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Kompass 82

Mailing-Listen am ZAIK/RRZK
Limba e curtura de sa Sardigna - Sprache und Kultur Sardiniens im Internet
Sa-Limba - die sardische Sprache steht zur Diskussion
Das Archiv
Animierte Sprachkarten Sardiniens
Sardische Literatur und Literaturübersetzungen ins Sardische
Datenbank sardischer Texte
Ausblick auf Erweiterungen
Chancen des Sardischen durch die maschinelle Übersetzung
Comente si siada, ma faeddhamus!


Sa-Limba: Das Sardische im Internet

Mailing-Listen am ZAIK/RRZK

Mailing-Listen sind mittlerweile beliebte Diskussionsforen sowohl auf weltweiter, als auch lokaler Ebene. Am ZAIK/RRZK (Zentrum für Angewandte Informatik der Universität zu Köln/Bereich Universitätsweiter Service) existieren eine Vielzahl von Listen: einerseits Listen, die wichtige Informationen im Zusammenhang mit dem Rechner- und Netzbetrieb austauschen und diesbezügliche Themen diskutieren (die sogenannten Betreuerlisten), andererseits solche, die Interessengruppen und Belange des universitären Forschens und Wirkens betreffen (öffentliche Listen): Hier trifft man z.B. neben den Listen zum Erfahrungsaustausch zwischen BenutzerInnen verschiedener Betriebssysteme auch auf die Listen der Fachschaften, Listen zur Examensvorbereitung etc. (in Auswahl siehe: http://www.unikoeln.de/rrzk/maillist/). Viele dieser EMail-Listen werden archiviert und sind, in manchen Fällen allerdings nur nach Kennworteingabe, unter http://www.unikoeln.de/bin2/maillist/all einsehbar.

Bei den Listen handelt es sich um Majordomo-Mailinglisten, die von allen Benutzern mit den entsprechenden Majordomo-Befehlen subskribiert werden können (vgl. http://www.unikoeln.de/rrzk/ maillist/majordomo).

Mit freundlicher Hilfe des Rechenzentrums eingerichtet und seit 23. Januar 1999 voll funktionsfähig und stark frequentiert, existiert nun eine neue Liste, die einerseits in engem Zusammenhang mit einem schon länger laufenden universitären Forschungsvorhaben steht, andererseits aber auch von grenzüberschreitendem, weltweitem Interesse ist: Sa-Limba, die erste und bisher einzige Mailingliste zur Förderung der sardischen Sprache und Kultur.

Limba e curtura de sa Sardigna - Sprache und Kultur Sardiniens im Internet

Seit 1994 bereits wird an der Sprachlichen Informationsverarbeitung der Universität zu Köln dieses besondere Internet-Projekt gepflegt: PD Dr. Guido Mensching, Verfasser eines Lehrbuches zur sardischen Sprache, und Prof. Dr. Jürgen Rolshoven riefen damals die Homepage Limba e curtura de sa Sardigna auf dem Server der Sprachlichen Informationsverarbeitung (siehe: http://www.spinfo.unikoeln.de/ mensch/sardengl.html) ins Leben. Die Seiten stellen eine wichtige Sammlung von Informationen zur sardischen Sprache und Kultur dar, bieten eine Vielzahl von Links zu thematisch verwandten Homepages, sowie und hier wird das Prinzip der Sprachförderung und -bewahrung deutlich - zu Webseiten, die ausschließlich oder zumindest größtenteils auf Sardisch geschrieben sind, so wie Limba e curtura de sa Sardigna selbst. Denn Sardisch, eine der romanischen Kleinsprachen, die zur Liste der gefährdeten Minderheitensprachen*1 gehören, wird zwar im Bereich der romanischen Sprachwissenschaft sehr wohl in Lehre und Studium besonders wegen mancher sogenannter archaischer, dem Lateinischen nahestehenden Züge behandelt und von einem Großteil der Bewohner Sardiniens als Muttersprache selbstverständlich auch gesprochen, im schriftlichen Gebrauch aber ist die Stellung des Sardischen unter dem Druck der italienischen Staatssprache mehr als schwach. Aus diesem Grunde wurde auf den Seiten der Sprachlichen Informationsverarbeitung auch die Datenbank sardischer Texte eingerichtet, die seither von Stammgästen und Gelegenheitsbesuchern der Limba e curtura de sa Sardigna beständig mit schriftlichem Sprachmaterial des Sardischen gefüttert wird.

