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AUTOR: Thomas Schweizer
TITEL: Wie versteht und erklärt man eine fremde Kultur? Zum Methodenproblem der Ethnographie.
ENGL. TITEL: How to Understand and Explain a Foreign Culture: On the Methodological Problem of Ethnography.
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 51, 1999, S. 1-33.
KURZREFERAT: Das Verhältnis zwischen Verstehen und Erklären ist das zentrale Problem der ethnologischen Feldforschung (Ethnographie). Zunächst wird dieses Problem in die verschiedenen sozial- und geisteswissenschaftlichen Forschungstraditionen der Ethnologie eingebettet. Die Ethnographie wird als ein theoretisch offener, holistischer und multifaktorieller Forschungsansatz vorgestellt, dessen Ergebnis sowohl beschreibend als auch theoretisch angelegte Fallstudien sind. Die hauptsächlichen Theorierichtungen der Ethnologie werden im Überblick besprochen. Anschließend werden die Stärken und Schwächen der Geertzschen interpretativen Kulturtheorie und deren postmoderne Kritik diskutiert. Dies liefert den Hintergrund für eine eigene Konzeption, die sich an die Auffassungen von M. Weber, H. Esser und S. Lindenberg anlehnt. Während der Phase der Datenerhebung überwiegt das Verstehen einheimischer Bedeutungen und der Sichtweisen der Akteure, ergänzt durch theoriegeleitete und kulturvergleichend inspirierte Beobachtungen. Gegen Ende der Datenerhebung und in der Phase der Auswertung und des Zusammenschreibens der Ergebnisse geht das Verstehen in (kausale) Erklärungen über, indem die akteurbezogenen Überzeugungen und Handlungen in allgemeine Hypothesen und Theorien übersetzt werden (während des ethnographischen Erkenntnisgangs gibt es Rückkoppelungen zwischen Verstehen und Erklären). An zwei Beispielen aus einer eigenen Feldforschung in einem Dorf auf Java/Indonesien wird das Zusammenspiel von Verstehen und Erklären erläutert. Zunächst werden in den Handlungsfeldern Reisanbau und religiöse Rituale mit interpretativen Verfahren, die Vorstellungen der Akteure über ihre Ziele und Pläne erfasst. Dann werden diese Informationen in ökonomische bzw. Ritualtheorien aufgenommen, mit deren Hilfe sich die beobachteten Handlungen erklären lassen.
STICHWORTE: Methodologie, Ethnographie, Feldforschung, Erklärung, Verstehen
ENGL. KURZREFERAT: The relationship between understanding (Verstehen) and scientific explanation is introduced as the central problem of anthropological fieldwork. The different scientific or humanistic research traditions of anthropology are reviewed briefly. Anthropological fieldwork is characterized as a theoretically open, holistic and many-sided endeavor that yields ethnographic reports that are both descriptive accounts and theoretical models. An overview of theoretical currents that have guided ethnographic research is given. The interpretive anthropology of Clifford Geertz and the postmodern critique thereof is discussed. Certain merits, but also serious limitations in both positions are pointed out, using them as a springboard for an integrative approach of the author that owes much to M. Weber, H. Esser and S. Lindenberg. In this two-level perspective understanding illuminates the main part of fieldwork when ethnographers attempt to grasp the natives' point of view, while theory-guided and comparatively driven questions are important as well. Understanding gives way to explanation when actor-specific beliefs and actions become translated into general theories at the end of fieldwork and in the process of data analysis and writing. By way of examples from fieldwork of the authors work in Indonesia, it is demonstrated how rice production and ritual action in rural Java can be investigated by interpretation to gain an in-depth understanding of native goals and plans; these observations can then be explained by recourse to general hypotheses from economic and ritual theory.
KEYWORDS: methodology, ethnography, field research, explanation, understanding
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Korrespondenzanschrift: Prof. Dr. Thomas Schweizer, Institut für Völkerkunde, Universität zu Köln, D-50923 Köln, thomas.schweizer@uni-koeln.de
AUTOR: Christian Joppke
TITEL: Einwanderung und Staatsbürgerschaft in den USA und Deutschland.
ENGL. TITEL: Immigration and Citizenship in the United States and Germany.
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 51, 1999, S. 34-54.
