Arne Uhlendorf:
Der Einfluss von Persönlichkeitseigenschaften und sozialen Ressourcen auf die
Arbeitslosigkeit [KZfSS, 56, 2004: 326-349]
Der Einfluss von Persönlichkeitseigenschaften und sozialen Ressourcen auf die Arbeitslosigkeitsdauer
Arne Uhlendorff
Erwerbsbiographie
Für jeden Panelteilnehmer wird die monatliche
Erwerbssituation aufgenommen. Wie in Kapitel IV.2 beschrieben, wird hier
zwischen den Kategorien „erwerbstätig“, „nicht erwerbstätig“ und „arbeitslos“
unterschieden. Der Anschlusszustand „Erwerbstätigkeit“ tritt dann ein, wenn im
selben oder im darauffolgenden Monat nach Ende einer Arbeitslosigkeitsphase
eine Erwerbstätigkeit aufgenommen wird, andernfalls liegt der Anschlusszustand
„Nichterwerbstätigkeit“ vor.
Die „bisherige Erwerbsdauer“ umfasst die Monate, in
der die arbeitslose Person seit dem Januar 1992 entweder voll erwerbstätig, in
Kurzarbeit, teilzeitbeschäftigt oder geringfügig beschäftigt war. Mittels
dieser Anzahl der Monate soll die bisherige Berufserfahrung einer Person
gemessen werden. Nicht mitberücksichtigt werden Phasen der betrieblichen
Ausbildung, Fortbildung oder Umschulung. Die dichotome Variable „vorherige
Erwerbstätigkeit“ nimmt den Wert 1 an, wenn im Monat vor oder im selben Monat
des Beginns einer Arbeitslosigkeitsepisode eine Phase endet, in der die
Untersuchungsperson voll erwerbstätig, in Kurzarbeit, teilzeitbeschäftigt oder
geringfügig beschäftigt war. Die „bisherige Arbeitslosigkeitsdauer“ ergibt sich
aus der Anzahl der Monate, die die Untersuchungsperson seit dem Januar 1992 und
vor der aktuellen Periode in Arbeitslosigkeit verbracht hat.
Allgemeine Ausbildung
Für jedes Befragungsjahr liegt für jeden Teilnehmer
der formal höchste Bildungsabschluss in Jahren vor. Die Variable
„Ausbildungsdauer“ enthält jeweils den letzten, vor Beginn einer Episode
angegebenen Bildungsabschluss. (näheres siehe Haisken-DeNew und Frick 2001).
Familiensituation
Kinderanzahl
Die Variable „Kleinkinder“ enthält die Anzahl
der Kinder zwischen 0 und 4 Jahren, die zu Beginn einer
Arbeitslosigkeitsepisode in dem Haushalt leben. Die Anzahl der Kinder zwischen
5 und 14 Jahren ist in der Variable „Kinder“
enthalten.
Einkommen des Ehepartners
Die
Variable „Einkommen des Ehepartners“ nimmt den Wert 1 an, wenn der im gleichen
Haushalt lebende Ehepartner im Jahr des Beginns der Arbeitslosigkeit der
Untersuchungsperson zwölf Monate voll erwerbstätig gewesen ist, sich zwölf
Monate in Rente oder Vorruhestand befand oder die Summe der Monate in diesen
beiden Zuständen zwölf ergibt.
Anspruch
auf Lohnersatzzahlungen
Haben
die Befragten in dem Jahr, in dem sie arbeitslos geworden sind,
Arbeitslosengeld oder Arbeitslosenhilfe bezogen, so nimmt die Variable
„Unterstützungsanspruch“ den Wert 1 an.
Soziales
Engagement
In jeder Befragungswelle von 1994 bis 2000 wurde
die Frage gestellt, wie oft in der freien Zeit bestimmte Tätigkeiten ausgeübt
werden. In den Befragungsjahren 1994, 1996, 1997 und 1999 wurden für acht
Tätigkeiten die Häufigkeiten abgefragt. Die korrespondierenden Fragen in den
Jahren 1995 und 1998 umfassten jeweils 16 abgefragte Tätigkeiten. Sowohl die
Häufigkeit ehrenamtlicher Tätigkeiten in Vereinen, Verbänden oder sozialen
Diensten als auch die Häufigkeit einer Beteiligung in Bürgerinitiativen, in
Parteien und in der Kommunalpolitik wurden in allen Jahren abgefragt.
