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Zusammenfassungen und English Summaries
Heft 2, Jg. 49, 1997

AUTOR: Brüderl, Josef; Diekmann, Andreas; Engelhardt, Henriette

TITEL: Erhöht eine Probeehe das Scheidungsrisiko? Eine empirsche Untersuchung mit dem Familiensurvey

ENGL. TITEL: Premarital Cohabitation and Marital Stability in West Germany

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 49, 1997, S. 205-222

ZUSAMMENFASSUNG: In dieser Arbeit gehen wir der Frage nach, ob voreheliches Zusammenleben von späteren Ehepartnern das Scheidungsrisiko beeinflußt. Die landläufige These hierzu ist, daß eine "Probeehe" das Scheidungsrisiko senken sollte. Zur Überprüfung dieser Hypothese verwenden wir die Daten des westdeutschen Familiensurveys von 1988. Es zeigt sich, daß - entgegen der Probeehe-These - Ehen mit vorgeschalteter nichtehelicher Lebensgemeinschaft ein höheres Scheidungsrisiko haben. Weitere, differenziertere Analysen zeigen aber, daß dieses Resultat auf einen Selbstselektions-Effekt zurückzuführen ist: Insbesondere solche Personen, die eine geringe Eheorientierung aufweisen, gehen eine Probeehe ein. Heiraten sie dennoch, so ist die Ehe trotz der Probeehe-Phase mit einer höheren Scheidungswahrscheinlichkeit belastet. Mittels geeigneter statistischer Verfahren, die die Selbstselektion kontrollieren, können wir schließlich zeigen, daß eine Probeehe tatsächlich das Scheidungsrisiko senkt.

ABSTRACT: This paper investigates the question, whether premarital cohabitation influences the divorce rate of a subsequent marriage. The well-known "weeding-out" hypothesis postulates that cohabitation should decrease divorce rates, because high-risk partners will separate before marriage. We use data from the West-German family survey of 1988 to test this hypothesis. We find - contrary to the weeding-out hypothesis - that cohabitation increases the risk that a subsequent marriage will end in divorce. However, more sophisticated analyses hint at the possibility that this result is due to self-selection: High-risk persons choose cohabitation. Using a bivariate probit model, we can finally show that cohabitation - net of self-selection - actually decreases the risk of divorce.

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Josef Brüderl, Universität München, Institut für Soziologie, Konradstr.6, D-80801 München, E-Mail: uf341ga@sunmail.lrz-muenchen.de; Prof. Dr. Andreas Diekmann, Universität Bern, Institut für Soziologie, Lerchenweg 36, CH-3012 Bern, E-Mail: diekmann@soz.unibe.ch; Dipl. Soz. Henriette Engelhardt, Universität Bern, Institut für Soziologie, Lerchenweg 36, CH-3012 Bern, E-Mail: engelhardt@soz.unibe.ch

AUTOR: Henz, Ursula

TITEL: Der nachgeholte Erwerb allgemeinbildender Schulabschlüsse. Analyse zur quantitativen Entwicklung und sozialen Selektivität

ENGL. TITEL: Late Routes to General Educational Qualifications in West Germany. Analyses of Quantitative Development and Social Selectivity

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 49, 1997, S. 223-241

ZUSAMMENFASSUNG: Durch den Ausbau des beruflichen Bildungssystems und die Einführung von Doppelqualifikationen wurden in den vergangenen Jahrzehnten die Möglichkeiten für den Erwerb allgemeinbildender Schulabschlüsse nach dem Ersten Bildungsweg erheblich erweitert. In der vorliegenden Arbeit werden Art und Ausmaß nachgeholter allgemeinbildender Schulabschlüsse beschrieben und der Zusammenhang mit der sozialen Herkunft und der Bildungsbiographie untersucht. Die empirischen Analysen beruhen auf Daten der Lebensverlaufsstudie für die Geburtskohorten 1939-41, 1949-51, 1954-56 und 1959-61. Zwei bis drei Jahre nach dem Verlassen des Ersten Bildungsweges war die Chance für das Nachholen allgemeinbildender Schulabschlüsse am größten. Die Ergebnisse eines multivariaten Ratenmodells lassen einen Einfluß der sozialen Herkunft auf die Chance für den Erwerb eines weiteren allgemeinbildenden Abschlusses insbesondere bei Personen mit höchstens Hauptschulabschluß erkennen. Unter Personen mit mittlerer Reife haben diejenigen mit größerer Wahrscheinlichkeit einen allgemeinbildenden Schulabschluß nachgeholt, die im Ersten Bildungsweg das Gymnasium vorzeitig verlassen haben.