KURZREFERAT: Die Auswirkung von Einwanderung auf die Staatsbürgerschaft in den Vereinigten Staaten von Amerika und Deutschland wird verglichen. Leitfaden für den Vergleich sind die drei Theorien von Brubaker, Soysal und Kymlicka über das Verhältnis von Migration und Staatsbürgerschaft, die auf Hypothesen zugespitzt und anhand des Materials geprüft werden. Aus dem Vergleich werden drei Folgerungen über den Wandel der Staatsbürgerschaft in Einwanderungsländern gezogen. Erstens, die Staatsbürgerschaft bleibt unabdingbar für die Integration von Einwanderern. Zweitens, der Inhalt der Staatsbürgerschaft ist veränderbar, in Abweichung von nationalen Traditionen. Und drittens, die Staatsbürger-schaft wird zunehmend multikulturell.
STICHWORTE: Migration, Staatsbürgerschaft, USA, Deutschland, Einwanderung
ENGL. KURZREFERAT: This article compares the impact of postwar immigration on citizenship in the United States of America and Germany. The comparison is framed by three prominent theories about the relationship between immigration and citizenship, whose main hypotheses are examined in light of the case material. The comparison suggests three implications for the institution of citizenship in liberal states: citizenship remains indispensable for integrating immigrants; the content of citizenship may change, in deviation from nationhood traditions; and citizenship is becoming increasingly multicultural.
KEYWORDS: migration, citicenship, USA, Germany, immigration
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Prof. Dr. Christian Joppke, Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften, Europäisches Hochschulinstitut, Via die Roccetini, I-50016 San Domenico di Fiesole, E-Mail: Joppke@datacomm.iue.it
AUTOR: Rolf Becker und Markus Nietfeld
TITEL: Arbeitslosigkeit und Bildungschancen von Kindern im Transformationsprozeß. Eine empirische Studie über die Auswirkungen sozio-ökonomischer Deprivation auf intergenerationale Bildungsvererbung.
ENGL. TITEL: Unemployment and Educational Opportunities of Children in the Process of Social Transformation.
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 51, 1999, S. 55-79.
KURZREFERAT: Wie wirkt sich Arbeitslosigkeit ostdeutscher Eltern auf Bildungschancen von Kindern im gesellschaftlichen Umbruch aus? Es wird ein theoretisches Modell entwickelt, das relevante Mechanismen der Bildungsentscheidung sowohl auf der Ebene des Familienhaushaltes, insbesondere der Eltern-Kind-Beziehungen, als auch auf der individuellen Ebene des Kindes berücksichtigt. Neben Einkommensverlusten sind auf der Haushaltsebene Kapazitäten für die Anpassung und Verarbeitung von Arbeitslosigkeit, die Beeinträchtigung des Familienklimas, Störung der Kommunikation zwischen Eltern und Kindern wichtige Faktoren, die die Bildungsentscheidungen beim Übergang auf das Gymnasium modifizieren. Darüber hinaus beeinträchtigt auch die Abnahme des sozialen und kulturellen Kapitals des Elternhauses infolge von Arbeitslosigkeit die persönliche Entwicklung des Kindes und dessen Schulleistungen. Mit Längsschnittdaten über 327 Familien und 569 Kinder in Dresden wurde festgestellt, dass häufige wie langanhaltende Arbeitslosigkeit der Eltern die Bildungschancen betroffener Kinder verschlechtert. Insgesamt sind soziales und kulturelles Kapital des Elternhauses weitaus bedeutsamer für Bildungschancen als sozio-ökonomische Verluste im Transformationsprozess.
STICHWORTE: Arbeitslosigkeit, Bildungschancen, Kinder, Transformation
ENGL. KURZREFERAT: The purpose of this paper was to investigate the effect and significance of East German parents' unemployment on the children's opportunities for participation in higher education. In a theoretical model, the relevant mechanisms of educational decision-making have been considered at the household level (especially the interactions between parents and children) as well as at the individual level of children and their intellectual development. Additionally to the economic hardships the capacity of the household for adaptation and coping with unemployment as well as the distortion of family climate and parents-children-communication are important factors modifying the decision-making in regard to the children's transition into upper secondary school (Gymnasium). The negative effect of unemployment on the social and cultural capital of the family often diminishes the human development of the child and its performance at school. Using data for 327 families and 569 children in Dresden it has been found that frequent and long-term unemployment of parents have negative effects on the educational opportunities of their children. However, impact of parental social and cultural capital on children's educational achievement are stronger than socioeconomic deprivation in the process of social transformation.
