Pressure-State-Response" - Modell, wie es ursprünglich von der OECD entwickelt und vorgeschlagen wurde. Die Forschung zur Weiterentwicklung der Umweltberichterstattung konzentriert sich gegenwärtig vorwiegend auf Umweltindikatorensysteme auf der einen Seite und Systeme der umweltökonomischen Gesamtrechnung auf der anderen Seite. Als eine Zielrichtung für den zukünftigen Ausbau der Umweltberichterstattung kann insbesondere eine angemessenere Berücksichtigung von sozialwissenschaftlich generierten Informationen über Wertorientierungen, Umweltbewußtsein, Verhaltensformen und subjektiven Bewertungen der Umweltverhältnisse gesehen werden.
ABSTRACT: Running reports on the environment published by different actors on different levels - the supranational, national and subnational level - have the object of informing the general public as well as decision makers in politics, administration and economy completely and regularly on state and changes of the environment. The superior model is the concept of sustainable development. The perspective which dominates all levels of environmental reporting is the so called "pressure-state-response model", developped and suggested by the OECD. Investigations for further development of environmental reporting concentrate presently on systems of environmental indicators and systems of a total environmental and economic calculation. The goals for prospective improvement of environmental reporting seem to be the following: an adequate consideration of values, awareness, behavior and subjective jugdements concerning the environment based on results of social science.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Heinz-Herbert Noll, Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen (ZUMA), Abt. Soziale Indikatoren, Postfach 122155, 68072 Mannheim; Caroline Kramer, Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen (ZUMA), Abt. Soziale Indikatoren, Postfach 122155, 68072 Mannheim, e-mail: Caroline.Kramer@ZUMA-Mannheim.de
AUTOR: Schahn, Joachim, und Bohner, Gerd
TITEL: Methodische Aspekte sozialwissenschaftlicher Evaluationsforschung im Umweltbereich
ENGL. TITEL: Methodological Aspects of Social Scientific Evaluation Research in the Environmetal Domain
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 36, Jg. 48, 1996, S. 548-570.
ZUSAMMENFASSUNG: Die sozialwissenschaftliche Forschung zur Evaluation von Maßnahmen im Bereich des Umweltschutzes wird unter methodischen Gesichtspunkten betrachtet. Nach Klärung der relevanten Begriffe werden Versuchsplanung und Datenerhebungsverfahren erörtert. Hierbei wird auf experimentelle und quasi-experimentelle Versuchspläne eingegangen. Ferner werden Probleme behandelt wie Selektionseffekte, "treatment contamination", Repräsentativität, Reaktivität von Messungen, Einflüsse sozialer Erwünschtheit auf das Antwortverhalten bei Befragungen sowie Vor und Nachteile individueller Daten versus Aggregatdaten. Bei einem Ausblick auf die mögliche Zukunft der Evaluationsforschung werden methodische und inhaltliche Aspekte differenziert.
ABSTRACT: From a methodological point of view, the authors address social science research dealing with the evaluation of programs in the area of environmental protection. The relevant concepts are defined, and issues of research design and data gathering are discussed. Specifically, experimental and quasi-experimental designs are compared. The authors further discuss problems such as selection effects, treatment contamination, representativeness, reactivity of measurement, influences of social desirability on responses, and the pros and cons of individual versus aggregated data. In an outlook on possible future developments, aspects of methodology and content are differentiated.
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dipl.-Psych. Joachim Schahn, Universität Heidelberg, Psychologisches Institut, Hauptstraße 47-51, 69117 Heidelberg; Dr. Gerd Bohner, Universität Heidelberg, Psychologisches Institut, Hauptstraße 47-51, 69117 Heidelberg
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