ABSTRACT: In the (West-)German educational system the so-called "second educational path” and vocational education are additional routes to the attainment of general educational qualifications. During recent decades, the probability of doing so has risen considerably due to the expansion of vocational schools and the introduction of double qualifications. The paper describes the extent and type of these later general educational qualifications as well as the impact of social origin and earlier educational experience on the chance of attaining them. The empirical analyses are based on the German Life History Study which comprises samples of (West-) German birth cohorts from 1939-41, 1949-51, 1954-56, and 1959-61. The probability of obtaining a higher diploma was highest already two or three years after having left the general educational system for the first time with or without a lower-level diploma. The results of a multivariate model show an influence of social origin on the attainment of a later degree especially for people who had obtained only a lower secondary general qualification. Among people with a middle level qualification, those who had not completed their chosen course of study during the first stay in the general educational system had a higher probability of obtaining a higher general educational diploma.

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Ursula Henz, Stockholm University, Demography Unit, S-10691 Stockholm, Schweden, E-Mail: Ursula.Henz@suda.su.se

AUTOR: Heinze, Rolf G.; Schmid, Josef; Strünck, Christoph

TITEL: Zur politischen Ökonomie der sozialen Dienstleistungsproduktion. Der Wandel der Wohlfahrtsverbände und die Konjunkturen der Theoriebildung

ENGL. TITEL: The Political Economy of the Social Services. Structural Transformation of Welfare Organizations and Trade Cycles of Theory

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 49, 1997, S. 242-271

ZUSAMMENFASSUNG: Die wichtigsten Anbieter sozialer Dienste in Deutschland, die gemeinnützigen und weltanschaulich geprägten Wohlfahrtsverbände, sind seit einiger Zeit neuen Wandlungsprozessen ausgesetzt: Intern gewinnen betriebswirtschaftliche Rationalisierungsmuster an Bedeutung, extern wird insbesondere durch Gesetzesänderungen und neue Nachfrager-Gruppen die Vorrangstellung der Verbände infragegestellt. Der Beitrag nimmt diesen Wandel zum Anlaß, um nach dem Ertrag der Wohlfahrtsverbände-Forschung zu fragen und eine stärker wirtschaftssoziologische Perspektive zu skizzieren. Es wird vorgeschlagen, das dominante Neokorporatismus-Theorem entsprechend zu ergänzen und zu modifizieren. Dazu werden die Ursachen für den internen wie externen Wandel diskutiert, der in Anlehnung an industriesoziologische Begriffe als Verschiebung von "Status" zu "Kontrakt" interpretiert wird. Gegen die verbreitete Beschreibung der Wandlungs-Phänomene als "Ökonomisierung" oder "Verbetrieblichung" wird eingewandt, daß das Interpretationsmuster "vom Status zum Kontrakt" eine wachsende Wechselwirkung von "Ökonomisierung" und "Politisierung" in der sozialen Dienstleistungsproduktion sichtbar macht.

ABSTRACT: Germany's dominant and powerful non-profit welfare organizations - the so-called "Wohlfahrtsverbände" - are subject to structural change. Within these organizations economic efficiency measures are established while amendments and new groups of clients threaten the organizations' position of pre-eminence in the social services' sector. The article picks up the structural transformation in order to judge the results of research concerning welfare organizations. The authors' aim is to add categories of economic sociology to the theory of neo-corporatism, which dominates the German discussion on account of the relation between state and welfare organizations. The causes of internal and external change are discussed and the structural change is described as a shift from "status" to "contract", following the categories of industrial sociology. Against popular schemes of interpretation, which analyse those phenomena of change first of all as a shift to "economizing", the article maintains a different point of view. It shows that applying the scheme "from status to contract" reveals a close interrelation of "economizing" and "politicizing" effects in the German social services' sector.

