Website Thomas Jeschke
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Teaching Blog

An dieser Stelle berichte ich sporadisch von meinen Erfahrungen und über meine Ideen zur Lehre.


[08.06.2018] Relaunch des Kurses

Nachdem lange Zeit verhältnismäßig wenig im ILIAS-Kurs los war, kam die letzten paar Tage wieder Bewegung in das Ganze. Pünktlich zur Deadline am 07.06. etablierten sich die einzelnen Gruppen mit ihren Themen: das geht jetzt von Augustinus über die Bauernbefreiung bis in die Frühe Neuzeit. Trotz der Versuchung, mich inhaltlich/organisatorisch einzumischen, habe ich mich konsequent zurückgehalten – und am liebsten nur Fragen beantwortet. Und siehe da: es geht! Der Kurs, so meine ich, ist auf einem guten Weg, und das haben die Studierenden aus eigener Kraft geschafft.
NB: Meiner Beobachtung nach ist die Unklarheit in der Gestaltung des Kurses (die ich unter das Stichwort ‚Freiheit‘ packe) für die Studierenden nur schwer zu ertragen. Wenn sie das allerdings reflektieren und daraus ihre Schlüsse ziehen, war das Seminar ein voller Erfolg!

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[12.04.2018] Fulminanter Start ins neue Semester/in den neuen Kurs!

Nur ganz kurz: Das unten erwähnte Lehrprojekt ist meiner Einschätzung nach recht fulminant gestartet. Nach einer kurzen Einführung ins Konzept der Methode „upside down“, also der Beteuerung, dass es weder inhaltliche noch formale Vorgaben zu beachten gilt, startete sofort eine Diskussion über eben inhaltliche und formale sowie organisatorische Aspekte. Alle meine Backups sind erst einmal unnötig gewesen. Während der überwiegenden Zeit im Seminar war ich nur ‚Zaungast‘ – weder Dozierender noch Moderierender, sondern einfach nur Zuhörer.
Ich bin überrascht und einigermaßen geflasht, wie eigeninitiativ die Studierenden sind, wenn ich sie nur lasse! (Shame on me!)

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[10.01.2018] Innovatives Lehrprojekt

Im Rahmen des NRW Zertifikats „Professionelle Lehrkompetenz für die Hochschule“ plane ich für das SoSe 2018 ein Online-Seminar „upside down“. Dabei soll es darum gehen, dass die Studierenden gemeinsam und mit meiner Hilfe einen Online-Kurs erstellen, und zwar „ab ovo“ oder „from scratch“. Über das Thema hinaus wird nichts vorgegeben sein („tabula rasa“) – Struktur und Inhalt des Kurses werden sie gemeinsam entwickeln und in ILIAS umsetzen. Auch die Organisationsform wird nicht vorgegeben sein.
Diese strukturellen, inhaltlichen und organisatorischen Freiheit setzen aber ein Höchstmaß an ‚Commitment‘ voraus; „upside down“ heißt zudem, dass die Studierenden aus der „Konsumierenden-“ in die „Produzierendenrolle“ schlüpfen müssen.
Lernziele sind (unter anderen): (1) Kognitiv: Die Studierenden können wichtige Freiheitstheorien im Mittelalter ausfindig machen und deren essentielle Merkmale beschreiben. Sie können Freiheitstheorien im Mittelalter von Freiheitstheorien anderer Epochen abgrenzen. (2) Affektiv: Die Studierenden erfahren, was Freiheit des Studiums bedeutet und lernen, mit diesen Freiheiten umzugehen. (3) Psychomotorisch: Die Studierenden verbessern ihre Selbst- und Teamkompetenz. Sie erproben zudem ihre Kompetenz, einen Philosophiekurs „from scratch“ zu entwickeln.
Ich werde an dieser Stelle immer wieder vom Fortschritt dieses ‚Experiments‘ berichten.

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[13.10.2017] Warum Blended Learning?

Die Erfahrung zeigt, dass Studierendengruppen immer heterogener werden. Zwar gab es an der Uni noch nie wirklich homogene Gruppen, aber die Diversifizierung wird immer stärker. Das hat einerseits damit zu tun, dass Seminare, vor allem aber Vorlesungen nicht auf Erst-, Zweit- oder höhere Semester beschränkt sind, sondern weitgehend offen. Während in den alten Studiengängen im Proseminar Studierende vom ersten bis zum 13.(+) Semester saßen, ist das heute anders, aber die Bandbreite ist – anders als in der Schule – immer noch groß genug. Dazu kommen andererseits noch weitere Faktoren, die eher im persönlichen Bereich zu verorten sind. Zum Beispiel kommen immer mehr Studierende aus sogenannten „bildungsfernen“ Elternhäusern an die Hochschule. Das ist grundsätzlich zu begrüßen, weil es die Chancengleichheit erhöht. Es bringt aber für uns Dozierende ein Problem mit sich, auf das wir (noch) nicht ausreichend antworten können (als Lösungsmöglichkeit wäre eine peer-to-peer Betreuung durch höhere Semester denkbar). Ein zweites Problem ist, dass Studierende heute vielfältige andere Verpflichtungen haben – ob die immer gerechtfertigt sind, sei dahingestellt (ich glaube immer noch, dass Studium=Ausbildung=Full time job). Auch muss man konstatieren, dass die Informationsbeschaffung heute anders (schneller, intuitiver, auch ‚ungeduldiger‘) ist als es bisher der Fall war.

Wenn diese Beschreibung zutrifft, könnte Blended Learning eine große Chance sein, in möglichst flexibler Weise auf die einzelnen Bedürfnisse der einzelnen Studierenden einzugehen. Der offensichtliche Vorteil von Online-Kursen ist natürliche ihre Flexibilität im Sinne der asynchronen Teilnahme. Die ‚Eulen‘ können spät, die ‚Lerchen‘ früh das Material bearbeiten (oder auch mal umgekehrt, wenn die Lebenssituation dies erfordert). Damit verbunden ist in vielen Fällen aber auch eine inhaltliche Flexibilität. Man kann sich zuerst mit Material beschäftigen, das einen interessiert oder einem bekannt vorkommt, um sich von da aus zu ‚sekundär Interessantem‘ oder Unbekanntem vorzuwagen.

So besitzt E-Learning eine Freiheit, die – wie alle Freiheiten – eine große Gefahr mit sich bringt: Man tut einfach nichts. Diese Freiheit kann man aber nur selbst meistern. Frei wird man nicht dadurch, dass andere einen leiten, sondern dadurch, dass man sich selbst leitet. Dazu gehört auch die Möglichkeit zu scheitern. Wenn man aus dem Scheitern oder aus der Selbstdisziplinierung lernt, kann das wiederum zu einer größeren, echten Freiheit führen.

Damit es nicht beim Scheitern bleibt, ist es mir wichtig, dass die Studierenden Feedback bekommen können: durch Sprechstunden, Emailkontakt oder durch Präsenzsitzungen, in denen Probleme thematisiert werden. Noch schöner wäre es, wenn die Studierenden sich vernetzten und Peer groups bildeten, um ihre Probleme auf ‚Augenhöhe‘ zu lösen. Aber auch hier gilt: Ich als Dozierender kann das nur als Hilfestellung anbieten – ich kann und sollte keine/n zum Lernerfolg zwingen oder tragen!

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