KEYWORDS: unemployment, educational opportunities, children, transformation
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Korrespondenzanschrift: Dr. Rolf Becker, Markus Nietfeld, Technische Universität Dresden, Institut für Soziologie, Mommsenstrasse 13, D-01062 Dresden; E-Mail: becker-r@rcs.urz.tu-dresden.de; nietfeld@rcs.urz.tu-dresden.de
AUTOR: Marc Szydlik
TITEL: Erben in der Bundesrepublik Deutschland. Zum Verhältnis von familialer Solidarität und sozialer Ungleichheit.
ENGL. TITEL: Inheritance in the Federal Republic of Germany: The Relation Between Family Solidarity and Social Inequality.
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 51, 1999, S. 80-104.
KURZREFERAT: Über Erbschaften in der Bundesrepublik Deutschland ist bislang nur sehr wenig bekannt. Dabei handelt es sich um ein überaus wichtiges soziologisches Forschungsthema. Erbschaften sind Ausdruck familialer Solidarität und sie haben unübersehbare Folgen für soziale Ungleichheit. Die empirischen Analysen auf der Basis des Alters-Survey belegen: Vererbungen tragen einerseits dazu bei, dass soziale Ungleichheit reproduziert wird. Andererseits sind sie direkte Ursache der Vergrößerung sozialer Differenzen. Sie bevorteilen Personen aus höheren Bildungsschichten und benachteiligen diejenigen, die es von Haus aus ohnehin wesentlich schwerer haben, höhere soziale Positionen zu erreichen. Hauptschulabgänger erben wesentlich seltener und deutlich weniger als Akademiker. Das gilt ebenfalls für Ostdeutsche im Vergleich zu Westdeutschen. Die erheblich niedrigere Vermögensausstattung von Ostdeutschen wirkt sich somit deutlich auf ihre Erbschaftschancen und -höhen aus. Die Differenzen zwischen Frauen und Männern fallen im Vergleich dazu wesentlich geringer aus.
STICHWORTE: Erbschaft, soziale Ungleichheit, intergenerationale Mobilität, Deutschland
ENGL. KURZREFERAT: Although inheritance is an important subject of sociological research, so far very little is known about it within the Federal Republic of Germany. Inheritances are an expression of family solidarity and they have immense consequences on social inequality. Empirical analyses based on the German Aging Survey prove that on the one hand inheritances contribute to the reproduction of social inequality, and on the other hand they are the direct cause of increasing social differences. Inheritances favor individuals with a higher level of education and discriminate against those individuals who, due to their social backgrounds, have a much slighter chance of achieving higher social positions in any case. Individuals with a lower secondary school-leaving certificate (Hauptschulabgänger) inherit substantially less - and less often - than individuals with an academic training. The same applies to East Germans in comparison to West Germans, in that the considerably lower wealth of East Germans has, as expected, a clear influence on their chances of receiving inheritances. Compared to this, the differences between women and men in this field are much smaller.
KEYWORDS: inheritance, inequality, intergenerational mobility, Germany
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Korrespondenzanschrift: Dr. Marc Szydlik, Freie Universität Berlin, Institut für Soziologie, Babelsberger Straße 14-16, 10715 Berlin, E-Mail: szydlik@zedat.fu-berlin.de
AUTOR: Daniel Weimer, Mark Galliker und Carl F. Graumann
TITEL: Die Heidelberger Akzeptanz-Skala (HAS): Ein Instrument zur Messung der Akzeptanz und Zurückweisung von Migranten.
ENGL. TITEL: The Heidelberg Acceptance Scale: An Instrument Assessing the Acceptance and Rejection of Migrants.
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 51, 1999, S. 105-123.
KURZREFERAT: Zusammenfassung: Die Abgrenzung gegenüber Menschen, die als fremd erlebt werden, spielt bei sprachlichen Diskriminierungen eine wesentliche Rolle (Graumann und Wintermantel 1989). Im Rahmen der vorliegenden Fragebogenentwicklung wird die Zustimmung zu akzeptierenden oder distanzierenden Äußerungen gegenüber "Ausländern" und ihrem Zuzug bzw. Verbleib im Lande als mögliche Manifestation diskriminierungsrelevanter Einstellungen betrachtet. Die Skala wurde anhand verschiedener Stichproben (Berufstätige, Studierende, Arbeitssuchende, Rentner, N = 144) entwickelt und validiert. Sie ist eindimensional konzipiert und setzt sich zum überwiegenden Teil aus Items zusammen, die als Positionen zum Thema "Ausländerstopp" benannt wurden. Die interne Konsistenz beträgt Alpha = .91 und das Instrument differenziert deutlich zwischen den erhobenen sozialen Gruppen (p < .001). Die Skala erweist sich somit im Hinblick auf sowohl ihre Reliabilität wie auch differentielle Validität als brauchbares Forschungsinstrument.