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Rolf G. Heinze, PD Dr. Josef Schmid und Dipl.-Soz.wiss. Christoph Strünck, Lehrstuhl für Soziologie, Fakultät für Sozialwissenschaften, Ruhr-Universität Bochum, Universitätsstr. 150, D-44780 Bochum

AUTOR: Büchel, Felix; Frick, Joachim; Voges, Wolfgang

TITEL: Der Sozialhilfebezug von Zuwanderern in Westdeutschland

ENGL. TITEL: Social Assistance Recipiency among Immigrants in West Germany

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 49, 1997, S. 272-290

ZUSAMMENFASSUNG: Die Studie untersucht die Struktur des Sozialhilfebezugs privater Haushalte in Westdeutschland für verschiedene Bevölkerungsgruppen. Unterschieden werden zunächst länger ansässige Deutsche, länger ansässige Ausländer sowie Haushalte mit Personen, die zwischen 1984 und 1995 nach Westdeutschland immigrierten. Diese Zuwanderer werden zusätzlich nach Herkunfts- bzw. Statusgruppen (Übersiedler, Aussiedler, Asylbewerber/Flüchtlinge, etc.) aufgegliedert. Die Studie basiert auf den Befragungsdaten des Jahres 1995 des sozio-oekonomischen Panels (SOEP) und berücksichtigt insbesondere die neue Zuwanderer-Stichprobe. Es zeigt sich zunächst, daß länger ansässige Ausländer doppelt so häufig Sozialhilfe beziehen als länger ansässige Deutsche. Dies ist jedoch nicht auf die Nationalität zurückzuführen, sondern auf die Tatsache, daß die soziale Struktur dieser Ausländer ungünstiger ist als die der Deutschen. Zuwanderer sind deutlich häufiger unter den Sozialhilfeempfängern zu beobachten als die länger ansässige Bevölkerung. Allerdings erweisen sich die Zuwanderer als sehr heterogene Gruppe. Neben den mit Abstand bedürftigsten Asylbewerbern/Flüchtlingen weisen - bei Kontrolle der sozialen Struktur und relativ zur länger ansässigen deutschen Bevölkerung - nur Aussiedler eine signifikant höhere Sozialhilfebezugs-Wahrscheinlichkeit auf. Werden nur Zuwanderer betrachtet, so zeigt sich, daß die Wahrscheinlichkeit eines Sozialhilfebezugs mit zunehmender Aufenthaltsdauer abnimmt. Damit erweist sich die Sozialhilfe als leistungsfähige Integrationshilfe für Zuwanderer.

ABSTRACT: This study focuses on the reception of benefits from the social assistance scheme among various ethnic groups in West Germany in 1995. We distinguish households of Germans and foreigners with residence of more than ten years from immigrants who came to West Germany throughout the last decade. The latter group is differentiated according to ethnic origin, e.g. Übersiedler from East Germany, Aussiedler (ethnic Germans from former Eastern block countries), asylum seekers and refugees, etc. The empirical analysis is based on data from the German Socio-economic Panel Study (GSOEP) as of 1995 and takes into account its new immigrant sample. A first descriptive analysis shows that immigrants rely most heavily on social assistance, followed by the group of long-time residents, where we find foreigners to be more dependent on social assistance than Germans. Within the very heterogeneous group of immigrants Aussiedler as well as asylum seekers and refugees are most likely to receive social assistance. Using logistic regressions to prove these findings when controlling for a variety of socio-economic characteristics, it can be shown that the result for foreigners and Germans is mainly determined by the less favourable social structure of foreigners. In a final step we focus exclusively on immigrants in order to control for the effect of length of residence in Germany. The main result is a significant reduction in the probability of receiving benefits from the social assistance scheme with increasing years of residence. Thus, social assistance proves to be an effective instrument for integrating immigrants into the German society.

KORRESPONDENZANSCHRIFT: PD Dr. Wolfgang Voges, Zentrum für Sozialpolitik, Parkallee 39, D-28209 Bremen, E-Mail: wovo@zes.uni-bremen.de

AUTOR: Salaske, Ingeborg

TITEL: Die Befragbarkeit von Bewohnern stationärer Alteneinrichtungen unter besonderer Berücksichtigung des Verweigerungsverhaltens. Eine Analyse mit den Daten des Altenheimsurvey

ENGL. TITEL: Survey Response of Old People Living in Residential Care Facilities with Special Regard to Refusal. An Investigation with Data from the Altenheimsurvey