Zu Entstehung und Erfolg des Gesamtprojekts konnte bereits eine erste Bilanz gezogen werden, die sich im weiteren Verlauf der Entwicklung nur weiter bestätigen wird: Gerade in bezug auf die Förderung, Bewahrung bzw. Rettung von Minderheitensprachen kommt dem globalen Kommunikationsmedium Internet herausragende Bedeutung zu. Weltweite Zugänglichkeit, Geschwindigkeit und Ökonomie, sowie die relativ simplen Publikationsmechanismen, die dieses Medium im Gegensatz zu den herkömmlichen Massenmedien zu einem Instrument aktiver Produktion und engagierten Handelns auch Einzelner machen, scheinen die Schriftlichkeit ansonsten eher der Oralität verbundener Sprachvarietäten zu fördern. Dementsprechende Ergebnisse wurden 1997 auf dem Kongreß La Lingua Sarda: l'identità socioculturale della Sardegna nel prossimo millennio auf Sardinien von Guido Mensching und Jürgen Rolshoven vorgestellt und sind teilweise vorab bereits für Interessierte auf den Seiten von Limba e curtura de sa Sardigna veröffentlicht worden (siehe: http://spinfo1.spinfo.unikoeln.de/mensch/
papers/articolo.html).

Sa-Limba - die sardische Sprache steht zur Diskussion

Die neue Liste Sa-Limba (Sa-Limba@uni-koeln.de, siehe auch weitere Informationen unter: http://www.spinfo.uni-koeln.de/mensch/Sa-Limba.html) unterstützt die Kölner Forschung und hat folgende Zielsetzung:*2

In ihrem gerade mal fünfmonatigen Leben hat die Liste es auf über 80 Mitglieder gebracht, die sich von Anfang an rege und unermüdlich sowohl an der Diskussion als auch am Auf- und Ausbau der Sardischkorpora und Sammlung von weiterem Sprachmaterial beteiligen. Es handelt sich zum größten Teil um MuttersprachlerInnen, aber auch andere an der sardischen Sprache und Kultur Interessierte, sowie einige auf dem Gebiet der (angewandten) Sprachwissenschaft der sardischen Sprache tätige WissenschaftlerInnen. Eine auffällige Besonderheit der Liste besteht darin, daß die allgemeine Diskussionssprache das Sardische ist, d.h. daß sich auch nicht-sardische MuttersprachlerInnen diesem Sprachgebrauch anpassen, bevor sie z.B. aus Gründen der Unkenntnis des Sardischen - auf das Englische oder Italienische ausweichen.

Mit Einrichtung von Sa-Limba konnten die Seiten von Limba e curtura de sa Sardigna an der Sprachlichen Informationsverarbeitung auch mit Hilfe der Autorin selbst um die folgenden Bestandteile erweitert werden:

Das Archiv

Heinz Stoewe vom ZAIK/RRZK hat freundlicherweise auf dem Afs-Server des ZAIK/RRZK das Archiv von Sa-Limba eingerichtet, in dem alle alten Nachrichten an die Liste abgelegt werden, so daß der Diskussionsverlauf auch für Neusubskribenten oder solche, die es werden wollen, leicht eingesehen und nachvollzogen werden kann.

Animierte Sprachkarten Sardiniens

Nach Befragung von Informatoren, die ja hiermit durch die sardischen MuttersprachlerInnen und Mitglieder der Liste stets zur Verfügung stehen, konnten verschiedene sardische Sprachkarten, d.h. detaillierte Einzelkarten zu bestimmten sprachlichen Phänomenen im Sinne von Sprachatlanten erstellt werden.