STICHWORTE: Akzeptanz, verbale Diskriminierung, Rassismus, Migration, Minoritäten
ENGL. KURZREFERAT: Separation and distancing from people perceived as strange play an important role in inter-group discriminations. This was taken into account when constructing the questionnaire which is to be presented. The instrument is based on items concerning approval or disapproval of accepting and distancing utterances about "foreigners". The items were derived from interviews with subjects (N = 54) who were asked to state their attitudes towards the "stop foreigners" topic. The 22-item Heidelberg Acceptance Scale (HAS) has been developed and validated using samples of subjects from different social categories, such as university students, employed and unemployed persons, and pensioners (N = 144). The reliability and differential validity of the questionnaire are analyzed. Its one-dimensional concept is supported by factor analysis and a very high level of internal consistency (Cronbach's Alpha = .91). The inventory also demonstrates significant differentiation among the four subject categories (p < .001). Research possibilities with this easy-to-apply instrument, which measures the elementary dimension of social acceptance, are discussed.
KEYWORDS: acceptance, verbal discrimination, racism, migration, minorities
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Dr. Daniel Weimer, Universität Heidelberg, Abteilung für Psychosomatische Kooperationsforschung, Bergheimer Str. 54, 69115 Heidelberg, E-Mail: daniel_weimer@med.uni-heidelberg.de
TITEL: Der Einfluss vorehelichen Zusammenlebens auf die Ehestabilität als methodisches Artefakt?
ENGL. TITEL: The Impact of Premarital Cohabitation on the Divorce Rate as a Methodological Artefact?
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 51, 1999, S. 124-139.
KURZREFERAT: Durch diese Arbeit soll die Hypothese, dass voreheliches Zusammenleben keinen Einfluss auf das spätere Scheidungs- bzw. Trennungsrisiko mit dem Partner des vorehelichen Zusammenlebens hat, getestet werden. Zwei theoretisch relevante Annahmen führen zu dieser Hypothese. Die erste akzentuiert die haushaltsökonomisch begründbare funktionale Äquivalenz beider Beziehungsformen. Die zweite, aus dieser Grundannahme ableitbare Überlegung bezieht sich auf die Operationalisierung relevanter Variablen, von der behauptet wird, dass diese in einer neuen Form für Ehen mit vorheriger nichtehelicher Lebensgemeinschaft geschehen muss, um den theoretisch intendierten Informationsgehalt zu erhalten. Der Vergleich zweier ereignisanalytischer Modelle, von denen eines diese entsprechend operationalisierten Variablen berücksichtigt, zeigt, dass das Eingehen einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft ohne Einfluss auf die Ehestabilität ist, wenn theoretische Überlegungen in einer methodisch korrekten Form umgesetzt werden.
STICHWORTE: Ehestabilität, voreheliche Lebensgemeinschaft, Methodentest
ENGL. KURZREFERAT: The aim of this work is to show that there is no influence of premarital cohabitation on the divorce risk as long as two relevant theoretical considerations are made. The first is that premarital and marital relationships have to be regarded as equivalent in terms of the Household Production Function Approach. The second is the necessity to operate some relevant variables which have an impact on the divorce rate in a new manner for couples who married after having shared the same household. The comparison of two models, from which one places emphasize on these new operated variables, makes clear that there is indeed no influence of premarital cohabitation on the divorce risk.
KEYWORDS: marital instability, premarital cohabitation, methodology
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Korrespondenzanschrift: Dipl.-Soz. Yasemin Niephaus, Zentralarchiv für empirische Sozialforschung an der Universität zu Köln, Bachemer Straße 40, D-50931 Köln, E-Mail:
AUTOR: Wulf Hopf
TITEL: Waren die Ostdeutschen moralische Marionetten? Kritische Bemerkungen zu Heiner Meulemanns Beitrag: "Die Implosion einer staatlich verordneten Moral. Moralität in West- und Ostdeutschland 1990-1994".
ENGL. TITEL: Were the East Germans Puppets of Morality? Comment on H. Meulemann 1998.
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 51, 1999, S. 140-145.
