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Zusammenfassungen und English Summaries
der Aufsätze in Heft 3/1999

AUTOR/ AUTHOR: Jörg Rössel

TITEL/ TITLE: Warum soziale Konflikte gewalttätig werden. Streiks und Gewalt im amerikanischen Kohlenbergbau 1881-1894

ENGL. TITEL/ TITLE: Why Social Conflicts Turn Violent

QUELLE/ SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 51, 1999, S. 439-468.

KURZREFERAT/ ZUSAMMENFASSUNG: Eine in der Protestforschung bisher nur wenig untersuchte Frage ist, unter welchen Bedingungen friedliche Protestaktionen in Gewalt umschlagen. In diesem Artikel wird versucht, dieses Phänomen mit Hilfe der politischen Theorie sozialen Protests, wie sie von Charles Tilly entwickelt wurde, zu erklären. Die aus dieser Theorie entwickelten Hypothesen und Fragestellungen werden am Beispiel von Daten über Streiks im amerikanischen Kohlenbergbau zwischen 1881 und 1894 überprüft. Es erweist sich, dass Streiks, in denen die Streikforderungen Kompromisse erschweren sowie mit zunehmender Größe und Dauer eine größere Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Gewalt haben. Eine gewaltfördernde Wirkung hat auch der Einsatz von ethnisch oder rassisch fremden Streikbrechern. Dagegen wirkt die Fähigkeit des Staates zur gewaltsamen Repressionen der Entstehung von Gewalt entgegen. Insgesamt zeigt sich, dass eine politische Theorie sozialen Protests auch die Entstehung von Gewalt aus friedlichen Formen des Protests heraus erklären kann.

STICHWORTE: Sozialer Konflikt, Protestbewegung, Streik, Gewalt

ENGL. KURZREFERAT/ ABSTRACT: In protest research there are only few studies on the question of why peaceful social conflicts turn violent. This article tries to explain this phenomenon by using the political theory of social protest as it was developed by Charles Tilly. The hypothesis and research questions derived from this theory are tested on the example of data on strikes in American coal mining between 1881 and 1894. The probability of violence in strikes increases when demands can hardly be negotiated, with higher numbers of participants involved and a prolonged duration. Furthermore, the use of ethnically or racially foreign strikebreakers has the effect of furthering violence. In contrast, the states’ capacity for violent repression lowers the chances for the development of violence. The conclusion is that the political theory of social protest is able to explain the shift from peaceful forms of protest to violence. 

KEYWORDS: Social conflict, social protest movements, strikes, violence

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ ADDRESS: Jörg Rössel, Universität Leipzig, Institut für Kulturwissenschaften, Burgstr. 21, D-04109 Leipzig, E-Mail: Roessel@rz.uni-leipzig.de

AUTOR/ AUTHOR: Thomas Klein

TITEL/ TITLE: Pluralisierung versus Umstrukturierung am Beispiel partnerschaftlicher Lebensformen

ENGL. TITEL/ TITLE: Individualization versus Restructuralization of Partner Living Arrangements in Germany

QUELLE/ SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 51, 1999, S. 469-490.

KURZREFERAT/ ZUSAMMENFASSUNG: Der Wandel partnerschaftlicher Lebensformen wird vielfach im Spiegel von Individualisierung und Pluralisierung diskutiert. Der vorliegende Beitrag Untersucht partnerschaftliche Lebensformen und ihre Veränderungen am Beispiel der Bundesrepublik Deutschland auf der Basis einer repräsentativen Untersuchung, dem Familiensurvey. Dabei zeigen sich keinerlei revolutionierende Umwälzungen partnerschaftlicher Lebensformen wie sie vielfach behauptet werden, und auch für eine bedeutsame Zunahme ‚alternativer‘ Partnerschaftsformen finden sich keine Anhaltspunkte. Vielmehr ist eine im Zuge der Individualisierungsdebatte fast erstaunlich gewordene Konstanz festzustellen. Offenkundig sind nur leicht erklärbare Umstrukturierungen, in deren Mittelpunkt die Zunahme nichtehelicher Lebensgemeinschaften steht. Hingegen hat die Bindungsbereitschaft eher zu- als abgenommen. Dies steht in Widerspruch zu zentralen Aussagen der Individualisierungsthese wie der zunehmender Beziehungslosigkeit und zunehmenden Single-Daseins.