Für
die Befragungswellen in den Jahren 1994, 1996, 1997 und 1999 standen den
Befragten vier Antwortkategorien zu Verfügung: jede Woche (1), jeden Monat (2),
seltener (3) oder nie (4): In den Befragungswellen der Jahre 1995 und 1998
waren es fünf Kategorien: täglich (1), jede Woche (2), jeden Monat (3),
seltener (4) oder nie (5).
Für die Jahre 1995 und 1998 habe ich die
Kategorien (1) und (2) zusammengefasst, um über alle Wellen eine einheitliche Kodierung
der Häufigkeiten zu erreichen. Nach einer Umkodierung (aus 1 wird 4 etc.) wurde
für jeden Befragungszeitpunkt ein additiver Index gebildet. Wurde eine der
beiden Fragen nicht beantwortet, wurde dieser fehlende Wert durch die
Ausprägung 1, also die Bedeutung „nie“, ersetzt. Der Wertebereich der Variablen
„soziales Engagement“ umfasst die Werte 2 bis 8. Wie die Variable
„Ausbildungsdauer“ trägt auch die Variable „soziales Engagement“ den letzten
gültigen Wert, den der Index vor dem Beginn einer Episode annimmt.
Internale
Kontrolleinstellung
In
den Befragungswellen der Jahre 1994 bis 1996 wurden die Befragten zu einer
Reihe von Aussagen nach ihrer Zustimmung befragt. Sie konnten jeweils voll
zustimmen (1), eher zustimmen (2), eher nicht zustimmen (3) oder überhaupt
nicht zustimmen (4).
Die verschiedenen Aussagen waren:
|
Ich kann ziemlich viel von dem, was in meinem
Leben passiert, selbst bestimmen |
|
Mein Leben wird von meinem Verhalten bestimmt |
|
Wenn ich Pläne schmiede, bin ich sicher, dass
das Geplante auch Wirklichkeit wird |
Stimmt
die befragte Person diesen Aussagen zu, nimmt die Variable „internale
Kontrolleinstellung“ den Wert 1 an. Liegt zu mindestens einer der drei Aussagen
keine Zustimmung vor, nimmt die Variable den Wert 0 an. Die Variable trägt den
letzten gültigen Wert, der vor dem Episodenbeginn gemessen werden kann.
Mobilitätsbereitschaft
In
allen von mir berücksichtigten Befragungswellen wurde den interviewten Personen
die Frage gestellt, ob sie bereit wären, aus beruflichen oder familiären
Gründen den Wohnort zu wechseln. Die drei möglichen Antwortkategorien auf diese
Frage sind: ja (1), kommt darauf an, will ich nicht ausschließen (2) und nein,
ausgeschlossen, kaum denkbar (3).
Die Variable „Mobilitätsbereitschaft“ nimmt den
Wert 1 an, wenn der Befragte auf die Frage mit ja (1) antwortet, andernfalls
nimmt sie den Wert 0 an. Der letzte gültige Wert vor dem Episodenbeginn ist in
der Variablen enthalten.
Bedeutung
des beruflichen Erfolges
In
vier Befragungswellen zwischen 1994 und 1999 wurde die Frage gestellt, wie
wichtig bestimmte Bereiche des Lebens für die Zufriedenheit des Befragten sind.
Einer dieser abgefragten Bereiche war der berufliche Erfolg.
Es stehen vier Antwortkategorien
zur Verfügung: sehr wichtig (1), wichtig (2), weniger wichtig (3) und ganz
unwichtig (4). Die Variable „Bedeutung des beruflichen Erfolges“ nimmt den Wert
1 an, wenn die Befragten angeben, der berufliche Erfolg sei für ihre
Zufriedenheit sehr wichtig. Die Variable trägt den letzten gültigen Wert, der
vor dem Beginn der Arbeitslosigkeit aufgenommen wurde.
Regionale
Arbeitslosenquote
Im
Statistischen Jahrbuch 2001 sind die jährlichen, durchschnittlichen
Arbeitslosigkeitsquoten der Jahre 1991 bis 2000 für jedes Bundesland
dokumentiert. Diese Quote gibt jeweils die Arbeitslosen in Prozent der
abhängigen zivilen Erwerbspersonen an (Statistisches Jahrbuch 2001). Die
länderspezifische Arbeitslosenquote wird entsprechend dem Jahr, in dem eine
Arbeitslosigkeitsepisode beginnt, in der Variablen „regionale
Arbeitslosenquote“ aufgenommen.
