Geflüchtete Musiker:innen aus Westafrika und Studierende aus Köln – das bedeutet das Zusammenkommen verschiedenster Lebenserfahrungen und Kulturen. Diese vertrauensvoll und auf Augenhöhe zusammenzubringen, war ein ebenso schwieriger wie elementarer Punkt für das Gelingen des Projekts – zumal es aufgrund der Coronapandemie kaum möglich war, sich persönlich zu treffen.
Die Musik war dabei nicht nur Forschungsgegenstand, sondern das verbindende Element. »Rap als größte Entwicklung moderner Popmusik unserer Zeit geht auf afrikanische Traditionen zurück. Er entwickelte sich als Musikrichtung im Wesentlichen in den USA, wurde dann nach Europa und wieder zurück nach Afrika exportiert. Und schließlich ›reist‹ Rap aus Afrika im Gepäck des westafrikanischen Rappers RazPick zu uns nach Köln«, so Kautny, der als Gründer des Cologne Hip Hop Institute einige fachliche Expertise mitbringt.
Sein Kollege Eckehard Pistrick erforscht seit fünf Jahren vergleichend Formen migrantischer Kreativität im Kontext von Integration und Diversität. Er beobachtet eine zunehmend globale Zirkulation von Musik und Musiker:innen, eine Form des Kulturtransfers, der kulturelle Gewissheiten in Frage stellt und die Diskussion – gerade auch im Seminarkontext – anregt.
»Ein Schlüsselereignis war das Künstlerportrait von RazPick, der sich im Seminar selbst vorgestellt hat. Er stand neunzig Minuten im Mittelpunkt einer virtuellen Seminarsitzung und konnte seine Biografie sowie seine Musik präsentieren.
Ihm war es wichtig, nicht nur seine künstlerisch beachtlichen Musikvideos zu präsentieren. Er hat seine Songs in Zoom auch live über das Smartphone gerappt und dafür viel Applaus bekommen. Das war ein wichtiger Moment, in dem er gemerkt hat, dass seitens der Studierenden ernsthaftes Interesse besteht und dadurch eine gemeinsame Verbindung entsteht«, sagt der Musikethnologe.
Es geht um mehr als Musik
Um eine gemeinsame Sprache zu schaffen, haben die Musiker:innen Beispiele westafrikanischer Musik vorgespielt. Daran erinnert sich auch Pelle Reifenstein, der als Student der Musikvermittlung gemeinsam mit anderen Studierenden mit dem aus einer westafrikanischen Musikerfamilie stammenden Reggaemusiker Hifa zwei Songs produziert hat. Reifenstein hatte bereits Vorerfahrungen – er produziert eigene Rapbeats – doch in diesem Projekt musste er sich auf kreatives Neuland bewegen.