STICHWORTE: Individualisierung, Pluralisierung, Partnerschaft, Heirat, nichteheliche Lebensgemeinschaft

ENGL. KURZREFERAT/ ABSTRACT: Change in partnership relations are widely discussed in the context of individualization and pluralization. This study offers empirically representative data for Germany on the topic. Amazingly, no serious change processes emerge from the data. Although marriages decreased and cohabitations increased (as well as living apart together in a stable partnership) the inclination to bind into a partnership has almost kept constant for several decades and different cohorts. This development is in line with other industrialized countries.

KEYWORDS:  Individualization, pluralization, partnership, marriage, cohabitation

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ ADDRESS: Prof. Dr. Thomas Klein, Institut für Soziologie, Universität Heidelberg, Sandgasse 9, 69117 Heidelberg, E-Mail: thomas.klein@urz.uni-heidelberg.de

AUTOR/ AUTHOR: Franz J. Neyer

TITEL/ TITLE: Die Persönlichkeit junger Erwachsener in verschiedenen Lebensformen

ENGL. TITEL/ TITLE: Personality of Young Adults with Different Life Patterns

QUELLE/ SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 51, 1999, S. 491-508.

KURZREFERAT/ ZUSAMMENFASSUNG: Lebensformen wurden aus persönlichkeitspsychologischer Perspektive untersucht. Dazu wurde eine repräsentative Teilstichprobe junger Erwachsener (n=637) aus dem DJI-Familiensurvey im Alter zwischen 18 und 30 Jahren zu Persönlichkeit und sozialen Beziehungen befragt. Auf der Basis ihrer engen sozialen Bindungen wurden drei Lebensformen rekonstruiert: 1. Junge Erwachsene mit Partner und Kind, 2. junge Erwachsene mit Partner und 3. junge Singles. Zwischen diesen Gruppen variierten sowohl das Vorhandensein als auch die Kontaktintensität sozialer Beziehungen innerhalb und außerhalb der Familie. Vor allem aber unterschieden sich die Persönlichkeitsprofile: Personen der ersten beiden Gruppen, die aktuell an einen Partner gebunden waren, besaßen geringe Werte in Neurotizismus und Schüchternheit, aber höhere Ausprägung in Extraversion, Gewissenhaftigkeit und allgemeinem Selbstwert. Die Singles zeigten im Vergleich höhere Werte in Neurotizismus und Schüchternheit, aber geringere in Extraversion, Gewissenhaftigkeit und allgemeinem Selbstwert. Partnerunerfahrene Singles hatten die niedrigsten Werte in Extraversion und die höchsten Werte in Schüchternheit. Aus den Ergebnissen wird abgeleitet, dass die Persönlichkeit in modernen individualisierten Gesellschaften eine zunehmend wichtige Rolle bei der Gestaltung sozialer Beziehun-gen und der Differenzierung von Lebensformen spielt.

STICHWORTE: Persönlichkeit, Lebensformen, soziale Bindung, Neurotizismus, Extraversion, allgemeines Selbstwertgefühl

ENGL. KURZREFERAT/ ABSTRACT: The study analyzed life patterns of young adults from the personality perspective by using a representative sample of 637 young Germans between the age of 18 and 30. With respect to their close social relationships, three groups of respondents with different life patterns were distinguished: (1) young adults with partner and child, (2) young adults with partner, and (3) young singles. These groups differed significantly in their social relationship patterns within and outside of the family as well as with respect to their personality profiles. The two groups of respondents with partner relationships reported lower levels of neuroticism and shyness, but higher scores in extraversion, conscientiousness, and general self-esteem. In contrast, singles scored high in neuroticism and shyness, but low in extraversion, conscientiousness and general self-esteem. Singles without partner experience were highest in shyness and lowest in extraversion. It was concluded that in modern individualized societies the personality plays an important role in the structure of life patterns and social relationships.

KEYWORDS: Personality, life patterns, social relationships, neuroticism, extraversion, general self-esteem

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ ADDRESS: Dr. Franz J. Neyer, Institut für Psychologie, Humboldt-Universität zu Berlin, Oranienburger Str. 18, D-10178 Berlin, E-Mail: Neyer@rz.hu-berlin.de

AUTOR/ AUTHOR: Udo Kelle und Christian Erzberger

TITEL/ TITLE: Integration qualitativer und quantitativer Methoden. Methodologische Modelle und ihre Be-deutung für die Forschungspraxis

ENGL. TITEL/ TITLE: The Integration of Qualitative and Quantitative Methods. Methodological Models and their Significance for Practising Social Research

QUELLE/ SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 51, 1999, S. 509-531.

