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In memoriam Karl-Heinz Hillmann
(14. Juni 1938 - 31. Oktober 2007)

Nachruf von Christian Zengel, M.A., und Prof. Dr. Wolfgang Walter
[KZfSS, 60, 2008: 212]

Prof. Hillmann verstarb am 31.10.2007 in Würzburg nach kurzer schwerer Krankheit. Als soziologischer Generalist beschäftigte er sich in seinen Werken unter anderem mit Konsumforschung, Wirtschaftssoziologie, Empirischer Sozialforschung, Umweltsoziologie, Gegenwartsdiagnosen und Wertwandelforschung. Hillmann orientierte sich in seiner wissenschaftlichen Forschung an dem wandelbaren soziokulturellen Lebenszusammenhang, der soziologisch durch eine Verflechtung von Kultur, Gesellschaft und Persönlichkeit gekennzeichnet ist. Er betrieb die Soziologie stets als kritisch-konstruktive, theorienpluralistische Erfahrungswissenschaft, die in enger Verknüpfung mit anderen Sozialwissenschaften und der Philosophie zu begreifen ist. Nach seinem Studium der Soziologie, Psychologie, Wirtschaftswissenschaften, Neueren Geschichte und Philosophie an der FU Berlin erwarb er zunächst 1965 das Diplom in Soziologie und wurde am 10.11.1969 an der Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät der FU Berlin mit einer Arbeit über „Ein Modell des homo sociologicus und seine Relevanz für die Analyse des Konsumentenverhaltens in der modernen Wohlstandsgesellschaft“ promoviert. Seit 1970 war er, dem Berliner Soziologen Günter Hartfiel nach Würzburg folgend, maßgeblich am Aufbau des Instituts für Soziologie und dem bei den Studierenden zunehmend beliebter werdenden Lehrbetrieb beteiligt. 1985 habilitierte er sich mit „Umweltkrise und Wertwandel. Die Umwertung der Werte als Strategie des Überlebens“. 1988 war er Begründer der Sektion Wirtschaftssoziologie in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie und deren Sektionssprecher bis 1995. Verschiedene Gastprofessuren führten ihn u.a. nach Siegen (1985-86), Kiel (1990) und Salzburg (1991-92). Er zeichnete sich besonders durch sein hohes Engagement als Vertrauensdozent der Friedrich-Naumann-Stiftung (1983-2003) aus. Zu seinen wichtigsten wissenschaftlichen Veröffentlichungen gehören die „Allgemeine Wirtschaftssoziologie“ (1988) und die „Überlebensgesellschaft“ (1998), in der er die Soziologie vor der Herausforderung sieht, durch Forschung, Aufklärung und Beratung zur Bewältigung von Krisen und Problemen sowie zur Verbesserung der Lebensqualität und des sozialen Zusammenlebens beizutragen. Zu viel beachteten Standwerken wurden seine Monographie „Wertwandel: Ursachen – Tendenzen – Folgen“ (2003) und das bereits in 5. Auflage erschienene „Wörterbuch der Soziologie“ (2007). Auch nach seiner Versetzung in den Ruhestand hielt Professor Hillmann noch Lehrveranstaltungen ab. Er gab der Soziologie weit über Würzburg hinaus ein Gesicht und verstand es, mit seinem schlagfertigen Verstand und herausragendem didaktischen Können, mit seinem intellektuellen Scharf- und Weitblick und seiner offenen Haltung dem Fach Soziologie einen unverwechselbaren Charakter zu verleihen. Die Soziologie verliert einen geschätzten Kollegen, einen Generalisten im besten Sinne und einen engagierten Hochschullehrer. 

Christian Zengel und Wolfgang Walter

 

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