Tabelle
A1: Geschätzte
monatliche Effekte der bisherigen Arbeitslosigkeitsdauer und des Geschlechts in
Ostdeutschland
|
Dauer |
ln(Dauer) |
vorherige
Arbeitslosigkeitsdauer in Monaten |
Frau |
|
||
|
|
|
5 |
12 |
24 |
ja |
|
|
1 |
0,00 |
-0,11 |
-0,26 |
-0,53 |
-0,64 |
|
|
2 |
0,69 |
-0,08 |
-0,20 |
-0,40 |
-0,49 |
|
|
3 |
1,10 |
-0,07 |
-0,17 |
-0,33 |
-0,40 |
|
|
4 |
1,39 |
-0,06 |
-0,14 |
-0,28 |
-0,34 |
|
|
6 |
1,79 |
-0,04 |
-0,10 |
-0,21 |
-0,25 |
|
|
8 |
2,08 |
-0,03 |
-0,08 |
-0,15 |
-0,19 |
|
|
10 |
2,30 |
-0,02 |
-0,06 |
-0,11 |
-0,14 |
|
|
12 |
2,48 |
-0,02 |
-0,04 |
-0,08 |
-0,10 |
|
|
14 |
2,64 |
-0,01 |
-0,03 |
-0,05 |
-0,06 |
|
|
16 |
2,77 |
-0,01 |
-0,01 |
-0,03 |
-0,03 |
|
|
18 |
2,89 |
0,00 |
0,00 |
-0,01 |
-0,01 |
|
|
20 |
3,00 |
0,00 |
0,01 |
0,01 |
0,02 |
|
|
22 |
3,09 |
0,01 |
0,01 |
0,03 |
0,04 |
|
|
24 |
3,18 |
0,01 |
0,02 |
0,04 |
0,06 |
|
|
26 |
3,26 |
0,01 |
0,03 |
0,06 |
0,07 |
|
|
28 |
3,33 |
0,01 |
0,04 |
0,07 |
0,09 |
|
|
30 |
3,40 |
0,02 |
0,04 |
0,08 |
0,10 |
|
Tabelle A2: Piecewise Constant Exponential
Modell mit periodenspezifischen Effekten für Westdeutschland
|
|
1. Periode Monate 1-3 |
2. Periode Monate 4-12 |
3. Periode ab Monat 13 |
|||
|
Periodeneffekt |
- 0.5589 |
|
- 1.1982 |
** |
- 2.4336 |
*** |
|
Regionale
AL-Quote (-) |
- 0.0994 |
*** |
-0.1074- |
*** |
0.0098 |
|
|
Jahr
des Beginns: 1998 |
0.2912 |
|
0.1085 |
|
- 0.1431 |
|
|
Jahr
des Beginns: 1997 |
0.4598 |
|
0.1612 |
|
- 0.2955 |
|
|
Jahr
des Beginns: 1996 |
0.0593 |
|
0.1353 |
|
-0.4242 |
|
|
Jahr
des Beginns: 1995 |
0.0694 |
|
- 0.0256 |
|
- 0.1899 |
|
|
Ausbildungsdauer (+) |
0.0318 |
|
0.1034 |
*** |
0.1484 |
*** |
|
Bisherige Erwerbsdauer (+) |
0.0003 |
|
0.0026 |
|
0.0100 |
|
|
Vorherige
Erwerbstätigkeit (+) |
0.5272 |
*** |
0.4451 |
*** |
- 0.2571 |
|
|
Bisherige
AL-Dauer (-) |
- 0.0032 |
|
- 0.0002 |
|
0.0085 |
|
|
Alter (-) |
- 0.0388 |
*** |
- 0.0459 |
*** |
- 0.0723 |
*** |
|
Ausländer (-) |
- 0.6150 |
*** |
- 0.5398 |
*** |
- 0.1135 |
|
|
Frau (-) |
- 0.1990 |
|
- 0.2421 |
|
- 0.7143 |
** |
|
Kinder (♀) (-) |
- 0.0954 |
|
0.0907 |
|
0.5994 |
*** |
|
Kleinkinder
(♀) (-) |
- 1.1325 |
*** |
- 0.3770 |
* |
- 0.0029 |
|
|
Einkommen
des Ehepartners (♀) (-) |
0.0766 |
|
0.1976 |
|
0.5206 |
|
|
Kinder (♂) (-) |
0.0793 |
|
0.0534 |
|
0.2696 |
** |
|
Kleinkinder (♂) (-) |
- 0.0167 |
|
0.0256 |
|
- 0.0421 |
|
|
Einkommen
des Ehepartners (♂) (-) |
0.3388 |
|
- 0.5593 |
* |
- 0.1601 |
|
|
Unterstützungsanspruch
(-) |
- 0.2652 |
** |
- 0.0089 |