KURZREFERAT/ ZUSAMMENFASSUNG: Qualitative und quantitative Erhebungs- und Auswertungsverfahren werden trotz der fortbestehenden Divergenzen zwischen methodologischen Lagern in der Forschungspraxis oft gemeinsam eingesetzt. Der Beitrag konfrontiert zwei in der Literatur diskutierte Modelle der Methodenintegration (das Phasenmodell und das Triangulationsmodell) mit Beispielen aus der Lebenslaufforschung. Das Ergebnis der Diskussion besteht darin, daß diese Modelle nur in ihren schwachen Versionen brauchbar sind: Nur unter bestimmten Umständen (abhängig von Forschungsfragestellung, theoretischem Kontext und Untersuchungsinstrumenten) können qualitative und quantitative Ergebnisse (im Sinne des Phasenmodells) zur gegenseitigen Validierung genutzt werden. Unter anderen Umständen aber können sie sich auch (im Sinne der Triangulationsmetapher) komplementär oder so-gar divergent zueinander verhalten. Auf der Grundlage dieser Überlegungen wird argumentiert, das Verhältnis zwischen qualitativen und quantitativen Methoden und Ergebnissen nicht primär anhand methodologischer Regeln, sondern vor allem aufgrund inhaltlich-theoretischer Erwägungen über den untersuchten Gegenstandsbereich zu bestimmen.

STICHWORTE: Qualitative versus quantitative Forschungsmethoden, Zwei-Phasen-Modell, Triangulierung, Kreuzvalidierung

ENGL. KURZREFERAT/ ABSTRACT: Despite the enormous distance between the different camps in the methodological debate, social researchers often use qualitative and quantitative methods together in one research design. In the paper several approaches to combining methods (the two-phase-design and the concept of triangulation) are confronted with examples from sociological life course research. It will be demonstrated that the practice of social research is much more adequately reflected by weak versions of method combination: under certain circumstances qualitative and quantitative results can be used for mutual validation (phase-model). But, depending on the research domain and the theoretical approaches used, one will often find that the qualitative and quantitative investigations carried out within one study can lead to complimentary or even divergent results (triangulation-metaphor). On the basis of these reflections the central argument of the paper is that in most cases methodological rules and considerations are not sufficient to determine the adequate relation between qualitative and quantitative methods in one research design. Furthermore, theoretical considerations about the domain under investigation are needed to decide whether qualitative and quantitative research results can mutually validate each other or can be used for the description or explanation of different aspects of the investigated phenomenon.

KEYWORDS: Qualitative versus quantitative methods of research, two-phase-design, triangulation, mutual validation

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ ADDRESS: Dr. Udo Kelle, Institut für Interdisziplinäre Gerontologie Hochschule Vechta, Driverstr. 22, D-49377 Vechta, E-Mail: udo.kelle@uni-vechta.de; Dr. Christian Erzberger, Sonderforschungsbereich 186, Universität Bremen, Postfach 330 440, D-28334 Bremen, E-Mail: cerz@sfb186.uni-bremen.de

AUTOR/ AUTHOR: Christian Lüdemann

TITEL/ TITLE: Verhalten, Schwellenwerte und deren Determinanten. Die empirische Überprüfung einiger Hypothesen im Bereich Umweltverhalten

ENGL. TITEL/ TITLE: Recycling Behavior, Thresholds and their Explanation. An Empirical Test of Hypotheses Concerning Environmental Actions

QUELLE/ SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 51, 1999, S. 532-549.