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 49, 1997, S. 291-305

ZUSAMMENFASSUNG: Der vorliegende Beitrag analysiert die Befragbarkeit von Bewohnern stationärer Alteneinrichtungen. Dabei geht es um die Frage, wie viele Ausfälle und welche Rangfolge der Ausfallgründe sich bei der Befragung von Altenheimbewohnern ergeben und wie sich die Ausfälle von Erfahrungen mit der (Alten-)Bevölkerung in Privathaushalten unterscheiden. Eine theoretische Diskussion erfolgt im Hinblick auf das Verweigerungsverhalten von Heimbewohnern. Grundlage der folgenden Analysen ist der Altenheimsurvey (AHS). Dies ist eine repräsentative Umfrage unter Bewohnern stationärer Alteneinrichtungen, die im Zeitraum von August 1995 bis März 1996 in Deutschland stattfand. Während bei allgemeinen Bevölkerungsumfragen die Verweigerung die Hauptausfallursache darstellt, zeigen die Ergebnisse, daß bei der Befragung von Altenheimbewohnern die häufigste Ausfallursache die Nichtbefragbarkeit ist, gefolgt von den Ausfällen aufgrund von Interviewverweigerung und auf Grund von Nichterreichbarkeit. Westdeutsche Heimbewohner verweigern ein Interview wesentlich häufiger als ostdeutsche.

ABSTRACT: This article analyses the survey response of old people living in residential care facilities. Its major concerns are the percentages of dropouts in interviews with old people living in residential care, the rank order of the motives for these dropouts and the comparison with the elderly living in private households. Theories of refusal are discussed for people living in residential care. The data base for the analysis was obtained from the Altenheimsurvey (AHS), a representative survey on older people living in residential care facilities. Data were collected between August 1995 and March 1996 in Germany. While in general population surveys the major motives for dropout is the refusal, the following results indicate that the major motive for dropout in the AHS is the inability to participate followed by refusal and noncontact. People living in residential care facilities in Western Germany refuse more often than those living in Eastern Germany.

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dipl.-Verw.Wiss. Ingeborg Salaske, Universität Heidelberg, Institut für Soziologie, Sandgasse 9, D-69117 Heidelberg, E-mail: Ingeborg.Salaske@urz.uni-heidelberg.de

AUTOR: Egger, Marianne; de Campo, Alberto

TITEL: Was sie schon immer über das Verhalten in sinkenden U-Booten wissen wollten. Eine Replik zu Hartmut Essers Aufsatz "Die Definition der Situation"

ENGL. TITEL: Everything You Always Wanted to Know about Behavior in Sinking Submarines. Discussing Hartmut Esser's Essay on the Definition of the Situation

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 49, 1997, S. 306-317

ZUSAMMENFASSUNG: In dieser Replik auf Hartmut Essers Aufsatz "Die Definition der Situation" (KZfSS 48 (1), 1996: 1-34) werden die von Esser entworfenen mathematischen Modelle untersucht und es werden die Form der mathematische Modellierung, die Begriffsbildung und die geringe Prognosevalidität der Formeln kritisiert. Zudem werden sachliche Fehler in Essers Modellen aufgezeigt. Die Autoren formulieren alternative bzw. korrigierte Modellierungen der Nutzenproduktionsfunktionen und der Gleichungen zur Selektion des Modus der Informationsverarbeitung.

ABSTRACT: The authors discuss Hartmut Esser's essay on the definition of the situation (KZfSS 48, No. 1, 1996) and criticize the form of Esser's mathematical modelling as well as his terminology and the lack of predictive validity of Esser's formulas. They also state to have found factual errors in the models. Alternative or corrected mathematical modelling is created in order to desribe the production of utility or the selection of the mode of information processing.

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Marianne Egger, Institut für Soziologie, Karl-Franzens-Universität Graz, Universitätsstr. 15, A-8010 Graz

AUTOR: Esser, Hartmut

TITEL: Panik an Bord? Eine Antwort auf die Replik "Was Sie schon immer über das Verhalten in sinkenden U-Booten wissen wollten"

ENGL. TITEL: Panic on Board? A Rejoinder to Egger and de Campo

QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 49, 1997, S. 318-326

ZUSAMMENFASSUNG: Die Antwort geht noch einmal auf das Konzept der sozialen Produktionsfunktionen und auf bestimmte Einzelheiten der Modellierung der "Definition der Situation" ein und zeigt dabei die groben inhaltlichen Fehlverständnisse auf, auf denen die formale Kritik in der Replik beruht. Beschlossen wird der Beitrag mit einigen Anmerkungen zur Möglichkeit einer "soziologischen" Handlungstheorie.

ABSTRACT: The answer to the reply comments the concept of social production functions and some details of the modelling of the "Definition of the Situation" and indicates, thus, the serious substantial flaws, on which the formal critics on the essay rest on. The answer is concluded by some remarks on the possibility of a "sociological theory of action".

KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Hartmut Esser, Universität Mannheim, Fakultät für Sozialwissenschaften, Seminargebäude A5, D-68159 Mannheim

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Datei aktualisiert am 06.02.2004 in der Redaktion der KZfSS