KURZREFERAT: In diesem Artikel wird bezweifelt, dass die von H. Meulemann beschriebenen Einstellungs- und Verhaltensänderungen der ostdeutschen Bevölkerung zwischen 1990 und 1994 als "Implosion" einer vom Staat der DDR auferlegten Moral interpretiert werden können. Der theoretische Rahmen der Analyse unterschätzt die Möglichkeiten, auch zu Zeiten der DDR moralische Autonomie zu erlangen. Das Instrument zur Messung der "Moralität" erscheint wenig valide. Es misst eher eine diffuse Verurteilungsbereitschaft abweichenden Verhaltens als Striktheit gegenüber moralischen Geboten im engeren Sinn. Das empirische Muster der Einstellungsveränderungen entspricht überdies vielfach nicht der Implosionsthese.
STICHWORTE: Ost-Deutschland, Moral, politische Soziologie, DDR
ENGL. KURZREFERAT: The article contests H. Meulemann's thesis that the observed changes in attitudes and criminal behavior of the East German population between 1990 and 1994 can be understood as an "implosion" of morality imposed by the East German Government before unification. The theoretical frame of Meulemann's analysis underestimates the opportunities to achieve moral autonomy even at times of the GDR. The instrument measuring "morality" seems to be of little validity. Instead of measuring adherence to moral obligations in the proper sense it accounts for a diffuse propensity to condemn deviant behavior. Moreover, the empirical pattern of attitude changes often does not fit to the "implosion thesis".
KEYWORDS: German Democratic Republic, morale, political sociology, transformation
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Korrespondenzanschrift: Prof. Dr. Wulf Hopf, Pädagogisches Seminar, Georg-August-Universität, Baurat-Gerber-Str. 4-6, D-37073 Göttingen, E-Mail: whopf@gwdg.de
AUTOR: Heiner Meulemann
TITEL: Wessen Marionetten? Replik auf "Waren die Ostdeutschen moralische Marionetten?" von Wulf Hopf.
ENGL. TITEL: Whose Marionettes? Reply to Wulf Hopf.
QUELLE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 51, 1999, S. 146-149.
KURZREFERAT: Gegen den Einwand Hopfs, dass ich hinter der explizit politisierten die "vorpolitische Alltagsmoral" der DDR ignoriere, erwidere ich, dass die von ihm zitierten Belege nicht eine solche Moral, sondern die Wirksamkeit der politisierten Moral gerade in der vermeintlich vorpolitischen Alltagsmoral belege. Gegen den Einwand Hopfs, dass das Erhebungsinstrument nicht "moralische Striktheit", sondern "Ablehnungsbereitschaft" erfasse, entgegne ich, dass die Schlussfolgerung des staatlichen Oktrois eher bekräftigt werde, wenn die überhöhte und zusammenbrechende Ablehnungsbereitschaft der Ostdeutschen sich nicht nur auf Moral, sondern auch auf Konventionen bezieht. Gegen den Vorwurf der impliziten Abwertung der Ostdeutschen als "moralische Marionetten" entgegne ich, dass gerade der Wechsel von einer Sozialverfassung, in der es der politischen Führung möglich war, die Bevölkerung wie eine "Marionette" zu betrachten, zu einer Sozialverfassung, in der dies nicht möglich ist, den Rückgang der ostdeutschen "moralischen Striktheit" hervorgerufen hat.
STICHWORTE: Moral, politische Soziologie, Ost-Deutschland, DDR
ENGL. KURZREFERAT: Against Hopf's critique that the "pre-political morale of everyday life" behind the explicitly politicized morale of the GDR would be ignored in my paper, I can only reply that the evidence he cites proves the efficacy of the politicized morale even in the seemingly pre-political morale. Against Hopf's critique that the survey inventory used does not measure "moral strictness" but a "disqualifying tendency", I reply that my conclusion of a state imposition becomes even stronger, if the "disqualifying tendency" of East Germans which is high in 1990 and decreases until 1994 does not refer to commandments of morale but of convention as well. Against Hopf's objection that East Germans are implicitly downgraded to "moral marionettes" I reply that the change of the political constitutions - the old, but not the new one allowing a direct interference of the political leadership with the people's morale - triggered off the decay of East Germans "moral strictness".
KEYWORDS: morale, political sociology, East-Germany, German Democratic Republic
KORRESPONDENZANSCHRIFT: Korrespondenzanschrift: Prof. Dr. Heiner Meulemann, Institut für Angewandte Sozialfor-schung, Universität zu Köln, Greinstr. 2, D-50939 Köln, E-Mail: Meulemann@wiso.uni-koeln.de
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