KURZREFERAT/ ZUSAMMENFASSUNG: Schwellenwert-Modelle beziehen sich auf binäre Entscheidungssituationen, in denen Personen ihre Verhaltensentscheidung davon abhängig machen, wie sich andere zuvor entschieden haben. Trotz des Erklärungspotentials, das diese Modelle für die formale dynamische Analyse von Prozessen kollektiven Verhaltens besitzen, sind Versuche der Messung von Schwellenwerten äußerst selten. Ein Messvorschlag für Befragungen wird vorgestellt und angewendet. Dabei wird auf eine Befragung (N = 247) zurückgegriffen, in der Schwellenwerte für „umweltbewusstes“ Verhalten, Kosten und Nutzen sowie die subjektive Auftrittswahrscheinlichkeit von Handlungsfolgen zweier Entsorgungsalternativen (Altglas in einen öffentlichen Container oder in den Hausmüll tun) erhoben wurden. Erstens werden Hypothesen zum Zusammenhang zwischen Schwellenwerten und Verhalten getestet. Zweitens werden verschiedene Hypothesen über die Determinanten von Schwellenwerten überprüft. Dabei zeigt sich, dass eine Kombination von SEU-Werten (SEU = Subjective Expected Utility) und dem Einfluss von Bezugsgruppen am meisten Varianz in den Schwellenwerten erklärt. Drittens werden Probleme der Wahrnehmung des Verhaltens Dritter erörtert, Messprobleme diskutiert und Empfehlungen für die Forschungspraxis formuliert.

STICHWORTE: Umweltbewusstes Verhalten, Schwellenwerte, subjektiver erwarteter Nutzen

ENGL. KURZREFERAT/ ABSTRACT: Threshold models belonging to the rational choice paradigm have been devel-oped for situations where actors have two behavior alternatives and the costs and/or bene-fits of each alternative de-pend on how many other actors choose each alternative. Despite the analytical power of such models of collective action, attempts at empirical measurement of individual thresholds have been extremely rare. In this article a measurement procedure is proposed and applied in a survey on environmental behavior (N = 247) in which costs, utilities and expectations of the outcomes of two behavior alter-natives (putting waste glass into a public recycling bin vs. putting waste glass into a garbage can) and personal thresholds for recycling waste glass were measured. First, hypotheses about the relationship between thresholds and disposal behavior were tested. Second, hypotheses about the determinants of thresholds were tested. The results show that the best prediction of thresholds is afforded when a combination of SEU-values (SEU = Subjective Expected Utility) and a normative predictor is used. Third, problems associated with the perception of the number or proportion of others acting and the measurement of thresholds are discussed and proposals for further research are made.

KEYWORDS: Recycling behavior, thresholds, environmental action, subjective expected utility

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ ADDRESS:  PD Dr. Christian Lüdemann, Universität Bremen, Institut für empirische und angewandte Soziologie (EMPAS), Fachbereich 8, Postfach 330 440, D-28334 Bremen, E-Mail: CHLUED@sfb186.uni-bremen.de

AUTOR/ AUTHOR: Markus Klein und Kai Arzheimer

TITEL/ TITLE: Ranking- und Rating-Verfahren zur Messung von Wertorientierungen, untersucht am Beispiel des Inglehart-Index. Empirische Befunde eines Methodenexperiments

ENGL. TITEL/ TITLE: Ranking and Rating Procedures for the Measurement of Values, Analyzed with an Example of the Inglehart-Index. Empirical Results of a Methodological Experiment

QUELLE/ SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 51, 1999, S. 550-564.

KURZREFERAT/ ZUSAMMENFASSUNG: Über die Frage, ob Ranking-Prozeduren wirklich besser für die Messung von Wertorientierungen geeignet sind als Rating-Skalen, gibt es in der empirischen Sozialforschung eine andauernde Diskussion. Um diese Debatte mit mehr empirischer Evidenz anzureichern, haben wir ein Methodenexperiment in eine zweiwellige schriftliche Panelbefragung integriert: In der ersten Panelwelle wurden die Befragten gebeten, die vier Items des Inglehart-Index sowohl unabhängig voneinander in ihrer Wichtigkeit zu bewerten als auch rangzuordnen. In der zweiten Panelwelle haben wir diese Bitte wiederholt, dabei allerdings der Hälfte der Respondenten einen Fragebogen vorgelegt, in dem die Reihenfolge der Items vertauscht war. Mit Hilfe dieses experimentellen Designs können wir zeigen, dass ein Zusammenhang zwischen der Reihenfolge der Items im Fragebogen und den von den Be-fragten vergebenen Rangpositionen besteht. Dies gilt in besonderem Maße für Befragte, die in der er-sten Panelwelle im Rahmen des Rating-Verfahrens allen Items dieselbe Wichtigkeit zugeschrieben hatten. Das Ranking-Verfahren ist also für Response-Sets ebenso anfällig wie Rating-Skalen. Vor dem Hintergrund dieser Befunde besteht kein Grund für die Annahme, dass das Ranking dem Rating in methodischer Hinsicht überlegen sei.