|
0.2906 |
|
|
Soziales
Engagement (+) |
0.0204 |
|
- 0.0044 |
|
0.0906 |
|
|
Internale
Kontrolleinstellung (+) |
0.1672 |
|
0.1408 |
|
0.2630 |
|
|
Bedeutung
des berufl. Erfolges (+) |
0.0512 |
|
0.0191 |
|
0.4302 |
* |
|
Mobilitätsbereitschaft
(+) |
- 0.0398 |
|
0.0709 |
|
0.4827 |
** |
Signifikanzniveaus: *** 1%, ** 5%, * 10%;
n=1413; Log-Likelihood (Ausgang: - 3178.46): - 2897.48
Für den Jahresbeginn 1999 wurde keine Variable
gebildet, da diese in der dritten Periode einen konstanten Wert annehmen würde
Tabelle A3:
Piecewise Constant Exponential Modell mit
periodenspezifischen Effekten für Ostdeutschland
|
|
1. Periode Monate 1-3 |
2. Periode Monate 4-12 |
3. Periode ab Monat 13 |
|||
|
Periodeneffekt |
- 0.7517 |
|
- 0.1056 |
|
- 0.7474 |
|
|
Regionale AL-Quote (-) |
0.2635 |
|
- 0.7118 |
* |
- 0.6507 |
|
|
Jahr des Beginns: 1998 |
- 0.0167 |
|
0.1051 |
|
- 0.0879 |
|
|
Jahr des Beginns: 1997 |
- 0.2047 |
|
0.1170 |
|
0.0728 |
|
|
Jahr des Beginns: 1996 |
0.0785 |
|
- 0.1351 |
|
- 0.2583 |
|
|
Jahr des Beginns: 1995 |
- 0.0668 |
|
- 0.1117 |
|
- 0.4022 |
|
|
Ausbildungsdauer (+) |
0.0283 |
|
0.0461 |
* |
0.0708 |
|
|
Bisherige Erwerbsdauer (+) |
- 0.0015 |
|
0.0038 |
|
0.0036 |
|
|
Vorherige Erwerbstätigkeit (+) |
0.2858 |
** |
0.3726 |
*** |
0.0394 |
|
|
Bisherige AL-Dauer (-) |
-
0.0271 |
*** |
-
0.0076 |
|
0.0061 |
|
|
Alter (-) |
-
0.0371 |
*** |
-
0.0476 |
*** |
-
0.0558 |
*** |
|
Ausländer (-) |
- 0.0135 |
|
- 1.1311 |
|
0.3233 |
|
|
Frau (-) |
- 0.5309 |
*** |
- 0.1996 |
|
- 0.0960 |
|
|
Kinder (♀) (-) |
0.0577 |
|
- 0.0656 |
|
- 0.1176 |
|
|
Kleinkinder (♀) (-) |
- 1.1034 |
*** |
- 0.6106 |
*** |
0.1757 |
|
|
Einkommen des Ehepartners (♀) (-) |
- 0.1472 |
|
0.0442 |
|
0.3082 |
|
|
Kinder (♂) (-) |
- 0.0658 |
|
0.1218 |
|
0.1330 |
|
|
Kleinkinder (♂) (-) |
- 0.0306 |
|
- 0.1563 |
|
0.1601 |
|
|
Einkommen des Ehepartners (♂) (-) |
0.1426 |
|
0.4051 |
*** |
0.3490 |
|
|
Unterstützungsanspruch (-) |
- 0.4142 |
*** |
- 0.0826 |
|
0.1137 |
|
|
Soziales Engagement (+) |
0.0722 |
|
0.0870 |
* |
0.0632 |
|
|
Internale Kontrolleinstellung (+) |
- 0.0532 |
|
0.0436 |
|
0.0701 |
|
|
Bedeutung des berufl. Erfolges (+) |
- 0.0132 |
|
0.0399 |
|
0.0761 |
|
|
Mobilitätsbereitschaft (+) |
- 0.2031 |
|
0.0541 |
|
- 0.0095 |
|
Signifikanzniveaus: *** 1%, ** 5%, * 10%; n=1557; Log-Likelihood (Ausgang: - 3855.08): - 3619.51
Für den Jahresbeginn 1999 wurde keine Variable
gebildet, da diese in der dritten Periode einen konstanten Wert annehmen würde