Technisch gesehen handelt es sich bei den Karten um ein vorgefertigtes Java Applet, dessen Parameter den Bedürfnissen der Sprachkarten angepaßt wurden: So wurde eine Sardinienkarte als Graphik im GIF-Format, sowie die Koordinaten angebenden Textdateien mit der Extension .zine erstellt. Die vom Browser angezeigte HTML-Datei enthält schließlich die Verweise auf diese Dateien. Darüberhinaus benötigt das Applet, von seinem Erfinder ,,zine" genannt, fünf weitere sogenannte Klassendateien (vgl. A. van Hoff et al. (1996): Hooked on Java. Creating Hot Web Sites with Java Applets. Wokingham: Addison Wesley). Die Inhalte der bisher bestehenden sieben Karten (Namen der Ortschaften der sardischen Listenmitglieder auf sardisch und italienisch, Formen der sardischen Personal- und Possessivpronomen, Formen des Indikativs Präsens und Imperfekt des Verbs essere / sein, die Bezeichnungen für Farben und Kardinalzahlen) werden beständig erweitert und aktualisiert und sollen zukünftig auch maschinell dialektometrisch ausgewertet werden.

Sardische Literatur und Literaturübersetzungen ins Sardische

Die Listenmitglieder haben sich gegenseitig zu fruchtbaren literarischen und Übersetzungstätigkeiten angeregt. Die vorgeschlagenen Übersetzungen bisher meist lyrischer Werke der Weltliteratur (Borges, Rimbaud, Pessoa, Fried u.a.) in verschiedene Varietäten des Sardischen bzw. Übersetzungen aus dem Sardischen werden in der Liste vorgestellt und diskutiert, bevor sie in ihrer Endversion der Datenbank sardischer Texte der Sprachlichen Informationsverarbeitung angefügt und mit einem Link auf die Seite von Sa-Limba versehen werden.

Datenbank sardischer Texte

Bei der Datenbank sardischer Texte (Sardinian Text Database / Colletzione de textos sardos) handelt es sich im Augenblick nur dem Namen nach um eine tatsächliche Datenbank. Datenbankrelevante Funktionen, wie die der Abfragbarkeit, Filterung, sowie auszugsweiser Einsichtnahme der abgelegten Materialien sind bisher nicht möglich. Vielmehr besteht das Textkorpus im Augenblick noch aus einer Sammlung von Textdateien im HTML-Format. Diese sollen aber in Kürze, ebenso wie die gesammelten Nachrichten des Archivs von Sa-Limba mit Hilfe von auf Perl basierenden Formularen abgefragt werden können, um damit die maschinenlesbaren sardischen Sprachressourcen auch öffentlich auswertbar zu machen. Zukünftig ist geplant, diese und andere Komponenten des Projekts mit einem echten Datenbanksystem zu matchen.

Ausblick auf Erweiterungen

Die bisher entstandenen Datensammlungen des Sprachmaterials verschiedenster Art sollen in zukünftigen Vorhaben, wie schon angesprochen, schrittweise automatisiert werden und zwar folgendermaßen:

1. Auf Clientseite:

2. Auf Serverseite:

Chancen des Sardischen durch die maschinelle Übersetzung

Anhand des so erfaßten Sprachmaterials könnte darüber hinaus das von Prof. Dr. Rolshoven entwickelte System LPS zur maschinellen Übersetzung eine wichtige Rolle spielen: Mit dem entsprechenden linguistischen Wissen zum Sardischen und seinen Varietäten könnte das System eine Schnittstelle zwischen den dialektalen Varietäten des Sardischen und einer für die sardische Sprache dringend zu erhoffenden standardisierten orthographischen Form darstellen. SardischsprecherInnen könnten sich damit dann eigene Texte in standardisierter Form bzw. standardisierte Texte in verschiedenen dialektalen Versionen anzeigen lassen. Auch an eine automatische Rechtschreibkorrektur für das Sardische wurde bereits gedacht. Dieser Ansatz wurde ebenfalls auf obengenanntem Kongreß vorgestellt.

Comente si siada, ma faeddhamus!

,,Wie dem auch sei, Hauptsache wir sprechen miteinander...." und zwar auf Sardisch! Die inzwischen auf fast 800 angewachsene Zahl der Botschaften an Sa-Limba steigt von Tag zu Tag. Die Liste und ihre Aktivitäten haben also große Chancen, ein Zünglein an der Waage hinsichtlich derjenigen Entscheidungen zu sein, die die Zukunft des Sardischen als Minderheitensprache mitbestimmen werden.

Eva-Maria Remberger
(Sprachliche Informationsverarbeitung und Romanisches Seminar)


Sonderforschungsbereich 419: Umweltprobleme eines industriellen Ballungsraumes


Kompass 82 - 30 JUN 99
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