STICHWORTE: Werte, Rangskala, Einstufungsskala, Inglehart-Index, Antwortmuster, Panel-Studie

ENGL. KURZREFERAT/ ABSTRACT: In empirical social research there is a long debate about the question, whether ranking procedures are indeed more appropriate for the measurement of value orientations than rating scales. To gain empirical clarity, we incorporated a methodological experiment into a two-wave mail panel survey. In the first wave we asked respondents to rank and rate the four items of the well known Inglehart-Index. In the second wave we split the sample and while asking the same question, we changed the order of the items in the questionnaire for half of the respondents. By means of this experimental design we can demonstrate that there exists a correlation between the order of the items in the questionnaire and the rank-order that respondents assign to these items. This relationship is even stronger for respondents which gave the same rating to all items in the first panel wave. Thus, ranking procedures seem to be affected by response sets as well as rating procedures. In the light of these findings, there remains no basis for the assumption, that rankings are superior to ratings in methodological terms.

KEYWORDS: Values, ranking scale, rating scale, Inglehart-index, response set, panel survey

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ ADDRESS: Dipl.-Volkswirt Markus Klein, M.A., Zentralarchiv für empirische Sozialforschung der Universität zu Köln, Postfach 410960, D-50869 Köln, E-Mail: klein@za.uni-koeln.de; Kai Arzheimer, Institut für Politikwissenschaft, Abt. Innenpolitik und politische Soziologie, Johannes Gutenberg-Universität, D-55099 Mainz, E-Mail: kai.arzheimer@politik.uni-mainz.de

AUTOR/ AUTHOR: Harald Schoen

TITEL/ TITLE: Mehr oder weniger als fünf Prozent - ist das wirklich die Frage?

ENGL. TITEL/ TITLE: More or Less than Five Percent - Does it Really Matter?

QUELLE/ SOURCE: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 51, 1999, S. 565-582.

KURZREFERAT/ ZUSAMMENFASSUNG: In der politischen Rhetorik wie der wissenschaftlichen Diskussion nimmt die wasted vote-These eine prominente Stellung ein. Neben ihrer Popularität sprechen auch empirische Analysen für die Stichhaltigkeit dieses Arguments. Letztere erscheinen jedoch insofern defizitär, als sie die implizite Kausalaussage der wasted vote-These vernachlässigen. Diese wird im vorliegenden Beitrag untersucht; dabei erweist sich die diskutierte These in bivariater Betrachtungsweise als empirisch fundiert. In multivariaten Modellen stellt sich jedoch heraus, dass die vermeintlich taktischen Überlegungen entspringenden Konstellationen aus Wahrnehmungen und Verhaltensabsichten ebenso gut mit sozialpsychologischen Rationalisierungsmechanismen erklärt werden können. Dieser Befund nährt Zweifel an der empirischen Bedeutung von wahrgenommenen Wahlchancen auf das Stimmverhalten und könnte als Anlass dienen, auch andere Formen taktischen Wahlverhaltens einer solchen Prüfung zu unterziehen.

STICHWORTE: Strategisches Wählen, wasted vote-These, Fünfprozentklausel, Partei-Identifikation

ENGL. KURZREFERAT/ ABSTRACT: In Germany, the wasted vote thesis is quite popular both in political science and among politicians. This widely held view is underpinned by empirical evidence which suggests that it makes a difference how a voter perceives the electoral prospects of his preferred party. In this contribution, however, we discuss whether the usual approach to test the wasted vote thesis is adequate. In particular, we argue that seemingly convincing empirical evidence in favour of the thesis might be interpreted in terms of psychological rationalization. Multivariate analyses reveal that this theoretically reasonable suspicion is empirically justified because the effect of the perceived electoral prospects vanishes if it is controlled for party identification. These results lead us to the conclusion that political parties need not pay as much attention to campaign efforts referring to their electoral prospects as they usually do. Additionally, our findings suggest that it may be promising to apply the argument presented in this contribution to other electoral settings.

KEYWORDS: Strategic voting, wasted vote thesis, five percent clause, party identification

KORRESPONDENZANSCHRIFT/ ADDRESS: Harald Schoen, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Politikwissenschaft, Saarstraße 21, D-55099 Mainz, E-Mail: harald.schoen@politik.uni-mainz.de

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Datei aktualisiert am 21.01.2004 in der Redaktion der KZfSS