Website Thomas Jeschke
teaching image

Lehrkonzept

Mir geht es in der Lehre vor allem um das Lernen und darum, dass die Studierenden ihren eigenen Weg gehen. Ich sehe mich daher eher als Trainer oder Begleiter der Studierenden, eher als ‚Mäeutiker‘ und weniger als ihr ‚Lehrmeister‘. Ich bin davon überzeugt, dass jede/r ihren/seinen eigenen Zugang zur Philosophie finden kann und soll - und dabei möchte ich unterstützen.

Zurzeit ‚experimentiere‘ ich mit digitalen Lehrformen (ILIAS E-Learning, Blended Learning), um eine möglichst passgenaue und individuelle Unterrichtsgestaltung zu ermöglichen.

Warum Blended Learning?

Die Erfahrung zeigt, dass Studierendengruppen immer heterogener werden. Zwar gab es an der Uni noch nie wirklich homogene Gruppen, aber die Diversifizierung wird immer stärker. Das hat einerseits damit zu tun, dass Seminare, vor allem aber Vorlesungen nicht auf Erst-, Zweit- oder höhere Semester beschränkt sind, sondern weitgehend offen. Während in den alten Studiengängen im Proseminar Studierende vom ersten bis zum 13.(+) Semester saßen, ist das heute anders, aber die Bandbreite ist – anders als in der Schule – immer noch groß genug. Dazu kommen andererseits noch weitere Faktoren, die eher im persönlichen Bereich zu verorten sind. Zum Beispiel kommen immer mehr Studierende aus sogenannten „bildungsfernen“ Elternhäusern an die Hochschule. Das ist grundsätzlich zu begrüßen, weil es die Chancengleichheit erhöht. Es bringt aber für uns Dozierende ein Problem mit sich, auf das wir (noch) nicht ausreichend antworten können (als Lösungsmöglichkeit wäre eine peer-to-peer Betreuung durch höhere Semester denkbar). Ein zweites Problem ist, dass Studierende heute vielfältige andere Verpflichtungen haben – ob die immer gerechtfertigt sind, sei dahingestellt (ich glaube immer noch, dass Studium=Ausbildung=Full time job). Auch muss man konstatieren, dass die Informationsbeschaffung heute anders (schneller, intuitiver, auch ‚ungeduldiger‘) ist als es bisher der Fall war.

Wenn diese Beschreibung zutrifft, könnte Blended Learning eine große Chance sein, in möglichst flexibler Weise auf die einzelnen Bedürfnisse der einzelnen Studierenden einzugehen. Der offensichtliche Vorteil von Online-Kursen ist natürliche ihre Flexibilität im Sinne der asynchronen Teilnahme. Die ‚Eulen‘ können spät, die ‚Lerchen‘ früh das Material bearbeiten (oder auch mal umgekehrt, wenn die Lebenssituation dies erfordert). Damit verbunden ist in vielen Fällen aber auch eine inhaltliche Flexibilität. Man kann sich zuerst mit Material beschäftigen, das einen interessiert oder einem bekannt vorkommt, um sich von da aus zu ‚sekundär Interessantem‘ oder Unbekanntem vorzuwagen.

So besitzt E-Learning eine Freiheit, die – wie alle Freiheiten – eine große Gefahr mit sich bringt: Man tut einfach nichts. Diese Freiheit kann man aber nur selbst meistern. Frei wird man nicht dadurch, dass andere einen leiten, sondern dadurch, dass man sich selbst leitet. Dazu gehört auch die Möglichkeit zu scheitern. Wenn man aus dem Scheitern oder aus der Selbstdisziplinierung lernt, kann das wiederum zu einer größeren, echten Freiheit führen.

Damit es nicht beim Scheitern bleibt, ist es mir wichtig, dass die Studierenden Feedback bekommen können: durch Sprechstunden, Emailkontakt oder durch Präsenzsitzungen, in denen Probleme thematisiert werden. Noch schöner wäre es, wenn die Studierenden sich vernetzten und Peer groups bildeten, um ihre Probleme auf ‚Augenhöhe‘ zu lösen. Aber auch hier gilt: Ich als Dozierender kann das nur als Hilfestellung anbieten – ich kann und sollte keine/n zum Lernerfolg zwingen oder tragen!

↑   Nach oben