






Das doppelte Paradoxon: Weiblich und jung
Kaum zu glauben, aber endlich ist der Personalwirtschaftslehrstuhl wieder besetzt. Und was für eine Besetzung! Nicht nur, daß hier das Durchschnittsalter der Wiso-Professoren locker um 15 Jahre gesenkt wird, es handelt sich zudem, man höre und staune, um eine weibliche Professorin. Womit der Frauenanteil im BWL-Bereich um 100 Prozent gestiegen ist auf eine Einheit Prof. Dr. Uschi Backes-Gellner. Erst mal zur Person: 36 - 1 - 1 (36 Jahre, ein Mann, ein Sohn). Studiert hat sie in Trier und zwar zuerst mal drei Semester BWL. Das war ihr aber irgendwie nicht theoretisch genug, so daß sie vorübergehend auf VWL wechselte und in diesem Fach 1984 ihr Diplom machte. Die Promotion folgte dann 1987, diesmal in BWL. Sehr interessantes Thema: Ökonomie der Hochschulforschung. Ist Forschungseffizienz meßbar? Sind Studenten/-innen ein Hemmschuh für die Forschung? Forschen Professoren, die viel lehren, weniger? Das Ergebnis ist sicher für alle Studierenden sehr interessant: NEIN, Studierende hemmen Professoren nicht! Im Gegenteil, das kann sogar sehr fruchtbar sein! 1988 ging es dann erst mal nach Amerika, wo sie an der North Western University graduierte. Danach arbeitete Frau Backes-Gellner an der Uni Trier als akademische Rätin. Bis zu ihrer Habilitation 1995 war sie noch mal in Amerika und befaßte sich mit Bildung im internationalen Vergleich. Über ein ähnliches Thema war dann auch die Habilitation: Betriebliche Bildung im internationalen Vergleich, der sich aber auf Frankreich, Luxemburg und Großbritannien bezog. Sie hat die Habilitation am 24.5.95 beendet. Auf die ausgeschriebene Stelle bei uns hatte sich Frau Backes-Gellner schon vorher beworben. Den Job hatte sie also schon in der Tasche, bevor der ganze Streß vorbei war. (Sicher auch ein schönes Gefühl.) Weshalb gerade Köln? Reizvoll war die Perspektive, einen Lehrstuhl völlig neu mit einem jungen Team aufzubauen, da es (praktisch) keinen Vorgänger gibt. Damit keine falsche Vorstellungen aufkommen: Ihre Ausrichtung geht nicht in den Bereich Personalmanagement oder -entwicklung, sondern ist ökonomisch ausgerichtet. Stichwort: Transaktionskostenansatz. Also nix weiche BWL, hier geht´s knallhart ökonomisch zu. Von unserer Sicht aus (als Wipädlerinnen) ist das eine gute Ergänzung, auch wenn es im Rahmen des Fächerkanons für das Erste Staatsexamen nicht anerkannt wird. Die bürokratischen Mühlen mahlen halt etwas langsam. Sie bietet im Hauptstudium dieses Semester neben ihrer speziellen BWL auch den allgemeinen Teil an, mit dem man schon dieses Semester ins Examen gehen kann. In der speziellen BWL wird ein Examen erst in zwei Semestern möglich sein, da drei Vorlesung obligatorisch zu diesem Fach gehören. Zur Zeit nimmt sie Diplomarbeiten nur fallweise an, da bisher nur ein Assistent (H. Wegmüller) zur Verfügung steht, der aber im Frühjahr von zwei weiteren Assistenten Verstärkung bekommt. Die Materialen zu den Veranstaltungen liegen in der Bibliothek des Orgaseminars aus, die ab sofort beiden Lehrstühlen zugeordnet ist. Frau Backes-Gellner hofft auf einen fruchtbaren Dialog mit den Student/-innen, da sie (siehe Promotion) gerne in der Lehre tätig ist. Für alle jetzt freien und zukünftig frei werdenden Lehrstühle können wir der Univer-sitätsverwaltung nur zurufen: Weiter so! Ihr seid auf dem richtigen Weg!
Stephanie Haacke und Sabine Hüsch
WiSo-Mitteilungen, (12. Februar 1996), E-Mail: WiSo-Mitteilungen@Uni-Koeln.DE
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an der Universität zu Köln.
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